Politique extérieure de la Suisse dans les années nonante
174
N 7 mars 1994
Die Meinungsäusserungsfreiheit und die Pressefreiheit sind zentrale Elemente der Menschenrechte, welche von der Tür- kei - übrigens aufgrund der Europäischen Menschenrechts- konvention - zu beachten wären.
Die Schweiz hat sich in der Vergangenheit bilateral, im Euro- parat und in der KSZE, für die strikte Einhaltung der Men- schenrechte in der Türkei eingesetzt. Anlässlich der Konferenz der KSZE in Warschau über die menschliche Dimension hat sie im Oktober des letzten Jahres die in der Türkei begange- nen Menschenrechtsverletzungen erneut verurteilt, insbeson- dere in bezug auf das Problem der Folter sowie auf die Über- griffe gegenüber Menschenrechtsaktivisten, Journalisten, Parlamentariern.
Wir sind weiterhin bereit, jede Gelegenheit wahrzunehmen, um dies noch einmal darzulegen.
93.098
Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren Politique extérieure de la Suisse dans les années nonante
Bericht des Bundesrates vom 29. November 1993 (BBI 1994 | 153) Rapport du Conseil fédéral du 29 novembre 1993 (FF 1994 | 150) Kategorie I, Art. 68 GRN - Catégorie I, art 68 RCN
Antrag der Kommission Mehrheit
Eintreten und Kenntnisnahme vom Bericht Minderheit
(Frey Walter, Fischer-Hägglingen, Frey Claude, Moser, Steffen)
Rückweisung an den Bundesrat
zur Überarbeitung, mit dem Auftrag a. einer neuen Zieldefinierung - kein EU-Beitritt -, und
b. einer Neugestaltung des Neutralitätsanhangs.
Antrag Fehr Rückweisung an den Bundesrat mit dem Auftrag einer Überarbeitung des Neutralitätsberich- tes zwecks klarer Erhaltung der dauernden, bewaffneten Neu- tralität
Antrag Hafner Rudolf Rückweisung an den Bundesrat mit dem Auftrag,
die Folgen eines allfälligen EU-Beitritts für die Volksrechte umfassend aufzuzeigen;
aufzuzeigen, mit welchen Massnahmen die ökologische und soziale Situation trotz einem EU-Beitritt verbessert werden könnte;
die Möglichkeiten einer aktiven Friedenspolitik unter Einbe- zug der diplomatischen Guten Dienste darzustellen.
Antrag der SD/Lega-Fraktion Rückweisung an den Bundesrat mit dem Auftrag zu einer Neufassung, die
a. in Respektierung des Volkswillens vom 6. Dezember 1992 die Aussenpolitik in den 90er Jahren auf die Bewahrung der Unabhängigkeit der Schweiz ausrichtet;
b. angesichts der klaren Mehrheit im Volk, die keinen EU-Bei- tritt will, auf die Zielsetzung «EU-Beitritt» verzichtet;
c. den Neutralitätsanhang in dem Sinne ausgestaltet, dass an der Neutralität der Schweiz nicht nur formell (d. h. als leere, ih- res Inhalts immer mehr entledigte Proklamation) festgehalten wird, sondern diese in einer auch tatsächlich gelebten Form weitervertreten wird, damit die Neutralität im Ausland als sol- che auch noch ernst genommen werden kann.
Proposition de la commission Majorité
Entrer en matière et prendre acte du rapport Minorité
(Frey Walter, Fischer-Hägglingen, Frey Claude, Moser, Steffen)
Renvoi au Conseil fédéral
en vue d'un remaniement du rapport avec le mandat
a. de redéfinir les objectifs - pas d'adhésion à l'UE - et
b. de remanier l'annexe relative à la neutralité.
Proposition Fehr Renvoi au Conseil fédéral
avec mandat de remanier le rapport sur la neutralité en vue du maintien explicite de la neutralité permanente et armée de la Suisse.
Proposition Hafner Rudolf Renvoi au Conseil fédéral avec le mandat suivant:
exposer en détail les conséquences d'une éventuelle adhé- sion à l'UE sur les droits populaires en Suisse;
proposer des mesures visant à améliorer la situation de la Suisse aux niveaux social et écologique, indépendamment des conditions posées par une adhésion à l'UE;
énumérer les diverses possibilités offertes à la Suisse de mener une politique de paix active en tenant notamment compte de sa disponibilité en matière de bons offices.
Proposition du groupe DS/Ligue Renvoi au Conseil fédéral
Celui-ci est chargé de le remanier de façon
a à présenter un texte qui axe la politique extérieure des an- nées nonante sur le maintien de l'indépendance de la Suisse, conformément au souhait que le peuple a manifesté le 6 décembre 1992;
b. à présenter un texte qui exprime la volonté des autorités de renoncer à poursuivre l'objectif d'une adhésion à l'Union euro- péenne, conformément à ce que souhaite le peuple dans sa grande majorité;
c. à présenter un rapport sur la neutralité (en annexe du rap- port sur la politique extérieure) qui envisage la neutralité de la Suisse non pas comme une profession de pure forme, sans contenu réel, mais comme une réalité choisie et vécue, suffi- samment tangible pour être prise au sérieux par les pays étrangers.
Präsidentin: Die Berichterstatter zu diesem Geschäft sind der Präsident und der Vizepräsident der Aussenpolitischen Kom- mission. Die Sicherheitspolitische Kommission hat dem Büro beantragt, dass sie aus ihrer Sicht ebenfalls Bericht erstatten dürfe. Das Büro hat dieses Ansinnen aus folgenden Gründen abgelehnt:
Unser Reglement sieht grundsätzlich keine gemeinsame Berichterstattung von verschiedenen Kommissionen vor.
Die Sicherheitspolitische Kommission hat dem Büro auch nicht beantragt, in einem Mitberichtsverfahren mitkonsultiert zu werden.
Wir haben uns jetzt so geeinigt, dass Herr Hubacher und Herr Savary als erster und zweiter Redner nach den Fraktionserklä- rungen das Wort erhalten. Es steht ihnen dort selbstverständ- lich frei, die Haltung der Sicherheitspolitischen Kommission darzulegen.
Mühlemann Ernst (R, TG), Berichterstatter: Zum ersten Mal seit 1848 hat der Bundesrat einen aussenpolitischen Bericht verfasst, der von uns im Parlament eingehend diskutiert wer- den kann. Ich möchte dem Bundesrat herzlich danken und in diesem Dank auch den ehemaligen Bundesrat René Felber einschliessen, der hier eine grosse Vorarbeit geleistet hat.
Der Bericht selber geht von einer sehr viel komplexeren Situa- tion im Bereich der Aussenpolitik aus. Es wird deutlich darauf hingewiesen, dass hier in vernetzter Weise nicht allein politi- sche Machtpolitik, sondern auch wirtschaftliche Zusammen-
N
175
Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren
hänge, soziale Fragen oder auch Umweltschutzpolitik ange- schnitten werden, die in einer globalen Weise sehr oft nur auf bestimmten Ebenen situationsgerecht gelöst werden können. Die Aussenpolitik findet also nicht nur auf einer politischen Ebene statt, etwa der nationalen, sondern hat heute eine glo- bale Dimension erreicht. Sie ist aber für uns Schweizer beson- ders deutlich auch auf kontinentaler Ebene sichtbar, wo uns eine Neuorientierung in Europa im besonderen Masse heraus- fordert.
Selbstverständlich bleiben eigene aussenpolitische Züge, die auf die nationale Geschichte zurückzuführen sind. Unsere Neutralität ist nach wie vor im Vergleich mit der Politik anderer Staaten ein Unikat. Es darf auch darauf hingewiesen werden, dass sich heute die Aussenpolitik auf unterer Ebene fortsetzt, etwa im Bereich der Grenzregionen oder sogar im Bereiche der Kommunen, die in direkter Verbindung mit den ausländi- schen Nachbarn leben. Ich bedaure, dass dieser Aspekt im Bericht zu kurz kommt: Man kann aber dem Bundesrat zugute halten, dass er gerade heute morgen einen wichtigen Bericht zur Förderung der Grenzregionen verabschiedet hat, der die- ses Thema zum Inhalt hat.
Ich darf auch darauf hinweisen, dass mittlerweile sehr viel mehr Akteure in der Aussenpolitik auftreten. War es bis vor kur- zem allein der Bundesrat, der hier das Primat hatte, so ist jetzt das Parlament sehr deutlich eingeschlossen, nicht nur in ei- nen Informations-, sondern auch in einen eingehenden Kon- sultationsprozess. Es sind darin natürlich auch die Kantone verwickelt, im speziellen in den Grenzregionen, und es sind zahlreiche internationale oder ausserparlamentarische Orga- nisationen, die heute die Aussenpolitik mitbestimmen. Dies al- les führt dazu, dass wir sehr viel geistige Beweglichkeit auf- bringen müssen, um in diesem Thema die aussenpolitischen Wahrheiten - in einer direkten Demokratie - auch auf das Volk zu übertragen.
Im bundesrätlichen Bericht ist das gesamte Umfeld, das diese Aussenpolitik unseres Landes bestimmt, klar dargestellt. An erster Stelle steht die westeuropäische Integration, die wohl das Bestimmendste ist, seit 1985 Chefarchitekt Delors die eu- ropäische Bühne betreten hat. Wir stehen hier vor Endergeb- nissen, mindestens theoretischer Art.
Seit dem 1. Januar 1993 ist der wirtschaftliche Binnenmarkt Europas in Kraft und funktioniert mit allen Mängeln, die menschliche Institutionen nun einmal haben! Seit dem 1. No- vember 1993 ist der Maastrichter Vertrag akzeptiert, und damit ist die politische Union Europas theoretisch vorgezeichnet, aber noch nicht mit Blut und Leben gefüllt.
Das sind Ausgangssituationen, mit denen wir uns zu beschäf- tigen haben und die der Bundesrat in seinem Bericht klar dar- legt. Er zeigt später im Bericht dann auf, wie wir darauf zu rea- gieren haben.
Ein besonderes Kapitel widmet er dem Zerfall des Kommunis- mus und der Entwicklung im osteuropäischen Raum im Ein- flussbereich der ehemaligen Sowjetunion, wo man versucht hat, aus einer militärischen Abrüstungseuphorie heraus wirt- schaftlich und demokratisch aufzurüsten - ein ganz zentraler Prozess, der heute in vielen Irrungen und Wirrungen stecken- geblieben und dessen Ende vorläufig nicht abzusehen ist! Auch hier weist der Bundesrat deutlich darauf hin, dass wir nicht abseits stehen können, sondern uns, im Rahmen unse- rer Möglichkeiten, einschalten sollten.
Schliesslich widmet der Bundesrat ein besonderes Kapitel dem Thema der globalen Entwicklung. Er sieht hier vier neue Aspekte:
Die bilaterale Situation hat einer multipolaren Weltherr- schaft mit neuen Machtzentren Platz gemacht, die das ganze System im globalen Bereich entscheidend verändern können. 2. Das Nord-Süd-Gefälle bildet nach wie vor ein gefährliches Spannungsfeld, das durchaus zu gewalttätigen Konflikten füh- ren kann.
Die ökologischen Probleme sind so schwerwiegend, dass sie, global betrachtet, zu eigentlichen Existenzkrisen führen könnten.
Die riesige Völkerwanderung, die rund um die Erdkugel geht, zwingt uns dazu, in multikulturellen Gesellschaften zu- sammenzuleben.
Diese Fragen sind für uns nicht Fragen, die wir mit dem Stich- wort «noli me tangere» versehen können; wir sind in diesen globalen Prozess involviert.
Der Hauptteil des Berichtes des Bundesrates umfasst fünf Ka- pitel:
die Sicherheits- und Friedenspolitik;
die Entwicklung im Bereich der Menschenrechte und der Demokratie;
die Wirtschaftspolitik, etwas altväterisch als «Wohlfahrtspoli- tik» bezeichnet;
die Verbesserung im Bereich der sozialen Unterschiede; 5. die Politik des Umweltschutzes.
In all diesen Fragen gibt der Bundesrat klare Ziele bekannt und zeigt auch die Wege auf, um diese Aufgaben zu lösen. So sagt er etwa im Bereiche von Friedens- und Sicherheitspolitik, dass wir hier in einer Doppelaufgabe stecken: Einerseits wol- len wir die eigene Existenz bewahren, und andererseits wollen wir uns partizipativ an der Entwicklung im Ausland beteiligen. Dies führt im Bereich der Mittel dazu, dass wir zu allen Frie- densbestrebungen der Uno oder bei den europäischen Orga- nisationen ja sagen sollten.
Umgekehrt sollten wir unsere Armee nicht nur zur militäri- schen Selbsterhaltung einsetzen, sondern auch in den Dienst aktiver Friedenspolitik stellen. Im weiteren weist der Bundesrat darauf hin, dass die Solidarität einen wichtigen Stellenwert be- kommt.
Im Bereiche von Demokratie und Menschenrechten sagt der Bundesrat zu Recht, dass es hier ein ganz besonderes Ziel der ältesten Demokratie sein müsste, überall auf der Welt für die elementaren persönlichen und politischen Freiheitsrechte des Menschen einzustehen. Deshalb müssten wir unsere Mittel auch verwenden, um im Bereiche der Menschenrechtsorgani- sationen der Uno mitzuwirken, aber ganz besonders in dem europäischen Instrument Europarat aufzutreten, wo man ja die «geistige Innenarchitektur» Europas aufbaut.
Ganz besonders wichtig ist das Kapitel Wohlfahrts- oder Wirt- schaftspolitik. Hier wird unsere Politik zu Europa definiert, und hier weist der Bundesrat darauf hin, dass unsere Wohlfahrt da- von abhängt, ob es uns gelingt, den Zugang zu allen Märkten, den Weltmärkten und den europäischen Märkten, sicherzu- stellen.
Der Bundesrat ist sich über die Mittel im klaren, und wir sind es wahrscheinlich auch. Es bleibt uns im Augenblick der bilate- rale Weg, der mit Priorität beschritten werden muss: Der Bun- desrat weist deutlich darauf hin. Er lässt die Option eines mög- lichen EWR-Beitritts offen, wohlwissend, dass der Europai- sche Wirtschaftsraum heute in einer Situation ist, die - in be- zug auf seine Zukunft - kein Mensch richtig beurteilen kann. Niemand weiss, ob das eine Rumpforganisation wird oder ob mit osteuropäischen Staaten eine neue Aufwertung der Efta erfolgen könnte. Es bleibt also hier eine offene Möglichkeit.
Der umstrittene Punkt, der wahrscheinlich die Debatte beherr- schen wird, ist die Frage: Wie stehen wir zur politischen Union Europas? Diese Frage beantwortet der Bundesrat sehr klar, in- dem er sagt: Es ist das strategische, langfristige Ziel der Schweiz, der politischen Union Europas beizutreten.
Wir haben in der Kommission sehr lange über diese Frage dis- kutiert. Es besteht kein Zweifel, dass diese Zielerklärung aus- senpolitisch wahrscheinlich Vorteile bringt, uns in den bilatera- len Verhandlungen das Terrain ebnet und günstig zubereitet Es ist aber ebenso klar, dass innenpolitisch grösste Schwierig- keiten entstehen, wenn dieses Ziel als fixe Endstation bezeich- net wird und nicht nur als eine Option oder als eine Möglichkeit offengelassen wird.
Ein Teil des Schweizervolkes ist nicht ohne weiteres bereit, über die wirtschaftliche Annäherung hinauszugehen und eine politi- sche Kooperation zu suchen; denn diese trifft - ob wir wollen oder nicht - unsere wichtigen, staatspolitischen Eigenschaften wie «direkte Demokratie», «dauerhafte Neutralität» oder «föde- ralistische Struktur». Hier ist zwischen den einen und den ande- ren ein ewiger Kampf im Gange. Sie selber werden diesen Kampf ausfechten, denn letztlich wird über etwas entschieden, das für unser Land grosse Bedeutung hat. Ich glaube nicht, dass dieses Problem nur eine semantische Frage ist. Es ist eine echte Frage, die uns zur Auseinandersetzung zwingt.
Politique extérieure de la Suisse dans les années nonante
176
N 7 mars 1994
Im Bereich der sozialen Unterschiede hat der Bundesrat klar- gemacht, dass es hier darum geht, diese Divergenzen zu ver- kleinern und deshalb unsere Entwicklungshilfe qualitativ und quantitativ zu verbessern.
Im Bereich der Ökologie will der Bundesrat ebenfalls an den weltweiten Bestrebungen mitarbeiten, aber auch das eigene Beispiel so darstellen, dass wir gleichsam eine gewisse Vorrei- terrolle spielen könnten.
Diese fünf Kapitel sind sehr eindeutig und klar dargestellt. Es ist eine redliche Art, einen Rapport zu präsentieren. Man wird sich nur über das Kapitel 3, welches der richtige Weg zur Wohlfahrt in der Schweiz sei, streiten.
Ein besonderes Kapitel ist schliesslich dem Thema gewidmet: Wie gelingt es, aussenpolitische Wahrheiten dem Volk ver- ständlich zu machen? Das ist eine schwierige Aufgabe, weil er- stens die Zeit so dynamisch ist, dass man oft Mühe hat, den ra- santen Rhythmus mitzuverfolgen, und weil zweitens die Fra- gen so komplex sind, dass es nicht einfach ist, die aussenpoli- tischen Wahrheiten richtig zu verstehen.
Zu Recht sagt deshalb der Bundesrat, dass man auch im Ap- parat des Eidgenössischen Departementes für auswärtige An- gelegenheiten eine Mentalitätsänderung herbeiführen müsse. Ein Diplomat sollte sich bewusst sein, dass das, was er im Aus- land tut, auch für den Bürger im Inland verständlich sein muss. Im weiteren muss eine engere Verbindung mit dem Parlament angestrebt werden. Ich darf Ihnen bei dieser Gelegenheit sa- gen, dass Artikel 47bis a des Geschäftsverkehrsgesetzes bis jetzt in der Arbeit mit der Aussenpolitischen Kommission durch den Bundesrat in äusserst loyaler Weise gehandhabt wird. Wir können uns hier weder über den Bundesrat noch über einen Mangel an konstruktiver Kooperation innerhalb der Aussenpolitischen Kommission des Nationalrates beklagen. Im weiteren verlangt der Bundesrat eine engere Zusammenar- beit mit den Kantonen. Ich würde meinen, man müsste beifü- gen: mit den Grenzregionen, die ja mehrere Kantone zusam- menfassen. Im übrigen verlangt er eine bessere Informations- politik und auch einen stärkeren Einbau all der Organisatio- nen, die sich mit Aussenpolitik beschäftigen. Hier ist offenbar zu Recht ein pädagogisch-politischer Effort geplant, um unse- rem Volk klarzumachen, was aussenpolitisch geschieht.
Wir haben in unserer Kommission in einem Hearing den Präsi- denten der Aussenpolitischen Kommission des Deutschen Bundestages angehört, der sehr eindrücklich sagte, sehr oft betreibe die Schweiz Aussenpolitik aus eigener Nabelschau heraus und nicht ausgehend vom aussenpolitischen Szena- rio. Ich glaube, er hat recht. Wir müssen uns mehr darnach ausrichten, was aussenpolitische Wahrheit ist, und erst dann unsere Politik im Innern des Landes gestalten.
Schliesslich fasst der Bundesrat in den Schlussfolgerungen zusammen und gibt folgende drei Prioritäten bekannt: Erstens strebt er eine verstärkte Mitarbeit in den internationalen Orga- nisationen wie der Uno sowie in den Organisationen Europas wie der Europäischen Union an. Dann möchte er eine bessere, operationellere Gestaltung der Aussenpolitik mit einer quanti- tativen und qualitativen Verbesserung des Apparates. Und schliesslich sagt der Bundesrat zu Recht: Ein aussenpoliti- sches Programm eines Kleinstaates ist entweder vollständig oder gut, und dementsprechend sind Schwergewichte zu bil- den. Im Augenblick sind die Schwergewichte durch unseren Aussenminister klar deklariert. Es sind: Georgien, Ex-Jugosla- wien, Südafrika und der Mittlere Osten. Hier hat der Bundesrat auch schon gezeigt, dass er bereit ist, ein verstärktes Engage- ment einzugehen.
Die Kommission hat in ihrer grossen Mehrheit den Willen ge- äussert, den Bericht zur Kenntnis zu nehmen. Es gibt bei die- ser Mehrheit allerdings auch Mitglieder, die am strategischen Ziel des Vollbeitritts zur EU Zweifel haben, aber diese nicht so stark gewichten, dass sie den Bericht zurückweisen möchten. Kollege Frey Walter allerdings hat vier Mitstreiter, die bereit sind, wegen dieses strategischen Ziels den Bericht zurückzu- weisen und den Bundesrat zu bitten, ihn abzuändern.
Im Namen der Mehrheit der Kommission ersuche ich Sie, den Bericht zur Kenntnis zu nehmen.
Wir hatten mehr Mühe mit dem Anhang, dem Bericht zur Neu- tralität - ein Wort von Schiller abwandelnd möchte ich sagen:
Neutralität ist ein schönes Wort, wenn man's recht verstünde! Wir kommen nicht darum herum, uns auf unsere historische Wahrheit zu besinnen. Die Neutralität ist nie eine fixe Maxime gewesen. Sie wurde zwar 1674 als ewige und dauerhafte Neu- tralität erklärt, aber schon 1798 musste man sie unter dem Ein- druck des Einfalls Napoleons durch die Armee ergänzen. Die bewaffnete Neutralität ist logischerweise so entstanden, und im Verlaufe der Geschichte sind viele weitere Anpassungen vorgenommen worden. Denken Sie an die Ereignisse des Zweiten Weltkriegs, wo wir merkten, dass unsere Neutralität mit solidarischen Aktionen gekoppelt werden musste; wo wir deutlich erklärten, dass wir nie die Gesinnungsneutralität dul- den werden, und wo wir uns auch nicht zur Wirtschaftsneutrali- tät bekennen konnten. All dies sind Ergebnisse einer flexiblen Handhabung unserer Neutralitätspolitik. In diesem Sinne ist klar zu unterscheiden vom Neutralitätsrecht, wie es 1907 in Den Haag definiert wurde. Wir haben uns immer an dieses Recht gehalten, aber darüber hinaus eine eigenständige Neu- tralitätspolitik geführt.
Der Bundesrat beurteilt die aktuelle Lage als höchst labil und unsicher. Aber es gibt Optimisten, die auch heute noch glau- ben, durch die Entwicklung in Osteuropa seit den Reformen Gorbatschows ab 1985 sei der ewige Friede in Europa ausge- brochen, der kalte Krieg sei definitiv beendet, und man könne die Neutralität abschaffen, so, wie man dies in den siebziger Jahren mit der Kavallerie getan hat. Umgekehrt gibt es Pessi- misten, die klar erkennen, dass ein neuer kalter Krieg bevor- steht, dass sich jetzt in Sarajewo schon wieder Mauern bilden, die an frühere, unliebsame Vorfälle erinnern. Diese Pessimi- sten sind deshalb der Meinung sind, dass die Neutralität tradi- tioneller Art eine neue Bedeutung erlange.
