N 6 octobre 1995
2196
Motion du groupe écologiste
Der Vollzug der Bundesgesetzgebung durch die Kantone, welche auch die damit verbundenen Kosten zu tragen haben, ist ein wichtiger staatsrechtlicher Grundsatz unserer föderali- stischen Staatsordnung. Diese Aufgabenteilung stärkt die Souveränität der Kantone.
Erst kürzlich hat das Wirtschafts- und Sozialdepartement in einem Brief an die Direktion für Völkerrecht des Eidgenössi- schen Departementes für auswärtige Angelegenheiten klar festgehalten, dass die Rheinschiffahrtsdirektion Basel für den Vollzug der von der Zentralkommission für die Rhein- schiffahrt (ZKR) in Strassburg und Bern erlassenen Gesetze und Verordnungen zuständig sei. Um eine optimale Basis für den effizienten Vollzug dieser Vorschriften und die Berück- sichtigung der kantonalen und regionalen Interessen sicher- zustellen, hat der Kanton Basel-Stadt in diesem Brief aus- drücklich gewünscht, nicht nur mit Sachverständigen, son- dern auch als Kommissar wieder in der Exekutive der schwei- zerischen ZKR-Delegation vertreten zu sein. Dieses seit Jahrzehnten bestehende grosse Engagement ist für den Kanton personal- und kostenintensiv, hat sich aber bewährt und wird vom Bund geschätzt.
Dem Bund ist bewusst, dass der Aufwand der Kantone zur Erfüllung internationaler Aufgaben erheblich zugenommen hat. Von dieser Entwicklung ist er jedoch mindestens so stark betroffen wie die Kantone.
Der Bundesrat hat zwar Verständnis für das Anliegen des Motionärs, kann jedoch seiner Vorstellung zur Schaffung ei- ner diesbezüglichen gesetzlichen Grundlage nicht entspre- chen.
Der Bund kann zusätzlich zu seinem bereits erhöhten oder geplanten finanziellen Engagement im Bereich der Rhein- schiffahrt keine weiteren Verpflichtungen mit Auswirkungen auf den Bundeshaushalt eingehen. Die vom Bund zugunsten der Rheinschiffahrt getätigten Ausgaben haben im Verlauf der Jahre bereits einen erheblichen Umfang angenommen. Zudem hat er beim Ausbau der Infrastruktur ausnahmsweise, gestützt auf spezifische Bundesbeschlüsse, mehrmals Ko- stenbeiträge gewährt. Ein jüngstes Beispiel dafür: Er hat den weit überwiegenden Anteil am Ausbau der Schiffahrtsanlage in Kembs übernommen.
Weiter möchte der Bundesrat die Position der ZKR stärken. Entsprechende Gespräche werden im Rahmen der schwei- zerischen Delegation in der ZKR geführt. Ausserdem hat der Bundesrat seine Absicht, der ZKR zusätzliche finanzielle Mit- tel zufliessen zu lassen, mit einem Antrag an das Parlament auf Erhöhung des Mitgliederbeitrags dokumentiert.
Der Bundesrat ist überdies der Ansicht, dass der Kanton Ba- sel-Stadt allenfalls eine finanzielle Entlastung im Rahmen ei- ner Revision des Konkordats vom 4. Januar 1957 zwischen den Kantonen Basel-Stadt, Basel-Landschaft und Aargau über den gemeinsamen Vollzug der vom Bund erlassenen schiffahrtsrechtlichen Vorschriften für die Rheinstrecke zwi- schen Basel und Rheinfelden erreichen könnte. Zudem wäre zu prüfen, ob für den Kanton Basel-Stadt nicht wenigstens ein Teil der Vollzugskosten mit einer Anpassung der Verwal- tungsgebühren gesenkt werden könnte.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion abzulehnen.
Abgelehnt - Rejeté
95.3218
Motion der grünen Fraktion Reiseentschädigungen für Parlamentsmitglieder Motion du groupe écologiste Indemnités de voyage versées aux députés
Wortlaut der Motion vom 7. Juni 1995
Das Büro wird ersucht, Artikel 5 des Entschädigungsgeset- zes so zu ändern, dass die Ratsmitglieder entweder ein SBB- Generalabonnement 1. Klasse erhalten oder ihnen die effek- tiven Reiseauslagen, höchstens jedoch im Betrag, den ein Generalabonnement kostet, zurückerstattet werden.
Texte de la motion du 7 juin 1995
Le Bureau est chargé de modifier l'article 5 de la loi sur les indemnités parlementaires de manière à ce que les députés reçoivent un abonnement général CFF 1ère classe ou que leurs frais de voyage effectifs leur soient remboursés, mais tout au plus à raison du prix de l'abonnement général.
