S
543
Standesinitiative Tessin
von Bundesrechts wegen keine Ordnung der Aparthotels mehr vorsehen. Das wird künftig ausschliesslich Sache des kantonalen Rechts sein. Es ist Sache der Kantone, zu ent- scheiden, ob sie solche Regelungen weiterführen wollen oder nicht.
Der Unterschied besteht darin, dass Herr Gadient meint, das wäre auch ein Anlass, um in die bestehenden Rechtsverhält- nisse einzugreifen und diese alten, bestehenden Auflagen, die im Rahmen von Aparthotelordnungen bestehen, nun auch gleich aufzuheben.
Dazu sagt der Bundesrat: Nein, das möchten wir nicht tun, und zwar aus Gründen der Rechtssicherheit und des Schutzes des Vertrauens. Wir möchten nicht von Bundesrechts wegen un- nötig in bestehende Rechtsverhältnisse eingreifen - mit der Folge, dass beispielsweise ein Hotelier, der bisher auf diese Vereinbarungen vertraut hat, tatsächlich riskiert, dass ihm am Schluss nur noch das Restaurant bleibt und diese Apartwoh- nungen für die Zeit, wo der Ausländer nicht in der Schweiz ist, nicht mehr zur Verfügung stehen.
Das ist der Hauptgrund, weshalb wir gesagt haben, wir möch- ten in diese altrechtlichen Verhältnisse nicht eingreifen; diese sollen weiterbestehen, wie sie vereinbart und rechtlich geord- net worden sind, aber künftig soll es von Bundesrechts wegen keine neuen Aparthotelordnungen mehr geben.
Weiter sind wir der Meinung, dass auch aus föderalistischen Gründen nicht in die Autonomie der Kantone und in beste- hende Rechtsverhältnisse eingegriffen werden sollte.
Abstimmung - Vote Für den Antrag der Kommission Für den Antrag Gadient
16 Stimmen 11 Stimmen
Ziff. IV Antrag der Kommission Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Ch. IV Proposition de la commission Adhérer au projet du Conseil fédéral
Salvioni Sergio (R, TI): J'interviens à titre individuel, mais je pense interpréter l'opinion de la majorité des membres de la commission.
Je vous ai dit auparavant que le Département fédéral de justice et police a mandaté une commission pour faire une expertise concernant les conséquences positives et négatives d'une li- béralisation totale ou un peu plus poussée. Seulement, cette affaire traîne depuis plus d'une année, il y a des initiatives en suspens et, à notre avis, le délai que la commission s'est fixé est trop long. Nous ne pouvons pas accepter qu'elle siège à la fin août et qu'elle prévoie, s'il y a consensus, de donner ses conclusions officielles au Conseil fédéral pour la fin de l'an- née. Là, on perd des mois et des mois, les choses traînent et je pense que ce n'est pas l'intention de la commission.
J'exprime ici le désir que le Conseil fédéral et M. Koller en particulier interviennent auprès de la commission afin d'accé- lérer les travaux, d'avoir une réponse plus rapide - je pense que c'est aussi le désir et l'opinion de M. Koller, conseiller fé- déral -, et qu'on puisse enfin en arriver à une réforme défini- tive, du moins dans le sens relatif que cela peut avoir dans no- tre système juridique. Je ne pense pas qu'on puisse accepter qu'une solution, qu'un projet soit retardé durant des années parce que la commission prend son temps pour examiner les choses.
Selon le rapport intermédiaire, la présidence de la commis- sion dispose de tous les éléments pour juger. Alors, je ne vois pas pour quelles raisons la commission attend jusqu'à la fin août pour se réunir et ensuite jusqu'à la fin de l'année pour transmettre ses conclusions au Conseil fédéral.
C'est la raison pour laquelle je prie instamment M. Koller, conseiller fédéral, d'intervenir afin d'abréger et d'accélérer la procédure.
Koller Arnold, Bundesrat: Bei aller Ungeduld - ich habe in Sa- chen Gesetzgebung auch einige Erfahrung - lohnt es sich meines Erachtens, wenn Sie einer Expertenkommission einen minimalen Zeitraum einräumen, damit sie eine sorgfältige Ge- setzesvorlage vorbereiten kann.
Ich habe auch schon das Gegenteil erlebt: Wenn wir ohne sorgfältige Analyse der Lage irgendwelche Notrechtsbe- schlüsse erlassen, was ist dann die Folge? Die Folge ist, dass wir Dutzende von Beschwerden haben; bei Ihren Notrechtsbe- schlüssen in der Krankenversicherung beispielsweise wird mein Beschwerdedienst von Beschwerden überhäuft. Das sind die Folgen, wenn eine Gesetzgebung schlecht vorberei- tet ist.
