Amtliche Aufklärung des Schweizervolkes Die PR-Arbeit des Delegierten für technische Zusammen- arbeit, 1961-1971
Von Thomas Gees
1968 erhielt Professor Gerhard Schmidtchen von sechs entwicklungspolitisch motivierten Institutionen (darunter auch der Dienst für technische Zusam- menarbeit) den Auftrag, die Einstellung der Schweizer zur Entwicklungshilfe zu untersuchen. Unter dem Titel «Schweizer Entwicklungshilfe - Innenan- sichten der Aussenpolitik» veröffentlichte er die Ergebnisse seiner Reprä- sentativumfrage, wobei er zum Schluss kam: «Zwar sind die Politiker aller Länder und Konfessionen davon überzeugt, dass wir ohne Entwicklungshilfe kein sinnvolles Weltsystem bekommen und damit die Zukunftschancen der entwickelten Völker selbst gefährden, aber die Bürger eben dieser Länder machen nicht mit.» Die Entwicklungshilfe decke eine Problematik der Ge- berländer auf, der Widerstand gegen die Entwicklungshilfe deute auf Schwie- rigkeiten im Kommunikationssystem hin1. Die Ernüchterung unter den Pro- motoren der schweizerischen Entwicklungshilfe am Ende der ersten Ent- wicklungsdekade war gross. Die Abteilung Public Relations im Dienst für technische Zusammenarbeit (DftZ) erblickte im Schmidtchen-Bericht die willkommene Gelegenheit, die Intensivierung ihrer Aufklärungsarbeit neu zu begründen. Eine aktive Einstellung der Schweizer zur Entwicklungshilfe sei nur durch vermehrte und bessere Information zu erreichen, folgerten die PR- Verantwortlichen2.
Der vorliegende Aufsatz über die PR-Arbeit im DftZ umfasst zeitlich die sechziger Jahre. Die Eckdaten bilden die Etablierung des DftZ, wo schon im Oktober 1961 die Stelle eines PR-Verantwortlichen geschaffen wurde, und das Erscheinen des Schmidtchen-Berichts im Jahre 1971. Die Frage stellt sich, wie der DftZ in dieser Phase die eben erst angelaufene Entwicklungs- hilfe in der Öffentlichkeit zu legitimieren versuchte. Neben der Konzeption, beziehungsweise den immer wiederkehrenden Argumentationslinien der PR-
1 Gerhard Schmidtchen: Schweizer und Entwicklungshilfe. Innenansichten der Aussenpolitik, Bern, Stuttgart 1971, S. 107.
2 Abteilung Public Relations im DftZ, Folgerungen aus dem Bericht Schmidtchen für die In- formationsarbeit, 30.8.1971, BAR E 2005 (A) 1983/18, Bd 63.
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Abteilung, sollen auch die eingesetzten Mittel im Lichte der zunehmenden Kritik an der «Verstaatlichung der Entwicklungshilfe» dargestellt werden.
Ein paar «lapidare Grundsätze»: Konzepte und Argumentationen Anfang 1961 griff der erste Delegierte für technische Zusammenarbeit, Hans Keller, die Idee auf, in Rahmen des Dienstes eine Gruppe zu bilden, die sich ausschliesslich mit der Information des Publikums und der Presse zu befas- sen habe. Die Leitung sollte an einen «erfahrenen Publizisten und Public Relations Man» übertragen werden, der nicht nur über eine journalistische Ausbildung verfügen, «sondern auch in Gebieten wie Television, Radio und sogar der Beeinflussung des Publikums» Erfahrung haben musste3. Der Dienst, so Keller, müsse über die technische Hilfe, die das «ganze Schwei- zervolk» interessiere, ständig orientieren können. Ein Blick ins Pflichtenheft des ersten PR-Verantwortlichen, Rudolf Frei, lässt grob die Instrumente er- kennen, von denen sich der Delegierte eine Beeinflussung des Publikums bzw. eine positive Einstellung der Bevölkerung zur eidgenössischen Ent- wicklungshilfe erhoffte. Der Aufgabenbereich umfasste unter anderem die Pflege der Beziehungen zur Presse (Bundeshausjournalisten und Zeitungsre- daktionen), das Verfassen eigener Artikel (Mitarbeit an der Zeitschrift «mondo»), die Vorbereitung der Landesausstellung 1964 in Lausanne (Ar- beitsausschuss «Entwicklungshilfe»), die Vorbereitung eines Films, Vor- tragstätigkeit sowie das Verfassen von Berichten zuhanden der Verwaltung und Parlamentarier4. Ein eigentliches PR-Konzept ist hinter diesem Pflich- tenheft freilich noch nicht auszumachen, handelt es sich doch nur um die üb- lichen Tätigkeiten, wie sie alle Informationsdienste innnerhalb der Bundes- verwaltung kennen. Später folgten zusätzliche Bereiche: die Herausgabe der Zeitschrift «TZ-Information», das Verfassen von Prospekten, die regelmäs- sige Präsenz an grossen Messen sowie die Organisation von Journalistenrei- sen in die Projektgebiete der Dritten Welt5. Nach Hinweisen auf enger defi- nierte Zielgruppen oder ein bevorzugtes Medium sucht man vergeblich. Eine explizit formulierte Konzeption der Aufklärungsarbeit existiert in den sech- ziger Jahren also nicht. Sie kann nur indirekt aus den Informationsaktivitäten erschlossen werden.
