C1 24 219
URTEIL VOM 7. APRIL 2025
Kantonsgericht Wallis
I. Zivilrechtliche Abteilung
Besetzung: Dr. Lionel Seeberger, Präsident; Michael Steiner und Camille Rey-Mermet,
Kantonsrichter; Samira Schnyder, Gerichtsschreiberin
in Sachen
X _________ , Kläger und Berufungskläger,
Y _________ , Klägerin und Berufungsklägerin,
beide vertreten durch Rechtsanwalt Daniel Bellwald, Visp
gegen
Z _________ , Beklagte und Berufungsbeklagte, vertreten durch Rechtsanwalt Harald
Gattlen, Visp
(Miete; Schadenersatz)
Berufung gegen den Entscheid des Bezirksgerichts Leuk und Westlich-Raron
vom 19. September 2024 [LWR Z1 23 35]
Verfahren
A. In dem von den Klägern am 27. September 2023 eingeleiteten Verfahren auf Leis-
tung von Schadenersatz von Fr. 41'182.60 zuzüglich Zinsen fällte das Bezirksgericht
Leuk und Westlich-Raron am 19. September 2024 nachstehendes Urteil, welches es
gleichentags versandte (S. 157 ff., 170):
Z _________ bezahlt Y _________ und X _________ einen Betrag von Fr. 926.20 nebst Zins zu 5%
seit dem 15. Juni 2023.
Die Gerichtskosten von Fr. 3'970.00 (Gebühr Fr. 3'900.00; Auslagen Fr. 70.00) werden Y _________
und X _________ im Umfang von Fr. 3'771.50 (19∕20) und Z _________ im Umfang von Fr. 198.50 (1∕20)
auferlegt. Diese werden mit den von den Klägern geleisteten Kostenvorschüssen von insgesamt
Fr. 3'970.00 verrechnet.
Z _________ erstattet den Klägern Fr. 198.50 für geleistete Kostenvorschüsse.
Die von Y _________ und X _________ bezahlten Kosten des Schlichtungsverfahrens von Fr. 200.00
gehen im Umfang von Fr. 190.00 zu Lasten der Kläger und im Umfang von Fr. 10.00 zu Lasten von
Z _________.
Y _________ und X _________ bezahlen Z _________ eine Parteientschädigung von Fr. 6'365.00
(Honorar Fr. 6'175.00, Auslagen Fr. 190.00, inkl. MwSt.).
Z _________ bezahlt Y _________ und X _________ eine Parteientschädigung von Fr. 335.00 (Ho-
norar Fr. 325.00, Auslagen Fr. 10.00, inkl. MwSt.).
In Verrechnung der gegenseitigen Ansprüche bezahlen Y _________ und X _________ Z _________
Fr. 6'030.00, unter solidarischer Haftbarkeit.
Die von Y _________ und X _________ bezahlten Kosten des vorsorglichen Beweisaufnahmeverfah-
rens Z2 22 9 gehen im Umfang von Fr. 280.00 zu Lasten von Z _________.
Z _________ bezahlt Y _________ und X _________ demnach Fr. 280.00.
Z _________ bezahlt Y _________ und X _________ für das Verfahren Z2 22 9 eine Parteientschä-
digung von Fr. 80.00 (inkl. Auslagen und MwSt.).
B. Gegen dieses von den erstinstanzlichen Klägern am 23. September 2024 in Empfang
genommene Urteil (vor S. 172) erklärten diese am 23. Oktober 2024 beim Kantonsge-
richt Berufung mit den nachstehenden Begehren (S. 173):
Die vorliegende Berufung wird gutgeheissen und die Beklagte hat den Klägern einen Betrag von
CHF 41'082.60 zuzüglich Zinsen zu 5% seit dem 26. August 2022 zu bezahlen.
Die Kosten von Verfahren und Entscheid sowie die Kosten für das Schlichtungsbegehren von
CHF 200.00 gehen zulasten der Beklagten.
Die Kosten von Verfahren und Entscheid Z2 22 9 gehen zulasten der Beklagten.
Die Kosten von Verfahren und Entscheid Z1 23 35 gehen zulasten der Beklagten.
Den Klägern wird eine angemessene Parteientschädigung gemäss GTar zugesprochen für die Verfah-
ren vor erster Instanz Z1 23 55 sowie Z2 22 9.
Den Klägern wird eine angemessene Parteientschädigung für das Verfahren vor Kantonsgericht zuge-
sprochen.
