Appeal inadmissible if multiple grounds are not all challenged

P1 07 88Kantonsgericht12.06.2008Inadmissible

Zusammenfassung

The cantonal criminal court held that an appeal against an acquittal must address every independent ground on which the lower court relied. Here, the first-instance judge had based the acquittal on two alternative reasons: lack of intent and, alternatively, lawful conduct under Art. 14 StGB in conjunction with Art. 240 SchKG. The appellant attacked only the finding of negligence/absence of intent, leaving the justification ground untouched. As that unchallenged ground independently sustained the judgment, the appeal was not properly reasoned and the court declined to hear it.

Regest

Art. 185 Ziff. 2 StPO; appeal against a decision based on multiple independent grounds. Where the attacked judgment rests on two autonomous reasons, each of which is sufficient to uphold the result, the appellant must challenge every ground; otherwise the appeal is not duly reasoned and the appellate court will not enter into it. An unchallenged alternative ground renders appellate review superfluous, since the first-instance decision remains supported by the uncontested reasoning (consid. c).

Gesamter Gesetzestext

KGE (Strafgericht I) vom 12. Juni 2008 i.S. X. c. Y. (Berufung).

Anforderungen an die Berufung in Strafsachen bei Mehrfachbegründung des

angefochtenen Entscheids (Art. 185 Ziff. 2 StPO).

Beruht der vorinstanzliche Entscheid auf zwei selbstständigen Begründungen und

wird bloss eine davon beanstandet, so ist die Berufung nicht gehörig begründet und

das Kantonsgericht tritt folglich darauf nicht ein.

Exigences de contenu de l’appel pénal en cas de motivation multiple de la déci-

sion attaquée (art. 185 ch. 2 CPP).

Dans la mesure où la décision de l’instance précédente repose sur deux motifs indé-

pendants et que seul l’un d’eux est contesté, l’appel n’est pas motivé en bonne et

due forme et, par conséquent, le Tribunal cantonal n’entre pas en matière.

Aus den Erwägungen

(...)

c) Die prozessuale Verpflichtung nach Art. 185 Ziff. 2 StPO, das

Rechtsmittel zu begründen, verlangt, dass der Berufungskläger bei einer

Mehrfachbegründung des angefochtenen Urteils jede einzelne Begrün-

dung anficht. Beruht der vorinstanzliche Entscheid also auf zwei selbst-

ständigen Begründungen, die je für sich den Ausgang des Rechtsstreits

besiegeln, und wird bloss eine davon beanstandet, so ist die Berufung

nicht gehörig begründet. Diesfalls tritt das Kantonsgericht auf die Beru-

fung nicht ein; das erstinstanzliche Urteil bleibt der Überprüfung durch

die Rechtsmittelinstanz entzogen, weil es aufgrund der nicht kritisierten

Begründung Bestand hat (BGE 133 IV 119; 121 IV 94, 121 III 46, 131 III 595

E. 2.2, Bundesgerichtsurteil 1C_77/2007 vom 27. August 2007 E. 4.1; ZWR

2003 S. 315 f., 2002 S. 193 f., 2001 S. 169 f.; Piquerez, Traité de procédure

pénale suisse, 2. A., Genf/Zürich/Basel 2006, § 167 N. 1353/4; Merz, Bas-

ler Kommentar, Bundesgerichtsgesetz, N. 73 zu Art. 42 BGG).

Der Bezirksrichter erwog, der Beschuldigte habe bloss fahrlässig

gehandelt, womit die Sachbeschädigung straflos bleibe. Aber selbst bei

Annahme einer eventualvorsätzlichen Sachbeschädigung bleibe sein

Verhalten gemäss Art. 14 StGB i.V.m. Art. 240 SchKG rechtmässig. Mithin

beruht der Freispruch auf einer doppelten, alternativen Begründung. In

seiner Berufung beanstandet der Strafkläger ausschliesslich die dem

Beschuldigten zugestandene Fahrlässigkeit, wobei er zumindest Eventu-

alvorsatz als gegeben erachtet. Die Alternativbegründung, wonach die

Handlung des Betreibungs- und Konkursbeamten gemäss Art. 14 StGB

aufgrund seiner Pflichten laut SchKG gesetzlich erlaubt gewesen sei,

ficht er demgegenüber mit keinem Wort an. Im Sinne der obigen Erwä-

gungen ist demzufolge auf die Berufung nicht einzutreten.

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RVJ/ZWR 2008

KGVS P1 07 88

Schlagwörter

criminal appealmultiple groundsreasoning requirementsnon-entryacquittallawful conduct