Bezirksgericht Zürich Ei nzelgeri cht für SchKG-Klagen
Geschäfts-Nr.: FO170001 U
Urteil vom 5. Oktober 2017
i n Sachen
A._____,
B. _____,
Kläger
1, 2 vertreten durch Rechtsanwältin C._____,
gegen
Konkursmasse der Bank D._____, Beklagte
vertreten durch die Liquidatoren Rechtsanwalt E._____ und Rechtsanwälti n F._____,
diese vertreten durch Rechtsanwalt G._____
betreffend Kollokation (ungesicherte Forderung im Konkurs der Bank D._____)
Rechtsbegehren der Kläger: (act. 1 S. 2) " 1. Die im Konkurs der Beklagten mit Verfügung der Konkursliquida- toren vom 15. März 2017 vorgenommene Kollokation der Kläger für die Forderung von CHF 349'833.73 im Umfange von CHF 100'000 in der zweiten Klasse und im Umfange von CHF 249'833.73 in der dritten Klasse sei aufzuheben und es sei- en die Kläger für die Forderung von CHF 349'833.73 im Umfange von C HF 200'000 in der zweiten Klasse und im Umfange von CHF 149'833.73 in der dritten Klasse zu kollozieren; 2. alles unter Kosten- und Entschädigungsfolge (zzgl. MWST) zu Lasten der Beklagten." Rechtsbegehren der Beklagten: (act. 16 S. 2) " 1. Die Klage sei abzuweisen. 2. Unter Kosten- und Entschädigungsfolgen (zzgl. MWST-Ersatz zu 8%) zu Lasten des Klägers und der Klägerin."
Das Gericht zieht in Erwägung: I. (Vorgeschi chte) 1. Am 10. Mai 2013 eröffneten die Kläger, A._____ und seine Ehefrau B._____ (nachfolgend Kläger 1 und Klägerin 2 bzw. Kläger) mit "Joi nt-Account-Agreement" ei n Euro-Gemeinschafts-konto (und/oder-Konto; Kontonummer ) sowie ein Wertschriftendepot bei der Bank D. (act. 1 S. 3; act. 16 Rz. 5; act. 3/4; act. 17/5). 2. Mit Verfügung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA vom _____ wurde über die Bank D._____ per _____ der Konkurs eröffnet (act. 17/4). Bei der
Beklagten handelt es sich somit um die Konkursmasse der Bank D._____ i n Li- quidation (nachfolgend: Beklagte). 3. Auf den Zeitpunkt der Konkurseröffnung über die Bank D._____, _____, wurden sämtliche Geldguthaben auf dem klägerischen Konto i n Schwei zerfranken umgerechnet. Der daraus resultierende Saldo betrug CHF 349'834.– (act. 16 Rz. 14). 4. Mit Zirkular vom 16. November 2015 teilten die Konkursliquidatoren im Zu- sammenhang mit der Einlagesicherung gemäss Bankengesetz mit: "Geldbeträge auf Gemeinschaftskonten, die auf den Namen mehrerer Bankkunden lauten, werden anteilsmässig auf die beteiligten Bankkun- den aufgeteilt. Jeder dieser Bankkunden erhält maximal den Betrag von C HF 100'000.–" (act. 3/6 S. 3). Am 4. Februar 2016 wurde den Klägern von der Beklagten sodann CHF 100'000.– als privilegierte Einlage im Sinne von Art. 37b Abs. 1 BanKG überwiesen (act. 16 Rz. 15; act. 17/8). 5. Mit E-Mail vom 22. April 2016 teilte der Kläger 1 der Beklagten mi t, dass den Klägern je CHF 100'000.– hätten ausbezahlt werden müssen (act. 3/7 S. 2 f.). Nachdem dem Kläger 1 mit E-Mail vom 29. April 2016 von den Liquidatoren mi t- geteilt wurde, dass nur er ei nen Anspruch auf C HF 100'000.– habe (act. 3/7 S. 1 f.), meldeten die Kläger mit Schreiben vom 28. Juni 2016 weitere CHF 100'000.– als privilegierte Forderung in der 2. Klasse an (act. 1 S. 4; act. 3/8). 6. Mit Kollokationsverfügung vom 15. März 2017 wurde die Forderung der Klä- ger von CHF 349'833.73 im Umfang von C HF 100'000.– in der zweiten Klasse und i m Umfang von C HF 249'833.73 in der dritten Klasse kolloziert (act. 1 S. 5; act. 16 Rz. 15; act. 3/2). Zudem wurde den Klägern Frist zur Klage auf Anfech- tung des Kollokationsplans angesetzt (act. 3/2).