In ihrer Berufungsantwort vom 10. Januar 2025 verlangte die Berufungsbeklagte die voll-
umfängliche Abweisung der Berufung unter Kosten- und Entschädigungsfolge zulasten
der Berufungskläger, ohne Anschlussberufung zu erheben (S. 205). Die Berufungsklä-
ger reichten am 27. Januar 2025 eine Replik ein. Die Berufungsbeklagte duplizierte am
teten.
Sachverhalt und Erwägungen
1.
1.1 Beim angefochtenen Urteil handelt es sich um einen erstinstanzlichen Endentscheid
in einer vermögensrechtlichen Angelegenheit mit einem Streitwert von Fr. 41'182.60
(Art. 91 Abs. 1 ZPO) bei in der Folge so aufrechterhaltenen Rechtsbegehren, bei wel-
chem die Berufung an das Kantonsgericht zulässig ist (Art. 308 Abs. 1 und 2 ZPO; Art.
5 Abs. 1 lit. b EGZPO). Die erstinstanzlichen Kläger haben das Urteil des Bezirksgerichts
am 23. September 2024 in Empfang genommen und am 23. Oktober 2024 fristgerecht
Berufung erhoben (Art. 311 Abs. 1, Art. 142 Abs. 1 und 3, Art. 143 Abs. 1 und Art. 145
Abs. 1 lit. c ZPO).
1.2
1.2.1 Laut Art. 310 ZPO können mit der Berufung die unrichtige Rechtsanwendung
(lit. a) und die unrichtige Feststellung des Sachverhalts (lit. b) geltend gemacht werden.
Die Berufungsinstanz verfügt insoweit über eine vollständige Überprüfungsbefugnis der
Streitsache ("plein pouvoir d'examen de la cause") und kann das erstinstanzliche Urteil
sowohl auf rechtliche wie tatsächliche Mängel hin überprüfen (vgl. BGE 138 III 374
E. 4.3.1). Das Gericht wendet das Recht von Amtes wegen an (Art. 57 ZPO), weshalb
es weder an die Erwägungen der ersten Instanz noch an die Argumente der Parteien
gebunden ist. Es kann daher die Berufung auch mit einer anderen Argumentation gut-
heissen oder mit einer von der Argumentation der ersten Instanz abweichenden Begrün-
dung abweisen (Bundesgerichtsurteile 4A_397/2016 vom 30. November 2016 E. 3.1
und 4A_376/2016 vom 2. Dezember 2016 E. 3.2.1 und 3.2.2).
1.2.2 Die grundsätzlich umfassende Kognition der Rechtsmittelinstanz wird jedoch
durch die Begründungspflicht der Rechtsmittelkläger (Art. 311 Abs. 1 in fine ZPO) be-
grenzt. Im zweitinstanzlichen Verfahren liegt bereits eine richterliche Beurteilung des
Streits vor. Mit der Berufung wird ein eigenständiger Kontrollprozess in Gang gesetzt.
Die Partei stellt die Behauptung auf, der angefochtene Entscheid leide an Mängeln,
müsse auf diese hin kontrolliert und bei ausgewiesener Unrichtigkeit durch einen besse-
ren Entscheid ersetzt werden. Diese Behauptung muss sie begründen, indem sie die
Rügen im Einzelnen expliziert und auf genau bezeichnete Erwägungen im angefochte-
nen Entscheid bezieht. Beurteilungsgegenstand ist nicht mehr primär, ob die erstinstanz-
lich gestellten Begehren gestützt auf den angeführten Lebenssachverhalt begründet
sind, sondern ob die gegen den angefochtenen Entscheid formulierten Beanstandungen
zutreffen (Bundesgerichtsurteil 4A_390/2023 vom 22. November 2023 E. 4).
