Interpellation urgente Weber Monika
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3 octobre 1994
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Dringliche Interpellation Weber Monika Drogenproblematik. Unverzügliches Handeln Interpellation urgente Weber Monika Problème de la drogue. Intervention immédiate
Wortlaut der Interpellation vom 20. September 1994
Mit gebührender Orientierung von Presse und Öffentlichkeit hat die bundesrätliche Drogendelegation die Drogendelega- tion des Zürcher Regierungs- und Stadtrates empfangen. An dieser Sitzung wurden gemäss den Aussagen an der Presse- konferenz die Begriffe geklärt und eine gemeinsame Projekt- organisation eingesetzt. Diese Sitzung und ihr Ergebnis lies- sen mehr Fragen offen, als beantwortet wurden.
Wir bitten den Bundesrat um die Beantwortung der folgenden Fragen:
Die Verschärfung des Drogenproblems in der Stadt Zürich bzw. in den Gebieten um den Letten war eindeutig absehbar. Wie kommt es, dass ernsthafte Gespräche zwischen Bundes- rat und Zürcher Behörden erst stattfanden, als sich die Krise voll entwickelt hatte? Wurde der Bundesrat nicht bereits durch Interventionen im Parlament (z. B. Interpellation Weber Mo- nika, die am 8. Oktober 1992 behandelt wurde) und durch die Presse auf dieses Problem aufmerksam gemacht? Sind ent- weder die Zürcher Behörden nicht in der Lage, ihre Wünsche an den Bund brieflich vorzutragen, oder nimmt der Bundesrat solche Briefe nicht zur Kenntnis? Ist der föderalistische Dialog derart zusammengebrochen, dass es auf dem Höhepunkt ei- ner Krise erst nötig ist, einen Forderungskatalog durchzuge- hen, nicht um zu entscheiden, sondern um erst abzuklären, ob man wirklich vom Gleichen spricht?
Die Drogenszene am Letten wurde von Bundesräten inspi- ziert. Insbesondere Frau Bundesrätin Dreifuss gab ihrer Be- troffenheit über das Gesehene Ausdruck. Danach geschah aber monatelang wieder nichts. Ist sich der Bundesrat be- wusst, dass derartige Besuche und Stellungnahmen in der Öf- fentlichkeit bei der Bevölkerung den Eindruck erwecken, das Problem sei von der Landesregierung erkannt, die nun han- deln werde? Versteht der Bundesrat die Enttäuschung der Be- völkerung, wenn dann monatelang nichts geschieht? Ist der Bundesrat nicht auch der Ansicht, dass wenigstens jetzt un- verzüglich gehandelt werden muss?
Der Bundesrat hat über Jahre hinweg eine staatliche He- roinabgabe abgelehnt, sie aber dann als wissenschaftlichen Versuch zugelassen. Die bewilligten Versuche sind von der Zahl der Probanden her sicher geeignet, Fragen der gesund- heitlichen Betreuung, der sozialen Integration oder des Über- ganges zur Abstinenz zu untersuchen. Dagegen sind bei einer derartig kleinen Zahl von Probanden kaum Auswirkungen auf die Marktverhältnisse oder die Beschaffungskriminalität zu er- warten bzw. zu untersuchen. Nun soll die Zahl der Teilnehmer an Heroinprogrammen wesentlich erhöht werden. Werden bei der wissenschaftlichen Begleitung nun auch andere Fragen gestellt? De facto handelt es sich nicht um einen Versuch aus wissenschaftlichem Interesse, sondern um eine Notmass- nahme zur Lösung des Drogenproblems am Letten. Diese ist sachlich gerechtfertigt, aber es stellt sich die Frage, ob es nicht rechtlich sauberer wäre, die Ausweitung der Heroinpro- gramme durch eine Revision des BetmG abzustützen. Ge- denkt der Bundesrat eine solche Vorlage einzubringen?
Die Projektorganisation wird verschiedene Massnahmen planen und umsetzen. Kann der Bundesrat einen Zeitplan über die geplanten Massnahmen vorlegen, nachdem nun nicht nur bei uns, sondern in weiten Kreisen Konsens darüber herrscht, dass nicht nur eine einzige Massnahme nötig ist, sondern ein ganzes Paket geschnürt werden muss (in den Be- reichen Prävention, Therapie, Betreuung der Abhängigen -
u. a. durch ärztlich kontrollierte Abgabe von Drogen -, Schutz der Bevölkerung, klares Vorgehen gegen die Kriminalität)?
Texte de l'interpellation du 20 septembre 1994
La délégation du Conseil fédéral chargée des questions liées à la drogue a reçu les délégations des autorités du canton et de la Ville de Zurich. La presse et l'opinion publique en ont été informés comme il se doit. Il est ressorti de la conférence de presse que les participants se sont entendus sur les notions et ont mis en place un groupe de coordination. Cette séance laisse plus de questions en supens qu'elle n'en résout.
Nous demandons au Conseil fédéral de répondre aux ques- tions suivantes.
Il était parfaitement prévisible que le problème de la drogue se détériorerait dans la ville de Zurich, et plus particulièrement aux alentours du Letten. Comment se fait-il que le Conseil fé- déral et les autorités zurichoises n'aient entamé des discus- sions sérieuses qu'au moment où la crise a éclaté? Le Conseil fédéral n'avait-il pas été alerté par des interventions parlemen- taires (p. ex. l'interpellation Weber Monika traitée le 8 octobre 1992) et par la presse? Les autorités zurichoises ne sont-elles pas en mesure d'écrire à la Confédération pour lui faire connaî- tre leurs requêtes, ou bien est-ce que le Conseil fédéral ne prend pas connaissance de ces lettres? Le dialogue dans l'Etat fédéral s'est-il perdu au point qu'en pleine crise, on soit obligé de dresser une liste non pas pour prendre une série de décisions, mais pour s'assurer que l'on parle bien de la même chose?
Certains conseillers fédéraux ont vu le Letten. Mme Dreifuss notamment a exprimé sa préoccupation à la vue de ce specta- cle. Même après cela, il ne s'est rien passé pendant des mois. Le Conseil fédéral sait-il que ces déplacements et ces déclara- tions publiques laissent croire à la population que le gouverne- ment est conscient du problème et s'apprête à agir? Le Conseil fédéral comprend-il la déception que ressent la popu- lation lorsque rien ne se passe des mois durant? Ne pense-t-il pas qu'il faudrait pour le moins agir dès maintenant?
Le Conseil fédéral a rejeté pendant des années l'idée d'une distribution d'héroïne par les autorités, qu'il a ensuite autori- sée à titre d'essai scientifique. Ces essais, limités à un petit nombre de toxicomanes, sont certes valables si l'on veut étu- dier des questions d'assistance médicale, d'intégration so- ciale ou de suppression de la dépendance. Mais les bénéfi- ciaires sont trop peu nombreux pour que ces mesures aient un quelconque effet sur les conditions du marché de la drogue ou sur la criminalité liée à ce problème. Le nombre des partici- pants aux programmes de distribution d'héroïne doit être aug- menté. Se pose-t-on d'autres questions en ce qui concerne l'accompagnement scientifique? En vérité, il s'agit de résou- dre le problème criant de la drogue au Letten, et non pas de faire une expérience dans un but scientifique. La mesure est objectivement justifiée, mais ne serait-il pas plus correct de fonder l'extension des programmes de distribution d'héroïne par une révision de la LStup? Le Conseil fédéral prévoit-il de présenter un projet en ce sens?
Le groupe de coordination élaborera et mettra en oeuvre di- verses mesures. Le Conseil fédéral pourra-t-il présenter un ca- lendrier des mesures prévues, lorsqu'il sera communément admis, non pas uniquement chez nous, mais à une vaste échelle, qu'il ne suffira pas de prendre une mesure isolée, mais qu'un train de mesures coordonnées sera nécessaire (prévention, mesures thérapeutiques, assistance des toxico- manes - notamment par des distributions contrôlées de stu- péfiants faites par des médecins -, protection de la popula- tion, politique claire de lutte contre la criminalité)?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Jagmetti, Huber, Onken, Plattner, Schoch, Schule (6)
Weber Monika (U, ZH): Der zweite Teil des Titels ist besonders wichtig: das unverzügliche Handeln.
Ich habe zusammen mit meinem Standeskollegen, Herrn Ständeratspräsident Riccardo Jagmetti, die vorliegende Inter- pellation eingereicht, nachdem im Sommer die Situation in der Szene in Zürich eskaliert hatte. Die Zürcher Bevölkerung
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musste Schiessereien, Messerstechereien und andere be- drohliche Handlungen unter Dealern hinnehmen. Es kam zu Tötungsdelikten und Todesfällen, zwar noch nicht unter der Bevölkerung oder unter den Klein- und Kleinstdealern, aber es waren Menschen, die starben.
Nachdem bekanntlich das Gewerbe in diesem Gebiet, im Kreis 5, zum grossen Teil bewaffnet ist, aber auch Fussgänger und wahrscheinlich auch Einkaufende zum Teil Waffen auf sich tragen, ist es wirklich nur eine Frage der Zeit, bis unschul- dige Einwohner ernsthaft gefährdet sind. Muss es, so frage ich die Regierungen von Stadt und Kanton Zürich sowie diejenige des Bundes, wirklich Opfer geben? Denn verantwortlich für Leib und Leben der Bevölkerung ist noch immer der Staat bzw. dessen Regierung.
Die Polizei wird im Kreis 5 ausgelacht und gefoppt. Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass es Dealer gibt, die der Polizei de- monstrativ-herausfordernd zuwinken.
Im heutigen «Tages-Anzeiger» ist zu lesen, dass die Dealer am Samstag einem Demonstrationszug von etwa 50 Personen, die gegen die Verhältnisse im Quartier demonstrierten, zuge- klatscht haben. Es heisst hier: «Bei den über 50 Demonstran- tinnen und Demonstranten herrschten nach dem Umzug aller- dings Wut- und Ohnmachtgefühle vor.» Man kann sich vorstel- len, wie frustriert die Bewohner dieser Gegend sind.
Dass die Ordnungshüter - die Polizei - im Kreis 5 von den De- linquenten nur ausgelacht und gefoppt werden und dass Ar- beitnehmer, Gewerbetreibende, Schüler, Fussgänger und An- wohner ihres Lebens nicht mehr sicher sein können, ist ein Zeichen von höchster Alarmstufe und lässt den Regierungen, die jetzt konferieren, keine Zeit mehr; es muss unverzüglich gehandelt werden.
Da alle drei Regierungen miteinander reden, habe ich meine Interpellation auf dieser Ebene formuliert
Ich habe vier ausführliche Fragenblöcke formuliert und möchte, abgekürzt, je eine Fragestellung wiederholen, damit man sich bewusst ist, um welche Fragen es geht.
Ist es wirklich so schwierig, miteinander zu reden, also Bund, Kantone und Stadt Zürich? Hat man nach all den Jahren des Zuschauens noch immer keinen Konsens bezüglich der Beurteilung der Lage?
Ist der Bundesrat nicht auch der Meinung, dass sofort ge- handelt werden muss?
Welche Massnahmen muss der Bund ergreifen? Ihm stellen sich sicher entscheidende Fragen, auch in bezug auf andere Kantone, die heute - das geben sie zu - davon profitieren, dass Zürich eine Drogenszene hat. Deshalb scheint es mir wichtig, dass wir hier miteinander reden und diskutieren kön- nen, dass die anderen Kantone auch offen zugeben, dass sie bis jetzt von der Situation in Zürich profitiert haben.
Wie sieht es für die Finanzierung der Umsetzung eines kurz- fristig angelegten Sofortkonzeptes aus?
Ich sage ganz offen, dass ich von diesem Rat, vom Ständerat, eine freundeidgenössische Unterstützung erwarte, denn noch immer wird die dramatische Situation am Letten und am Lim- matplatz nicht als ein nationales Problem erkannt, das ist aber das Entscheidende. Ich habe schon vor zwei Jahren gesagt, dass in Zürich ein nationales Problem besteht, und ich habe es auch vor einem Jahr deutlich gesagt. Ein solches nationales Problem muss gemeinsam, in einer konzertierten Aktion, ge- löst werden, und zwar nicht in einem Jahr, auch nicht in einem halben Jahr, sondern jetzt. Ich fordere deshalb den Bundesrat auf, in den Unterredungen mit Stadt und Kanton Zürich auf ein rasches Handeln hinzuwirken. Es gibt keinen Grund, nicht so- fort zu handeln, hingegen braucht es vielleicht ein bisschen Mut.
Nun werden Sie mir vielleicht entgegenhalten, dass in den letzten Wochen doch einiges geschehen sei. Bund, Kanton und Stadt Zürich hätten sich zu einer Projektorganisation zu- sammengetan. Das war sicher ein erster Erfolg, das darf man sagen. Es war auch ein gewisser Erfolg, dass man sich dar- über einig ist - allgemein, nicht nur zwischen diesen Regie- rungen -, dass man nicht nur eine einseitige Lösung treffen soll. Man ist sich darüber einig, dass heute ein Multipack ge- schnürt werden muss, um wirkliche Ergebnisse erzielen zu können.
Im Moment aber herrscht eine gewisse Funkstille. Der Bun- desrat hat heute getagt, und ich werde hören, was er be- schlossen hat. Aber bis zum heutigen Zeitpunkt war eine ge- wisse Funkstille zu verzeichnen. Es ist unglaublich, mit wel- cher Ruhe man die ganze Tragik, das Elend und die Bedro- hung akzeptiert und hinnimmt. Man könnte meinen, man hätte bis jetzt nicht gehört, dass es in Zürich so ist, wie es ist. Dabei habe ich schon im Sommer 1992 in der Interpellation 92.3127, Drogensituation und Politik des Bundesrates, und letztes Jahr in der Motion 93.3120, Revision des Asylgesetzes, auf die kata- strophale Situation hingewiesen. Einige meiner Kollegen ha- ben hier ebenfalls Vorstösse eingereicht, und es wurde ver- schiedentlich darüber diskutiert.
Sie, Frau Bundesrätin Dreifuss, aber auch Herr Bundesrat Kol- ler haben den Letten besucht. Ich behaupte zwar, dass Sie - weil Sie das offiziell gemacht haben - eigentlich nur die Hälfte gesehen haben. Ich bin vor einem Jahr in einer Nacht - beglei- tet von der Kripo, aber ohne Tamtam - in den Kreis 5 gegan- gen und habe mir die Situation angeschaut. Ich habe dort er- lebt, was sich in gewissen Restaurants abspielt, die nur mit Dealern voll besetzt sind, also ohne einen einzigen Drogen- süchtigen. Ich kann heute sagen: Als einfacher Fussgänger unter diesen skrupellosen Kriminaltouristen oder überhaupt unter den Dealern aufzutreten ist alles andere als angenehm, und man hat gehörig Angst.
Es genügt nun nicht mehr, dass man eine Projektorganisation Massnahmen diskutieren lässt; diskutiert wurde meines Erachtens schon genug, aber es wurde nicht gehandelt. Am vergangenen Freitag - das erzähle ich nur, damit man sieht, was in der neusten Zeit passiert ist - wurde nun der Aufgang vom Letten zur Kornhausbrücke verriegelt. Damit ist für die Dealer der Weg zwischen der Tramhaltestelle Limmatplatz und der «Szene» abgeschnitten. Dahinter steht irgendeine Ab- sicht, und die will ich auch nicht kritisieren, weil ich für Handeln bin, aber ich möchte auf die Konsequenzen hinweisen: Die Dealer und die «Szene» sind nun überall verstreut anzutreffen, und die Aggressivität hat sich einmal mehr gesteigert. Diese Begebenheit zeigt, dass Massnahmen koordiniert und Schlag auf Schlag zu erfolgen hätten. Man muss das Ganze mit einer einheitlichen Konzeption anpacken. Wenn das nicht passiert, dann haben die Dealer immer wieder die Möglichkeit, sich zu arrangieren und zu organisieren, und die Gefahr für die Bevöl- kerung wächst noch mehr an, gerade in diesen diffusen Zwi- schenzeiten.
Ich weise im weiteren darauf hin, dass sich das organisierte Verbrechen - das habe ich auch vor zwei Jahren und vor ei- nem Jahr gesagt - im Kreis 5 niedergelassen und eine beacht- liche Infrastruktur aufgebaut hat. Wohnungen sind besetzt durch das organisierte Verbrechen, mehr als eine Wohnung; in verschiedenen Restaurants wurden die Belegschaften zu- gunsten des organisierten Verbrechens ausgewechselt. Es müssen überall immer wieder Schutzgelder gezahlt werden, auch das ist bekannt. Aber wir verabschieden hier Gesetze zur Bekämpfung des organisierten Verbrechens, während es in Zürich wuchert und die Behörden aller Stufen zuschauen. Man kann ohne weiteres behaupten, dass ein Teil der Stadt Zürich vom organisierten Verbrechen beherrscht wird. Man sagt, es sei nicht genügend Polizei da, und an Gefängnisplät- zen fehle es auch. Doch da lese ich, dass der Kanton Aargau Gefängnisplätze offeriert, und jedermann weiss, dass durch interkantonale Hilfe sowohl genügend Polizeikräfte wie auch die entsprechenden Gefängnisplätze zur Verfügung stehen könnten. Ich möchte allen Kantonen danken, die ihre Hilfe zur Verfügung stellen.
Herr Bundesrat Koller hat vor einigen Wochen, um ein weiteres Beispiel zu nennen, am Fernsehen erklärt, Zürich könne sel- ber Notrecht zur Anwendung bringen. Regierungsrat Moritz Leuenberger präsentierte darauf am Fernsehen ein Gutach- ten, und er sagte, dass in Zürich nicht von einer Notlage ge- sprochen werden könne. Damit haben wir wieder eine un- durchsichtige Situation, und gehandelt wird auch nicht. Wenn wir hundert Pro und Kontra haben, dann schaut man letztlich nur zu und handelt nicht, und ich frage mich allen Ernstes und stelle das hier in den Raum: Muss es wirklich zu einer Katastro- phe kommen?
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Ich bitte deshalb den Bundesrat, meine Fragen zu beantwor- ten, und ersuche noch viel mehr darum, dass endlich einge- griffen, durchgegriffen und gehandelt wird und dass der Bun- desrat seinen Einfluss geltend macht.