Herr Salvioni, bei allem Verständnis: Einer Expertenkommis- sion, die gute Vorschläge auf einem so heiklen Gebiet erarbei- ten soll, müssen wir eine Minimalzeit von mindestens einem Jahr gewähren, sonst besteht erstens die Gefahr, dass es le- gislatorisch keine gute Arbeit wird, und zweitens besteht die Gefahr, dass erwünschte Konsensmöglichkeiten nicht ausge- arbeitet werden können; dann sind alle Konflikte im Parlament auszutragen.
Ich verspreche Ihnen, wenn nötig Druck aufzusetzen, damit der Zeitplan, den ich angekündigt habe, eingehalten wird. Aber ich bin überzeugt davon, dass es am Schluss sogar kon- traproduktiv wäre, die Expertenkommission noch mehr zu drängen.
Angenommen - Adopté
Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble Für Annahme des Entwurfes Dagegen
25 Stimmen
3 Stimmen
An den Nationalrat - Au Conseil national
94.300
Standesinitiative Tessin Liberalisierung des Grundstückerwerbs durch Ausländer
Initiative du canton du Tessin Libéralisation de l'acquisition de biens immobiliers par des étrangers
Salvioni Sergio (R, TI) unterbreitet im Namen der Kommission für Rechtsfragen (RK) den folgenden schriftlichen Bericht:
Am 25. Januar 1994 reichte der Kanton Tessin eine Standesin- itiative ein, welche von den eidgenössischen Räten verlangt, den Grundstückerwerb durch Ausländer mit einer dringlichen und grundlegenden Änderung der diesbezüglichen Gesetz- gebung schrittweise zu liberalisieren.
Erwägungen der Kommission
Die Kommission für Rechtsfragen, welcher dieses Geschäft zur Beratung zugewiesen wurde, prüfte die Standesinitiative am 14. April 1994. Sie hält fest, dass das vom Kanton Tessin vorgebrachte Anliegen bereits bei der laufenden Teilrevision der Lex Friedrich zur Diskussion steht. Die Liberalisierung des Grundstückerwerbs durch Ausländer bildet den Hauptpunkt dieser Revision. Die Kommission verweist im übrigen auf die diesbezüglichen Beratungen in den Räten.
Salvioni Sergio (R, TI) présente au nom de la Commission des affaires juridiques (CAJ) le rapport écrit suivant:
Constitution du canton de Berne. Garantie
544
E 7 juin 1994
Le 25 janvier 1994, le canton du Tessin a déposé une initiative cantonale par laquelle il demandait à l'Assemblée fédérale de réviser d'urgence et en profondeur la législation fédérale afin de libéraliser progressivement l'acquisition de biens-fonds par des étrangers.
Considérations de la commission
La Commission des affaires juridiques a examiné ladite initia- tive le 14 avril 1994. Elle note que la modification proposée par le canton du Tessin figure déjà parmi les points traités dans le cadre de la révision en cours de la loi dite «lex Friedrich», dont l'acquisition de biens-fonds par des étrangers constitue d'ail- leurs précisément l'objet principal. Au reste, la commission renvoie aux délibérations des Chambres concernant cette question.
Antrag der Kommission Die Kommission beantragt, der Initiative keine Folge zu geben.
Proposition de la commission La commission propose de ne pas donner suite à l'initiative.
Küchler Niklaus (C, OW), Berichterstatter: Die Standesinitia- tive Tessin verlangt unter anderem, «den Erwerb von Grund- stücken durch Personen im Ausland nach und nach zu liberali- sieren, und zwar durch eine dringlich grundlegende Änderung der einschlägigen Gesetzgebung des Bundes»,
Ihre Kommission ist der Auffassung, dass mit der Revisions- vorlage 94.032, die unserem Rat wirklich rasch unterbreitet worden ist, dem Anliegen der Standesinitiative voll und ganz Rechnung getragen wurde. Diese Vorlage enthält eine grund- legende Änderung, eine Lockerung der Lex Friedrich. Das Be- gehren des Kantons Tessin kann deshalb als erfüllt gelten; der Standesinitiative ist nach Ansicht der Kommission keine Folge zu geben.
Angenommen - Adopté
An den Nationalrat - Au Conseil national
93.096
Verfassung des Kantons Bern. Gewährleistung Constitution du canton de Berne. Garantie
Botschaft und Beschlussentwurf vom 6. Dezember 1993 (BBI 1994 | 401) Message et projet d'arrêté du 6 décembre 1993 (FF 1994 | 401)
Roth Jean-François (C, JU) unterbreitet im Namen der Staats- politischen Kommission (SPK) den folgenden schriftlichen Be- richt:
Nach Artikel 6 Absatz 1 der Bundesverfassung sind die Kan- tone verpflichtet, für ihre Verfassungen die Gewährleistung des Bundes einzuholen. Nach Absatz 2 des gleichen Artikels gewährleistet der Bund kantonale Verfassungen, wenn sie we- der die Bundesverfassung noch das übrige Bundesrecht ver- letzen, die Ausübung der politischen Rechte in republikani- schen Formen sichern, vom Volk angenommen worden sind und revidiert werden können, sofern die absolute Mehrheit der Bürger es verlangt. Erfüllt eine kantonale Verfassung diese Voraussetzungen, so muss sie gewährleistet werden; erfüllt eine kantonale Verfassungsnorm eine dieser Voraussetzun gen nicht, so darf sie nicht gewährleistet werden.
