S1 24 117
URTEIL VOM 7. JANUAR 2025
Kantonsgericht Wallis
Sozialversicherungsrechtliche Abteilung
Besetzung: Michael Steiner, Präsident; Candido Prada und Dr. Thierry Schnyder,
Kantonsrichter; Petra Stoffel, Gerichtsschreiberin
in Sachen
X _________ , Beschwerdeführerin
gegen
AUSGLEICHSKASSE DES KANTONS WALLIS , Beschwerdegegnerin
(Rückforderung Erwerbsersatzentschädigung; Covid 19)
Beschwerde gegen den Entscheid vom 21. Juni 2024
Verfahren
A. Die Beschwerdeführerin meldete im Sommer 2021 ihr Einzelunternehmen bei der
Beschwerdegegnerin zum Bezug von Erwerbsersatzentschädigungen aufgrund der
Corona-Pandemie an und machte eine Umsatzeinbusse wegen Kundenrückgangs gel-
tend (vgl. Akten der Beschwerdegegnerin act. 5-6, 8, 10, 12, 14). Mit periodischen Ab-
rechnungen ab 5. Oktober 2021 (act. 4, 7, 9, 11, 13 und 15) überwies die Beschwerde-
gegnerin die Corona-Erwerbsersatzentschädigung für den Zeitraum vom 1. Juli 2021
bis zum 16. Februar 2022 auf das Konto der Beschwerdeführerin.
B. Mit Verfügung vom 24. März 2022 (act. 16) forderte die Beschwerdegegnerin die für
den Zeitraum vom 1. September 2021 bis zum 16. Februar 2022 gewährte Corona-Er-
werbsersatzentschädigung von insgesamt Fr. 13'571.60 mit der Begründung zurück, die
Umsatzeinbusse stehe nicht in direktem Zusammenhang mit den behördlichen Mass-
nahmen zur Bekämpfung des Coronavirus, sondern hänge mit der aus der Pandemie
resultierenden Wirtschaftslage zusammen.
Die dagegen eingereichte Einsprache der Beschwerdeführerin vom 4. Juli 2022 (Post-
aufgabedatum) wies die Ausgleichskasse mit Entscheid vom 21. Juni 2024 ab (act. 19).
C. Mit Beschwerde vom 30. Juli 2024 (Postaufgabedatum) beantragte die Beschwerde-
führerin sinngemäss die Aufhebung des Einspracheentscheides. Sie machte u.a. gel-
tend, sich mehrfach bei der Kasse bezüglich des Anspruchs erkundigt zu haben, welcher
ihr bestätigt worden sei. Die Umsatzeinbusse wegen der ausbleibenden Kundschaft sei
drastisch gewesen und ihr Geschäftsbereich sei von den Massnahmen zur Bekämpfung
des Coronavirus stark betroffen gewesen.
Die Beschwerdegegnerin liess sich am 4. September 2024 vernehmen, hielt an ihrer
Begründung fest und beantragte die Abweisung der Beschwerde.
Replizierend brachte die Beschwerdeführerin am 11. November 2024 vor, ihr Verkaufs-
laden sei indirekt von den behördlichen Massnahmen betroffen gewesen. Aufgrund der
pandemiebedingten Situation und den damit verbundenen Einschränkungen im öffentli-
chen Leben seien die Laufkundschaft zurückgegangen und der Umsatz eingebrochen.
Mit Duplik vom 11. Dezember 2024 hielt die Beschwerdeführerin an ihrem Entscheid
fest.
Erwägungen
1.
1.1 Gemäss Art. 1 der Verordnung über Massnahmen bei Erwerbsausfall im Zusam-
menhang mit dem Coronavirus (Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall) sind die Bestim-
mungen des ATSG anwendbar, soweit die nachstehenden Bestimmungen nicht aus-
drücklich eine Abweichung vom ATSG vorsehen. In Bezug auf das Verfahren enthält die
Verordnung keine eigene Regelung. Die Beschwerdegegnerin hat daher zu Recht eine
Verfügung (Art. 49 ATSG) und einen Einspracheentscheid (Art. 52 ATSG) erlassen. Die
sozialversicherungsrechtliche Abteilung des Kantonsgerichts ist zur Beurteilung der da-
gegen erhobenen Beschwerden sachlich, örtlich und funktionell zuständig (vgl. Art. 56
ff. ATSG).
