A1 24 95
URTEIL VOM 5. MAI 2025
Kantonsgericht Wallis
Öffentlichrechtliche Abteilung
Es wirken mit: Christophe Joris, Präsident, Dr. Thierry Schnyder und Jean-Bernard Four-
nier, Richter, sowie Seraphine Kronig, Gerichtsschreiberin,
in Sachen
X _________ , Beschwerdeführer, vertreten durch Rechtsanwalt Nicolas Kuonen,
3930 Visp,
gegen
STAATSRAT DES KANTONS WALLIS , Vorinstanz,
DIENSTSTELLE FÜR BEVÖLKERUNG UND MIGRATION , andere Behörde,
(Ausländerrecht; Art. 84 Abs. 5 AIG)
Verwaltungsgerichtsbeschwerde gegen den Entscheid vom 12. März 2024.
Sachverhalt
A. X _________ (geb. 1993), afghanischer Staatsangehöriger, verliess 2013 sein Hei-
matland Richtung Iran, wo er während zwei Jahren in Teheran lebte. Er zog am 28. Ok-
tober 2015 weiter, reiste am 15. November 2015 illegal in die Schweiz ein und stellte
gleichentags ein Asylgesuch (S. 1 ff.). Das Staatssekretariat für Migration (SEM) wies
das Letzteres am 6. Februar 2018 ab und ordnete die vorläufige Aufnahme (Ausweis F)
an, da der Vollzug der Wegweisung nicht zumutbar ist (S. 13 ff.). Dieser Entscheid er-
wuchs in Rechtskraft und der Ausweis F von X _________ wurde seither stets verlän-
gert.
B. X _________ stellte am 28. April 2022 den Antrag um Erteilung einer Aufenthaltsbe-
willigung (Ausweis B). Er argumentierte, seit dem 15. November 2015 in der Schweiz zu
leben, seit dem 1. August 2021 zu 100 % unabhängig von der Empfangsstelle Eyholz zu
sein und sich in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis zu befinden. Er habe vor 5 Jahren
über die sozialen Medien seine jetzige Freundin aus Finnland kennen gelernt. Er möchte
deswegen seinen Ausländerstatus in ein Permis B umwandeln. Es sei ihm ein grosses
Anliegen, auch nach Finnland zu reisen, um seine Freundin zu besuchen. Er möchte
ausserdem nach sieben Jahren seine Familie besuchen, sofern es die Lage zulasse. Er
treffe seine
Freunde, spiele Fussball und
sei Neumitglied des Fischervereins
A _________, was seine soziale Integration belege (S. 68 f).
Die Dienststelle für Bevölkerung und Migration (DBM) liess X _________ am 14. Juli
2022 eine Liste mit Dokumenten zur Unterstützung seines Antrags auf Aufenthaltsge-
nehmigung zukommen und ersuchte ihn, gegebenenfalls weitere Dokumente oder An-
merkungen einzureichen (S. 90). Das Depot weiterer Dokumente ist nicht aktenkundig.
Das Amt für Asylwesen erstellte am 16. September 2022 einen Bericht über
X _________ (S. 97 f.). Er sei demnach in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis ange-
stellt und sein Arbeitgeber sei sehr zufrieden mit seiner Erwerbstätigkeit und schätze ihn
als wertvollen Mitarbeiter und Kollegen. Der Gesuchsteller komme seit dem 1. August
2021 vollumfänglich für seine Kosten auf und die Totalschuld der Sozialhilfeleistung be-
trage per Oktober 2022 Fr. 93'033.80. Sein Verhalten sei gegenüber der Empfangsstelle
stets korrekt gewesen und die Zusammenarbeit mit den zuständigen Sozialarbeitenden
sei reibungslos und ohne jegliche Probleme verlaufen. Er sei immer sehr selbständig
gewesen. Der Bericht bestätigt betreffend Integration, X _________ sei während seiner
Zeit im Flüchtlingsheim immer beschäftigt gewesen und habe sich stets bemüht, sich
selbst um seine Angelegenheiten zu kümmern und für sich selbst zu sorgen.
Die konsultative Kommission für Härtefälle im Ausländerbereich (nachfolgend: die Kom-
mission) gab am 14. Februar 2023 eine negative Vormeinung ab (S. 100). Sie schloss
u.a., die soziale Integration werde kaum hervorgehoben werde und weise nicht auf eine
extrem enge Beziehung zur Schweiz. Es stelle sich die Frage nach seinem Lebensmit-
telpunkt, da der Gesuchsteller seit mehreren Jahren eine Beziehung zu einer in Finnland
wohnenden Afghanin pflege. Die Kommission habe diesbezüglich nicht genügend An-
gaben. Es bestehe über seinen zukünftigen Aufenthaltsort Ungewissheit, da er sich ent-
scheiden könnte, zu seiner Freundin zu ziehen, um in deren Flüchtlingsstatus aufgenom-
men zu werden. Es bestünden reale Möglichkeiten, sich in einem anderen Land nieder-
zulassen: Er sei im Alter von 23 Jahren in die Schweiz gekommen und sei jung, so dass
er sich mit verschiedenen existentiellen Entscheidungen konfrontiert sehe, die ihn auf
andere Wege führen könnten.
Die DBM informierte X _________ am 5. April 2023, dass sie aufgrund der negativen
Vormeinung der Kommission vom 14. Februar 2023 nicht von einer extrem schwierigen
Situation ausgehe. Falls er einen detaillierten Entscheid wünsche, könne er darum innert
30 Tagen ersuchen (S. 119). Letztgenannter, vertreten durch seinen Arbeitgeber
B _________, beantragte am 7. April 2023 um eine Neuprüfung seines Gesuch, even-
tualiter um den Erlass einer anfechtbaren Verfügung. Die DBM trat auf das Wiedererwä-
gungsgesuch nicht ein und wies das Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung
am 16. Mai 2023 ab (S. 122 ff.). Der Staatsrat wies die dagegen am 19. Juni 2023 erho-
bene Beschwerde am 12. März 2024 ab.