Es ist sehr schwierig, hier Prophet zu sein. Eines ist sicher: Am Schluss dieser Lagebeurteilung erklärt der Bundesrat sehr klar und deutlich: Die Neutralität wird beibehalten. Er sagt viel- leicht nicht, die «dauerhafte und ewige» Neutralität von 1674 werde beibehalten, aber er sagt klar: Die Neutralität wird bei- behalten. Sie ist aber durch ein verstärktes Engagement im Bereich der Solidarität zu akzentuieren.
Andere Teile des Berichts sind umstrittener. Die militärische Zusammenarbeit mit der Nato oder der WEU gehört dazu: Hier ist ein Angebot vorhanden, wonach neutrale Staaten allenfalls kooperieren könnten. Die Frage, wie weit man gehen soll, ist aber völlig offen. Der Bundesrat will hier nur prüfen und geht nicht weiter. Aber es ist ganz klar, dass dabei ein gefährliches Annäherungsmanöver entstehen könnte, bei dem die Neutra- litätspolitik in Frage gestellt würde.
Die Verbindung zur Uno wird vom Bundesrat sehr weitläufig, besonders das Ja zu allen möglichen Sanktionen, behandelt. Ausgehend vom Beispiel Irak wird klargemacht, dass man die- sen Weg wahrscheinlich weiterverfolgen werde. Es stellt sich nur die Frage, ob alle Sanktionen dermassen eindeutig sein werden, oder ob es nicht Fälle gibt, wo wir durch Alleinstehen unsere Guten Dienste wieder besser anbieten könnten. Also auch hier gibt es noch offene Fragen, die geklärt werden müssen.
Schliesslich kommt die Frage, wo sich die Geister wieder scheiden: Ist der Eintritt in die politische Union Europas eine Verletzung der Neutralität, ja oder nein? Da scheiden sich die Geister natürlich. Die Österreicher gehen davon aus, dass man keinen Neutralitätsvorbehalt anbringen müsste. Ich bin nicht sicher. Hier ist meiner Ansicht nach auch noch alles of- fen; es hängt von der Entwicklung ab. Man muss die Sicher- heitssysteme überprüfen und die gemeinsame Aussenpolitik beurteilen. Je nachdem können sich für unsere Neutralitätspo- litik tatsächlich Schwierigkeiten ergeben.
Gesamthaft gesehen hat die Kommission diesem Antrag zu- gestimmt und bittet Sie, auch den Bericht zur Kenntnis zu nehmen.
Wir hoffen, dass die anregende Diskussion den Bundesrat darin bestärken wird, eine klare und eindeutige Linie einzuhal- ten. Wir wünschen ihm die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die er nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die er än- dern kann, und die politische Klugheit, das eine vom andern zu unterscheiden.
Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren
177
Ruffy Victor (S, VD), rapporteur: Quelle peut être, quelle doit être la politique extérieure de la Suisse dans les années no- nante? Telles sont les questions que beaucoup d'entre nous se posent, comme l'attestent entre autres les nombreuses interventions, sous forme de postulats et de motions. Je pense notamment à celles de MM. Hubacher, Rechsteiner, Leder- gerber et Baerlocher, et en ce qui concerne le Conseil des Etats, à celles de MM. Zimmerli et Onken.
Les deux rapports répondent donc à nos préoccupations, et le Conseil fédéral a judicieusement présenté deux rapports ab- solument indissociables, consacrés, pour l'un, à la politique extérieure et, pour l'autre, à la neutralité.
Disons d'emblée que certains membres de la commission, afin d'avoir une vision plus juste du monde extérieur, et d'éviter que l'attention ne soit trop portée sur le monde européen et occidental, auraient souhaité disposer simultanément du 3e rapport consacré aux relations Nord-Sud. Nous avons reçu à ce sujet l'assurance qu'il serait prochainement publié par le Conseil fédéral, et qu'il nous serait possible, dans des délais relativement brefs, de faire le lien entre la matière abordée au- jourd'hui et la teneur du prochain rapport.
Avant de faire quelques remarques générales sur le caractère des rapports et analyser brièvement quelques points de leurs composantes, permettez-moi d'attirer votre attention sur un élément du titre, à savoir «dans les années nonante». Le Conseil fédéral présente ses intentions pour le court terme, conscient des mouvements de précipitation de l'histoire qui commandent un certain nombre d'initiatives précises, sans pour autant se départir des valeurs fondamentales reconnues qu'il précise, voire redéfinit dans le contexte actuel. Ces rapports ont donc le mérite d'inscrire un projet de politique étrangère dans la dyna- mique d'un processus dont les aspects conjoncturels mettent à l'épreuve des structures et des institutions.
Les rapports prévoient des ajustements conjoncturels dictés par un programme à court terme. Ils sont néanmoins inspirés par une conception large, ouverte et cohérente de la politique extérieure. C'est dire que leur parution, notamment celle du premier, alors que la décennie est fort entamée, n'enlève rien à sa valeur, en tout cas pas à sa crédibilité, parce qu'il serait dé- passé.
Dans sa partie introductive, le rapport consacré à la politique extérieure insiste sur le fait que la sauvegarde de l'indépen- dance exige de nouveaux engagements dans un contexte d'interdépendance de plus en plus marqué. Si la fonction pre- mière et universelle de la politique extérieure est bien la dé- fense des intérêts nationaux, cette dernière, dans le contexte actuel, oblige à des engagements nouveaux, à des rapproche- ments, à des intégrations dans des groupements d'échelle internationale.
Faut-il insister sur les nécessaires prolongements sur le plan international de la plupart de nos politiques internes? Faut-il insister sur les mesures prises à l'échelle internationale, sur leurs éléments, sur leurs influences sur le plan interne? Tout le monde a compris. Pas plus tard qu'il y a deux semaines, un fis- caliste canadien m'a dit que le Gatt aurait des incidences sur la fiscalité des provinces au Canada, et il m'a incidemment, je ne dis pas insidieusement, posé la question: «Avez-vous examiné la situation dans les cantons suisses?»
Vouloir garder aujourd'hui un maximum d'indépendance consiste paradoxalement à s'intégrer aux organisations inter- nationales, et à participer le plus étroitement possible aux di- verses négociations, afin de faire valoir son point de vue. En cela, la politique extérieure devient progressivement respon- sable de la mise au point des mécanismes qui doivent réguler dans les meilleures conditions l'interdépendance, en pouvant même se référer aux valeurs fondamentales de l'éthique et de la politique, pour reprendre les termes du rapport.
Nous ne nous étendrons pas longuement sur le chapitre 3 inti- tulé: «Le contexte de la politique extérieure de la Suisse: état et perspectives».
La très forte majorité de la commission, sinon l'unanimité de ses membres en a approuvé le contenu.
Nous rejoignons le Conseil fédéral dans son appréciation de l'intégration de l'Europe occidentale et de son évolution, en soulignant comme lui que la Suisse n'aurait rien à espérer de
positif d'un éventuel échec de l'Union européenne. Nous par- tageons les vues du Conseil fédéral sur le développement en Europe orientale en souhaitant, tout comme lui, que les orga- nisations chargées de la mise en place des structures conti- nentales parviennent à coordonner leurs efforts. Nous som- mes d'accord enfin avec la liste des risques majeurs qui mena- cent à terme l'humanité et les formes nouvelles de conflits qui doivent déterminer les composantes principales de notre fu- ture politique extérieure.
En ce qui concerne la position de la Suisse, il était juste que le rapport insiste sur certaines de ses caractéristiques et signale, une fois de plus, que les rangs qu'occupe notre pays sur le plan international, d'après son produit national brut, son com- merce international, ou les investissements directs à l'étran- ger, n'ont plus rien de commun avec ceux qu'elle occupe en fonction de sa superficie et de sa population. Il ne s'agit pas tel- lement en l'occurrence que la grenouille se fasse plus grosse que le boeuf, mais bien de souligner que notre poids économi- que dans le concert des nations implique des responsabilités et que, comme le dit le rapport, cette position contraste avec la relative insignifiance dans les grandes instances de décision en matière de politique de sécurité, telles l'Union de l'Europe occidentale et l'Organisation des Nations Unies. Il n'y a rien de présomptueux à démontrer cela
Le rapport frappe d'emblée par l'ouverture et la globalité de sa conception de la politique extérieure, qui va du maintien et de la promotion de la sécurité et de la paix à la préservation du mi- lieu naturel, en passant par l'engagement en faveur des droits de l'homme, la démocratie, le respect des principes de l'Etat de droit, l'accroissement de la prospérité commune et la pro- motion de la cohésion sociale. Comment s'opposer à de tels objectifs, comment mettre en doute que chacun d'entre eux contribue plus ou moins directement à la stabilité du monde et à notre propre sécurité? Comment ne pas se rallier au fait qu'en matière de sécurité des efforts doivent être déployés dans le cadre d'une politique d'asile coordonnée de la part des pays d'Europe occidentale afin de faire respecter les droits de l'homme dans les pays d'origine des migrants contraints de s'exiler? On vient de parler de la Turquie, Mon- sieur le Conseiller fédéral, je ne crois pas que l'allusion directe à ce pays soit déplacée dans ce contexte. Comment contester qu'aujourd'hui des problèmes de sécurité, qui nous concer- nent aussi directement, se débattent à l'ONU, à l'Otan, à l'Union européenne, à l'Union de l'Europe occidentale et à la CSCE, seule institution à laquelle nous appartenions?
Il est juste que le chapitre consacré à l'engagement en faveur des droits de l'homme, de la démocratie et des principes de l'Etat de droit débute par une reconnaissance de la portée uni- verselle des droits de l'homme. Ces derniers ne sauraient être l'objet d'interprétation. Par ailleurs, il est de la plus haute im- portance de vérifier la mise en oeuvre et de contrôler le respect des règles en vigueur et, au besoin, de subordonner la coopé- ration au développement au principe du «bon gouvernement», c'est-à-dire au respect des droits de l'homme. Nous saluons le fait que la Suisse mène, dans le domaine des droits de l'homme, une politique active au sein de la CSCE et du Conseil de l'Europe.
En politique nationale, on ne peut que se réjouir des engage- ments du Conseil fédéral à soumettre bientôt au Parlement la Charte sociale européenne et les diverses conventions de l'ONU, celles sur les droits de l'enfant, la discrimination des femmes, et l'abolition de la peine de mort. Le chapitre relatif à l'accroissement de la prospérité commune est celui qui souf- fre le plus de l'absence du volet Nord-Sud. Il est encore trop tôt, par ailleurs, pour juger de l'efficacité de l'instrumentation mise en place à travers le Gatt pour stimuler le commerce mondial, et voir si ses effets sont positifs ou non pour les pays du tiers monde.
Dans ce chapitre, le rapport revient à maintes reprises sur l'im- portance des institutions de l'Union européenne. On ne sau- rait faire le reproche au Conseil fédéral de souligner le rôle que joue cette institution aujourd'hui en matière de prospérité commune, non seulement en Europe occidentale à travers la création de fonds de développement, mais également en Eu- rope centrale et orientale.
23-N
Politique extérieure de la Suisse dans les années nonante
N
7 mars 1994
178
Sans adhésion, notre pays se trouvera toujours en marge des grandes opérations relevant de cet objectif. La cohésion so- ciale est intimement associée à l'accroissement de la prospé- rité commune. Comment obtenir l'une sans l'autre?
Accordant la priorité à la partie orientale et centrale de l'Eu- rope, le rapport en cette matière évoque les programmes des- tinés aux pays de l'ancien bloc communiste. Améliorer le dia- logue dans le cadre de ces programmes est un impératif. Il rè- gne encore trop de malentendus sur les domaines qui doivent faire l'objet d'interventions. Le projet de loi sur cette aide à ca- ractère spécifique devrait nous être présenté avec les évalua- tions des programmes exécutés jusqu'à présent. Nous conve- nons que le problème posé, ou les problèmes posés, sont dé- licats étant donné le caractère original de chaque pays et du traitement individuel que commande cette situation, mais il est judicieux d'établir des priorités, des priorités sectorielles et géographiques, de manière à accroître notre efficacité, et de tenir compte que nos ressources sont momentanément limitées.
La préservation du milieu naturel, enfin, fait partie d'un do- maine devenu indéniablement enjeu d'importance internatio- nale et, par conséquent, une composante de la politique exté- rieure pour tous les Etats du globe, Rio en a été la démonstra- tion. L'émergence de la notion de «développement durable», sa prise en compte aux divers niveaux, y compris au niveau de l'économie mondiale, va entraîner désormais des discussions et des négociations déterminantes pour la survie de l'ensem- ble des peuples. La participation de la Suisse aux organismes de divers niveaux, sa participation, notamment, au Pnue, sa volonté d'établir définitivement le Fonds pour l'environnement mondial ne peuvent que rencontrer notre approbation. Quant à Genève, on ne peut que se féliciter qu'elle soit, en plus, au- jourd'hui, le siège administratif pour la gestion des conven- tions sur le climat et la biodiversité.
Dans son introduction, le Conseil fédéral manifeste sa volonté de rendre la politique extérieure familière au peuple suisse, point de vue qu'il développe dans le chapitre intitulé «L'assise intérieure de la politique extérieure». Nous ne pouvons que le suivre sur ce plan-là. Etant donné l'adhésion de la forte majo- rité de la commission au contenu de la politique extérieure pré- sentée, on peut s'attendre, de la part du législatif, de notre Parlement, qu'il prenne sa part dans une telle démarche. L'ap- plication bien comprise de l'article 47bis a LREC n'implique pas seulement un engagement plus grand dans la politique extérieure du Parlement vis-à-vis du gouvernement, mais éga- lement vis-à-vis du peuple.
Quelques mots maintenant du rapport sur la neutralité: la re- définition de la politique extérieure de la Suisse pouvait diffici- lement faire l'économie d'un réexamen de la politique de neu- tralité, notamment dans la perspective affirmée par le Conseil fédéral d'une adhésion à l'Union européenne et à l'Organisa- tion des Nations Unies. On sait qu'aujourd'hui la neutralité fait l'objet de débats nourris, passionnés parfois. Le Conseil fédé- ral avait d'ailleurs initié ce grand débat et commandé un pre- mier rapport à un groupe de travail qui a contribué à alimenter les discussions. Pour certains, la neutralité doit être respectée de la manière la plus stricte et ne supporte aucune entorse. Elle est à la base de notre prospérité et dans l'intérêt de tous les peuples. A l'opposé, pour d'autres, elle n'a peut-être ja- mais pu être réalisée et, aujourd'hui, c'est une caractéristique de notre politique étrangère qui l'alourdit inutilement, qui la freine, voire même qui la parasite. Il serait grand temps de pro- fiter des recompositions du monde moderne pour s'en débar- rasser. Pour le Conseil fédéral, la vérité et le salut se situent dans le juste milieu privilégiant l'ouverture et la continuité. Lorsque l'on s'attelle à une opération d'aggiornamento sur une institution, il convient d'examiner au préalable si cette der- nière est susceptible de supporter l'opération.
On retiendra de l'analyse historique de la neutralité faite par le rapport qu'à dessein elle n'est pas inscrite dans la constitu- tion. La neutralité a, dès le début, été considérée comme un moyen et non comme une fin, codifiée partiellement en regard de la nature des conflits modernes en 1907 dans les Conven- tions de La Haye. Elle est considérée comme positive pour l'Etat neutre comme pour les autres Etats.
Mais au cours des ans, elle a été interprétée en fonction de si- tuations nouvelles qui se présentaient. Rien de surprenant à ça, puisque la neutralité date d'une période aujourd'hui révo- lue où la guerre était encore considérée comme un moyen normal et légitime de règlement des différends nationaux.
Le Conseil fédéral rappelle très judicieusement pour mémoire qu'en 1920 la Suisse devint membre de la Société des Nations et s'engagea à prendre part aux sanctions économiques de ces dernières, mais elle refusa en revanche toute participation aux sanctions militaires. En 1938, elle changea encore une fois de position.
L'histoire récente montre qu'on peut adapter l'instrument. Pourquoi ne pas le faire devant les impératifs nouveaux? Mais quels sont ces impératifs nouveaux? A l'évidence, l'évolution récente du monde est venue atténuer certaines fonctions de la neutralité. La faible probabilité, par exemple, de voir éclater des conflits entre Etats qui nous entourent a singulièrement af- faibli la fonction stabilisatrice de la neutralité en politique inté- rieure. Dans un autre domaine, le statut de neutralité de la Suisse, qui souvent la désignait pour remplir des missions de bons offices dans un monde polarisé par les tensions Est- Quest, n'a plus le même attrait depuis 1989. Mais que des fonctions dérivées et traditionnelles de la neutralité soient en- tamées n'est pas l'aspect le plus déterminant dans le néces- saire examen de la politique de neutralité et de sa pertinence. Dans ses fonctions essentielles de défense et de sécurité, elle révèle certaines limites et doit être complétée.
Il n'est plus possible d'assurer aujourd'hui notre propre dé- fense de manière autonome, au sens strict du terme. Les tragi- ques images de la guerre du Golfe ont même convaincu les derniers sceptiques qu'à l'ère des attaques aériennes sous forme d'engins balistiques la protection de la Suisse et des Suisses impose un système européen de défense antimissile. Face à de nouvelles menaces comme le terrorisme, les flux mi- gratoires, la neutralité ne suffit plus à garantir la sécurité et doit s'accommoder de nouveaux instruments, de nouvelles struc- tures avec lesquels la Suisse doit coopérer pour sa propre sé- curité dans son propre intérêt. Ces structures ont pour nom Nations Unies et Union européenne, et leurs organismes de défense sont l'Otan et l'Union de l'Europe occidentale.
Conscient que le système de sécurité collectif en Europe prévu à terme par l'Union européenne doit encore être précisé pour pouvoir décider d'une adhésion ou non, c'est de manière déterminée que le Conseil fédéral va suivre, voire prendre part aux travaux de sa construction. Pour l'heure, il examine de quelle manière la Suisse peut se rapprocher des organismes existants, tel que le Cocona qui est l'élargissement de l'Otan prévu aux fins d'associer à ses travaux les pays d'Europe qui n'en font pas encore partie, spécialement les pays d'Europe centrale et orientale, et l'Union de l'Europe occidentale par ail- leurs comme nouvelle institution.
Peut-on concilier le maintien de la neutralité avec un rappro- chement des structures nouvelles, voire avec l'intégration à l'Union européenne? En rappelant que la Suisse n'a jamais pris part, par principe, à des sanctions militaires, le Conseil fé- déral passe en revue les mesures qu'il a été amené à prendre ces dernières décennies à l'endroit de pays qui avaient rompu la paix, appliquant par solidarité des décisions prises par l'ONU. Il n'y a jamais eu de violation de la neutralité et le Conseil fédéral tient à se réserver le droit d'analyser cas par cas la nécessité de suivre les décisions du Conseil de sécurité, que celles-ci se rapportent à des sanctions économiques ou a fortiori à des sanctions militaires. La Suisse doit pouvoir faire la part entre la sauvegarde de ses intérêts et l'obligation de soli- darité pour décider de l'opportunité de sa participation à des sanctions militaires.
Dans la dernière partie de ce rapport, le Conseil fédéral devait accorder une attention toute particulière à la question de la neutralité dans la perspective d'une adhésion à l'Union euro- péenne, qui constitue un des objectifs de sa politique exté- rieure les plus controversés. En cas d'adhésion à l'Union euro- péenne, la Suisse maintiendrait sa neutralité armée. Pour le Conseil fédéral, le chemin européen menant à un système de défense commun sera long. Tant que l'Union européenne ne sera pas dotée d'un système de sécurité assurant la défense
179
Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren
militaire de ses membres, la neutralité permanente et armée de manière crédible de notre pays conserve sa justification. La Communauté européenne l'a dit et l'Union européenne conti- nue à le dire - cela a été confirmé par les experts que la com- mission a invités; il s'agissait d'un membre du Bundestag alle- mand et d'un membre de l'administration autrichienne: «Il ap- partient aux Etats neutres de juger si leur statut de neutralité est compatible ou non avec les exigences de l'Union euro- péenne.»
La politique étrangère et de sécurité commune actuellement en vigueur ne peut inclure des décisions relatives à des pactes d'assistance militaire. Ceci rend tout à fait compatible le statut de neutralité avec l'intégration à l'Union européenne.
Il sera nécessaire pour la Suisse, effectivement, au moment où l'Union européenne parviendra à mettre sur pied une structure de défense commune, solide et durable, de repenser le prin- cipe même de sa neutralité. Pour l'heure, nous devons et pou- vons conserver notre statut de neutralité. Telle est la conclu- sion du Conseil fédéral.
Permettez-moi quelques remarques personnelles en guise de conclusion. Dans un monde en proie à des désintégrations et à des recompositions successives, rapides, les Etats faisant preuve de cohésion interne et de détermination sont utiles et bienvenus pour tenter de prévenir les risques majeurs qui concernent tout le monde, «tout le monde» étant pris dans les deux sens du terme: chacun d'entre nous et l'ensemble de la planète.
En tant que partisan de la revitalisation de la politique en Suisse, et par conséquent de la politique extérieure aussi, je suis convaincu, en restant conscient des dimensions modes- tes de notre pays, que nous avons quelque chose à dire, que nous pouvons dire quelque chose sur le plan international. Le désintérêt politique dont nous avons fait preuve pendant long- temps à l'égard de ce volet de notre politique nous a rendu et nous rend encore actuellement un mauvais service.
Les rapports qui nous sont présentés aujourd'hui fournissent des éléments de réflexion fondamentaux, précieux, pour des interventions progressives et valables dans les débats relatifs au nouvel ordre mondial. En présentant les vraies dimensions d'une politique extérieure, en les abordant de la manière la plus large, en les plaçant à leur échelle de pertinence, en pro- posant des applications concrètes des principes généraux, le Conseil fédéral a fait oeuvre novatrice.
C'était bien là l'engagement qu'avait déjà pris M. Felber, an- cien conseiller fédéral, celui de dépasser le cadre de la politi- que économique extérieure en proposant une conception glo- bale. C'est aujourd'hui le mérite du Conseil fédéral, et plus spécialement de M. Cotti, conseiller fédéral, accompagné de M. Delamuraz, conseiller fédéral, de concrétiser cette inten- tion, et de le faire avec succès, puisqu'une très forte majorité de la Commission de politique extérieure a pris acte avec satis- faction de ces rapports, tant leurs retombées positives sont multiples.