3 DftZ, Notiz an Abteilung für Verwaltungsangelegenheiten, 11.1.1961, BAR E 2003 (A) 1976/44 Bd 20.
4 Zusammenstellung der Pflichtenhefte, 12.6.1962. BAR E 2003 (A) 1976/44 Bd 22.
5 Pflichtenheft, 22.10.1968, BAR E 2005 (A) 1978/137 Bd 24.
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Mit welcher Botschaft aber sollte die Gunst der Schweizerinnen und Schwei- zer für die staatliche Entwicklungshilfe gewonnen werden? In seiner Funk- tion als Präsident der Ausstellungsgruppe «Entwicklungshilfe» musste sich Rudolf Frei im Vorfeld der Expo 1964 in Lausanne mit derselben Frage be- fassen. In der Zeitschrift «mondo» stellte er das Konzept, mit dem sich der DftZ vor den Expobesuchern darstellen wollte, gleich selber vor: «Das Aus- stellungsprogramm ist denn auch ganz auf Wirkung ausgerichtet: Das einzige Darstellungsmittel ist ein Film von 10 Minuten Dauer, unterstützt durch einen gesprochenen Kommentar. Film und Kommentar lassen ein paar lapi- dare Grundsätze der Entwicklungshilfe aufscheinen: Es geht nicht um Hin- gabe von Geld oder von Nahrungsmitteln. Ziel ist, die Bevölkerung mit Hilfe unserer Kenntnisse und Erfahrungen in den Stand zu setzen, die Entfaltung ihrer eigenen Kräfte zu beschleunigen.» Die Ausstellung sollte vier Antwor- ten auf die elementare Frage «Warum Entwicklungshilfe?» geben. Sie laute- ten: «Weil wir für die Völker der Entwicklungsgebiete eine Verantwortung haben (menschlicher Aspekt), weil uns als Christen die Not der Mitmenschen zum Handeln aufruft (christliches Motiv), weil der wirtschaftliche Fortschritt der Entwicklungsländer auch uns zugute kommt (wirtschaftliches Motiv), weil durch die Entwicklungshilfe unsere internationale Solidarität sichtbar wird (politisches Motiv).»6 Immer wieder wurde die Bevölkerung auf den «gegenseitigen Nutzen» verwiesen, der aus der Entwicklungshilfe resultiere. Im Begleitprospekt des DftZ zur Expo heisst es: «Entwicklungshilfe muss zwar vom Verstand geleitet werden, sollte jedoch vom Herzen kommen. Dergestalt wird sie für beide Seiten, die nehmende und die gebende, von Nutzen sein.»7
Das für die Expo entworfene Argumentationsmuster behielt für die ganze hier untersuchte Periode Gültigkeit, auch wenn es innerhalb des DftZ nicht unumstritten war. August R. Lindt, der 1963 neuer Delegierter wurde, machte gegenüber dem PR-Beauftragten Frei verschiedene Anregungen be- züglich der Sprachregelung. Lindt schlug vor, «von Zusammenarbeit und weniger von Entwicklungshilfe» zu sprechen, das «caritative Moment in den Hintergrund» treten zu lassen und auf die «Tatsache der Schicksalsgemein- schaft» hinzuweisen. Frei wies die Vorschläge zurück. Entwicklungshilfe sei der richtige Ausdruck, «nicht zuletzt deshalb, weil der Bevölkerung und da- mit den Besuchern der Expo dieser Begriff verständlicher» sei. Vom Termi- nus internationale Schicksalsgemeinschaft wollte Frei nichts wissen, weil er
6 Rudolf Frei: Entwicklungshilfe und Expo 1964, in: «mondo», Schweizerische Zeitschrift für Entwicklungsfragen, Zürich, Februar 1964.