C. X _________ (Beschwerdeführer) erhob am 29. April 2024 gegen den Entscheid des
Staatsrats des Kantons Wallis Verwaltungsgerichtsbeschwerde bei der Öffentlichrechtli-
chen Abteilung des Kantonsgerichts und stellte folgende Rechtsbegehren:
" 1.Primär:
Die Beschwerde sei gutzuheissen und Herrn X _________ sei die Aufenthaltsbewilligung zu
erteilen.
Subsidiär:
Die Beschwerde sei gutzuheissen und die Angelegenheit mit verbindlichen Anweisungen zur
Neubeurteilung an die Vorinstanz zurückzuweisen.
Vorsorglich sei der Beschwerde die aufschiebende Wirkung zu erteilen.
Die Kosten von Verfahren und Urteil werden dem Fiskus auferlegt.
Dem Beschwerdeführer sei eine angemessene Parteientschädigung zuzusprechen."
D. Der Staatsrat beantragte am 29. Mai 2024 die Abweisung des Rechtsmittels und ver-
zichtete auf eine Stellungnahme.
E. Die DBM hielt am 23. Mai 2024 fest, dass die vor Kantonsgericht eingereichte Be-
schwerde rigoros der vor dem Staatsrat eingereichten Beschwerde ähnele. Dementspre-
chend werde auf die vor dem Staatsrat eingereichte Stellungnahme verwiesen.
Weitere Sachverhaltsdarstellungen, Parteibehauptungen sowie Begründungen sind, so-
weit rechtlich von Bedeutung, in den nachfolgenden Erwägungen aufgeführt.
Erwägungen
1. Der angefochtene Entscheid des Staatsrats stellt eine letztinstanzliche Verfügung im
Sinne von Art. 72 des Gesetzes über das Verwaltungsverfahren und die Verwaltungs-
rechtspflege vom 6. Oktober 1976 (VVRG; SGS/VS 172.6) dar, die mangels Ausschlus-
ses in den Art. 74 bis Art. 77 VVRG der Verwaltungsgerichtsbeschwerde unterliegt. Der
Beschwerdeführer ist als Adressat des angefochtenen Staatsratsentscheids und als Ge-
suchsteller i.S.v. Art. 84 Abs. 5 des Bundesgesetzes über die Ausländerinnen und Aus-
länder und über die Integration vom 16. Dezember 2005 (AIG; SR 142.20) durch diesen
berührt und hat ein schutzwürdiges Interesse an dessen Änderung oder Aufhebung, so
dass er gemäss Art. 80 Abs. 1 lit. a i.V.m. Art. 44 Abs. 1 lit. a VVRG zur Beschwerdefüh-
rung legitimiert ist. Auf die im Übrigen form- und unter Berücksichtigung des gesetzlichen
Fristenstillstands (vom siebten Tage vor Ostern bis und mit dem siebten Tage nach
Ostern; Art. 79a Abs. 1 lit. a VVRG) fristgerecht eingereichte Beschwerde ist deshalb
einzutreten (Art. 80 Abs. 1 lit. b und c i.V.m. Art. 46 und Art. 48 VVRG).
2. Das Gericht hat die Angelegenheit nicht unter allen Gesichtspunkten zu überprüfen,
sondern kann sich im Wesentlichen auf die gerügten Punkte beschränken (Art. 48 Abs. 2
i.V.m. Art. 80 Abs. 1 lit. c VVRG). Es können zudem nur Rechtsverletzungen, ein-
schliesslich Überschreitungen oder Missbrauch des Ermessens, sowie die unrichtige
oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts geltend gemacht
werden. Die Unzweckmässigkeit der Verfügung kann jedoch nur in Fällen, die hier nicht
zutreffen (Art. 78 VVRG), überprüft werden.
3. Der Beschwerdeführer rügt vorab eine Verletzung des rechtlichen Gehörs, da sich
der Staatsrat nur ungenügend mit seinen Eingaben und Vorbringen auseinandergesetzt
habe. Zahlreiche Argumentationen, insbesondere zu seiner beruflichen Integration und
seiner Wiedereingliederungsmöglichkeit in Afghanistan würden lediglich pauschal abge-
handelt, ohne in irgendeiner Form konkret auf den Sachverhalt und die tatsächliche Si-
tuation einzugehen. Dies genüge den Anforderungen an einen hinreichend begründeten
Entscheid nicht.
3.1 Art. 29 Abs. 2 der Bundesverfassung der Schweizerischen Eidgenossenschaft vom
einen Teilgehalt des allgemeinen Grundsatzes des fairen Verfahrens nach Art. 6 Ziff. 1
der Konvention zum Schutze der Menschenrechte und Grundfreiheiten vom 4. Novem-
ber 1950 (EMRK; SR 0.101) und Art. 29 Abs. 1 BV dar (KÖLZ / HÄNER / BERTSCHI, Ver-
waltungsverfahren und Verwaltungsrechtspflege des Bundes, 3. A., 2013, N. 214). Der
Anspruch auf rechtliches Gehör wird in erster Linie durch das kantonale Verfahrensrecht
bestimmt. Nur wo dieses nicht genügend erscheint, greift die verfassungsrechtliche Be-
stimmung mit ihren subsidiären und minimalen Garantien ein (BGE 135 I 279 E. 2.2; 127
III 193 E. 3; Bundesgerichtsurteil 1A.87/2006 vom 12. September 2006 E. 2.2). Der An-
spruch auf rechtliches Gehör dient einerseits der Sachaufklärung und garantiert ande-
rerseits ein persönlichkeitsbezogenes Mitwirkungsrecht der Parteien im Verfahren, so-
weit dies Einfluss auf ihre Rechtsstellung haben kann. Die Gehörsgarantie ist somit ein
verfassungsmässig geschütztes Individualrecht, hat also den Charakter eines selbstän-
digen Grundrechts (HÄFELIN / MÜLLER / UHLMANN, Allgemeines Verwaltungsrecht, 8. A.,
2020, N. 1001 und N. 1003).