Schriftliche Begründung
Die Möglichkeit für Parlamentarier, aufgrund von Angaben der Sitzungsdaten sich die Reisespesen in Form von Einzel- fahrtenentschädigungen ausrichten zu lassen, führt dazu, dass eine zunehmende Zahl der Ratsmitglieder Beiträge kas- siert, welche die effektiven Auslagen bei weitem übertreffen. In der Presse ist dieses Gebaren mit Recht beanstandet wor- den. Es ist nicht geeignet, in der Bevölkerung Verständnis für eine angemessene Abgeltung der parlamentarischen Tätig- keit zu wecken.
Développement par écrit
En raison de la possibilité offerte aux parlementaires de se faire rembourser, moyennant indication des dates des séan- ces, leurs frais de voyage sous la forme d'indemnités calcu- lées pour chaque déplacement, un nombre accru de députés encaissent des montants dépassant de loin leurs dépenses effectives. La presse a contesté à juste titre cette pratique, peu propice à susciter la compréhension du public pour une indemnisation adéquate des députés.
Schriftliche Stellungnahme des Büros vom 24. August 1995
Die Ausgestaltung der Reiseentschädigungen (Art. 5 des Entschädigungsgesetzes) war schon mehrmals Gegenstand der Diskussionen in den Räten. Die Frage, ob von einem Missbrauch gesprochen werden kann, wenn sich Ratsmit- glieder die Kosten für die Bahnreisen zurückerstatten lassen, wurde bis anhin verneint und eine Änderung dieser Entschä- digungsart abgelehnt. So wurde im Jahre 1992, anlässlich der Debatte über die Parlamentsreform, ein Antrag Ruf abge- lehnt, mit dem die Rückerstattung von Einzelfahrten abge- schafft und - neben der Abgabe des Generalabonnements - nur noch die Ausbezahlung eines entsprechenden Pauschal- betrages ermöglicht werden sollte.
Zurzeit beziehen 193 Ratsmitglieder das Generalabonne- ment vom Bund. 53 Ratsmitgliedern werden die Kosten für die einzelnen Bahnfahrten 1. Klasse zurückerstattet. Die Be- rechnungen für das Jahr 1994, in welchem 47 Ratsmitglieder die Rückerstattungsvariante gewählt haben, ergeben durch- schnittliche Kosten von 4500 Franken pro Ratsmitglied. Die Kosten für das Generalabonnement belaufen sich dagegen auf 3360 Franken. 1994 ergab dies für die 47 Ratsmitglieder gegenüber einem Generalabonnement 53 580 Franken Mehrkosten.
Nicht mit eingerechnet sind die durch Einzelabrechnungen entstehenden administrativen Aufwendungen, die zu den üb- rigen Aufwendungen für die Abwicklung der Parlamentarier-
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Postulat Misteli
entschädigungen (Präsenzkontrollen, Übernachtungs- und Mahlzeitenentschädigungen, Distanzentschädigung usw.) hinzukommen. Für diese Arbeiten wird im Kassen- und Rechnungswesen (0,6) und in den Parlamentsdiensten (0,4) rund eine Etatstelle eingesetzt. Pro Ratsmitglied belaufen sich diese administrativen Kosten auf rund 300 Franken pro Jahr. Eine Pauschalierung der Entschädigungen ist aus ad- ministrativer Sicht den Entschädigungen im Einzelfall vorzu- ziehen.
Das Büro erachtet es deshalb als sinnvoll, eine Pauschalie- rung der Reiseentschädigungen anzustreben. Aus dieser Sicht würde allerdings die von den Urhebern der Motion vor- geschlagene Abgeltung im Einzelfall bis zu einem Plafond entsprechend den Kosten für das Generalabonnement keine Einsparungen bringen. Das Büro ist jedoch bereit, eine Ände- rung der heutigen Reiseentschädigung zu prüfen.
Rapport écrit du Bureau du 24 août 1995
Les modalités de versement des indemnités de voyage (art. 5 de la loi sur les indemnités parlementaires) ont déjà fait l'objet de plusieurs débats dans les Conseils. Jusqu'ici, le fait, pour les membres des conseils, de demander le rembourse- ment de leurs frais de voyage en train, n'a jamais été consi- déré comme un abus, et une modification des modalités de versement de cette indemnité a été rejetée. C'est ainsi qu'en 1992, à l'occasion des débats sur la réforme du Parlement, le Conseil national a repoussé une proposition Ruf demandant que le remboursement de chaque déplacement soit sup- primé et que les députés puissent choisir entre la remise d'un abonnement général ou le versement en lieu et place d'une indemnité forfaitaire de même montant.
A l'heure actuelle, 193 membres des Conseils reçoivent ac- tuellement de la Confédération un abonnement général, tan- dis que les frais de chaque trajet en train en 1ère classe sont remboursés à 53 députés. Selon les calculs effectués pour l'année 1994, au cours de laquelle 47 parlementaires ont opté pour la formule du remboursement, les coûts s'élèvent en moyenne à 4500 francs par député, alors que les coûts des abonnements généraux représentent 3360 francs par député. En 1994, les coûts supplémentaires occasionnés par le remboursement aux 47 membres des Conseils par rapport à un abonnement général équivalaient à 53 580 francs.