Wer den erstinstanzlichen Entscheid mit Berufung anficht, hat daher anhand der erstin-
stanzlich festgestellten Tatsachen oder der daraus gezogenen rechtlichen Schlüsse im
Einzelnen, d.h. unter Bezugnahme auf die beanstandeten vorinstanzlichen Erwägungen
und die Akten, auf denen seine Kritik beruht, aufzuzeigen, inwiefern sich die Überlegun-
gen der ersten Instanz nicht aufrechterhalten lassen. Dieser Anforderung genügt ein Be-
rufungskläger nicht, wenn er in seiner Berufungsschrift lediglich auf die vor erster Instanz
vorgetragenen Vorbringen verweist oder diese wiederholt, sich mit Hinweisen auf frühere
Prozesshandlungen zufrieden gibt oder den angefochtenen Entscheid in allgemeiner
Weise kritisiert. Abgesehen von offensichtlichen Mängeln beschränkt sich die Beru-
fungsinstanz darauf, jene Beanstandungen zu beurteilen, welche die Parteien in ihren
schriftlichen Begründungen (Art. 311 Abs. 1 und Art. 312 Abs. 1 ZPO) gegen das erstin-
stanzliche Urteil erheben. In diesem Sinne geben die in der Berufung vorgebrachten
Beanstandungen das Prüfprogramm vor (BGE 147 III 176 E. 4.2.1, 142 III 413 E. 2.2.4,
141 III 569 E. 2.3.3 und 138 III 374 E. 4.3.1; vgl. zum Ganzen auch REETZ, in: Sutter-
Somm/Hasenböhler/Lötscher/Leuenberger/Seiler [Hrsg.], Kommentar zur Schweizeri-
schen Zivilprozessordnung [ZPO], 4. A., 2025, N. 36 und 38 zu Art. 311 ZPO).
Enthält ein Entscheid eine doppelte Begründung (d.h. zwei unabhängige, alternative o-
der subsidiäre Begründungen), obliegt es dem Rechtsmittelkläger unter Androhung der
Unzulässigkeit, nachzuweisen, dass jede dieser Begründungen rechtswidrig ist (Bun-
desgerichtsurteil 4A_614/2018 vom 8. Oktober 2019 E. 3.2).
Die Anforderungen an die Berufungsbegründung gelten sinngemäss auch für den Inhalt
der Berufungsantwort (BGE 144 III 394 E. 4.1.1).
2.
2.1 Die Berufungsbeklagte mietete seit 1999 von den Berufungsklägern eine 1.5-Zim-
merwohnung in deren Wohnhaus. Am Abend des 13. Januar 2022 meldete sie ihren
Vermietern, dass sie keinen Strom habe. Da Letztere den FI-Schalter nicht einzuschalten
vermochten, boten sie einen Elektriker auf. Dieser stellte als Ursache dafür fest, dass im
Bade der Mietwohnung alles – Plättliwände, Spiegelschrank, Steckdosen und auch de-
ren Inneres – sehr nass und feucht, die Decke grau und mit einer Schimmelschicht belegt
und Fenster und Fensterläden beschlagen waren. Er erklärte, dass man alles neu ma-
chen müsse, d.h. trocknen und neu verkabeln. Am 22. Januar 2022 konnten die Vermie-
ter die Wohnung besichtigen. Sie konstatierten Feuchtigkeitsschäden und Schimmel,
weshalb der Berufungskläger die Berufungsbeklagte aufforderte, sofort auszuziehen,
weil der Schimmel gesundheitsschädlich sei. Die Mieterin zog am 23. Januar 2022 zu
ihrer Mutter. Die Berufungskläger leiteten am 1. Februar 2022 ein vorsorgliches Beweis-
aufnahmeverfahren ein, um den Schaden in der Wohnung und die Ursache des Schim-
melpilzbefalls feststellen zu lassen; dieses wurde nach durchgeführter Begutachtung im
Mai 2022 am 14./26. Juli 2022 rechtskräftig abgeschlossen (angefochtenes Urteil E. 2).
2.2 Der Mieter muss die Sache während des Mietverhältnisses sorgfältig gebrauchen
(Art. 257f Abs. 1 OR) und danach in dem Zustand zurückzugeben, der sich aus dem
vertragsgemässen Gebrauch ergibt (Art. 267 Abs. 1 OR). Zu den Sorgfaltspflichten zählt,
dass der Mieter die Wohnung regelmässig lüftet, die Mietsache nicht beschädigt, kleine
Reinigungen und Ausbesserungen selber vornimmt (Art. 259 OR) und grössere Mängel
dem Vermieter zur Behebung meldet (Art. 257g OR). Verstösst der Mieter gegen diese
Pflichten bzw. gibt er die Mietsache nicht in ordnungsgemässen Zustand zurück, so wird
er schadenersatzpflichtig (Art. 97, evtl. Art. 41 OR). Will der Vermieter den Mieter für
Beschädigungen oder übermässige Abnutzung belangen, so hat er nebst der Vertrags-
verletzung den Bestand und den Umfang des Schadens zu beweisen (Art. 8 ZGB). Dabei
hat der Mieter in der Regel nicht den Neuwert, sondern bloss den Zustandswert der be-
schädigten Einrichtung oder Sache zu ersetzen. Zur Lebensdauer einzelner Sachen und
Einrichtungen gibt es eine «paritätische Lebensdauertabelle», an welcher sich auch die
Gerichte im Sinne einer Richtlinie orientieren. Will der Vermieter den Mieter bei Mietende
trotz Ablaufs der empfohlenen Lebensdauer für die Abnutzung einer Sache haftbar ma-
chen, so ist er beweispflichtig, dass er den behaupteten Schaden erlitten hat (s. zum
Ganzen angefochtenes Urteil E. 3.1 mit Hinweisen auf Rechtsprechung und Lehre).