Dreifuss Ruth, conseillère fédérale: Je me contenterai de ré- pondre aux quatre questions posées par Mme Weber Monika dans son interpellation urgente. M. Koller, conseiller fédéral, pourra alors d'une façon plus générale répondre à des ques- tions ciblées, en particulier sur les problèmes de maintien de l'ordre.
La première réponse du Conseil fédéral concerne les respon- sabilités en matière de répression des actes illégaux en rap- port avec les stupéfiants ainsi que l'aide aux toxicomanes, qui sont réglées par la loi fédérale sur les stupéfiants (LStup). Se- lon cette loi, l'exécution relève effectivement de la compétence des cantons. La Confédération, aux termes de l'article 15c de la LStup, assume des fonctions de soutien et de coordination. J'aimerais donc dire très clairement que ce dont il s'agit ici, c'est du soutien que la Confédération peut apporter aux autori- tés locales et cantonales et de la coordination qu'elle peut ap- porter avec les autres cantons.
Compte tenu de cette répartition des tâches, la Confédération s'impose une certaine réserve face à la situation sur le plan de la drogue à Zurich. Les entretiens que la Délégation du Conseil fédéral pour les questions de drogue a eus le 22 août 1994 avec la délégation de la Ville et du canton de Zurich ont porté principalement sur l'analyse de la situation actuelle à Zu- rich et la marche à suivre en vue de constituer une organisa- tion commune de projet. Il faut souligner que ces entretiens ont été les premiers à se tenir dans cette composition. Des entretiens au sujet de la drogue ont déjà eu lieu par le passé entre des représentants de la Ville et du canton de Zurich et certains membres du Conseil fédéral; ils avaient pour objet des questions spécifiques au département Je considère donc que cet entretien du 22 août 1994, de même que la constitu- tion trois mois auparavant de la Délégation du Conseil fédéral pour les questions de drogue, est un pas important dans l'inté- gration des différents éléments de la politique en matière de drogue, une politique à la fois interdépartementale et qui veut aussi coordonner les instruments des trois niveaux de compé- tence.
Deuxièmement, le Conseil fédéral est lui aussi de l'avis que la situation à Zurich a pris une ampleur qui n'est plus tolérable. C'est pourquoi il s'est déclaré prêt à mettre en place, en colla- boration avec les autorités de la Ville et du canton de Zurich, une organisation de projet dont le but est de faire disparaître la scène ouverte de Zurich, d'empêcher l'apparition de nouvel- les scènes analogues ainsi que de prendre des mesures vi- sant à réduire les problèmes liés à la drogue à Zurich et dans les cantons avoisinants.
Ce matin, le Conseil fédéral a arrêté sa réponse à une lettre de la délégation «Drogue» de Zurich, que nous avons reçue à la mi-septembre. Il se déclare prêt à contribuer, dans les limites de ses compétences, à réduire les problèmes liés à la drogue dans la région de Zurich. Vous avez reçu une copie de cette ré- ponse et vous voyez sur quels points le Conseil fédéral ap- porte une aide immédiate, sur quels points son aide sera éche- lonnée dans le temps; enfin vous avez pu voir quelles sont les demandes de Zurich auxquelles il ne peut répondre.
Contrairement à ce qu'affirment l'auteur et les cosignataires de l'interpellation urgente - et c'est ma troisième réponse -, j'y attache beaucoup d'importance. L'extension des essais de prescriptions médicales de stupéfiants, que nous avons éga- lement décidée ce matin en modifiant l'article 11 de l'ordon- nance sur les stupéfiants, ne constitue pas une mesure de for- tune pour résoudre les problèmes du Letten. Un plan élargi des essais scientifiques est à l'étude. Le nombre de places supplémentaires qui seront incluses dans les nouveaux essais sera déterminé par des considérations d'ordre scientifique; il est bien sûr souhaitable que cette extension puisse contribuer à ce que la situation se détende pour certaines des personnes actuellement piégées dans la scène du Letten, en leur offrant une alternative, mais ceci n'est pas l'objectif de la décision qui a été prise ce matin.
Si l'on veut étendre la prescription médicale de stupéfiants au-delà du cadre de la recherche scientifique, il faudrait, comme le relèvent justement les auteurs de l'interpellation, ré- viser la LStup. Un groupe d'experts sera constitué ces pro- chains jours en vue d'examiner cette question et de préparer cette révision. Le Conseil fédéral n'est pas prêt, pour le mo- ment, à autoriser une extension de la remise de stupéfiants sous contrôle médical qui dépasserait le cadre des essais scientifiques. Le nombre de ces essais n'est pas fixé dans l'or- donnance, mais le Conseil fédéral entend très clairement affir- mer ici que l'ordre de grandeur ne pourrait pas dépasser 1000 participants à des expériences de distribution d'héroïne. Je tiens à dire que ce matin le Conseil fédéral a aussi décidé une extension de sa participation aux projets thérapeutiques: il est évident que nous devons veiller à la cohérence entre les différentes mesures et à un meilleur équilibre entre une appro- che de thérapie visant à la sortie de la drogue et une approche qui se limite à l'aide à la survie ou qui s'attaque aux activités illi- cites, en veillant à une répression adéquate.
Quatrième question et quatrième réponse: le Conseil fédéral est lui aussi de l'avis que les problèmes qui se posent actuelle- ment à Zurich ne pourront être résolus que par un ensemble de mesures coordonnées dans les domaines de la répression, du traitement et de la prise en charge, mais aussi de la préven- tion, laquelle reste la priorité absolue de nos activités.
La responsabilité de la définition concrète des mesures concernant Zurich et le Letten, y compris le calendrier des mesures à prendre, incombe à la direction du projet à Zurich. Celle-ci est en train d'établir, en étroite collaboration avec les représentants de la Confédération au sein de l'organisation de projet, un plan détaillé de la marche à suivre. Dans ce sens-là, les compétences sont respectées, mais la volonté de soutien et de coordination de la Confédération est pleine- ment assumée.
Koller Arnold, Bundesrat: Wenn ich die Interpellantin richtig verstehe, so geht die Hauptfrage dahin, warum der Bund in Zürich nicht früher tätig geworden sei. Hier muss ich klar an unsere föderalistische Kompetenzordnung erinnern, vor allem im repressiven Bereich, zu dem ich sprechen möchte: Im gan- zen Bereich der Polizei (Strafverfahren, Strafvollzug) liegen Verantwortung und Kompetenz eindeutig bei den Kantonen und nicht beim Bund. Der Bund muss zwar den Kantonen rechtzeitig die geeigneten Instrumente zur Verfügung stellen. Das haben wir gerade auch im repressiven Bereich gemacht. Aber nachher ist es Sache der zuständigen Kantone, diese Gesetze anzuwenden. Wir möchten hier nicht in Schuldzuwei- sungen machen, aber es ist festzustellen, dass diesbezüglich in Zürich leider allzulange ein klarer Handlungswille gefehlt hat Wir sind uns heute aber einig, dass es jetzt nicht mehr um Schuldzuweisungen geht, sondern dass wir den Blick nach vorne richten müssen und dass diese untolerierbaren Verhält- nisse in Zürich so rasch als möglich durch eine gemeinsame Aktion - unter Wahrung der verfassungsmässigen und gesetz- lichen Zuständigkeiten - zu beseitigen sind.
Im übrigen, Frau Weber Monika, kann auch aus meiner Sicht keine Rede davon sein, dass der föderale Dialog irgendwie zum Stillstand gekommen wäre. Natürlich üben wir eine ge- wisse Zurückhaltung, bevor wir intervenieren. Das verlangt un- ser föderalistisches Staatsverständnis. Kein Kanton hätte es gern, wenn der Bund intervenieren würde, ohne dass er wirk- lich angerufen ist. Hingegen haben wir gerade in diesem Herbst gezeigt, dass wir sehr rasch zu handeln bereit sind und freundeidgenössische Unterstützung leisten, wenn ein ent- sprechendes Gesuch eines Kantons vorliegt Ich möchte das anhand einiger weniger Beispiele zeigen:
Als mir beispielsweise Herr Regierungsrat Homberger im De- zember 1991 schrieb und auf die wachsenden Probleme mit Asylbewerbern in der Drogenszene hinwies, war das für mich ein Grund, ihm sofort zu schreiben, dass wir hier zweifellos ge- wisse völkerrechtliche Schranken, nämlich das Non-refoule- ment-Gebot, zu beachten hätten, dass wir aber alles tun wür- den, um dieses Problem in den Griff zu bekommen. Ich habe damals sofort Herrn Professor Trechsel mit einem Gutachten beauftragt, um die zusätzlichen Handlungsmöglichkeiten ge-
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genüber Asylmissbrauch und Kriminaltourismus zu eruieren. Ich habe dann eine entsprechende Expertenkommission ein- gesetzt, und - Sie wissen es - das Resultat dieser Arbeiten ist das Bundesgesetz über Zwangsmassnahmen im Ausländer- recht, das jetzt leider durch das Referendum verzögert ist, hof- fentlich aber die Abstimmung im Dezember 1994 erfolgreich bestehen wird, so dass es so rasch als möglich in Kraft gesetzt werden kann.
Auch als mich Herr Stadtpräsident Estermann im November letzten Jahres zu einem Augenschein in Zürich eingeladen hat, habe ich dem raschestmöglich Folge gegeben. Diesen Augenschein habe ich dazu genutzt, um mit allen kantonal zu- ständigen Behörden die nötigen Gespräche zu führen.
Auch als aus Zürich der Hilferuf wegen fehlender Haftplätze kam, hat sich der Bund ausserordentlich grosszügig gezeigt. Trotz der bedenklichen Finanzlage des Bundes haben wir uns bereit erklärt, das interkantonale Ausschaffungszentrum, das in Zürich errichtet werden soll, voll zu finanzieren, gegen alle Gebräuche, die sonst auf dem Gebiete des Gefängniswesens gelten. Dies geschah, weil wir eingesehen haben, dass das er- wähnte Bundesgesetz nicht rechtzeitig umgesetzt werden könnte, wenn der Bund keine ausserordentliche Leistung er- bringt - übrigens nicht nur für Zürich, sondern anerkannter- massen auch für die anderen Kantone.
Im Bereich der Strafvollzugsprobleme waren wir Zürich auch in anderer Hinsicht behilflich: einmal durch die Subventionie- rung des Neubaus der Strafanstalt Regensdorf, dann auch durch die Subventionierung mehrerer Bezirksgefängnisse. Wir haben zudem entsprechenden Gesuchen von Zürich, bei- spielsweise die Halbgefangenschaft von heute 6 Monaten auf 12 Monate auszudehnen, sofort zugestimmt. Wir haben auch im Bereich Modellversuche entsprechende finanzielle Bei- träge geleistet Wir haben wirklich alles Mögliche getan, um Zürich in seiner schwierigen Lage zu helfen.
Von einem Zusammenbruch des föderalistischen Dialogs kann angesichts dieser Tatbeweise wirklich nicht die Rede sein. Aber es braucht einen entsprechenden Handlungswillen der zuständigen Zürcher Behörden.
So bedenklich die Exzesse im August - und im ganzen Som- mer dieses Jahres - waren, hatten sie doch eine positive Wir- kung: Zwar besteht zwischen den zuständigen Behörden in bezug auf die Lösung der Drogenprobleme sicher noch keine Unité de doctrine, aber es ziehen jetzt wirklich alle am gleichen Strick. Das haben wir mit den Beschlüssen, die wir heute ge- fasst haben, wirklich ganz klargemacht. Ich bin sehr froh dar- über, dass beispielsweise auch die Exekutivbehörden in Zü- rich klar sagen, sie bräuchten dieses Bundesgesetz über Zwangsmassnahmen im Ausländerrecht, wenn sie in Zürich wieder rechtsstaatliche Verhältnisse herstellen wollten.
Weber Monika (U, ZH): Die Fragen wurden durch Frau Drei- fuss und durch Herrn Koller beantwortet, und ich denke, dass sie befriedigend beantwortet wurden, selbst wenn mich die Si- tuation nach wie vor nicht befriedigt.
Zu Punkt 3 möchte ich sagen, dass mich der heute vom Bun- desrat gefällte Beschluss, die ärztlich kontrollierte Abgabe weiterhin auf wissenschaftliche Versuche zu beschränken, nicht ganz befriedigt, weil ich meine, dass man sie ausweiten sollte. Darüber möchte ich aber keine Diskussion führen, weil es mir mehr darum ging, die Frage des Handlungsbedarfs in den Raum zu stellen.
Ich bin froh, dass Herr Bundesrat Koller gesagt hat, wir zogen jetzt am gleichen Strick. Das ist ein positiver Schritt. Wir hätten aber - und der Meinung bin ich nach wie vor - schon vor zwei, drei Jahren am gleichen Strick ziehen sollen. Wir wollen aber keine Schuldzuweisungen mehr machen. Wir sind froh, wenn wir jetzt in die gleiche Richtung gehen.
Aber ich möchte klar sagen: Wenn ich höre, was alles gemacht wurde, muss dabei aber auch festgehalten werden, dass alles mit einer unglaublichen Ruhe gemacht wurde. Was ich mir wünsche, ist, dass die Behörden ein bisschen mehr Nerv dafür entwickelten, was in diesem Quartier geschieht. In dem Punkt bin ich mit der Antwort der beiden Bundesräte nicht zufrieden. Ich denke, es bleibt dabei: Man muss überzeugt davon sein, dass rasch zu handeln ist, weil die Bevölkerung etwas erwar-
tet Ich weiss, dass die Sache komplex ist, aber die Sache ist schon lange komplex, und es sind genügend Lösungsvor- schläge da, um nun Zug um Zug zu handeln.
In diesem Sinne erkläre ich mich teilweise befriedigt, und ich möchte Diskussion beantragen, weil ich weiss, dass verschie- dene meiner Kolleginnen und Kollegen noch das Wort ergrei- fen möchten.
Präsident: Frau Weber erklärt sich teilweise befriedigt und be- antragt Diskussion. - Sie sind damit einverstanden.
Onken Thomas (S, TG): Der Präsident hat mir in meiner Eigen- schaft als Leiter der Subkommission Drogenpolitik der stände- rätlichen Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) das Wort erteilt. Die SGK hat diese Subkommission ein- gesetzt mit dem Auftrag, einerseits eine vertiefte Analyse vor- zunehmen und dieses Problem ernsthaft und intensiv zu bear- beiten, andererseits aber auch, um rascher reagieren zu kön- nen, um noch handlungsfähiger zu werden.
Gerade in der Eigenschaft als Leiter dieser Subkommission möchte ich in unserer Diskussion den Ton anschlagen, der einzig der zugespitzten und zutiefst beunruhigenden Situation angemessen ist, nämlich den Ton der Besonnenheit und des Masses, aber auch der Entschlossenheit zum verantwortli- chen Handeln. Ich bin zuversichtlich, dass unsere ständerätli- che Aussprache auf dieser Grundlage verläuft. Die schrillen Anklagen und Schuldzuweisungen, von denen auch Sie, Herr Bundesrat Koller, soeben gesprochen haben, überlassen wir mit Bedauern der grossen Kammer, im Wissen, dass sie auch dort besser unterblieben.
Nicht dass in der Drogenpolitik keine Fehler gemacht worden wären, keine Versäumnisse zu beklagen sind. Es gibt ihrer in der Tat zahlreiche, und jeder sieht sie aus seiner Optik ir- gendwo anders. Die Unterlassungen haben die politisch Ver- antwortlichen aller Stufen, also auch uns, in den Misskredit der Unfähigkeit gebracht. Sie haben unserer Glaubwürdigkeit und der staatlichen Autorität geschadet. Bloss: Die Suche nach den Schuldigen und das gegenseitige Vorwürfemachen brin- gen uns einer Linderung, einer Verbesserung der akuten Si- tuation kein Jota näher. Von einer eigentlichen Lösung will ich schon gar nicht sprechen.
Wir sind an einem Punkt angelangt, wo endlich die Parteipoli- tik in ihrer vordergründigsten und zweifelhaftesten Spielart zu- rückzutreten hat. Die Not der Süchtigen und die Verzweiflung der Bevölkerung sind derart bedrückend, dass es die Redlich- keit und das Verantwortungsgefühl verbieten, aus politischem Kalkül Emotionen zu schüren, wie das immer noch geschieht, und aus all dem Elend allenfalls noch billiges Kapital zu schla- gen. Gefordert ist vielmehr, was man in der Bundesrepublik Deutschland vielleicht etwas dramatisch, aber nicht ganz un- zutreffend den «Schulterschluss der Demokraten» nennt, nämlich das Zusammenrücken aller Kräfte guten Willens, un- geachtet föderalistischer Prinzipien und Zuständigkeiten, um einer Herausforderung zu begegnen, die das Vermögen einer einzelnen verantwortlichen Ebene oder einer einzelnen politi- schen Kraft bei weitem übersteigt. Nur gemeinsame Anstren- gung, nur gemeinsames Handeln, abgestützt auf einen die Kräfte sammelnden, mehrheitsfähigen Aktionsplan, vermö- gen etwas zu bewegen und Hilfe zu bringen.
Für Extreme ist darin kein Platz. Der dritte Weg ist zwar noch nicht verbindlich ausgestaltet, doch - soviel scheint schon heute gewiss zu sein - das Heil wird weder in einer schranken- losen Liberalisierung noch in einer rigorosen Repressionspoli- tik liegen. Das Machbare kann vielmehr nur eine intelligente, vernünftige Mischung verschiedener Ansätze aus Prävention, Therapie, sozialer Integration und aktiver Bekämpfung sein.
Der Kanton und die Stadt Basel haben uns dazu Anschau- ungsmaterial, Praxiserfahrung und Perspektiven geliefert, auch in ihrem Vorgehen mit der Institution der «runden Tische», die ein Klima des Verständnisses und des Vertrau- ens aufgebaut haben. Das ist die unerlässliche Grundlage al- len konstruktiven Handelns, gerade in einem so zerfahrenen und anfälligen Gebiet, wie die Drogenpolitik eines ist. Kollege Plattner wird uns aus eigener Erfahrung dazu wohl noch et- was sagen.