Il ne me semble pas exagéré de dire que, par leur clarté, les pri- ses de position du Conseil fédéral peuvent à la fois sécuriser le citoyen, renforcer la confiance collective de l'ensemble de la population, et même augmenter sa propre autorité au niveau international.
C'est aussi le propre de tels rapports de susciter des avis diver- gents. Un certain nombre de commissaires n'ont pu se rallier à la position du Conseil fédéral relative à l'adhésion à l'Union eu- ropéenne comme objectif, et à la nouvelle conception de la neutralité. M. Frey Walter n'a pas voulu se sentir coresponsa- ble d'un engagement de la commission, qui irait dans le sens choisi par le Conseil fédéral; il aura l'occasion de développer sa proposition de minorité.
Je vous propose, quant à moi, de la repousser et de suivre la proposition de la majorité de votre commission qui, par 17 voix contre 5, a décidé de prendre acte de ce rapport.
Frey Walter (V, ZH), Sprecher der Minderheit: Die Kommis- sionssprecher haben Ihnen den Bericht nähergebracht. Ich konzentriere mich auf meinen Rückweisungsantrag.
Auch ich habe vom Bericht des Bundesrates über die Aussen- politik der Schweiz in den neunziger Jahren Kenntnis genom-
men. Ich bin aber mit seiner Hauptzielsetzung - der Bundesrat nennt sie strategische Zielsetzung - nicht einverstanden. Diese Hauptzielsetzung heisst: Beitritt zur Europäischen Union nach der Maastrichter Art. Es werden im Bericht weder die Bedingungen noch der Zeitpunkt präzise genannt, sie wer- den im Raume stehengelassen.
Ich möchte Sie kurz daran erinnern, was wir vom gleichen Bundesrat schon gehört haben. Galt doch da einmal der Slo- gan: «Beitrittsfähig werden, um nicht beitreten zu müssen». Dann kam eine Zeit, wo es hiess «Beitreten über den EWR». Dann kam eine Zeit, in der der Bundesrat sagte, der EWR sei ein Konstrukt, das lebensfähig auf Dauer sei. Er stecke zurück in der Zielsetzung des Integrationsberichtes. Und nach dem 6. Dezember 1992 hat der Bundesrat gesagt: Jetzt hat das Volk gesprochen, wir müssen uns wieder alle Optionen offen- halten. Dies natürlich auch, nachdem dieser Rat - er hat sich seitdem nicht stark verändert - den Integrationsbericht des Bundesrates das letzte Mal zurückgewiesen hat, weil er das Gefühl hatte, er könnte der Vorlage des EWR schaden.
Und nun dies: Die strategische Zielsetzung des Bundesrates ist erneut ein EU-Beitritt Ich glaube, nicht nur innenpolitisch, sondern auch aussenpolitisch macht ein solcher Slalom in der strategischen Zielsetzung den Bundesrat unglaubwürdig. Wenn man nun mit dem Ziel des EU-Beitritts nicht einverstan- den ist, was kann dann ein ehrlicher Parlamentarier überhaupt tun, wenn er dem Volk und dem Bundesrat, der Anrecht auf eine Meinungsbildung hat, noch in die Augen schauen will? Meiner Meinung nach kann er ihm nur die Wahrheit sagen, und die heisst in meinem Falle: Ich bin mit diesem strategi- schen Ziel nicht einverstanden und beantrage daher die Rück- weisung.
Warum bin ich mit dieser Zielsetzung nicht einverstanden? Die Europäische Union nach Maastrichter Art will einen zentralen Bundesstaat mit aus unserer Sicht wenig Demokratie bilden, der eine gemeinsame Wirtschafts-, Landwirtschafts-, Sozial-, Währungs-, Steuer- und in der Zielsetzung auch Aussen- und Verteidigungspolitik beinhaltet
Ich persönlich halte ein solches Konstrukt zur Erfüllung der Zielsetzung der Europäischen Union, nämlich Friede und Wohlstand in Europa zu schaffen, für nicht tauglich. Gerade wir Schweizerinnen und Schweizer müssen es doch wissen, dass in einem multikulturellen Raum, wenn man Friede und Wohlstand haben will, der Weg nur über Föderalismus - oder über das Subsidiaritätsprinzip, wie es auch genannt wird - und Demokratie führen kann. Und das ist bei der EU «à la fa- çon de Maastricht» eben nicht der Fall.
Sie wollen ein praktisches Beispiel? Das kann ich Ihnen ge- ben: Die hehren Zielsetzungen der Währungspolitik sind in den letzten zweieinhalb Jahren schon zweimal gescheitert, und nicht zum Schaden der Länder, die mit der Zielsetzung nicht mehr einverstanden sein konnten.
Ein zweiter Grund, der mich die strategische Zielsetzung des Bundesrates ablehnen lässt: Ich bin überzeugt, dass das voll- mundige Bekenntnis zu bilateralen Zusammenarbeitsverträ- gen mit der Europäischen Union durch diese Zielsetzung sa- botiert wird. Wenn Sie mit einem grossen Unternehmen fusio- nieren wollen, als Juniorpartner mit 3 bis 5 Prozent Anteil, dann haben - glaube ich - Zusammenarbeitsverträge prak- tisch keinen Platz mehr, wenn jemand etwas geben sollte. Im ökonomischen Bereich würden dann alle schwierigen Pro- bleme auf die Fusionsverhandlungen vertagt. Es kann so nicht klappen.
Es ist auch aussenpolitisch nicht glaubwürdig, hat doch der Bundesrat bewiesen, das nicht er oder das Parlament in der Schweiz die letzte Instanz ist, sondern beim EWR und beim Transitvertrag haben auch unsere europäischen Freunde fest- gestellt, dass in der Schweiz das Volk regiert.
Es geht wie ein roter Faden durch den ganzen Bericht. Es ist eine falsche Grundeinstellung, zu meinen, dass man Mitwir- ken an diesem Konstrukt der Europäischen Union mit einer unabhängigen, weltoffenen Aussenpolitik der Schweiz gleichsetzen könnte. Es ist auch interessant zu sehen, dass praktisch alle Verfassungsaufträge explizit wiederholt wer- den, dass aber ausgerechnet der Verfassungsauftrag aus Ar- tikel 2 - der erste, nämlich «Behauptung der Unabhängigkeit
Politique extérieure de la Suisse dans les années nonante
180
N
7 mars 1994
des Vaterlandes gegen aussen» - in diesem Bericht einen ganz kleinen Platz hat.
Einen kleinen Platz hat in diesem Bericht auch, was wir in be- zug auf unsere demokratischen Grundrechte an Verlust entge- gennehmen müssten, wenn wir eine gemeinsame Sozial-, Wirtschafts-, Landwirtschafts-, Aussen-, Verteidigungs-, Wäh- rungs- und Steuerpolitik betreiben sollten. Wir verzichten auf basisdemokratische Grundrechte. Bis heute war es umge- kehrt. Eine weltoffene, auch europaoffene Zusammenarbeit auf der Basis von Unabhängigkeit hat uns Erfolg gebracht Ob eine Integration - man könnte auch sagen: eine Unterwer- fung - diese gleiche, gute Chance für die Schweiz bieten könnte, das geht aus diesem Bericht nicht hervor. Eine Ko- sten-Nutzen-Analyse in dieser so wichtigen Streitfrage wurde nicht gemacht.
Das Schlagwort «Alles ist im Wandel» finden wir jedoch über- all. Aber ich frage Sie, meine Herren Bundesräte, wenn alles im Wandel ist und auch die EU im Wandel ist: Wollen Sie auf einen Zug aufspringen, dessen Ziel Sie nicht kennen? Sie kön- nen mir mit zwei Sprichwörtern antworten: Jawohl, Herr Frey Walter, wir wollen es, denn den letzten beissen bekanntlich die Hunde; oder Sie können mir auch sagen: Nein, Herr Frey Wal- ter, wir wollen es nicht; denn die Letzten werden die Ersten sein.
Fazit: Für die Schweiz gibt es nur eines: eine weltoffene Zu- sammenarbeit in Unabhängigkeit, im Sinne des Gatt. Das ist die Antwort auf die Probleme, die uns in Zukunft beschäftigen werden. Integration kann nicht die Antwort sein.
Wenn Sie dann sagen, die Schweiz sei nicht solidarisch, möchte ich Sie fragen: Ist ein Land, das heute den fünftgrös- sten Beitrag pro Kopf der Einwohnerschaft der Uno gibt, ohne bei der Uno überhaupt Mitglied zu sein, nicht solidarisch? Ist ein Land, das das Rote Kreuz unterstützt, nicht solidarisch? Ist ein Land, das wesentlich zur Verwirklichung der KSZE beige- tragen hat, nicht solidarisch?
Es kann nur eines geben: Rückweisung an den Bundesrat in bezug auf die Zielsetzung EU-Beitritt.
Nun noch ganz kurz zum Anhang des Neutralitätsberichtes. Da haben wir nicht viel Neues, sondern viele diplomatische Redewendungen. Aber worum geht es uns eigentlich? Wir wollen doch wissen: Können wir unsere Neutralität, die flexi- ble, schweizerisch bestimmte Neutralität mit einem EU-Beitritt vereinbaren, ja oder nein? Ich behaupte: Nein, wir können das nicht. Der Bundesrat sagt es in Ziffer 5 auch, aber sehr ver- schämt und sehr, sehr diplomatisch.
Ich verzichte auf das Zitat, möchte aber zum Schluss noch bei- fügen: Beim Kampf gegen den EWR war der Integrationsbe- richt des Bundesrates eine sehr gute Grundlage für die Geg- ner. Wenn wir hier in den wesentlichen Zielsetzungen nicht rückweisen und auch den Neutralitätsbericht zur näheren Abklärung zurückweisen, dann wird wieder das gleiche ge- schehen!
Fehr Lisbeth (V, ZH): Der Bericht zur Neutralität wurde aus lo- gischen und naheliegenden Gründen auch von der SiK be- handelt und dort von einer sechsköpfigen Minderheit (Bischof, Borer Roland, Hari, Hess Otto, Sandoz sind die Mitunterzeich- ner) mit einem klaren Rückweisungsantrag beantwortet, dem vom Büro des Nationalrates aus formalen Gründen nicht statt- gegeben wurde. Ich habe nun hier die Gelegenheit, ihn als umgewandelten Einzelantrag zu begründen.
Nun, auf einen kurzen Nenner gebracht: Es fehlt das klare Bekenntnis zur dauernden bewaffneten Neutralität. So gleich- sam in einem freudlosen Lippenbekenntnis weist der Bun- desrat zwar auf ein Weiterführen der Neutralität als zweck- mässiges Mittel hin, relativiert aber sogleich und dann seiten- weise.
Zwei Beispiele: Auf Seite 63 heisst es, das Neutralitätsrecht habe an Bedeutung verloren und entspreche den Bedürfnis- sen der heutigen Völkergemeinschaft nicht mehr. Oder auf Seite 60: Die Schweiz habe keine völkerrechtliche Verpflich- tung zur dauernden Neutralität übernommen. Darum bestehe für sie keine Pflicht, diesen Status für alle Zukunft aufrechtzuer- halten. Man könne sie neu definieren und den gewandelten Verhältnissen anpassen.
Auf der einen Seite steht die Beruhigungspille an die Adresse des Volkes, das sich - laut einer Studie der ETH - mit 52 Pro- zent für die Neutralität ausgesprochen hat, 55 Prozent davon ohne Wenn und Aber, ohne spitzfindige juristische Wortklau- berei: Beruhigt euch, es bleibt alles beim alten! Andererseits lässt man sich einen weiten Gestaltungsspielraum offen - Sei- te 60 -, um die Neutralität aushöhlen zu können. Man löst eine Fahrkarte in die EU, in die Uno, und das ist ein Widerspruch in sich selber. Man kann nicht Neutralitätsrecht und Neutralitäts- politik derart verschieden handhaben. Sie müssen aufeinan- der abgestimmt werden, denn sie ergeben zusammen unsere Neutralität, unsere Identität schlechthin. Sonst ist dies Doppel- bödigkeit im wahrsten Sinn.
Im Grunde hat der Bundesrat den Sinn der Neutralität nicht verstanden, weil er dauernd Argumente dagegen aufzählt; es ist eine Neutralität, die er nur als Mühsal, als Hindernis empfin- den kann. Die Schweiz hat sich aber vor der Weltöffentlichkeit klar zur absoluten Neutralität bekannt. Im Gegensatz zur ge- wohnlichen Neutralität bestehen in diesem Fall bereits Rechte und Pflichten in Friedenszeiten für den dauernd neutralen Staat. Vor allem hat dieser grundsätzlich auf jegliche Machtpo- litik zu verzichten. Das ist echte Friedenspolitik.
Machtpolitik wird aber in der EU betrieben, und Machtpolitik wird auch in der Uno betrieben. Darum hinkt der Vergleich mit anderen neutralen Staaten. Sie sind alle in diesen Machtappa- rat Uno eingebunden. Österreich hat nur eine fünfzigjährige Neutralität, die ihm von den Alliierten auf Druck der Sowjet- union hin mit Militärauflagen diktiert wurde; Finnland kennt die rein militärische; Schweden bekennt sich zur relativen, in der von Fall zu Fall entschieden wird, und heute ist dieses Land bereit, wegen dem EU-Beitritt bedingungslos auf die Neutrali- tät zu verzichten.
Die schweizerische Neutralität ist die einzige grundsätzliche. Das Volk hat ihr die Treue bewahrt. Sie ist zu unserem Gütezei- chen geworden. Sie geht nicht auf eine Haltung des Stillesit- zens und Abseitsstehens, wie es auf Seite 89 heisst, nicht auf Egoismus und Sorge um die eigene wirtschaftliche Wohlfahrt zurück. Man will sich aus dem machtpolitischen Klüngel her- aushalten und hat sich damit eine unbedingte Zuverlässigkeit gegenüber allen Völkern erworben.
Darum konnten wir unsere Solidarität weltweit auf dem Ge- biete der humanitären Hilfe ausbauen. Es wäre nicht nur leicht- sinnig, sondern auch töricht, wenn die Schweiz durch einfa- ches Nachgeben gegenüber irgendwelchen Solidaritätsforde- rungen ihre langerworbene Neutralität aufs Spiel setzen würde. Die machtpolitische Unbescholtenheit, eine der gröss- ten Kraftquellen, die die Schweiz in den Dienst des Welt- friedens zu stellen vermag, kann sie nur ein einziges Mal ver- lieren.
Ich bitte Sie deshalb, ganz im Sinne auch der Minderheit der Sicherheitspolitischen Kommission, den entsprechenden Rückweisungsantrag der Minderheit Frey Walter der Aussen- politischen Kommission zu unterstützen.
Hafner Rudolf (G, BE): Nach der Tat hält der Schweizer Rat: So kommt es einem ein bisschen vor, wenn man liest, wie der Bundesrat zu seiner Schlussfolgerung gekommen ist, einen EU-Beitritt direkt anzustreben.
Ich spreche nur im Namen einer Minderheit der grünen Frak- tion. Es schien uns aber notwendig, das Wort zu ergreifen. Wenn auch die Fraktionsmehrheit diesen Antrag nicht unter- stützt, so sind wir uns in der Fraktion doch weitgehend einig, was die Kritik an der EU als Institution betrifft. Es gibt in diesem Saal nicht nur eine bürgerliche Kritik, sondern es gibt auch eine ökologische und eine soziale Kritik an der Institution EU. Seit langer Zeit gibt es nicht nur in der Schweiz, sondern in den meisten europäischen Staaten Gruppen oder ganze grüne Parteien, die einem EU-Beitritt skeptisch, wenn nicht ableh- nend gegenüberstehen. Unter anderem darf ich auch das von grünen und sozialdemokratischen Kreisen mitgetragene Fo- rum erwähnen.
Das Forum hat damals bei der EWR-Abstimmung 1992 immer- hin an die 500 000 Exemplare einer kleinen Abstimmungszei- tung in der Schweiz verteilt. Man darf feststellen, dass das ei- nen Einfluss hatte. Die Abstimmung von 1992 über den EWR
Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren
181
ging sehr knapp aus; die kritische Haltung, die das Forum ein- nahm, war daher nicht ohne Ergebnis. Diese Gruppierung hat also bei der Abstimmung von 1992 zu den Siegern gehört; man muss sich schliesslich nicht Asche aufs Haupt streuen, wenn man in dieser Beziehung Erfolg verzeichnet hat. Wir wis- sen uns bei unseren Bemühungen auch solidarisch mit grü- nen oder sozial gestimmten Menschen in Österreich, Schwe- den, Finnland, Dänemark und anderen Ländern. Auch diese haben ihre Befürchtungen über die Auswirkungen der EU. Nun zum Inhaltlichen: Im Bericht wird der Beitritt zur EU als Ziel der Schweiz deklariert Es wird in diesem Saal wohl unbe- stritten sein, dass beim Erreichen dieses Zieles enorme Aus- wirkungen zu gewärtigen wären und dass man sich von daher gut überlegen muss, wie man ein solches Ziel anstrebt bzw. welche Auswirkungen zu erwarten sind.
Ich beginne mit den Volksrechten. Wir hören jeweils am 1. Au- gust, was uns allen die Volksrechte wert seien. Es kann aber nicht bestritten werden, dass ein EU-Beitritt die Volksrechte ganz einschneidend reduzieren würde. Bekanntlich geht das internationale Recht dem Schweizer Recht in jedem Fall vor, und deshalb wären sehr viele Volksinitiativen nicht mehr mög- lich oder nicht mehr zulässig.
Ich erwähne als weiteres Beispiel den Verkehr. Wir - ich meine hiermit grüne und sozial interessierte Kreise - haben der Al- pen-Initiative zum Durchbruch verholfen. Wir haben auch ge- hört, welches Echo auf diese Alpen-Initiative aus Brüssel, aus Italien, aus Deutschland usw. kam. Es wurde sogar erzählt, die Schweizer Regierung sei nicht mehr in der Lage, internatio- nale Verträge sicherzustellen. Man erwartet mit Selbstver- ständlichkeit, dass die Schweizer Regierung Volksabstim mungen unterlaufen würde. Ich glaube, anders kann die Schlussfolgerung nicht lauten. Die Alpen-Initiative ist gerade ein Beispiel, wo man sieht, was mit Volksrechten erzielt wer- den kann; ich denke, dass sich ein wesentlicher Teil der Schweizer Bevölkerung dieses Volksrecht nicht nehmen las- sen will.
Ich erwähne weiter die Energiepolitik. Vielleicht äussert sich Herr Mühlemann oder einer der Bundesräte noch dazu, ob die Schweiz nicht mit einem EU-Beitritt auch die Politik der Eura- tom vollziehen muss. Euratom ist immerhin eine Institution, die im Bereich der Energiepolitik eine ganz klare Politik verfolgt Ich weise darauf hin, dass die Kernstaaten der EU diejenigen Länder sind, welche die Atomenergie stark fördern.
Sie erinnern sich: Wir hatten in der Schweiz eine Abstimmung über ein Moratorium zur Kernkraftenergie. Wollen Sie auch diese Volksabstimmung unterlaufen? Oder wollen Sie das Risiko auf sich nehmen, dass beispielsweise die EU einen Beschluss über die Politik in Sachen Kernenergie fassen würde, in dem man zur Schlussfolgerung käme, dass auch diese Volksabstimmung nicht akzeptiert und abgeschrieben wird?
Es würde noch andere Beispiele geben; man sieht, die EU ist nicht auf dem Boden der direkten Demokratie entstanden. Im- merhin kann man feststellen, dass 1957, als die damalige EWG entstanden ist, keines der Völker die Möglichkeit hatte, darüber abzustimmen. Man kann sich fragen, ob die Regie- rungen damals Angst vor der Bevölkerung hatten. Man kann sich auch fragen, warum die Bundesrepublik Deutschland heute keine Abstimmung darüber macht, ob die Bevölkerung mit der Entwicklung der EU einverstanden ist.
Betreffend die Ökologie: Wer die Extraausgabe des «Spiegel» gelesen hat - darin berichten Leute, die innerhalb der EU ar- beiten, von ihren Erfahrungen -, der sieht klar, wie es sich im Bereiche der Ökologie verhält. Immerhin könnte man sich auch in der Schweiz noch Zeitungen wünschen - ich wende mich an die Pressetribune -, die den Mut haben, die Sachlage so klar zu schildern, wie das im «Spiegel» zu lesen war. Ich er- wähne schliesslich auch die Landwirtschaft, wo es für alle klar ist, dass ein EU-Beitritt verheerende Folgen haben würde.
Wenn Sie den Eindruck haben, Sie möchten doch die direkte Demokratie und die Volksrechte ernst nehmen, dann würde auch die Möglichkeit bestehen, beispielsweise eine Konsulta- tivabstimmung zu einem EU-Beitritt zu machen. Fragen Sie doch das Volk: Wollen sie das? Dann könnten Sie sich auf die Antwort einstellen. Auf jeden Fall wäre das ehrlicher, als zu sa-
gen: Wir wissen, was im Interesse des Volkes ist, und dann ir- gendein Beitrittsziel zu formulieren. Oder man könnte auch fra- gen: Wollen Sie die Unabhängigkeit der Schweiz aufgeben? In einem solchen Falle wüsste man auch, was das Volk davon hält.
Das Ganze erinnert an den Tanz um das Goldene Kalb. Früher ging es vielleicht mehr um die Finanzen, heute geht es mehr um Aspekte der Macht. Man hat den Eindruck, dass Brüssel einen Machtsog ausübt, der jedermann fasziniert. Ich frage mich auch, in welchem Stil dieses Geschäft erscheint. Ich stelle fest, dass in den verschiedensten Gruppierungen dar- über gestritten wird und ein Geist der Intoleranz herrscht.
Ich möchte Sie bitten, sich daran zu erinnern, dass wir alle ei- nen Eid oder ein Gelübde abgelegt haben. Diejenigen, die ein Gewissen haben, können wohl nicht mit gutem Gewissen dem Ziel eines EU-Beitritts zustimmen.
Ich bitte Sie, meinem Rückweisungsantrag zuzustimmen.
Bischof Hardi (D, ZH): Ende des vergangenen Jahres hat der Bundesrat den Bericht über die Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren mit einem Anhang zur Neutralitätspolitik vorgestellt. Der Bericht selbst beinhaltet aber einige Wider- sprüche. Hier im Bundeshaus ist in letzter Zeit die Bereitschaft, an der immerwährenden bewaffneten Neutralität festzuhalten, gewaltig ins Wanken geraten. Die Integration der Schweiz in die EU und damit in die politische Union ist dem Bundesrat an- scheinend wichtiger geworden als die Weiterführung einer zu- verlässigen Neutralitätspolitik.
Die SD/Lega-Fraktion ist der Meinung, dass mit diesem Be- richt das Volks-Nein vom 6. Dezember 1992 nicht akzeptiert wird. Wir sind aber auch der Meinung, dass ein beabsichtigter Schritt in Richtung EU niemals am Volk vorbeigehen darf.