2.3 Das Haus wurde 1991 erbaut. Nach dem Auszug des ersten Mieters und vor dem
Einzug der Berufungsbeklagten wurde die Mietwohnung gestrichen. Während der 23-
jährigen Mietdauer wurden im WC neue Fensterläden eingebaut, ein Sonnenstoren mon-
tiert und im Wohnzimmer Steinplatten, in der Küche diverse Geräte, die Waschmaschine
sowie das Schloss der Eingangstüre ausgewechselt. Im Übrigen befand sich die Miet-
wohnung im Originalzustand von 1991; einzig bei der Steckdosenabdeckung im Wohn-
zimmer ist nicht erweisen, dass resp. wann diese bereits ausgewechselt wurde (ange-
fochtenes Urteil E. 4 Abs. 1 und 2).
Erstellt ist, dass die Beklagte den Schimmelpilz durch ihr ungenügendes Lüftungsver-
halten und das Aufhängen der gewaschenen Wäsche – ihrer eigenen und auch jener
des Restaurants, in welchem sie arbeitet – zum Trocknen im Wohnzimmer verursacht
hat. Im Beweisaufnahmeverfahren stellten die Gerichtsgutachter folgende Schäden fest:
Steckdosenabdeckung im Wohnzimmer, das Holztäfer im Wohnraum, alle Fenster, die
Decke der Nasszelle, die Plättli und Silikonfugen sowie die Duschwanne, die Duschwand
des Bads, der Radiator im Bad (Korrosion Lackoberfläche). Die Kosten für die Behebung
der Mängel (inkl. Reinigungskosten) schätzten sie auf Fr. 19'300.00 (angefochtenes Ur-
teil E. 4 Abs. 2 und 3).
Gestützt auf das Gutachten und die Lebensdauertabelle erwog die Vorinstanz, dass mit
Ausnahme der Steckdosenabdeckung im Wohnzimmer sämtliche schadhaften bzw. re-
paraturbedürftigen Gegenstände bei Beendigung des Mietverhältnisses im Januar 2022
ihre maximale Lebensdauer bereits überschritten hatten, womit diese Kosten amortisiert
gewesen seien. Zwar hätten die Gutachter die Kosten für die Mängelbehebung ge-
schätzt, den wirtschaftlichen (Rest-)Wert der zu reparierenden Gegenstände nach 31
Jahren und nach Ablauf ihrer Lebensdauer aber nicht bestimmt. Bei der Steckdose
könne die Lebensdauer nicht festgelegt werden; dies bleibe jedoch ohne Auswirkung auf
den Ausgang des Verfahrens, da die Höhe der Kosten für deren Auswechslung aus den
Akten nicht ersichtlich sei. Aus den von den Berufungsklägern eingereichten Offerten sei
zudem ersichtlich, dass die Wohnung, in welche nun der Sohn einziehen solle, völlig
umgestaltet worden sei. Demzufolge sprach die Vorinstanz den Berufungsklägern einzig
die Mehraufwendungen des Malers für die erforderliche Kaltvernebelung aufgrund des
Schimmelbefalls in Höhe von Fr. 926.20 als Schadenersatz zu (angefochtenes Urteil E.
4 Abs. 3).
2.4 Bezüglich des von den Berufungsklägern geltend gemachten Mietausfalls von
Fr. 7'800.00 (12 x Fr. 650.00) und Lohnausfalls (8 x Fr. 28.00) hielt die Vorinstanz mit
Hinweis auf die Art. 55 sowie Art. 221 Abs. 1 lit. d und e ZPO fest, dass diese beiden
Schadenspositionen nicht gehörig behauptet und keine Beweise dazu angeführt worden
seien. Der Mietausfall sei im Sachverhalt nicht thematisiert worden. Es seien keinerlei
Tatsachenbehauptungen diesbezüglich aufgestellt worden. An der Beweisaufnahmesit-
zung seien diese beiden Schadenspositionen auch kein Thema gewesen. Die Beru-
fungskläger als Beweisbelastete hätten die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen (ange-
fochtenes Urteil E. 5).
