Stay of appeal proceedings after confirmed composition agreement

C2 13 59Kantonsgericht04.11.2013Granted

Zusammenfassung

The Kantonsgericht Wallis stayed an appeal in a civil case after a related composition agreement with asset assignment had been finally confirmed and published. It held that, in liquidation proceedings, pending passive actions are to be treated analogously under Art. 207 SchKG, and the debtor therefore lost party capacity over the estate. The court also set a 20-day period for the liquidator of D_________ AG, E_________, to inform the court whether the estate or individual creditors would continue the proceedings and, if necessary, to provide creditors' committee approval. Costs were reserved for the final judgment.

Regest

Art. 207 SchKG analog; Art. 321 ZPO; party capacity in liquidation proceedings after confirmation of a composition agreement with asset assignment. Once the composition agreement has been finally confirmed and published, the debtor loses dispositive power over the estate and, in relation to pending passive proceedings, loses party capacity in that capacity; the pending action must be stayed by analogy to Art. 207 SchKG. A pending appeal may therefore not be adjudicated on the merits until the liquidator decides, within the set period, whether the estate or individual creditors will continue the case, and any required approval of the creditors' committee is produced. The filing of an ordinary complaint against the confirmation decision does not suspend its formal finality; at most, it may affect enforceability, not res judicata (consid. 2).

Gesamter Gesetzestext

C2 13 59

ENTSCHEID VOM 4. NOVEMBER 2013

Kantonsgericht Wallis

I. Zivilrechtliche Abteilung

Hermann Murmann, Präsident; Dr. Rochus Jossen, Gerichtsschreiber

in Sachen

X_________ KOMMANDITGESELLSCHAFT IN NACHLASSLIQUIDATION , Gesuch-

stellerin,

Y_________ KOMMANDITGESELLSCHAFT IN LIQUIDATION , Gesuchstellerin,beide

vertreten durch Rechtsanwalt A_________

gegen

Z_________ Gesuchsgegnerin, vertreten durch Rechtsanwalt B_________

(Verfahrenssistierung)

Berufung gegen das Urteil Bezirksgerichts C_________ vom 18. Februar 2013


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eingesehen

die Berufungsantwort der X_________ Kommanditgesellschaft in Nachlassliquidation

(fortan KG X_________) sowie der Y_________ Kommanditgesellschaft in Liquidation

(fortan KG Y_________) vom 14. August 2013, in welcher diese den Antrag stellten,

das Verfahren zu sistieren;

die Stellungnahme der Gesuchsgegnerin vom 19. August 2013, mit welcher diese die

Gesuchsabweisung beantragte;

den Entscheid C2 13 27 des Kantonsgerichts vom 11. Juni 2013, mit welchem der

Präsident der I. Zivilrechtlichen Abteilung einen ersten Antrag der KG X_________

sowie KG Y_________ vom 5. April 2013 um Verfahrensistierung abgewiesen hat;

die übrigen Akten;

erwägend

dass auf das Berufungsverfahren die Schweizerische ZPO anwendbar ist (Art. 405

Abs. 1 ZPO);

dass das Kantonsgericht als Rechtsmittelinstanz vorliegende Berufungen gegen einen

erstinstanzlichen Endentscheid beurteilt und der Präsident der mit dem Fall beschäftig-

ten Abteilung über das Sistierungsgesuch zu befinden hat (Art. 308 Abs. 1 lit. a sowie

Abs. 2 ZPO; Art. 5 Abs. 1 lit. b sowie Abs. 2 lit. a EGZPO);

dass das Gericht nach Art. 126 Abs. 1 ZPO das Verfahren sistieren kann, wenn die

Zweckmässigkeit dies verlangt, namentlich wenn der Entscheid vom Ausgang eines

anderen Verfahrens abhängig ist;

dass die Gesuchstellerinnen ihren neuerlichen Antrag auf Sistierung damit begründen,

dass sich im Vergleich zum Entscheid vom 11. Juni 2013 die Verfahrensausgangslage

geändert habe, da mittlerweile das Kantonsgericht Nidwalden den Nachlassvertrag mit

Vermögensabtretung bestätigt habe, die D_________ AG dagegen zwar Beschwerde

eingereicht habe, ohne jedoch einen Antrag auf aufschiebende Wirkung gestellt zu ha-

ben;

dass die Gesuchstellerinnen den Bestätigungsentscheid des Kantonsgerichts Nidwal-

den vom 17. Juli 2013 hinterlegten und dieser Entscheid einzig mittels Beschwerde

nach Art. 319 ff. ZPO anfechtbar ist (vgl. Art. 307 SchKG), welche als ausserordentli-

ches Rechtsmittel den Eintritt der formellen Rechtskraft nicht hindert (Art. 325 Abs. 1

ZPO; Bundesgerichtsurteil 5A_241/2012 vom 3. Mai 2012 E. 2.3.1; Hardmeier, Basler


