Separate appeal against first-instance evidence decisions

C3 11 125Kantonsgericht07.11.2011Inadmissible

Zusammenfassung

The Cantonal Court of Valais held that the appealability of the District Court’s evidence-related orders was governed by the CPC in force at the time of notification. It reiterated that first-instance evidence decisions are not separately appealable as a rule. They may be challenged only if they cause irreparable harm within the meaning of Article 319(b)(2) CPC. The appellants’ argument that they might fail with a later objection about late evidence did not amount to such harm, because this was only a general litigation risk and the orders could be contested together with the final judgment. The court therefore refused to enter into the appeal.

Regest

Art. 405 Abs. 1 ZPO; Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO: Die Anfechtbarkeit erstinstanzlicher Beweismittelentscheide beurteilt sich nach dem bei der Eröffnung geltenden Prozessrecht. Solche Verfügungen sind grundsätzlich nicht selbständig mit Beschwerde anfechtbar; sie können nur ausnahmsweise angefochten werden, wenn sie einen nicht leicht wieder gutzumachenden Nachteil bewirken. Dieser Nachteil ist restriktiv zu verstehen; blosse prozessuale Nachteile oder das allgemeine Risiko des Unterliegens genügen nicht, da die Verfügung regelmässig zusammen mit dem Endentscheid angefochten werden kann (consid. 1-2).

Gesamter Gesetzestext

Zivilprozessrecht – Rechtsmittel – KGE (I. Zivilrechtliche Abteilung) vom

7. November 2011, X. u.a. c. Y. u.a. – TCV C3 11 125

Zivilprozessrecht: Anfechtbarkeit von erstinstanzlichen Entscheiden betreffend

Beweismittel

– Erstinstanzliche Beweismittelentscheide können nur dann selbständig mit

Beschwerde angefochten werden, wenn durch sie ausnahmsweise ein nicht wie-

der gutzumachender Nachteil droht; grundsätzlich sind sie mit dem Endurteil

anzufechten.

Ref. CH: Art. 319 ZPO, Art. 405 ZPO

Ref. VS: –

Procédure civile: recours contre les décisions de première instance en matière

de preuve

– Les décisions en matière de preuve rendues en première instance ne sont suscep-

tibles de recours séparé que lorsqu’exceptionnellement elles peuvent causer un

préjudice difficilement réparable; en principe, elles sont attaquables avec la déci-

sion finale.

Réf. CH: art. 319 CPC, art. 405 CPC

Réf. VS: –

Verfahren

Mit Verfügungen vom 29. August 2011, 2. September 2011 und

  1. September 2011 wies das Bezirksgericht Brig den Antrag von X. und

weiterer Personen ab, bestimmte Unterlagen aus den Akten zu weisen

und andere Unterlagen zu den Akten zu nehmen. Die Antragsteller foch-

ten diese Verfügungen beim Kantonsgericht an.

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Aus den Erwägungen (für die Publikation formell angepasst)

  1. Gemäss Art. 405 Abs. 1 der am 1. Januar 2011 in Kraft getretenen

Schweizerischen Zivilprozessordnung gilt für die Rechtsmittel das

Recht, das bei der Eröffnung des Entscheids in Kraft ist, und zwar auch

für Rechtmittel gegen Zwischenentscheide, da gemäss Bundesge-

richtsurteil 5A_320/2011 vom 8. August 2011 E. 2.3.2 der Wortlaut von

Art. 405 Abs. 1 ZPO nicht nach der Art des Entscheids differenziert und

den Anwendungsbereich der Norm insbesondere nicht auf Endent-

scheide beschränkt. Die Anfechtbarkeit beurteilt sich demzufolge nach

neuem Recht.

