Recognition of debt-collection agent’s professional capacity

C3 16 89Kantonsgericht22.09.2016Modified

Zusammenfassung

X_________ SA appealed a district court decision that had refused to enter into its bankruptcy petition against Y_________ SA because the petition had been filed by A_________, a debt-collection agent. The cantonal court held that A_________ was professionally authorized to represent parties in summary proceedings under the applicable federal rules, and that Valais had no special legislation restricting such representation. The appeal was therefore upheld, the district court’s decision annulled, and the case remanded so that a bankruptcy hearing could be scheduled. Costs were placed on the State, and no party compensation was awarded.

Regest

Art. 68 Abs. 2 lit. c ZPO; Art. 27 SchKG; professional representation in summary proceedings by debt-collection agents: where a canton has not enacted specific rules under Art. 27 SchKG, professional representation in summary matters remains unrestricted. A representative admitted in another canton may act if professional competence and integrity have been examined in an adequate manner in the canton of origin. The decisive criterion is proof of a genuine aptitude assessment, including theoretical and practical qualifications; prior registration as a licensed debt-collection agent may suffice as evidence of such assessment (consid. 3 ff.). Costs may be imposed on the canton under Art. 107 Abs. 2 ZPO when no party is responsible for the erroneous lower-court decision.

Gesamter Gesetzestext

C3 16 89

ENTSCHEID VOM 22. SEPTEMBER 2016

Kantonsgericht Wallis

Zivilkammer

Hermann Murmann, Einzelrichter; Silas Providoli, Gerichtsschreiber

in Sachen

X_________ SA , Beschwerdeführerin

gegen

Y_________ SA , Beschwerdegegnerin

(Postulationsfähigkeit eines Rechtsagenten)

Beschwerde gegen den Entscheid des Bezirksgerichts M_________ vom 20. Juni

2016


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eingesehen

den gestützt auf das Gesuch der X_________ SA der Y_________ SA am 27. Novem-

ber 2015 zugestellten Zahlungsbefehl des Betreibungs- und Konkursamtes

M_________ in der Betreibung Nr. xxx1, in welchem als Forderungsgrund die Hono-

rarnote Nr. 150‘107 vom 10. Februar 2015 aufgeführt sowie ein Betrag in der Höhe von

Fr. 7‘344.-- samt Zins von 5% seit dem 10. März 2015 in Betreibung gesetzt, und ge-

gen welchen kein Rechtsvorschlag erhoben wurde;

die am 16. März 2016 zugestellte Konkursandrohung;

die von der X_________ SA an A_________ erteilte Vollmacht vom 4. Mai 2016;

das von A_________ für die X_________ SA beim Bezirksgericht M_________ (nach-

folgend Bezirksgericht) eingereichte Konkursbegehren vom 14. Juni 2016 gegen die

Y_________ SA;

den Entscheid der Bezirksrichterin vom 20. Juni 2016, womit auf das Konkursbegehren

vom 14. Juni 2016 nicht eingetreten wurde;

die von der X_________ SA (nachfolgend Beschwerdeführerin) am 30. Juni 2016

(Postaufgabedatum) dagegen erhobene Beschwerde mit folgenden Anträgen:

Fondée sur ce qui précède, la recourante X_________ SA, a l’honneur de conclure avec suite de frais

et dépens à ce qu’il plaise à la Cour civile du Tribunal Cantonal Valaisan prononcer :

I.

Que le présent recours est admis ;

II.

Qu’en conséquence, la décision rendue le 20 juin 2016 par l Tribunal de district de M_________ est

annulée ;

III.

Qu’en conséquence, ordre est donné au Tribunal de district de M_________ de fixer une audience de

faillite dans la cause opposant X_________ SA à Y_________ SA, afin de pouvoir statuer sur la re-

quête de faillite qui a été déposée en date du 14 juin 2016.

die Beschwerdegegnerin liess sich dazu nicht vernehmen;

die am 14. Juli 2016 erfolgte Hinterlegung des Entscheids des Kantonsgerichts Wallis

C3 14 105 vom 24. November 2014 durch die Beschwerdeführerin;

die übrigen Akten;


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erwägend

dass gegen den Entscheid der Konkursrichterin die Beschwerde an die Zivilkammer

des Kantonsgerichts offen steht, wobei ein Einzelrichter in der Sache zuständig ist

(Art. 319 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 309 lit. b Ziff. 7 ZPO; Art. 30 Abs. 2 EGSchKG, Art. 5

Abs. 1 lit. b und 2 lit. c EGZPO);

dass Entscheide des Konkursgerichts dem summarischen Verfahren unterliegen

(Art. 251 lit. a ZPO), mithin die Rechtsmittelfrist dagegen zehn Tage beträgt (Art. 321

Abs. 2 ZPO), die Beschwerde vorliegend fristgemäss eingereicht wurde und auch die

weiteren Eintretensvoraussetzungen erfüllt sind, so dass auf die Beschwerde einzutre-

ten ist;

dass mit Beschwerde die unrichtige Rechtsanwendung sowie die offensichtlich unrich-

tige Feststellung des Sachverhaltes geltend gemacht werden kann (Art. 320 ZPO),

wobei die Beschwerdeinstanz die Rüge der unrichtigen Rechtsanwendung mit freier

Kognition prüft, die Beschwerde hinsichtlich der Sachverhaltsfeststellung hingegen

einer

beschränkten

Kognition

unterliegt

(Freiburghaus/Afheldt,

in:

Sutter-

Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilpro-

zessordnung, 3. A., Zürich/Basel/Genf 2016, N. 4 f. zu Art. 320 ZPO);

dass die Beschwerdeführerin eine Verletzung von Art. 68 ZPO sowie Art. 27 SchKG

moniert;

dass gemäss Art. 68 Abs. 2 lit. c ZPO die gewerbsmässigen Vertreterinnen und Vertre-

ter nach Art. 27 SchKG dazu ermächtigt sind, die Parteien in den Angelegenheiten des

summarischen Verfahrens nach Art. 251 ZPO berufsmässig vor den Gerichten zu ver-

treten; dass gemäss Art. 27 Abs. 1 Satz 1 SchKG die Kantone die gewerbsmässige

Vertretung organisieren können;

dass der Kanton Wallis keine Legiferierung betreffend die gewerbsmässige Vertretung

nach Art. 27 SchKG vorgenommen hat; dass mithin die gewerbsmässige Vertretung in

Summarsachen völlig frei ist (Roth/Walther, Basler Kommentar, 2. A., 2010, N. 4 zu

Art. 27 SchKG);

dass derjenige, welcher in einem Kanton zur gewerbsmässigen Vertretung zugelassen

ist, die Zulassung in jedem Kanton verlangen kann, sofern seine berufliche Fähigkeit


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und seine Ehrenhaftigkeit in angemessener Weise geprüft worden sind (Art. 27 Abs. 2

SchKG);

dass im Ursprungskanton eine eigentliche Prüfung abgelegt worden sein muss, die

Aufschluss über die theoretischen und praktischen Fähigkeiten des Anwärters gibt

(Muster, in: Hunkeler [Hrsg.], Kurzkommentar SchKG, 2. A., Basel 2014, N. 15 zu

Art. 27 SchKG);

dass ihm jeder andere Kanton die Polizeibewilligung zur Berufsausübung grundsätzlich

erteilen muss, wenn ein gewerbsmässiger Vertreter einen Fähigkeitsausweis vorlegen

kann; dass andernfalls eine gewerbsmässige Vertretung in anderen Kantonen nur

möglich ist, wenn dort Regeln über die gewerbsmässige Vertretung fehlen

(Roth/Walter, a.a.O., N. 13 zu Art. 27 SchKG);

dass - wie weiter oben bereits ausgeführt - der Kanton Wallis keine Normen betreffend

die gewerbsmässige Vertretung legiferiert hat;

dass zur Erlangung eines Fähigkeitszeugnisses als Rechtsagent im Kanton Waadt ein

mehrjähriges Praktikum in einem Rechtsagentenbüro von sowie die erfolgreiche Ab-

solvierung der Prüfungen erforderlich ist, wobei vor Antritt des Praktikums u.a. geprüft

wird, ob der Kandidat einen einwandfreien Leumund sowie Fertigkeiten im Zivilrecht

hat;

dass A_________ in der Liste der Rechtsagenten im Kanton Waadt seit dem 28. Mai

1985 eingetragen ist; dass mithin A_________’s berufliche Fähigkeit sowie seine Eh-

renhaftigkeit in angemessener Weise geprüft worden sind; dass somit auch nachge-

wiesen ist, dass Letztgenannter Parteien im Ursprungskanton vertreten kann;

dass die Beschwerde somit gutzuheissen, der angefochtene Entscheid aufzuheben

und die Sache an die Vorinstanz zurückzuweisen ist, um zur Konkurssitzung vorzula-

den (Art. 327 Abs. 3 lit. a ZPO);

dass in Fällen wie im vorliegenden, in welchen keine Prozesspartei den fehlerhaften

Entscheid der Vorinstanz zu vertreten hat, die Kosten des Beschwerdeverfahrens je-

doch gemäss Art. 107 Abs. 2 ZPO dem Kanton auferlegt werden (Jenny, in: Sutter-

Somm/Hasenböhler/Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilpro-

zessordnung, 3. A., Zürich/Basel/Genf 2016, N. 25 zu Art. 107 ZPO);

dass die Gerichtsgebühr auf Fr. 450.-- festgesetzt wird (Art. 13, 18 und 19 GTar) und

der Beschwerdeführerin durch die Gerichtskasse Fr. 450.-- zurückzuerstatten sind;


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dass die nicht anwaltlich vertretene Beschwerdeführerin mangels Aufwands genau so

wie die unterliegende Beschwerdegegnerin keinen Anspruch auf eine Parteientschädi-

gung haben (Art. 106 Abs. 1 i.V.m. Art. 95 Abs. 1 und 3 ZPO).

wird erkannt

Die Beschwerde wird gutgeheissen, der Entscheid des Bezirksgerichtes

M_________ vom 20. Juni 2016 aufgehoben und die Sache an das Bezirksgericht

M_________ zurückgewiesen, um zur Konkurssitzung vorzuladen.

Die Gerichtskosten des Beschwerdeverfahrens in Höhe von Fr. 450.-- gehen zu

Lasten des Staates. Das Kantonsgericht erstattet der Beschwerdeführerin den ge-

leisteten Kostenvorschuss von Fr. 450.-- zurück.

Es werden keine Parteientschädigungen zugesprochen.

Sitten, 22. September 2016

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