II. (Prozessgeschichte) 1. Mit Eingabe vom 4. April 2017 (Datum Poststempel: 3. April 2017) reichten die Kläger i nnert Frist hierorts Klage mit obgenanntem Rechtsbegehren samt Bei- lagen ein (act. 1; act. 3/2-8). Im Anschluss wurde i hnen mi t Verfügung vom 18. April 2017 Frist angesetzt, um einen Gerichtskostenvorschuss von einstweilen CHF 4'620.– zu lei sten (act. 5), welcher fristgerecht ei ntraf (act. 9). 2. In der Folge wurde der Beklagten mit Verfügung vom 5. Mai 2017 Frist zur schri ftli chen Klageantwort angesetzt (act. 10), welche i nnert zweimalig erstreckter Frist eingi ng (act. 16; act. 17/1-8). 3. Am 14. Juli 2017 wurden die Parteien auf den 8. September 2017 zur Hauptverhandlung vorgeladen (act. 18/1-4). Anlässlich der Hauptverhandlung er- statteten zunächst die Parteivertreter die weiteren Vorträge mündlich (Prot. S. 7 f. und act. 25). Anschliessend wurden der Kläger 1 und die Klägerin 2 zum Thema wi rtschaftli che Berechti gung am Gemeinschaftskonto formell persönlich befragt (act. 26 und 27). Im Anschluss an die Vergleichsgespräche, die zu keiner Eini- gung führten, nahmen die Parteivertreter zu den persönlichen Befragungen münd- li ch Stellung (Prot. S. 8 ff.). Das Verfahren ist spruchreif. III. (Streitgegenstand/Parteivorbringen) 1. Zwischen den Parteien ist strittig, ob bei Gemeinschaftskonten Ei nlangen i m Si nne von Art. 37a BanKG nur einmal bis zum Höchstbetrag von CHF 100'000.– privilegiert der zweiten Klasse nach Art. 219 Abs. 4 SchKG zuzu- weisen si nd oder jeder Kontoinhaber das Privileg geltend machen kann. 2. Hierzu bringen die Kläger vor, dass die Konkursliquidatoren im Zirkular Nr. 1 vom 16. November 2015 erklärten, Geldbeträge auf Gemeinschaftskonten,
die auf den Namen mehrerer Bankkunden lauten, würden anteilsmässig auf die beteiligten Bankkunden aufgeteilt. Jeder dieser Bankkunden erhalte maximal den Betrag von CHF 100'000.– ausbezahlt. Entsprechend seien sie davon ausgegan- gen, dass sie je CHF 100'000.– vergütet erhielten (act. 1 S. 4). 3. Die Beklagte bestreitet nicht, dass die Konkursliquidatoren mit dem besag- ten Zirkular dahingehend informierten, an Gemeinschaftskonten beteiligte Bank- kunden sollen je separat in den Genuss des Privilegs kommen. Es habe sich je- doch dabei von selbst verstanden, dass damit nur wirtschaftlich Berechtigte ge- meint gewesen seien (act. 16 Ziff. 35). Aufgrund der Deklaration der Kläger im Formular A vom 10. Mai 2013 sei davon auszugehen, dass allein der Kläger 1 an den sich auf dem Gemeinschaftskonto befindlichen Vermögenswerten wirtschaft- lich berechtigt sei (act. 16 Rz. 16). Das Privileg im Umfang von CHF 100'000.– sei deshalb nur einmal zu gewähren (act. 16 Rz. 31 ff.). 