3.
3.1 Die Berufung vermag über weite Strecken den gesetzlichen Begründungsanforde-
rungen (s. vorne E. 1.2.2) nicht zu genügen. So beinhaltet der Vorwurf, die Vorinstanz
habe sich zu wenig mit dem Fall beschäftigt und setze sich im anzuwenden Teil in Wi-
derspruch zum theoretischen Teil, in dieser allgemeinen Form kein Auseinandersetzen
mit dem angefochtenen Urteil. Vielmehr wäre dazu erforderlich, dass konkret dargetan
wird, inwieweit die Vorinstanz welche Punkte zu Unrecht ausblendet und dass deren
Berücksichtigung zu einem anderen Ergebnis führt.
3.2 Zutreffend ist, dass die Gerichte ihre Urteile zu begründen haben. Entgegen der
Berufung begnügt sich die Vorinstanz indes nicht damit, lapidar und global zu erklären,
dass die im Gutachten festgehaltenen Sanierungskosten allesamt Einrichtungen betref-
fen würden, deren Lebensdauer bei Beendigung des Mietverhältnisses im Januar 2022
abgelaufen gewesen seien. Vielmehr nennt die Vorinstanz das Erstellungsjahr des Hau-
ses sowie die danach vorgenommenen Erneuerungsarbeiten. Auf diese Weise ordnet
sie die beschädigten Dinge zeitlich ein, was ihr die Anwendung der Lebensdauertabelle
auf die einzelnen Objekte erlaubt. Die Berufung beschäftigt sich weder mit der zeitlichen
Einordnung noch mit der Anwendung der Lebensdauer durch die Vorinstanz im Einzel-
nen. Schon deshalb geht der Vorwurf der Berufungskläger fehl, das Gericht habe sich
nicht mit den konkreten einzelnen Sanierungsposten beschäftigt, welche durch das Gut-
achten ausgewiesen würden. Wenn die Berufungskläger nachschieben, während der
Mietzeit seien verschiedene Gegenstände ersetzt worden, für welche die Lebensdauer
klarerweise noch nicht abgelaufen gewesen sei, so bleiben sie die Antwort schuldig, um
welche Gegenstände es sich dabei gehandelt haben soll.
An sich richtig ist, dass der Mieter allenfalls für Mehraufwendungen des Vermieters haf-
tet, selbst wenn der konkrete Teil der Wohnung gemäss Lebensdauertabellen amortisiert
ist. Einen solchen Mehraufwand für die Kaltvernebelung aufgrund des Schimmelbefalls
hat die Vorinstanz den Berufungsklägern durch die Berufungsbeklagte denn auch erset-
zen lassen. Im Übrigen hat die Vorinstanz klar, verständlich und zutreffend ausgeführt,
dass zwischen Neu- und Zustandswert zu unterscheiden ist, dass der Zustandswert
massgeblich ist, jedoch nicht ermittelt wurde, dass die Berufungskläger beweispflichtig
sind und sich die Beweislosigkeit demzufolge zu ihren Ungunsten auswirkt. Zu all diesen
für den Ausgang des Verfahrens zentralen Punkten schweigt die Berufung.
Tatsächlich ausser Frage steht, dass die Berufungsbeklagte ihre Pflichten als Mieterin
verletzt hat, indem sie durch ihr unsorgfältiges Handeln Feuchtigkeit und Schimmel in
der Mietwohnung verursacht hat und dass den Berufungsklägern daraus ein Schaden
erwachsen ist. Davon geht auch die Vorinstanz im angefochtenen Urteil aus, wenn sie
die Verursachung von Schimmelpilz und der daraus erwachsenen Schäden durch un-
sachgemässes Lüften und Aufhängen all der Wäsche im Wohnzimmer der Berufungs-
beklagten anlastet und diese verpflichtet, den Berufungsbeklagten Schadenersatz für die
Mehraufwendungen des Malers für die Kaltvernebelung aufgrund des Schimmelpilzver-
falls zu leisten. Diese Mehrkosten sind bewiesen, während es am Beweis des Zustands-
werts der einzelnen Elemente der Mietwohnung fehlt. Allein deshalb, d.h. weil die Beru-
fungskläger diesen Zustandswert und damit den von ihnen effektiv erlittenen Schaden
nicht bewiesen haben, scheitern sie mit ihrem Antrag auf zusätzlichen Schadenersatz.