3.2 Art. 29 Abs. 2 BV bewirkt insbesondere auch ein Mindestanspruch auf Begründung
eines hoheitlichen Aktes. Die Motivationspflicht für kantonale und kommunale Behörden
ergibt sich aus dem kantonalen Verfahrensrecht, vorliegend aus Art. 29 Abs. 3 VVRG,
welcher ausdrücklich festhält, Verfügungen seien zu begründen. Der Sinn und Zweck
der Argumentationspflicht liegt darin, den Bürger wissen zu lassen, warum eine Behörde
entgegen seinen Anträgen entschieden hat. Die Motivation eines Entscheids muss des-
halb so abgefasst sein, dass die betroffene Person ihn gegebenenfalls sachgerecht an-
fechten kann. Dies ist nur möglich, wenn sowohl sie wie auch die Rechtsmittelinstanz
sich über die Tragweite des Entscheids ein Bild machen können. Der Anspruch auf recht-
liches Gehör verlangt von der Behörde, die Vorbringen der Betroffenen tatsächlich zu
hören, ernsthaft zu prüfen und in ihrer Entscheidfindung angemessen zu berücksichti-
gen. Dies gilt für alle form- und fristgerechten Äusserungen, Eingaben und Anträge, die
zur Klärung der konkreten Streitfrage geeignet und erforderlich erscheinen. Die Begrün-
dung des Entscheids muss die wesentlichen Überlegungen nennen, von denen sich die
Behörde hat leiten lassen und auf die sie ihren Entscheid stützt. Sie muss sich jedoch
nicht mit allen Parteistandpunkten einlässlich auseinandersetzen und jedes einzelne
Vorbringen ausdrücklich widerlegen (BGE 148 III 30 E. 3.1; 141 III 28 E. 3.2.4; 136 I 184
E. 2.2.1; Bundesgerichtsurteil 8C_460/2020 vom 4. September 2020 E. 5.1; Kantonsge-
richtsurteil A1 18 174 vom 8. Februar 2019 E. 4.1). Die Begründungsdichte und der Um-
fang der Begründung richten sich nach den Umständen. Sind Sachlage und Normen
klar, so können Hinweise auf die Rechtsgrundlagen genügen (STEINMANN / SCHIND-
LER / WYSS, Die Schweizerische Bundesverfassung, St. Galler Kommentar, 4. A., 2023,
N. 65 zu Art. 29 BV). Ob die Begründung rechtlich zutreffend und haltbar ist, ist wiederum
keine Frage des formellen Anspruchs auf rechtliches Gehör, sondern der materiellen
Beurteilung der Streitfrage (BGE 130 II 530 E. 4.3).
3.3 Der Staatsrat hat sich in Ziffer 3.5 des angefochtenen Entscheids mit der beruflichen
Integration des Beschwerdeführers in der Schweiz und in Ziff. 3.9 mit der Wiedereinglie-
derung in seinem Herkunftsland auseinander gesetzt. Er hat betreffend die berufliche
Integration erwogen, der Beschwerdeführer zeige seine Bereitschaft, sich erwerblich in
der Schweiz zu integrieren und am Wirtschaftsleben teilzunehmen. Die Vorinstanz hat
hingegen eine ausserordentlich gute berufliche Integration in der Schweiz verneint, da
der Beschwerdeführer erst seit gut zwei Jahren in seinem zuvor erlernten Beruf mit ei-
nem unbefristeten Arbeitsvertrag tätig sei und auf Grund dieser eher kurzen Dauer noch
keine gefestigte Erwerbstätigkeit vorliegen könne. Der Staatsrat hat zur Wiedereinglie-
derung im Herkunftsland berücksichtigt, dass der Beschwerdeführer den Grossteil sei-
nes Lebens und die prägenden Jugendjahre in Afghanistan verbracht habe. Er sei mit
den dortigen Sitten und Gebräuchen vertraut und beherrsche die Landessprache in Wort
und Schrift. Er habe zudem im Gegensatz zur Schweiz in Afghanistan noch Familienan-
gehörige, so dass ihm eine soziale Integration problemlos gelingen sollte. Er könne sich
als Lackierassistent EBA sodann gut in den Arbeitsmarkt seines Herkunftslandes integ-
rieren. Weiter sei er «kerngesund». Der Staatsrat hat mithin dargelegt, weshalb seiner
Ansicht nach kein schwerwiegender persönlicher Härtefall vorliegt. Dabei hat er sowohl
die berufliche Integration wie auch die Wiedereingliederung im Herkunftsland berück-
sichtigt. Die Vorinstanz hat folglich der Begründungspflicht genüge getan. Soweit der
Beschwerdeführer die Interessenabwägung des Staatsrats als ungenügend kritisiert,
stellt dies keine Frage des formellen Anspruchs auf rechtliches Gehör, sondern der ma-
teriellen Beurteilung dar.
4. Ist der Vollzug der Wegweisung einer Ausländerin oder eines Ausländers nicht zuläs-
sig, nicht zumutbar oder nicht möglich, so verfügt das SEM die vorläufige Aufnahme (Art.