7 DftZ, zwei Prospekte in: Schweizer. Landesausstellung 1964, Informationsblätter, Bd 1.
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Entwicklungshilfe als nationale Aufgabe verstand. «Mit unserer (staatlichen) Entwicklungshilfe wollen wir - über die näher liegenden Interessen hinaus - letztlich dazu beitragen (und dürfen es nicht sagen), dass die Welt nicht noch mehr kommunistisch wird.»8 Die PR-Verantwortlichen sahen in der Ent- wicklungshilfe ein Instrument gegen die Ausbreitung kommunistisch regier- ter Staaten in der Dritten Welt, wollten dieses Argument aber, wahrscheinlich aus neutralitätspolitischen Gründen, nicht ins Überzeugungsrepertoire auf- nehmen.
Der DftZ als Reiseveranstalter: Die Mittel und Medien
Während der erste Delegierte im DftZ Ende 1961 noch eine wahre Flut von Artikeln, Büchern und Zeitschriften zum Thema Entwicklungshilfe über sich hereinbrechen sah, nahm das Interesse der Massenmedien an den staatlichen und privaten Projekten bis Mitte der sechziger Jahre rasch ab. Die PR-Leute mussten nun aktiv ins Mediengeschehen eingreifen, damit die Öffentlichkeit über die Aktivitäten des DftZ laufend informiert blieb. Es sollen hier nur die Stossrichtungen verdeutlicht sowie die wichtigsten Einsatzmittel des Infor- mationsdienstes exemplarisch dargestellt werden.
Der Herausgeber von «mondo» (die einzige Schweizer Zeitschrift für Ent- wicklungsfragen), Walter Renschler, musste Ende 1964 nach vier Jahren seine publizistische Tätigkeit aus finanziellen Gründen aufgeben. Die Abon- nentenzahl blieb unter den Erwartungen des späteren Zürcher SP-National- rates. Renschler wurde zwar vom DftZ ermuntert, eine Eingabe um Bundes- hilfe in der Höhe von 14'000 Franken zu machen. PR-Chef Frei unterstützte in einem Schreiben an den Departementsvorsteher, Bundesrat Friedrich Traugott Wahlen, Renschlers Vorschlag lebhaft. «Es (das Publikationsorgan 'mondo', der Verf.) könnte den Kontakt mit der Öffentlichkeit weniger in quantitativer als vielmehr in qualitativer Hinsicht - Diskussion zur Bildung der massgebenden Meinung - sicherstellen.» Wahlen aber hielt eine direkte Subvention von «mondo» für einen «gefährlichen Präzedenzfall»9.
Die Lücke, die «mondo» hinterliess, versuchte der DftZ vier Jahre später sel- ber zu schliessen. Er veröffentlichte 1968 «Information TZ», ein Organ, das sich ursprünglich an Presse, Radio und Fernsehen richtete, später aber breiter gestreut wurde. Es wurde im Oktober 1970 von der Zeitschrift «Entwicklung/ Développement» abgelöst, die gemeinsam von der Handelsabteilung des
8 Frei an Lindt, 20.5.1963, BAR E 2003 (A) 1976/44 Bd 14.
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Volkswirtschaftsdepartements und dem DftZ (ab 1975 Direktion für Ent- wicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe, DEH) bis heute herausge- geben wird. Im Vorwort der ersten Nummer hiess es optimistisch: «Dann soll 'Entwicklung/Développement' als Informationsbulletin die schweizerische Entwicklungshilfepolitik in allen ihren Aspekten widerspiegeln. Dies er- schien besonders zu Beginn des Zweiten Entwicklungsjahrzehnts wichtig, das heisst in dem Augenblick, da Geberländer und Empfängernationen end- lich eine zusammenhängende Entwicklungsstrategie aufgestellt haben.»10
1968 beantragte der Informationsdienst 30'000 Franken für Journalistenrei- sen. Dabei handelte es sich um eine Kompromisslösung zwischen der Verei- nigung der Bundeshausjournalisten und dem DftZ. 1965 war eine gemein- same Pressereise nach Tunesien unter der Führung des DftZ aus finanziellen Gründen geplatzt. Ziel des DftZ blieb aber, Bundeshausjournalisten vor Ort in die Projektgebiete zu entsenden. Aus Kostengründen führte der DftZ schliesslich individuelle Auslandreisen durch. Der DftZ übernahm dabei Rei- sespesen, Unterkunft, Verpflegung, teilweise ein Taschengeld, aber keine Tagesentschädigung der einzelnen Journalisten11. Zwischen 1968 und 1971 finanzierte der DftZ auf diese Weise 17 akkreditierten Bundeshausjournali- sten die Reise nach Peru, Indien, Tunesien, Madagaskar, Rwanda, Nepal und der Türkei12.