In ihrer Berufung verlangen sie eine Schadensschätzung nach richterlichem Ermessen
im Sinne von Art. 42 Abs. 2 OR. Hierbei handelt es sich um eine Ausnahmebestimmung,
die nur zur Anwendung gelangt, wenn der Schaden ziffernmässig nicht nachweisbar ist;
sie dient jedoch nicht dazu, Versäumnisse im Beweisverfahren zu heilen. Die Berufungs-
kläger bringen in diesem Zusammenhang zu Recht nicht vor, dass eine gutachterliche
Schätzung des Zustandswerts nicht möglich gewesen wäre. Mithin haben sie auch hier
als Beweispflichtige die Folgen der Beweislosigkeit zu tragen.
In ihrer Replik machen die Berufungskläger geltend, es gehe vor allem um die Bausub-
stanz der Wohnung, welche keine echte Lebensdauer habe und durch die Berufungsbe-
klagte zerstört worden sei. Dass sie dies erstinstanzlich prozesskonform thematisiert und
den Substanzverlust substantiiert sowie beziffert hätten, legen sie nicht dar. In jedem
Falle fehlt es auch dazu an jeglichen Beweisen.
3.3 Die Vorinstanz hat den eingeklagten Mietausfall aus prozessualen Gründen, d.h.
infolge fehlender Tatsachenbehauptungen nicht zuerkannt. Mit dieser Begründung setzt
sich die Berufung mit keinem einzigen Wort auseinander. Soweit die Berufungskläger in
ihrer Berufungsschrift eine eigene Berechnung des Mietausfalls aufgrund verschiedener
Daten – Auszug der Mieterin, Abschluss der Expertise und Eingang des Urteils erster
Instanz – vornehmen und in ihrer Triplik die Unbewohnbarkeit der Wohnung während
einer gewissen Zeit betonen, verkennen sie das Wesen der Berufung sowie die Begrün-
dungsanforderungen an dieselbe. Das Berufungsverfahren dient nicht dazu, das erstin-
stanzliche Verfahren einfach fortzusetzen und den Parteien Gelegenheit zu bieten, ihren
Standpunkt und ihre Argumente, insbesondere in tatsächlicher Hinsicht, beliebig zu er-
gänzen. Noven sind grundsätzlich unzulässig (Art. 317 ZPO). Vielmehr müssten die Be-
rufungskläger unter Bezugnahme auf den angefochtenen Entscheid und die dortige Be-
gründung darlegen, weshalb dieser falsch ist. Grundvoraussetzung für die Zusprechung
jeglicher Rechtsansprüche in einem Gerichtsverfahren bildet, dass der Rechtsuchende
entsprechende Tatsachenbehauptungen im prozessual vorgegeben Rahmen aufgestellt
hat. Laut angefochtenem Urteil fehlt es im Zusammenhang mit dem Miet- und Lohnaus-
fall an diesen einschlägigen Tatsachenbehauptungen. Dies wird in der Berufung nicht
einmal beanstandet, weshalb es damit auch an der erforderlichen Grundlage für eine
Klagegutheissung in diesem Punkt fehlt.
4.
4.1 Das Gericht entscheidet in der Regel im Endentscheid über die Prozesskosten, die
einerseits die Gerichtskosten, welche mit den von den Parteien geleisteten Kostenvor-
schüssen verrechnet werden (Art. 98 und Art. 111 ZPO), und anderseits die Parteient-
schädigung umfassen (Art. 104 Abs. 1, 105 Abs. 1 und 95 ZPO). Die Höhe der Prozess-
kosten richtet sich nach kantonalen Tarifen (Art. 96 und 105 Abs. 2 Satz 1 ZPO), im
Kanton Wallis nach dem Gesetz betreffend den Tarif der Kosten und Entschädigungen
vor Gerichts- oder Verwaltungsbehörden (GTar) vom 11. Februar 2009. Die Verteilung
der Prozesskosten richtet sich grundsätzlich nach dem Ausgang des Verfahrens, indem
die Prozesskosten im Allgemeinen der unterliegenden Partei auferlegt werden (Art. 106
Abs. 1 und 2 ZPO), d.h. vorliegend den Berufungsklägern, deren Berufung, soweit darauf
überhaupt einzutreten ist, abgewiesen wird. Während die Gerichtskosten von Amtes we-
gen festgesetzt und verteilt werden (Art. 105 Abs. 1 ZPO), wird eine Parteientschädigung
einer Partei nur auf Antrag hin zugesprochen; sie kann hierfür eine Kostenliste einrei-
chen (Art. 105 Abs. 2 Satz 2 ZPO). Da das Kantonsgericht als Rechtsmittelinstanz in der
Sache keinen neuen Entscheid trifft, bleibt es bezüglich der Prozesskosten des erstin-
stanzlichen Verfahrens beim Urteil des Bezirksgerichts (Art. 318 Abs. 3 ZPO [e contra-
rio]), zumal dieser Punkt nicht separat angefochten wurde.