4. In Bezug auf die wirtschaftliche Berechtigung am Gemeinschaftskonto füh- ren die Kläger aus, H., der damalige stellvertretende Direktor der Genfer Zweigniederlassung der Beklagten, habe ihnen anlässlich der Kontoeröffnung vom 10. Mai 2013 ein bereits ausgefülltes Formular A vorgelegt. Ausweislich des- sen sei der Kläger 1 wirtschaftlich Berechtigter an den Vermögenswerten. Die Kläger hätten das erwähnte Formular aber nur unterschri eben, wei l si e H. vertraut hätten (act. 1 S. 3). Zudem hätten die Kläger die ursprüngliche Angabe zum wirtschaftlich Berechtigten gemäss Formular A in ihrer Forderungseingabe vom 28. Juni 2016 widerrufen und festgehalten, dass beide Kläger zu je 50% an den Vermögenswerten auf dem Gemeinschaftskonto wirtschaftlich berechtigt sei- en (act. 1 S. 4 f.). 5. Von der Beklagten wird bestritten, dass H._____ den Klägern anlässlich der Kontoeröffnung ein vorausgefülltes Formular A vorgelegt haben soll, ohne zuvor die Instruktionen der Kläger eingeholt zu haben. Weiter wird in Abrede gestellt, dass die Kläger das Formular A im Vertrauen auf H._____ ohne nähere Prüfung unterschri eben hätten (act. 16 Rz. 18 und 34). Schliesslich ändere auch der nach- trägliche Widerruf der Kläger betreffend ihrer ursprünglichen Angabe zur wirt-
schaftlichen Berechti gung ni chts an der einmaligen Privilegierung (act. 16 Rz. 21 und 38). 6. Auf die weiteren Parteivorbringen wird sofern entscheidrelevant an gege- bener Stelle eingegangen. IV. (Prozessuales) 1. D i e örtli che und sachliche Zuständigkeit des Einzelgerichts im ordentlichen Verfahren am Bezirksgericht Züri ch ergi bt si ch aus Art. 30 Abs. 1 B IV-F INMA i.V.m. Art. 250 Abs. 1 SchKG i.V.m. § 24 lit. b GOG ZH i.V.m. Art. 198 lit. e Ziff. 6 ZPO. 2. Der Kollokationsplan lag ab dem 16. März 2017 zu r Ei nsi cht auf (act. 3/2 S. 3), womit die Frist von 20 Tagen gemäss Art. 30 Abs. 1 B IV-FINMA i.V.m. Art. 250 SchKG mit vorliegender Klage vom 4. April 2017 (Datum Poststempel: 3. April 2017) gewahrt wurde (act. 1). Die Klage ging fristgerecht am hiesigen Ge- ri cht ei n. V. (Materielles) 1. Grundsatz der Gläubigergleichbehandlung Das Konkursrecht beruht auf dem Grundsatz der Gläubigergleichbehandlung bzw. der Gleichheit der Gläubiger. Dieser besagt, dass die Gläubiger im Verhältnis un- tereinander gleichzeitig aus dem Erlös der Konkursverwertung eine Dividende proportional zu ihrer Forderung und somit gleichmässig viel erhalten (S TÖCK- LI /POSSA, in: HUNKELER (Hrsg.), Kurzkommentar, Schuldbetreibungs- und Kon- kursgesetz, 2. Aufl., Basel 2014, Art. 219 N 1). Eine Privilegierung einzelner For- derungen ist aufgrund dieses Grundsatzes nur dann gerechtfertigt, wenn eine ge- setzliche Grundlage besteht (L ORANDI, in: STAEHELIN/BAUER/STAEHELIN (Hrsg.), Basler Kommentar, Bundesgesetz über Schuldbetreibung und Konkurs, Bd. 2,
3.2. Während Art. 37a Abs. 4 BankG allgemein davon spricht, "wenn eine For- derung mehreren Personen zusteht", äussert sich Art. 24 B IV-F INMA (gleich wie früher schon der i nhaltli ch i denti sche Art. 22 Abs. 2 der Verordnung der Eidge- nössi schen Fi nanzmarktaufsicht vom 30. Juni 2005 über den Konkurs von Ban- ken und Effektenhändlern [aufgehoben]) differenzierter zu den Gläubigermehrhei- ten. So unterscheidet die Verordnung zwi schen Solidarkonten mit Einzelzeich- nungsrecht der einzelnen Kontoinhaber (Gemeinschaftskonten) und