Die ausführliche «Hofberichterstattung» der erwähnten Bundeshausjournali- sten war der Projektarbeit gegenüber durchwegs positiv eingestellt. Die von den PR-Verantwortlichen intendierte Wirkung solcher Recherchen muss den- noch relativiert werden. Beatrix Mühlethaler hat in ihrer Untersuchung über das Bild der Dritten Welt in der Schweizer Presse gezeigt, dass solche Bei- träge in der Presse eine Art Sonderexistenz führten, da sie meist ohne Bezug zu einer aktuellen Agenturmeldung publiziert wurden. «Was es braucht, sind nicht lange Sonderberichte, sondern eine kontinuierliche in kurze Berichte gefasste Darstellung der Entwicklungsprojekte.»13 Bedenklich an diesen staatlich honorierten Reiseveranstaltungen des DftZ scheint auch der Um-
9 Besprechung zwischen Renschler und DftZ am 16.2.1962, Aktennotiz, 22.2.1962, BAR E 2003 (A) 1976/44 Bd 4.
10 Entwicklung=Développement, Nr. 1, 1970.
11 Aktennotiz, Studienreisen von akkreditierten Bundeshausjournalisten, 10.11.1966. BAR E 2005 (A) 1978/137 Bd 25.
12 Liste von Bundeshausjournalisten, BAR E 2005 (A) 1983/18 Bd 65.
13 Beatrix Mühlethaler: Die Dritte Welt im Spiegel der Schweizer Presse, Freiburg i.Ue. 1976, S. 136f., 144.
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stand, dass die meisten Berichte exklusiv für nur eine Zeitung mit oft gerin- ger Leserschaft verfasst wurden.
1967 präsentierte sich der DftZ erstmals mit Ständen an der OLMA in St. Gallen. Nach eigener Einschätzung konnte mit dieser Aktion eine «ausge- sprochene Breitenwirkung»14 erzielt werden, so dass der DftZ in den folgen- den Jahren regelmässig an den grossen Messen teilnahm (Comptoir in Lau- sanne, MUBA in Basel und OLMA). Die Anregung, Ausstellungen über Ent- wicklungshilfe zu organisieren, kam ursprünglich aus der Werbeabteilung des Warenhauses Globus. Lindt persönlich eröffnete am 21. Oktober 1965 im Globus Basel eine Ausstellung mit dem provokativen Titel «Verschenkt die Schweiz Geld?» Gleich neben den Ausstellungswänden wurden afrikanische Kunstgegenstände verkauft, die den Besuchern die Möglichkeit gaben, «sich mit dem beachtlichen kulturell-folkloristischen Standard afrikanischer Völker vertraut zu machen», wie der Basler «Doppelstab» festhielt. So reichten sich die Interessen von DftZ und Warenhaus die Hände.
Mit den elektronischen Medien bekundete der DftZ mehr Mühe. Er wollte nur Filme über bundeseigene oder vom Bund finanzierte bilaterale Projekte in der Öffentlichkeit zeigen. Die finanziellen Restriktionen erlaubten in die- ser Hinsicht nur einen geringen Handlungsspielraum, die Resultate blieben eher marginal.
Werbung in eigener Sache: Der DftZ hilft dem 4. Rahmenkredit nach
«Public Relations» (PR) heisst «öffentliche Beziehungen». Konkret ist dar- unter - wie oben gezeigt wurde - die «Beeinflussung des Publikums» oder die «Bildung der massgebenden Meinung» zu verstehen. Auf die öffentliche Verwaltung bezogen kann unter PR allgemein die Einflussnahme im Mei- nungsbildungsprozess gemeint sein, mit dem Ziel, das Klima für die Durch- führung eines Gesetzes zu verbessern. Im Rückblick kann nur festgestellt werden, dass innerhalb des DftZ die Bedeutung der Public Relations für den jungen Politiksprössling Entwicklungshilfe nie umstritten war. Im Juni 1962 regte der erste PR-Verantwortliche, Rudolf Frei, eine personelle Aufstockung des Informationsdienstes auf vier Leute an: Je eine Arbeitskraft für den Pres- sedienst und für PR ohne Presse, dazu zwei Personen für die Dokumenta- tion15. «Unsere Dokumentation ist völlig lahmgelegt», konstatierte der Se-