1.2 Gegen Einspracheentscheide kann innerhalb von 30 Tagen nach ihrer Eröffnung
Beschwerde erhoben werden (Art. 56 Abs. 1 i.V.m. Art. 60 Abs. 1 ATSG). Vorliegend
wurde fristgerecht Beschwerde geführt (Art. 38 Abs. 4 lit. b ATSG).
1.3 Da die Beschwerdeführerin ein eigenes schutzwürdiges Interesse an der Durchfüh-
rung des Beschwerdeverfahrens begründet und sie in ihren Rechten berührt ist, ist sie
beschwerdebefugt, womit auf die Beschwerden einzutreten ist.
2. Anfechtungsgegenstand bildet der Einspracheentscheid vom 21. Juni 2024. Strittig
ist eine Rückforderung von Erwerbsersatzentschädigungen im Zusammenhang mit den
Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus.
3.
3.1 Am 20. März 2020 hat der Bundesrat gestützt auf Art. 185 Abs. 3 BV die Covid-19-
Verordnung Erwerbsausfall erlassen und rückwirkend auf den 17. März 2020 in Kraft
gesetzt. Am 25. September 2020 hat das Parlament das Bundesgesetz über die gesetz-
lichen Grundlagen für Verordnungen des Bundesrates zur Bewältigung der Covid-19-
Epidemie (Covid-19-Gesetz) verabschiedet. Seither beruht die Verordnung auf Art. 15
Covid-19-Gesetz. Nach dieser Bestimmung kann der Bundesrat die Ausrichtung von
Entschädigungen des Erwerbsausfalls bei Personen vorsehen, die ihre Erwerbstätigkeit
aufgrund von Massnahmen im Zusammenhang mit der Bewältigung der Covid-19-Epi-
demie unterbrechen oder massgeblich einschränken müssen. Nur Personen mit einem
Erwerbs- oder Lohnausfall, die in ihrer Unternehmung eine Umsatzeinbusse von min-
destens 55 bzw. 40 bzw. 30 Prozent im Vergleich zum durchschnittlichen Umsatz in den
Jahren 2015 bis 2019 haben, gelten in ihrer Erwerbstätigkeit als massgeblich einge-
schränkt (Art. 15 Abs. 1 Covid-19-Gesetz in den vom 17. September bis zum 18. De-
zember 2020 resp. vom 19. Dezember 2020 bis zum 31. März 2021 resp. ab dem
dere auch Selbstständige nach Art. 12 ATSG sowie Personen in arbeitgeberähnlicher
Stellung (Art. 15 Abs. 2 Covid-19-Gesetz; BGE 148 V 265 E. 1.2.2, vgl. Bundesgerichts-
urteile 9C_432/2022 vom 20. April 2023 E. 5.1 und 9C_448/2021 vom 10. Mai 2022 E.
1.2.2, je mit Hinweisen).
Gemäss Art. 2 Abs. 3bisCovid-19-Verordnung Erwerbsausfall haben Selbstständigerwer-
bende dann Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz, wenn (a.) die Erwerbstätigkeit der Be-
troffenen aufgrund behördlich angeordneter Massnahmen zur Bekämpfung der Covid-
19-Epidemie massgeblich eingeschränkt ist, (b.) sie einen Erwerbs- oder Lohnausfall
erleiden, und (c.) sie im Jahr 2019 für diese Tätigkeit ein AHV-pflichtiges Erwerbsein-
kommen von mindestens CHF 10'000.00 erzielt haben (vgl. Bundesgerichtsurteile
9C_432/2022 vom 20. April 2023 E. 5.1 und 9C_448/2021 vom 10. Mai 2022 E. 1.2.2).