Die Prüfung der vom Berner Volk am 6. Juni 1993 beschlosse- nen Totalrevision der Kantonsverfassung hat ergeben, dass sämtliche Verfassungsartikel die Voraussetzungen für die Ge- währleistung erfüllen.
Im Rahmen der Diskussion über diese Prüfung wurde in der Kommission im übrigen festgestellt, dass diese Totalrevision sowohl in materieller wie auch in formeller Hinsicht als Vorbild für die wünschenswerte Totalrevision der Bundesverfassung gelten kann.
Roth Jean-François (C, JU) présente au nom de la Commis- sion des institutions politiques (CIP) le rapport écrit suivant:
En vertu de l'article 6 alinéa 1er de la Constitution fédérale, les cantons sont tenus de demander à la Confédération la garan- tie de leur constitution. Selon l'alinéa 2 de ce même article, la Confédération accorde la garantie, pour autant que ces consti- tutions soient conformes à la Constitution fédérale et à l'en- semble du droit fédéral, qu'elles assurent l'exercice des droits politiques selon des formes républicaines, qu'elles aient été acceptées par le peuple et qu'elles puissent être révisées lors- que la majorité absolue des citoyens le demande. Si une dis- position constitutionnelle cantonale remplit toutes ces condi- tions, la garantie fédérale doit lui être accordée; sinon, elle lui est refusée.
L'examen de la révision totale de la constitution bernoise adoptée par le peuble bernois, le 6 juin 1993, a révélé que tou- tes les dispositions de la nouvelle constitution remplissent les conditions requises pour l'octroi de la garantie.
En outre, il appert des discussions menées au sein de la com- mission que cette révision totale constitue, aussi bien du point de vue du fond que de celui de la forme, un modèle pour la ré- vision totale de la Constitution fédérale à laquelle on souhaite procéder.
Antrag der Kommission
Die Kommission beantragt einstimmig, den Bundesbeschluss über die Gewährleistung der Verfassung des Kantons Bern an- zunehmen.
Proposition de la commission
La commission propose, à l'unanimité, l'adoption de l'arrêté fédéral concernant la garantie de la constitution du canton de Berne.
Beerli Christine (R, BE): Ich halte mich kurz, damit Sie, Herr Präsident, Ihrem Versprechen nachkommen können, um 13 Uhr die Sitzung zu schliessen. Sie haben zur Gewährlei- stung der neuen bernischen Kantonsverfassung einen schrift- lichen Bericht erhalten. Dem bleibt nichts mehr beizufügen. Die am 6. Juni 1993 von den Bernerinnen und Bernern mit grossem Mehr angenommene Verfassung ist ein gutes, ein zeitgemässes und dennoch in der Tradition verwurzeltes Grundgesetz, dem die eidgenössische Gewährleistung ohne weiteres erteilt werden kann. Es ist daher nicht notwendig, über den Inhalt weitere Worte zu verlieren.
Über den Weg jedoch, der zur Realisierung der Totalrevision führte, möchte ich einen Gedanken weitergeben, denn wie so oft war auch hier der Weg bereits ein guter Teil des Zieles.
Als im Jahre 1986, unmittelbar nach der bernischen Finanzaf- färe, das Projekt der Totalrevision der Verfassung zur Sprache kam, haben viele «vernünftige» Politiker den Kopf geschüttelt und gesagt, wir hätten jetzt wirklich anderes, Wichtigeres zu tun. Sie haben prophezeit, das Projekt werde scheitern oder zumindest im Sand verlaufen. Das tat es nicht. Unter Mithilfe einer grossrätlichen Kommission, die das Projekt realisierte, der Universität und der gesamten Bevölkerung kam eine gute neue Verfassung zustande. Es brachte allen Beteiligten viel, sich wieder einmal von der Flut der Tagesgeschäfte zu lösen und über Partei- und Sprachgrenzen hinaus miteinander über grundsätzliche Werte zu diskutieren. Genau dies täte uns auf Bundesebene auch gut.
Die Zeiten sind vorbei, als man ziemlich konzeptlos ein wenig hier und dort reformieren konnte. Ein solches Vorgehen führt nur zu Flickwerk und damit bei der Bevölkerung zu Politikver-
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Standesinitiative Tessin Liberalisierung des Grundstückerwerbs durch Ausländer Initiative du canton du Tessin Libéralisation de l'acquisition de biens immobiliers par des étrangers
In
Dans
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1994
Année
Anno
Band
II
Volume
Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Ständerat
Conseil
Conseil des Etats
Consiglio
Consiglio degli Stati
Sitzung
06
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 94.300
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 07.06.1994 - 08:00
Date
Data
Seite
543-544
Page
Pagina
Ref. No
20 024 316
Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.