Ich erinnere mich daran, dass Sie, Herr Bundesrat Cotti, sich von der zentralen Aussage beeindrucken liessen, die europäi- sche Integration sei nicht so sehr eine Frage der Wirtschaft, sondern eine Frage der Politik und vor allem der Sicherheit und des Friedens auf diesem Kontinent. Sie sind sich damals, Herr Bundesrat, nicht bewusst gewesen, oder Sie haben beim Bundeskanzler nicht interveniert und sich auch nicht nach dem Schicksal der Völker in Ex-Jugoslawien und der Ex- Sowjetunion und nach den Gründen des totalen Versagens der EG erkundigt.
Angesichts der Katastrophe in jenen Ländern ist es geradezu makaber, eine gemeinsame Friedens- und Sicherheitspolitik anzupreisen. Wer über die friedenssichernde Aktivität der EU spricht oder schreibt, tut dies angesichts der Kriege und Ge- metzel zwischen Serbien und Slowenien, angesichts der Kämpfe zwischen Aserbaidschan und Armenien sowie ange- sichts der Kämpfe in Moldawien und Tadschikistan, die alle Folge des Zerfalls von Bundesstaaten mit mehrsprachiger Be- völkerung sind.
Nach Helmut Kohl gehört die Schweiz selbstverständlich in die EU, aber nicht um des Friedens in Europa willen, den einst die Staatsmänner Charles de Gaulle und Konrad Adenauer si- chergestellt haben. Die Neutralität hat sich nicht nach Alterna- tiven zu richten, sondern nach einer zeitgemässen Fortfüh- rung der Neutralitätspolitik. Gewiss war der tiefere Gehalt der Neutralitätsidee nicht immer klar im Bewusstsein der Nation und der Politiker gegenwärtig. Aber er war dauerhaft wirksam, da er Ausdruck des Friedens und Rechtscharakters der Eidge- nossenschaft selbst war.
Ein Beitritt sowohl zur EU wie zur Uno ist nach wie vor abzuleh- nen. Wir würden uns auf keinen Fall in den Sog der Machtpoli- tik begeben. Der Uno- oder EU-Beitritt ist, gleich wie die Teil- nahme an Nato- oder WEU-Aktionen, weit vom Konsens ent- fernt.
Die Schweiz nimmt jetzt schon an allen Aktionen der Uno teil, die der internationalen Zusammenarbeit und dem Frieden die- nen. Die Neutralität ist nicht Eigentum der Classe politique, die mit ihr wie mit einer Handelsware verfahren dürfte. Sie ist eine geistige, moralische Verpflichtung, die der Schweiz von ihrer Gründung und Geschichte her aufgetragen ist. Der Bundesrat hat auch nicht das Recht, den Weg des geringsten Widerstan- des zu gehen und der sich ausbreitenden Tendenz zur De- struktion moralischer Qualitäten nachzugeben.
Politique extérieure de la Suisse dans les années nonante
182
N
7 mars 1994
Aus diesem Grund bitten wir Sie, den Antrag unserer Fraktion zu unterstützen.
Eggly Jacques-Simon (L, GE): Il faut du courage pour parler ainsi aujourd'hui de politique étrangère. Les votes populaires semblent montrer que le peuple et les cantons suisses, dans leur majorité, s'accrochent au rocher alpin comme pour résis- ter au vertige qui les prendrait.
Or, pour la Suisse comme pour tous les autres pays, l'évi- dence est pourtant là. Il n'est quasiment plus de domaines qui ne soient aujourd'hui à la fois de politique étrangère et de poli- tique intérieure. Regardez l'Accord sur le transit: il est remis en cause par l'initiative des Alpes. Regardez le sort de Swissair: il pourrait être remis en cause à travers les négociations bilatéra- les par l'initiative des Alpes, encore une fois. Ce sont des exemples spectaculaires.
Par ailleurs, que de changements, nous le savons bien! Les références sûres sont bousculées, le rideau de fer est tombé, le communisme historique est mort, mais les risques de néo- communisme, de néo-fascisme et de nationalisme agressifs sont là, et bien là. On parle du dialogue Nord-Sud. Quel Nord, quel Sud, quel tiers monde, tant les situations sont diverses? Oui, cela tourne, et cela tourne à toute vitesse. Précisément à cause de cela, jamais nous n'avons eu autant besoin de conceptions qui fussent à jour. Jamais le pays n'a eu autant besoin qu'aujourd'hui d'être conduit par des autorités qui sa- chent où elles veulent aller, et soutenu par des partis gouver- nementaux qui savent où conduire le pays. Oh, mes amis radicaux, où sont les radicaux de 1848 qui ont fait cette Suisse moderne?
Seulement voilà, il y a servitude et grandeur de la démocratie, dirait Alfred de Vigny, il y a la démocratie directe. L'Accord sur l'Espace économique européen a été refusé, l'initiative des Al- pes acceptée, et je l'ai dit, tant de choses peuvent être remises en question. En ayant élaboré ce rapport et en le présentant après ces derniers événements, le Conseil fédéral montre qu'il n'entend pas jeter l'éponge, qu'il n'entend pas se confiner dans la gestion du pays en attendant que ce dernier mûrisse. Cette attitude du gouvernement, le groupe libéral, plus gou- vernemental que beaucoup d'autres, la salue et vous soutient. Le Conseil fédéral, dans ce rapport, affiche donc ses cinq buts principaux. Je n'y reviens pas. Il en déduit une stratégie. Il pré- sente les possibilités à court et à moyen terme selon des calen- driers imaginables. Il a raison. Il serait faux d'avancer avec une sorte d'éventail d'options ouvertes. Respecter le peuple, c'est agir dans le court terme, conformément à ce qu'il a voulu et ne pas agir contre. Mais respecter le peuple, ce n'est pas, pour les autorités, renoncer à lui montrer la route, et il est du devoir du gouvernement d'avoir une stratégie. Cinq buts, donc, aux- quels nous souscrivons.
L'essentiel, finalement, c'est bien de montrer que la poursuite de ces buts, tels la paix, la sécurité et la prospérité, demande la participation et l'imbrication de la Suisse dans les ensembles articulés économiques et politiques qui s'imposent au- jourd'hui. Pour notre économie, pour nos chercheurs, pour notre jeunesse, il n'y a pas d'avenir véritable en tournant le dos à l'Union européenne, Monsieur Frey Walter. Cela, il faut le sa- voir et il faut le répéter. Il faut aussi arriver à en convaincre le peuple, mes chers collègues, notamment alémaniques. Je crois qu'en effet, pour ce qui concerne les Romands, sans re- jeter cette majorité alémanique avec laquelle nous avons un destin et une histoire commune, vous nous entendrez, vous nous entendrez encore vous persuader que l'avenir de la Suisse, c'est la double respiration, nationale et européenne, et qu'il n'y a pas d'avenir pour la Suisse sans cette double respi- ration.
La dimension européenne - oui, Monsieur Blocher - est né- cessaire pour l'illustration et la défense de ce à quoi vous tenez et de ce à quoi nous tenons. Pour nos intérêts, mais aussi pour la défense de nos valeurs, l'essentiel sera gagné et l'avenir sera ouvert lorsque vous, ou disons d'autres, en seront convaincus. Certes, il y a l'incertitude des temps, mais précisé- ment la stabilité en Europe n'est pas imaginable sans une réussite de l'Union européenne, une réussite que nous vou- lons, et une réussite à laquelle nous devrions participer. C'est
aussi à cause de cette incertitude que la Suisse, c'est vrai, doit toujours cultiver une défense nationale forte.
Les opposants à l'Union européenne avancent l'argument de la neutralité. Les libéraux mesurent la valeur de la neutralité. Dois-je vous rappeler que c'est un libéral genevois, Pictet de Rochemont, qui l'a fait reconnaître internationalement au Congrès de Vienne? Les libéraux n'auraient vraiment pas de leçon à recevoir quant à la connaissance et la conscience de ce qu'est la neutralité. Mais les libéraux ont toujours su que la politique de neutralité, son application et sa conduite, était dans nos mains, que c'était à nous de l'appliquer et de l'inter- préter.
Nous l'avons fait au cours de l'histoire de façon différente. Le Parti libéral a d'ailleurs toujours insisté sur le fait que la neutra- lité n'est pas un but, mais qu'elle est un moyen. Si un jour il de- vait être dans l'intérêt de la Suisse d'y renoncer ou d'en modi- fier les termes, nous ne devrions pas être arrêtés par cela au mépris de l'intérêt général de la Suisse. Si nous devions trou- ver des moyens meilleurs de sauvegarder l'indépendance de la Suisse, la prospérité de la Suisse, nous devrions le faire.
Certains de nos collègues, notamment en commission, M. Frey Claude notamment, ont voulu avoir un débat sur la neutralité à propos de la politique d'intégration. Nous avons craint que ce débat soit propre à cristalliser artificiellement les positions et nous voyons que notre crainte était fondée, car c'est ce qui se passe. Nous ne devons pas nous laisser enfer- mer ici, dans cette enceinte politique, dans une sorte de sémi- naire académique où l'on dirait: «Voyons, s'il arrive ceci, est-ce que c'est compatible avec la neutralité? S'il se passe cela, est-ce que c'est compatible avec la neutralité?» Non, la politi- que de neutralité ne doit pas être définie de façon rigide. Elle doit rester, encore une fois, à notre libre interprétation. Il faut donc ne pas définir trop strictement la politique de neutralité pour laisser à notre politique étrangère la souplesse suffi- sante.
J'aimerais dire à M. Blocher et à M. Frey Walter, et à M. Frey Claude - qui n'est pas là je crois, mais qui s'est beaucoup ma- nifesté en commission - que la politique de la neutralité ne doit pas être pour la Suisse une sorte de ceinture de chasteté dont nous donnerions les clés en dépôt à MM. Blocher, Frey et consorts, des clés d'ailleurs qu'ils se garderaient bien de nous rendre et qu'ils pourraient bien perdre. Non, la politique de neutralité ne doit pas nous empêcher d'avoir une politique étrangère.
Je termine par où j'ai commencé: le grand défi auquel nous nous trouvons confrontés, c'est, je l'ai dit, d'intérioriser dans notre politique interne la dimension de politique étrangère. Nous y sommes résolus, nous avons remarqué que le Conseil fédéral y est résolu. Nous le soutiendrons dans cet effort, et nous n'aurons de cesse dans ce pays, en épaulant, en ce qui concerne les Romands, les élites alémaniques qui sont de cet avis, de convaincre une majorité du peuple et des cantons que notre destin commun, notre destin historique, passe par l'ou- verture au monde et, naturellement, aussi par l'ouverture à l'Europe.
Car, et j'en termine par ceci, le rapport, naturellement, cristal- lise notre discussion sur l'Europe. Il n'y a pas que cela dans le rapport, il y a toute la globalisation des échanges, la mondiali- sation des échanges. Nous savons bien qu'un de nos pro- chains défis sera l'Uruguay Round, nous savons bien ce que représente le Gatt, et nous ne voulons pas d'une Europe qui soit fermée sur elle-même, mais nous sommes persuadés que la participation à la construction européenne, ça n'est pas nous mettre dans une forteresse européenne, c'est participer à l'ouverture de l'Europe aux échanges mondiaux.
C'est dans cet esprit tout à fait patriotique, tout à fait suisse, mais également européen, parce qu'être Suisse demain, ça sera aussi être Européen et ouvert au monde, que nous pre- nons acte avec approbation du rapport du Conseil fédéral.
Oehler Edgar (C, SG): Wir glauben nicht, dass die Diskussion über den Bericht über die Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren ein Grund mehr für das Aufreissen von Grä- ben zwischen der deutschen und der welschen Schweiz sein sollte, im Gegenteil. Unserer Meinung nach sollte dieser Be-
183
Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren
richt dazu dienen, dass wir miteinander unsere Zukunft gestal- ten. Diese Einleitung an die Adresse von Kollege Eggly.
Die CVP-Fraktion nimmt den Bericht des Bundesrates zur Kenntnis. Das bedeutet indessen nicht, dass die CVP-Fraktion diesem Bericht und namentlich den Schlussfolgerungen uni- sono zustimmt.
Wenn wir heute den Bericht vom 29. November 1993 über die Aussenpolitik beraten, stellen wir fest, dass sich nicht nur seit der Zeit der Erarbeitung des Berichtes, sondern vor allem auch seit der Veröffentlichung einiges geändert hat. Wir den- ken dabei namentlich an die Volksabstimmung über die Al- pen-Initiative, dann aber auch über die Entwicklung im Zusam- menhang mit der Erweiterung der EU durch unsere ehemali- gen Efta-Partner. Daraus ziehen wir den Schluss, dass der aussenpolitische Bericht des Bundesrates nie etwas in sich Abgeschlossenes sein kann, sondern Ausdruck einer grund- sätzlichen Haltung ist, der Vorgabe von Zielen dient, dann aber auch eine Leitlinie im politischen Prozess darstellt. Aus dieser Feststellung ist abzuleiten, dass es heute darum geht, den Bericht zur Kenntnis zu nehmen und über die Schlussfol- gerungen des Bundesrates zu diskutieren.
Wir unterstützen die klare Definition der Aussenpolitik des Bundesrates, welche in diesem Bericht als Folge für seine zu- künftige Tätigkeit zugrunde gelegt wird. Die fünf Kernziele, welche der Bundesrat umreisst, macht die CVP damit auch zur Grundlage ihrer eigenen Aussenpolitik.
Für uns bedeutet Aussenpolitik nicht nur die Gestaltung der Beziehungen zu den europäischen Ländern. Obwohl diese Beziehungen in den vergangenen Monaten und in der Folge der Volksabstimmung vom 6. Dezember 1992 aus verständli- chen Gründen im Mittelpunkt der Diskussion und der harten Auseinandersetzung standen, verkennen wir die Notwendig- keit der Neuformulierung der Beziehungen zu den Staaten und Völkern anderer Kontinente nicht. Wir wissen um die Be- deutung des amerikanischen Kontinentes für uns, der Ent- wicklung im südostasiatischen Raum, der Probleme der afri- kanischen Staaten; wir räumen auch der Notwendigkeit ge- pflegter Aufmerksamkeit für die Entwicklung der neuen Staa- ten in der ehemaligen Sowjetunion höchste Priorität ein.
Für die CVP ist Aussenpolitik damit nicht auf eine wirtschaftli- che Integration in die europäische Staatengemeinschaft redu- ziert. Das ist eine der Teilpolitiken, zumal wir als Staat und Volk im Zentralbereich Europas mit unseren Nachbarn eine Reihe anderer Aufgaben zu erfüllen und Pflichten zu übernehmen haben. Wir unterstützen deshalb den Bundesrat, wenn er un- ser Land sozial, kulturell und politisch an Europa annähern will.
In den vergangenen Wochen und Monaten hat die CVP aus verschiedenen Gründen die Aufmerksamkeit wohlwollender Betrachter, dann vor allem aber auch der Kritiker auf sich gezo- gen. Namentlich mit Rückblick auf den Ausgang der Volksab- stimmung vom 6. Dezember 1992 fragte man uns, wie wir nun die Zukunft gestalten wollen, weil doch die sogenannten CVP- Stammlande sehr stark gegen den EWR-Vertrag stimmten.
Damit mussten wir - aber nicht nur wir von der CVP - unmiss- verständlich zur Kenntnis nehmen, dass unser Volk offenbar keinen Europäischen Wirtschaftsraum gemäss vorgelegtem Muster haben will. Für uns bedeutet das aber nicht gleichzei- tig, dass wir uns von Europa abzuwenden haben. Wir interpre- tieren den Ausgang jener Volksabstimmung vielmehr als Auf- trag, unsere europäische Zukunft anderswie zu gestalten.
Die CVP-Fraktion unterstützt die vom Bundesrat als prioritäre und pragmatische Zielsetzung definierte Weiterführung der europäischen Integration. Das bedeutet, dass wir die Absicht des Bundesrates unterstützen, die Weiterführung und die In- tensivierung der bilateralen Verhandlungen so auszugestal- ten. Wegen der unterschiedlichen Systeme machen wir uns in- dessen nicht vor, dass die departementsweise geführten Ver- handlungen das Erreichen der Ziele unseres Landes erleich- tern, sondern wir sind der Meinung, dass sie dies vielmehr sehr stark erschweren. Der Entscheid des Bundesrates, die Verhandlungen noch intensiver zu koordinieren, verdient des- halb unsere Zustimmung.
Die Frage, ob unsere Fraktion die vom Bundesrat im Bericht geäusserte Absicht des Beitritts zur Europäischen Union als
strategisches Ziel der Integrationspolitik übernehmen will, ist bei uns genauso diskutiert und umstritten wie in den meisten anderen Fraktionen und Parteien. Wir wollen uns indessen nicht in blossen Wortspielereien verlieren und diese Absichts- erklärung des Bundesrates nunmehr in eine Option umfunk- tionieren.
Wir nehmen zur Kenntnis, dass der Bundesrat diesen EU-Bei- tritt zu einem strategischen Ziel seiner Integrationspolitik er- klärte. Es kann doch nicht unsere Aufgabe sein, dem Bundes- rat vorzuschreiben, was er zu denken, was er zu schreiben und wie er seine Aufgaben in diesem Bereich in allen Einzelheiten zu erfüllen hat.
Für uns hat die Neutralität auch in Zukunft einen hohen Stel- lenwert. Dabei teilen wir die Meinung nicht, dass eine weitere Annäherung an Europa oder gar eine volle Integration in Eu- ropa ohne Souveränitätsverluste vor sich gehen wird oder dass wir die Neutralität als lästiges Überbleibsel, welches der Vollintegration unseres Landes in die EU im Wege steht, über Bord zu werfen haben.
Die Grundrechte und damit auch die politischen Mitbestim- mungsrechte unseres Volkes finden ihre Grenzen an den Er- fordernissen anderer Staaten und Völker, namentlich aber an den Bedingungen der europäischen Völkergemeinschaft, wel- che diese aus grenzüberschreitenden Regelungen ableitet. Das bedeutet, dass eine Integration in eine europäische Ge- meinschaft oder Union letztlich nicht ohne Souveränitätsverlu- ste vor sich gehen wird. Wer etwas anderes behauptet, streut dem Volk entweder Sand in die Augen oder übersieht die tat- sächlichen Gegebenheiten.
So, wie ein Bürger seine Rechte auf kommunaler Ebene durch die Integration in den Kanton relativiert sieht, wird diesen be- reits begrenzten Rechten über die Erfordernisse eines Bun- desstaates nochmals ein anderer Inhalt gegeben. Warum denn, so darf und muss man sich fragen, soll diese Relativie- rung nicht auch im Zusammenhang mit der Aufgabenver- schiebung von Einzelstaaten auf eine europäische Einheit wei- tergehen? Die Frage ist nur, ob man das zu akzeptieren gewillt ist oder aber vorbehaltslos ablehnt.
Eine Neufassung unserer politischen Mitbestimmungsrechte ist aber nicht von vornherein etwas Negatives und des Teufels. Vielmehr sind wir alle aufgerufen, unsere politischen Rechte, ja die Grundrechte ganz allgemein neu zu umschreiben und zu verwesentlichen. Während wir wohl gegenüber einer wirt- schaftlichen Integration in das Europa der Zukunft keine un- überwindbaren Vorbehalte machen, hat ein grosser Teil des Volkes Mühe bekundet, die Entwicklung im politischen Be- reich zu akzeptieren.
Wir verstehen diese Angst vor dem Unbekannten, wie wir auch den Missmut verstehen, wenn man wohlerworbene und lieb- gewonnene Rechte gegen eine unbestimmte Grösse einzu- tauschen hat.
Unseres Erachtens liegt in diesem Bereich denn auch die Crux der politischen Diskussion der Gegenwart. Gerade deshalb er- achten wir es als unabdingbar, dass wir auf Verfassungsstufe die Voraussetzungen schaffen, welche einen Beitrag zum poli- tischen Dialog über die Aussen- und Europapolitik leisten können.
Je länger, desto mehr erkennen wir dabei die Tatsache, dass Aussenpolitik vor allem auch Innenpolitik ist Der Bürger will wissen, welche Auswirkungen aussenpolitische Entscheidun- gen auf den inneren Bereich und damit auf die Innenpolitik haben.
Die CVP-Fraktion ist der Überzeugung, dass die aussenpoliti- schen Entscheidungen nicht nur vermehrt, sondern ganz ge- nerell innenpolitisch abzustützen sind.
Vor diesem Hintergrund lehnt unsere Fraktion Rückweisungs- oder Ablehnungsanträge, wie sie Ihnen vorgelegt wurden, ab. Sie lehnt es ebenfalls ab, wenn mit der Kenntnisnahme des Berichtes des Bundesrates irgendwelche Verknüpfungen ge- macht werden sollen.
Wir sind der Meinung, dass der Bundesrat - der Präsident der Aussenpolitischen Kommission hat es dargelegt - mit seinem Bericht über die Aussenpolitik der nächsten Jahre eine wert- volle Grundlage für unsere aussen- und vor allem auch für un- sere innenpolitische Diskussion gelegt hat. Darauf wollen wir
Politique extérieure de la Suisse dans les années nonante
184
N 7 mars 1994
uns, ohne jetzt und heute Stellung für oder gegen seine Strate- gie nehmen zu wollen, abstützen, damit wir gemeinsam, Herr Eggly, unsere politische Zukunft in Europa umreissen kön- nen: Diese Zukunft in diesem Europa - ob wir es wollen oder nicht - ist auch die Zukunft unseres Landes, nicht nur im wirt- schaftlichen Bereich, sondern in allen Bereichen der Politik.
Steffen Hans (D, ZH): Die SD/Lega-Fraktion stellt fest, dass der vorliegende Bericht des Bundesrates in seinen Zielsetzun gen eigentlich nicht viel Neues enthält, ausgenommen die Neuinterpretation des Neutralitätsbegriffs im Anhang und die Umschreibung möglicher näherer Kontakte zur Nato und zur Westeuropäischen Union. Das strategische Ziel der bundes- rätlichen Europapolitik bleibt bestehen, wie es schon vor der EWR-Abstimmung bekannt war, nämlich: der Beitritt unseres Landes zur Europäischen Union.
Beim Lesen dieses Berichtes muss der Eindruck entstehen, es habe den 6. Dezember 1992 gar nicht gegeben. Die Classe politique gibt sich durch offensichtliche Bewusstseinsverwei- gerung nicht Rechenschaft darüber, dass eine respektable Mehrheit der Stände den Beitritt zum EWR abgelehnt hat. Auf internationaler Ebene zeigt sich ein ähnliches Bild. Obwohl sich der Bundesrat bewusst ist, dass nach dem ablehnenden Entscheid von 1986 im Volk auch heute nur wenig Verständnis für einen Uno-Beitritt vorhanden ist, will er trotzdem an diesem strategischen Ziel seiner Aussenpolitik festhalten.