83 Abs. 1 AIG). Vorläufig aufgenommene Personen können jederzeit ein Gesuch um
Erteilung einer Aufenthaltsbewilligung stellen (BLUM / PLOZZA, Handkommentar zum
AIG, 2. A., 2024, N. 32 zu Art. 84 AIG). Gesuche um Erteilung einer Aufenthaltsbewilli-
gung von vorläufig aufgenommenen Ausländerinnen und Ausländern, die sich seit mehr
als fünf Jahren in der Schweiz aufhalten, werden unter Berücksichtigung der Integration,
der familiären Verhältnisse und der Zumutbarkeit einer Rückkehr in den Herkunftsstaat
vertieft geprüft (Art. 84 Abs. 5 AIG). Von den Zulassungsvoraussetzungen zu einem Auf-
enthalt mit Erwerbstätigkeit kann abgewichen werden, um schwerwiegenden persönli-
chen Härtefällen Rechnung zu tragen (Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG; Art. 31 Abs. 1 der Ver-
ordnung über Zulassung, Aufenthalt und Erwerbstätigkeit vom 24. Oktober 2007 [VZAE;
SR 142.201]). Bei der Beurteilung der Frage, ob ein schwerwiegender persönlicher Här-
tefall vorliegt, sind gemäss Art. 31 Abs. 1 VZAE insbesondere die Integration der Ge-
suchstellerin oder des Gesuchstellers anhand der Integrationskriterien nach Art. 58a
Abs. 1 AIG (lit. a), die Familienverhältnisse, insbesondere der Zeitpunkt der Einschulung
und die Dauer des Schulbesuchs der Kinder (lit. c), die finanziellen Verhältnisse (lit. d),
die Dauer der Anwesenheit in der Schweiz (lit. e), der Gesundheitszustand (lit. f) und die
Möglichkeiten für eine Wiedereingliederung im Herkunftsstaat (lit. g) zu berücksichtigen.
Diese Aufzählung ist nicht abschliessend (Bundesverwaltungsgerichtsurteile F-292/2016
vom 6. Juni 2017 E. 4.3; F-1466/2016 vom 6. Oktober 2016 E. 4.2). Die Möglichkeiten
für eine Wiedereingliederung im Herkunftsstaat stehen bei der Prüfung im Vordergrund
(SEM, Weisungen AIG, Bern 2013 [Stand 1. Januar 2025], Ziff. 5.6.8 S. 102 f.).
4.1 Es besteht gestützt auf Art. 84 Abs. 5 i.V.m. Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG kein Anspruch
auf Erteilung einer Härtefallbewilligung. Es handelt sich um Kann-Bestimmungen und
somit um eine Ermessensbewilligung (BGE 137 II 345 E. 3.2.1; Bundesgerichtsurteile
2C_555/2024 vom 25. November 2024 E. 2.4; 2C_34/2022 vom 13. Januar 2022 E. 2.1;
Kantonsgerichtsurteil A1 23 11 vom 3. Oktober 2023 E. 4.2.3; BLUM / PLOZZA, a.a.O., N.
33 zu Art. 84 AIG). Die Voraussetzungen zur Anerkennung eines Härtefalls sind restriktiv
zu handhaben. Ein solcher ist nicht leichthin anzunehmen (BGE 130 II 39 E. 3; Bundes-
verwaltungsgerichtsurteile F-2855 vom 6. September 2024 E. 5.2; F-654/2020 vom
befinden (Bundesgerichtsurteil 2C_448/2023 vom 10. Juli 2024 E. 4.3; Bundesverwal-
tungsgerichtsurteil F-2058/2021 vom 12. Mai 2023 E. 4.3). Deren Lebens- und Existenz-
berechtigung müssen, gemessen am durchschnittlichen Schicksal von ausländischen
Personen, in gesteigertem Mass in Frage gestellt sein bzw. muss die Verweigerung einer
Abweichung von den Zulassungsvoraussetzungen für sie mit schweren Nachteilen ver-
bunden sein (Bundesverwaltungsgerichtsurteil F-5440/2023 vom 20. September 2024
E. 4.2).
4.2 Das Ermessen der zuständigen Behörde ist allerdings in zweifacher Weise einge-
schränkt. Erstens wird von Gesetzes wegen bei einem Aufenthalt von fünf Jahren von
einer langen Aufenthaltsdauer ausgegangen. Zweitens sind die Gründe, die zur Anord-
nung der vorläufigen Aufnahme geführt haben, im Rahmen der Beurteilung der Möglich-
keit der Wiedereingliederung im Herkunftsland zu berücksichtigen (CARONI / SCHREI-
BER / PREISIG / PLOZZA, Migrationsrecht, 5. A., 2022, § 7 N. 552). Die Ermessensaus-
übung hat rechtsgleich, willkürfrei und verhältnismässig zu erfolgen. Insbesondere sind
die Kriterien gemäss Art. 96 AIG (öffentliche Interessen, persönliche Verhältnisse und
Integration) zu beachten (SPESCHA, Kommentar Migrationsrecht, 5. A., 2019, N. 1 zu Art.
