No administrative appeal against bar exam result; case transferred

VB.2004.00200Verwaltungsgericht / 4. Abteilung12.05.2004Inadmissible

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

A challenged the Zurich Bar Examination Commission's refusal to grant him a certificate for the legal profession. The Administrative Court held that it lacked jurisdiction to hear the appeal: under the applicable Zurich procedural law, review of such examination results was not available before the court, and the later statutory amendment had not yet entered into force. The court also rejected the view that the matter was a civil dispute under the ECHR. It therefore dismissed the appeal as inadmissible and forwarded the filing to the Obergericht's administration commission for possible treatment as a recourse. Because the lower decision contained an incorrect remedy instruction and the legal situation was confused, the court allocated the costs to its own treasury and denied party compensation.

Omnilex-Regeste

§ 41 VRG; § 43 Abs. 1 lit. f VRG; jurisdiction over appeals against results of professional examinations and delimitation from civil disputes under Art. 6 ECHR. Under the applicable Zurich procedural law, decisions on examination results are not subject to appeal to the Administrative Court where the statute reserves the matter to the internal supervisory authority of the competent court. The procedural route depends on the formal status of the deciding body: if it acts as a subordinate administrative authority, the remedy lies first with the superior administrative organ; if it is to be regarded as the court itself, judicial review before the Administrative Court is likewise excluded. An incorrect remedy instruction does not create jurisdiction, but may justify deviance from ordinary cost allocation (consid. 2-4).

Gesamter Gesetzestext

I.

Das Obergericht des Kantons Zürich bzw. seine Anwaltsprüfungskommission verweigerte A mit Beschluss vom 31. März 2004 – versandt am 8. des nächsten Monats (Gründonnerstag) – die Erteilung des Fähigkeitszeugnisses für den Rechtsanwaltsberuf wegen insgesamt ungenügenden Prüfungsergebnisses; als Rechtsmittel dagegen wurde die Beschwerde an das Verwaltungsgericht genannt (act. 4).

II.

A erhob beim Verwaltungsgericht am 30. April 2004 Beschwerde und beantragte, ihm in Aufhebung des Beschlusses vom 31. März 2004 das Fähigkeitszeugnis für den Rechtsanwaltsberuf zu erteilen, unter Entschädigungsfolge zu Lasten der Staatskasse (act. 2 S. 1 f.; vgl. auch act. 3).

Die Kammer zieht in Erwägung:

1.

Weder weist die vorliegende Beschwerde einen Streitwert auf noch beschlägt sie eine Sondermaterie gemäss § 38 Abs. 2 des Verwaltungsrechtspflegegesetzes vom 24. Mai 1959 (VRG, LS 175.2). Es gilt sie deshalb kraft § 38 Abs. 1 Satz 1 VRG in Dreierbesetzung zu erledigen. Das kann ohne Weiterungen geschehen (§ 56 Abs. 2 f. VRG).

2.

Die Zuständigkeit ist von Amts wegen zu prüfen (§ 70 in Verbindung mit § 5 Abs. 1 VRG).

2.1 § 43 Abs. 1 lit. f VRG in der Fassung 8. Juni 1997 verbot die Beschwerde gegen Anordnungen über Ergebnisse von Fähigkeitsprüfungen (OS 54, 268 ff., 274 f.+290; vgl. ferner OS 55, 424 ff., 432; OS 56, 54). Insofern führte diese Bestimmung die frühere Praxis zu § 43 Abs. 2 VRG laut ursprünglicher Version fort (Alfred Kölz/Jürg Bosshart/Martin Röhl, Kommentar zum Verwaltungsrechtspflegegesetz des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, § 43 N. 16; GS I, 342 ff., 351). Das Bundesgericht ist bislang denn auch auf staatsrechtliche Beschwerden betreffend Beschlüsse der kantonalzürcherischen Anwaltsprüfungskommission hier fraglicher Art eingetreten, nebst anderem weil es dagegen kein Rechtsmittel beim Verwaltungsgericht gebe (7. Februar 2002, 2P.223/2001, E. 1a; 3. Juli 2003, 2P.55/2003, E. 1.1; 29. Juli 2003, 2P.19/2003, E. 1.1 – alles unter www.bger.ch).

Nun hat der Regierungsrat mit Beschluss vom 3. Dezember 2003 unter anderem – soweit nicht schon früher für bereits anwendbar erklärt – § 26 lit. a-g des Bildungsgesetzes vom 1. Juli 2002 (BildungsG; OS 58, 3 ff., 8 ff.) auf den 1. Januar 2004 in Kraft gesetzt (OS 58, 271); § 26 lit. a BildungsG ändert § 43 Abs. 1 lit. f VRG dahin, dass die Beschwerde ab Anfang 2004 nur noch unstatthaft ist gegen Anordnungen von Zulassungsbeschränkungen an Hochschulen (vgl. VGr, 6. Februar 2004, VB.2004.00056, E. 2.1 f., www.vgrzh.ch). Ab 1. Januar 2004 eignet dem Verwaltungsgericht folglich prinzipiell die sachliche Zuständigkeit für Rechtsmittel betreffend Anordnungen über Ergebnisse von Fähigkeitsprüfungen.