Man hat sich im Bundesrat und bei der Mehrheit des Parla- ments für die Salamitaktik entschieden, was die Abstimmung vom 12. Juni dieses Jahres über die Schaffung von Schweizer Blauhelmtruppen belegen dürfte.
Zurück zur Europapolitik: Der Bericht enthält auch einen Zeit- plan für die bundesrätlichen Massnahmen. Bis 1995 soll bila- teral verhandelt werden. In der kommenden Legislaturperiode will er die Beitrittsverhandlungen mit der Europäischen Union aufnehmen, sofern die innen- und aussenpolitischen Voraus- setzungen erfüllt sind, wie sich der Bundesrat im Bericht aus- drückt. Die des weiteren angedeutete Möglichkeit eines EWR- Beitritts erscheint unserer Fraktion als fragwürdige Alternative. Das Festschreiben eines Massnahmenkatalogs und insbe- sondere eines Zeitplans durch den Bundesrat ist mit Blick auf die kommenden bilateralen Verhandlungen der Schweiz mit der Europäischen Union ein Beweis für die unübersehbaren Schwächen unserer Aussenpolitik. Oder ist es gar ein Zeichen fragwürdiger Absicht?
Der Verdacht muss ausgesprochen werden, dass der Bundes- rat zur Verwirklichung seiner Absicht, nämlich Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der EU, ein Scheitern der bilatera- len Verhandlungen bewusst in Kauf nimmt, um so quasi künst- lich die aussenpolitischen Voraussetzungen für die Verhand- lungen ab Herbst 1995 zu schaffen.
Wenn ich mich in die Köpfe der Brüsseler Verhandlungspart- ner hineindenke, komme ich zu folgender Beurteilung der Lage: Der einzige Trumpf, mit welchem die Schweiz ein Luft- fahrtabkommen und beispielsweise Ausnahmen in den Berei- chen Freizügigkeit des Personenverkehrs und Ausverkauf der Heimat hätten erzwingen können, wurde vom Bundesrat durch übereilte Ratifikation des Transitabkommens ausge- spielt. Nach der Veröffentlichung des Zeitplanes müssen die bilateralen Verhandlungen einfach so harzig geführt werden, dass sie Ende 1995 keine oder schlechte Resultate aufweisen, was den Weg zur Einleitung von Beitrittsverhandlungen öffnet. Ob diese Beurteilung der Ausgangslage durch die SD/Lega- Fraktion eine böse Unterstellung ist oder die Realität sein wird, dürften wir spätestens nach den nächsten Nationalratswahlen wissen.
Dass die Rahmenbedingungen für bilaterale Verhandlungen jetzt alles andere als komfortabel sind, ist wohl unbestritten. Aber wenn der Bundesrat, wie gesagt, ein Transitabkommen ratifiziert, ohne vorher mit aller Härte Gegenleistungen einge- handelt zu haben, hat er sich diese unerfreuliche Ausgangs- lage selber eingebrockt. Es ist äusserst unfair, wenn er die Schuld an der Situation dem sturen Stimmvolk anlastet.
Aus der Fülle des Berichts greife ich Ziffer 4.2, Innenpolitische Abstützung der Aussenpolitik, heraus. Der Bundesrat erklärt, dass die Aussenpolitik stärker als bisher in der Bevölkerung
verankert werden müsse. Als Massnahmen erwähnt er erstens den Ausbau des aussenpolitischen Apparates als Dienstlei- stungsbetrieb, zweitens die Verbesserung der Information der Bevölkerung über Aussenpolitik, drittens die Vertiefung des Dialogs und der Konsultation zwischen Bundesrat und Parla- ment, viertens die Vertiefung des Dialogs zwischen Bundesrat und Kantonen und fünftens die Bildung von ausserparlamen- tarischen konsultativen Kommissionen (Bericht S. 43).
Nachdem der Bundesrat den Beitritt der Schweiz zur Europäi- schen Union anstrebt und eine Mehrheit der Spitzen der Bun- desratsparteien diese Politik mitträgt, stellt sich die berech- tigte Frage, ob nicht die oben aufgezählten Massnahmen le- diglich ein Mittel zum Zweck sind, nämlich den längst eingelei- teten Integrationsprozess breit abzustützen.
Als zweite Massnahme wird von der Verbesserung der Infor- mation der Bevölkerung gesprochen. Wenn man an die Pa- pierflut aus dem Integrationsbüro denkt, z. B. an die aufwendi- gen Unterlagen für Schulen zum Thema Europa, sollte schon eher von Beeinflussung, Indoktrination und Manipulation und weniger von Information gesprochen werden! Oder greifen wir die vierte Massnahme heraus - Vertiefung des Dialogs zwi- schen Bundesrat und Kantonen -: Es kann festgestellt wer- den, dass allein schon mit der Einsetzung von hochbezahlten Europadelegierten in einzelnen Kantonen vollamtliche Multi- plikatoren am Werk sind, welche die Integrationsziele des Bundes auf kantonaler Ebene durch Vorträge und Artikel im Volk zu vertiefen haben.
Es wäre bedauerlich, wenn neben dem durchaus notwendi- gen Dialog zwischen Bund und Kantonen die regierungsrätli- chen Mitglieder des Kontaktgremiums und der Regierungs- konferenz durch die ablaufenden gruppendynamischen Pro- zesse zu Politkommissaren umerzogen würden, welche letzt- lich die Aufgabe hätten, von oben nach unten Einfluss auf ihre administrative und politische Umgebung zu nehmen, und dies mit dem Ziel, die bundesrätliche Aussenpolitik zu stützen. In einem letzten Punkt möchte ich noch kurz auf den im An- hang abgedruckten Bericht zur Neutralität zu sprechen kom- men. Die wichtigsten strategischen Ziele der bundesrätlichen Aussenpolitik - nämlich: Annäherung an die Nato und an die Westeuropäische Union, Integration der Schweiz in der Euro- päischen Union und Beitritt zur Uno - brachten den Bundesrat in eine neutralitätspolitische Zwickmühle, die von ihm frühzei- tig erkannt wurde.
Im März 1991 wurde die Studiengruppe «Neutralität» vom Bun- desrat beauftragt, einen Bericht zu verfassen, der uns seit März 1992 vorliegt. Die Auswahl der Experten muss wohl so getroffen worden sein, dass das Resultat für den Bundesrat absehbar war, nämlich eine Neuinterpretation des Neutrali- tätsbegriffs. Oder anders und vielleicht ein bisschen bösartig ausgedrückt: Wer als Gutachter oder Fachexperte vom Bun- desrat auch künftig lukrative Aufträge erhalten will, wird sich vermutlich hüten, gegen den Stachel zu löcken und Resultate zu liefern, die nicht den strategischen Absichten des Bundes- rates entsprechen. Oder liege ich hier falsch?
Nun aber zur Sache. Der Bundesrat schreibt im vorliegenden Bericht, die Neutralität sei eine zentrale Maxime der Aussen- und Sicherheitspolitik. Für mich und für viele in diesem Land aber ist die Neutralität die zentrale Maxime der Aussen- und Si- cherheitspolitik. Unsere Neutralität kann insofern als einmalig bezeichnet werden, als sie nicht einfach ein situationsbeding- tes, wandelbares Mittel zur Sicherung der eigenen Existenz ist, sondern direkt aus der Idee der Eidgenossenschaft abgeleitet werden muss. Sie war von Anfang an als Rechts- und Frie- densordnung aufgebaut und als solche im Bewusstsein des Volkes verankert.
Unsere Auffassung von Neutralität bedingt den Verzicht auf Machtpolitik und auf Teilnahme an Konflikten anderer Staaten. Ich möchte noch weitergehen: Es geht um den Verzicht auf Einsätze auch zugunsten der Uno, denn die Weltorganisation ist in Konfliktfällen immer auch Partei. Die Schweiz muss ihren Dienst für den Frieden leisten, und sie kann dies auch, nämlich durch den Ausbau der Wirksamkeit des Internationalen Komi- tees vom Roten Kreuz, durch Katastrophenhilfe, als Schutz- macht für verfeindete Staaten und für Bürgerinnen und Bürger kriegführender Staaten.
Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren
185
Abschliessend stelle ich die Frage in den Raum: Was trägt die Eidgenossenschaft zur Friedensförderung in dieser Welt bei? Seit 1848 verwirklicht und vertieft sie die direkte Demokratie und hielt bis vor kurzem der Unabhängigkeit und Neutralität die Treue. Sie lebte mit allen engeren und weiteren Nachbarn im Frieden. Würde man weltweit das von unserem Land prakti- zierte Prinzip der Nichteinmischung beachten, wäre der er- sehnte Weltfriede greifbarer.
Die SD/Lega-Fraktion unterstützt die Rückweisungsanträge und bittet Sie, ein Gleiches zu tun.
Vollmer Peter (S, BE): Die Ankündigung dieses Berichtes über die Aussenpolitik hat so hohe Erwartungen geweckt, dass wir heute feststellen müssen: Es ist gar nicht möglich, dass er alle diese Erwartungen einlösen kann. Dennoch schätzt die sozialdemokratische Fraktion diesen Bericht sehr positiv ein. Er enthält eine äusserst realistische Analyse der heutigen Situation und der Stellung der Schweiz in Europa und in der Welt. Endlich spricht der Bundesrat in seiner Ana- lyse in bezug auf die nationalstaatliche Souveränität Klartext. Die konkrete, faktische Selbstbestimmung, also die staatliche Souveränität, ist am wenigsten in einem sogenannten Allein- gangs-Szenario gewährleistet. Die wirtschaftliche, soziale, umweltpolitische, kulturelle, aber auch sicherheitspolitische Verflechtung, die gegenseitige Abhängigkeit und Durchdrin- gung sind heute so gross, dass jede andere Einschätzung zu einer Fiktion verkommt. Integration könnte eben gerade auch bedeuten, dass damit ein Zuwachs, ein Gewinn an Souveräni- tät, an Selbst- und Mitbestimmung erreicht werden kann.
Die Analyse des Bundesrates ist insofern auch eine begrüs- senswerte und klare Absage an diese mythologisierten und populistischen Betrachtungsweisen, von denen wir vorhin wieder gehört haben. Insofern verdient dieser Bericht unsere volle Unterstützung. Wir können keine Politik allein mit Optio- nen machen. Es braucht - da können wir dem Bundesrat zu- stimmen - klare Zielvorgaben, und die Zielvorgabe «Beitritt zur Europäischen Union» ist richtig, auch wenn es Vorbehalte gibt. Wie die Zukunft der EU aussehen wird, werden einzig und allein diejenigen bestimmen, die dabei sind. Wir können nicht über die Entwicklung der EU lamentieren, wenn wir nicht mit- machen, denn eines ist sicher und klar: Was in der EU in Zu- kunft geschieht, wird unser Land unmittelbar betreffen.
Erfrischend im Bericht über die Aussenpolitik ist insbesondere die Tatsache, dass man sich zu den Grundsätzen der Aussen- politik diesmal sehr viel konkreter äussert als früher, als man meinte, man könne schon allein mit den alten Worthülsen der Universalität, der Disponibilität und auch der Neutralität eine eigenständige Aussenpolitik machen.
Wir werten es in diesem Bericht als sehr positiv, dass die Ein- sicht und der Wille vorhanden sind bzw. dass es einen Sinn machen könnte, sich allenfalls auch an kollektiven Sicher- heitsstrukturen zu beteiligen - ohne dass man heute bereits dafür eintritt, dass wir uns an einem Militärbündnis beteiligen müssten.
Wir erkennen auch die Einsicht und den Willen, sich für die Überwindung der ökonomischen und sozialen Disparitäten einzusetzen, im Wissen, dass genau diese Disparitäten auf dieser Welt die wichtigsten Ursachen der globalen Instabilitä- ten sind. Und positiv ist ebenfalls zu würdigen, welche Bedeu- tung den Menschenrechten und der Demokratie in diesem Be- richt zukommt und welchen Stellenwert auch den ökologi- schen Fragen beigemessen wird. Spätestens seit der jünge- ren Entwicklung in Afrika weiss man, wie eng die Fragen der Demokratie, der Menschenrechte - denken wir nur an das Stichwort des sogenannten «Good governance» - zusam- menhängen.
Das Wichtigste in diesem Bericht ist jedoch das Bekenntnis zur Kohärenz, also zur Einbettung der Aussenpolitik in die ge- samte, sowohl in die innenpolitische wie auch in die globale Betrachtungsweise. Aussenpolitik darf nicht länger ein Eigen- leben führen. Es darf nicht länger die Domäne einer würdigen Diplomatie sein.
Nach soviel positiver Würdigung sind zweifellos auch einige kritische Anmerkungen am Platz. Sie betreffen vor allem die strategisch-taktische Umsetzung der Ziele, wie sie im Bericht
anvisiert werden. Da wirkt der Bericht oft recht schwammig. Viel Konkretes wird einfach in die nächste Legislatur verscho- ben. Gerade in der Europapolitik vertreten wir mit Nachdruck die Auffassung, dass es wichtig ist, die durch die abgelehnte EWR-Vorlage entstandene Situation so rasch als möglich zu deblockieren. Damit wir nicht wieder Schiffbruch erleiden, könnten Zwischenschritte sinnvoll sein, beispielsweise mittels eines konkreten Verfassungsauftrages oder, je nach dem Aus- gang der Volksabstimmungen bei den beitrittswilligen Efta- Ländern, auch über einen zweiten Anlauf zum EWR. Mit den eingereichten Volksinitiativen hat der Bundesrat es in der Hand, allenfalls mittels Gegenvorschlägen seine integrations- politischen Ziele auch vom Volk frühzeitig abstützen zu lassen. Dass den innenpolitischen Realitäten mittels einer entspre- chenden Reformpolitik dabei vermehrt Rechnung zu tragen ist, ist eine Voraussetzung für den späteren Erfolg der Integra- tionspolitik, die der Bundesrat klar anvisiert
Auch für das Stichwort «Kohärenz» gäbe es noch und noch Anwendungsfälle, um nicht zu sagen Nagelproben. Denken wir nur daran, wie schwer sich der Bundesrat mit seinem PC- 7-Entscheid, ja mit seiner gesamten Waffenexportpolitik tut. Da kommt man nicht ganz vom Eindruck los, in vielen Fällen gelänge es einer bestimmten Aussenwirtschaftslobby immer noch zu stark, eine konsequente, kohärente Aussenpolitik zu verhindern. Denken wir auch an das Beispiel der Türkei, an ein Land, das die Menschenrechte der kurdischen Minderheiten immer mehr missachtet.
Wir wissen es: Die Öffnung in Richtung einer entmythologisier- ten und glaubwürdigen Aussenpolitik setzt vor allem einen in- tensiven innenpolitischen Informations- und Lernprozess vor- aus. Da bleiben leider oft noch Zweifel an der bundesrätlichen Politik, wenn wir z. B. an die Wechselbäder denken, welche man der Bevölkerung bezüglich von verschiedenen Wertori- entierungen zumutet.
Wir wissen, im Jahre 1991 zelebrierte man mit der 700-Jahr- Feier vor allem die Mythologie. Im Jahre 1992 hat man der Be- völkerung mit der EWR-Vorlage eine nüchterne Realpolitik ab- verlangt. Im Jahre 1993 mobilisierte man für die F/A-18- Abstimmung wiederum die Vergangenheit, und in diesem Jahr wünschen wir von der Bevölkerung für die Blauhelme wieder das Bekenntnis zu einer offenen Schweiz. Auch da bräuchte es mehr Kohärenz. Nicht nur in der Sachentschei- dung, sondern vor allem auch in der Vermittlung von Wertvor- stellungen.
Der Bericht zur Neutralität macht dies ja sehr deutlich. Es war Zeit, einmal ganz klar festzuhalten - wir teilen hier die Ein- schätzung des Bundesrates -, dass unsere Neutralität immer nur ein Mittel zum Zweck war. Ein Mittel zur Aufrechterhaltung unserer Selbständigkeit, zur Aufrechterhaltung unserer Sou- veränität Dass diese Mittel angesichts neuer europäischer und globaler Verhältnisse überprüft werden müssen, ist offen- sichtlich. Wir teilen darum die Einschätzung, dass eine aktive und offene Aussenpolitik, wie sie in diesem Bericht über die Aussenpolitik vertreten wird, nicht mehr durch sogenannte neutralitätspolitische Vorbehalte in Frage gestellt werden kann. So können die europäische Integrationspolitik, wie sie der Bundesrat anvisiert, der Uno-Beitritt, aber auch die Blau- helmvorlage nicht mehr glaubwürdig mit neutralitätspoliti- schen Argumenten bekämpft werden.
Man müsste demgegenüber zum Neutralitätsbericht höch- stens die Frage stellen, ob darin nicht allzusehr gezögert wird, die wahre Bedeutung der heutigen Neutralitätspolitik unge- schminkt darzustellen. Offensichtlich hält man die Öffentlich- keit diesbezüglich noch nicht für genügend vorbereitet. Diese Lücke schliesst man aber nicht mit überholten Bekenntnissen, wie sie im Bericht leider immer noch zu finden sind.
Unverständlich bleibt auch, dass der Nord-Süd-Bericht vom aussenpolitischen Bericht abgetrennt worden ist und später separat behandelt werden soll; das ist kein positives Beispiel einer kohärenten Betrachtungsweise. Verschiedene Einzel- sprecher unserer Fraktion werden noch einige Themen zu- sätzlich ausleuchten.
Die SP-Fraktion nimmt vom Bericht positiv Kenntnis und bittet Sie, die Rückweisungsanträge abzulehnen, insbesondere auch den Rückweisungsantrag von Herrn Hafner, der zwar
24-N
Politique extérieure de la Suisse dans les années nonante
186
N
7 mars 1994
gutgemeint ist. Natürlich gibt es auch aus unseren Reihen Kri- tik an den Entwicklungen innerhalb der Europäischen Union. Diesen Entwicklungen begegnen wir jedoch nicht, indem wir diesen Bericht zurückweisen, sondern diesen Entwicklun- gen - auch im Zusammenhang mit der ökologischen und so- zialen Frage - und ihren Auswirkungen auf unser Land begeg- nen wir einzig und allein damit, dass wir in unserem Lande eine aktive Politik betreiben, dass wir in unserem Lande eine Reformpolitik betreiben, die verhindert, dass negative Ent- wicklungen innerhalb der Europäischen Union unsere Inte- grationspolitik negativ beeinflussen. Rückweisungen bringen deshalb nichts.
Wir bitten Sie: Lehnen Sie die Rückweisungen ab, und neh- men Sie positiv Kenntnis vom Bericht des Bundesrates!
Moser René (A, AG): Auch ich möchte Sie daran erinnern, dass wir bereits den letzten aussenpolitischen Bericht des Bundesrates zurückgewiesen haben. Wir haben ihn zurückge- wiesen, weil damals selbst von den EWR-Befürwortern be- fürchtet wurde, dass die Aussage im Bericht, nämlich das Fernziel des Bundesrates sei der Beitritt zur EG, auf die Ab- stimmung vom 6. Dezember 1992 negative Auswirkungen hätte.
Wenn also die Mehrheit von damals ihre Redlichkeit - ich be- tone: ihre Redlichkeit - bestätigen will, dann müssen Sie den heute vorliegenden Bericht erst recht zurückweisen. Zurück- weisen müssten ihn auch jene EWR-Befürworter, welche da- mals sagten, für sie käme ein EG-Beitritt nicht in Frage. So hät- ten wir schon einige Stimmen beieinander.
Wer aufgrund des Titels «Bericht über die Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren» im Bereich Förderung der Wohlfahrt eine Grundsatzerklärung des Bundesrates über eine umfassende bzw. weltweite Aussenpolitik erwartete, wurde schwer enttäuscht. Der Bericht befasst sich nur vertieft mit der europäischen Integration, oder auf den Punkt ge- bracht: mit dem EU-Beitritt.
Angesichts der weltweiten Wirtschaftsentwicklung, insbeson- dere der Bildung des nordamerikanischen Wirtschaftsraumes mit dem Nordamerikanischen Freihandelsabkommen (Nafta) sowie des Anlaufs zur Bildung des asiatischen Wirtschafts- blocks, müsste man von einer Landesregierung erwarten, dass sie sich mit dieser Gegebenheit in der Wirtschaftspolitik mit ganz besonderem Effort auseinandersetzt. Im Bericht finde ich aber nur gerade drei Sätze dazu. Drei lausige Sätze über die Beziehungen zu den bedeutenden Wirtschaftsterritorien! Ich wiederhole hier, was ich in der Kommission schon gesagt habe: Würde mir ein Kadermitglied einer weltweit tätigen Un- ternehmung einen vergleichbaren Bericht über seine Marke- tingpolitik vortragen, würde ich es entlassen.
Der Bericht ist aber auch formal in seinem Aufbau zu kritisie- ren; er enthält ein Durcheinander von Zielen und Massnah- men. Eines muss ich allerdings zugestehen: Der Bundesrat bekennt klar Farbe und teilt uns mit, wohin er unser Volk mittel- fristig führen will. Er will, ohne Rücksicht auf den Volksent- scheid vom 6. Dezember 1992, der EU beitreten und sieht auf seinem Irrweg gleich noch den Uno-Beitritt. So nebenbei ver- sucht er uns beliebt zu machen, dass eine Annäherung an die Nato für die Schweiz von Vorteil wäre.
Unser Bundesrat hat wirklich noch nichts gelernt. Die Zwänge- rei wird bei ihm zur Tugend. Ich hoffe nur, dass unser Volk der- einst, wenn es wieder an die Urne gehen muss, der ideologi- schen Schwärmerei unseres derzeitigen Bundesrates wider- stehen kann.
Es wundert mich auch, dass der Bundesrat in diesem Bericht unverblümt unhaltbare Behauptungen aufstellt: Weder einen Uno- noch einen EU-Beitritt betrachtet er als Verstoss gegen unsere verfassungsmässige Neutralität. Darf ich Sie bei dieser Gelegenheit daran erinnern, dass mit den Maastrichter Verträ- gen eine gemeinsame Aussen- und Sicherheitspolitik in der EU eingeführt worden ist? Artikel J1. Absatz 4 besagt: «Die Mitgliedstaaten unterstützen die Aussen- und Sicherheitspoli- tik der Union aktiv und vorbehaltlos, im Geist der Loyalität und gegenseitiger Solidarität. » Das hat beileibe nichts mit Neutrali- tät zu tun. In Artikel J4 Absatz 1 ist zudem festgeschrieben, dass auch eine gemeinsame Verteidigungspolitik zur Siche-
rung der EU gehört. Ein Beitritt zur EU wäre also ein Bruch von Artikel 2 der Bundesverfassung - ob Sie das wahrhaben wol- len oder nicht.