14 Aktennotiz für Informationschef Rial, 29.11.1967, BAR E 2005(A) 1980/82 Bd 58.
15 Frei, Notiz an DftZ, 19.6.1962, BAR E 2003 (A) 1976/44 Bd 20.
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kretariatschef Erich Messmer schon im Februar 1962 gegenüber der Abtei- lung für Verwaltungsangelegenheiten im Finanzdepartement16. Es bedurfte dann allerdings der Kündigung des ersten PR-Verantwortlichen, bis nach kurzer Vakanz des Postens die Abteilung für Verwaltungsangelegenheiten dem Drängen des DftZ nachgab und für November 1962 eine zusätzliche Stelle bewilligte. Gleichzeitig wurden ein Sachbearbeiter und eine Sekretärin für die Dokumentation angestellt17. Dass der PR-Posten für kurze Zeit vakant blieb, darf nicht zur Annahme verleiten, die Bedeutung der Informationsar- beit im DftZ sei nicht als dringlich erachtet worden. Ausschlaggebend waren vielmehr der ausgetrocknete Arbeitsmarkt und die relativ tiefe Besoldungs- einstufung gegenüber Anstellungen mit vergleichbaren Qualifikationen in der Privatwirtschaft18. Personell wurde der Informationsdienst später nicht mehr ergänzt. Das mag damit zusammenhängen, dass im Gegensatz zu den priva- ten Hilfswerken die Krise der Entwicklungshilfe den Bund viel später und nur auf dem indirekten Weg über das Parlament erreichte. Gerade deshalb galt die Informationssarbeit des DftZ auch immer wieder der Beeinflussung des Parlamentes, das über die Bewilligung der Rahmenkredite die bundesrät- liche Politik mitzuverantworten hatte.
Als 1961 der DftZ etabliert wurde, herrschte noch politischer Konsens. In den Jahren 1960/61 finden sich keine kritischen Stimmen in der Öffentlich- keit oder im Parlament, die sich gegen ein entwicklungspolitisches Engage- ment des Bundesrates ausgesprochen hätten19. Von Beginn weg aber dik- tierte der Bundesrat die Richtung der Entwicklungshilfe, indem er auch das Parlament zu steuern wusste. Er regte im Juni 1960 sieben Parlamentarier an, koordiniert Vorstösse zur Entwicklungshilfe einzureichen20. Für den Bundes- rat war damit der Weg frei, dem Parlament den ersten Rahmenkredit im Mai 1961 vorzulegen. Auch der zweite Rahmenkredit von 1964 passierte das Parlament recht gut, auch wenn einige Parlamentarier den aufgeblähten bü- rokraktischen Apparat oder den angeblich zu hohen Anteil an multilateraler Hilfe bemängelten21. Problematisch wurde es für den Bundesrat erst Mitte der sechziger Jahre, als in der Öffentlichkeit Zweifel am Sinn der Entwick-
16 Messmer, Notiz an Abteilung für Verwaltungsangelenheiten, 26.2.1962. BAR E 2003 (A) 1976/44 Bd 20.
17 DftZ-Organisationsschema, 22.3.1963, BAR E 2003 (A) 1976/44 Bd 20.
18 Sämtliche verwaltungsexterne Bewerber wurden als unqualifiziert abgewiesen.
19 Dieter von Schrötter: Schweizerische Entwicklungspolitik in der direkten Demokratie, Mün- chen 1981, S. 46ff.
20 Vgl. den Aufsatz von Manuel Küffer in diesem Band.
21 Schrötter (wie Anm. 19), S. 50.
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lungshilfe geäussert wurden. Die bescheidenen Erfolge der Entwicklungs- hilfe der frühen sechziger Jahre wirkten auf Volk und Parlament ernüchternd. Die Dankbarkeit der Drittweltländer gegenüber den Donatoren aus dem rei- chen Norden blieb aus, worauf die Öffentlichkeit verständnislos und teil- weise beleidigt reagierte22. Der Delegierte Lindt sprach 1966 von einer er- nüchterten schweizerischen Öffentlichkeit. «Viele Nachrichten aus Entwick- lungsländern wirken entmutigend; Begehrlichkeiten wurden geweckt; und sind nicht die Erfolge der so lautstark gepriesenen Entwicklungshilfe spärlich geblieben?» fragte Lindt rhetorisch23.