§ 43 lit. a des Anwaltsgesetzes vom 17. November 2003 (nAnwaltsG; OS 59, 72 ff., 81) fügt zudem § 41 VRG einen neuen Abs. 2 an. Danach kann unter anderem gegen Anord­nungen der Anwaltsprüfungskommission Beschwerde beim Verwaltungsgericht erhoben werden (vgl. auch §§ 2 ff.+38 nAnwaltsG). Freilich ist dieses Gesetz noch nicht in Kraft getreten (siehe § 49 nAnwaltsG; Tobias Jaag, Verwaltungsrecht des Kantons Zürich, 2. A., Zürich 1999, Rz. 407).

2.2 Gemäss § 41 (dereinst Abs. 1) VRG beurteilt das Verwaltungsgericht Beschwerden gegen letztinstanzliche Anordnungen von Verwaltungsbehörden und solche der Baurekurskommissionen, soweit das Verwaltungsrechtspflege- oder ein anderes Gesetz keine abweichende Zuständigkeit vorsieht oder eine Anordnung als endgültig bezeichnet. Das Bundesgericht ist in den erwähnten Fällen auf die staatsrechtliche Beschwerde auch ein­getreten, weil es die Beschlüsse der Anwaltsprüfungskommission für kantonalzürcherisch letztinstanzlich hielt (oben 2.1 Abs. 1). Die Vorinstanz geht mit ihrer Rechtsmittel­belehrung wohl davon aus, die aktuelle Fassung von § 43 Abs. 1 lit. f VRG habe hieran etwas geändert (vorn I, 2.1 Abs. 2).

Das Verwaltungsrechtspflegegesetz mag hier – ohne seinen noch nicht in Kraft getretenen § 41 Abs. 2 – Anwendung finden (oben 2.1 Abs. 3). Alsdann gilt es zu bemerken, dass die Anwaltsprüfungskommission kraft § 106 Abs. 1 des Gerichtsverfassungsgesetzes vom 13. Juni 1976 (LS 211.1) und § 8 Abs. 1 lit. d der Verordnung über die Organisation des Obergerichts vom 8. Dezember 1999 (VOG, LS 212.51) der Aufsicht des (Gesamt- ) Obergerichts untersteht (Robert Hauser/Erhard Schweri, Kommentar zum zür­cherischen Gerichtsverfassungsgesetz, Zürich 2002, §§ 41 N. 10, 42 N. 22, 106 N. 1). Von daher wirkt sie als untere Verwaltungsbehörde, deren Anordnungen sich im Sinn von § 19 Abs. 1 VRG durch Rekurs an die obere Behörde weiterziehen lassen (vgl. Hauser/Schweri, § 106 N. 7). Als solche waltet laut § 21 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 VOG die Verwaltungskommission des Obergerichts. Ihr Entscheid lässt sich dann aber wegen § 41 (Abs. 1) VRG im Gegensatz zu personalrechtlichen Verfahren nicht mehr beim Verwaltungsgericht anfechten (siehe Kölz/Bosshart/Röhl, § 41 N. 26; BGr, 6. August 2003, 2P.110/2002, E. 3.2.1, mit Hinweisen, www.bger.ch; § 74 Abs. 1 VRG).

Mithin lässt sich auf die Beschwerde nicht eintreten. Das Rechtsmittel muss nach § 70 in Verbindung mit § 5 Abs. 2 VRG an die obergerichtliche Verwaltungskommission weitergeleitet werden, auf dass diese prüfe, ob sie es als Rekurs behandeln wolle.

2.3 Sollte übrigens der vorinstanzliche Entscheid bereits als ein solcher des Obergerichts selbst betrachtet werden, könnte er laut § 41 (Abs. 1) VRG ebenso wenig beim Verwaltungsgericht angefochten werden (BGr, 6. August 2003, 2P.110/2002, E. 3.2.1, mit Hinweisen, www.bger.ch).

§ 41 VRG in der geltenden Fassung versperrt dem Beschwerdeführer den Zugang zum Verwaltungsgericht und nicht etwa § 43 Abs. 1 lit. f VRG. Es kommt deshalb auch nichts darauf an, ob es sich hier um eine zivilrechtliche Angelegenheit gemäss Art. 6 Abs. 1 der Europäischen Menschenrechtskonvention (SR. 0.101) drehe, welche den Beschwerdeweg im Sinn einer Gegenausnahme nach § 43 Abs. 2 VRG doch noch öffnen würde (BGr, 6. August 2003, 2P.110/2002, E. 4.1, mit Hinweisen, www.bger.ch; vgl. immerhin Kölz/Bosshart/Röhl, § 41 N. 24).