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Das Beispiel Basel beweist aber auch, dass nur Gemeinsam- keit zum Ziel führt. Dieser gemeinsame Wille zum Handeln fehlte lange Zeit. Er fehlte vorab, das muss ich Frau Kollegin Weber doch sagen, in der Stadt und im Kanton Zürich. Dort hätte schon vor Jahren, viel früher also, zu einer grösseren Ge- schlossenheit gefunden werden müssen, sowohl im städti- schen Bereich, wo sich die politische Behörde nicht einig war, als auch im Verhältnis zwischen der Stadt und dem Kanton. Dieser Wille fehlte aber, bei aller Würdigung der föderalisti- schen Kompetenzordnung, lange Zeit auch auf der Ebene des Bundes. Ich erinnere nur daran, wieviel politischen Druck es gebraucht hat, um den Bundesrat von seiner Koordinations- und Führungsaufgabe auf diesem Gebiet zu überzeugen; Stichwort Motion Bühler Robert (90.411, Koordinierte Drogen- politik). Es gibt auch jetzt noch Schwachstellen, die eliminiert, und Lücken, die gefüllt werden müssen. Die Drogendelega- tion, die der Bundesrat geschaffen hat, und die Projektorgani- sation Bund, Kanton und Stadt Zürich sind späte, aber gute und unterstützenswerte Ansätze, von denen wir hoffen, dass sie zum Tragen kommen.
Doch diese Achse Bern-Zürich genügt nicht. Wer das Drogen- elend der Stadt Zürich als ein nationales Problem begreift, muss alle Partner in die Verantwortung einbinden, auch die immer noch scheinbar unbeteiligten und unbetroffenen Kan- tone und Gemeinden. Es gibt immer noch zu viele, die so tun, als ob sie der Letten nichts anginge, die halbherzig oder gar ein wenig schadenfroh abseits stehen und ihre eigenen heim- geholten Drogenkranken mehr oder minder tatenlos wieder und wieder nach Zürich ziehen lassen. Diese Haltung muss sich noch stark ändern. Um das Bewusstsein dafür zu schaf- fen, das Bewusstsein für die Mitverantwortung und das Mittra- gen einer gemeinsamen Strategie, hat der Bundesrat ganz entschiedene Impulse zu geben. Er muss die Verantwortli- chen um sich sammeln und sie aus der Not heraus und in freundeidgenössischer Solidarität auf eine einheitliche Vorge- hensweise einschwören. Ich glaube, dazu ist eine Initiative nö- tig; mit dem reinen «soutien» oder mit der blossen Koordina- tion ist es nicht getan. Koordination und Führung liegen ohne- hin schon nahe beieinander, doch in der Richtungsweisung muss der Bundesrat, muss der Bund noch aktiver werden. Wenn nicht wirklich jeder seinen Part übernimmt und seine Aufgabe erfüllt, wird sich die offene Szene in Zürich nicht we- sentlich verkleinern, geschweige denn dauerhaft auflösen las- sen. Wer diese Auflösung ultimativ fordert, von einem Tag auf den anderen sozusagen, wird sich zunächst einmal fragen las- sen müssen, wie es denn in seinem Kanton um die Auffang- strukturen bestellt ist, ob etwa eine dezentrale Drogenabgabe möglich ist, ob Betreuungseinrichtungen und ein soziales Netz bestehen, das die Drogenkranken wirklich tragen, ihnen Rückhalt geben kann. Denn für viele dieser Hoffnungslosen und Elenden ist der Letten, der Sozialraum Letten sozusagen, noch das letzte Stück menschlicher Bindung und Geborgen- heit. Ihn einfach zerschlagen zu wollen, ohne einen Ersatz da- für zu haben, geht nicht an. Pfarrer Sieber hat uns mit seiner Motion 93.3370, Selbsthilfedorf für ausstiegswillige Drogenab- hängige, die im Nationalrat gutgeheissen wurde, einen mögli- chen Weg aufgezeigt.
Es wird hier grosse Anstrengungen brauchen, um Ersatz zu schaffen, um dieses Auffangnetz in allen beteiligten Kanto- nen zu knüpfen. Ohne die koordinierende und unterstüt- zende Haltung und die Mithilfe des Bundes wird dies kaum gelingen.
Eine Sofortlösung, eine «Jetzt-Handeln-Lösung», ist unter die- ser Voraussetzung eigentlich nicht möglich. Wir haben ja bei der Platzspitz-Auflösung gesehen und die bittere Lehre ge- macht, wohin ein solches Vorgehen führt, wenn es nicht abge- sichert und wirklich systematisch geplant und vorbereitet ist. Die Subkommission Drogenpolitik hat den Appell an den Bun- desrat gerichtet, mit einer Drogenkonferenz nicht zuzuwarten, sondern möglichst bald eine solche Initialzündung zum ge- meinsamen Handeln zu geben, denn jeder Tag, den wir im Ne- beneinanderher verlieren, das es trotz des Dialogs, der nicht abgebrochen ist, immer noch gibt, ist ein Tag zuviel.
Frau Weber wird fragen: Dauert das nicht alles viel zu lange? Sie fordert ein sofortiges Handeln. Ich verstehe diese Beunru-
higung und auch ihre Ungeduld. Aber dieses Handeln muss auf alle Fälle vorbereitet, geplant, in sich kohärent sein.
Ich bin der Meinung, dass die jetzt schon bestehenden Hand- lungsspielräume besser ausgereizt und dezidierter genutzt werden müssen. Da liegt überall, auf allen Stufen, mehr Kon- sequenz drin. Wer höheren Orts mehr Durchschlagskraft for- dert, der beweise mit den bereits bestehenden Möglichkeiten seine eigene, indem er konsequent an die Grenzen geht. Der Bundesrat hat heute mit einigen Entscheiden, für die ich dank- bar bin, einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet.
Kurzfristig müssen wir mit den bestehenden rechtlichen Grundlagen zu Rande kommen. Notrecht zu fordern, mit dem wir wahrscheinlich schon im Parlament scheitern, wo doch oh- nehin mit den dringlichen Massnahmen im Ausländerrecht die entsprechenden Instrumente demnächst vorliegen werden, oder Gesetzesänderungen zu verlangen, so nötig sie sind (ich denke an Artikel 8 Betäubungsmittelgesetz), das bringt kurzfri- stig keine Linderung, das schafft kurzfristig keine Hilfe. Nur das Zusammenrücken und die bessere Ausschöpfung der be- stehenden Spielräume und Energien sind der erfolgverspre- chende Weg.
Ich fasse in fünf Punkten zusammen:
Der Zürcher Letten ist ein nationales Problem; wir tragen da- für alle gemeinsam Verantwortung, und niemand kann sich von dieser Verantwortung ausschliessen.
Es braucht eine gemeinschaftliche Anstrengung im Rah- men eines national abgestimmten Aktionsplanes. 26 verschie- dene kantonale Drogenpolitiken taugen dafür nicht.
Der Bund hat eine Führungs- und Koordinationsaufgabe wahrzunehmen. Nur von ihm können die übergreifenden Im- pulse ausgehen. Und, wie gesagt: Die Position des «soutien», der blossen Unterstützung, genügt nicht.
Wir müssen nach Möglichkeit überall die parteipolitischen Hitzköpfe in die Schranken weisen und vermehrt erfahrene Pragmatiker an den Lösungen beteiligen.
Wir sollten uns nicht vorab um neue rechtliche Grundlagen streiten - die brauchen Zeit -, sondern kurzfristig die beste- henden konsequenter und bis an die Grenzen des Möglichen nutzen.
Seiler Bernhard (V, SH): Im Brief der Zürcher Regierung an den Bundesrat wird unter den kurzfristigen Massnahmen ge- genüber Drogenabhängigen unter anderem verlangt, dass sich auch die umliegenden Kantone beteiligen und bei der Lö- sung mitmachen. Auch Kollegin Monika Weber hat heute an die Nachbarkantone appelliert, dass sie zu einer Lösung bereit sein sollten, weil in Zürich nicht nur Zürcher zu betreuen seien, sondern auch Leute aus anderen Kantonen.
Die Stadt Schaffhausen ist spätestens in ein, zwei Monaten be- reit, ihre Drogenabhängigen aus Zürich zurückzunehmen und für diese selbst zu sorgen. Die Stimmbürgerinnen und Stimm- bürger der Stadt Schaffhausen haben nämlich am 26. Sep- tember 1994 einem vom Stadtrat ausgearbeiteten Drogenkon- zept zugestimmt. Damit ist Schaffhausen die bisher einzige Schweizer Stadt, die einer Tagesstruktur mit Injektionsraum zugestimmt hat. Die Abstimmung ist knapp positiv ausgegan- gen; aber man hat im Vorfeld immer gesagt, das habe keine Chance. Die Schaffhauser haben dem Konzept zugestimmt und dafür einen Kredit von nicht ganz 400 000 Franken für die beiden ersten Jahre bewilligt. Damit kann nun der Versuch - der vom Bundesrat bereits bewilligt ist - für 25 Schwerstab- hängige offiziell Drogen abzugeben, gestartet werden.
Ursprünglich war in Schaffhausen vorgesehen, dass man Morphin abgäbe. In der Zwischenzeit hat man die Meinung geändert; es wird wahrscheinlich auch Heroin abgegeben werden. Sie haben gehört: Morphin kann bei den Drogenab- hängigen gewisse Schwierigkeiten verursachen. Aber man weiss auch, dass die Drogenabhängigen kein Morphin wollen. Sie, d. h. diejenigen, die für einen solchen Versuch überhaupt in Frage kommen, wollen Heroin.
Ich selber bin der Meinung, dass dieser Modellversuch in der Grössenordnung gemacht werden sollte, wie er vorgesehen war. Es waren bisher 250 Plätze vorgesehen; es sind noch lange nicht alle besetzt. Aber diese Grössenordnung galt als Modellversuch, der von Wissenschaftlern begleitet und der
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am Ende auch ausgewertet werden sollte. Ich habe Mühe da- mit, dass der Bundesrat heute beschlossen hat, diesen Mo- dellversuch von 250 auf 700, 800, 900 oder gar 1000 Drogen- abhängige auszuweiten. Ich zweifle, ob man einen solch gros- sen Haufen - es ist kein Modellversuch mehr, sondern ein Massenversuch - überhaupt ordentlich begleiten kann und ob tatsächlich noch seriöse Resultate herauskommen. Mir ist klar, dass man mit dieser Ausdehnung von 250 auf, sagen wir einmal, 1000 Personen, die in diesen Versuch einbezogen werden sollten, den Weg des geringsten Widerstandes gegan- gen ist. Ich befürchte, dass damit eine erste Türe zu einer freien Drogenabgabe durch die Behörden aufgemacht wor- den ist. Das passt mir entschieden nicht.
Wir haben auch feststellen können, wie einmal mehr die Mei- nungen - vielleicht im Bundesrat, aber auch beim Bundesamt für Gesundheitswesen - innerhalb kurzer Zeit geändert wer- den. Noch Mitte August konnte man lesen, dass der Bundes- rat die Heroinabgabe erst dann ausweiten wolle, wenn die lau- fenden Modellversuche ausgewertet seien. Nun haben wir ge- sehen, dass kaum ein halbes Jahr nach Versuchsbeginn be- reits eine Ausweitung stattgefunden hat. Das passt mir eigent- lich nicht. Ich meine auch, dass der Versuch mit Heroin zuerst einmal abgeschlossen werden sollte - was der Bundesrat ur- sprünglich vorgesehen hatte - und erst dann neue, zusätzli- che Schritte unternommen werden dürften.
Eine Liberalisierung der Drogenpolitik löst das Problem über- haupt nicht. Dass das Gegenteil der Fall ist, hat Schweden be- wiesen. Eine Lockerung liess dort nicht nur die Anzahl der «Drögeler» rasch ansteigen, vor allem stiegen sehr viele junge Leute ein, und interessanterweise gingen auch die von Dro- genkonsumenten begangenen Verbrechen während dieser Zeit nicht zurück. Das war in den siebziger Jahren. Anfang der achtziger Jahre hat man in Schweden dann geschaltet. Ein schwedischer Drogenfachmann, der die Sache sicher à fond kennt, Johan Danielsson, hat zu dieser Liberalisierung gesagt, man müsse es möglichst schwierig und gefährlich machen, Drogen zu nehmen. Das ist seine Meinung und heute auch die allgemeine Meinung in Schweden. Deshalb haben die Schwe- den 1979 ihre Gesetzgebung verschärft - nach ihren negati- ven Erfahrungen mit der Liberalisierung -, und heute streben sie als Ziel sogar eine drogenfreie Gesellschaft an. Das ist ein sehr hoch gestecktes Ziel; interessant ist, dass heute in Schweden alle Parteien dieses Ziel befürworten und unterstüt- zen. Ich betone: alle Parteien, weil Kollege Onken gesagt hat, bei uns werde man die Parteien nicht zu einer einheitlichen Meinung bringen. Er hat die SVP erwähnt. Wir wissen aber, dass die anderen drei Bundesratsparteien auch nicht gleicher Meinung sind, dass auch dort keine klare Linie vorhanden ist. Aber Schweden hat eine härtere Linie, und damit konnten sich alle Parteien einverstanden erklären.
Das Resultat in Schweden lässt sich sehen. Das Land hat heute mit der restriktiveren Handhabung und dem Gesetz, das verschärft worden ist, weniger Drogenabhängige. Man hat es fertiggebracht, dass es seit den achtziger Jahren in Schweden weniger Drogenabhängige gibt als noch während der soge- nannt freieren Zeit.
Diese restriktivere Methode hat also einiges gebracht. Wir müssen uns überlegen, ob wir dieses Modell nicht nur studie- ren, sondern ausprobieren und nicht nur den Weg des gerin- geren oder geringsten Widerstandes gehen sollten; ob wir also den Weg einer stärkeren und strengeren Handhabung der Gesetze, die wir bereits haben, gehen sollten.
Bekanntlich möchte man auch die sogenannt weichen Dro- gen freigeben - ich glaube, die SPS möchte gerne so weit ge- hen. Auch da sagen die Schweden ganz klar, dass der Weg zu harten Drogen immer über weiche Drogen führt. Also wäre es falsch, wenn man weiche Drogen freigeben würde.
Einen weiteren Beweis, dass härteres Zupacken und auch eine konsequentere Handhabung der bestehenden Gesetze das Malaise verringern, liefert uns auch die welsche Schweiz. Dort ist das Drogenproblem den Behörden nicht völlig entglit- ten, wie das im Kanton Zürich oder vor allem in der Stadt Zü- rich der Fall ist. An der Gesetzgebung kann es also in der Schweiz nicht liegen. In der welschen Schweiz und in der deut- schen Schweiz haben wir das gleiche Gesetz. Nach meiner
Auffassung fehlt aber bisher der politische Wille - man kann sagen, der politische Wille der Behörden, aber auch der politi- schen Parteien -, dem Gesetz Nachachtung zu verschaffen.
Ich frage mich auch, weshalb wir nicht vermehrt Erfahrungen, die an anderen Orten gemacht werden, prüfen und bei uns umzusetzen versuchen. Ich habe Schweden erwähnt. Wir wis- sen auch, dass die Gesetze bezüglich der Drogenpolitik in Frankreich strenger sind als bei uns und auch entsprechend strenger gehandhabt werden.
Wir sollten uns diese Ideen oder diese Zielrichtungen gründ- lich ansehen und daraus Lehren ziehen.
Ich möchte allen, die klare Wege suchen, um aus der verfahre- nen Situation herauszukommen - das ist gar nicht einfach -, eine Weisheit des Konfuzius in Erinnerung rufen. Diese trifft recht gut auf das zu, was wir machen oder in Zukunft machen sollten. Er hat vor zweieinhalbtausend Jahren gesagt: «Der Mensch hat dreierlei Wege, klug zu handeln: erstens durch Nachdenken, das ist der edelste, zweitens durch Nachahmen, das ist der leichteste, und drittens durch Erfahrung, das ist der bitterste.»
Bühler Robert (R, LU): Ich mache drei Bemerkungen, und in den ersten beiden Punkten übe ich auch Kritik. Auch in diesem Rat, glaube ich, ist es notwendig, dass man die Dinge beim Namen nennt.
Punkt 1: Wissen Sie noch, dass die GPK vor etwa drei Jahren bei der Behandlung des damaligen Geschäftsberichtes fest- stellte, dass sich der Bundesrat über Drogenpolitik, über die Drogenproblematik mit keinem Wort äusserte? Das Drogen- problem existierte damals für den Bundesrat einfach nicht. Wir riefen damals den Bundesrat auf - auch durch Vorstosse -, dem Problem in verschiedener Hinsicht mehr Beachtung zu schenken und das Betäubungsmittelgesetz in Revision zu zie- hen. Der Bundesrat hat seine Rolle in der Drogenpolitik spät, sehr spät wahrgenommen. Auf die Revision des Betäubungs- mittelgesetzes warten wir immer noch.
Punkt 2: Es geht zu weit, wenn man den Eindruck erwecken möchte, für das Versagen am Letten sei vor allem der Bundes- rat verantwortlich. Zürich hat die offene Szene geduldet. Zü- rich hat die Repressionsmöglichkeiten kaum wahrgenom- men. Zürich kümmerte sich nicht um genügend Gefängniszel- len. Zürich - selbstverständlich auch andere Kantone - tat zu- wenig für die Therapie. Zürich trägt für seine Laisser-faire-Poli- tik die Hauptverantwortung.
