N
17 décembre 1993
2568
Interpellation Stamm Luzi
Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen Verschoben - Renvoyé
50 Stimmen 26 Stimmen
93.3364 Interpellation Stamm Luzi Inseratenkampagne der Aids-Hilfe Schweiz Aide suisse contre le sida. Campagne publicitaire dans la presse
Wortlaut der Interpellation vom 18. Juni 1993 Ich erlaube mir, bezüglich der laufenden Aids-Inseratenaktion dem Bundesrat folgende Fragen zu stellen.
Wer innerhalb der staatlichen Verwaltung ist verantwortlich für diese Inserate oder deren Unterstützung?
Was sind die Kosten dieser Inseratenaktion, und was für staatliche Mittel erhält die Aids-Hilfe Schweiz?
Gehen die für diese Inserate Verantwortlichen auch davon aus, dass ein Aids-Infizierter sein Verhalten gegenüber seinen Sexualpartnern ändert, wenn er das positive Resultat des Aids-Tests kennt?
Falls ja (Frage 3): Sind die für diese Inserate Verantwortli- chen tatsächlich der Meinung, dass allfällige psychische Pro- bleme des Betroffenen höher einzuschätzen sind als die Inter- essen der Sexualpartner, nicht angesteckt zu werden?
Identifiziert sich der Bundesrat mit dieser Inseraten- kampagne?
Ist der Bundesrat nicht der Meinung, dass es verantwor- tungslos ist, von einem Aids-Test abzuraten, wenn mit einem solchen vermieden werden könnte, dass weitere Ansteckun- gen und die Zeugung von aidskranken Kindern resultieren?
Texte de l'interpellation du 18 juin 1993
Je me permets de poser les questions suivantes au Conseil fé- déral à propos de la campagne publicitaire lancée dans la presse par l'Aide suisse contre le sida.
Qui, au sein de l'administration publique, est responsable de cette campagne ou du soutien qui lui est apporté?
Quel est le coût de cette campagne et quels fonds publics reçoit l'Aide suisse contre le sida?
Les responsables de cette campagne partent-ils aussi du principe qu'une personne infectée du sida modifie son com- portement à l'égard de ses partenaires sexuels après avoir été déclarée séropositive?
Si la réponse à la question 3 est affirmative, les responsa- bles de la campagne sont-ils réellement d'avis que les problè- mes éventuels du séropositif sont plus importants que l'intérêt des partenaires de ne pas être contaminés?
Le Conseil fédéral adhère-t-il à cette campagne?
N'est-il pas d'avis qu'il est irresponsable de déconseiller le test du sida, alors que ce test permettrait d'éviter d'autres in- fections et la procréation d'enfants atteints du sida?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Keine - Aucun
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
In den Tageszeitungen sind in letzter Zeit doppelseitige In- serate erschienen, welche der Aids-Prävention dienen sollen. In riesigen Lettern wird die Frage «Ist ein Aids-Test für mich sinnvoll oder nicht?» aufgeworfen. Die Inserate sind folgender- massen signiert: «Eine Präventionskampagne der Aids-Hilfe Schweiz, in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesund- heitswesen.»
In den Inseraten sind die Fälle aufgelistet, in welchen ein Aids-Test nicht sinnvoll sein soll. Auf einen Test sei u. a. zu ver- zichten, «wenn Sie im Falle eines positiven Testresultats nicht fest mit der Solidarität Ihres Partners bzw. Ihrer Partnerin, Ihrer Familie und Ihrer Umgebung rechnen können».
Nach einem positiven Aids-Test wird sich der Betroffene ins- besondere bewusst sein, dass er in Zukunft beim Ge- schlechtsverkehr seine Partner anstecken kann und dass ein von ihm gezeugtes Kind mit einiger Wahrscheinlichkeit eben- falls Aids-positiv sein wird. Zweck des Aids-Tests muss es sein, dies zu verhindern. Ich gehe davon aus, dass die über- wiegende Mehrheit der Menschen nach einem positiven Test ihr Verhalten verändern wird, um zu vermeiden, ausgerechnet diejenigen Menschen ins Unglück zu stürzen, die man liebt.