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Kommentar, 2. A., N. 11 zu Art. 307 SchKG, N. 5 zu Art. 308 SchKG; Sterchi, Berner

Kommentar, N. 1 zu Art. 325 ZPO);

dass mit der aufschiebenden Wirkung ohnehin höchstens die Vollstreckbarkeit aufge-

schoben werden könnte, dies indes nichts an der formellen Rechtskraft des Entschei-

des ändern würde (Freiburghaus/Afheldt, in: Sutter-Somm/Hasenböhler/Leuenberg

[Hrsg.]. Kommentar zur Schweizerischen Zivilprozessordnung, 2. A., Zürich 2013, N. 4

zu Art. 325 ZPO; Staehelin/Staehelin/Grolimund, Zivilprozessrecht, 2. A., Zürich 2013,

§ 24 N. 3, je mit Hinweisen);

dass der Entscheid des Kantonsgerichts Nidwalden, nachdem er in Rechtskraft er-

wachsen war, gemäss Art. 308 Abs. 1 SchKG am 6. August 2013 im SHAB publiziert

worden ist (vgl. Amonn/Walther, Grundriss des Schuldbetreibungs- und Konkursrechts,

  1. A., Bern 2008, § 54 N. 82, 85);

dass mithin der Nachlassvertrag mit Vermögensabtretung rechtskräftig bestätigt wor-

den ist und durch dessen Publikation der gute Glaube Dritter nicht mehr geschützt ist

(Bauer/Hari/Jeanneret/Wüthrich, Basler Kommentar, 2. A., N. 4 zu Art. 319 SchKG);

dass beim Liquidationsvergleich hinsichtlich des Schicksals von hängigen Passivpro-

zessen Art. 207 SchKG analoge Anwendung findet und die KG X_________ daher mit

der rechtskräftigen Bestätigung des Nachlassvertrages mit Vermögensabtretung als

Schuldnerin die Verfügungsmacht über ihr Vermögen, das die Masse bildet, und inso-

weit die Parteifähigkeit verlor (ZWR 2002 S. 201 f. mit Hinweisen; Robert-Tissot, Les

effects du concordat sur les obligations, Diss. Fribourg 2010, N. 349 ff. mit zahlreichen

Hinweisen; Bauer/Hari/Jeanneret/Wüthrich, a.a.O., N. 40 zu Art. 319 SchKG; Hunzi-

ker/Pellascio, Schuldbetreibungs- und Konkursrecht, 2. A., Zürich 2012, S. 353; a.A.

Wohlfart/Meyer, Basler Kommentar, 2. A., N. 14 zu Art. 207 SchKG; Lorandi, Die Wir-

kungen des Konkursaufschubes [Art. 725a OR]: Ausgewählte Fragen aus vollstre-

ckungsrechtlicher Sicht. Ein Vergleich zum Konkurs- und zum Nachlassverfahren – mit

Vorschlägen de lege feranda, in: Gehri et al. [Hrsg.], Festschrift für Karl Spühler, Zürich

2005, S. 222, da die Liquidatoren [allenfalls zusammen mit dem Gläubigerausschuss]

innert kurzer Frist über die Fortsetzung hängiger Verfahren entscheiden könnten);

dass gemäss Handelsregisterauszug des Kantons Zug die KG F_________ am 26. Ap-

ril 2013 „zwecks Liquidation aufgelöst“ hat und die D_________ AG, E_________, als

Liquidatorin amtet;

dass die KG X_________ die einzige Kommanditärin der KG Y_________ ist;

dass das Berufungsverfahren C1 13 84 in analoger Anwendung von Art. 207 Abs. 1

SchKG eingestellt wird;

dass der D_________ AG, E_________, als Liquidatorin eine Frist von zwanzig Tagen

nach der Auflegung des Kollokationsplanes läuft, um dem Kantonsgericht Wallis

schriftlich mitzuteilen, ob die Konkursmasse oder einzelne Gläubiger den Prozess wei-

terführen wollen und soweit notwendig, die entsprechende Zustimmung des Gläubiger-


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ausschusses beizubringen hat (Art. 321 sowie Art. 207 Abs. 1 2. Satz SchKG analog;

vgl. Robert-Tissot, a.a.O., N. 350);

dass über die Prozesskosten im Endentscheid befunden wird (Art. 104 Abs. 1 ZPO);

erkennt

Der Zivilprozess C1 13 84 wird in analoger Anwendung von Art. 207 Abs. 1

SchKG eingestellt.

Der D_________ AG, E_________, als Liquidatorin läuft eine Frist von zwanzig

Tagen nach der Auflegung des Kollokationsplanes, um dem Kantonsgericht Wallis

schriftlich mitzuteilen, ob die Konkursmasse oder einzelne Gläubiger den Prozess

weiterführen wollen und soweit notwendig, die entsprechende Zustimmung des

Gläubigerausschusses beizubringen.

Der Entscheid über die Prozesskosten erfolgt im Endentscheid.

Sitten, 4. November 2013

Schlagwörter

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