30 AIG).
4.3 Die Beurteilung eines Härtefalls bedingt immer eine Gesamtwürdigung der Situation
in Berücksichtigung sämtlicher Umstände des jeweiligen Einzelfalls (Bundesverwal-
tungsgerichtsurteil F-4928/2022 vom 31. Januar 2025 E. 4.2; SPESCHA, a.a.O., N. 13 zu
Art. 30 AIG). Art. 31 Abs. 1 VZAE enthält weder einen abschliessenden Katalog von
Kriterien, noch müssen diese kumulativ erfüllt sein (Bundesverwaltungsgerichtsurteil
F-3078/2022 vom 12. Juli 2024 E. 5.3). Die Anerkennung als Härtefall setzt nicht zwin-
gend voraus, dass die Anwesenheit in der Schweiz das einzige Mittel zur Verhinderung
einer persönlichen Notlage ist. Eine lang dauernde Anwesenheit in der Schweiz und eine
fortgeschrittene soziale und berufliche Integration sowie klagloses Verhalten für sich al-
leine reichen indessen nicht aus, um einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall zu
begründen. Die ausländische Person muss vielmehr so enge Beziehungen zur Schweiz
pflegen, dass es ihr nicht zugemutet werden kann, in einem anderen Land, insbesondere
in ihrem Herkunftsland zu leben. Berufliche, freundschaftliche und nachbarschaftliche
Beziehungen, welche die ausländische Person während ihres Aufenthalts in der Schweiz
knüpfen konnte, genügen normalerweise nicht für eine Abweichung von den Zulassungs-
voraussetzungen (BGE 130 II 39 E. 3; Bundesverwaltungsgerichtsurteile F-5205/2024
vom 16. Dezember 2024 E. 3.3; F-2822/2022 vom 6. September 2024 E. 5.2; F-
5567/2020 vom 14. Januar 2022 E. 4.3). Allerdings werden bei einer sehr langen Auf-
enthaltsdauer weniger hohe Anforderungen an das Vorliegen besonderer Umstände wie
etwa eine überdurchschnittliche Integration oder andere Faktoren gestellt, welche die
Rückkehr bzw. eine Wiedereingliederung ins Heimatland als ausgesprochen schwierig
erscheinen lassen. Bei einer asylsuchenden Person, die sich seit zehn Jahren in der
Schweiz aufhält und deren Asylverfahren immer noch nicht abgeschlossen ist, ist ge-
mäss bundesgerichtlicher Rechtsprechung in der Regel vom Vorliegen eines schwer-
wiegenden persönlichen Härtefalls auszugehen, sofern diese finanziell unabhängig, so-
zial und beruflich gut integriert ist und sich bis dahin klaglos verhalten hat. Die Dauer
ihres Aufenthaltes darf ausserdem nicht absichtlich durch missbräuchliches Ergreifen
von Rechtsmitteln zum Zwecke der Verzögerung verlängert worden sein (BGE 124 II
110 E. 3; Bundesverwaltungsgerichtsurteil F-2058/2021 vom 12. Mai 2023 E. 4.4).
5.
5.1 Der Beschwerdeführer hält sich mittlerweile seit neun Jahren in der Schweiz auf,
wovon zwei auf das Asylverfahren, welches zur Abweisung seines Asylgesuchs führte,
und sieben auf eine vorläufige Aufnahme entfallen. Die formellen Voraussetzungen für
die Einleitung eines Aufenthaltsbewilligungsverfahrens gemäss Art. 84 Abs. 5 AIG sind
damit erfüllt. Strittig ist, ob ein schwerwiegender persönlicher Härtefall gemäss Art. 84
Abs. 5 i.V.m. Art. 30 Abs. 1 lit. b AIG vorliegt, was nachfolgend zu beurteilen ist.
5.2 Die Vorinstanz hat im angefochtenen Entscheid vom 12. März 2024 erwogen, dass
der Beschwerdeführer seit seiner Ankunft in der Schweiz nicht mit dem Gesetz in Konflikt
geraten sei, am hiesigen Wirtschaftsleben teilnehme und darum bemüht sei, sich in den
heimischen Arbeitsmarkt zu integrieren. Er sei zudem seit August 2021 finanziell unab-
hängig und benötige keine Sozialhilfe mehr. Dies reiche indessen noch nicht aus, um
einen schwerwiegenden persönlichen Härtefall zu begründen. Insbesondere könne der
Beschwerdeführer auch nach mehr als acht Jahren in der Schweiz noch keine vertieften,
langjährigen Freundschaften oder Beziehungen vorweisen. Dies weise auf eine schwa-
che soziale Integration hin. Er begründe sein Gesuch um Erteilung einer Aufenthaltsbe-
willigung B bezeichnenderweise auch einzig damit, seine afghanische Freundin in Finn-
land, bzw. seine Familie im Ausland besuchen zu wollen. Dies stelle weder eine wirkliche
Notlage dar, noch belege es eine enge Verbundenheit mit der Schweiz und ihren Ein-
wohnern. Dem Beschwerdeführer seien zudem mehrere Besuche seiner Freundin in
Finnland bewilligt worden.
5.3 Der Beschwerdeführer bringt dagegen vor, die Vorinstanz habe das Verhältnismäs-
sigkeitsprinzip verletzt, da wesentliche Umstände nicht oder nur ungenügend berück-
sichtigt sowie einzelne Umstände überbewertet bzw. falsch gewürdigt worden seien. Die
lange Aufenthaltsdauer werde in der Gesamtwürdigung der Vorinstanz in keiner Weise
angemessen berücksichtigt. Es müsse aufgrund der langen Aufenthaltsdauer eine we-
niger strenge Handhabung erfolgen als bei Gesuchstellern, die sich erst seit knapp fünf
Jahren in der Schweiz aufhalten würden. Seine berufliche Integration sei ausseror-
dentlich gut. Bei vorläufig Aufgenommen sei ein milderer Massstab anzulegen; es ge-
nüge die Anstellung in einem festen Arbeitsverhältnis. Er sei bereits seit dem 3. März
2019 bei der C _________ GmbH angestellt und werde im 2024 vier Weiterbildungs-
kurse besuchen. Er verrichte seine Arbeit zur vollsten Zufriedenheit seines Arbeitgebers
und sei bei der internen und externen Kundschaft sehr beliebt. Intern hätten bereits Ge-
spräche zwischen seinem Arbeitgeber und ihm über eine mögliche Übernahme der Au-
togarage in Zukunft stattgefunden. Er nehme täglich den langen Arbeitsweg von
I _________ nach D _________ auf sich, was ein deutliches Zeichen für sein Engage-
ment, seine Verbundenheit und sein Verantwortungsbewusstsein gegenüber seinem Ar-
beitsplatz sei. Er habe sich in zeitlicher Hinsicht beruflich sehr schnell entwickelt. Er sei
innerhalb von rund dreieinhalb Jahren von Schreinerpraktikant zum festangestellten La-
ckierassistenten EBA aufgestiegen. Weiter sei aufgrund der zwischenzeitlichen Macht-
übernahme der Taliban am 17. August 2021 nicht mit einer Aufhebung der vorläufigen
Aufnahme in absehbarer Zeit zu rechnen. Entgegen der Auffassung der Vorinstanz
pflege der Beschwerdeführer sehr wohl intensive Kontakte. Er sei Mitglied des Fischer-
vereins A _________, wo regelmässig Anlässe stattfänden. Jedes Wochenende treffe
er sich mit seiner Fussballmannschaft, die an Plauschturnieren in der Schweiz teil-
nehme. Diesen Freundeskreis habe er schon lange und der Austausch sei rege und
intensiv. Hinzu kämen regemässig Kochabende mit anderen afghanischen Freunden.