dem Kol- lektivzeichnungsrecht, bei dem mehrere Kontoinhaber gemeinsam zeichnungsbe- rechtigt sind (Gesamthandskonten) (J AEGER/HA UTLE, Bankenkonkurs und Ei nla- gensicherung in der Schweiz, AJP 2009, S. 395 ff., S. 399). Gemäss Art. 24 Abs. 1 B IV-F INMA werden bei Gesamthandskonten die den Gläubigern gesamt- händerisch zustehenden Forderungen zusammengefasst und als einzelne Forde- rung betrachtet. Konsequenterweise kann in diesem Fall das Privileg im Umfang von maximal CHF 100'000.– nur einmal geltend gemacht werden (vgl. Art. 37a Abs. 4 BankG). Anders gestaltet sich die Rechtslage bei Gemeinschaftskonten. So sind nach Art. 24 Abs. 2 B IV-F INMA Solidarforderungen den Solidargläubigern zu gleichen Teilen anzurechnen. Die angerechneten Anteile gelten als Forderun- gen der einzelnen Solidargläubiger. Aufgrund dieser Bestimmung sollten im Kon- kurs im Hinblick auf die Berechnung und rasche Auszahlung der gesicherten privi- legierten Forderungen klare Verhältnisse geschaffen werden, ohne dass vorgän- gig die gläubigerinternen Verhältnisse abgeklärt werden müssen (Bericht der Eidg. Bankenkommission [EBK] zu ihrer Bankenkonkursverordnung vom 30. Juni 2005 (BKV) sowie zur Änderung der Bankenverordnung und der Börsenverord- nung betreffend Umsetzung der Einlagensicherung Januar 2006, EBK Bulletin 48/2006 S. 125 ff., S. 169). Da nach dieser anteilmässigen Anrechnung jeder So- lidargläubiger jeweils für sich seine Forderung geltend machen kann, steht jedem einzeln das Privileg im Umfang von maximal CHF 100'000.– zu (S CHW OB/MÜLLER, i n: Z OBEL/SCHW OB/GEIGER/WINZELER/KAUFMANN/WEBER/KRAMER [Hrsg.], Kommen- tar zum Bundesgesetz über die Banken und Sparkassen, Grundwerk inkl. Liefe- rungen 1-23, Zürich 2015, Art. 37a N 6; JAEGER/HA UTLE, a.a.O., S. 399). Dem- entsprechend erfährt ein Ehepaar, das ein Gemeinschaftskonto mit Einzelzeich- nungsberechtigung unterhält, gegenüber einem mit gesamthänderischer Verfü-
gungsberechtigung geführten Konto eine Privilegierung, welche allerdings auf- grund der eben beschriebenen Rechtslage sachlich gerechtfertigt ist (JAE- GER /HA UTLE, a.a.O., S. 399). 3.3. Entgegen den Ausführungen der Beklagten (vgl. act. 16 Rz. 28 ff.) ist die- ses Ergebnis auch mit dem Wortlaut von Art. 37a Abs. 4 BankG vereinbar. Ge- mäss Art. 37a Abs. 4 BankG kann das Privileg nur einmal geltend gemacht wer- den, sofern eine Forderung mehreren Personen zusteht. Aufgrund von Art. 24 Abs. 2 B IV-F INMA gelten die gleichmässig angerechneten Antei le allerdings als je ei ne Forderung der einzelnen Solidargläubiger. Es handelt si ch somi t ni cht um ei- ne Forderung, die mehreren Personen zusteht, sondern um mehrere Forderun- gen, die der jeweiligen Person zustehen. Wie bereits oben ausgeführt wurde, kann deshalb jeder Solidargläubiger für sich seine Forderung geltend machen. Folglich kann gemäss Art. 37a Abs. 4 BankG nur bei Gesamthandskonten das Privileg einmal im Umfang von CHF 100'000.