3.2 Die Covid-19-Verordnung Erwerbsausfall ist personen- und nicht unternehmensbe-
zogen. Sie kompensiert den finanziellen Erwerbsausfall einer einzelnen Person, nicht
aber den Verlust des Unternehmens. Daraus lässt sich aber nicht der Schluss ziehen,
dass in jedem Fall der Anspruch auf einen Covid-19-Erwerbsersatz ausgeschlossen
bleibt, wenn und solange die betroffenen Arbeitnehmer in arbeitgeberähnlicher Stellung
oder mitarbeitende Ehegatten ihr monatliches Salär durch ihre Arbeitgeberin weiterhin
ausgerichtet erhalten. Vorbehalten bleibt insbesondere bis zum 21. Januar 2022 ein
missbräuchlicher Bezug, der seine Grenze jedoch einzig in Form des Doppelbezuges in
der Person der betroffenen Arbeitnehmer findet (Bundesgerichtsurteil 9C_432/2022 vom
April 2023 E. 3.4; Versicherungsgericht des Kanton Solothurn VSBES.2022.265 vom
November 2023 E. 3.3.3).
3.3 Nach Art. 25 Abs. 1 ATSG sind unrechtmässig bezogene Leistungen zurückzuer-
statten. Wer Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, muss sie nicht zurückerstat-
ten, wenn eine grosse Härte vorliegt.
4.
4.1 Die Vorinstanz erwog, die geltend gemachte Umsatzeinbusse stehe nicht in direk-
tem Zusammenhang mit den behördlichen Massnahmen und für die indirekte Einbusse
bestehe kein Anspruch auf Entschädigungen. Dem ist – wie im Folgenden ausgeführt –
zuzustimmen.
4.2 Was den Anspruch der Beschwerdeführerin auf eine Corona-Erwerbsausfallent-
schädigung für die Monate September 2021 bis Februar 2022 betrifft, so stellt diese sel-
ber nicht in Abrede, dass ein solcher Anspruch eine massgebliche Einschränkung der
Erwerbstätigkeit aufgrund von behördlich angeordneten Massnahmen zur Bekämpfung
der Covid-19-Epidemie voraussetzt (Art. 2 Abs. 3bis lit. a Covid-Verordnung Erwerbsaus-
fall; Urteil des Sozialversicherungsgerichts des Kantons Zürich EE.2022.00022 vom
sind vom Bund und den Kantonen erlassene Vorschriften gemeint. Diesbezüglich gilt es
insbesondere in Erinnerung zu rufen, dass der Bundesrat wegen der Bedrohungen durch
Covid-19 am 16. März 2020 die «ausserordentliche Lage» gemäss Art. 7 des Bundes-
gesetzes über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen erklärte (Epi-
demiengesetz, vgl. die Medienmitteilung des Bundesrates vom selben Tag). Hernach
beschloss er eine Vielzahl von Schliessungen und anderen Massnahmen zur Bekämp-
fung der Verbreitung von Covid-19. Sehr vereinfachend lässt sich sagen, dass mit der in
der Folgezeit laufenden Änderung der Bedrohung durch Covid-19 für die Bevölkerung in
der Schweiz und insbesondere der Belastung der Schweizer Spitäler auch die behördli-
chen Massnahmen stetig angepasst wurden. Der Sommer 2021 gehörte zu jenen Zeiten,
in denen sich die epidemiologische Lage entspannte, was den Bundesrat zu einer Lo-
ckerung der Massnahmen veranlasste (vgl. die Medienmitteilungen vom 26. Mai und
(BSV) die Ausgleichskassen im Vorwort zur ab 1. September 2021 geltenden Version
18 des Kreisschreibens über die Entschädigung bei Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus-Corona-Erwerbsersatz (KS CE) darauf hin, dass aktuell kaum noch behörd-
liche Einschränkungen gelten würden. Deshalb müssten sie ihr Augenmerk besonders
auf die Gründe richten, die die Versicherten für eine erhebliche Einschränkung der Er-
werbstätigkeit geltend machen würden. Diese Gründe müssten im Zusammenhang mit
den Massnahmen zur Bekämpfung des Coronavirus stehen (KS CE S. 24). Die Be-
schwerdegegnerin brachte mithin zu Recht vor, sie habe den Anspruch der Beschwer-
deführerin auf eine Corona-Erwerbsersatzentschädigung für die Zeitperiode ab dem
2021 entschied der Bundesrat, die Zertifikatspflicht für Personen ab 16 Jahren auszu-
weiten, nachdem es sich bereits für Discos und Grossveranstaltungen bewährt hatte.