4.2 Die Gerichtskosten setzen sich zusammen aus Pauschalen, insbesondere für den
Entscheid (Entscheidgebühr), sowie aus bestimmten bei Gericht angefallenen Kosten
(Art. 95 Abs. 2 ZPO; ‚Auslagen’ nach der Terminologie von Art. 7 ff. GTar). Die Gerichts-
gebühr wird aufgrund des Streitwerts, des Umfangs und der Schwierigkeit des Falls, der
Art der Prozessführung der Parteien sowie ihrer finanziellen Situation festgesetzt (Art.
13 Abs. 1 GTar). Sie bewegt sich zwischen einem Minimum und einem Maximum und
wird unter Berücksichtigung des Kostendeckungs- und Äquivalenzprinzips festgesetzt
(Art. 13 Abs. 2 GTar); besondere Umstände können eine Verdoppelung der Ansätze
oder eine verhältnismässige Kürzung der Gebühr rechtfertigen, Letzteres namentlich
wenn bloss eine Teilfrage entschieden wird (Art. 13 Abs. 3 und Art. 14 Abs. 1 GTar).
Bei einem Streitwert von Fr. 41'182.60 bewegt sich die Gerichtsgebühr in einem ordentli-
chen Rahmen von Fr. 1’800.00 bis Fr. 6’000.00 (Art. 16 Abs. 1 GTar). Für das Beru-
fungsverfahren kann ein Reduktions-Koeffizienten von maximal 60% berücksichtigt wer-
den (Art. 19 GTar).
Das Berufungsverfahren beschäftigte sich einerseits mit Mietrecht und anderseits insbe-
sondere mit prozessualen Fragen. Laut Berufung strittig waren Sachverhalts- wie auch
Rechtsfragen, welche keine besonderen Schwierigkeiten beinhalteten. Es wurde ein ein-
ziger Schriftenwechsel ohne mündliche Verhandlung angeordnet, wobei sich die Par-
teien im Rahmen ihres Anspruchs auf rechtliches Gehör zusätzlich vernehmen liessen.
Das Dossier war für die Berufung von bescheidenem Umfang. Deshalb ist unter Berück-
sichtigung der vorstehend angeführten Kriterien eine Gerichtsgebühr von Fr. 2’500.00
angemessen. Diese ist mit dem von den Berufungsklägern geleisteten Kostenvorschuss
von Fr. 3'200.00 zu verrechnen und der Saldo von Fr. 700.00 ist ihnen zurückzuerstatten.
4.3 Die Parteientschädigung umfasst den Ersatz notwendiger Auslagen, die Kosten der
berufsmässigen Vertretung und, wenn eine Partei nicht berufsmässig vertreten ist, in
begründeten Fällen eine angemessene Umtriebsentschädigung (Art. 95 Abs. 3 lit. a, b
und c ZPO). Das Honorar des Rechtsbeistands richtet sich in der Regel nach dem Streit-
wert (Art. 27 Abs. 2 und Art. 28 Abs. 1 GTar).
Laut Art. 32 Abs. 1 und 3 GTar beläuft sich das ordentliche Honorar beim gegebenen
Streitwert auf Fr. 5'800.00 bis Fr. 8’200.00 resp. mit einem Reduktions-Koeffizienten von
60% für das Berufungsverfahren vor Kantonsgericht (Art. 35 Abs. 1 lit. a GTar) auf im
Prinzip minimal Fr. 2'320.00 und maximal Fr. 3'280.00, in welchen Honoraransätzen die
Mehrwertsteuer inbegriffen ist (Art. 27 Abs. 5 GTar). Bei ausserordentlicher Arbeit darf
ein höheres Honorar zugesprochen werden (Art. 29 Abs. 1 GTar). Besteht ein offensicht-
liches Missverhältnis zwischen Streitwert und Prozessinteresse oder zwischen der Ent-
schädigung gemäss Tarif und der effektiven Arbeit des Rechtsbeistands, darf das er-
wähnte Minimum des Honorars unterschritten werden (Art. 29 Abs. 2 GTar; vgl. auch
Art. 29 Abs. 3 GTar). Innerhalb des vorgegebenen Rahmens bemisst das Gericht das
Honorar mit Rücksicht auf die Natur und Bedeutung des Falles, dessen Schwierigkeit
und Umfang sowie der vom Rechtsbeistand nützlich aufgewandten Zeit und der finanzi-
ellen Situation der Partei (Art. 27 Abs. 1 GTar).