Erst kürzlich hätten sie für Schweizer Kollegen gekocht. Neben diesen langjährigen pri-
vaten Freundschaften habe er vor allem einen sehr intensiven Kontakt zu B _________.
Letztgenannter sei für ihn seine engste und wichtigste Bezugsperson in seinem Leben.
B _________ habe die Rolle einer zentralen Vertrauens- und Bezugsperson für ihn ein-
genommen. Er sei inzwischen Teil der Familie von B _________ geworden. Der Be-
schwerdeführer lebe seit achteinhalb Jahren in der Schweiz, ohne seine Familie in dieser
Zeit gesehen zu haben. Sowohl sein Vater als auch sein Bruder seien verstorben. Der
telefonische Kontakt zu den verbleibenden Familienangehörigen sei unregelmässig. Das
Verhältnis zu seinen Verwandten in Afghanistan sei – aufgrund der langen räumlichen
Trennung und des fehlenden direkten Kontakts – distanziert und oberflächlich. Es sei
dem Beschwerdeführer nicht möglich, eine enge und vertraute Beziehung zu jenen zu
entwickeln. Neben seiner fortgeschrittenen sozialen Integration sei er insbesondere auf-
grund seiner sehr gefestigten Erwerbstätigkeit und der langen Aufenthaltsdauer so eng
mit der Schweiz verbunden, dass ihm ein Leben in einem anderen Land, namentlich in
Afghanistan, nicht zugemutet werden könne. Es sei zwar richtig, dass der Beschwerde-
führer seine Jugendjahre dort verbracht habe und die Landessprache beherrsche. Es
treffe aber nicht zu, dass er mit den Sitten und Gebräuchen vertraut sei. Seit achteinhalb
Jahren sei er nicht mehr in Afghanistan gewesen. Der Vormarsch der Taliban habe am
hätten. Dies habe zu einer dramatischen Verschlechterung der Menschenrechtslage so-
wie der politischen, wirtschaftlichen, humanitären und religiösen Situation der afghani-
schen Bevölkerung geführt. Die Scharia werde von den Taliban sehr hart und extrem
umgesetzt, mit vielen Verboten und Rechtseinschränkungen. Als der Beschwerdeführer
in Afghanistan aufgewachsen sei, habe ein anderes, wesentlich liberaleres Regime ge-
herrscht. Er sei daher mit den kulturellen Gepflogenheiten seines Heimatlandes in keiner
Weise mehr vertraut. Er sei nicht sehr religiös und verzichte auf den Fastenmonat Ra-
madan und das tägliche Gebet. Die Arbeitslosenquote sei in Afghanistan seit der Macht-
übernahme der Taliban drastisch angestiegen. Zudem sei sehr fraglich, ob bei der dor-
tigen, derzeit sehr schlechten Wirtschaftslage überhaupt eine Nachfrage für die Automo-
bilbranche bestehe. Der Auffassung der Vorinstanz sei nicht zu folgen, wonach sich der
Beschwerdeführer aufgrund seiner beruflichen Kenntnisse dort problemlos in den Ar-
beitsmarkt integrieren könne. Letzteres sei ihm in seinem Herkunftsland weder möglich
noch zumutbar. Ferner wiederspreche es dem gesamtwirtschaftlichen Interesse der
Schweiz, wenn vorläufig Aufgenommene keine gefestigte Aufenthaltsbewilligung erhal-
ten würden, insbesondere im aktuellen wirtschaftlichen Umfeld mit einem nach wie vor
sehr hohen Fachkräftemangel.
5.4
5.4.1 Die Integrationskriterien der Beachtung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung
sowie die Respektierung der Werte der Bundesverfassung (Art. 31 Abs. 1 lit. a VZAE
i.V.m. Art. 58a Abs. 1 lit. a und b AIG) geben zu keinen Bemerkungen Anlass. Der Be-
schwerdeführer hat keinen Eintrag im Strafregister (S. 70).
5.4.2 Die sprachliche Integration ist gegeben, da er ein Niveau B1 (Beginn) am 13. Juni
2019 erreichte (S. 164). Es ist davon auszugehen, dass er seine Sprachkenntnisse seit-
her weiter verbessern konnte.
5.4.3 Betreffend die Teilnahme am Wirtschaftsleben beziehungsweise am Erwerb von
Bildung (Art. 58a Abs. 1 lit. d AIG) ergibt sich aus den Akten, dass der Beschwerdeführer
während seinem Aufenthalt in der Schweiz in den Schuljahren 2017/2018 und 2018/2019
einen Integrationskurs an der Berufsfachschule Oberwallis besucht und von Dezember
2017 bis Februar 2018 ein Schreinerpraktikum zu 60 % absolviert hat (S. 163). Er hat
am 13. Juli 2018 einen Erwerbsvertrag als Küchenhilfe in einem Restaurant abgeschlos-
sen (S. 159 f.). Seit März 2019 arbeitet er bei der C _________ GmbH in D _________,
zuerst als Praktikant, dann als Lernender und seit dem 1. Juli 2021 als Lackierassistent
EBA. Er erzielt gemäss Arbeitsvertrag vom 1. Januar 2023 einen monatlichen Bruttolohn
von Fr. 4’400.00 (S. 115). Er ist seit dem 1. August 2021 zu 100 % finanziell unabhängig
(S. 87). Es liegen keine Betreibungen oder Verlustscheine (S. 85) vor. Die Kosten für die
Unterstützung, die anfielen, bevor er finanziell unabhängig geworden ist, belaufen sich
auf Fr. 93'033.80 (S. 98). Der Beschwerdeführer ist seit über dreieinhalb Jahren in einem
unbefristeten Arbeitsverhältnis tätig, so dass die Voraussetzung der Teilnahme am Wirt-
schaftsleben als erfüllt erachtet werden kann. Es ist von einer guten beruflichen Integra-
tion auszugehen.