Nun wird in dieser Werbekampagne empfohlen, bei man- gelnder Solidarität auf einen Test zu verzichten. Dazu ist vor- erst zu unterstreichen, dass der Betroffene natürlich nicht ver- pflichtet ist, das Resultat bekanntzugeben.
Was soll «fest mit der Solidarität des Partners, der Familie und der Umgebung rechnen» heissen?
Es ist sehr wahrscheinlich, dass die weitere Umgebung ne- gativ reagieren wird, wenn sie vom Resultat Kenntnis erhält. In vielen Kreisen bestehen grosse Aengste vor Aids-positiven Menschen, weil zuwenig bekannt ist, wie Aids übertragen wer- den kann.
Auch Sexualpartner werden wahrscheinlich sehr heftig rea- gieren. Für sie wird je nach Situation eine Welt zusammenbre- chen. Dazu kommt die Angst, selbst angesteckt worden zu sein. Ein Teil dieser Partner wird den sexuellen Kontakt als Folge verweigern. Ist mit «Solidarität» gemeint, dass der Part- ner den Geschlechtsverkehr nicht verweigern darf?
Inwieweit es notwendig ist, die «weitere Familie» zu informie- ren, bleibe dahingestellt. Auch hier wird jedenfalls die «Solida- rität» sicher nicht darin bestehen, dass die Familie mit der Hal- tung «das kann passieren, das macht nichts» reagiert.
Es ist eine unbegreifliche Verantwortungslosigkeit, die Wahr- heit aus Angst vor solchen Reaktionen nicht wissen zu wollen. 7. Hat jemand Grund zur Annahme, er könnte sich mit Aids an- gesteckt haben, wird er von der laufenden Werbekampagne animiert, auf eine Kontrolle zu verzichten. Damit ist nicht ein- mal dem Betroffenen gedient. Bei Aidskranken hat sich immer wieder gezeigt, dass sie psychisch kaum mit der Tatsache fer- tig werden, ihre Partner und Kinder angesteckt zu haben.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 10. November 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral du 10 novembre 1993
Die Stop-Aids-Kampagne ist eine Präventionskampagne der Aids-Hilfe Schweiz in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheitswesen (BAG), das für das Projekt verantwort- lich ist.
Die Kosten für die landesweite Publikation in der nationalen Presse betragen - die Produktionskosten eingeschlossen - 205 051 Franken. Die Aids-Hilfe Schweiz erfüllt im Zusammen- hang mit der Stop-Aids-Kampagne verschiedene Buchhal- tungs- und Controllingaufgaben, kann jedoch nicht frei über das Budget der Kampagne verfügen, da jedes einzelne Pro- jekt von den Verantwortlichen beim BAG geprüft und bewilligt werden muss. Die Aids-Hilfe Schweiz wird also nicht mit dem Budget dieser Kampagne finanziert.
Das BAG und die Aids-Hilfe Schweiz haben sich in die Aufga- ben geteilt Im Rahmen dieser Aufgabenteilung leistet das BAG dieser Organisation finanzielle Unterstützung für an be- stimmte Zielgruppen gerichtete Projekte und die Entschädi- gung der damit beauftragten Personen. Das Projekt beteiligt sich an der Ausarbeitung solcher Projekte wie z. B. spitalex-
Interpellation Ruffy
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terne Betreuung von Aidskranken, Informationsbroschüre für Frauen, Stop-Aids-Bus usw. Der Kredit für die Aids-Hilfe Schweiz beträgt für 1993 2,7 Millionen Franken, 350 000 Fran- ken weniger als 1992.
