projekte
P3 07 149 ΓÇó Faxed criminal complaint held inadmissible for lack of written form and reasoning
P3 07 149Kantonsgericht14.09.2007Dismissed
X. challenged the refusal to open criminal proceedings, but filed the complaint by fax and without any substantive reasoning. The President of the complaint instance held that fax transmission does not satisfy the written-form requirement of Art. 169 Abs. 1 StPO because an original handwritten signature is required. The court further held that the lack of reasoning is a substantive defect, not a formal one, so the judge had no duty to invite rectification within the time limit. The complaint was therefore inadmissible.
Art. 169 Abs. 1 StPO; written form and reasoning of a criminal complaint: a procedural submission requiring written form must bear an original handwritten signature; a faxed filing does not satisfy this requirement and is inadmissible unless the defect can still be cured within the running appeal period (consid. 3a). The absence of a substantive statement of reasons constitutes a material defect of the remedy; unlike certain formal defects, it does not oblige the judge to grant a period for rectification (consid. 3b/bb).
KGE (Präsident der Beschwerdeinstanz) vom 14. September 2007 i.S. X. c.
Untersuchungsrichteramt Mittelwallis (Beschwerde)
Strafrechtliche Beschwerde: Form und Begründung.
– Eine per Fax zugestellte Beschwerde erfüllt das Schriftlichkeitserfordernis von
Art. 169 Abs. 1 StPO nicht; sie ist deshalb unzulässig, soweit der Verfahrensfehler
nicht innert laufender Rechtsmittelfrist korrigiert werden kann (E. 3a).
– Die fehlende Begründung stellt einen inhaltlichen Mangel dar, weshalb der Rich-
ter den Beschwerdeführer nicht zur fristgerechten Verbesserung anhalten muss
(E. 3b/bb).
Plainte pénale: forme et motivation.
– Une plainte transmise par télécopie ne satisfait pas aux exigences de la forme
écrite de l’art. 169 CPP; elle est par conséquent irrecevable, si l’erreur de procé-
dure ne peut être corrigée dans le délai de recours (consid. 3a).
– L’absence de motivation constitue un défaut matériel, de sorte que le juge ne doit
pas astreindre le recourant à le corriger dans un certain délai (consid. 3b/bb).
Aus den Erwägungen
(...)
prozessualen Eingabe verlangt, setzt dies eine eigenhändig verfasste
Originalunterschrift voraus (BGE 112 Ia 173 E. 1). Eine per Fax zuge-
stellte Rechtsschrift vermag dieser Anforderung nicht zu genügen (BGE
121 II 252 E. 3 und 4; Bundesgerichtsurteil 2A.52/2007 vom 26. Juli 2007
E. 4; SJ 2001 S. 289 E. 2b). Die vorliegende am 9. August 2007 mittels Fax-
schreiben erhobene Beschwerde ist mithin nicht mit einer eigenhändig
verfassten Originalunterschrift versehen und vermag somit die Voraus-
setzungen gemäss Art. 169 Abs. 1 StPO nicht zu erfüllen. Sie muss grund-
sätzlich als unzulässig erklärt werden, soweit der Verfahrensfehler nicht
frühzeitig genug festgestellt werden kann, um noch fristgerecht korri-
giert werden zu können (vgl. BGE 125 I 166 E. 3a; 114 Ia 20 E. 2; Bundes-
gerichtsurteil 1P.109/2004 vom 10. März 2004 E. 2.3.1).
320
RVJ/ZWR 2008
KGVS P3 07 149
RVJ/ZWR 2008
321
b) bb) Der Beschwerdeführer muss sein Rechtsmittel gemäss Art. 169
Abs. 1 StPO begründen und die Beschwerdeinstanz überprüft den ange-
fochtenen Entscheid auf die in der Beschwerde vorgebrachten Rügen.
Das Faxschreiben vom 9. August 2007 enthält keine sachbezogene
Begründung. Der Beschwerdeführer begnügt sich zu wiederholen, die Y.
AG habe das Kantonsgericht mit hinterlegten Fotografien getäuscht und
die ihr obliegenden Verkehrssicherungspflichten verletzt. Der Beschwer-
deführer bezieht sich damit nicht auf die vorinstanzlichen Vorbehalte,
warum sie gegen den Direktor der Y. AG kein Strafverfahren eröffnet hat.
Die Begründung ist im Übrigen kein formeller, sondern ein inhaltlicher
Mangel der Rechtsschrift. Selbst wenn die entsprechende Unzulänglich-
keit frühzeitig erkannt würde, muss der Richter dies dem Beschwerdefüh-
rer nicht zur fristgerechten Behebung anzeigen (vgl. Bundesgerichtsur-
teil 6B_196/2007 vom 1. Juni 2007 E. 2). Folglich ist die innerhalb der zehn-
tägigen Beschwerdefrist (Art. 169 Abs. 1 Ziff. 2 StPO) nicht gehörig
begründet eingereichte Beschwerde auch aus diesem Grunde unzulässig
(vgl. ZWR 2006 S. 320; 2005 S. 294 E. 1a; 2002 S. 310 E. 1).