1183
Motion Columberg
Mitunterzeichner - Cosignataires: Bäumlin, Bühlmann, Danu- ser, Diener, Dormann, Gardiol, Goll, Gonseth, Grossenba- cher, Haering Binder, Hollenstein, Jeanprêtre, Leemann, Mi- steli, Robert (15)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Diese Motion wurde im Zusammenhang mit der Übergabe der Petition «Stopp der Gewalt» an den Bundesrat vom 9. Dezem- ber 1993 eingereicht. Die Petition wurde vom Evangelischen Frauenbund der Schweiz lanciert und von 19 Frauenverbän- den unterstützt.
Die Unterzeichnerinnen der Motion gehen davon aus, dass die öffentliche Darstellung von Gewalt zur weiteren Brutalisierung der Gesellschaft führt.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 20. April 1994 Rapport écrit du Conseil fédéral du 20 avril 1994
Im Lauf der letzten Jahre wurde im Strafgesetzbuch (StGB) das Verbot der Gewaltdarstellung (Art. 135 StGB) und der Por- nographie (Art. 197 StGB) verankert. Ziel war es, die Jugend vor den schädlichen Einflüssen solcher Produkte zu schützen. Im Bereich Telekommunikation hat der Gesetzgeber im Fern- meldegesetz (FMG) und in der Verordnung über Fernmelde- dienste (FDV), beide in Kraft seit dem 1. Mai 1992, vorgese- hen, dass die PTT-Betriebe ein Abonnement für ihre Dienstlei- stungen verweigern respektive widerrufen können, wenn sie annehmen müssen, dass der Gesuchsteller das Abonne- ment zu rechtswidrigen Zwecken missbrauchen wird respek- tive missbraucht (Art. 11 Abs. 2 und Art. 12 Abs. 3 FMG). Ob ein Abonnent rechtswidrig handelt, ist schwierig zu beurtei- len, bevor er die Dienstleistung überhaupt erbringen konnte. Wenn hingegen gegen einen Abonnenten ein gerichtliches Urteil vorliegt, können die PTT-Betriebe sofort wirksame Massnahmen treffen, indem sie beispielsweise den An- schluss des Abonnenten sperren oder sein Abonnement wi- derrufen. Im Jahre 1993 verstärkte der Bundesrat den straf- rechtlichen Schutz für die Dienstleistungen Videotex und Te- lekiosk (156er Nummern), indem er den Anbietern solcher Dienstleistungen gewisse administrative Massnahmen aufer- legte. Diese neu eingeführten Bestimmungen verbieten den Anbietern, rechtswidrige Nachrichten zum Abruf bereitzuhal- ten und rechtswidrige Gespräche oder Mitteilungen (Art. 18a Abs. 1 FDV) zuzulassen. Darüber hinaus sollen Personen un- ter 16 Jahren auch vor weicher Pornographie im Sinne von Artikel 197 Ziffer 1 StGB geschützt werden. Deshalb dürfen Anbieter nur dann erotische Nachrichten zum Abruf bereit- stellen oder erotische Gespräche ermöglichen, wenn sie ge- währleisten können, dass die Benützer diese Dienstleistung nur nach vorgängiger Identifikation mittels eines persönli- chen Passworts in Anspruch nehmen können. Ein solches darf unter keinen Umständen an eine Person unter 16 Jahren abgegeben werden.
Was die Telekiosk-Angebote betrifft, tragen das StGB und die administrative Regelung in Artikel 18a FDV den Anliegen der Motion Rechnung, indem sie das Anbieten von Gewaltdarstel- lungen und harter Pornographie (Art. 197 Ziff. 3 StGB) mittels Bild- und Tonaufnahmen, Bildern sowie anderer Gegenstände an alle Personen sowie auch weicher Pornographie an Perso- nen unter 16 Jahren unter Strafe stellen. In einem Entscheid vom 25. Juni 1993 (BGE 109 IV 151) hält das Bundesgericht fest, dass Aufnahmen, die unter einer 156er Nummer angebo- ten werden, als Tonaufnahmen im Sinne von Artikel 197 StGB zu werten sind. Die Einführung eines persönlichen Passwor- tes, das nicht an Personen unter 16 Jahren abgegeben wer- den darf, verhindert den Zugang von Jugendlichen zu dieser Art von Diensten.
Ende Dezember 1993, d. h. einen Monat nach Inkrafttreten des Artikels 18a FDV, stellten die PTT-Betriebe fest, dass 260 Telekiosk-Anbieter auf ihr Abonnement verzichtet hatten. Innerhalb desselben Zeitrahmens setzten die PTT-Betriebe 108 Anschlüsse für die Dauer eines Monats ausser Betrieb, weil die Abonnenten die erforderlichen Schutzmassnahmen nicht ergriffen hatten.