Nach fünf Jahren DftZ war der Spielraum enger geworden. Die PR-Beamten im DftZ mussten jetzt nicht mehr so sehr die Notwendigkeit der staatlichen Entwicklungshilfe betonen. Vielmehr mussten sie nun den Beweis erbringen, dass eben diese Hilfe bereits positive Resultate in den Entwicklungsländern zeitigte, zumal der Bundesrat vom Parlament immer höhere Rahmenkredite forderte. Im Umfeld dieser Problematik ist ein Antrag von 1965 aus der PR- Abteilung zu verstehen, in dem Geld für eine Filmproduktion über die land- wirtschaftliche Versuchsstation Kerala (Indien) gefordert wird: «Vor der nächsten Debatte über einen neuen Rahmenkredit müssen dem Parlament und dem Volk Resultate gezeigt werden können, und zwar nicht nur in Berichten, sondern auch im Bild.»24 Da das Aktionsfeld des DftZ direkt vom Umfang der periodisch vom Parlament zu bewilligenden Rahmenkredite abhing, liegt es auf der Hand, dass die Informationstätigkeit des DftZ auf möglichst hohe Rahmenkredite abzielte und deshalb eine zentrale Funktion innerhalb des Dienstes ausübte. In den Worten des dritten PR-Chefs im DftZ, Dieter Chenaux-Repond, hiess dies: «Bei uns geht es namentlich darum, die öffent- liche Meinung rechtzeitig und nachhaltig aufzuklären und damit eine Stim- mung zu schaffen, die einer noch vermehrten zukünftigen Entwicklungshilfe günstig ist.»25 Doch viel mehr lag nicht mehr drin. Der dritte Rahmenkredit von 1967, für den Lindt eigentlich 120 Mio. Franken gefordert hatte, wurde vom Bundesrat auf 100 Mio. gekürzt und so vom Parlament genehmigt. Der Nationalrat sah mit 113 zu 16 Stimmen davon ab, den Kredit dem fakulta- tiven Referendum zu unterstellen.
Im Vorfeld der Debatte über den 4. Rahmenkredit zeichnete sich klar ab, dass das Parlament nicht mehr geschlossen das Tempo der bundesrätlichen Ent-
22 Vgl. die Beiträge von Caroline Bühler und Susanne Buri in diesem Band.
23 Lindt, Mitteilung, Feb. 1966, BAR E 2005 (A) 1978/137 Bd 28.
24 Antrag Dieter Chenaux-Repond (Kerala-Film), 4.6.1965, BAR E 2005 (A) 1978/137 Bd 27.
25 Info-Chef Chenaux-Repond, Aktennotiz, 28.1.1965, BAR E 2005 (A) 1978/137 Bd 28.
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wicklungspolitik billigte. Vorab bürgerliche Parlamentarier zogen die Brem- sen an und drohten offen mit den Volksrechten26. In dieser schwierigen Si- tuation erhielt der Bundesrat 1969 offene Unterstützung von den sich neu in einer Arbeitsgemeinschaft koordinierenden Hilfswerken Brot für Brüder, Fa- stenopfer und Swissaid, die im Hinblick auf den 180-Mio .- Kredit im Winter 1969/70 eine breit angelegte, gut vorbereitete Informationskampagne lan- cierten. Am 18. Juni 1969 stellte die Arbeitsgemeinschaft dem neuen Dele- gierten, Sigismond Marcuard, den Antrag, diese Kampagne mit 150'000 Franken zu unterstützen (Gesamtbudget: 450'000)27. PR-Chef Fred Jacques Rial zeigte sich begeistert, die gemeinsame Kampagne privater Organisatio- nen zu subventionieren. Durch den engen Kontakt mit der Bevölkerung, so Rial, und durch den privaten Charakter der Aufklärungsarbeit seien die pri- vaten Hilfswerke sogar besser geeignet als eine staatliche Stelle, solche Auf- klärungskampagnen durchzuführen. Es bestehe ausserdem für den DftZ kein Grund zur Annahme, dass die Arbeitsgemeinschaft die Entwicklungshilfepo- litik des Bundes in ihrer Kampagne kritisieren würde. «Im übrigen wird es sich trotz Bundesbeitrag um eine Kampagne handeln, für die die Verantwor- tung nach aussen einzig bei der Arbeitsgemeinschaft liegt.»28 Der DftZ be- willigte den Kredit nach längerem hin und her am 27. Januar 1969. Aus der Schlussabrechnung geht hervor, dass er die verschiedenen Aktionen der Ar- beitsgemeinschaft immerhin mit gut 130'000 Franken unterstützte 29.