  1. a) Laut Art. 319 ZPO ist die Beschwerde zulässig gegen nicht

berufungsfähige erstinstanzliche Endentscheide, Zwischenentscheide

und Entscheide über vorsorgliche Massnahmen (lit. a), andere erstin-

stanzliche Entscheide und prozessleitende Verfügungen in den vom

Gesetz bestimmten Fällen (lit. b Ziff. 1) oder wenn durch sie ein nicht

leicht wieder gutzumachender Nachteil droht (lit. b Ziff. 2) sowie bei

Rechtsverzögerung (lit. c). Im Gesetz nicht vorgesehen ist, dass Ent-

scheide betreffend Beweismittel mit Beschwerde angefochten wer-

den können, so dass Beweismittelentscheide nur angefochten wer-

den können, wenn ein nicht leicht wieder gutzumachenden Nachteil

droht (Art. 319 lit. b Ziff. 2 ZPO; Brunner, in

: Oberhammer [Hrsg.] Kurz-

kommentar, Schweizerische Zivilprozessordnung, Basel 2010, N. 12 zu

Art. 319 ZPO; Jeandin, Code de procédure civile commenté, Basel 2011,

N. 14 zu Art. 319 ZPO). Mithin können die angefochtenen Entscheide

nur Anfechtungsobjekt einer Beschwerde an das Kantonsgericht sein,

wenn sie den Beschwerdeführern einen nicht leicht wieder gutzuma-

chenden Nachteil verursachen.

b) Der Nachteil ist nicht wieder gutzumachen, wenn er rechtlicher

Natur ist, was der Fall ist, wenn er sich auch mit einem späteren gün-

stigen Endentscheid nicht oder nicht gänzlich beseitigen lässt (BGE

137 III 380 E. 1.2.1 und 2.2 mit Hinweisen). Auch drohende Nachteile tat-

sächlicher Natur können genügen (Meier, Schweizerisches Zivilpro-

zessrecht, Zürich/Basel/Genf 2010, S. 470), insbesondere wenn die Lage

der betroffenen Partei durch den angefochtenen Entscheid erheblich

erschwert wird (Freiburghaus/Afheldt in

: Sutter-Somm/Hasenböhler/

Leuenberger [Hrsg.], Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozess-

ordnung, Zürich 2010, N. 14 zu Art. 319 ZPO). Der Begriff des nicht leicht

wieder gutzumachenden Nachteils ist restriktiv auszulegen (Jeandin,

a.a.O., N. 22 zu Art. 319 ZPO), da der Beschwerdeführer grundsätzlich


immer die Möglichkeit hat, die streitige Verfügung zusammen mit der

Hauptsache anzufechten (Brunner, a.a.O., N. 13 zu Art. 319 ZPO). In die-

sem Bereich ist die Unzulässigkeit der Beschwerde die Regel und die

Zulässigkeit die Ausnahme (Donzallaz, La notion de «préjudice diffici-

lement réparable» dans le CPC, in: Il Codice di diritto processuale civile

svizzero, Lugano 2011, S.191).

c) Es obliegt den Beschwerdeführern, den nicht leicht wieder gut-

zumachenden Nachteil zu behaupten und nachzuweisen (Brunner,

a.a.O., N. 12 zu Art. 319 ZPO). Diese begründen den nicht wieder gutzu-

machenden Nachteil damit, dass sie auf Grund der Anwendbarkeit der

neuen schweizerischen Zivilprozessordung im Rechtsmittelverfahren

«mit dem Einwand der verspätet hinterlegten Beweismittel im Haupt-

verfahren angesichts der Anwendbarkeit von Art. 154 ZPO gar nicht

mehr durchdringen». Die Gefahr des «Nichtdurchdringens» besteht für

jede Partei in jedem Verfahren; dies stellt aber keinen nicht wieder gut-

zumachenden Nachteil dar. Der strittige Beweismittelentscheid kann

alsdann mit dem Endurteil (Hauptsache) angefochten werden (Brun-

ner, a.a.O., N. 13 zu Art. 319), weshalb den Beschwerdeführern keiner-

lei nicht leicht wieder gutzumachender Nachteil entsteht. Auf die

Beschwerde ist daher nicht einzutreten.

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Schlagwörter

civil procedureappeal admissibilityevidence decisionsirreparable harminterlocutory decisionnon-entry