In seinem Bericht sagt der Bundesrat auch, dass er es als seine Pflicht erachte, bezüglich bilateraler Verhandlungen dem Volkswillen nachzukommen. Aber dass der Bundesrat seiner Pflicht bezüglich bilateraler Verhandlungen nicht ernst- haft nachkommen will, dokumentiert er im Bericht eindeutig, indem er sagt, dass er die bilateralen Verhandlungen bereits Ende 1994 beurteilen will, um dann das Vorgehen in Sachen Volksinitiative über den EWR-Beitritt festzulegen. Wer den stei- nigen Weg von bilateralen Verhandlungen kennt, weiss ge- nau, dass innerhalb von einem Jahr absolut keine interpretier- baren Ergebnisse vorliegen können. Ergo, der Bundesrat will uns beweisen, dass bilaterale Verhandlungen nicht zum Ziel führen und nur ein EU-Beitritt möglich ist.
Kann sich der Bundesrat eigentlich vorstellen, was die EU- Kommission ihren Unterhändlern für Anweisungen geben wird, wenn alle Welt schon weiss, dass das strategische Ziel des Bundesrates der EU-Beitritt ist?
Zum Bericht zur Neutralität. Dieser Bericht, mit dem gestell- ten Expertengutachten im Hintergrund, zielt darauf ab, einen Beitritt zur EU unter dem neutralitätspolitischen Gesichts- punkt als unbedenklich erscheinen zu lassen. Sie haben es gehört: In der Aussenpolitischen Kommission hörten wir Ex- perten aus Deutschland, Österreich - und auch einen hohen Schweizer Offizier - an. Alle Erläuterungen glichen sich wie ein Ei dem andern. Wir können frohlocken: Unsere verfas- sungsmässige Neutralität lässt ausser einer aktiven Beteili- gung an einem Krieg alles zu. Bemerkenswert war die Aus- sage des österreichischen Delegierten, der gesagt hat, dass man vor dem Referendum zum EU-Beitritt Österreichs kei- nesfalls über die Aufgabe des österreichischen Neutralitäts- gesetzes sprechen dürfe, ansonst die Abstimmung klar verlo- ren wäre. Sie sehen also, auch in Österreich will man das Volk hinters Licht führen.
Es gibt Kräfte in diesem Land, die bedenkenlos unsere Neutra- lität als Staatsmaxime in Frage stellen. Sie deuten Neutralität nach ihrem eigenen Gutdünken. Ich zitiere hier einen gravie- renden Beweis. Unter Ziffer 5.2 sagt der Bundesrat: «Sollte die EU eines Tages ihr Ziel einer soliden und dauerhaften gemein- samen Verteidigungsstruktur erreichen, müsste unser Land auch bereit sein, seine Neutralität grundsätzlich neu zu über- denken.» Und weiter, unter 5.3: «Der Bundesrat beurteilt eine EU-Mitgliedschaft unter Aufrechterhaltung der Neutralität als rechtlich möglich.» Er folgert daraus auch, genau wie die Österreicher: «Daher würde der Bundesrat bei allfälligen Ver- handlungen über einen Beitritt der Schweiz zur EU den Status der Neutralität als solchen nicht zum Verhandlungsgegen- stand machen.» Schöne Aussichten sind das!
Ich glaube, der Bundesrat geht hier nach dem Motto vor: «Wer kriecht, stolpert nicht». Es ist eine Schande, wenn der Bundes- rat feststellt, dass die Schweiz das Instrument der Neutralität immer wieder flexibel den internationalen Notwendigkeiten und den eigenen Interessen angepasst habe und das auch weiterhin so zu tun gedenke.
Ich habe immer geglaubt, Aussenpolitik sei, mit allen Völkern in Frieden leben und aktiv an der Förderung der internationa- len Zusammenarbeit teilnehmen, um so die Machtbeziehun- gen zwischen den Staaten durch Rechtsbeziehungen zu er- setzen. Mit diesem Beitritt werden wir in den Sog der Machtpo- litik kommen, ob Sie das wollen oder nicht.
Die Fraktion der Auto-Partei lehnt den aussenpolitischen Be- richt des Bundesrates ab und unterstützt den Rückweisungs- antrag.
Wir empfehlen Bundesrat Cotti, einen Bericht mit Visionen und Perspektiven im Bereich der Wirtschaftspolitik zu erarbeiten, welcher der weltweiten Gesellschafts- und Wirtschaftsentwick- lung Rechnung trägt. Dabei erwarten wir eine freiheitsorien- tierte Aussenpolitik unter Berücksichtigung einer aktiven Neu- tralitätspolitik. Die Grundpfeiler brauchen Sie nicht neu zu defi- nieren, sie sind die längst bewährten und weltweit geschätzten Guten Dienste. Das sind die einzigartigen Stärken unseres Kleinstaates, dank denen wir weltweit einen guten Ruf genies- sen. Wir wollen eine unabhängige Willensnation bleiben und
Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren
187
darin keinen Widerspruch zur Solidarität mit allen Völkern se- hen. Eine glaubwürdige Schweiz mit ihren Guten Diensten gilt es auszubauen und nicht an der Neutralität herumzulaborie- ren, bis sie keine mehr ist!
Wer diesem Bericht zustimmt, will in die EU. Und Sie können versichert sein, dass wir diese Tatsache im Wahljahr unseren Bürgerinnen und Bürgern klar vor Augen führen werden.
Nabholz Lili (R, ZH): Namens der freisinnig-demokratischen Fraktion danke ich dem Bundesrat für seinen Bericht und den Anhang über die Neutralität.
Meine Fraktion erachtet diesen Bericht als eine äusserst wert- volle und umfassende Orientierungshilfe, die in klaren und vor allem auch verständlichen Worten offenlegt, wie sich die aus- senpolitischen Realitäten für uns heute darstellen, welche Mit- wirkungsdefizite bestehen und welche Marschroute der Bun- desrat insgesamt einzuschlagen gedenkt.
Was am Bericht besonders besticht, ist die klare Strukturie- rung und seine konsequente Orientierung an der optimalen Interessenwahrung für unser Land.
Man hat dem Bundesrat, gerade im Vorfeld der EWR-Abstim- mung, immer wieder vorgeworfen, er fahre einen Zickzack- kurs, sei unschlüssig und wenig kohärent in seinen aussenpo- litischen Aussagen. Einen solchen Vorwurf kann man diesem Bericht nun wahrlich nicht machen. Er trägt, gegenüber frühe- ren Berichten, in mancher Hinsicht eine neue Handschrift. Endlich, so möchte man sagen, wird die Aussenpolitik nicht mehr nach abstrakten, darum auch wenig fassbaren Maximen ausgelegt, sondern sie ist problembezogen dargestellt und denkt konsequent vom Ziel her, das es zu erreichen gilt.
Man merkt diesem Bericht an, dass der Bundesrat gewillt ist, seine Aussenpolitik im Interesse der erwähnten optimalen In- teressenwahrung für unser Land aktiv und nicht bloss reaktiv zu führen. Das ist angesichts der georteten internationalen In- terdependenzen und der Globalisierung zahlreicher Pro- bleme auch notwendig, denn niemand wird bestreiten wollen, dass wir heute enger denn.je mit vielen grenzüberschreiten- den Problemen konfrontiert sind, die zeigen, wie kurz ein Denkansatz greift, der sich ausschliesslich an einer nationalen Problemlösungskapazität orientieren will.
Wir wissen zudem, dass die internationale Stellung eines Lan- des heute nachhaltig durch die praktizierte Solidarität und die Übernahme vom Mitverantwortung bei der Lösung existentiel- ler Probleme mitbestimmt wird. Da wir selbst von solchen Pro- blemen betroffen sind, haben wir auch ein eminentes Inter- esse, an deren Lösung mitzuarbeiten.
Der generelle Kurs des Berichtes, der sich am Ziel der Öffnung und der internationalen Kooperation orientiert, ist damit nichts anderes als eine selbstverständliche und logische Konse- quenz der veränderten geo- und eurostrategischen Rahmen- bedingungen.
Mit dem Ende des kalten Krieges ist eine multipolare Weltord- nung im Entstehen, die ein starkes Engagement aller Natio- nen bedingt. Die Förderung von Friede und Sicherheit, der Schutz von Menschenrechten und von Minderheiten, die Pflege von Demokratie und Rechtsstaat, die Schaffung von Wohlfahrt und sozialer Gerechtigkeit sowie der Schutz der na- türlichen Ressourcen müssen darum im Mittelpunkt aller An- strengungen der internationalen Staatengemeinschaft ste- hen, und die Schweiz kann sich hier nicht absentieren. Diese veränderte Ausgangslage zwingt uns ohne Zweifel auch zu ei- ner Neuorientierung in der Aussen-, Innen-, Sicherheits- und Wirtschaftspolitik.
Mit ihren aussenpolitischen Grundsätzen hat die FDP-Fraktion deshalb deutlich hervorgehoben, dass unser bisheriges Kon- zept einer klareren Ausrichtung auf Solidarität und Universali- tät bedarf, damit eine Öffnung in den globalen, kontinentalen und grenzregionalen Bereichen ermöglicht wird. Das Nein zum EWR-Vertrag ist für uns kein Grund, uns aus der aktiven Aussenpolitik zurückzuziehen. Das wäre auch das Gegenteil des angestrebten Ziels, bestehende Mitwirkungsdefizite zu beheben.
Geklärt werden muss aber - und das tut der aussenpolitische Bericht nicht, wenn er sich an Mitwirkungsdefiziten orientiert -, wie das Neben- und Miteinander von unseren direktdemokra-
tischen Rechten auf dem Hintergrund übernationaler Ent- scheidungen zu werten ist. Angezeigt ist darum, gerade auf dem Hintergrund unserer spezifisch demokratischen Struktur mit direktem Mitwirkungsrecht des Volkes, eine subtile und sehr sorgfältige Gangart, wenn das Thema «europäische Inte- gration» angeschnitten wird.
Der vom Volk geäusserte Wille ist zu respektieren, und es sind deshalb vorerst alle bestehenden Möglichkeiten auszuloten, um eine eigenständige Zusammenarbeit mit dem Ausland zu erreichen. Bezogen auf Europa heisst dies, die bilateralen Ver- bindungen zur EU, unsere Mitwirkung im Europarat, in der KSZE und in der Efta sowie in grenzregionalen Gremien zu ver- stärken und dabei in enger Verbindung mit dem Europäischen Wirtschaftsraum bleiben. Die Möglichkeit zur Akzeptanz eines zweiten EWR-Anlaufs ist ebensowenig zu verbauen wie die Option eines Vollbeitritts zur EU.
Auf globaler Ebene heissen die Herausforderungen Gatt- Abkommen, zeitliche Abstimmung einer Uno-Mitgliedschaft auf die politischen Umstände, Stützung der Demokratisie- rungsbemühungen im ehemaligen Ostblock und aktive Mit- hilfe an friedenserhaltenden Operationen. Wie die Erfahrung zeigt, wird es nicht einfach sein, die Bevölkerung von der Not- wendigkeit einer solchen Öffnung gegenüber der Welt und Eu- ropa zu überzeugen. Hier bestehen eklatante Defizite. Der Bundesrat hat dies erkannt.
Auch wir wollen dabei mithelfen, indem wir mit vereinten Kräf- ten dafür sorgen, dass der Aussenpolitik vermehrt innenpoliti- scher Rückhalt verschafft wird. Es besteht ein enormer Nach- holbedarf, um das Verständnis für die zunehmende Internatio- nalisierung zu wecken. Dies ist nicht zuletzt auch für unsere in- nenpolitischen Aktivitäten von Bedeutung: mehr denn je müs- sen wir uns ja auch bei unserer innerstaatlichen Gesetzge- bung an internationalen Standards orientieren.
Die Bevölkerung muss mit aussenpolitischen Anliegen ebenso vertraut werden wie mit anderen Politikbereichen. Sie muss spüren, dass Aussenpolitik nicht irgend etwas Alltags- fernes ist, das sich nur auf dem glatten diplomatischen Parkett abspielt, sondern konkrete, Herrn und Frau Jedermann tan- gierende Fragestellungen berührt. Gerade weil diese Brücke zur Bevölkerung so wichtig ist, gilt es in der Frage der europäi- schen Integration mit sehr viel Fingerspitzengefühl vorzuge- hen. Nach der Abstimmung über den EWR kommt bei jeder aussenpolitischen Debatte unserem Verhältnis zur EU ein be- sonderer Stellenwert zu, und Sie wissen, Herr Bundesrat, dass diese Frage hochsensibel ist.
Die FDP-Fraktion macht darum in ihrer Mehrheit einen Vorbe- halt gegenüber der Formulierung, dass der EU-Beitritt im Be- richt als strategisches Ziel bezeichnet wird. Wir betrachten den europäischen Integrationsprozess als einen offenen Prozess, und wir hätten es darum begrüsst, wenn der Bundesrat die in seiner Botschaft vom 24. Februar 1993 über das Folgepro- gramm nach der Ablehnung des EWR-Vertrags gewählte Linie beibehalten und von einer strategischen Option gesprochen hätte.
Das ist mehr als eine blosse Wortspielerei, Herr Oehler. Der Bundesrat hat damals nämlich gesagt: «Wir werden sämtliche Optionen offenhalten, die geeignet sind, eine aktive und soli- darische Zusammenarbeit mit der EG, mit ihren Mitgliedstaa- ten und den Staaten der Efta zu gewährleisten. » Und unter Op- tion hat er festgehalten, dass sie die Vertiefung der bilateralen Beziehungen zur EG und den EG-Ländern und ein späterer Beitritt zum EWR-Abkommen und den Beitritt zur EG bein- halte.
Angesichts der Unvorhersehbarkeiten in der europäischen Entwicklung, glaube ich, ist dies der richtige Ansatz, weil er für uns alle Möglichkeiten offenhält, uns jederzeit neu zu orientie- ren und für die Führung unserer Integrationspolitik flexibel un- sere Entscheide treffen zu können.
Aus dieser Sicht sind einstweilen mit allen Kräften die bilatera- len Verhandlungen zu führen, so schwierig sie auch sein mö- gen. Wir zweifeln nicht daran, dass der Bundesrat den festen Willen dazu hat und unsere Diplomaten loyal zu diesen Vor- stellungen stehen und diese Verhandlungen mit Umsicht und Nachdruck führen, um auch hier unsere Interessen optimal zu wahren.
Politique extérieure de la Suisse dans les années nonante
188
N 7 mars 1994
Sollte sich indessen der bilaterale Weg als unvorteilhaft oder gar als unbegehbar erweisen und die Frage eines EWR II aus irgendwelchen sich abzeichnenden Entwicklungen heraus nicht mehr in Frage kommen, dann könnte sich die Frage nach der Reaktivierung des Gesuchs um EU-Beitrittsverhand- lungen stellen. Das Schweizervolk erhält so die Möglichkeit, sich in voller Kenntnis der Rahmenbedingungen und der ver- änderten Verhältnisse zu dieser Schicksalsfrage an der Urne zu äussern.
Der Bundesrat selbst knüpft sein strategisches Ziel des EU- Beitritts an die Erfüllung innen- und aussenpolitischer Voraus- setzungen. An welche Voraussetzungen er dabei gedacht hat, lässt er allerdings offen. Ich wäre Herrn Bundesrat Cotti des- halb dankbar, wenn er hierzu noch einige Präzisierungen an- bringen könnte.
Aus Sicht der FDP-Fraktion werden ganz sicher folgende Be- urteilungselemente von zentraler Bedeutung sein:
die Stellung der EU im gesamteuropäischen Entwicklungs- prozess;
die Haltung der anderen europäischen Mitgliedstaaten;
das Verhältnis der mittel- und osteuropäischen Staaten zur EU;
die Frage, wie sich der in den Maastrichter Verträgen doku- mentierte Wille betreffend Subsidiarität effektiv konkretisiert und was zur Umsetzung dieser erst als Absichtserklärung ge- dachten Möglichkeit vorgenommen wird.
In diesem Sinne nimmt die FDP-Fraktion Kenntnis vom Bericht und lehnt die Rückweisungsanträge mehrheitlich ab.
Fischer-Hägglingen Theo (V, AG): Bei der Behandlung dieses Berichtes stand unsere Fraktion in einem gewissen Dilemma. Sie kann ihm auf weiten Strecken zustimmen, so der aussen- politischen Lagebeurteilung, den fünf aufgelisteten und näher umschriebenen aussenpolitischen Zielen, und weitgehend auch dem Konzept der schweizerischen Aussenpolitik.
Wenn die Mehrheit der Fraktion den Bericht dennoch zurück- weist, so nicht aus Geringschätzung des Berichtes, ganz im Gegenteil, sondern wegen der politischen und intellektuellen Redlichkeit gegenüber der Bevölkerung. Unsere Fraktion kann den Aussagen des Bundesrates über den EU-Beitritt und seinem Bericht über die Neutralität nicht folgen, und dies will unsere Fraktion mit der Unterstützung des Rückweisungsan- trages zum Ausdruck bringen. Das Reglement unseres Rates lässt uns gar keine andere Wahl, als dem Rückweisungsan- trag der Kommissionsminderheit zuzustimmen.
Natürlich kann man über den Stellenwert dieses Berichtes dis- kutieren und auch darüber, was die Kenntnisnahme des Be- richtes letztlich bedeutet. Natürlich ist es ein Bericht des Bun- desrates. Aber die Diskussion über den Bericht in den Räten und die anschliessende Abstimmung macht den Bericht auch zu einem Bericht des Parlamentes. Zwar kann man Vorbehalte anbringen und zu Protokoll geben. Aber die Kenntnisnahme erfolgt für den ganzen Bericht, also nicht abschnittsweise, son- dern integral. Das bedeutet doch eine Bindung des Parlamen- tes an diesen Bericht und an den vom Bundesrat aufgezeigten zukünftigen aussenpolitischen Kurs. Jedenfalls wird dies in der Bevölkerung auch so empfunden.
Natürlich wissen wir, dass der Rückweisungsantrag mit den zwei klar umschriebenen Auflagen abgelehnt wird. Ich warne Sie jedoch, daraus den falschen Schluss zu ziehen und zu ar- gumentieren: Je stärker die Ablehnung, um so grösser die Zu- stimmung zum europolitischen Integrationskurs des Bundes- rates. Wir haben die vielen Wenn und Aber aus den Fraktions- sitzungen der FDP- und der CVP-Fraktion gehört
Der Bericht definiert die Aussenpolitik umfassend. Jedes Ge- schehen, Handeln oder Nichthandeln, welches grenzüber- schreitende Wirkungen zeitigt, fällt gemäss Bericht unter Aus- senpolitik. Dies kann zur Folge haben, dass die Aussenpolitik kaum mehr fassbar ist Zwar ist es richtig, dass aussenpoliti- sche Themen ganzheitlich angegangen werden, also unter Berücksichtigung der innenpolitischen Auswirkungen, doch hat man das Gefühl, dass die traditionellen Prioritäten der schweizerischen Aussenpolitik, die sich nicht nur während der Ost-West-Konfrontation des kalten Krieges bewährt haben, zu kurz kommen.
Das oberste Ziel der schweizerischen Aussenpolitik muss die Wahrung der Unabhängigkeit gegen aussen bleiben. Solange keine Verfassungsänderung erfolgt, sind Parlament und Bun- desrat verbindlich auf dieses Ziel verpflichtet. Man kann zwar über die Mittel diskutieren, wie dies erreicht werden soll, aber der Verfassungsauftrag kann nicht in dem Sinne relativiert wer- den, dass andere Ziele, die mehr oder weniger harmonieren, gleichwertig neben den Verfassungsauftrag gesetzt werden. Mischt Euch nicht in fremde Händel, und stecket den Zaun nicht zu weit - das waren die Ratschläge von Bruder Klaus vor mehr als 500 Jahren. Die Richtigkeit dieser Ratschläge hat sich durch all die Wirrnisse der Geschichte immer wieder be- wahrheitet; sie haben trotz der völlig veränderten Welt und trotz des veränderten europäischen Umfeldes an Aktualität nicht verloren.
Wir sind ein Kleinstaat. Dessen müssen wir uns bei der Formu- lierung der Aussenpolitik immer bewusst sein. Wir können nicht an allen Fronten tätig sein, sondern müssen uns auf das konzentrieren, was wir vermögen und was die Staatengemein- schaft von einem neutralen Kleinstaat an sinnvollen Beiträgen zur Stärkung von Frieden und sozialer Gerechtigkeit auf dieser Welt erwartet.
Aussenpolitik ist letztlich immer Interessenpolitik. Da sollten wir uns nie etwas vormachen. Die Aussenpolitik ist darum so zu gestalten, dass sie in erster Linie unserem Land das best- mögliche Umfeld verschafft, damit unsere Bevölkerung in Wohlstand und Frieden leben kann. Das hat nichts mit Egois- mus zu tun, sondern ist das primäre Ziel einer erfolgreichen Aussenpolitik.
Der Bundesrat umschreibt in seinem Bericht (S. 7) diesen Ge- danken richtig mit den Worten: «Die Interessenwahrung ist nicht nur Ziel und Mittel der Aussenpolitik, sondern ihre pri- märe Aufgabe, ein alles durchdringendes Motiv, gewisser- massen Rechtfertigung und Beweggrund jeglicher aussenpo- litischen Aktivität. Aussenpolitik ist Interessenpolitik im Rah- men der Völkerrechtsordnung und international anerkannter Prinzipien und Verhaltensweisen, sie setzt sich aber auch ein für die Achtung ethischer und politischer Grundrechte.» So- weit das Zitat, dem nichts beizufügen ist.
Eng damit verbunden ist heute die Solidarität mit der Staaten- gemeinschaft, die Kooperation und Partizipation. Wenn auch die Globalisierung der Probleme eine Regionalisierung in der Problemlösung erfordert, ist noch nicht erwiesen, dass Lösun- gen in immer grösseren Verbänden längerfristig erfolgverspre- chender sind als Lösungen durch Kooperation unter Wahrung einer grösstmöglichen Selbständigkeit der einzelnen Staaten. Aussenpolitik hat immer auch auf die innenpolitische Emp- findlichkeit eines Volkes Rücksicht zu nehmen. Diesem Punkt wird im Bericht zu wenig Beachtung geschenkt Irgendwie scheint es, dass das Resultat vom 6. Dezember 1992 vom Bundesrat immer noch nicht richtig gedeutet wird. Die Mehr- heit der Stimmberechtigten gab unter anderem zum Aus- druck, dass die Mitarbeit der Schweiz in Europa nicht in der Form der Integration und damit im langfristigen Aufgehen in einer grossen Gemeinschaft zu geschehen hat, sondern in der Form der Zusammenarbeit. Diese Zusammenarbeit ausser- halb eines EU-Beitritts aufgrund von bilateralen Verträgen ist sicher nicht der leichteste Weg, ist aber aufgrund der ge- schichtlichen Erfahrung unseres Volkes bei der heutigen Aus- gestaltung der EU der einzige gangbare.