Elektronische Briefkästen (Mailboxes) können Gewaltdarstel- lungen und harte Pornographie zum Abruf mittels einer 156er Nummer oder eines PC bereithalten. In beiden Fällen fallen diese Angebote in den Anwendungsbereich des StGB. Aus- serdem müssen die Mailboxes, die über 156er Nummern er- reicht werden können, eine Identifikation mittels Passwort vor- sehen, wenn sie Pornographie enthalten (Art. 18a FDV). In die- sem Sinn trägt die bestehende Gesetzgebung den Anliegen der Motion bereits Rechnung.
Hingegen könnte geprüft werden, ob dieselbe Passwort- pflicht, die derzeit ausschliesslich für Videotex und Telekiosk gilt, auf andere Telekommunikationsdienste ausgedehnt wer- den sollte, die vergleichbare Informationsangebote umfassen können (wie z. B. die über PC abrufbaren Mailboxes).
Der Bundesrat ist der Meinung, dass die bestehenden Bestim- mungen des Strafgesetzbuches zum Schutz von Leib, Leben und sexueller Integrität sowie die obenerwähnten administrati- ven Massnahmen es erlauben, rechtswidrige Handlungen zu ahnden, die mittels der Dienstleistungen Telekiosk und Video- tex (inklusive über 156er Nummern zugängliche Mailboxes) begangen werden können. Im Bereich Telekommunikation verfügen die zuständigen Behörden somit bereits über eine Auswahl an geeigneten Massnahmen. Darüber hinaus ist der Bundesrat bereit zu prüfen, ob die Passwortpflicht nach Arti- kel 18a FDV beispielsweise auf die via PC zugänglichen Mail- boxes auszudehnen ist.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzu- wandeln.
Überwiesen als Postulat - Transmis comme postulat
94.3042
Motion Columberg Rasche Einführung einer leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe Introduction rapide d'une redevance sur le trafic des poids lourds liée aux prestations
Wortlaut der Motion vom 28. Februar 1994
Der Bundesrat wird beauftragt, den eidgenössischen Räten unverzüglich eine Vorlage zur Einführung einer leistungs- oder verbrauchsabhängigen Schwerverkehrsabgabe zu unterbrei- ten, die mit der EU zu koordinieren ist.
Texte de la motion du 28 février 1994
Le Conseil fédéral est chargé de présenter aux Chambres sans délai un projet d'instauration d'une redevance sur le trafic des poids lourds liée soit aux prestations soit à la consomma- tion, qui soit coordonnée avec les projets de l'UE en la matière.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Bircher Peter, David, Dor- mann, Engler, Epiney, Grossenbacher, Keller Anton, Leu Jo- sef, Kühne, Mühlemann, Nabholz, Ruckstuhl, Seiler Rolf, Stamm Judith, Wanner, Wick (16)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Am 20. Februar 1994 haben das Schweizervolk mit 1 221 473 (67,1 Prozent) gegen 597 673 (32,9 Prozent) Stimmen und fast alle Stände dem Artikel 36quater BV zur Einführung einer leistungs- oder verbrauchsabhängigen Schwerverkehrsab- gabe zugestimmt. Diese breite Zustimmung ist Ausdruck der Akzeptanz für eine verursachergerechte Belastung der Stras-
N 17 juin 1994
1184
Motion Wanner
senbenützung. Sie ist aber auch ein Zeichen der tiefen Sorge, die weite Bevölkerungskreise durch den zunehmenden Schwerverkehr empfinden. Diese Sorgen der Bevölkerung sind ernst zu nehmen. Der eindeutige Wählerauftrag ist dem- nach unverzüglich zu erfüllen. Der angenommene Verfas- sungsartikel 36quater bildet die Grundlage für die Einführung einer leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe. Mit die- sem marktwirtschaftlichen Instrument kann der gesamte Gü- terverkehr erfasst und von der Strasse auf die Bahn verlagert werden. Diese Abgabe soll nicht nur die Kosten für die Stras- sen, sondern auch externe Kosten des Strassenverkehrs (z. B. für Schäden durch Lärm, Abgase und Unfälle) berücksichti- gen. Bei der Ausgestaltung dieser Abgabe muss auf die Aus- wirkungen auf Berg- und Randgebiete Rücksicht genommen werden, da in diesen Gebieten häufig nur der Strassentrans- port möglich ist. Wie der Bundesrat in den Erläuterungen zur Volksabstimmung vom 20. Februar 1994 ausgeführt hat, darf sich die künftige Schwerverkehrsabgabe nicht zum Nachteil dieser Regionen auswirken. Ferner ist sie auch mit der EU zu koordinieren.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 18. Mai 1994 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 18 mai 1994 Der Bundesrat ist bereit, die Motion entgegenzunehmen.
Präsidentin: Der Vorstoss wird von Herrn Leuba bekämpft. Die Diskussion wird verschoben.