Punkt 3: Ich begrüsse den Mittelweg der Drogenpolitik. Ich be- fürworte die lange Kette von Massnahmen, wie Bekämpfung der Kriminalität, Prävention, Repression, fürsorgerischer Frei- heitsentzug, Therapien, Beratungen und Überlebenshilfe. Die Überlebenshilfe sollte aber das letzte Glied aller Massnahmen sein. Ich befürchte, dass der ärztlich kontrollierten Heroinab- gabe eine zu grosse Bedeutung beigemessen wird. Sie darf nach meiner Meinung nur für einen kleinen Teil der Drogenab- hängigen, für die Schwerstsüchtigen, Anwendung finden. Die anderen Massnahmen - es sind vorwiegend kantonale Mass- nahmen, die unverzüglich verstärkt werden müssen -, näm- lich Prävention, Therapien, auch Repression, sind für die Be- kämpfung der Drogensucht wichtiger als die Heroinabgabe. Die Vorwärtsstrategie in der Drogenbekämpfung gelingt nur, wenn alle Massnahmen ergriffen werden und die Heroinab- gabe nur an die Schwerstsüchtigen ermöglicht wird. In diesem Sinne warte ich immer noch auf die Revision des Betäubungs- mittelgesetzes, denn im Unterschied zu Herrn Onken bin ich der Meinung, dass sich das Parlament bewusst werden muss, in welcher Richtung die Politik bei der Drogenbekämpfung zu gehen hat. Das Betäubungsmittelgesetz muss unbedingt revi- diert werden.
Plattner Gian-Reto (S, BS): Auch die Stadt Basel und der Kan- ton Basel-Stadt haben ein Drogenproblem. Basel hat auch Drogenabhängige, laut Aussagen des zuständigen Koordina- tors für Drogenfragen sind es etwa 2000 bis 2500 drogenab- hängige Menschen, also ähnlich viele wie auf dem Zürcher Letten. Nach Schätzung der Polizei machen nur noch etwa dreissig von ihnen regelmässig Drogentourismus nach Zü- rich. Basel setzt sich also erwiesenermassen mit seinem Dro-
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genproblem und dem der nordwestschweizerischen und der ausländischen Nachbarschaft selber auseinander, statt es durch Repression in die schweizerische Zentralszene auf dem Letten in der Stadt Zürich abzudrängen, wie dies andere Kan- tone leider tun. Dennoch ist die Lage in Basel im Vergleich zu Zürich relativ entspannt, ohne nennenswerte offene Szene. Darüber und über die Folgerungen, die ich im Einklang mit meiner Regierung daraus ziehe, möchte ich Ihnen kurz berich- ten. Ich verzichte dabei expressis verbis auf jede parteipoliti- sche Polemik, obwohl ich nach gewissen Voten meiner Vor- redner, insbesondere nach jenem von Kollege Seiler Bern- hard, dazu meinem Temperament entsprechend durchaus Lust verspüren würde.
Wenn man nach den Gründen für die relative Ruhe an der Bas- ler Drogenfront fragt, sind, so denke ich, vor allem die Kleinheit und die Homogenität unseres Stadtkantons zu nennen und der ausgesprochen grosse Wille zur Zusammenarbeit in der Region. Die Regierung der Stadt Basel hat eben keine politi- schen Kämpfe mit einer Kantonsregierung auszufechten, denn die ist sie selber; und es gibt in Basel keine politischen Parteien nennenswerter Stärke, die versuchen, aus dem Dro- genelend politisches Kapital zu schlagen, oder die gar so tun, als sei eine drogenfreie Gesellschaft möglich. Die Auto-Partei ist bei uns sehr, sehr schwach, und die SVP existiert in Basel bloss auf dem Papier. Am sogenannten Drogenstammtisch, den wir nun seit Jahren in der Stadt haben, treffen sich regel- mässig Abhängige, Sozialarbeiter, Gewerbler, Anwohner, Po- lizei, Staatsanwälte und die politischen Behörden, kurz: die Betroffenen aller Ebenen. Aus diesen vielen Gründen ist es in Basel im Jahre 1991 gelungen, dass wir uns über alle Partei- und Interessengrenzen auf drogenpolitische Leitsätze, die von der Regierung formuliert wurden, einigen konnten. Davon profitieren wir heute, im Gegensatz zur Stadt Zürich.
Mit diesen Leitsätzen und mit dieser politischen und gesell- schaftlichen Einigkeit machen wir in Basel heute unsere Dro- genpolitik. Die aufgeklärte und politischer Polemik gegenüber ziemlich immune baselstädtische Bevölkerung hat Vertrauen in diese Politik. Sie hat am Tage des Neinsagerfestivals vom 12. Juni, als in der Schweiz der Kulturartikel, die erleichterte Ein- bürgerung für junge Ausländer und die Blauhelmvorlage alle miteinander untergingen, mit Zweidrittelsmehrheit dem kanto- nalen Kreditanteil am Opiatabgabeprojekt zugestimmt. Diese Abstimmung ging weit über die blosse Gutheissung von Fixer- stübli, von Drogenzimmern, Gassenzimmern wie in Schaffhau- sen hinaus. Mit anderen Worten: Die Bevölkerung trägt die pragmatische, liberale Basler Drogenpolitik ebenso mit wie die Behörden, die Parteien und die Fachleute. Das ist der Grund je- den Erfolges, den man in dieser Politik haben kann.
Die Basler Drogenpolitik steht auf diesem Fundament und ist getragen von vier gleichberechtigten Säulen: der Prävention - mit grossen Anstrengungen -, der Repression - die von zu vie- len in den Vordergrund gestellt wird -, der Überlebenshilfe - einer Menschenpflicht und angesichts von Aids auch einer ge- sundheitspolitischen Pflicht - und schliesslich von der vierten Säule, der Rehabilitation jener, die aus der Szene auszustei- gen versuchen.
Das Dach dieses Viersäulenhauses wird durch eine starke und sehr rasch wirksame Koordination aller involvierten Behörden, inklusive der Strafverfolgungsbehörden, der Polizei, der Fach- welt und der politischen Behörden auf allen Stufen, gebildet. Dies ist nach Erachten der Basler der Kern der erfolgreichen Drogenpolitik: die Vernetzung und konstruktive Zusammenar- beit aller wichtigen Informations- und Entscheidungsträger. Auf schweizerische Ebene übersetzt würde das heissen, dass alle Kantone und Gemeinden in eine solche strategische und taktische Koordinationsinstanz eingebunden werden müs- sen. Hier muss das Konzept geboren und getragen und dann rasch und ohne Verzögerung umgesetzt werden.
Die Repression gibt es in Basel auch, und sie ist nötig. Aber sie ist in den letzten 20 Jahren gesetzesbedingt am stärksten ent- wickelt worden und deshalb als einzige auch auf Bundes- ebene wirklich ausgebildet. In sie wird - leider - heute der Lö- wenanteil aller Mittel investiert.
Die anderen Säulen gibt es auf Bundesebene praktisch nicht, und doch sind sie gleich wichtig. Sie werden vom Bund den
überforderten Kantonen und Gemeinden überlassen. Sie sind entsprechend schlecht und inkohärent, teilweise sogar gegenläufig, ausgebildet Sie sind in der Schweiz in einem lamentablen Zustand. Die Schweiz hat 26 verschiedene Dro- genpolitiken, die widersprüchlich sind, und dieser Föderalis- mus ist heute ein Anachronismus. Das Fehlen von drei der vier Säulen auf Bundesebene, das Primat der Strafjustiz, ist der eigentliche Grund für das schweizerische drogenpoliti- sche Versagen. Das drogenpolitische Haus kann auf einer Säule nicht stehen, sondern nur wackeln und allenfalls zu- sammenstürzen.
Die zweite Säule nach der Repression ist die Überlebenshilfe. Zentral für den Abbau der offenen Szene - die wir in Basel am Kleinbasler Rheinufer auch hatten - und für die gesundheits- politische und dringende Aidsprävention ist das soziale Netz, das man zuerst knüpfen muss, bevor man eine offene Szene auflösen kann. Eine offene Szene kann nur aufgelöst werden, wenn man den Süchtigen Alternativen anbietet, denn es muss zur Kenntnis genommen werden - auch von Kollege Seiler ·- , dass Drogensüchtige Drogen nehmen. Die Frage ist nicht, ob sie das tun, sondern wo sie es tun, wie sie es tun und unter wel- chen Umständen sie es tun. Und Drogensüchtige gibt es in Basel und anderswo auf der ganzen Welt und garantiert auch in Schweden.
In Basel haben wir mittlerweile drei Gassenzimmer, eines wird sogar - ich weiss nicht, ob das heute schon der Fall ist - von einem Nachbarkanton bezahlt werden, obwohl es bei uns in der Stadt liegt. Wir haben mehrere Notschlafstellen. Wir haben eine Gassenküche. Wir haben Tagesaufenthaltsräume und Auffangstrukturen. Wir sind jetzt dabei, ein Haus für Drogen- prostituierte männlichen und weiblichen Geschlechts aufzu- bauen, zuerst das für die Frauen, später wird das für die Män- ner kommen müssen. Unsere offene Szene konnte von der Polizei erst geräumt werden, als dieses Auffangnetz geknüpft war. Dafür ist sie aber nach ihrer Räumung nicht wieder ent- standen, anders als nach dem Fiasko am Platzspitz. Wer heute nach einer Räumung des Letten ruft, bedenkt nicht, dass er das Problem dadurch nur verschärft und nicht löst
Die dritte Säule ist die Rehabilitation. Auch sie muss gesamt- schweizerisch und in allen Kantonen ausgebaut werden. Ich will nicht gegen Gefängnisneubauten polemisieren. Diese braucht es gewiss auch. Aber ich bin überzeugt, dass langfri- stig der Aufbau der notwendigen Kontakt-, der Anlaufstellen für die Abhängigen, der Beratungsstellen für die Ausstiegswil- ligen, der Aufbau von ambulanten wie stationären Drogen- entzugseinrichtungen, der Aufbau von Therapieangeboten, von Selbsthilfeorganisationen, von Nachsorgeorganisationen wichtiger ist als der Aufbau von Gefängnisneubauten. Ich denke, diese Rehabilitation in einem grossen Umfang - das ist leider kostspielig - ist eine Conditio sine qua non für eine ratio- nale, kohärente, effiziente Drogenpolitik, die auch noch menschlich ist, und das muss sie schliesslich sein. Es geht schliesslich um Menschen, die krank sind.
Aus Basler Sicht ist zusammenfassend dem Bundesrat drin- gend zu empfehlen, die Drogenpolitik endlich als nationale Aufgabe zu erkennen, vom Föderalismus wegzukommen und die Schritte zu unternehmen, die nötig sind, um den Föderalis- mus in dieser Frage zu überwinden. Der Bund muss die Füh- rungs- und Koordinationsverantwortung ohne Verzug über- nehmen; erst damit wird das Dach geschaffen, unter welchem die Anstrengungen von Kantonen und Gemeinden sinn- und wirkungsvoll werden können.
Die heute in der Pressemitteilung des Bundesrates angekün- digten Schritte gehen zweifellos in die richtige Richtung, aber sie sind bei weitem zu klein. Vielleicht sind sie alles, was im Moment möglich ist; aber weitere Schritte müssen jetzt ge- plant und dann auch unternommen werden.
Das Bundesgesetz über die Betäubungsmittel muss revidiert und allenfalls - das wäre meine Empfehlung und die meiner Regierung - durch ein spezielles Suchthilfegesetz ergänzt bzw. ersetzt werden. In diesem Suchthilfegesetz müssten die Bereiche Prävention, Überlebenshilfe und Rehabilitation ne- ben der Repression ihren Stellenwert bekommen. Wichtig wä- ren vor allem Mindeststandards und natürlich genügende fi- nanzielle Mittel für diese Bereiche. Ich gehe soweit zu sagen,
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dass die Finanzierung, die teuer sein wird, allenfalls durch eine Suchtmittelsteuer zu sichern wäre. Das ist eine langfristige Perspektive; Notrecht bietet keine solche.
Ich weiss, dass der Ständerat der letzte Ort ist, wo der Ruf nach Abbau von Föderalismus und nach Übernahme der Gesamt- verantwortung, der Führung, der Koordination und vor allem des konzeptuellen Denkens durch den Bund besonders gerne gehört wird. Ich denke aber, dass der Ständerat als fö- deralistische Kammer in seiner heutigen Diskussion gerade darum ein besonders weit herum hörbares Zeichen setzen könnte, wenn er sich diesem Aufruf an den Bundesrat mehr- heitlich oder einstimmig anschliessen könnte.
Als Vertreter einer Stadt, die wie die anderen Städte auf der ganzen Welt unter dem Drogenproblem der umliegenden Ge- biete ebenso leidet wie unter dem eigenen, die aber dank sehr viel Glück, dank einer verständigen und fortschrittlichen Bevöl- kerung und einer raschentschlossenen Regierung das Schlimmste vermeiden konnte - als Vertreter meiner Stadt Ba- sel also -, bitte ich Sie im Interesse Zürichs und der drogen- kranken Menschen in diesem Land mit allem Nachdruck, dem Bundesrat und dem morgen wohl härter debattierenden Na- tionalrat dieses Zeichen zu geben, das Signal: Bund über- nimm das Steuer, die Kantone sind überfordert!
Morniroli Giorgio (D, TI): Posso ammettere l'opportunità poli- tica di discutere con urgenza in Parlamento la situazione venu- tasi a creare nel mondo della droga in generale e nella città di Zurigo in particolare.
Ich habe für heute abend zwei Verhaltensvarianten evaluiert: entweder nicht in die Diskussion einzusteigen oder mich an der Debatte zu beteiligen, mich aber in diesem Falle nicht auf einige generelle Aussagen zu beschränken. Wenn man schon beschlossen hat, eine dringliche Drogendebatte durchzufüh- ren, weil man die Situation als kritisch beurteilt, dann will ich zu diesem Thema einiges sagen. Zudem hat uns unser Vizepräsi- dent am Schluss der zweiten Sessionswoche empfohlen, den heutigen Abend voll zu reservieren, was für mich bedeutet, dass ich mir keine Selbstbeschränkung meiner Redefreiheit aufzuerlegen brauche. Um nur einige abgedroschene Wahr- heiten zu externalisieren, hätte sich mein Votum nicht gerecht- fertigt.
Wie eingangs in meiner Muttersprache gesagt, erachte ich eine dringliche Diskussion zu dieser Thematik als politisch op- portun. Institutionell habe ich hingegen schon gewisse Vorbe- halte anzubringen. Als Legislative haben wir Gesetze zu erlas- sen. Dies haben wir getan; die gesetzlichen Grundlagen be- stehen. Die Durchführung obliegt den Exekutiven, in diesem spezifischen Bereich vor allem den kantonalen Regierungen. Werden die Gesetze nicht respektiert, dann ist es Sache der Justiz einzuschreiten. Wir sind als Parlament lediglich tangiert, falls sich Gesetzesänderungen aufdrängen. Dies scheint mir - im ordentlichen Verfahren - nicht der Fall zu sein. Wenn man indessen zur Überzeugung gelangt, dass eine Notlage be- steht und dass die geltenden Gesetze nicht mehr ausreichen, sollte man eben doch Notrecht schaffen und gestützt auf Arti- kel 89bis Absatz 1 der Bundesverfassung einen dringlichen Bundesbeschluss erlassen. Wird dieser Bundesbeschluss so- fort in Kraft gesetzt, ist er gemäss Absatz 2 und Absatz 3 des- selben Verfassungsartikels jedenfalls mindestens ein Jahr gül- tig, was genügen sollte, um die Notfallsituation zu bereinigen. In diesem Sinne hätten Sie, Frau Weber Monika, eine dringli- che Motion oder eine dringliche parlamentarische Initiative einreichen sollen, also Vorstösse mit verbindlichem Charak- ter. Denn auch eine dringliche Diskussion bleibt eben nur eine Diskussion - und Diskussionen haben wir nun einmal genug aufgetischt erhalten.
Ich habe mehrere Fernseh- und Radiosendungen verfolgt. Die Synthese ist einfach: jeder jammert einleitend über das Dro- genelend; jeder hat so seine Globalrezepte; jeder schiebt dem andern die Schuld in die Schuhe; jeder fordert sofortiges Han- deln, das haben wir immer wieder gehört; jeder gibt seine mo- ralischen, ethischen und ideologischen Grundsätze bekannt Aber keiner sagt, was seiner Meinung nach konkret zu tun sei. Ich habe vor zwei Jahren eine Motion (92.3265, CH-Drogen- konzept) eingereicht, die dann als Postulat überwiesen wurde,
womit die Schubladisierung vorprogrammiert war (AB 1992 S 1062). Die Zielsetzung meines Vorstosses, der nicht nur Mehl aus meinem Sack beinhaltete, wie man in meiner Mutter- sprache zu sagen pflegt, sondern der Ansicht von weltweit an- erkannten Spezialisten entsprach, war kurz zusammengefasst die folgende:
Fällen eines politischen Grundsatzentscheides: Will man die Drogen in unserer Gesellschaft bekämpfen oder nicht? Das ist eigentlich noch nicht klar gesagt worden. Dieses Grundsatz- bekenntnis fehlt nach wie vor. Fehlt dieses, weil man es bisher unterlassen hat, einen klaren Entscheid zu fällen, oder will man ihn nicht fällen? Ich gelange immer mehr zur Überzeu- gung, dass die zweite Möglichkeit vielleicht doch zutrifft. Ich habe allen Grund zu vermuten, dass eine Lösung des Drogen- problems wichtigen persönlichen, finanziellen und auch ideo- logischen Interessen zuwiderläuft
Man kann durchaus auch aus sachlichen, rein statistischen Überlegungen beschliessen, die Drogen in unserer Gesell- schaft nicht prinzipiell bekämpfen zu wollen, sondern sich auf einige Massnahmen zu beschränken, welche die Prävention anstreben und auf die Bewältigung der Drogenfolgeprobleme hinzielen. Eine solche Auffassung - die ich persönlich nicht teile, das möchte ich unterstreichen - ist immerhin vertretbar, wenn man davon ausgeht, dass in unserem Lande jährlich für 2 Milliarden Franken Tabak konsumiert wird, der Abusus 1 Mil- liarde Franken an Sozialkosten verursacht, 1 Million Personen abhängig sind und die Todesfälle wegen Tabakmissbrauchs 6000 Einheiten ausmachen. Für den Alkohol lauten die Zah- len: 5 Milliarden Franken für den Konsum, Sozialkosten von 2 Milliarden Franken, 50 000 Alkoholiker und 2000 Todesfälle; für das Heroin: 3,6 Milliarden Franken für den Verbrauch, Sozialkosten von «nur» 500 Millionen Franken, Süchtige «nur» 20 000, Todesfälle - in doppelten Anführungszeichen - «nur» 350!