Auch wenn die Kampagne der drei Hilfswerke zeitlich auf die parlamentari- sche Debatte über den 4. Rahmenkredit im Herbst/Winter 1969 ausgerichtet war, liegt die Bedeutung dieser ersten gemeinsamen Informationsaktion aus heutiger Sicht weit über einem kurzfristig angelegten Propagandafeldzug. Sie bildete den Auftakt zu einer dauerhaften Zusammenarbeit zwischen Brot für Brüder, Fastenopfer und Swissaid. Aufgrund der von den beteiligten Organi- sationen als positiv bewerteten Informationskampagne entschieden sich die drei Partner für eine permanente Zusammenarbeit in einer Aktionsgemein- schaft, die mit der Schaffung einer Geschäftsstelle bei der Swissaid (ehemals Schweizerische Auslandhilfe SAH) in Bern am 10. Juni 1970 vertraglich ge- regelt wurde. Der Bereich der Information wurde ein Jahr später mit dem
26 Schrötter (wie Anm. 19), S. 51f., 53f.
27 Arbeitsgemeinschaft an DftZ, 18.6.1969. BAR E 2005 (A) 1983/18 Bd 63.
28 Rial, Kreditantrag zur Unterstützung der Kampagne der Arbeitsgemeinschaft, 3.9.1969, BAR E 2005 (A) 1983/18 Bd 63.
29 Schlussbericht Kampagne 1969/70, BAR E 2005 (A) 1983/18 Bd 63.
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Aufbau des Informationsdienstes Dritte Welt (i3w) unter der Mitwirkung von «Helvetas» instutionalisiert30.
Die Informationskampagne in Form von Grossplakaten und ganzseitigen Zei- tungsinseraten, die das Parlament motivieren sollte, löste beim Freisinnigen Berner Nationalrat Otto Fischer Befremden aus. In einer Kleinen Anfrage an den Bundesrat wollte er wissen, «ob und wenn ja in welchem Umfange diese Organisationen Bundesbeiträge erhalten und ob Gewähr dafür besteht, dass daraus keine Mittel für diese eigenartige Inseratenaktion Verwendung fin- den» würden. In der Antwort wies der Vorsteher des EPD, Bundesrat Willy Spühler, darauf hin, dass es sich um eine private Initiative handle, «deren Motive höchst ehrenhaft» seien. Weiter erklärte Spühler, dass der jährliche Beitrag von 120'000 Franken an die Verwaltungskosten von «Swissaid» nicht ausreiche, «so dass diese für ihre Beteiligung an der gemeinsamen Aufklä- rungskampagne auf andere Mittel greifen» müsse31. Mit dieser Antwort wich der Bundesrat der Frage geschickt aus, bzw. beantwortete er die Frage des Nationalrates unvollständig.
In der Debatte über den 4. Rahmenkredit erklärte Nationalrat Fischer, dass er zwar nicht gegen die Vorlage stimmen werde. Er bemerkete jedoch: «Wir müssen den heutigen Entscheid in Kenntnis der Tatsache fällen, dass er ge- gen die Mehrheit des Volkes gefasst wird.» Bundesrat Spühler stellte in der Debatte fest, dass die Entwicklungshilfe im Parlament «kaum mehr bestrit- ten, wohl aber immer noch umstritten» sei. Es sei ermutigend, dass in den vergangenen Monaten in weiten Schichten der Bevölkerung das Verständnis für die Probleme in der Welt stark zugenommmen habe. Spühler führte die- ses Verständnis «nicht zuletzt auf den Einsatz vieler, speziell kirchlicher Kreise» zurück, denen er Dank und Anerkennung aussprach32. Der Bundesrat bedankte sich damit bei der Arbeitsgemeinschaft für eine Dienstleistung, die ohne den beträchtlichen Anteil an Staatsgeldern in diesem Umfang nicht hät- te durchgeführt werden können. Spühler verschwieg dem Parlament, dass der Arbeitsgemeinschaft via DftZ Bundesgelder zur Finanzierung der «Aufklä- rungskampagne» zugesichert worden waren.
30 Ausführlich Hildegard Hungerbühler: Zur Gründung der Arbeitsgemeinschaft der Hilfswerke und des Informationsdienstes Dritte Welt (i3w) (1968-1971), Seminararbeit am Historischen Institut der Univ. Bern 1992 (Manuskript).
31 Kleine Anfrage Fischer-Bern, 8.10.1969; Antwort des Bundesrates, 1.12.1969, Archiv der Bundesversammlung (im Sten. Bull. nicht publiziert).