Ein Beitritt ist aufgrund der heute gültigen Ziele und der heuti- gen Strukturen der EU zu beurteilen und nicht aus einem Wunschdenken heraus, wie die EU einmal aussehen könnte. Darum ist es völlig verfehlt, heute schon den EU-Beitritt als strategisches Ziel der schweizerischen Aussenpolitik zu um- schreiben, und dies zudem noch unter dem Titel «Förderung der Wohlfahrt». Auch der im Bericht enthaltene Zeitplan ist völ- lig unrealistisch und relativiert die ebenfalls im Bericht enthal- tene Zusicherung, die bilateralen Verhandlungen seien voran- zutreiben und mit Erfolg abzuschliessen.
Wie kann der Bundesrat Ende 1994 bereits eine erste Beurtei- lung des Verlaufes der Verhandlungen vornehmen, wenn sie erst 1994 zu laufen beginnen? Sich selber unter zeitlichen Druck zu setzen ist in diesem Fall fehl am Platz. Verhandlun- gen brauchen Zeit und können nicht auf dem öffentlichen
Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren
189
Marktplatz abgewickelt werden. Man untergräbt die Glaubwür- digkeit der Unterhändler, wenn der Auftraggeber bereits mit dem Gedanken eines möglichst baldigen EG-Beitrittes spielt. Wir glauben an den Erfolg der bilateralen Verhandlungen, nur sollten wir dies nicht durch innenpolitische Entscheide torpe- dieren, wie dies am 20. Februar 1994 mit der Annahme der Al- pen-Initiative geschehen ist. Das Ja am 20. Februar hat folgen- schwerere Auswirkungen auf das Verhältnis zur EU als das Nein vom 6. Dezember 1992. Jetzt hat sich die Schweiz tat- sächlich isoliert, denn jetzt werden EU-Länder an einer für sie empfindlichen Stelle diskriminiert. Darum war ich schon über- rascht, wie sich einzelne EWR- und EU-Beitrittspromotoren während des Abstimmungskampfes und nachher verhielten. Das immer wieder gesungene Lied der Solidarität zu Europa entpuppte sich als schales Lippenbekenntnis.
Noch ein Wort zum Neutralitätsbericht. Wir erachten diesen An- hang als widersprüchlich. Einerseits enthält er ein Bekenntnis zur dauernden bewaffneten Neutralität, anderseits wird der Be- griff so stark relativiert, dass eigentlich nur noch der Kerngehalt des Neutralitätsrechtes übrig bleibt Falsch ist insbesondere der Hinweis, ein Beitritt zur Europäischen Union, die ja letztlich eine gemeinsame Aussen-und Sicherheitspolitik verwirklichen will, lasse sich mit der schweizerischen Neutralitätvereinbaren. Aber auch andere Abschnitte, zum Beispiel zur Sicherheits- politik und zur Sanktionsproblematik, sind so abgefasst, dass von der schweizerischen Neutralität wenig übrig bleibt.
Für uns ist die Neutralität weiterhin ein zentrales Mittel zur Ge- staltung unserer Aussenpolitik. Sie ist für uns kein Mythos. Wir möchten sie auch nicht ein für allemal festschreiben, weder auf diese noch auf die andere Seite. Mit einem klaren Bekennt- nis zu einer eigenständig formulierten Neutralitätspolitik bleibt unsere Aussen- und Sicherheitspolitik auch für das Ausland berechenbar und voraussehbar.
Ich bitte Sie im Namen der SVP-Fraktion, aus all diesen Grün- den dem Rückweisungsantrag der Minderheit Frey Walter zu- zustimmen.
Grendelmeier Verena (U, ZH): Ich möchte Ihnen bekanntge- ben, dass die LdU/EVP-Fraktion diesen Bericht des Bundesra- tes wohlwollend zur Kenntnis nimmt. Ich möchte mich zu drei Punkten äussern, vorab aber eine Bemerkung zu den Rück- weisungsanträgen machen.
Einen Bericht kann man nicht zurückweisen mit dem Auftrag, ihn abzuändern. Der vorliegende Bericht ist der Bericht des Bundesrates und zeigt seine Sicht der Dinge, seine Strategien, seine Möglichkeiten, in Zukunft unsere Aussenpolitik zu ge- stalten. Es geht nicht um den Bericht der SVP oder des Herrn Walter Frey - der wäre bestimmt ein anderer -, aber Rückwei- sung mit Antrag auf Änderung würde ja die Glaubwürdigkeit dieses Bundesrates restlos untergraben. Es ist seine Mei- nung, er legt sie uns dar, wir können damit einverstanden sein oder nicht. Ich bitte Sie also, diese Rückweisungsanträge ab- zulehnen. Um die eigene Sicht der Dinge einzubringen, gibt es die persönlichen Vorstösse.
Nun zum Bericht selber. Ich habe Ihnen gesagt, ich möchte mich zu drei Punkten äussern:
Welche Alternativen haben wir denn? Sie sind uns längst be- kannt. Das erste wäre der Alleingang. Niemand in diesem Haus könnte sich wohl ernsthaft dafür einsetzen. Das wäre auf die Länge gesehen mehr oder minder politischer Selbstmord. Das zweite sind die bilateralen Verhandlungen. Wie harzig diese vor sich gehen, wissen wir inzwischen, und das ist nicht verwunderlich.
Wir haben uns seinerzeit - am 6. Dezember 1992 - vom EWR distanziert. Es ist unser gutes Recht, das zu tun, aber wir müs- sen die Konsequenzen tragen. Dass man hinterher, im soge- nannten autonomen Nachvollzug, einen «EWR ohne EWR» anstrebt, scheint mir eine gefährliche Sache, denn der Preis ist zu hoch. Was wir damals, geschützt durch das Vertragsrecht, bekommen hätten, müssen wir nun sehr viel teurer bezahlen, denn die einzelnen Mitglieder der EU oder des EWR sind nicht interessiert, ausserhalb dieses EWR mit einem Land, das sich offiziell verabschiedet hat, einzeln zu verhandeln - es sei denn, wir wären für sie von ganz besonderem Interesse, in einem ganz speziellen Fall. Aber das ist viel zu wenig, um eine Isola- tion zu verhindern. Also bleibt uns nichts anderes, als eines Tages dieser EU beizutreten.
Der Bundesrat hat, vermutlich aus taktischen Gründen, keinen Fahrplan festgelegt, aber er hat gesagt, wohin die Reise geht. Und für diese Klarheit sind wir ihm ausserordentlich dankbar. Persönlich hätte ich es zwar vorgezogen, er hätte doch min- destens ein paar fahrplantechnische Hinweise gemacht, denn meines Erachtens ist es von Bedeutung, dass wir möglichst bald Beitrittsverhandlungen aufnehmen, weil die vier anderen neutralen Efta-Länder inzwischen ihre Verhandlungen über ei- nen EU-Beitritt beinahe beendet haben. Ein EWR wird sich dannzumal nur noch aus den Ländern Island, dem Fürsten- tum Liechtenstein und der EU zusammensetzen. Das ist nicht mehr von sehr grossem Interesse.
Ich möchte Sie auch davor warnen, Europa als fertig gebautes Haus zu betrachten. Wir haben ein solches Sicherheitsbedürf- nis, dass wir anscheinend mit einer Idee, einer Bewegung, ei- nem Prozess nicht leben können. Für uns muss alles fest ge- mauert, alles fertig gebaut sein. Dabei vergessen wir grosszü- gig, dass es immerhin 700 Jahre gebraucht hat, bis unser Haus, das Schweizerhaus, bestehend aus 26 Kantonen, so stand, wie wir es heute kennen.
Geben wir doch dieser EU etwas mehr Zeit. Sie ist immerhin noch keine 45 Jahre alt. Das ist keine lange Zeit. Das Areal be- steht, das Fundament besteht, das Haus wird jetzt gebaut. Schauen wir also zu, dass wir uns einen Raum in diesem Haus besetzen und ihn mitgestalten. Was wir uns nicht leisten kön- nen: uns eines Tages plötzlich im Hundehaus zu finden - zwar auf dem Areal, aber ausserhalb des Gebäudes. Das kann nicht unser Ziel sein. Soviel zu Europa.
Hier handelt es sich nicht mehr um Entwicklungsländer: Innert kürzester Zeit werden diese Länder unsere allergrösste Her- ausforderung sein, wirtschaftlich wie politisch - und zwar nicht nur für die Schweiz, sondern für den ganzen Westen, d. h. für die ganze Erste wie auch für die Zweite Welt.
Da hätte ich von Ihnen gerne gewusst - gewissermassen als Vorwarnsystem -, wie Sie mit dieser Herausforderung umzu- gehen gedenken. Ich werde im Namen unserer Fraktion einen diesbezüglichen Zusatzbericht verlangen.
Wir haben - ich möchte Sie auf den letzten Fall hinweisen - vor drei Jahren diese Neutralität verletzen lassen, als die amerika- nischen Flugstaffeln über unser Land Richtung Irak flogen. Wo war da der Aufschrei der SVP: Achtung, Neutralitätsverlet- zung! Es war keiner.
Das war jedoch nur eine der Verletzungen unserer Neutralität Wir bestimmen, wie wir mit dieser Neutralität umgehen, und
Politique extérieure de la Suisse dans les années nonante
N 7 mars 1994
190
wenn wir es für opportun und für richtig halten, diese Neutrali- tät locker zu handhaben oder gar zu ignorieren, dann werden wir das tun, und niemand wird uns dafür tadeln.
Andererseits dürfen wir auch nicht davon ausgehen, dass uns diese Neutralität in einem modernen Krieg mit seinen moder- nen Waffen innerhalb dieses Europas schützen wird, wie das im Zweiten Weltkrieg durchaus der Fall war. Unsere nationalen Grenzen sind in einem modernen Krieg nicht mehr in diesem Sinne zu schützen. In einer solchen Situation wären wir auf den Schutz einer grösseren Gemeinschaft angewiesen, und wir werden heilfroh sein um diese Hilfe - Neutralität hin oder her!
Ich bin aber auch nicht der Meinung, dass wir diese Neutralität abschaffen sollen - überhaupt nicht! Lassen wir sie da, wo sie ist: ein Werkzeug in der Werkzeugkiste. Man nimmt es hervor, wenn man es braucht, man lässt es dort, wenn man es nicht braucht. Wenn wir es gar nicht mehr brauchen, geben wir es ins Museum, wie andere Dinge auch. Lassen wir es also, ge- hen wir weiterhin nach Gutdünken und Bedarf damit um wie bisher und seit Beginn dieser Neutralität, und hören wir auf, daraus unsere aussenpolitische «raison d'être» zu konstruie- ren! Das ist dem Volk Sand in die Augen gestreut!
Das Werkzeug wird nun als Instrument gegen eine weltoffene, integrative Aussenpolitik benutzt, ohne die die Schweiz nicht nur in die Bedeutungslosigkeit versinkt, sondern auch keine Möglichkeit mehr hat, sich durchzusetzen. Nur eine Schweiz, die integriert ist, kann sich halten. Sonst werden wir zum «Hei- diland» oder, wie ein Journalist gesagt hat, zu einem «wohlha- benden Albanien». Das kann doch kaum in unserem Interesse sein!
Ich bitte Sie, diesen Bericht positiv zur Kenntnis zu nehmen - so, wie das die einstimmige LdU/EVP-Fraktion tut.
Bär Rosmarie (G, BE): Die neunziger Jahre sind das Jahrzehnt der radikalen Veränderungen. Mitten in Europa ist die Bipolari- tät der Welt zusammengebrochen. Mit dem Ende des Ost- West-Konflikts sind Strukturen gefallen, die mehr als vier Jahr- zehnte die Weltpolitik beherrschten. Das ganze globale Sy- stem befindet sich in einem Wandlungsprozess, der von der Konfrontation zur Partnerschaft führen sollte. Der Bundesrat bezeichnet diese Entwicklung als «Übergang von einer bipola- ren Nachkriegsordnung zur Dynamik der Weltinnenpolitik». Weltinnenpolitik ist ein guter Begriff. Bundespräsident Stich hat ihn den Diplomaten am Neujahrsempfang als gemein- same Handlungsmaxime ans Herz gelegt, weil mehr Interde- pendenz mehr gemeinsame Verantwortung verlangt. Weltin- nenpolitik ist ein ehrgeiziges Programm, das erst noch Realität werden muss. Es verlangt Solidarität, grenzüberschreitende Solidarität. Dass dabei die bisherige Formel der Neutralität ausgedient hat, wird für unsere Fraktion Laurent Rebeaud er- läutern.
Nicht von Solidarität, sondern eher von Egoismus geprägt ist leider die Grundsatzaussage des Bundesrates zur Aussenpo- litik (Bericht S. 7): «Die Interessenwahrung ist nicht nur Ziel und Mittel der Aussenpolitik, sondern ihre primäre Aufgabe, ein alles durchdringendes Motiv, gewissermassen Rechtferti- gung und Beweggrund jeglicher aussenpolitischen Aktivität. » Die SVP-Fraktion hat dieses Zitat auch gebracht, aber sie ist zu einem ganz anderen Schluss gekommen als die grüne Frak- tion. Weltinnenpolitik heisst vor allem auch: Handeln im eige- nen Land. Internationalisierung und Globalisierung der Pro- bleme darf keine Ausrede für das Liegenlassen der Hausauf- gaben sein. Nur ein Stichwort dazu: Erhaltung der natürlichen Lebensgrundlagen.
Weltinnenpolitik verlangt Kohärenz; das ist wohl das Schwie- rigste. Kohärenz in der Innen- und Aussenpolitik, Kohärenz vor allem in der Wirtschaftspolitik. Und hier muss die Schweiz den Tatbeweis erst noch erbringen. Das Nord-Süd-Leitbild hätte deshalb zusammen mit dem aussenpolitischen Bericht veröf- fentlicht werden müssen, denn die wirklich existentiellen Fra- gen, die unser Land zusammen mit der Weltgemeinschaft lö- sen muss, sind die Probleme zwischen Nord und Süd.
Weltgemeinschaft heisst für die grösstmögliche Mehrheit der grünen Fraktion unter anderem den Uno-Beitritt der Schweiz raschmöglichst zur Abstimmung zu bringen, nicht bloss als
Ziel ohne Datum zu formulieren. Weltgemeinschaft heisst für uns Grüne auch, aktiv am Bau des gesamteuropäischen Hau- ses mitzuarbeiten, denn Europa ist ein Zentrum der weltweiten Veränderungen. Das Ende des Ost-West-Konfliktes hat hier die grössten Möglichkeiten eröffnet und gleichzeitig mit dem Krieg in Ex-Jugoslawien die grössten Schmerzen verursacht. Die Schweiz muss beim Aufbau und bei der Durchsetzung von tragfähigen Strukturen für Frieden und Freiheit ihre Verantwor- tung wahrnehmen. Europa darf sich nicht auf Kosten anderer Teile der Welt neu organisieren und zusammenschliessen. Das Europa des Europarates und der KSZE sind Garanten für eine gleichberechtigte Teilnahme aller Staaten auf der Grund- lage der Menschenrechte und der pluralistischen Demokratie; sie sind zu stärken und zu fördern.
Im Wissen darum, dass die grösste integrative Dynamik und gleichzeitig die sicherste friedensfördernde Stabilität heute von der Europäischen Union ausgeht, steht die grosse Mehr- heit der grünen Fraktion hinter dem bundesrätlichen Ziel eines Beitritts zur Europäischen Union. Wir tun dies ohne Illusion und ohne Euphorie, weil unsere Vorstellungen, wie das ge- meinsame europäische Haus aussehen soll, heute noch stark von den Bauplänen Brüssels abweichen. Wir sind aber über- zeugt, dass der Prozess - ich sage bewusst: der Prozess - der europäischen Integration reformiert werden muss und sich re- formieren wird. Nicht, damit die Schweiz beitreten kann, son- dern weil die Vielfalt Europas dies verlangt und weil ein Weiter- wie-bisher in die Sackgasse führt.
Es kann nicht sein, dass wir uns über den Demokratisierungs- schub in Ost- und Mitteleuropa freuen und gleichzeitig feststel- len müssen, dass Volksrechte und demokratische Strukturen als lästige Hindernisse oder gar als Risiko auf dem Weg zur Ei- nigung bezeichnet werden. Der europäische Zusammen- schluss hat nur mit der Zustimmung der Bevölkerung eine Chance, aber auch nur dann einen Sinn.
Deshalb muss die Schweiz mit klaren Rahmenbedingungen in die Verhandlungen gehen, die der Bevölkerung von Anfang an bekannt sind, sonst dürfte der nächste Integrationsschritt von vorneherein zum Scheitern verurteilt sein.
Jetzt ist eine aktive, eine kreative Innen- und Aussenpolitik ge- fordert. Nur so können die vom Bundesrat formulierten hohen weltweiten Ziele erreicht werden: Wahrung und Förderung von Sicherheit und Frieden, Förderung von Menschenrech- ten, Demokratie und Rechtsstaat, Förderung der Wohlfahrt, Abbau sozialer Gegensätze und Schutz der natürlichen Le- bensgrundlagen. Der Weg zu diesen Zielen ist anspruchsvoll, aber er lohnt sich.
In diesem Sinne nimmt die grosse Mehrheit der grünen Frak- tion den bundesrätlichen Bericht zur Kenntnis.
Rebeaud Laurent (G, GE): Vous venez de l'entendre, le groupe écologiste, dans sa grande majorité, approuve le rap- port du Conseil fédéral, y compris l'objectif d'intégration de la Suisse à l'Union européenne. Il approuve également le rap- port sur la neutralité.
Nous avons entendu tout à l'heure à cette tribune des déclara- tions extrêmement critiques et crispées de MM. Steffen, Mo- ser, Frey Walter et Hafner Rudolf, hélas, qui semblent s'accro- cher à une conception de la neutralité telle qu'elle existait dans nos livres scolaires il y a une trentaine d'années et telle qu'elle s'est fossilisée dans l'esprit des gens qui semblent vouloir conserver à la Suisse le fonctionnement qu'elle connaissait à la fin de la dernière guerre mondiale. On peut les comprendre, mais c'est impossible, et j'aimerais vous dire, Messieurs, que, dans tous les cas, même si nous admettons que la neutralité doit être revue et corrigée, nous y tenons comme vous. Vous n'avez pas, en aucun cas, le monopole du patriotisme.
La neutralité, si elle doit être revue et corrigée, n'est pas à abandonner - c'est le mérite du rapport du Conseil fédéral que de le dire clairement. Pour toutes sortes de raisons et pour une raison profonde qu'il faut reconnaître, la neutralité, comme concept général, à la différence de ce qui est le cas en Autriche ou en Suède probablement, est une partie constitutive de l'identité suisse pour un nombre considérable de nos conci- toyens, et pour moi en particulier, mais pas une neutralité juri- dique, pas une neutralité fossilisée dans l'histoire, mais une
Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren
191
neutralité qui porte un certain nombre de valeurs, les valeurs positives de notre culture politique. Parmi celles-ci, je citerai notamment: le refus de la guerre comme moyen de résoudre les conflits; la limitation du rôle de l'armée, si tant est qu'il faille une armée, à des tâches purement défensives; l'obstination à vouloir, dans toutes les situations, que les conflits se règlent par la négociation.
Tout ça, c'est l'héritage de notre politique de neutralité, et nous y tenons. Ce n'est pas trahir des valeurs liées à la neutralité que de constater qu'aujourd'hui la manière dont elle a fonc- tionné traditionnellement n'a tout simplement plus d'objet. La Confédération suisse n'est plus, comme autrefois, coupée par deux fronts hostiles en Europe. Nous n'avons plus des tenta- tions de solidarité divergentes entre francophiles et germano- philes, comme au siècle dernier et au début de ce siècle, ou entre catholiques et protestants, comme au XVIe siècle. Tout ça c'est terminé, mais il nous reste les valeurs positives de la neutralité et le fait que le peuple suisse, dans sa grande majo- rité, est profondément attaché à cette idée.
Je crois que la neutralité, revue et corrigée, adaptée à la situa- tion, peut aussi être un projet d'avenir pour notre intégration à l'Europe et pourrait être une valeur européenne à terme. Je suis frappé, et je ne crois pas que les historiens me contredi- ront, en voyant qu'il y a une certaine similitude entre la situa- tion de l'Europe en construction d'aujourd'hui et celle de la Suisse à l'époque de Nicolas de Flue. Je crois que l'Europe ne peut se construire, en tout cas d'après ce qu'on peut voir au- jourd'hui, que si elle est neutre par rapport aux conflits qui pourraient se dessiner à l'échelle planétaire. Nous avons des polarités, des espèces de solidarité naturelle entre, par exem- ple, la Grande-Bretagne et les Etats-Unis d'une part, ou entre la Turquie et le monde arabe d'autre part. Qu'est-ce qui se pas- serait pour l'Europe si elle devait prendre position dans des af- frontements à l'échelle planétaire? Elle éclaterait, de la même manière que la Suisse aurait éclaté si elle avait pris position entre les républiques et les monarchies, ou entre catholiques et protestants, à l'époque où cette neutralité s'est forgée pour maintenir l'existence même de la Suisse.
Dans ce sens-là, nous considérons que la neutralité n'est pas un obstacle à notre collaboration à la coopération et à la cons- truction européennes, mais au contraire un atout et une valeur que la Suisse pourrait promouvoir dans sa démarche euro- péenne. Ce n'est pas exprimé en ces termes dans le rapport du Conseil fédéral, ce n'est d'ailleurs pas forcément de cette manière que l'Europe va se faire, mais nous avons le droit, en tant que Suisses, de l'espérer, car il n'y a pas de scénario plus favorable à une intégration harmonieuse de notre pays dans la Confédération des peuples d'Europe à laquelle nous aspirons.
Hubacher Helmut (S, BS): Ich bin zwar Einzelredner, aber ich berichte im Auftrag der Sicherheitspolitischen Kommission (SiK). Diese Kommission hat sich eigentlich fast ausschliess- lich auf den Anhang, auf den Bericht zur Neutralität, konzen- triert, hat aber vom Bericht des Bundesrates mit 15 zu 6 Stim- men bei 2 Enthaltungen zustimmend Kenntnis genommen. Frau Fehr hat bei der Begründung ihres Antrages die Position der Minderheit der SiK dargestellt. Ich kann deshalb darauf verzichten, das zu wiederholen. Ich mache eher eine Einschät- zung. Ich habe den Eindruck, für die Minderheit gibt es aus dem Neutralitätsdogma aussenpolitisch kein Entrinnen. Weg und Ziel sind identisch, d. h., der aussenpolitische Spielraum für die Schweiz im Jahre 1994 ist im 15. Jahrhundert unver- rückbar vorgegeben worden. Damit wird eigentlich die Aus- senpolitik zur Gefangenen der Neutralität und es bleibt, nach Meinung der Minderheit, kein Spielraum für den Beitritt zu Völ- kergemeinschaften, sei das EWR, EU, Uno, Weltbank oder In- ternationaler Währungsfonds. Es ist immer dieselbe Interpre- tation. Im Grunde genommen wird damit Neutralität fast zur Glaubenslehre. Sie wird zum Dogma.