La situazione attuale è intollerabile per uno Stato di diritto. In un certo senso si accetta la legalizzazione ufficiosa delle dro- ghe, si tollerano le bancarelle ed il consumo di stupefacenti sotto gli occhi di tutti, incluse le forze dell'ordine, rinunciando ad imporre il rispetto dei concetti di ordine e di disciplina nel- l'osservanza delle leggi che sono i pilastri di uno Stato demo- cratico.
Dies sind die Gründe, die mich veranlassen, einen politischen Grundsatzentscheid anzustreben: Bekämpfung der Drogen oder lediglich Förderung der Prävention und Bewältigung der Folgeproblematik? Soviel zum ersten Teil meines Postulates und nun kurz zum zweiten Teil, zur Erarbeitung eines CH-Dro- genkonzeptes.
Entschliesst man sich unmissverständlich für die Bekämpfung der Drogen, müssen eine Planung erarbeitet und ein Konzept entwickelt werden. Zur Erreichung dieses Ziels habe ich schon vor zwei Jahren in meinem Vorstoss die Umwandlung der Subkommission «Drogenfragen» der Eidgenössischen Betäubungsmittelkommission in eine «Eidgenössische Dro- genkommission» angeregt, um deren Stellenwert zu erhöhen, und habe auch den möglichen Auftrag kurz skizziert. Ich wie- derhole ihn nicht, Sie können ihn auf Seite 1064 des Amtlichen Bulletins der Bundesversammlung von 1992 nachlesen. Wäre mein Vorstoss als Motion überwiesen worden und hätte der Bundesrat das Postulat nicht lediglich entgegengenommen, sondern vielleicht auch noch umgesetzt, dann müssten wir heute vielleicht nicht in eine dringliche Drogendiskussion ein- steigen und eine solche führen.
Kommen wir auf die Kernfrage zurück: Sollen wir als Parla- ment handeln? Wenn ja, was können wir tun? Können wir als Parlament Einfluss nehmen, ohne einen dringlichen Bundes- beschluss zu erlassen? Die Frage lasse ich offen und über- lasse die Wahl des formellen Rahmens gerne den Speziali- sten. Wenn ich davon ausgehe, dass die ausführenden Behör- den in einigen Kantonen zumindest völlig versagen und in die- sen Kantonen die Justiz nicht einschreitet - in anderen Kanto- nen haben Staatsanwälte angesagt, dass sie einschreiten wür- den, falls in ihrem Amtsbereich eine staatliche Heroinabgabe in Betracht gezogen würde -, komme ich zum Schluss, dass wir als Parlament nun tatsächlich handeln sollten und dass dies sofort zu geschehen hat. Man kann nicht zuwarten, bis ei-
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nige entschlossene Familienväter zur Selbstjustiz greifen und wir dann mit wildwestähnlichen Verhältnissen konfrontiert sind. Weit davon entfernt sind wir ja nicht. Schon heute wird auf dem Letten herumgeschossen. Den Umstand, dass es dort Tote gegeben und die Autopsie Sturmgewehrmunition ans Tageslicht befördert hat, werte ich in diesem Sinne als Alarmzeichen.
Ebenso als Alarmzeichen ist der Umstand zu interpretieren, dass immer mehr Leute in unserem Lande die Wiedereinfüh- rung der Todesstrafe für Drogenhändler verlangen, was übri- gens nicht mehr möglich ist, nicht einmal über eine Volksinitia- tive. Sie wissen das. Sie müsste für ungültig erklärt werden, nachdem wir, das heisst Sie - ich habe als einziger dagegen gestimmt -, den internationalen Pakt zur Abschaffung der To- desstrafe ratifiziert haben; das ist ein Vertrag, der nicht mehr kündbar ist. Wie kann man nur einen Vertrag unterzeichnen, der eine Kündigungsverbotsklausel enthält! Vielleicht kommt einmal der Tag, an dem Sie dies unserem Volk zu erklären ha- ben werden.
Was tun? Aussagen wie «Die Problematik ist komplex» oder «Es ist nicht leicht, eine Lösung zu finden» sind lediglich plumpe Ausreden, um die eigene Impotenz, vielleicht auch die eigene Angst zu vertuschen. Die operativen Grundsätze, die zur Bewältigung einer spezifischen Notlage anzuwenden sind, brauche ich denjenigen Kollegen in diesem Rat, die das Glück gehabt haben, eine militärische Fortbildung zu geniessen, nicht zu erklären. Ich sage es eher für die anderen, für diejeni- gen, die dieses Glück nicht hatten. Es braucht einen Füh- rungs- und Einsatzstab, dem man die notwendigen Mittel zur Verfügung zu stellen hat, dessen Kompetenzlimiten abzugren- zen sind - wobei diese grosszügig zu stecken sind und eine konsistente operative Autonomie garantieren - und dem man schliesslich einen klaren Auftrag erteilt. Der Stab hat die Sofort- massnahmen zu beschliessen und durchzuführen. Diese kön- nen sich sicherlich auf die Durchsetzung des geltenden Rech- tes beschränken. Ferner hat der Stab das mittel- bis langfri- stige Massnahmenpaket zu planen und entsprechende An- träge zu stellen.
Ich sehe zwei Hauptstossrichtungen - es wurde bereits ange- tönt, Kollege Plattner hat ebenfalls in diesem Sinne gespro- chen -, die das zu erarbeitende Konzept charakterisieren soll- ten. Der Staat muss die Betreuung der armen, bereits dem Übel verfallenen Mitmenschen übernehmen. Dem Drogen- süchtigen ist der Status eines an einer schweren, tödlichen Krankheit Leidenden zu gewähren. Damit wird der Weg für eine ärztliche, durch die Krankenversicherung abgedeckte Behandlung geöffnet, die in speziellen Kliniken stationär zu er- folgen hat. Hierbei kann auch die ärztliche Abgabe von Heroin in Betracht gezogen werden, allerdings (ich sage das bereits zum dritten oder vierten Mal) erst nach Änderung des Betäu- bungsmittelgesetzes und nur an selektiv ausgewählte Perso- nen und, wie gesagt, nur im Rahmen einer stationären Be- handlung. Man soll sich auf die Therapie bei einem Schwer- kranken beschränken.
Der gegenwärtig laufende Heroinversuch habe bereits posi- tive Resultate ergeben, lässt man verlauten. Worin diese Er- folge bestehen, wird aber nicht gesagt. Da möchte ich doch et- was mehr wissen. Natürlich haben die in den Versuch einbezo- genen Personen kaum ein Interesse, das Gegenteil zu be- haupten. Die Beurteilung muss durch ein neutrales Gremium von Experten erfolgen. Man weiss schon über die Zielsetzun gen des Versuches praktisch nichts, und ein wissenschaftli- cher Versuch sollte immerhin von Arbeitshypothesen und Ziel- setzungen ausgehen.
Ich warne Sie und den Bundesrat, fallen Sie nicht auf solche einseitige Propaganda herein, die darauf hinzielt, bei Ihnen eine positive Stimmung gegenüber der Heroinabgabe zu schaffen. Ich habe letzten Donnerstag eine Einfache Anfrage eingereicht (94.1119), die sich mit dieser Problematik befasst Hören Sie gut zu: «Im Bereich des Expertisen- und For- schungswesens zu Fragen der Drogenpolitik des Bundes ge- ben einige Vorkommnisse zur Vermutung Anlass, dass die zu- ständigen Verwaltungsinstanzen ergebnisorientierte Aufträge erteilen und in diesem Zusammenhang auch entsprechende personelle Entscheide getroffen werden. Diese mittelbare und
unmittelbare Einflussnahme auf das Resultat der Studien oder Expertisen hat in der Regel eine positive Beurteilung der Dro- genabgaben, bis jetzt insbesondere von Heroin, zur Folge.» Ich habe Ihnen mit dem Einverständnis unseres Ratspräsiden- ten den Text meines Vorstosses verteilen lassen, um die De- batte nicht noch zu verlängern. Dort finden Sie alle Einzelhei- ten, die Sie hoffentlich stutzig machen werden.
Wir wissen, dass die Wirkung einer Heroindosis 3 bis 4 Stun- den anhält. Was dann? Wird die nächste Dosis wieder gratis abgegeben, oder muss sich der Süchtige hierfür auf dem ille- galen Markt eindecken? Gemäss Informationen, die ich von persönlich betreuten Drogensüchtigen erhalten habe, trifft dies zu. In einer Fernsehsendung, die das Tessiner Fernse- hen letzten Donnerstag ausgestrahlt hat, hat übrigens ein Drogensüchtiger in der Sendung dasselbe ausgesagt Sollte man dann von der Arbeitshypothese ausgehen - das wäre eine mögliche Hypothese, die man aufgestellt haben könnte, um diesen Versuch durchzuführen -, dass man die Möglich- keit untersucht, die Heroindosis progressiv zu senken, dann kann der Bund die 2,8 Millionen Franken, die wir, das heisst Sie, gesprochen haben - ich erinnere Sie daran, dass ich mit sieben Ratskollegen dagegen gestimmt habe -, getrost ein- sparen. Entwöhnung auf diesem Wege ist erwiesenermassen ein hoffnungsloses Unterfangen, wie erfahrene Spezialisten wohl wissen.
In ihrem Bericht für das Jahr 1992 stellt die UN-Drogenspezial- kommisson mit Sitz in Wien fest, dass sie davon ausgehe, dass die Schweizer Regierung aufgrund der geltenden Ge- setze und der internationalen Verträge Versuche mit medizini- scher Indikation höchstens an einigen wenigen Menschen, also nicht an Gruppen, zulassen werde. Im letzten Bericht, her- ausgegeben im Januar 1994, kritisiert die UN-Drogenspezial- kommisson die Schweiz in auffällig deutlicher Weise und drückt die Hoffnung aus, dass in anderen Ländern vergleich- bare Vorgänge «auf dieselbe Weise wie in Deutschland gelöst werden», also nicht wie in der Schweiz.
Gestatten Sie mir in diesem Zusammenhang kurz auf die Dro- genliberalisierungs-Hypothese einzugehen, da man ja vor- schlägt, eine Liberalisierung der Drogen als Sofortmass- nahme ins Auge zu fassen. Ein solches Vorgehen entspricht ganz offensichtlich einer Kapitulation des Staates. Mit der glei- chen Logik könnte man die zahlreichen Geschwindigkeits- überschreitungen auf unseren Strassen aus der Welt schaffen, indem man die Geschwindigkeit liberalisiert, d. h. die Ge- schwindigkeitslimiten aufhebt.
Was will man eigentlich liberalisieren? Das Heroin? Befragen Sie mal einen Drogensüchtigen. Ich betreue persönlich, wie gesagt, vorwiegend psychologisch eine Gruppe von Abhängi- gen und verfüge über Informationen von der Front. Stellt man einen Süchtigen vor die Wahl, sich zwischen Heroin, Crack oder Ecstasy zu entscheiden, bevorzugt er in der Regel Ec- stasy. Immer mehr werden auch Cocktails, die aus mehreren Drogen zusammengemischt werden, konsumiert. Heroin kön- nen Sie zwar noch liberalisieren, die beiden anderen Drogen aber nie. Dies wäre nicht nur unvernünftig, es wäre kriminell. Ich empfehle Ihnen, einmal einige Stunden auf einer Notfall- station zu verbringen. Sie werden schockiert sein, wenn Sie die verheerenden Folgen, die diese neuen Drogen haben kön- nen, erleben. Eine Heroinliberalisierung - denn nur eine sol- che ist noch einigermassen vertretbar - bringt nichts, weil sich die Drogenhändler präventiv bereits auf die neuen Substan- zen zu verlegen beginnen.
Ich kürze meinen Vortrag ein bisschen - es ist mehr ein Vortrag als ein Votum - und erspare Ihnen, was eine Ministerkonferenz des Europarates an einer Sitzung im Februar zur Drogenlibe- ralisierung gesagt hat, und auch das, was die Konferenz zu Drogenmissbrauch und illegalem Drogenhandel gesagt hat. Diese Konferenz wurde von Ministern aus über vierzig Län- dern besucht, und alle waren sich einig: Drogenliberalisierung ist ein total falsches Signal im Rahmen der Drogenpolitik.
Im Rahmen der Prävention muss natürlich die Repression zum Zuge kommen. Woran scheitert heute die Repression in Zü- rich? Es wurde bereits gesagt. Sie haben vielleicht auch ge- hört, was die Vertreter der zuständigen Behörden von Zürich gesagt haben. Ich habe sie in Fernsehinterviews anhören kön-
Dringliche Interpellation Weber Monika
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nen. Die Dealer lachen den Polizeibeamten ins Gesicht - Frau Weber Monika sagte dies bereits -, weil sie wissen, dass sie nicht verhaftet werden können, da keine freien Gefängnis- plätze mehr vorhanden sind. Das ist einer der Gründe, wieso ich ein Postulat (94.3076, Privatgefängnisse) eingereicht habe, welches übrigens übermorgen auf der Tagesordnung steht, das die Einrichtung und Errichtung von Privatgefängnis- sen anregt. Mit dieser Massnahme könnte man sich relativ kurzfristig etwas Luft verschaffen. In der Drogenszene tum- meln sich viele Kleinkriminelle, für die es keine Hochsicher- heitsgefängnisse braucht, aber auch keine dem heutigen staatlichen Konzept entsprechenden 5-Stern-Gefängnisse mit WC, Bad, Fernseher usw. Ich habe das als Konsiliarius für mein Fachgebiet in der Krankenabteilung unserer Strafanstalt selber erleben können.
Ich habe in einer Einfachen Anfrage (94.1031) auch auf das Problem der Abgabe von Heroinzigaretten - das gehört zur Heroinabgabe - hingewiesen und signalisiert, dass eine Kon- trolle über den Gebrauch von Heroinzigaretten nicht möglich ist Es werden etwa zehn Stück abgegeben. Diese können wei- terverkauft oder auch weitergegeben werden. Ich denke be- sonders an noch nicht drogensüchtige Jugendliche, ja sogar an Schulkinder. Ich weiss dank meiner schon zitierten Infor- matoren, dass gerade dies zutrifft. Heroinzigaretten werden dreigeteilt und Kindern auf dem Schulweg abgegeben. Die Sofortmassnahme besteht hier einfach darin, dass die staatli- che Abgabe von Heroinzigaretten sofort sistiert wird und die Kinder auf dem Schulweg überwacht werden.
Abschliessend wiederhole ich, dass das Parlament etwas un- ternehmen kann, wenn es etwas unternehmen und eine Füh- rungsfunktion übernehmen will. Mit Erlass eines dringlichen Bundesbeschlusses wird ein Führungs- und Einsatzstab ge- schaffen, dem weitgesteckte Kompetenzen gewährt und aus- reichende Mittel zur Verfügung gestellt werden und dem ein klarer Auftrag erteilt wird.
Kündig Markus (C, ZG): Es wird wahrscheinlich das letzte Mal sein, dass ich in diesem Raum über Drogen sprechen kann. Ich bedaure dies, weil ich als Präsident des Vereins «Jugend ohne Drogen», der die entsprechende Volksinitiative einge- reicht hat, doch einiges zu sagen habe und hier - auch wenn Herr Onken den Eindruck hat, man müsste Hitzköpfe in die Schranken weisen - etwas aussagen möchte.
Ich bedaure es auch, dass diese Initiative, die von rund 160 000 Personen unterzeichnet wurde, vom Bundesrat in sei- nem Papier schlechthin rechtsextremen Kreisen zugewiesen wurde, ohne dass man gleichzeitig die Droleg-Initiative linken Kreisen zugeschrieben hätte, was mindestens ausgleichend, wenn nicht sogar gerecht gewesen wäre. Ich glaube, dass auch die Tausende von Wallisern, Genfern, Neuenburgern usw., die die Initiative «Jugend ohne Drogen» unterschrieben haben, diese Apostrophierung nicht verdienen.
Es geht bei den Drogen um etwas sehr Ernstes. Es wäre schon wert, dass man sich einmal darüber unterhält, wo die Ge- schichte eigentlich beginnt. Ich habe mich selbst, in meinem privaten Leben und auch im Geschäft, mit Drogenabhängigen befassen müssen, was ich nie gern getan habe - das sage ich Ihnen ganz klar. Diesen Leuten muss man jedoch helfen, weil sie sich selbst nicht mehr helfen können. Da sind wir eigentlich am Angelpunkt des ganzen Problems, denn die Drogen verän- dern das Bewusstsein des Menschen, und dies auf eine Art, dass er nicht mehr in der Lage ist, den Weg, den er oder sie ei- gentlich gehen müsste, selber zu finden. Durch diese Situa- tion gleitet der betroffene Mensch immer mehr ins Abseits, weil er nicht mehr die Möglichkeit hat, sein persönliches Bezie- hungsfeld von früher aufrechtzuerhalten, und er den Weg des geringsten Widerstandes zu einem neuen Beziehungsfeld sucht, das ihn weder mit Vorwürfen noch mit Forderungen nach Leistung, Arbeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit und ähnli- chem mehr konfrontiert.
Wenn Sie nun einen jungen Menschen aus dieser Situation herausreissen wollen, ist das äusserst schwierig. Glaubt man aber, mit Drogenabgabe durch den Staat hier tatsächlich eine Hilfe leisten zu können, täuscht man sich erst recht, denn da- mit wird die Bewusstseinsveränderung nicht rückgängig ge-
macht. Eine Bewusstseinsveränderung muss aber rückgän- gig gemacht werden, wenn man überhaupt eine Chance ha- ben will, einen jungen Menschen wieder auf die normale Bahn zurückführen zu können. Dies ist ein äusserst langer, schwieri- ger und arbeitsintensiver Weg, der nicht einfach zu gehen ist. Ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung, ohne weiteres auch in einem persönlichen Gespräch, einmal schildern, welcher Ein- satz geleistet werden muss, um eine einzelne Person tatsäch- lich von den Drogen wegzubringen. Die Rückfälle sind allzu bekannt. Die Betreuung ist ein riesengrosses Problem. Wes- halb? Weil der Mensch, welchen man von den Drogen weg- nimmt, zwar nach kurzer Zeit, etwa nach zwei Wochen, medizi- nisch sauber ist; aber es dauert Jahre, bis das Selbstvertrauen so weit wiederhergestellt ist, dass er sich in seinem Umfeld, in seiner Familie, an seinem Arbeitsplatz tatsächlich behaupten kann.