Der Rechtsvertreter der Berufungsbeklagten hatte eine Berufungsantwort zu erstatten,
welche er wie seine spätere zusätzliche Stellungnahme kurz fassen durfte. Eine münd-
liche Berufungsverhandlung fand nicht statt. Schliesslich wird er das vorliegende Urteil
zur Kenntnis nehmen und seine Mandantin darüber informieren müssen. In Anwendung
der oben genannten Kriterien, insbesondere mit Rücksicht auf die Schwierigkeit des
Falls und den Arbeitsumfang, ist es gerechtfertigt, die Entschädigung auf Fr. 2’500.00
(Honorar mitsamt Auslagen und inkl. MWST) festzusetzen. Ausgangsgemäss schulden
die Berufungskläger der Berufungsbeklagten diesen Betrag.
Das Kantonsgericht erkennt
Die Berufung wird, soweit auf diese überhaupt eingetreten wird, abgewiesen und
das Urteil des Bezirksgerichts Leuk und Westlich-Raron vom 19. September 2024
bestätigt, wie folgt:
Z _________ bezahlt Y _________ und X _________ einen Betrag von Fr. 926.20 nebst Zins
zu 5% seit dem 15. Juni 2023, im Mehrbetrag wird die Klage abgewiesen.
Die erstinstanzlichen Gerichtskosten von Fr. 3'970.00 (Gebühr Fr. 3'900.00; Auslagen Fr. 70.00)
werden Y _________ und X _________ im Umfang von Fr. 3'771.50 (19∕20) und Z _________ im
Umfang von Fr. 198.50 (1∕20) auferlegt. Diese werden mit den von den Klägern geleisteten Kos-
tenvorschüssen von insgesamt Fr. 3'970.00 verrechnet.
Z _________ erstattet den Klägern Fr. 198.50 für geleistete Kostenvorschüsse.
Die von Y _________ und X _________ bezahlten Kosten des Schlichtungsverfahrens von
Fr. 200.00 gehen im Umfang von Fr. 190.00 zu Lasten der Kläger und im Umfang von Fr. 10.00
zu Lasten von Z _________.
Y _________ und X _________ bezahlen Z _________ eine Parteientschädigung von
Fr. 6'365.00 (Honorar Fr. 6'175.00, Auslagen Fr. 190.00, inkl. MwSt.) für das erstinstanzliche
Verfahren.
Z _________ bezahlt Y _________ und X _________ eine Parteientschädigung von Fr. 335.00
(Honorar Fr. 325.00, Auslagen Fr. 10.00, inkl. MwSt.) für das erstinstanzliche Verfahren.
In Verrechnung der gegenseitigen Ansprüche bezahlen Y _________ und X _________
Z _________ Fr. 6'030.00, unter solidarischer Haftbarkeit.
Die von Y _________ und X _________ bezahlten Kosten des vorsorglichen Beweisaufnahme-
verfahrens Z2 22 9 gehen im Umfang von Fr. 280.00 zu Lasten von Z _________.
Z _________ bezahlt Y _________ und X _________ demnach Fr. 280.00.
Z _________ bezahlt Y _________ und X _________ für das Verfahren Z2 22 9 eine Parteient-
schädigung von Fr. 80.00 (inkl. Auslagen und MwSt.).
Die Gerichtskosten des Berufungsverfahrens, bestimmt auf Fr. 2’500.00, werden
den Berufungsklägern auferlegt und mit dem von ihnen geleisteten Kostenvor-
schuss verrechnet; der Saldo von Fr. 700.00 wird ihnen durch das Kantonsgericht
zurückerstattet.
Im Berufungsverfahren bezahlen die Berufungskläger der Berufungsbeklagten eine
Parteientschädigung von Fr. 2'500.00.
Sitten, 7. April 2025