32 Sten. Bull. NR 1969, S. 941f., 943f.
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Schlussbetrachtung
Mit der eingangs erwähnten Studie über die Einstellung der Schweizer zur Entwicklungshilfe bestätigte Schmidtchen die Vermutung, dass die schweize- rische Öffentlichkeit der Entwicklungshilfe zunehmend kritisch bis ableh- nend gegenüberstand. Er beobachtete ein Auseinanderklaffen zwischen der Einsicht in die Notwendigkeit der Entwicklungshilfe (80 Prozent Befürwor- ter) und der tatsächlichen Bereitschaft, mehr Mittel dafür bereitzustellen (34 Prozent Befürworter). Schmidtchen meinte abschliessend, entscheidend für das Verständnis der Entwicklungshilfe sei ein ausgeprägt aussenpolitisches Interesse, das massgeblich über einen langen Bildungsweg gefördert werde 33. Diese Aussage fand ihren Niederschlag in den «Folgerungen aus dem Bericht Schmidtchen für die Informationsarbeit» des DftZ. Darin wurde für eine ver- stärkte Zusammenarbeit mit den Schulen plädiert, indem etwa den Lehrenden Unterrichtsunterlagen zur Verfügung zu stellen seien, um «den Schülern an- hand entwicklungspolitischer Probleme die Augen für Weltprobleme zu öff- nen»34. Eine ähnliche Stossrichtung verfolgte auch das Programm des Infor- mationsdienstes für das Jahr 1971: «Der DftZ legt 1971 das Schwergewicht seiner Informationstätigkeit auf die Aufklärung der Jugend über Entwick- lungsprobleme.»35 Damit schimmert erstmals eine Art Konzept mit Schwer- punkten und definierten Zielgruppen der PR-Arbeit durch. Die in der Öffent- lichkeit und im Parlament am Ausbau der Entwicklungshilfe geäusserte Kri- tik, die im Schmidtchen-Bericht ebenfalls zum Ausdruck kam, ebnete den Weg zu einer umfassenderen Informationskonzeption. Mit den Berichten der vom Bund bezahlten Journalisten, den Ausstellungen, der landesweiten Vor- tragstätigkeit oder den Projektfilmen focht der Informationsdienst des DftZ zwar einen verzweifelten Kampf gegen die wachsende Lethargie in der schweizerischen Bevölkerung, erreichte aber letztlich vor allem diejenigen Kreise, welche ohnehin schon Interesse an der Entwicklungshilfe bekundeten und damit potentiell zu den Befürwortern der staatlichen Entwicklungshilfe gehörten.
Die vermittelte Information bestand aus der Darstellung sogenannt erfolgrei- cher Projekte. Diese Erfolgsmeldungen, mit denen in der Öffentlichkeit und im Parlament die Ausweitung der Ausgaben für Entwicklungshilfe hätte le- gitimiert werden sollen, wurden aber je länger je mehr von negativen Nach- richten aus der Dritten Welt überschattet (politische Unruhen, Bürgerkriege,
33 Schmidtchen (wie Anm. 1), S. 109, 112.
34 Folgerungen aus dem Bericht Schmidtchen (wie Anm. 2).
35 Programm 1971 des Informations- und Dokumentationsdienstes des DftZ, 20.3.1971, BAR E 2005 (A) 1983/18, Bd 63.
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Diktaturen etc.). Mühlethaler vertritt die These, die Zurückhaltung gegenüber der Entwicklungszusammenarbeit sei eine Folge des mangelnden Verständ- nisses der Bevölkerung der reichen Nationen für die Probleme der Dritten Welt36. Im Rahmen der hier untersuchten Quellen kann zumindest der Schluss gezogen werden, dass zur «Aufklärung» der Bevölkerung in den sechziger Jahren der DftZ die generelle Nord-Süd-Problematik nicht zu the- matisieren versuchte. Vielmehr stellte er auf althergebrachte Muster (Nächstenliebe und humanitäre Hilfe) sowie auf das Bild der «gegenseitigen Nutzniessung» ab. Die eigenständigen PR-Aktivitäten waren nie von beson- derer Durchschlagskraft und litten während der gesamten Periode an Kon- zeptionslosigkeit. Die eigentliche PR-Arbeit, das Einschalten in die Mei- nungsbildung, überliess der DftZ elegant der Initiative privater Organisatio- nen, indem er deren Bemühungen grosszügig in Form von Unterstützungs- beiträgen honorierte, wie das Beispiel der Informationskampagne der Ar- beitsgemeinschaft zwischen Brot für Brüder, Fastenopfer und Swissaid illu- striert.
36 Mühlethaler (wie Anm. 13), S. 18.
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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Amtliche Aufklärung des Schweizervolkes. Die PR-Arbeit des Delegierten für technische Zusammenarbeit, 1961-1971
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Studien und Quellen
Dans
Etudes et Sources
In
Studi e Fonti
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1993
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