Zoning-compliant industrial projects cannot be refused for aesthetics

A1 16 174Kantonsgericht10.03.2017Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The cantonal court held that a project compliant with the industrial zone regulations may not be refused merely for reasons of aesthetics or site protection. Using those provisions to block all further industrial development in a zone would unlawfully override the zoning scheme. If the municipality no longer wants industrial use in that area, it must amend the zoning plan. The municipality's challenge was therefore dismissed and the lower court's view upheld.

Omnilex-Regeste

Planning law; zoning-compliant construction in an industrial zone may not be refused under aesthetic or site-protection clauses when such application would neutralize the zoning ordinance. Aesthetic rules are limited by the binding force of the zone designation and may not be used, for an entire zone or district, to achieve a de facto re-zoning. If the planning authority seeks to exclude further industrial use, it must proceed by amendment of the zoning plan, not by an expansive application of aesthetic provisions (consid. 3).

Gesamter Gesetzestext

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RVJ / ZWR 2018

Bauwesen - KGE (öffentlichrechtliche Abteilung) A1 16 174 vom

10. März 2017

Ästhetik und Ortsbildschutz

  • Es ist unzulässig, in einer Industriezone zonenkonforme Bauvorhaben aus Gründen

der Ästhetik oder des Ortsbildschutzes zu verhindern. Will die Gemeinde in diesem

Gebiet inskünftig keine weiteren industriellen Betriebe, hat sie dies über eine

Zonenplanänderung zu erwirken.

Esthétique et protection des sites

  • Des projets de construction conformes aux prescriptions de la zone industrielle ne

peuvent pas y être refusés pour des motifs d’esthétique ou de protection des sites. Si

l’autorité communale ne veut plus destiner cette zone à une affectation industrielle,

elle doit procéder à une modification de son plan de zones.

Erwägungen

(…)

  • dass die kommunale Bauordnung für Bauvorhaben wie das hier zu

beurteilende nur eine Zone vorsieht, nämlich die Gewerbe- und Indus-

triezone (Art. 85 BZR). Eine Handhabung der Bestimmungen

betreffend Ästhetik und Ortsbild wie sie die Beschwerdeführerin in

Betracht zieht, würde nach Rechtsprechung des Bundesgerichts im

Ergebnis die Zonenordnung ausser Kraft setzen (Urteile des Bundes-

gerichts 1P.417/2005 vom 6. Oktober 2005 E. 3.1 und 1P.9/1997 vom

  1. Mai 1997 E. 3a in ZBl 99/1998 S. 170, 173 f. mit weiteren Hin-

weisen; BGE 115 Ia 370 E. 5 S. 377);

  • dass nach der Rechtsprechung des Bundesgerichts die Anwendung

einer Ästhetik- bzw. Schutzvorschrift nicht dazu führen darf, dass

generell - etwa für ein ganzes Quartier oder ein Baugebiet - die

Zonenordnung ausser Kraft gesetzt würde. Hat der Gesetzgeber zum

Beispiel eine bestimmte Geschosszahl zugelassen, ginge es nicht an,

generell ein Geschoss weniger zu bewilligen mit der Begründung, nur

dadurch würde der fraglichen Vorschrift Genüge getan (BGE 115 Ia

119, 367 E. 3a; 114 Ia 346 E. b). Die Rechtsprechung schliesst zwar

nicht aus, dass die Anwendung einer Ästhetikvorschrift zu einer

Reduktion des zulässigen Bauvolumens führen kann (vgl. BGE 101 Ia

222 E. 6c). Unzulässig ist aber die Verweigerung einer Baubewilli-

gung, wenn die Behörde zugleich zu verstehen gibt, dass jedes neue

Projekt - obwohl zonenkonform - aussichtslos sei (vgl. dazu BGE 115


RVJ / ZWR 2018

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Ia 119). Ein solches Vorgehen kann dem Bürger nicht zugemutet wer-

den und würde darauf hinauslaufen, dass die Anwendung der

Ästhetik- bzw. Schutzbestimmungen die Zonenvorschriften faktisch

ausser Kraft setzt (BGE 115 Ia 377 E. 5);

  • dass gemäss dieser Rechtsprechung das Vorgehen der Beschwer-

deführerin von der Vorinstanz zu Recht als rechtsverletzend qualifi-

ziert worden ist. Es geht nämlich nicht an, in einem Gebiet, welches

seit Jahren der Gewerbe- und Industriezone zugeordnet ist und in

welchem auch mehrere industrielle Anlagen bewilligt worden sind,

zonenkonforme Bauvorhaben wie das hier zu beurteilende aus

Gründen des Ortsbildschutzes zu verhindern. Will die Beschwerdefüh-

rerin in diesem Gebiet inskünftig keine weiteren industriellen Betriebe,

hat sie dies über eine Zonenplanänderung und nicht mit Bestimmun-

gen betreffend Ästhetik oder Ortsbildschutz zu erwirken.

Schlagwörter

planning lawzoningindustrial zoneaestheticssite protectionbuilding permitzoning amendment

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether a municipality may refuse a zoning-compliant industrial project in an industrial zone for aesthetic or site-protection reasons.

Extrahierter Entscheid

No. If the project complies with the industrial zone rules, it cannot be prevented on those grounds; a change of the zoning plan is required instead.

Extrahierte Begründung

Applying aesthetic or site-protection provisions so broadly that they block all new industrial projects would effectively neutralize the zoning regime. The court held that such provisions may not be used to set aside the zone ordinance for an entire zone or to make all future compliant projects hopeless.

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