Das Zertifikat ermöglichte Veranstaltungen und Aktivitäten, die ohne Zertifikat zu gefähr-
lich gewesen wären, und erlaubt es, Massnahmen gegen die Ausbreitung des Virus zu
ergreifen, ohne gleich Einrichtungen zu schliessen oder bestimmte Aktivitäten zu verbie-
ten. Von dieser Zertifikatspflicht war jedoch der Detailhandel nicht betroffen, dort galt
einzig die bestehende Maskenpflicht.
4.3 Die Beschwerdeführerin verkauft «_________» (vgl. deren Handelsregisterauszug
sowie deren Homepage). Als Detailhändlerin war sie von den vom Bundesrat mit der am
19-Verordnung 2 angeordneten Betriebsschliessungen betroffen. Hernach beschloss
der Bundesrat anlässlich seiner Sitzung vom 29. April 2020 – nebst der Lockerung von
weiteren Massnahmen – die Läden per 11. Mai 2020 wieder zu öffnen (vgl. die Medien-
mitteilung vom 29. April 2020). Dies galt ebenfalls für die Detailhandelsgeschäfte, welche
unter der Voraussetzung, dass sie über ein Schutzkonzept nach Art. 6a der Covid-19-
Verordnung 2 (Stand: 11. Mai 2020) verfügen und dieses umsetzen, wieder Kundinnen
und Kunden empfangen durften (Art. 6 Abs. 3 lit. d. der Covid-19-Verordnung 2 [Stand:
Mai 2020]). Im vorliegend zu prüfenden Zeitraum vom 1. September 2021 bis
Februar 2022 galten gemäss Art. 6 Abs. 1 und Art. 10 der Verordnung über Mass-
nahmen in der besonderen Lage zur Bekämpfung der Covid-19-Epidemie (kurz: Covid-
19-Verordnung besondere Lage, in den vom 26. Juni 2021 bis 9. Januar 2022 gültig
gewesenen Versionen), dass in öffentlich zugänglichen Räumen von Betrieben eine
Maske getragen werden muss und die Betriebe ein Schutzkonzept einhalten müssen. In
der fraglichen Zeit durfte der Laden der Beschwerdeführerin mithin geöffnet haben, wo-
bei es galt, die erwähnten behördlichen Massnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 zu
befolgen. Dadurch wurde das Empfangen und Bedienen von Kundinnen und Kunden
nicht verunmöglicht. Das behördlich verordnete Schutzkonzept ermöglichte vielmehr den
Kundenkontakt trotz der Gefahren von Covid-19. Es ist mithin nicht mit dem erforderli-
chen Beweisgrad der überwiegenden Wahrscheinlichkeit erstellt, dass die Erwerbstätig-
keit der Beschwerdeführerin in der Zeitperiode vom 1. September 2021 bis zum 16. Feb-
ruar 2022 auch indirekt durch behördliche Massnahmen zur Bekämpfung von Covid-19
massgeblich eingeschränkt war.
Soweit die Pandemie selbst im Sinne einer veränderten wirtschaftlichen Lage oder einer
Veränderung des Konsumverhaltens(indirekten) Einfluss auf die Kundenfrequenz des
Einzelunternehmens gezeitigt haben sollte, reicht dieser Einfluss nicht mehr aus, um die
behördlichen Massnahmen direkt oder indirekt als Ursache der massgeblichen Ein-
schränkung der Erwerbstätigkeit zu betrachten (vgl. Urteil des Sozialversicherungsge-
richts des Kantons Zürich EE.2022.00074 vom 13. Juni 2023 E. 3 ff.).
Die Beschwerdeführerin begründete ihren Anspruch wegen des Kundenausfalls auf-
grund der Pandemie nicht näher. Zwar ist es aufgrund der sich stetig ändernden Pande-
mielage und den damit einhergehenden Unsicherheiten in der Bevölkerung denkbar,
dass gewisse Personen deswegen auf eine Anschaffung verzichten wollten. Sollten sich
die potenziellen Kundinnen und Kunden aus Angst vor Covid-19 gegen einen Einkauf
entschieden haben, fehlte eine (direkte oder indirekte) Kausalität zu behördlich angeord-
neten Massnahmen und hätte dafür nicht die Corona-Erwerbsersatzentschädigung ein-
zustehen
(vgl.