– geltend gemacht werden. Bei Ge- meinschaftskonten durchbrach der Gesetzgeber hingegen mit Art. 24 Abs. 2 B IV- F INMA bewusst den Grundsatz der Gläubigergleichbehandlung und das Privileg kann mehrfach geltend gemacht werden. Dies steht zudem auch mit dem im Kon- kursrecht vorhandenen Pri nzi p i m Ei nklang, dass nicht die betreffenden Gläubiger selber, sondern vielmehr die in Art. 219 Abs. 4 SchKG unter erste und zweite Klasse genannten Forderungen privilegiert sind (vgl. S TÖCK LI/POSSA, a.a.O., Art. 219 N 3a; L ORANDI, a.a.O., Art. 219 N 47; vgl. oben 2.2.3.). 3.4. Unter Berücksichtigung dieser differenzierten Betrachtungsweise ergibt sich, dass Art. 37a Abs. 4 BankG ohne weiteres auch im Sinne der Kläger ausge- legt werden kann. Dementsprechend kann festgehalten werden, dass Art. 37a BankG mit der Konkretisierung gemäss Art. 24 Abs. 2 B IV-F INMA eine gesetzli- che Grundlage darstellt, die eine mehrfache Privilegierung bei Gemeinschaftskon- ten rechtfertigt. 4. Pr axis des Vereins "esisuisse" 4.1. Weiter führen die Kläger aus, es entspreche ebenfalls der Praxis des Ver- eins "esisuisse", dass bei Gemeinschaftskonten das Einlageprivileg für jeden der
Kontoinhaber geltend gemacht werden könne (act. 1 S. 5 f.). Auch die Beklagte bestreitet nicht, dass die Praxis nicht zuletzt gestützt auf die Interpretation des Vereins "esisuisse", dazu tendiere, bei Gemeinschaftskonten jeweils jedem betei- ligten Bankkunden ein Privileg von bis zu CHF 100'000.– zuzuspreche n (act. 16 Rz. 29). 4.2. Der Verein "esisuisse", welchem sich Banken zum Zweck der Selbstregu- li erung i m Si nne von Art. 37h Abs. 1 BankG insbesondere der Umsetzung der Ei nlagensicherung anzuschliessen haben, geht davon aus, dass bei Vorliegen ei- nes Gemeinschaftskontos jeder beteiligte Bankkunde im Umfang von maximal CHF 100'000.– privilegiert wird. So ist in den FAQ auf der "esisuisse"-Homepage zu lesen: "Das Gesetz si eht vor, dass das Guthaben auf dem Gemeinschaftskon- to in einem ersten Schritt anteilsmässig zwischen den Bankkunden aufgeteilt wird. In einem zweiten Schritt wird dieser Anteil an die gesi- cherte Einlage der beteiligten Bankkunden angerechnet" (Antworten auf Ihre Fragen / FAQ, Frage "Was gilt bei einem Gemeinschaftskonto [(Compte-joi nt]), <https://www.esisuisse.c h/de /faq> [besucht am 31. August 2017]). 4.3. Folglich steht die unter Ziff. 2.3. gestützt auf Art. 24 Abs. 2 BIV-F INMA vor- genommene Auslegung ebenfalls im Einklang mit der Praxis der esisuisse und deren Verständnis des Konkursprivilegs. Auch diese praxisbezogene Betrach- tungsweise spricht für die Auslegung im Sinne der Kläger. 5. Relevanz der wirtschaftlichen Berechti gung nach GwG? 5.1. Die Beklagte wendet i m Wesentli chen ein, grundsätzlich hätten die Kon- kursliquidatoren in Absprache mit der FINMA entschieden, jedem beteiligten Bankkunden eines Gemeinschaftskontos je einzeln das Privileg bis zu CHF 100'000.– zuzugestehen. Voraussetzung hierfür sei allerdings, dass die am Gemeinschaftskonto Beteiligten auch tatsächlich an den Vermögenswerten wirt- schaftlich berechtigt seien (act. 16 Rz. 29 f.).