Ne sont pas comprises les dépenses administratives entraî- nées par les décomptes individuels qui viennent s'ajouter aux autres dépenses pour le calcul des indemnités parlementai- res (contrôle des présences, indemnités de nuitées et de re- pas, indemnité de parcours, etc.). Ces travaux, qui corres- pondent au taux d'occupation d'un poste permanent, sont ré- partis entre les Services de caisse et de comptabilité (0,6) et les Services du Parlement (0,4). Ces frais administratifs s'élèvent à quelque 300 francs par an et par député. La fixa- tion d'un montant forfaitaire pour les indemnités serait donc préférable, du point de vue administratif, au versement d'in- demnités de cas en cas.
Le Bureau se prononce par conséquent en faveur de la fixa- tion d'un montant forfaitaire pour les indemnités de voyage. De ce point de vue, l'indemnisation, proposée par l'auteur de la motion, de chaque déplacement jusqu'à un montant maxi- mal équivalant au prix de l'abonnement général ne représen- terait toutefois pas une mesure d'économie. Le Bureau se déclare néanmoins disposé à examiner une éventuelle modi- fication de l'indemnité de voyage actuelle.
Schriftliche Erklärung des Büros Das Büro beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.
Déclaration écrite du Bureau Le Bureau propose de transformer la motion en postulat.
Überwiesen als Postulat - Transmis comme postulat
95.3271
Postulat Misteli Schweizer Beteiligung an internationalen Bevölkerungsprogrammen
Programmes internationaux en matière de politique démographique. Participation de la Suisse
Wortlaut des Postulates vom 15. Juni 1995
Im Vorfeld der Internationalen Konferenz über Bevölkerung und Entwicklung sagte die Schweiz zu, ihre Gelder der Ent- wicklungszusammenarbeit vermehrt im sozialen Bereich ein- zusetzen. Zurzeit beträgt der Anteil für Familienplanung jähr- lich rund 10 Millionen Franken. Der weitaus grösste Teil die- ser Gelder geht an multilaterale Institutionen wie den UN- Fonds für Bevölkerungsprobleme (UNFPA), die International Planned Parenthood Federation (IPPF) oder das Human Re- production Programme der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Nicht mitgerechnet sind allfällige Beiträge an Bevöl- kerungsprogramme der Weltbank.
Die bevölkerungspolitischen Aktivitäten dieser multilateralen Institutionen entsprechen nicht immer den schweizerischen Grundsätzen und Richtlinien, da diese Institutionen ökonomi- sche und soziale Anreize in der Familienplanung akzeptie- ren. Auch die Entwicklung neuer Verhütungsmittel, wie z. B. des «Antischwangerschafts-Impfstoffs», orientiert sich mehr an bevölkerungspolitischen Zielen als an den Bedürfnissen der Frauen und Männer, die sie gebrauchen sollen. Ich ersuche deshalb den Bundesrat:
die Verwendung der schweizerischen Beiträge an multila- terale Institutionen (inklusive Weltbank) im Bereich der Be- völkerungs- und Familienpolitik auf die schweizerischen Grundsätze und Richtlinien hin zu überprüfen und die von der Schweiz unterstützten Programme mit Finanzierung offenzu- legen;
gegebenenfalls die weitere Unterstützung von Program- men von der Einhaltung der schweizerischen Grundsätze und Richtlinien abhängig zu machen; und
insbesondere im Rahmen seiner Beteiligung am Human Reproduction Programme der WHO darauf hinzuwirken, dass keine schweizerischen Gelder mehr in die Entwicklung von Impfstoffen gegen Schwangerschaft (immunologische Kontrazeptiva) fliessen.
Texte du postulat du 15 juin 1995
Peu avant la Conférence internationale sur la population et le développement, la Suisse s'était engagée à affecter au sec- teur social une part plus grande des crédits destinés à la coo- pération au développement. Actuellement, la contribution an- nuelle à la planification familiale se monte à quelque 10 millions de francs. La plus grande partie de cet argent est versée à des institutions multilatérales comme le Fonds des Nations Unies pour les activités en matière de population (Fnuap), la Fédération internationale pour le planning familial (Fipf) ou le programme de recherche en reproduction hu- maine de l'OMS. Cette énumération ne tient pas compte d'éventuelles contributions aux programmes démographi- ques de la Banque mondiale.
L'activité de ces institutions multilatérales en matière de poli- tique démographique n'est pas toujours conforme aux princi- pes adoptés par la Suisse, car ces institutions acceptent le principe des incitations économiques et sociales à la régula- tion des naissances. Le développement de nouvelles formes de contraception, comme le «vaccin contraceptif», répond davantage à des objectifs de politique démographique qu'aux besoins des femmes et des hommes qui sont censés s'en servir.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
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Seduta
Geschäftsnummer 95.3218
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Datum 06.10.1995 - 08:00
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