5.4.4 Zur Integration des Beschwerdeführers in sozialer Hinsicht gemäss Art. 31 Abs. 1
lit. a VZAE kann Folgendes ausgeführt werden: Der Beschwerdeführer reicht ein Refe-
renzschreiben seines Arbeitgebers B _________ zu den Akten. Dieses bescheinigt, dass
der Beschwerdeführer freundlich, hilfsbereit und zuverlässig sei, wobei seine Loyalität
als absolut bemerkenswert hervorgehoben wird. Der Beschwerdeführer gehöre mittler-
weile zur Familie des Arbeitgebers. Das Verhältnis sei eng und vertraut. Er sei voll inte-
griert und habe sein berufliches und soziales Umfeld hier im Wallis. Neben diesem einen
Referenzschreiben finden sich keine Weiteren in den Akten. Der Beschwerdeführer ist –
wie bereits erwähnt – seit März 2019 in einem Kleinbetrieb tätig, was auf eine (arbeits-
rechtliche) Stabilität schliessen lässt.
Anders sieht es mit seinem Wohnort aus, welchen er vermehrt gewechselt hat: Zuerst
hat er am E _________ in F _________, ab dem 1. Juli 2021 in G _________ gelebt (S.
wohnung mit J _________ und K _________ (S. 132). Freilich ist ein Wohnsitzwechsel
zulässig. Besonders enge soziale Beziehungen zu Personen an seinen jeweiligen Wohn-
orten werden vom Beschwerdeführer jedoch nicht aufgezeigt. Die von Letztgenanntem
geltend gemachte Mitgliedschaft des Fischervereins A _________ ist nicht aktenkundig,
ebensowenig wie die Mitgliedschaft in einer nicht namentlich erwähnten Fussballmann-
schaft, die angeblich regelmässig an «Grümpelturnieren» teilnimmt. Auch zum Freun-
deskreis kann den Akten nichts entnommen werden.
Die Unterlagen belegen, mit Ausnahme der freundschaftlichen Beziehung zu seinem Ar-
beitgeber, keine langjährigen Beziehungen zu Einheimischen. Besondere Bindungen
sind in casu nicht ersichtlich. Der einzig nachgewiesene soziale Kontakt, welcher sich
zudem innerhalb der beruflichen Sphäre befindet, genügt für eine Integration in sozialer
Hinsicht nicht. Die Ansicht der Vorinstanz, dass trotz langer Aufenthaltsdauer in der
Schweiz, noch keine vertieften, langjährigen Freundschaften oder Beziehungen vorge-
wiesen werden können, ist zu bestätigen. Die Integrationsbemühungen des Beschwer-
deführers sind jedenfalls nicht derart fortgeschritten, als dass dem Beschwerdeführer
nicht zugemutet werden kann, die Schweiz zu verlassen (vgl. Bundesverwaltungsge-
richtsurteil F-5209/2024 vom 16. Dezember 2024 E. 5.3).
5.4.5 Was die Dauer der Anwesenheit des Beschwerdeführers in der Schweiz betrifft
(Art. 31 Abs. 1 lit. e VZAE), geht aus den Akten die illegale Einreise am 15. November
2015 in die Schweiz hervor. Sein Aufenthalt ist seit dem Datum der vorläufigen Auf-
nahme (6. Februar 2018) rechtmässig; der Aufenthalt während des Asylverfahrens ist
als nicht rechtmässiger Aufenthalt zu qualifizieren und deshalb nicht anzurechnen (BGE
149 I 66 E. 4.4). Die mittlerweile siebenjährige Aufenthaltsdauer ist als nicht derart lang
einzuschätzen, dass ohne das Vorliegen von besonderer Umstände auf einen schwer-
wiegenden persönlichen Härtefall geschlossen werden könnte. Eine Herabsetzung der
Anforderungen kommt daher in casu nicht in Frage.
5.4.6 Der Beschwerdeführer kann aus seinen familiären Verhältnissen (Art. 31 Abs. 1
lit. c VZAE) nichts zu seinen Gunsten ableiten. Er ist unverheiratet und hat keine Kinder.
Es halten sich auch keine Verwandten in der Schweiz auf. Seine Angehörigen leben in
Afghanistan und seine Freundin L _________, ebenfalls afghanische Staatsangehörige,
wohnt in Finnland. Der Beschwerdeführer bezeichnet seine Lebenspartnerin im Gesuch
um ein Reisevisa vom 23. November 2021 (S. 45) auch als «zukünftige Ehefrau».
5.4.7 Der Beschwerdeführer macht sodann keine gesundheitlichen Probleme geltend,
so dass das Kriterium des Gesundheitszustands (Art. 31 Abs. 1 lit. f VZAE) in casu nicht
weiter erörtert werden muss.