Aufgrund der im Formular A ausdrücklich deklarierten, alleinigen wirtschaftlichen Berechtigung des Klägers 1 seien lediglich CHF 100'000.– als privilegierte Einla- ge i.S.v. Art. 37a Abs. 1 BankG zu qualifizieren. Demgegenüber würde die von den Klägern geforderte Privilegierung in Höhe von insgesamt CHF 200'000.– zu einer unzulässigen doppelten Privilegierung des Klägers 1 führen. Dies würde dem Schutzgedanken von Art. 37a BankG und dem Grundsatz der Gläubiger- gleichbehandlung zuwiderlaufen (act. 16 Rz. 32). 5.2. Entgegen den Ausführungen der Beklagten kann aufgrund der wirtschaftli- chen Berechtigung nicht darauf geschlossen werden, in welchem Umfang die an einem Gemeinschaftskonto beteiligten Bankkunden i.S.v. Art. 37a Abs. 1 BankG privilegiert werden. Die Feststellung der wirtschaftlich berechtigten Person i.S.v. Art. 4 GwG hat keine Auswirkungen auf das privatrechtliche Vertragsverhältnis zwi schen der Bank und i hren Kunden. Vielmehr sollen die verbindlichen Sorgfalts- regeln des GwG in Ergänzung zu den strafrechtlichen Tatbeständen verhindern, dass Geldwäscherei betrieben wird (Botschaft zum Bundesgesetz zur Bekämp- fung der Geldwäscherei im Finanzsektor vom 17. Juni 1996, BBl 1996 III 1102). Die öffentlich-rechtlichen Bestimmungen des GwG bezwecken nicht den Schutz individueller Vermögensinteressen, sondern den Schutz der Integrität des schwei- zerischen Finanzplatzes (BGE 134 III 529, E. 4.3). Aus di esen Gründen kann die mittels Formular A ausgewiesene wirtschaftli chen Berechti gung nicht massgeblich dafür sein, in welchem Umfang bei einem Gemeinschaftskonto die Privilegierung i.S.v. Art. 37a Abs. 1 BankG erfolgt. 5.3. Der Beklagten ist insofern beizupflichten, dass die momentane gesetzli che Lage betreffend Umfang des Privilegs i.S.v. Art. 37a BankG bei Gemeinschafts- konten in der Praxis in gewissen Situationen zu unbefriedigenden Ergebnissen führen kann (vgl. Strohmann-Problematik in act. 16 Rz. 46 f.). Auch wenn i m Li ch- te des Grundsatzes der Gläubigergleichbehandlung die Überlegungen der Be- klagten, die wirtschaftliche Berechtigung als Kriterium der Doppelprivilegierung bei Gemeinschaftskonten beizuziehen, i n Ausnahmefällen si nnvoll erschei nen mag (vgl. act. 16 Rz. 45 ff.), darf nicht aufgrund dieses Kriteriums eine Praxis be- trieben werden, welche Art. 24 Abs. 2 B IV-F INMA zuwiderläuft. Vielmehr wäre es
die Aufgabe des Gesetzgebers eine entsprechende gesetzliche Grundlage zu schaffen, falls er eine solche für notwendig erachtete. Dies gilt umso mehr auch im vorliegenden Fall, da es sich bei den Kontoinhabern – ganz im Gegensatz zur erwähnten Strohmann-Problematik – um ein Ehepaar handelt, welches gemäss eigenen Angaben im Innenverhältnis zu je 50% an den Vermögenswerten auf dem Gemeinschaftskonto berechtigt sei (act. 1 S. 7 f.). 5.4. Die alleinige Nennung des Klägers 1 im Formular A (act. 3/5), welches zu- dem in englischer Sprache abgefasst ist, belegt allein noch ni cht rechtsgenügend, dass dieser an den Geldern auf dem Gemeinschaftskonto der beiden Kläger bei der Bank D._____ allein wirtschaftlich berechtigt ist. So ist den Vertretern der Beklagten zwar beizupflichten, dass der Kläger 1 als ge- schäftserfahren zu bezeichnen ist und als früherer Inhaber einer amerikanischen Gesellschaft auch über ordentliche Englischkenntnisse verfügen dürfte (Prot. S. 