Es kommen auf jeden Drogenabhängigen schwarze Momente zu, aber auch auf jeden, der versucht, von den Drogen wegzu- kommen. Wenn er nun aber die Möglichkeit hat, mit dem öf- fentlichen Verkehrsmittel ins Zentrum einer schweizerischen Stadt zu reisen, und ganz genau weiss, dass er dort ohne jegli- che Schwierigkeiten für verhältnismässig wenig Geld wieder an seinen Stoff kommt, ist er wieder «drin». Dann ist er nicht mehr zu retten. Da liegt es im argen, das ist der menschlich problematische Bereich.
Was müssen wir machen? Wir müssen sehr früh, in der Schule, wirklich intensiv einsetzen. Wir müssen auch den Mut haben, Leute auszubilden, die den Drogenabhängigen helfen und sie nicht einfach nur mit Drogen versorgen wollen. Es ist bedauer- lich, dass man heute das Schwergewicht auf diejenigen Fach- leute legt, die das Volk mit Drogen versorgen möchten, die eine Legalisierung der Drogenabgabe im Auge haben werden und die - sagen wir es doch offen - mit dem Ziel, das sie jetzt ange- hen, mit 1000 sogenannten Testfällen oder Versuchskaninchen doch tatsächlich nichts Vernünftiges werden anstellen können. Woher wollen Sie die Fachleute nehmen, woher wollen Sie die Mediziner nehmen, und woher wollen Sie die Kontrollinstru- mente nehmen, um mit 1000 Leuten tatsächlich einen echten, wirklich kontrollierbaren Versuch durchzuführen? Der Bundes- rat hat, als er die 250 Testfälle bewilligte, klar gesagt, dass diese Versuche bis 1996 laufen sollten und dass erst nach Abschluss dieser Tests eine weitere Beurteilung vorgenommen werden könne. Heute öffnet man Tür und Tor.
Ich kenne aufgrund meiner Tätigkeit im Verein «Jugend ohne Drogen» genügend Ärzte und Fachleute, die einen anderen Weg beschreiten möchten und die auch Beweise dafür haben, dass es möglich ist, Leute von den Drogen wegzubringen, wenn man sich Mühe gibt.
Rauschgiftabhängige heilen ist ein Problem, das anzufassen unserem Staat wohl ansteht. Die Abhängigen mit Rauschgift zu versorgen kann in keinem einzigen Fall je eine Hilfe sein, ausser Sie wollen ihnen auf dem Weg in den Tod das Leben vereinfachen. Das ist eine Möglichkeit. Aber das kann doch nicht die Absicht eines freien Staates sein!
Mir ist bewusst, dass wir hier nicht einfach handeln können. Mir ist sehr bewusst, dass wir nicht einfach den Letten schlies- sen und keine Alternative aufzeigen können. Alternativen gibt es. Es gibt sie, und man kann sie mobilisieren. Vielleicht braucht die Geschichte etwas Zeit, weil man dies verschlafen hat.
Der erste Schritt wäre sicher einmal, den Drogenhandel so zu unterbinden, dass es uninteressant und schwer wird, ihn in der Schweiz überhaupt zu betreiben; denn wenn man diese Leute «einsteckt», und zwar nicht in Erstklasshotels, wo sie schliesslich einige Tage versorgt und verpflegt und wieder auf- gepäppelt werden, sondern so, dass sie tatsächlich als Gefan- gene behandelt werden, werden sie künftig die Schweiz mei- den. Sie werden Plätze suchen, wo sie ihre Aktivitäten einfa- cher ausüben können. Hier hat man konsequent vorzugehen. Wenn man allerdings, wie es in Zürich unlängst passiert ist, der Polizei mitteilt: «Nehmt bitte niemanden mehr fest, wir ha- ben für die nächsten fünf Tage keinen einzigen Platz mehr zur Verfügung», so kann ein Staat - davon bin ich überzeugt - tat- sächlich nicht mehr erreichen, was zur Einhaltung des Rech- tes notwendig wäre.
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Interpellation urgente Weber Monika
Ich bin nicht der, der intensiv etwas einhämmern will. Aber ich glaube, wir müssen tatsächlich beim Handel so stark wie mög- lich ansetzen, den Mut haben, die Leute auch aus unserem Land zu verweisen, damit sie hier nicht aktiv werden können; denn wenn wir das nicht tun, werden am Schluss die Erst- und Zweit- und Drittklässler die Gefährdeten sein. Wenn man heute mittag die Radiosendung über den Letten hörte, wo man uns über unser schweizerisches Radio erklärt hat, dass Elf- und Zwölfjährige sich bereits spritzten, dass Sechzehnjährige be- haupteten, sie würden seit vier Jahren in dieser Szene mit Dro- gen versorgt werden, ist doch etwas nicht mehr richtig und nicht mehr normal. Und um das zu beheben, wollen wir Hand bieten, dazu müssen wir uns äussern, und hier müssen wir ein- haken und einsetzen. Den Drogenabhängigen muss man den Weg öffnen und auch helfen; denn wenn Sie heute - und das habe ich persönlich erlebt - eine Beratung wünschen und ei- nen sogenannten Drogenfachmann bitten, einmal in die Fami- lie zu kommen, um über das Problem zu sprechen, wird kalt- blütig die Aussage gemacht: «Bevor der nicht von der Polizei aus der Gasse gezogen wird, rühren wir die Finger nicht. » Das ist mir selber in Zug passiert. Das kann ich Ihnen jederzeit be- weisen.
Es ist unwahrscheinlich, wie lethargisch man bei der ganzen Betreuung der Drogenabhängigen vorgeht. Man versucht ein- fach, durch Versorgung mit Drogen schliesslich Ordnung in die Sache zu bringen. Das kann so nicht weitergehen. Ich bin der Meinung, wir müssten alle zusammenstehen. Es hat kei- nen Sinn, dass man sich Hitzköpfigkeit vorwirft oder keinen Weg suchen will. Der Weg ist nicht einfach, er ist äusserst schwierig zu gehen. Aber ich bin mit den Initianten der Mei- nung, dass das Schweizervolk dazu eine Aussage machen möchte und dass man hier einen vernünftigen Weg gehen kann, sofern man nicht von Anfang an - das muss ich sagen: von Anfang an - alles unterbindet und alles blockiert, was ei- ner präventiven Rehabilitation, was im Notfall auch einer Re- pression tatsächlich angemessen ist.
Das wollte ich zur Drogensituation in der Schweiz aus meiner Sicht und auch aus der Sicht des Vereins «Jugend ohne Dro- gen» aufzeigen.
Béguin Thierry (R, NE): Je n'avais pas l'intention de prendre la parole, mais je me suis dit au terme de ce débat qu'il serait quand même bon qu'une voix de Suisse romande s'exprime. Je voudrais dire à Mme Weber Monika que j'ai été quelque peu irrité par ce que je n'hésiterai pas à appeler «une certaine suffi- sance zurichoise». Non seulement les autorités de cette ville ont mené une politique dangereuse, une politique contraire au bon sens, contraire aussi à l'Etat de droit, en refusant d'appli- quer la loi, mais encore, une fois le désastre consommé, elles crient au secours et exigent que la Confédération intervienne toutes affaires cessantes.
On peut comprendre le désarroi qui s'est emparé des diri- geants, mais on aurait souhaité plus d'humilité dans l'appel à l'aide. Et de l'humilité, je crois qu'il en faut lorsqu'on aborde le problème de la drogue, c'est-à-dire le problème de cette mala- die de la dépendance qui frappe toujours plus une frange im- portante de jeunes gens et de jeunes filles dans notre pays, dans tous les cantons, dans les villes grandes et petites, dans les campagnes aussi. C'est un problème de société, comme on dit lorsqu'on a de la peine à l'aborder et surtout peu de solu- tions à apporter.
On constate qu'en Europe, les pays qui avaient adopté des solutions libérales se rendent compte que ça ne fonctionne pas; ils reviennent à des solutions plus répressives. Et dans les pays dits répressifs, on estime que ça ne fonctionne pas non plus et on va vers la libéralisation; il y a des espèces de croise- ments de ce genre, ce qui prouve bien que la problématique est complexe, qu'on ne peut pas lui apporter de réponse sim- pliste et qu'il faut aborder cela avec beaucoup d'humilité intel- lectuelle.
Dans notre pays, on a souvent tendance à vouloir confronter les cantons dits répressifs et les cantons non répressifs en ma- tière de politique de drogue. Cela me paraît totalement erroné. En réalité, il y les cantons qui appliquent la loi dans son esprit comme dans sa lettre et les autres qui l'appliquent moins ou
qui ne l'appliquent pas. La répression, ce mot qui fait horreur, telle que nous la concevons dans la philosophie du code pé- nal et dans la philosophie même de la loi fédérale sur les stu- péfiants (LStup), la répression n'est pas un but en soi. La ré- pression est un moyen. C'est le dernier levier qui permette d'infléchir le cours des choses. D'abord, elle permet à la so- ciété d'affirmer l'une des valeurs essentielles qui la fonde, je veux dire le respect de la personne. En refusant d'accepter la déchéance des toxicomanes, elle les revendique comme membres d'elle-même à part entière. Punir, c'est aussi re- connaître.
La répression revêt aussi un aspect dissuasif. Et s'il ne faut pas s'en exagérer l'importance, il serait faux de le nier surtout à l'endroit de ceux qui n'ont pas encore sombré dans la dépen- dance.
Enfin, la répression entendue de cette manière permet à nom- bre de toxicomanes d'être confrontés à la dure et brutale réa- lité de l'arrestation, de l'interrogatoire et de la prison préven- tive. Ce choc favorise souvent une prise de conscience et, avec l'aide du thérapeute, de l'assistant social, de l'aumônier, de l'avocat, du juge, la porte peut s'ouvrir sur une prise en charge salvatrice, un chemin long et difficile, mais un chemin quand même, que la pression judiciaire balise en fixant des li- mites.
La législation actuelle, à savoir la LStup et le Code pénal, of- frent des solutions variées et adaptées aux différentes situa- tions. Elle réprime le trafic, avec des peines qui laissent au juge un large pouvoir d'appréciation pour individualiser la sanc- tion: si on a affaire à un dealer professionnel non toxicomane, on peut être très sévère; si on a affaire à un dealer toxicomane, on va d'abord s'occuper de sa toxicomanie et on sera beau- coup moins sévère dans la sanction. Elle ne criminalise pas la consommation, mais en fait une simple contravention. Elle donne la priorité aux soins sur l'exécution de la peine dès que l'intéressé rend vraisemblable un minimum de motivation, et cela même à l'égard des consommateurs trafiquants lourde- ment chargés. Elle permet la remise totale des peines lorsque le traitement ambulatoire ou institutionnel a porté ses fruits. Depuis peu, elle rend possible le passage de l'exécution de la peine à un traitement.
A notre avis, la répression conçue de cette manière ne peut pas être considérée comme un échec, dans la mesure où elle a permis de contrôler la situation, d'endiguer le flot de la toxi- comanie et de la délinquance, à défaut de les réduire. Bien en- tendu, je ne pense pas que l'on puisse supprimer le phéno- mène de la toxicodépendance d'un coup de baguette magi- que. Ce qu'il faut, c'est pouvoir maîtriser une situation de ma- nière qu'elle soit tolérable par la société.
Dans les décisions prises aujourd'hui par le Conseil fédéral, je dirai qu'il y en a beaucoup de bonnes, et je me réjouis de l'aide accrue et de l'assistance qu'on apporte aux toxicomanes. Je regrette que ces mesures n'aient pas été prises plus tôt Il y en a une, toutefois, qui ne peut pas rencontrer mon assentiment, c'est la prescription médicale de stupéfiants, l'extension des expériences de distribution. En effet, en Suisse romande en tout cas, les intervenants en toxicomanie constatent une dimi- nution ou un ralentissement des motivations à quitter la dro- gue chez les toxicomanes actifs puisque la toxicomanie consi- dérée comme une fatalité ou comme une maladie devrait être aménagée par de simples mesures sanitaires et sociales. C'est oublier qu'une attitude de compromission face à la dro- gue, même avec les meilleurs arguments, équivaut à rejeter du même coup le toxicomane dans sa dépendance.
J'ai bien lu, dans le communiqué qui nous a été transmis, que ces expériences que l'on veut étendre doivent pouvoir permet- tre de motiver les toxicomanes à entrer dans un processus thé- rapeutique. Il ne s'agit pas du tout d'aller vers une libéralisa- tion. J'aimerais être certain que c'est bien là le but unique poursuivi par ces expériences: amener les toxicomanes dans une démarche thérapeutique.
D'ailleurs, on ne peut pas faire autrement, parce que, dans son avis de droit du 2 octobre 1990, l'Office fédéral de la justice atti- rait l'attention de l'Office fédéral de la santé publique sur la question de l'objectif visé par ces expériences: le traitement du toxicomane avec l'abstinence comme finalité ultime ou une
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stratégie nouvelle privilégiant une certaine libéralisation. L'avis de droit dit: «Si les préoccupations du second type l'em- portent, la décision de dispenser des drogues dures sous contrôle devrait revenir au législateur .... » S'agissant de l'hé- roïne, l'Office fédéral de la justice rappelait qu'en raison de sa grande nocivité et de son utilité thérapeutique quasi nulle, l'article 8 de la LStup en limitait l'emploi à des autorisations ex- ceptionnelles, pour des applications médicales limitées, déli- vrées par le seul Office fédéral de la santé publique. Tout au plus pourrait-on admettre, ajoutaient les rédacteurs, qu'une autorisation limitée dans le temps à deux ou trois petits grou- pes d'une dizaine de personnes au maximum, suivis médica- lement dans le cadre d'un programme expérimental, peut en- core entrer dans la définition légale. Sinon, si l'on va plus loin que ces petites expériences, il faut modifier le cadre légal.
Alors, je pose à M. Koller, conseiller fédéral, la question: est-ce que le Conseil fédéral a changé d'avis par rapport à l'avis de droit qui avait été émis à l'époque par l'Office fédéral de la jus- tice? Je me pose la question de savoir si cette extension de prescription médicale d'héroïne est vraiment fondée légale- ment ou s'il ne faudrait pas attendre que le législateur se pro- nonce dans ce sens.
Roth Jean-François (C, JU): J'interviens dans ce débat pour vous dire que je partage, pour l'essentiel, l'approche des pro- blèmes de toxicomanie, telle qu'elle ressort de la réponse du Conseil fédéral, tout à l'heure, à l'interpellation urgente Weber Monika. Il n'est peut-être pas inutile, malgré l'heure tardive, qu'un ou deux Romands prennent part à cette discussion que l'on dit, à tort sûrement, faire l'objet de préoccupations plus appuyées de la part de nos collègues alémaniques.
Je pense que le débat sur le problème des toxicomanies doit aussi avoir pour objectif d'aider nos concitoyens, surtout en Romandie d'ailleurs, à mieux comprendre ce phénomène, grâce à une information adéquate, et non pas à des slogans ou des déclarations tonitruantes procédant d'un dogmatisme douteux, comme malheureusement on en entend ces jours, propos qui roulent autour des initiatives populaires qui seront soumises prochainement à la votation.
En matière de toxicomanie, les déclarations simplistes de celles et ceux qui prétendent détenir la solution sont, en tout cas à mes yeux, a priori suspectes; elles s'appuient beaucoup plus sur une idéologie que sur une connaissance réelle des problèmes. D'ailleurs, je crois que les meilleurs spécialistes de la drogue s'accordent sur un point: il n'existe pas de réponse simple ni de solution unique à ce problème. Il faut au contraire mettre à disposition des personnes dépendantes une palette la plus large possible de moyens thérapeutiques qui ont fait leurs preuves: ça va de l'abstinence, suivie d'une postcure classique, à la prescription contrôlée de médicaments de substitution tels que la méthadone, laquelle a fait ses preuves depuis plusieurs décennies. Dans ce sens, la prescription mé- dicalement contrôlée d'héroïne doit être à mon sens poursui- vie, voire élargie, comme le pense le Conseil fédéral.
En revanche, j'ai quelques réserves sur l'interpellation urgente Weber Monika - mais je ne sais pas si je dispose d'une mau- vaise traduction française du point 3, notamment -, mais Mme Weber semblait confirmer ce point de vue tout à l'heure, et c'est un point de vue que je ne peux pas partager. Mme Weber semblait prétendre que la distribution d'héroïne devrait être élargie pour résoudre des problèmes liés aux conditions du marché de la drogue ou à la criminalité au Letten, à Zurich. Réellement, j'ai toujours vécu dans l'idée qu'il s'agissait là d'une expérience scientifique, médicale, dont il convenait, après une période raisonnable - on a fixé deux ans -, d'éva- luer tous les effets, car je ne considère pas que cette distribu- tion doive ressembler à un supermarché, où l'on viendrait s'approvisionner en héroïne comme on s'approvisionne en sucre ou en autres denrées alimentaires. Je ne voudrais en au- cun cas une quelconque banalisation de la prise de drogue, et je continue à penser que l'élargissement des «bénéficiaires» n'a pour seul but que d'obtenir des résultats scientifiques plus fiables pour savoir comment faire disparaître à terme cette scène ouverte qui est l'antichambre de l'enfer, et je peux vous le dire puisque avec M. Cottier je l'ai visitée aussi, il y a une
quinzaine de jours. Je pense que c'est cela seul qui justifie cette extension de l'expérimentation.
Ensuite, cela a déjà été dit, mais je le répète ici, Mme Weber semble faire le reproche, au point 1 de son interpellation, aux autorités fédérales de n'être pas entrées suffisamment tôt en contact avec les autorités zurichoises, alors qu'«il était, selon elle, parfaitement prévisible que le problème de la drogue se détériorerait dans la ville de Zurich, et plus particulièrement aux alentours du Letten». Soit! Mais je vivais peut-être un peu naïvement dans l'idée que les problèmes de santé publique, d'exécution aussi en matière de santé publique, étaient de la compétence du canton, et peut-être d'ailleurs encore davan- tage de la municipalité, s'agissant des mesures de police et d'aide sociale. La municipalité de Zurich, qui a d'ailleurs joué au fil des ans alternativement la répression et la compréhen- sion, n'aurait sans doute pas compris, il y a deux ans en ar- rière, et pas accueilli avec un enthousiasme débordant une intervention fédérale. Je le dis d'autant plus que je suis le pre- mier d'accord pour, maintenant, déclarer que la Confédéra- tion ferait bien de mieux coordonner toutes les initiatives can- tonales en matière de drogue, et d'intervenir à Zurich pour ai- der à la résolution de ce problème.