Verschoben - Renvoyé
94.3070
Motion der grünen Fraktion Rasche Einführung der leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe Motion du groupe écologiste Redevance sur le trafic des poids lourds liée aux prestations. Mise en oeuvre rapide
Wortlaut der Motion vom 2. März 1994 Der Bundesrat wird ersucht, die gesetzliche Grundlage für die Einführung einer leistungsabhängigen Schwerverkehrsab- gabe raschestmöglich dem Parlament vorzulegen.
Texte de la motion du 2 mars 1994 Le Conseil fédéral est chargé de présenter au Parlement sans délai la base légale qui permettra d'instaurer une redevance sur le trafic des poids lourds liée aux prestations.
Sprecherin - Porte-parole: Diener
Schriftliche Begründung Die Urheber verzichten auf eine Begründung und wünschen eine schriftliche Antwort.
Développement par écrit Les auteurs renoncent au développement et demandent une réponse écrite.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 18. Mai 1994 Der Bundesrat ist bereit, die Motion entgegenzunehmen.
Déclaration écrite du Conseil fédéral du 18 mai 1994 Le Conseil fédéral est disposé à accepter la motion.
Präsidentin: Der Vorstoss wird von den Herren Leuba und Giezendanner bekämpft. Die Diskussion wird verschoben.
Verschoben - Renvoyé
94.3133
Motion Wanner Ergänzung des nationalen Hauptstrassennetzes Réseau des routes nationales. Achèvement
Wortlaut der Motion vom 17. März 1994
Im Nachgang zur eidgenössischen Volksabstimmung vom 20. Februar 1994 (Vorlagen betreffend die Strassenverkehrs- abgaben mit der dort stipulierten Zweckbindung der Mittel für den Strassenbau) ersuchen wir den Bundesrat, ohne Verzug folgende kantonale, jedoch im Zusammenhang mit der natio- nalen Verkehrsplanung stehende Bauprojekte in Gang zu setzen:
a. Kanton Basel-Landschaft: Umfahrung von Sissach (Entla- stung von Sissach)
b. Kanton Zug: Umfahrung der Städte Zug und Baar (Entla- stung von Wohngebieten in Zug und Baar)
c. Kanton Solothurn: Entlastung West (Entlastung der Kan- tonshauptstadt vom Transitverkehr)
d. Kanton Freiburg: Entlastung der Altstadt von Freiburg (Poyabrücke als zentrales Element)
e. Kanton Tessin: Nordumfahrung von Lugano (Entlastung der Stadt Lugano).
Es sind sämtliche von Bundesseite erforderlichen Massnah- men zu ergreifen, die zur raschestmöglich Auslösung des Baus dieser Strassenstücke führen. Dazu gehören insbeson- dere die Aufklassierung der entsprechenden Teilstücke ins schweizerische Hauptstrassennetz sowie die umgehende ver- bindliche Zusprechung der Bundesbeiträge.
Texte de la motion du 17 mars 1994
Après le scrutin fédéral du 20 février 1994 (objets concernant les redevances pour l'utilisation des routes, liant l'affectation des recettes à la construction des routes), nous demandons au Conseil fédéral de mettre en oeuvre sans tarder les projets cantonaux suivants qui sont en relation avec la planification nationale du trafic:
a. canton de Bâle-Campagne: contournement de Sissach (dé- lestage de Sissach)
b. canton de Zoug: contournement des villes de Zoug et Baar (délestage de quartiers d'habitation à Zoug et à Baar)
c. canton de Soleure: délestage ouest (délester la capitale du canton du trafic de transit)
d. canton de Fribourg: délestage de la vieille ville de Fribourg (le pont de la Poya, élément central)
e. canton du Tessin: contournement nord de Lugano (déles- tage de la ville de Lugano).
La Confédération prendra toutes les mesures nécessaires afin que les travaux de construction de ces tronçons routiers puis- sent commencer le plus tôt possible. A cet effet, il conviendra notamment de classer ces tronçons dans le réseau des routes principales suisses et de garantir l'octroi immédiat et contrai- gnant des subventions fédérales nécessaires.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Bezzola, Bonny, Bührer Ge- rold, Bürgi, Cavadini Adriano, Cincera, Comby, Dettling, Ey- mann Christoph, Fischer-Seengen, Fritschi Oscar, Früh, Graber, Grossenbacher, Gysin, Heberlein, Hegetschweiler, Jäggi Paul, Leu Josef, Loeb François, Miesch, Philipona, Pini, Rohrbasser, Ruckstuhl, Schmidhalter, Stamm Luzi, Steiner Rudolf, Stucky, Tschuppert Karl, Wittenwiler, Wyss Paul (32)
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Motion Columberg Rasche Einführung einer leistungsabhängigen Schwerverkehrsabgabe Motion Columberg Introduction rapide d'une redevance sur le trafic des poids lourds liée aux prestations
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1994
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Band
II
Volume
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Session
Sommersession
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Session d'été
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Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
16
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
94.3042
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 17.06.1994 - 08:00
Date
Data
Seite
1183-1184
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20 024 173
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