Abgesehen davon lässt sich bei vorliegender Kontroverse um das Ergebnis einer Fähigkeitsprüfung der Charakter einer solch zivilrechtlichen Streitigkeit verneinen (vgl. Arthur Haefliger/Frank Schürmann, Die Europäische Menschenrechtskonvention und die Schweiz, 2. A., Bern 1999, S. 144; Mark Villiger, Handbuch der Europäischen Menschenrechtskonvention, 2. A., Zürich 1999, N. 391; Kölz/Bosshart/Röhl, § 43 N. 52; RB 1994 Nr. 8 E. d, 2000 Nrn. 21-23 [zur letzten ungekürzt VGr, 8. November 2000, VB.2000.00322, E. 2, www.vgrzh.ch]; BGr, 6. August 2003, 2P.110/2002, E. 4.1, mit Hinweisen, www.bger.ch).

3.

Der angefochtene Entscheid hat eine unzutreffende Rechtsmittelbelehrung erteilt (oben I). Deshalb lassen sich die verwaltungsgerichtlichen Kosten nicht dem Beschwerdeführer auferlegen (Kölz/Bosshart/Röhl, § 13 N. 23). Auch kein Vorwurf trifft aber wegen der verworrenen Rechtslage die Vorinstanz, sodass diese zu Lasten der Obergerichtskasse ebenso wenig kostenpflichtig erklärt werden darf (vgl. vorn 2; VGr, 11. Februar 2004, VB.2003.00400, E. 4, www.vgrzh.ch). Mithin gilt es die Gerichtskosten auf die eigene Kasse zu nehmen (Kölz/Bosshart/Röhl, § 13 N. 27).

4.

Der vor Verwaltungsgericht nicht obsiegende Beschwerdeführer kann keine Parteientschädigung erhalten (§ 17 Abs. 2 VRG), vielleicht aber später bei der obergerichtlichen Verwaltungskommission. Sollte er indes doch wieder nur eine staatsrechtliche Beschwerde ergreifen dürfen und es auch tun, vermöchte er seinen hier gehabten Aufwand vor Bundesgericht weiter zu nutzen. Er müsste dann dort allenfalls um Fristwiederherstellung ersuchen (vgl. VGr, 21. Januar 2002, VB.2002.00015, E. 2 Abs. 2 f., www.vgrzh.ch; Art. 89 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 34 Abs. 1 lit. a sowie Art. 35 Abs. 1 des Bundesrechtspflegegesetzes vom 16. Dezember 1943 [SR 173.110]; Jean-François Poudret, Commentaire de la loi fédérale d'organisation judiciaire, Bd. I, Bern 1990, Art. 35 N. 2.7 S. 247 Ziff. 4; oben I).

Demgemäss beschliesst die Kammer:

  1. Auf die Beschwerde wird nicht eingetreten.

Sie wird zur allfälligen Behandlung als Rekurs an die Verwaltungskommission des Obergerichts weitergeleitet.

  1. Die Gerichtsgebühr wird festgesetzt auf

Fr. 500.--; die übrigen Kosten betragen:

Fr. 60.-- Zustellungskosten,

Fr. 560.-- Total der Kosten.

  1. Die Gerichtskosten werden auf die Gerichtskasse genommen.

  2. Eine Parteientschädigung wird nicht zugesprochen.

  3. Mitteilung an:……………

Schlagwörter

bar examinationjurisdictioninadmissibilityremedy instructionadministrative appealcost allocation

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether an administrative appeal was admissible against the bar exam result

Extrahierter Entscheid

The appeal was inadmissible because the governing Zurich procedural rules excluded review by the Administrative Court; jurisdiction lay, if at all, with the Obergericht's administration commission.

Extrahierte Begründung

The court held that § 41 VRG, as applicable, barred an appeal to the Administrative Court against decisions of the Anwaltsprüfungskommission. The commission operated as a subordinate administrative authority under the Obergericht, so its decision had to be taken first to the higher internal authority. The later statutory amendment had not yet entered into force, and the case was not a civil dispute under Art. 6 ECHR.

Kernrechtsfrage

Whether the appeal had to be forwarded to the Obergericht administration commission

Extrahierter Entscheid

Yes; the filing had to be transmitted for possible treatment as a recourse by the Obergericht administration commission.

Extrahierte Begründung

Because the Administrative Court lacked jurisdiction, the remedy was to be forwarded ex officio to the competent superior authority.

Kernrechtsfrage

Whether court costs and party compensation should be awarded

Extrahierter Entscheid

No costs were imposed on A and no party compensation was granted.

Extrahierte Begründung

The impugned decision contained an incorrect remedy instruction and the procedural confusion was not attributable to the lower authority; therefore costs were borne by the court treasury, and the unsuccessful applicant received no compensation.

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