Cela étant, je crois encore pouvoir dire, et j'aimerais insister sur ce dernier point, notamment auprès de Mme Weber, que les cantons romands ne sont pas du tout insensibles à ce pro- blème très aigu que vit Zurich en matière de toxicomanie. Les cantons romands se sont interrogés sur la présence de leurs ressortissants sur la place ouverte du Letten. Les Jurassiens envoient depuis plusieurs semaines des assistants sociaux, tous les vendredis après-midi, pour prendre contact avec les toxicomanes jurassiens et même romands, pour voir avec eux comment leur faire reprendre contact avec la vie sociale, et surtout, à terme, tenter de les ramener dans leur commune de domicile où ils pourraient trouver un appui, plutôt que de végé- ter sur cette scène ouverte. Les Jurassiens ont également, avec les Romands, pour objectif de monter une antenne ro- mande sur cette place du Letten, parce que l'expérience a dé- montré qu'il est possible d'entrer en contact avec les person- nes qui s'y trouvent et de leur proposer une aide sociale et sa- nitaire.
Si, à terme, l'objectif est de permettre un cheminement vers la sortie de la drogue, avec un retour dans le milieu social, dans les communes de domicile, dans le milieu familial, profession- nel, il faut, dans un premier temps, offrir une aide aux toxico- manes là où ils sont et dans l'état où ils sont, sans exiger de leur part un changement préalable de comportement, parce qu'on n'aboutit à rien. C'est un véritable travail de rue, comme l'abbé Pierre le faisait au temps des chiffonniers, qui va dans le sens de rencontrer ces personnes pour créer un contact hu- main, de casser leur isolement, d'offrir un lieu d'accueil, de soins sur place, de servir de relais avec leur entourage social, parce que souvent les ponts ont été complètement coupés avec la famille, de servir aussi de relais avec le milieu médical, et enfin d'offrir un accès où il est possible d'élaborer des pro- jets, si possible encore dans le canton de domicile.
Je crois qu'une telle approche mériterait d'être soutenue par les cantons romands. Elle est en discussion. Je pense qu'il y a là l'espoir, en tout cas, que les autres cantons confédérés puissent aussi apporter leur contribution à la résolution de ce problème absolument aigu, j'en conviens, que vit la ville de Zurich.
Je vous ai dis ça pour témoigner ici, de la part d'un Romand, que nous ne sommes pas, encore une fois, insensibles aux problèmes que la ville de Zurich vit en ce moment avec cette place ouverte de la drogue.
Coutau Gilbert (L, GE): Jamais deux sans trois, je serai donc le troisième Romand qui va s'expliquer sur ce problème de la drogue, dans ce long débat que nous sommes en train de me- ner à son terme.
Si j'interviens, c'est au double titre d'un de ceux d'entre vous qui ont visité le Letten - il m'arrive d'être à Zurich assez fré- quemment -, et j'ai eu, hélas, l'occasion de voir ce qu'est le Letten après avoir vu ce qu'était le Platzspitz. Ce spectacle est d'une misère totale, même pas d'une misère humaine, je dirai
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que c'est une misère inhumaine. Ce spectacle est fait de vio- lence, il montre toute l'insécurité dans le noeud du Letten comme à ses alentours. Ce spectacle est scandaleux par l'im- punité provocatrice et cynique d'un certain nombre des ac- teurs qui revendent la poudre de mort. Je suis donc de ceux qui sont impressionnés par ce que le Letten signifie comme dérive d'une politique pourtant délibérée des autorités munici- pales et cantonales du canton de Zurich.
J'interviens aussi parce que je fais partie du groupe de travail de la Commission de la sécurité sociale et de la santé publique que le Conseil des Etats a décidé de constituer, sous la prési- dence de M. Onken. Je partage en partie l'état d'esprit dans lequel M. Onken a défini le travail dans lequel nous voulons nous lancer. Personnellement, et après ce débat, je suis plus sceptique sur l'unanimité que nous pourrions arriver à déga- ger en matière de solutions concrètes, compte tenu des échos très divergents qui, finalement, caractérisent cette discussion. Mais je le fais d'abord dans un esprit ouvert, sans préjugé, et ensuite dans un esprit de modestie.
Je ne me considère pas comme un expert en matière de dro- gue, et je n'ai pas de recette toute faite. Je pense qu'il nous faut effectivement faire preuve, comme l'a dit M. Béguin, d'une cer- taine humilité à l'égard du développement de ce problème qui est inquiétant, une fois encore, dans notre pays comme dans d'autres. Une certaine humilité parce qu'effectivement, où que l'on regarde, on constate qu'aucune solution n'est une pana- cée. Il y a un certain nombre d'approches possibles, mais si une panacée existait, depuis le temps qu'on y réfléchit, on sau- rait qu'elle existe et on l'appliquerait.
C'est la raison pour laquelle je me distance du réquisitoire que M. Plattner a lancé tout à l'heure contre le fédéralisme au nom d'une politique unique de la drogue, car autant l'échec cons- taté au Letten est le résultat d'une politique qui ne respecte pas la loi, autant je prétends qu'on ne peut pas affirmer, de façon générale et péremptoire, que toute la politique menée en Suisse face au développement du fléau de la drogue ait été un échec. J'en veux précisément pour preuve les témoigna- ges que nous avons entendus de Schaffhouse, de Bâle, ou même d'autres cantons comme le mien par exemple. Je ne veux pas prétendre qu'il n'y a pas de problème de drogue ni que nous lui avons trouvé une solution, mais je prétends que nous avons mené une approche concertée, pragmatique, dans le triple domaine sanitaire, social et pénal, sans faire de vagues, sans proclamer que nous avions trouvé la solution ultime.
C'est la raison pour laquelle j'estime que même dans une perspective fédéraliste, à condition de respecter les règles na- tionales que nous avons établies, et je dirais même les règles internationales auxquelles nous avons souscrit, il est possible d'approcher le problème de la drogue de façon différente, se- lon les mentalités, selon la culture et selon l'histoire de nos vil- les et de nos cantons. Je crois qu'il est possible de maintenir une notion d'application fédéraliste d'une législation fédérale avec une approche, une fois encore, pragmatique.
J'ai été heureux d'entendre Mme Dreifuss, conseillère fédérale, dire qu'un des objectifs de la politique de la Confédération consistait à faire disparaître la scène ouverte du Letten. Elle a ajouté qu'il fallait faire en sorte d'empêcher l'ouverture d'au- tres scènes ouvertes. Je partage, pour ma part, totalement cet objectif, mais il est vrai qu'il est plus facile de laisser se déve- lopper une scène ouverte que de la décréter fermée un beau soir. J'aimerais insister sur cet aspect de solidarité intercanto- nale. Je vois dans l'approche pragmatique de la solution du problème de la drogue moins une relation des cantons à la Confédération qu'une relation des cantons entre eux. Et j'ap- pelle de mes voeux, sous l'égide de la Confédération ou spon- tanément, la rencontre des directeurs cantonaux des affaires sanitaires, des chefs des départements cantonaux de justice et police et des directeurs cantonaux des affaires sociales des différents cantons concernés. Je crois que c'est à partir des différences qui marquent leur politique, dans le cadre de la lé- gislation fédérale, qu'il sera possible de trouver un certain nombre de coordinations. La loi doit être appliquée, mais elle doit l'être avec la nuance nécessaire à chaque région et à cha- que situation.
En revanche, je ne suis pas de ceux qui applaudissent à la dé- cision du Conseil fédéral d'étendre aussi largement le nombre des participants à l'expérience de distribution d'héroïne sur prescription médicale. Je partage sur ce point les réserves et même l'opposition manifestées par M. Béguin, car je crains qu'avec cette décision on interprète de façon trop extensive la notion d'expérience médicale.
L'expérience menée dans différentes villes de notre pays à propos de la distribution d'héroïne est loin d'être terminée. Nous sommes loin de pouvoir en apprécier les résultats au- jourd'hui. Certaines premières appréciations ont été publiées. L'un ou l'autre de nos collègues a pu même mettre en doute la qualité scientifique de ces premières appréciations. En ce qui me concerne, je ne sais rien des méthodes de sélection des personnes choisies pour participer à cette expérience. Quel était leur vécu, quelle était leur situation, quels étaient leurs es- poirs ou leur volonté de se sortir de cette situation? Personnel- lement, je ne sais rien de cet aspect des choses. Or, cet aspect de sélection est absolument fondamental si l'on veut éviter que, sous prétexte d'expérimentation sous contrôle médical, on aboutisse purement et simplement à une distribution géné- ralisée d'héroïne.
Il nous faut pouvoir absolument faire confiance à un certain nombre de constatations qui doivent avoir un fondement scientifique incontestable avant de nous engouffrer dans une voie qui pourrait être une fuite en avant et qui nous conduirait finalement dans une impasse.
Je prie le Conseil fédéral de confirmer que sa décision de ce matin se situe dans un contexte strict d'expérimentation sous contrôle médical, qu'il ne s'agit en aucun cas d'un premier pas vers une distribution généralisée. En tout cas pour ma part, je m'opposerai avec la dernière énergie à toute modification de la législation dans le sens d'une distribution généralisée de drogues dures.
Voilà quelques éléments qui vous montrent que même en ayant peut-être moins de problèmes spectaculaires que ceux qui, malheureusement, illustrent la scène ouverte du Letten, il est possible, comme l'a dit M. Roth, que les cantons romands manifestent un intérêt pour le problème de la drogue, re- connaissent qu'ils participent à la lutte contre ce fléau, mais qu'ils l'approchent peut-être avec plus de pragmatisme et avec moins de dogmatisme partisan. C'est dans cet esprit que je continuerai à partager les réflexions et, je l'espère, les pro- positions que le groupe de travail présidé par M. Onken pourra vous présenter.
Schüle Kurt (R, SH): Im Kreis 5 in Zürich bestehen unhaltbare Zustände. Das war der Ausgangspunkt für diese engagierte und, wie ich meine, sehr nötige Diskussion. Aber auch nach dieser Diskussion glaube ich persönlich, der ich mich auch zu den Suchenden in dieser schwierigen Frage zähle, nicht an den grossen Wurf, sondern viel eher daran, dass wir uns Schritt für Schritt dem Ziel nähern müssen. Ich unterstütze den Bundesrat auf dieser Suche nach einem dritten Weg, so, wie der Bundesrat dies heute morgen mit seinen Entscheiden zum Ausdruck gebracht hat, und ich hoffe mit dem Präsiden- ten der Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit, dass der Bundesrat diese Politik mit Besonnenheit, mit Mass und Entschlossenheit verfolgt
Sie haben es von Kollege Seiler Bernhard gehört: In der Stadt Schaffhausen hat am 25. September eine drogenpolitische Abstimmung stattgefunden. Wir haben einen wichtigen Schritt getan. Mit der knappen Stimmenmehrheit von 121 Stimmen haben wir ja gesagt zu einem Tages- und Injektionsraum. Wir haben beschlossen, diesen Weg, der nicht ohne Risiken ist, zu beschreiten, einen Weg, für den man Verantwortung überneh- men muss. Dass das gelungen ist, war nur dank einem breiten Konsens möglich. Die Schaffhauser Ärzteschaft hat diesen Weg mitgetragen, hat zu diesem Konzept ja gesagt, und mass- gebend beteiligt war auch unser Sozialreferent, Stadtrat Kurt Schönberger, der - glücklicherweise, würde ich beifügen - der SVP angehört.
Mit diesem Tages- und Injektionsraum beginnt ein zweijähri- ger Versuch. Nachher wird das städtische Parlament über die Weiterführung entscheiden. Hier geht es um die Überlebens-
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hilfe. Es geht darum, einen ersten Schritt Richtung Ausstieg aus dem Drogenelend zu ermöglichen, den Zugang zur Be- treuung zu ermöglichen, und es geht uns in Schaffhausen darum, dass wir die Drogenabhängigen nicht «exportieren» - wenn ich es so formulieren darf -, sie nicht einfach auf die Reise nach dem nahen Zürich schicken wollen. Es ist ganz klar, dass hier kein rechtsfreier Raum entsteht. Der Handel mit Betäubungsmitteln wird nicht geduldet. Es gibt keinen Zutritt für Personen aus dem Ausland und auch nicht für Kinder, und die ärztliche Betreuung ist sichergestellt.
Ich glaube, dass das zwar nur ein kleiner Schritt ist, aber eben doch ein Schritt in der Richtung, dass wir landesweit Struktu- ren schaffen, die es erst ermöglichen, dass wir die offene Szene in Zürich beseitigen können. Darum begrüsse ich die Ausweitung dieses Versuches mit der ärztlich kontrollierten Abgabe von Heroin. Wir Schaffhauser partizipieren sonst im- mer mit einem Prozent am Bund. Wenn wir hier nun 25 Plätze schaffen, wenn andere Ortschaften, Städte und Kantone in der gleichen Weise mitmachen, bleibt auch der ausgeweitete Ver- such mit 1000 Beteiligten in einer absolut vertretbaren Grösse. Selbstverständlich ist die ärztliche Überwachung dieser Ver- suche Voraussetzung dafür, dass man das machen darf.
Ich habe es gesagt: Wir alle sind gefordert, die Kantone, die grösseren Ortschaften. Man muss dringend die nötigen Struk- turen bereitstellen. Ich glaube, Frau Weber Monika ist zum Teil missverstanden worden. Ich habe Ihre Interpellation viel eher als Notschrei der geplagten Stadt Zürich, dieses Kreises 5, empfunden, der die eidgenössische Solidarität nötig macht. Ich bin überzeugt, dass «Zürich» ein nationales Problem ist, das wir gemeinsam lösen müssen. Das kann aber noch lange nicht heissen, dass die Lösung für die Stadt Zürich gleichge- setzt wird mit der Lösung für die ganze Schweiz. Die Stimmen aus der Romandie haben wir gehört. Hier muss man die örtlich angepassten richtigen Lösungen finden. Aber wichtig scheint mir, dass der Bund mithilft, vorangeht, diese Führungsrolle übernimmt - vor allem im Kampf gegen den Drogenhandel -, dass er die Voraussetzungen schafft, dass wir möglichst vielen Süchtigen Therapieplätze zuweisen können und dass er bei der Bereitstellung der Infrastruktur im Therapiebereich mit- wirkt. Das scheint in der Umsetzung dieses Drogenkonzepts noch eine Schwachstelle zu sein.
Gefragt sind neue Wege zum alten Ziel einer markanten Ver- minderung des Drogenproblems. Ich glaube, die suchtfreie Gesellschaft ist heute und morgen eine Illusion.
Weber Monika (U, ZH): Zum Schluss möchte ich Ihnen für diese Diskussion ganz herzlich danken. Ich habe sie grossar- tig gefunden, und ich glaube, trotz unterschiedlicher Meinun- gen sind wir einen Schritt in die richtige Richtung weiterge- kommen - indem wir miteinander geredet haben. Man kann das Gesagte vielleicht so zusammenfassen: Wir alle sind auf der Suche nach Lösungen.
Dafür möchte ich Ihnen noch einmal danken.
Dreifuss Ruth, conseillère fédérale: Je suis malheureusement forcée d'apporter une réponse à un certain nombre de points, d'éléments, de questions, et j'essaierai bien sûr d'être aussi brève que possible et de me structurer en quatre ou cinq points.
Le point de départ de cette discussion, M. Schule l'a répété tout à l'heure, c'est le problème de Zurich qui est à l'origine de cette interpellation, du caractère urgent qui a été donné à ce débat, mais il ne s'agit pas d'un problème zurichois, il s'agit d'un problème national. Je crois que la discussion l'a très clai- rement montré et c'est la raison même pour laquelle le Conseil fédéral cherche des solutions qui soient des réponses au pro- blème de la drogue en général; il considère qu'il n'y a pas né- cessité de procéder par un droit d'urgence, par des lex Letten, par des interventions qui répondent uniquement aux besoins de cette période de crise vécue sur la scène ouverte du Letten. Une question se pose: est-ce que le Conseil fédéral ne devrait pas prendre un leadership dans ce domaine, modifier la loi fé- dérale sur les stupéfiants (LStup), instituer une compétence nationale dans ce domaine? Des interventions ont été dans ce sens. Le Conseil fédéral ne partage pas cet avis. Au contraire,
il pense que dans ce domaine nous avons besoin de toute la richesse des expériences déjà faites, nous avons besoin d'ou- vrir la palette aux différentes possibilités de prise en charge-je préciserai tout à l'heure dans quel domaine ces prises en charge sont nécessaires - et que tout leadership qui consiste- rait à dessiner une voie qui serait celle d'une intervention privi- légiée, excluant d'autres, ne serait certainement pas la bonne, étant donné aussi les différences de mentalités, les différences d'approche qui existent dans notre pays face au problème de la toxicomanie.
Par ailleurs, le Conseil fédéral ne considère pas comme urgent de modifier la LStup pour deux raisons: la première - M. Koller, conseiller fédéral, pourra y répondre -, c'est que no- tre analyse des possibilités qu'offre la loi en matière de recher- che scientifique et d'utilisation médicale nous a permis de prendre les décisions que nous avons prises ce matin sans modification de la loi; la deuxième, c'est bien sûr que ce pro- cessus demande un débat politique approfondi. Ce débat a lieu, il aura lieu: une initiative populaire a été déposée.
Permettez-moi juste en passant, Monsieur Kündig, de dire que le Conseil fédéral n'a jamais parlé d'extrême droite, mais qu'il a tout simplement dit que l'initiative en question avait reçu le soutien de milieux de droite, comme il le dit aussi lorsqu'il s'agit de milieux de gauche ou d'initiatives populaires qui vien- nent d'autres milieux; ceci n'a rien d'injurieux, certainement pas pour des gens d'ailleurs qui se sentent appartenir à cette mouvance politique.