Die Mehrheit der Sicherheitspolitischen Kommission sieht ei- gentlich diese Problematik anders. Sie ist sich aber sehr be- wusst, dass die immerwährende bewaffnete Neutralität wie keine andere Staatsmaxime wahrscheinlich den Sonderfall Schweiz begründet hat, d. h. also, der geschichts- und sym-
bolträchtige Begriff der Neutralität erträgt keine Handhabung nach Beliebigkeit. Neutralität ist nach Meinung der Mehrheit kein Selbstzweck, auch kein Mythos, keine Glaubensfrage, sie ist ein politisches Prinzip für das Staatswohl. Die Frage stellt sich, wie gross aussenpolitische Schritte sein können, um neutralitätspolitisch und innenpolitisch genügend abgesi- chert zu bleiben.
Eine persönliche Bemerkung: Ich vermisse im Bericht des Bundesrates etwas die historische Dimension. Der Bericht er- weckt - völlig zu Unrecht, meine ich - den Eindruck, als ob der Neutralitätsbegriff, das Neutralitätsrecht und die Neutralitäts- politik völlig neu definiert worden wären. Ich empfehle allen Mitgliedern dieses Rates, beispielsweise die Botschaft des Bundesrates vom 4. August 1919 nachzulesen. Das ist die Botschaft zum Beitritt der Schweiz zum Völkerbund. Die Bot- schaft ist vom Völkerrechtler Max Huber geschrieben worden. Und ich meine, wenn ich diese beiden Berichte vergleiche, hat eigentlich damals der Bundesrat die Neutralität weitaus ex- pansiver definiert, sehr viel flexibler, als das im heutigen Be- richt der Fall ist
Er hat schon damals nicht, wie es die Meinung der Minderheit ist, Neutralität als «Rühr mich nicht an» begriffen, sondern er hat die Neutralität in das strategische Umfeld hineingestellt und sie interpretiert. Und er hat die Definition der Neutralität weitgehend auf das militärische Verhältnis beschränkt.
Ich möchte zwei, drei Passagen zitieren. Es heisst in dieser Botschaft von 1919: «Nach zwei Richtungen erscheint unsere Neutralitätspolitik bei den Gesamtaktionen des Völkerbundes als gegeben. Auf militärischem Gebiete werden wir uns an die bisherigen Grundsätze strikter Neutralität gegenüber beiden Kriegsparteien halten. Im Bereich der wirtschaftlichen und der Verkehrsbeziehungen im allgemeinen werden wir im Interesse des Völkerbundes und in unserem eigenen mit dem Bunde solidarisch sein müssen. »
Vor der auch damals hitzigen und sehr entscheidenden Volks- abstimmung - Beitritt zum Völkerbund: ja oder nein? - hat der Bundesrat am 11. Mai 1920 noch einen Aufruf an das Schwei- zervolk erlassen: «Der Völkerbund wird auch bestehen, wenn wir uns weigern, ihm beizutreten. Wenn wir ihm angehören, wird die Beteiligung an den wirtschaftlichen Sanktionen ge- gen den vertragsbrüchigen Staat die frei übernommene Pflicht der internationalen Solidarität ausdrücken. Bleiben wir ihm fern, so werden sich seine Sanktionen gegen uns wenden. Der Eintritt in den Völkerbund vermindert unsere Unabhängigkeit nicht, sondern sichert sie. Wir brechen nicht mit den überliefer- ten Linien unserer neutralen und friedlichen Politik, sondern führen sie weiter und vervollkommnen sie.»
Es gäbe eine ganze Reihe von Zitaten aus dieser hochinteres- santen Botschaft des Bundesrates von 1919. Ich will ange- sichts der fortgeschrittenen Zeit die Fünf-Minuten-Limite nicht allzusehr strapazieren. Die Mehrheit der Sicherheitspoliti- schen Kommission ist der Meinung: So, wie der Bundesrat heute im Anhang des Berichtes die Neutralität definiert, liegt sie durchaus in der bisherigen geschichtlichen Tradition und bedeutet keinerlei Aufgabe der Neutralität
Ich könnte Ihnen auch empfehlen, die Schrift von Professor Jürg Martin Gabriel von der Hochschule St. Gallen «Schweizer Neutralität im Wandel» zu lesen. Er fasst darin zusammen, dass Neutralität immer Festhalten an der militärischen Neutra- lität bedeutet hat. Alles andere ist entsprechend den Rahmen- bedingungen - wenn wir so sagen wollen -, den internationa- len Gegebenheiten auslegbar, muss auslegbar sein. Neutrali- tät war nie einfach nur ein Dogma.
Herr Walter Frey hat nicht bei der Frage der Neutralität, son- dern bei der Begründung des Antrages auf Rückweisung die Integration als Unterwerfung definiert. Es verhandeln jetzt in Brüssel vier kleinere europäische Staaten, Schweden, Öster- reich, Norwegen und Finnland, über den Beitritt; die Verhand- lungen sind ja viel rascher und zügiger vorangekommen, als wir uns das alle vorgestellt haben.
Ich nehme nur Finnland als Beispiel: Finnland hat wahrschein- lich in den letzten Jahrzehnten - ich denke an 1939, Überfall der damaligen Sowjetunion - viel härter um seine Unabhän- gigkeit kämpfen müssen als die Schweiz. Finnland hat jahr- zehntelang neben dem gefährlichen Nachbarn Sowjetunion in
Politique extérieure de la Suisse dans les années nonante
192
N 7 mars 1994
einem schwierigen Balanceakt während des kalten Krieges seine Unabhängigkeit behaupten müssen. Dieses Finnland geht nicht nach Brüssel, um sich zu unterwerfen! Ich finde, es ist eine bösartige Unterschiebung, Länder, die in diese Euro- päische Union eintreten wollen, einfach zu diffamieren und zu sagen, man würde sich mit dem Eintritt unterwerfen. Was Finn- land nicht tut, wollen auch wir nicht tun.
Savary Pierre (R, VD): Comme mon prédécesseur je m'expri- merai avant tout sur la politique de neutralité. Il est essentiel que le Conseil fédéral fasse le point sur cette importante no- tion qui représente beaucoup de choses pour nous.
Dans ce rapport le Conseil fédéral considère qu'il est néces- saire d'adapter la politique de neutralité aux conditions actuel- les. Bien que la neutralité permanente et armée soit ancrée dans la mentalité des Suisses, bien qu'elle nous colle à la peau, elle reste un instrument au service de la politique exté- rieure. Elle ne peut donc pas être figée et définie une fois pour toutes. Elle reste une notion évolutive qui doit servir la paix à l'intérieur, comme à l'extérieur des frontières. Aujourd'hui une ouverture est nécessaire afin de pouvoir participer sur le plan européen à l'élaboration des mesures contre les nouvelles for- mes de menaces.
Entendons-nous bien: il ne s'agit pas pour notre pays de parti- ciper à une quelconque alliance militaire, mais bien de trouver des solutions pour préserver notre espace aérien, pour com- battre les missiles de longue portée et pour nous opposer au grand terrorisme. On peut donc dire que la sécurité par la neu- tralité et l'indépendance devra être complétée tôt ou tard par les mots «neutralité par la coopération».
Concernant les sanctions économiques, je suis d'avis que la Suisse ne peut pas se tenir éloignée des sanctions que prend le Conseil de sécurité de l'ONU. Il est reconnu et admis que le droit de la neutralité n'est pas applicable aux mesures coerciti- ves des Nations Unies appuyées par l'ensemble de la commu- nauté internationale. Un Etat qui maintiendrait seul ses rela- tions économiques avec un agresseur, alors que tous les au- tres Etats feraient des sacrifices pour appliquer des sanctions, mettrait en cause l'efficacité de ces mesures et perdrait à coup sûr sa réputation et sa crédibilité dans la communauté interna- tionale.
Le seul chapitre discutable est celui où l'on parle de l'adhé- sion à la Communauté européenne et je trouve que le Conseil fédéral est un peu trop optimiste lorsqu'il déclare que la neutralité ne fait pas obstacle à l'adhésion de la Suisse à cette communauté. Chacun sait que tout pays visant l'adhé- sion est censé épouser les objectifs de l'Union européenne en matière de sécurité commune. Il eût été préférable de dire clairement que notre politique de neutralité permanente et armée devra être revue le jour où l'on entrera dans la Com- munauté européenne. Mais, en attendant cette hypothétique adhésion nous devons nous concentrer sur l'essentiel, sur l'idée fondamentale. Comme cela correspond à notre tradi- tion séculaire, la Suisse ne doit pas à l'avenir prendre part à une guerre entre d'autres Etats. Elle ne doit soutenir militaire- ment ni l'une, ni l'autre des parties en conflit et surtout, grâce à un armement militaire crédible, elle doit faire clairement comprendre qu'elle est prête à défendre son territoire contre tout agresseur.
En revanche, la Suisse ne doit observer aucune neutralité en matière politique, idéologique et économique. Il faut mettre à profit la grande marge de liberté d'action accordée par le droit de neutralité et développer une politique extérieure active et créatrice. La neutralité ne saurait conduire à l'immobilisme et à une attitude de repli. Elle doit être liée à l'engagement interna- tional et à la coopération au service de la paix
C'est dans cet esprit que je prends acte de ce rapport que je qualifie de bon et de réaliste. La Commission de la politique de sécurité qui a également examiné ce rapport vous demande de l'approuver par 15 voix contre 6 et avec 3 abstentions.
Iten Joseph (C, NW): Ich nehme an, wir werden das Ge- schäftsverkehrsgesetz so elastisch interpretieren, dass wir auch dann verhandlungsfähig sind, wenn der zuständige Aus- senminister nicht im Saal ist; wir haben mindestens einen
zweiten Bundesrat zur Verfügung, und ich nehme an, er ist der Stellvertreter des Aussenministers. In diesem Fall würde ich ihn bitten, meine Fragen dem Aussenminister, wenn er ihn wieder sieht, zu unterbreiten.
Ich persönlich nehme Kenntnis vom Bericht des Bundesrates, aber ich würde nicht sagen, das ich ihm zustimme. Ob ich ihn begrüsse, hängt noch von der Beantwortung einiger Zusatz- fragen ab. Ich habe den Eindruck, dass die Diskussion zwi- schen der Regierung und der Bevölkerung als Vorbereitung für die Willensbildung an der Basis natürlich nicht nur auf der Ebene geführt werden kann, dass wir rein intellektuelle Argu- mente und statistische Daten austauschen. Wahrscheinlich braucht es wesentlich mehr. Jedenfalls wird sich unsere Re- gierung, um diesen Dialog mit der Bevölkerung zu pflegen, nicht nur mit den rein aussenpolitischen und institutionellen Fragen befassen müssen, sondern auch mit irrationalen Vor- gängen.
In der Bevölkerung sind Ängste abzubauen. Sie haben sich mit Emotionen auseinanderzusetzen, im besonderen mit der Angst einer jeden einzelnen Bürgerin, eines jeden einzelnen Bürgers in diesem Land, mit der zunehmenden persönlichen Ohnmacht, wenn wir uns über unserem eigenen Staat noch- mals «überorganisieren».
Ich vermisse Aussagen in der Botschaft des Bundesrates zur Frage, wie die Regierung beabsichtigt, die Bevölkerung in die- ser Hinsicht «abzuholen» und sie an dieses Thema heranzu- führen. Ich hätte deshalb dem Aussenminister persönlich gerne die folgenden drei Fragen gestellt:
Verfügt der Bundesrat - oder eben der Aussenminister - über Informationen und Kenntnisse, die für die Diskussion ei- nes EU-Beitrittes der Schweiz relevant sind, die er aber bisher dem Parlament und der Bevölkerung noch nicht bekanntge- geben hat? Wenn nein, wie erklären Sie sich die durch meh- rere Umfragen erhärtete Diskrepanz in der Beitrittsbereitschaft der Regierung und des Volkes? Falls Informationen vorliegen, über die wir noch nicht verfügen, frage ich Sie, bis wann Sie diese weitergeben?
Gemäss Ihrem Bericht verfolgen Sie im Grunde genommen eine Doppelstrategie. Sie kommen auf der einen Seite dem Auftrag des Parlamentes und des Volkes zu bilateralen Ver- handlungen nach. Sie definieren aber auf der anderen Seite als strategisches Ziel für den Fall des Scheiterns der bilatera- len Verhandlungen - oder auch im anderen Fall - den Vollbei- tritt.
Als Anwalt irritiert mich diese Strategie. Ich weiss nicht, ob es besonders klug ist, wenn ich meinem Visavis, mit dem ich ver- handeln will, zum voraus bekanntgebe, dass ich, wenn ich nicht erreiche, was ich möchte, meine Position aufgebe, im konkreten Fall: zur Integration bereit bin. Ich möchte einfach wissen, ob diese Strategie aus der Sicht unserer Regierung klug ist.
Könnten Sie diese Forderungen jetzt einmal festmachen, kon- kretisieren und uns hier nennen - konkret mit Bezug auf die demokratischen Grundrechte, konkret mit Bezug auf den Transitverkehr, konkret mit Bezug auf den freien Personenver- kehr, konkret mit Bezug auf den Grundstückerwerb und kon- kret auch mit Bezug auf die Frage der Währung?
Ich bitte Sie, in Ihrer Antwort zu diesen Fragen konkret Stel- lung zu nehmen.
Bundi Martin (S, GR): Der aussenpolitische Bericht des Bun- desrates enthält meines Erachtens eine so grosse Fülle an in- teressanten Informationen, dass ich meine, man sollte diese über die heutige Debatte hinaus bis in die breitesten Volks- schichten hineintragen. Damit berühre ich das Problem der Er- klärung unserer Aussenpolitik hier im Innern unseres Staates. Ich möchte den Bundesrat ermuntern, in seinen Bemühun- gen, die Aussenpolitik innenpolitisch besser abzustützen, so
193
Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren
weiterzufahren und sich zu überlegen, welche erprobten di- daktischen und methodischen Mittel man einsetzen könnte, um diese Informationen bis in die letzten Schulen hineinzu- bringen, und damit auch fixe Vorstellungen einer veralteten Aussenpolitik endlich aus den Köpfen verschwinden zu las- sen. Ich meine das insbesondere auch im Hinblick auf ge- wisse überlebte Vorstellungen über die Neutralitätspolitik.
Nun möchte ich konkret nur zu einem Thema der Aussenpoli- tik Stellung nehmen, nämlich zur Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und zur Rolle der Schweiz in die- ser Organisation. Der Bundesrat hält in seinem Bericht fest, dass die KSZE das einzige sicherheitspolitische Organ sei, in welchem die Schweiz voll mitwirken könne. Dem kann man si- cher beipflichten. Nun stellen sich meines Erachtens in dieser Beziehung zwei Fragen, nämlich:
Kann die KSZE im heutigen Umfeld ihre friedenspolitische und konfliktverhindernde Aufgabe noch wahrnehmen, und wenn ja: Was für eine Rolle kann denn die Schweiz in dieser Organi- sation spielen?
Nun stellen wir fest, dass die KSZE am Anfang des Jugoslawi- enkonfliktes einiges unternommen hat, um zu verhindern, dass die Gewalt und ein schrecklicher Krieg in dieser Region ausbricht. Aber nach Ausbruch des Krieges war sie nicht fähig, erfolgreich zu intervenieren. Wenn man dann den entspre- chenden Stellen die Frage stellte, warum das so sei, wurde einfach gesagt, die Strukturen würden noch nicht bereitste- hen. Man habe nicht entsprechende Organe, um richtig zu in- tervenieren. In der Zwischenzeit, im Laufe dieser zwei Jahre, hat die KSZE nun etwas daraus gelernt. Sie hat nämlich min- dest eine Erkenntnis gewonnen: Dass es heutzutage in Eu- ropa nicht mehr um die klassischen Kriege im früheren Stil geht, sondern dass es um Minderheitskonflikte geht, die man mit anderen Mitteln angehen muss. Aufgrund dieser Erkennt- nisse hat man nun auch neue Instrumente, neue Organe ge- schaffen.
Ich möchte nur auf das eine Organ zu sprechen kommen, nämlich auf den Hochkommissar für nationale Minderheiten, der seine Tätigkeit vor einem Jahr aufgenommen hat. Wenn diese Tätigkeit auch nicht spektakulär ist, so ist sie trotzdem von sehr grossem Nutzen. Es ist diesem Hochkommissar nämlich in dieser Zwischenzeit gelungen, durch Kontakte, dort wo Spannungen ethnischer Natur auftraten, zu verhin- dern, dass diese Spannungen noch grösser wurden. Er hat vor allem neu die sogenannte präventive Diplomatie einge- führt, wodurch es ihm auch gelungen ist, die beteiligten KSZE-Regierungen frühzeitig zu warnen. Das sind gewisse Er- folge, die nun die KSZE aufweisen kann, die nicht spektakulär sind. Die Frage ist jetzt: Wie kann die Schweiz ihre Rolle in die- ser KSZE noch besser wahrnehmen als bis anhin?
In der jüngsten Vergangenheit hat die Schweiz im Rahmen der neutralen und der nicht paktgebundenen Staaten einige sehr interessante Initiativen ergriffen. Nun ist die Gruppe dieser Staaten in Auflösung begriffen, und wenn die Stimme der Schweiz in diesem Gremium gegenwärtig noch gelten soll, dann muss sich die Schweiz bemühen, mit anderen Gruppie- rungen zusammen ihre Haltung abzustimmen.
Nun meine Frage an den Bundesrat: Ist man heute nicht in der Lage, unseren Diplomaten - der Bundesrat hat vor einem Jahr für die KSZE-Beziehungen eine Extrabotschaft in Wien einge- richtet - einen Auftrag zu erteilen, wonach die Schweiz im Be- reich der KSZE einmal eine grössere Initiative unternehmen sollte? Ich frage mich, ob nicht vor allem das, was im Schluss- dokument von Helsinki von 1992 vorgesehen ist - die Möglich- keit für jedes einzelne Mitgliedland, sich an friedenserhalten- den Operationen der KSZE zu beteiligen -, endlich in die Tat umgesetzt werden müsste. Ich glaube, dass gerade hier die Schweiz eine wichtige Aufgabe hätte.
Ich möchte den Bundesrat bitten, etwas in dieser Richtung zu unternehmen und uns Auskunft über seine Pläne zur erteilen.
Bircher Peter (C, AG): Ich betrachte den Bericht als gut, reali- stisch und kompetent; er hat einen hohen Informationsgehalt. Es wäre eigentlich wünschenswert, dass er den Stimmberech- tigten der Schweiz als Informationsbroschüre zugestellt wer- den könnte.
Positiv ist sicher auch die Grundhaltung. Es wird mehrmals be- tont, dass man bilateral verhandeln will. Ich habe nirgends her- ausgelesen, dass der Bundesrat das Anliegen nicht ernst nimmt. Zu diesen Verhandlungen - es sollen bereits 16 Dos- siers in Brüssel anhängig gemacht worden sein - ist ihm nur Erfolg zu wünschen. Sie bergen natürlich die Gefahr in sich, dass man zu viele Einzelkonzessionen machen muss.
Ein weiteres realistisches Feld - da erlaube ich mir aus be- scheidener Warte eine direkte Beurteilung - öffnet sich auch bei den grenznahen Kontakten. Wir haben z. B. jetzt im Mo- ment mit dem Landkreis Waldshut und dem Land Baden-Würt- temberg ein Strukturmodell laufen und konnten in diesen Ver- handlungen am Rhein die konkrete Erfahrung machen, dass gerade das deutsche Bundesland Baden-Württemberg für eine mitteleuropäische Regionalpolitik sehr offen ist. Auch das scheint mir in den Grenzräumen der Schweiz ein realistischer Weg zu sein.
Aber ich staune doch - das ist der nächste Punkt, die ganze EWR-Geschichte - über die rasche Veränderung, die da ein- getreten ist. Denken wir vor allem an die Europa-Neutralen, Schweden und unser Nachbarland Österreich. Diese Verän- derung hat in einer gutbürgerlichen Zeitung meines Kantons ihren Niederschlag gefunden: Wurde noch Anfang Jahr das ganze EU-Dossier sehr zurückhaltend eingestuft, so stand am letzten Samstag schon der Titel «Bald einsam mitten in Eu- ropa» über einer Kommentierung des sehr raschen Verhand- lungsprozesses mit den Europa-Neutralen Österreich und Schweden. Die Option EWR ist, auch wenn man sie in den Raum stellen will, wirklich innert kurzer Zeit eine eher fragwür- dige geworden.
Ich empfinde auch absolut keine Euphorie gegenüber der EU, aber es bringt überhaupt nichts, hier eine lange Liste von Un- zulänglichkeiten vorzulegen - die besteht schon. Man könnte endlos Unzulänglichkeiten aufzählen, die dann doch zum Teil wieder verblassen. Man muss doch immer wieder feststellen: «Und sie bewegt sich doch!»
Das ist z. B. bei den Verhandlungsresultaten mit Österreich festzustellen. Wir stellen einfach eine dauernde Summierung von Fakten fest, die das wohlbegründete Argumentationsge- bäude des Alleingangs anknabbern oder sogar zum Einsturz bringen.
Ich sage aus meiner Sicht: Der Bericht des Bundesrates ist realistisch. Er leitet einen langen Informations- und Verhand- lungsweg ein; keinen abrupten Kurswechsel, das ist klar und beruhigend, falls das einige doch übersehen haben.
Gemäss Seite 26 des Berichtes wird sich der Bundesrat selbstverständlich im ganzen Integrationsprozess «stets für die Wahrung der Grundelemente der politischen Kultur und Identität der Schweiz einsetzen». Ich betrachte dies als einen nicht unbedeutenden Kernsatz dieses guten Berichtes.
Die Beratung dieses Geschäftes wird unterbrochen Le débat sur cet objet est interrompu
Schluss der Sitzung um 19.50 Uhr La séance est levée à 19 h 50
25-N
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Aussenpolitik der Schweiz in den neunziger Jahren Politique extérieure de la Suisse dans les années nonante
In
Dans
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1994
Année
Anno
Band
I
Volume
Volume
Session
Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
06
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 93.098
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
07.03.1994 - 14:30
Date
Data
Seite
174-193
Page
Pagina
Ref. No
20 023 760
Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.