Urteil
des
Sozialversicherungsgerichts
des
Kantons
Zürich
EE.2022.00042 vom 14. September 2022 E. 2.3). Selbst die von der Beschwerdeführerin
sinngemäss geltend gemachte Behauptung, Grund für das Fernbleiben der Kundinnen
und Kunden sei eine von den behördlichen Massnahmen hervorgerufene Angst vor per-
sönlichen Kontakten gewesen, sticht nicht, zumal ausschliesslich die Krankheitsfolgen
selbst und nicht behördliche Schutzmassnahmen Grund zur Angst boten. Die Beurtei-
lung der Beschwerdegegnerin, wonach das von der Beschwerdeführerin betriebene Un-
ternehmen ab September 2021 durch behördliche Massnahmen zur Bekämpfung des
Coronavirus nicht (mehr) erheblich eingeschränkt war, ist somit nicht zu beanstanden,
womit sich die für diesen Zeitraum ausgerichteten Entschädigungen als gesetzeswidrig
erweisen.
5.
5.1 Die Zusprache von sozialversicherungsrechtlichen Leistungen erfolgt grundsätzlich
durch eine Verfügung (Art. 49 Abs. 1 ATSG). Steht diese mit den massgebenden recht-
lichen oder tatsächlichen Grundlagen nicht bzw. nicht mehr in Übereinstimmung, stellt
sich die Frage einer Korrektur dieser Verfügung. Die Entscheidung über den unrecht-
mässigen Bezug von Leistungen zielt darauf ab, festzustellen, ob die Voraussetzungen
einer Wiedererwägung (Art. 53 Abs. 2 ATSG) oder einer prozessualen Revision (Art. 53
Abs. 1 ATSG) erfüllt sind. In Betracht kommt eine rückwirkende oder eine sich nur auf
die Zukunft auswirkende Korrektur. Ziel ist, die gesetzliche Ordnung wiederherzustellen
(BGE 122 V 221 E. 6 c). Gemäss Art. 25 Abs. 1 Satz 1 ATSG sind unrechtmässig bezo-
gene Leistungen entsprechend zurückzuerstatten. Eine rückwirkende Korrektur einer
Leistungsausrichtung setzt nicht voraus, dass der Empfänger die fehlerhafte Leistungs-
ausrichtung kausal zu verantworten hat. Selbst wenn der unrechtmässige Bezug auf das
Verhalten der Verwaltung zurückzuführen ist, besteht eine Rückerstattungspflicht (KIE-
SER, Kommentar zum Bundesgesetz über den Allgemeinen Teil des Sozialversiche-
rungsrechts, 4. A., 2020, Rz. 29 zu Art. 25 ATSG).
5.2 Die Beschwerdeführerin beruft sich auf den Vertrauensschutz bzw. das Vertrauen
auf eine (falsche) behördliche Auskunft. Voraussetzung für den Vertrauensschutz ist zu-
nächst eine taugliche Vertrauensgrundlage. Darunter fallen insbesondere behördliche
Auskünfte und Zusicherungen. Vorausgesetzt ist dabei jedoch, dass die auskunftsertei-
lende Behörde für die Auskunft zuständig war oder der Private zumindest in guten
Treuen annehmen durfte, dass die Behörde zur Auskunftserteilung befugt war, die Aus-
kunft vorbehaltlos erteilt wurde und aufgrund einer gewissen inhaltlichen Bestimmtheit
auch tatsächlich geeignet war, ein entsprechendes Vertrauen zu begründen (HÄFE-
LIN/MÜLLER/UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. A., 2020, Rz. 668 ff.). Der Be-
troffene muss von der Vertrauensgrundlage Kenntnis haben und darf ihre allfällige Feh-
lerhaftigkeit schliesslich weder kennen noch kennen müssen. Auf den vorliegenden Fall
übertragen ist festzustellen, dass die in diesem Zusammenhang geltend gemachten Ge-
spräche nicht aktenkundig sind. Eine Berufung auf den Vertrauensgrundsatz ist somit