Die Anfang Mai in der Presse publizierte Inseratenkampagne hat zum Ziel, über den HIV-Antikörpertest - in der Bevölkerung besser bekannt als «Aids-Test» - zu informieren. Sie ist Teil der Informations- und Präventionsarbeit der Stop-Aids-Kampa- gne, die seit 1987 regelmässig in den Medien erscheint.
In diesem Inserat werden die Situationen genannt, in denen sich ein Aids-Test aufdrängt, so unter anderem, wenn der Wunsch nach einem Kind besteht. In diesem Fall wird den Partnern in den Empfehlungen ausdrücklich geraten, sich zu- sammen einem Test zu unterziehen.
Die Verantwortlichen der Kampagne sind der Meinung, dass eine Person, die um ihr positives Resultat weiss, ihre Verhal- tensweise ändern und alles vorkehren muss, um eine Uebertra- gung des Virus zu vermeiden. Sie sind aber auch der Meinung, dass dafür die Solidarität der Umgebung wichtig ist. Zwar ist die Person mit positivem Testresultat nicht verpflichtet, den Partner oder die Partnerin zu informieren, wenn sie selber die nötigen Schutzmassnahmen zur Verhinderung der Virusübertragung trifft. Aber ein Ziel des Tests ist, den festen Partner im Falle eines positiven Testresultats informieren zu können, damit beide Partner in voller Kenntnis der Sache die erforderlichen Schutz- massnahmen treffen können. So gesehen ist ein Klima der Soli- darität und des Vertrauens zwischen den Partnern Vorausset- zung für die Mitteilung eines positiven Resultats.
Unter Solidarität verstehen die Verantwortlichen eine tatsächli- che und leicht zugängliche psycho-soziale Unterstützung, welche eine Person in der schwierigen Situation nach Be- kanntwerden der Seropositivität braucht. Dies bedeutet kei- neswegs, dass der Partner etwa verpflichtet wäre, mit der HIV- positiven Person sexuellen Kontakt zu haben.
Zusammenfassend lässt sich aus der Sicht der Verantwortli- chen sagen, dass die im Inserat genannte Solidarität die Not- wendigkeit unterstreicht, die Voraussetzungen zu schaffen, dass eine sich dem Test unterziehende Person in der Lage ist, ihre Nächsten, in erster Linie den Partner oder die Partnerin, zu informieren. Mit dieser Sichtweise kann sich die Oeffentlichkeit der Notwendigkeit bewusst werden, vor einem Test mit dem Partner zu reden und eine offene Haltung einzunehmen, wel- che die Mitteilung eines allfälligen positiven Testresultates er- leichtern würde.
Wenn sich eine Person mit Risikoverhalten aus Angst vor man- gelnder Unterstützung oder möglicher Diskriminierung einem Aids-Test widersetzen sollte, gehen die Verantwortlichen der Kampagne davon aus, dass diese Person nach all den Jahren regelmässiger Information über Aids wissen sollte, dass sie aufgrund ihres unsicheren Blutstatus jede Person, mit der sie sexuellen Kontakt hat, systematisch schützen muss. Im Falle des Wunsches nach einem Kind ist der Inseratentext insofern sehr klar, als er, wie gesagt, den Partnern dringend empfiehlt, sich einem Test zu unterziehen.
Diese Informationskampagne zum Aids-Test ist Teil der allge- meinen Aids-Bekämpfung in der Schweiz. Die Aids-Bekämp- fung basiert bei uns auf der Eigenverantwortung des einzel- nen, die durch eine angemessene und den Umständen ent- sprechende Information gefördert wird.
Diese Strategie hat bereits ermutigende Ergebnisse erzielt und entspricht den Empfehlungen internationaler Fachleute, unter anderem der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Der Bundesrat unterstützt Strategien zur Förderung der Eigenver- antwortung des einzelnen und kann sich in diesem Sinne mit den Bestrebungen, den Zielen und dem Inhalt einer solchen Kampagne identifizieren.
Präsidentin: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates nicht befriedigt und verlangt Diskussion.
Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
Verschoben - Renvoyé
offensichtliche Mehrheit Minderheit
93.3433
Interpellation Ruffy Verlagerung des IER-Cerme (Studien- und Dokumentationszentrum für Berglandwirtschaft) von Château-d'Oex nach Ecublens Déménagement de l'IER-Cerme (Centre d'études et de documentation rurales montagnardes et de l'environnement) de Château-d'Oex à Ecublens
Wortlaut der Interpellation vom 29. September 1993 Ist der Bundesrat nicht der Ansicht, dass
in Anbetracht der Herausforderungen, denen die Bergland- wirtschaft heute gegenübersteht, die Aufhebung der Zweig- stelle des IER-Cerme in Château-d'Oex sowohl politisch wie psychologisch ein Fehlentscheid wäre;
die von einer Anstalt des Bundes veranlasste Verlegung dreier Arbeitsplätze aus einem Berggebiet (im Sinne des IHG) in die Genferseegegend den Zielen der regionalen Entwick- lung, wie sie seit Anfang der siebziger Jahre verfolgt werden, nicht entspricht und bedeutet, dass man diese bisher recht er- folgreiche Politik fallenlässt;
die wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Gründe, die für die Verlagerung vorgebracht werden, selbst auf der Ebene des Hochschulbetriebs nicht sehr stichhaltig sind?
Texte de l'interpellation du 29 septembre 1993 Le Conseil fédéral n'est-il pas d'avis que
compte tenu des défis actuellement lancés à l'économie ru- rale de montagne, la suppression de l'antenne de l'IER-Cerme à Château-d'Oex serait une erreur tant politique que psycho- logique;
le transfert de trois postes de travail d'une région LIM sur le bassin lémanique, provoqué par une institution fédérale, n'est pas conforme aux objectifs de développement régional re- cherchés depuis le début des années septante et constitue un désaveu de la politique menée jusqu'à présent avec un relatif succès;
les motifs scientifiques et économiques justifiant ce démé- nagement ne sont pas très solides, même à l'échelle de l'entreprise des hautes écoles?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aguet, Aubry, Béguelin, Borel François, Brügger Cyrill, Brunner Christiane, Bundi, Caspar-Hutter, Chevallaz, Comby, Danuser, Etique, Fankhau- ser, Friderici Charles, Haering Binder, Hafner Ursula, Häm- merle, Herczog, Jeanprêtre, Jöri, Ledergerber, Leemann, Leuba, Mamie, Narbel, Poncet, Sandoz, Savary, Strahm Ru- dolf, Tschäppät Alexander, Züger (31)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Depuis 1985, une antenne de l'institut d'économie rurale (IER) de l'EPFL, connue en Suisse et à l'étranger sous la dénomina- tion de Centre d'études et de documentation rurales monta- gnardes et de l'environnement (IER-Cerme) est installée à Château-d'Oex, chef-lieu du Pays d'Enhaut.
En prise directe sur la réalité qu'il est chargé d'étudier, confronté quotidiennement à l'environnement économique, social et naturel qui est son domaine d'investigation privilégié, ce centre s'est rapidement distingué par la qualité de ses ana- lyses et la pertinence de ses positions. Il répond parfaitement à un des volets du nouveau contrat social qui veut que la fonc- tion de service des hautes écoles ne soit pas prisonnière d'une tour d'ivoire et que les chercheurs universitaires aillent au- devant de la population pour la conseiller en connaissance de cause sur le plan pratique comme sur le plan théorique.
On ne saurait assez insister sur cet aspect, en présence des
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Interpellation Stamm Luzi Inseratenkampagne der Aids-Hilfe Schweiz Interpellation Stamm Luzi Aide suisse contre le sida. Campagne publicitaire dans la presse
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1993
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Anno
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V
Volume
Volume
Session
Wintersession
Session
Session d'hiver
Sessione
Sessione invernale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
15
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 93.3364
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Numero dell'oggetto
Datum 17.12.1993 - 08:00
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Data
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