5.4.8 Ein weiter zu berücksichtigender Aspekt ist die Möglichkeit der Wiedereingliede-
rung im Herkunftsstaat (Art. 31 Abs. 1 lit. g VZAE). Der Beschwerdeführer weist in sei-
nem Rechtsmittel auf die Verschlechterung der Menschenrechtslage seit der Machtüber-
nahme der Taliban hin. Er ist vorläufig in der Schweiz aufgenommen. Vorliegend ist nicht
die Aufhebung der vorläufigen Aufnahme, sondern sein Gesuch um Aufenthaltsbewilli-
gung (Art. 84 Abs. 5 AIG) zu beurteilen. Das vom Beschwerdeführer aufgeworfene Ar-
gument ist nicht im vorliegenden Verfahren zu prüfen. Demgegenüber wird im Rahmen
eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls im Kontext der Wiedereingliederung im
Herkunftsstaat geprüft, ob die ausländische Person eine so enge Beziehung zur Schweiz
entwickelt hat, dass ihr die Rückkehr in ihr Heimatland nicht mehr zugemutet werden
kann (Bundesverwaltungsgerichtsurteile F-5440/2023 vom 20. September 2024 E. 4.10;
F-4213/2023 vom 7. November 2023 E. 5.5).
Der Beschwerdeführer ist im Alter von 22 Jahren in die Schweiz gekommen. Zuvor hat
er gemäss eigener Aussage zwei Jahre im Iran, in Teheran, gelebt. Seine ersten zwanzig
Lebensjahre, mithin die für die Entwicklung junger Menschen wichtigsten Lebensjahre,
hat er in seinem Heimatland Afghanistan verbracht. Es kann daher ohne Weiteres ange-
nommen werden, dass er mit der Sprache und Kultur seines Heimatlandes vertraut ist,
selbst wenn sich dieses aufgrund der jetzigen Machtverhältnisse verändert haben
könnte. Die Taliban haben erhebliche Teile von Afghanistan ausserdem bereits früher
beherrscht. Der Beschwerdeführer ist, wie bereits erwähnt, unverheiratet, kinderlos und
verfügt über keine Verwandten in der Schweiz. Er hat hingegen in Afghanistan Familien-
angehörige (Mutter und Brüder). Auch wenn der Kontakt zu diesen laut Beschwerdefüh-
rer unregelmässig, distanziert und oberflächlich sein soll, kann die Reaktivierung von
seinem familiären Beziehungsnetz die soziale Integration in Afghanistan vereinfachen.
Hinzu kommt, dass der Beschwerdeführer gesund ist. Er hat ferner mit seinen 32 Jahren
noch nicht ein Alter erreicht, welches ihm den Wiedereinstieg in das Berufsleben in sei-
nem Herkunftsland verunmöglichen würde – auch wenn die wirtschaftliche Lage schwie-
rig sein mag.
5.5 In Anbetracht einer Gesamtwürdigung rechtfertigt sich ein Abweichen von den Zu-
lassungsvoraussetzungen im vorliegenden Fall nicht. Der Beschwerdeführer ist zwar be-
ruflich und sprachlich verhältnismässig gut integriert und verfügt über einen guten Leu-
mund. Die soziale Integrationsleistung des Beschwerdeführers erweist sich jedoch als
ungenügend. Es mangelt an einer besonders starken Verankerung im sozialen Umfeld.
Trotz der langen Anwesenheitsdauer in der Schweiz ist die Integration des Beschwerde-
führers nicht als derart fortgeschritten einzuschätzen, dass ein Verlassen der Schweiz
zu einer besonderen Härte für ihn führen würde. Die Vorinstanz hat ihr Ermessen in
Berücksichtigung des soeben Gesagten weder unter- noch überschritten.
6. Zusammenfassend ist festzuhalten, dass die Vorinstanz die Voraussetzungen für das
Vorliegen eines schwerwiegenden persönlichen Härtefalls zu Recht verneint hat. Die
Beschwerde ist vor diesem Hintergrund abzuweisen.
7.
7.1 Im Beschwerdeverfahren hat in der Regel die unterliegende Partei die Kosten zu
tragen (Art. 89 Abs. 1 VVRG). Ausnahmsweise können die Kosten ganz oder teilweise
erlassen werden (Art. 89 Abs. 2 VVRG). Vorliegend bestehen keine Gründe, von der
Grundregel abzuweichen, weshalb der Beschwerdeführer die Gerichtsgebühr bezahlen
muss. Gemäss Art. 3 des Gesetzes betreffend den Tarif der Kosten und Entschädigun-
gen vor Gerichts- oder Verwaltungsbehörden vom 11. Februar 2009 (GTar; SGS/VS
173.8) setzen sich die Kosten aus den Auslagen der Entscheidbehörde sowie der Ge-
richtsgebühr zusammen. Die Gerichtsgebühr für Beschwerdeverfahren vor der Öffent-
lichrechtlichen Abteilung des Kantonsgerichts beträgt in der Regel zwischen Fr. 280.00
und Fr. 5’000.00 (Art. 25 GTar). Aufgrund der Bedeutung des Falles sowie seines Um-
fangs und Schwierigkeitsgrads wird die Gerichtsgebühr vorliegend auf Fr. 1’500.00 fest-
gesetzt. Der Betrag wird mit dem geleisteten Kostenvorschuss verrechnet.
7.2 Der Beschwerdeführer hat als unterliegende Partei keinen Anspruch auf eine Par-
teientschädigung (Art. 91 Abs. 1 VVRG e contrario). Den Behörden oder mit öffentlichen
Aufgaben betrauten Organisationen, welche obsiegen, wird in der Regel keine Partei-
entschädigung zugesprochen (Art. 91 Abs. 3 VVRG). Vorliegend besteht kein Grund,
von dieser Regel abzusehen.
Demnach erkennt das Kantonsgericht:
Die Beschwerde von X _________ wird abgewiesen, soweit darauf einzutreten ist.
Die Gerichtskosten von Fr. 1'500.00 werden X _________ auferlegt. Der Kostenvor-
schuss von Fr. 1'500.00 wird mit den Gerichtskosten verrechnet.
Es werden keine Parteientschädigung zugesprochen.
Das Urteil wird X _________, der Dienststelle für Bevölkerung und Migration (DBM)
und dem Staatsrat des Kantons Wallis schriftlich mitgeteilt.
Sitten, 5. Mai 2025