ausgeschlossen. Im Übrigen hat die Beschwerdeführerin in ihrer Erstdarlegung (Einspra-
che vom 4. Juli 2022), auf welche abzustellen ist (Aussage der ersten Stunde), behaup-
tet, ihr sei die Höhe der Entschädigung und die Weitereinreichung der Gesuche verbind-
lich bestätigt worden. Vom Grundsatz der Anspruchsberechtigung und deren verbindli-
chen Zusprache war nie die Rede, weshalb eine allfällige Auskunft auch nicht tatsächlich
geeignet gewesen wäre, ein entsprechendes Vertrauen zu begründen. Schliesslich
muss der Versicherte die zu Unrecht bezogenen Leistungen grundsätzlich im Sinne von
Art. 25 Abs. 1 erster Satz ATSG zurückerstatten, unabhängig davon, ob er schuldhaft
gehandelt hat oder nicht. In diesem Zusammenhang ist zu betonen, dass die Frage, ob
er in gutem Glauben gehandelt hat oder nicht, in diesem Stadium keine Rolle spielt,
sondern höchstens im Rahmen eines eventuellen nachfolgenden Erlassverfahrens rele-
vant ist (vgl. nachfolgende Erwägung 6.2 sowie das Urteil des Kantonsgerichts Freiburg
608 2023 31 vom 12. Dezember 2023 E. 3 und E. 4.3)
6.
6.1 Zusammenfassend ist festzuhalten, dass sich die für die Zeit zwischen dem 1. Sep-
tember 2021 und 16. Februar 2022 erfolgte Ausrichtung der Erwerbsersatzentschädi-
gung gestützt auf die dargelegte Rechtslage als offensichtlich unrichtig erwiesen hat. Die
Berichtigung der entsprechenden Abrechnungen ist schliesslich auch angesichts der
Höhe des Rückforderungsbetrages von Fr. 13'571.60 als von erheblicher Bedeutung zu
bezeichnen. Die Beschwerdegegnerin durfte daher auf ihre ursprünglichen Abrechnun-
gen zurückkommen und die erbrachten Leistungen zurückfordern. Da auch der Rückfor-
derungsbetrag korrekt ermittelt wurde und dieser der Höhe nach unbestritten geblieben
ist und schliesslich ist das Recht, eine Rückerstattung zu verlangen, nicht verwirkt ist
(Art. 25 Abs. 2 ATSG), erweist sich die im angefochtenen Einspracheentscheid vom
schwerde führt.
6.2 Der Vollständigkeit halber sei hier ergänzt, dass nach Art. 25 Abs. 1 Satz 2 ATSG
diejenige Person, die Leistungen in gutem Glauben empfangen hat, diese nicht zurück-
erstatten muss, wenn eine grosse Härte vorliegt. Die Beschwerdeführerin ist an dieser
Stelle deshalb darauf hinzuweisen, dass sie ein entsprechendes Erlassgesuch an die
Beschwerdegegnerin stellen kann, wobei zu begründen ist, inwieweit beim Bezug Gut-
gläubigkeit vorlag und die Rückforderung eine grosse Härte darstellt. Über ein allfälliges
Erlassgesuch wird allerdings erst zu befinden sein, wenn die vorliegend strittige Rück-
forderungsverfügung rechtskräftig geworden ist.
7.
7.1 Im Beschwerdeverfahren betreffend die Anwendung der Covid-19-Verordnung Er-
werbsausfall sind keine Gerichtskosten zu erheben (Art.1 der Verordnung i.V.m. Art. 61
lit. fbis ATSG).
7.2 Einzig der obsiegende Beschwerdeführer hat Anspruch auf eine Parteient-schädi-
gung. In casu entfällt der Anspruch aufgrund der Abweisung der Beschwerde. Der Be-
schwerdegegnerin steht ebenfalls kein Parteientschädigungsanspruch zu (Art. 61 lit. g
ATSG; KIESER, a.a.O., Rz. 218 zu Art. 61 ATSG; Art. 91 Abs. 3 VVRG).
Demnach wird erkannt:
Der Beschwerde wird abgewiesen.
Es werden weder Kosten erhoben noch Parteientschädigungen ausgerichtet.
Sitten, 7. Januar 2025