Une initiative populaire a été déposée, et une autre initiative populaire va être déposée. Ces deux initiatives nous parais- sent être des deux côtés du chemin qu'il nous semble préféra- ble d'emprunter, qui est cette troisième voie dont il a été abon- damment question ce soir. Nous aimerions attendre cette dis- cussion pour pouvoir modifier la LStup en fonction d'un choix que la population aura été amenée à prendre.
Le Conseil fédéral a chargé le Département fédéral de l'inté- rieur d'instituer un groupe d'experts - on le constituera d'ail- leurs après avoir consulté également le Département fédéral de justice et police - en vue d'élaborer des propositions pour d'éventuelles modifications de la loi, et d'examiner dans quelle mesure, parallèlement à la discussion sur l'initiative po- pulaire «Jeunesse sans drogue», certaines propositions peu- vent être faites, par exemple en ce qui concerne la privation de liberté à des fins d'assistance - le FFE («fürsorgerische Frei- heitsentzug») - ou la pratique de la punissabilité de la consom- mation. Ce groupe d'experts devra nous donner des réponses qui nous seront également utiles pour la discussion sur l'initia- tive populaire à l'occasion du message que nous vous présen- terons. Ces éventuelles modifications, plus rapides qu'une modification plus fondamentale, devront être présentées au printemps 1995, le rapport général étant attendu à la fin de 1995. Voilà donc la position du Conseil fédéral: pas d'urgence à modifier la LStup; le cadre légal, par contre, doit être exploité au maximum. Chacun des niveaux de compétence doit être utilisé de façon absolument déterminée. C'est ce que fait le Conseil fédéral et nous invitons également les cantons et les communes à en faire de même.
Deuxièmement, dans ce cas, la Confédération s'en tient, mal- gré tout, à une fonction de soutien et de coordination. Je re- connais tout à fait les critiques qui ont été faites ce soir: ce sou- tien et cette coordination doivent encore être intensifiés. Ils doivent l'être dans une collaboration plus profonde, plus confiante d'ailleurs aussi avec les cantons et les villes. Si, jusqu'à présent, je me suis principalement concentrée sur des contacts bilatéraux ou ponctuels, allant voir les cantons, réu- nissant les représentants des villes, essayant de trouver des interlocuteurs dans des communes et des cantons ayant adopté des politiques différentes, le moment est effectivement venu de passer à ce que vous appelez de vos voeux, c'est-à- dire une conférence ou une plate-forme plus régulière d'échanges de ces expériences.
La conférence que nous envisageons de convoquer, pour qu'elle soit non pas simplement un lieu d'écoute, mais de dé- claration, devrait avoir lieu, à notre avis, au tout début de l'an- née prochaine, et devrait pouvoir approfondir vraiment les questions et les expériences que pourront apporter les diffé-
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rents partenaires dans les divers domaines de la politique de la drogue. Entre temps, le dialogue permanent que nous es- sayons d'instituer, que ce soit M. Koller, conseiller fédéral, ou moi-même, avec les cantons se poursuit.
Troisièmement, quelles sont les priorités d'une politique de la drogue? Là, je suis presque paradoxalement reconnaissante à M. Kündig. Il a raison lorsqu'il dit que les essais de prescrip- tion de la drogue ne sont qu'un élément marginal de ce que doit être réellement une politique de la drogue. Je partage ab- solument son avis, et c'est d'ailleurs la raison pour laquelle le nombre des personnes touchées doit aussi rester limité, et l'approche extrêmement prudente et lente dans l'attente des résultats.
La priorité des priorités, c'est la prévention. Mais c'est une tâ- che en premier lieu cantonale. En ce qui concerne la Confédé- ration, un appui doit être apporté - et il l'est - à la formation des responsables en matière de prévention. L'appui doit être donné aux expériences qui sont faites dans les écoles: média- teurs scolaires, interlocuteurs des jeunes. Nous travaillons avec des organisations de jeunes pour élaborer un matériel qui les amène à réfléchir à la toxicomanie, mais également à la dépendance d'autres substances dont la consommation est légale, mais les effets tout aussi ravageurs. Donc prévention comme priorité et comme appui de la part de la Confédération. Thérapie: là, nous n'avons pas dormi. Nous avons fait une analyse des lacunes dans les places de thérapie, en particulier les places stationaires. Nous voulons donner des aides de dé- part pour combler ces lacunes. Nous voulons également, dans cette vision fédéraliste, mettre à la disposition de la Conférence des directeurs cantonaux des affaires sociales la possibilité de gérer les places de thérapie, de savoir où on trouve celles-ci de façon à ce qu'elles puissent être utilisées de la manière la plus efficace possible. Là aussi, il s'agit d'un dia- logue permanent avec les cantons.
Aide à la survie. C'est certainement quelque chose de nou- veau, également dans la discussion internationale. Mais c'est de plus en plus un élément retenu de la discussion internatio- nale, qu'elle soit appelée «consommation sans risque», «ris- que atténué dans la consommation» ou, comme nous le fai- sons en Suisse, «aide à la survie». Il faut mettre des seringues à disposition. Là, j'aimerais m'adresser aux cantons romands ou à certains cantons alémaniques: c'est par cela que com- mence la «chance» de garder chez soi ses propres toxicoma- nes, parce que s'ils doivent déjà se rendre à Zurich pour se procurer une seringue, d'autant plus y resteront-ils pour trou- ver également de la drogue. «Aide à la survie», ce sont les me- sures dont nous avons entendu parler par les représentants de Schaffhouse, de Bâle, de Berne et de Soleure. Elles sont nécessaires pour tendre la main à des jeunes, le plus souvent, qui sont en perdition et qui encourent les plus grands risques. C'est là que la solidarité intercantonale est peut-être encore in- suffisante.
Permettez-moi d'ajouter les mesures sociales, dont on parle peut-être trop peu: logement, travail, réintégration profession- nelle. M. Seiler Bernhard a cité les exemples suédois. Pour- quoi parle-t-on si peu, lorsqu'on nomme les modèles d'autre pays, de tout le filet social mis en place, de toute la prise en charge assurée par les communes, du travail et des loge- ments offerts? Posons-nous la question de savoir si, par sa po- litique sociale, la Suisse, en général, a créé les conditions qui lui permettent ce traitement social de la toxicomanie égale- ment. La Confédération est totalement dépourvue de moyens d'action, mis à part les assurances sociales - je pense en parti- culier à l'assurance-invalidité. Ces tâches sont essentielle- ment prises en charge par les cantons et les communes.
Après avoir essayé de montrer que c'est effectivement une large palette et une approche «concertée et pragmatique» - pour citer l'un d'entre vous - qui sont nécessaires, je revien- drai maintenant aux décisions prises ce matin par le Conseil fédéral.
Premièrement, plus de thérapie, plus d'appui aux cantons, c'est nécessaire, car nous avons tous dû constater un certain déséquilibre entre les différents piliers d'une politique de la drogue. Ensuite, l'extension des essais scientifiques en ma- tière de distribution de drogue. J'aimerais donner ici un certain
nombre d'assurances. Le Conseil fédéral a pris cette décision aux conditions suivantes: l'extension des essais doit rester dans les limites d'une recherche scientifique; la remise sous contrôle médical doit continuer de s'effectuer dans un cadre médico-thérapeutique; le nombre de participants aux essais de prescription d'héroïne doit être limité de façon à satisfaire aux exigences de la LStup, qui parle d'une application médi- cale limitée - nous avons ainsi déterminé que ce nombre pou- vait s'articuler aux alentours de mille. L'intention du Conseil fé- déral est absolument claire de ne pas dépasser cet ordre de grandeur, de ne pas généraliser cet appui à l'ensemble des personnes gravement dépendantes, et de ne pas baser toute son approche thérapeutique, loin de là, sur ce type de prise en charge; l'acquisition de stupéfiants doit être approuvée par l'Organe international de contrôle des stupéfiants de l'ONU; les essais élargis doivent être conformes aux directives de l'Académie suisse des sciences médicales concernant les re- cherches expérimentales sur l'homme; enfin, petit détail, la clé de répartition du financement entre la Confédération et les res- ponsables locaux des projets reste inchangée, la Confédéra- tion n'assume qu'une partie des frais de prise en charge et les frais de l'évaluation scientifique, la même équipe scientifique restant en place pour cette phase d'extension.
Alors quelles sont les hypothèses de travail, demandait M. Morniroli en particulier? Elles sont indiquées dans l'ordon- nance, pour la première phase. Il s'agit bien sûr de voir si de tels projets permettent de stabiliser ou d'améliorer l'état de santé des toxicomanes, de faciliter la réinsertion sociale et la reprise d'une activité professionnelle, de réduire la délin- quance liée à l'acquisition de stupéfiants. Voilà les principales questions ou hypothèses qui sont faites, et qui se trouvent dans l'ordonnance du 21 octobre 1992 sur l'évaluation de pro- jets visant à prévenir la toxicomanie et à améliorer les condi- tions de vie des toxicomanes. Sur ce plan-là, les résultats sont insuffisants pour tirer des conclusions, suffisants pour souhai- ter l'extension des essais.
Quels sont les éléments dont nous disposons déjà actuelle- ment, sous réserve d'une répétition nécessaire pour des rai- sons de sécurité scientifique? C'est la possibilité d'améliorer rapidement l'état de santé. C'est également des indications claires sur l'utilisation, à des fins thérapeutiques, de la mor- phine qui se révèle impropre à cet usage. Nous avons eu le sentiment qu'il fallait assouplir le plan de recherche quant au nombre de participants aux essais. Il y avait une pensée trop schématique derrière l'ordonnance de 1992. J'aimerais dire aussi quels sont les types de questions que nous nous posons et pour lesquelles nous avons besoin d'un élargissement; j'en formulerai quatre.
Peut-on combiner la prescription d'héroïne par voie intravei- neuse et de méthadone par voie orale? C'est intéressant dans la mesure où l'un des premiers buts est d'éloigner les gens de la seringue, à laquelle ils sont attachés pour des raisons non pas physiologiques, mais psychologiques, comme ils le répè- tent avec beaucoup de conviction pathétique.
Dans quelles conditions et dans quel laps de temps le pas- sage de la prescription d'héroïne à la prescription moins contraignante de méthadone par voie orale est-il possible? Une offre décentralisée de programmes de prescription à proximité des lieux de domicile permettrait-elle de motiver da- vantage de patients à suivre un traitement?
Dans quelle mesure l'intégration de programmes de prescrip- tion d'héroïne est-elle compatible avec d'autres programmes thérapeutiques et leurs groupes de patients? Voilà les hypo- thèses que nous désirons vérifier.
Je n'entre peut-être pas dans le détail des méthodes de sélec- tion, dont M. Coutau disait qu'il ne les connaissait pas; je peux tout simplement lui donner l'assurance qu'elles sont très ri- goureuses, que les programmes sont surveillés, qu'il s'agit de cas de toxicomanie grave, de dépendance avérée, avec toute une série d'échecs dans des sevrages et dans des tentatives de réintégration par des thérapies normales.
Pour conclure et pour ne pas être trop longue, j'aimerais re- prendre le mot «humilité» qui a été prononcé à deux ou trois reprises dans cette salle. Le Conseil fédéral partage cette hu- milité, cette difficulté à trouver des solutions. Il refuse donc le
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dogmatisme, mais affirme sa volonté de prendre au sérieux ce problème, en ne se privant a priori d'aucun moyen d'aider en particulier notre jeunesse, dans la lutte contre la drogue, qui est souvent une lutte que les gens doivent mener contre eux- mêmes.
J'aimerais vous rappeler deux choses qui ont certainement modifié toute l'approche du problème de la toxicomanie: la première est l'épidémie de sida et les dangers accrus qui sont liésoute consommation de substances injectables. Cela doit être notre objectif, nous devons sauver les gens, nous devons veiller à ce qu'ils ne se condamnent pas à mort en s'adonnant à la toxicomanie. La deuxième, elle m'angoisse depuis des années, nous avons également un des plus hauts taux de suicide parmi la jeunesse; nous possédons un des plus hauts taux d'alcoolisme: nous avons sans doute des élé- ments qui conduisent à une pathologie sociale particulière dans ce pays. Prenons-la au sérieux et essayons en toute humilité de trouver les moyens de lutter contre cette patholo- gie sociale; ce ne peut être, aux yeux du Conseil fédéral, qu'une voie sans dogmatisme et ouverte à toutes les expé- riences.
Koller Arnold, Bundesrat: Ihre betont sachliche Diskussion, für die ich bestens danken möchte, hat meines Erachtens klar gezeigt, dass die bundesrätlichen Beschlüsse den Hand- lungsspielraum, der auf einem einigermassen gemeinsamen Nenner beruht, ausgenützt haben. Ich bin Ihnen daher dank- bar, dass von keiner Seite irgendwelche Anträge auf dringli- che Bundesbeschlüsse gestellt worden sind, denn diese wür- den uns - in welcher Richtung auch immer - sicher nicht zu- sammenführen, sondern eher wieder auseinandertreiben.
Um beim Letten zu bleiben, welcher ja Anlass für diese Inter- pellation war: Wir sind uns alle im klaren, dass die von allen angestrebte Schliessung doch in erster Linie ein Vollzugspro- blem und nicht ein Gesetzgebungsproblem ist.
Ich bin auch überzeugt: Erst wenn wir alle in diesem Land die geltenden Gesetze wirklich systematisch anwenden, kommen wir auch aus dem ideologischen Grabenkrieg heraus, denn dann werden wir sehen, was diese geltenden Gesetze und die dahinterstehenden Konzepte tatsächlich zur Lösung des Dro- genproblems beizutragen vermögen und wo allenfalls noch gewisse Lücken oder Defizite bestehen.
Herr Plattner, aus dieser Sicht hatte ich etwas Mühe - ich weiss aber nicht, ob ich nicht richtig gehört habe -, dass Sie gesagt haben, das Primat der Strafjustiz sei schuld am Drogenpro- blem in der Schweiz. Ich glaube, davon kann wirklich nicht die Rede sein. Gerade im Zusammenhang mit dem Letten kann man sich nicht darauf berufen, weil dort die Strafjustiz weitge- hend nicht angewendet wurde.
Wir sind uns im Bundesrat vollständig einig, dass Repression zwar nicht alles ist, dass wir wirklich dieses Bündel von Mass- nahmen brauchen. Aber ohne Repression, das zeigt die in- und ausländische Erfahrung, geht es auch nicht.
Das andere Problem, das noch aufgeworfen worden ist, hat Frau Bundesrätin Dreifuss ausführlich behandelt. Ich möchte es aus der Sicht des Justizministers bekräftigen. Diese Ände- rung des Gesamtplanes der Versuche bleibt vollständig im Rahmen der wissenschaftlichen Zwecksetzung, wie sie in der Verordnung in Artikel 1 umschrieben ist. Das ist für uns eine ganz klare und entscheidende Leitlinie. Auch der geänderte Gesamtplan, der übrigens gemäss Artikel 11 noch vom Ge- samtbundesrat genehmigt werden wird, dient dem Studium der Frage, ob solche Massnahmen - ärztliche Abgabe von Be- täubungsmitteln, vor allem auch Heroin - nicht einen Beitrag zum Ausstieg zu leisten vermögen, und zwar im Hinblick auf die in der Verordnung genannten drei Parameter: Verbesse- rung der persönlichen Gesundheit und der Lebensbedingun gen, Verbesserung der gesellschaftlichen Integration im Sinn der Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit und Verbesserung in bezug auf die Beschaffungskriminalität.
Wir bleiben vollständig im Rahmen von Artikel 1 der Verord- nung. Ich kann Ihnen garantieren: Es ist wirklich nicht der Wille des Bundesrates, über eine Verordnungsänderung irgendwie eine stille Revision des Betäubungsmittelgesetzes anzu- streben.
Wenn diese Versuche positiv verlaufen und wenn sich die ärzt- liche Abgabe von Heroin bewähren sollte, was zurzeit noch vollständig offen ist, dann ist uns klar, dass für weitere Schritte eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes nötig wäre. Et- was anderes steht für den Bundesrat überhaupt nicht zur Dis- kussion. Wir haben heute auch ganz klar festgelegt, dass keine weiteren Änderungen dieser Verordnung mehr Platz greifen werden. Jetzt führen wir diesen Gesamtplan durch, werten ihn wissenschaftlich aus, und dann entscheiden wir, welche Folgerungen aus diesen wissenschaftlichen Versu- chen tatsächlich zu ziehen sind. Aber dass es gute wissen- schaftliche Gründe für diese Änderung des Gesamtplanes gab, das hat Ihnen Frau Dreifuss in allen Details dargelegt, so dass ich das um diese Zeit nicht wiederholen möchte.
Ich glaube, damit sind auch die Fragen beantwortet, die Herr Béguin gestellt hat. Persönlich bin ich überzeugt, dass wir - um noch einmal auf den Anlass dieser Diskussion zurückzu- kommen - mit Stadt und Kanton Zürich wirklich zu Taten schreiten müssen, um dieses unerträgliche Ärgernis Letten so rasch als möglich zu beseitigen. Wir werden damit das Dro- genproblem in unserem Land noch nicht gelöst haben, das wird uns zweifellos noch lange beschäftigen. Aber schon die Schliessung des Letten ist eine bedeutende Tat, die wir nur ge- meinsam werden realisieren können.
Präsident: Damit ist die Debatte zur Interpellation Weber Mo- nika abgeschlossen. Obwohl keine Beschlüsse zu fassen wa- ren, haben Sie an der langen Diskussion zahlreich teilgenom- men. Sie haben damit das Gewicht unterstrichen, das diesem Problem aus unserer Sicht und aus jener der Bevölkerung zu- kommt.
Schluss der Sitzung um 21.45 Uhr La séance est levée à 21 h 45
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Dringliche Interpellation Weber Monika Drogenproblematik. Unverzügliches Handeln Interpellation urgente Weber Monika Problème de la drogue. Intervention immédiate
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1994
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Anno
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III
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Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Ständerat
Conseil
Conseil des Etats
Consiglio
Consiglio degli Stati
Sitzung
09
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 94.3344
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Numero dell'oggetto
Datum 03.10.1994 - 17:15
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