9). Indessen bestand offenbar aufgrund langjähriger Kontakte eine Art Vertrau- ensverhältni s zur Kontaktperson bei der Beklagten, nämli ch zu H._____ (act. 1 S.3, S. 7; act. 26 S. 6). Der Umstand, dass die Angaben auf dem Formular A (act. 3/5) in anderer Schrift verfasst sind, als die Angaben auf dem eigentlichen Konto- eröffnungsformular (act. 3/4), lässt die Darstellung des Klägers 1, er habe die Un- terzeichnung als Formalität betrachtet und H._____ vertraut, der das Formular A bereits ausgefüllt gehabt habe, als plausibel erschei nen. Dies umso mehr, als of- fenbar kein persönlicher Kontakt stattfand bei der Eröffnung des Gemeinschafts- kontos (act. 26 S. 3 ff.). Da es sich gemäss den plausiblen, jedenfalls nicht wider- legten Angaben des Klägers 1 bei den auf dem Gemeinschaftskonto befindlichen Geldern um Erlös aus beruflicher Tätigkeit während der Ehe handelt, dürften ef- fektiv beide Kläger daran wirtschaftlich berechtigt sein (Vgl. zum gesetzlichen Gü- terstand der Errungenschaftsgemeinschaft i n Spani en: Art. 1344 ff. spanischem CC; Daum, in: Bergman/Ferid/Henrich, Internationales Ehe- und Ki ndschaftsrecht, Ordner XVII, Spanien [Stand:12.10.2016]: S. 34). Dementsprechend kann abschliessend festgehalten werden, dass die Kläger ebenfalls die Voraussetzung der Liquidatoren erfüllen würden. So haben sie aus- reichend dargelegt, dass sie beide tatsächlich am verwalteten Vermögen wirt-
schaftlich berechtigt sind, weshalb die doppelte Gewährung des Privilegs auch nach den Vorgaben der Liquidatoren zu bejahen wäre. 6. Zusammenfassung Zusammenfassend kann somit festgehalten werden, dass bei Gemeinschaftskon- ten gemäss Art. 37a BankG unter Heranziehung von Art. 24 Abs. 2 B IV-F INMA jeder Solidargläubiger für sich das Privileg im Umfang von CHF 100'000.– bean- spruchen kann. Somit besteht eine gesetzliche Grundlage, die eine Doppelprivile- gierung bei Gemeinschaftskonten rechtfertigt. An diesem Ergebnis würde auch eine etwaige alleinige wirtschaftliche Berechtigung des Klägers 1 ni chts ändern, da eine solche keine Auswirkungen auf die erwähnte Rechtslage hätte. VI. (Fazi t) Die Kläger dringen aufgrund der vorstehenden Würdigung mit ihrer Klage vollum- fänglich durch. Demzufolge sind von der klägerischen Forderung von CHF 349'833.73 gesamthaft CHF 200'000.– in der zweiten Klasse zu kollozieren und der Rest im Umfang von CHF 149'833.73 ist in der dritten Klasse aufzufüh- ren. Da gemäss Verfügung vom 17. März 2017 (act. 3/2) im Kollokationsplan be- reits CHF 100'000.– in der zweiten Klasse aufgenommen wurden, sind zusätzli- che CHF 100'000.– als Zweitklassforderung zu kollozieren. VII. (Kosten- und Entschädigungsfolgen) 1. Ausgangsgemäss wird die Beklagte gerichtskosten- und parteientschädi- gungspflichtig (Art. 106 Abs. 1 ZPO), wobei von einem Streitwert von CHF 38'340.– auszugehen i st (vgl. act. 5). 2. In Anwendung von § 4 der Gebührenverordnung des Obergerichts vom 8. September 2010 ist die Entscheidgebühr auf CHF 4'620.– festzusetzen (vgl. act. 5) und der Beklagten aufzuerlegen.
der Berufungsschrift sind die Anträge zu stellen und zu begründen. Allfällige Urkunden sind mit zweifachem Verzeichnis beizulegen.
Züri ch, 5. Oktober 2017
BEZIRKSGERICHT ZÜRICH Ei nzelgeri cht für SchKG-Klagen
Die Bezirksrichterin:
lic. iur. J. Haus Stebler Der Gerichtsschreiber:
Dr. iur. O. Hug