2035
Interpellation Bär
Die schweizerischen Kernkraftwerke haben kein Plutonium gekauft.
Der Einsatz von MOX-Elementen in unseren Kernkraftwer ken benötigt keine Modifikation der Anlagen. Es besteht des- halb kein Anlass, für MOX-Elemente ein Verfahren anzuwen- den, das von jenem für die gewöhnlichen Brennelemente ab- weicht (vgl. MOX-Beschwerdeentscheid des Bundesrates zu Beznau I vom 12. September 1979, VPB 44 [1980] Nr. 59, S. 244).
Dieser Preisvergleich stimmt nicht. Siehe Einleitung.
Für den Betrieb eines Kernkraftwerks wird aufgrund der Er- gebnisse von Störfallberechnungen die Minimalanforderung an die Abschaltsicherheit eines Reaktors behördlich festge- legt. Die Einhaltung dieser Anforderungen muss in jedem Be- triebszyklus nachgewiesen werden, unabhängig davon, ob der Reaktor MOX-Elemente enthält oder nicht.
Es trifft nicht zu, dass eine Rückkehr vom MOX-Betrieb zum Betrieb ohne MOX schwierig und aufwendig ist.
Für die 116 bis jetzt in Beznau eingesetzten MOX-Ele- mente ist noch kein Entsorgungsweg festgelegt worden.
Präsident: Die Interpellantin ist von der Antwort des Bundes- rates nicht befriedigt und verlangt Diskussion.
Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
39 Stimmen 53 Stimmen
93.3114
Interpellation Bär Rücknahme von radioaktivem Abfall aus Wiederaufarbeitung Reprise de déchets radioactifs retraités
Wortlaut der Interpellation vom 16. März 1993
Wie viele Brennelemente sind in die Wiederaufarbeitungs- anlage von La Hague (F) geliefert worden?
Wie viele Brennelemente sind zur Wiederaufarbeitung nach Sellafield geliefert worden? In welche Anlage?
Die Schweizer AKW-Betreiber haben mit den Wiederaufar- beitungsanlagen Verträge über 1036 Tonnen Schwermetalle aus abgebrannten Brennelementen abgeschlossen. Trifft es zu, dass davon 200 Tonnen bereits aufgearbeitet worden sind? Wann und wo erfolgte diese Behandlung für welches Atomkraftwerk?
Wie sieht der weitere zeitliche Fahrplan für die nach Verträ- gen verbleibenden Brennelemente aus?
5a. Ab welchem Zeitpunkt erfolgt die Rücklieferung von radio- aktiven Stoffen aus Sellafield bzw. La Hague? In welchen Men- gen? (Kategorien: kurzlebige schwach- und mittelaktive Ab- fälle, langlebige mittelaktive Abfälle, hochaktive Abfälle, wie- deraufgearbeitetes Uran, Plutonium)
5b. Nach welchem Prinzip wird zurückgeliefert (1 zu 1, Aequi- valenzprinzip, «curie swap»)? Kommt es also zu einem Tausch «etwas mehr hochaktive, dafür keine schwachaktiven Abfälle»? 5c. Nach dem Gutachten der HSK zur Spezifikation vergla- ster hochaktiver Wiederaufarbeitungsabfälle der Cogéma (HSK 21/22 vom Juni 1988) sind für La Hague keine Probenah- men am fertigen (konditionierten) Abfallbehälter vorgesehen. Wie und wie oft erfolgt eine wirkungsvolle Qualitätssicherung durch die Schweizer Behörden?
5d. Die deutsche Bundesregierung verlangt für gewisse kon- ditionierte Abfälle zusätzliche Ueberbehälter, weil sie nach An- sicht der deutschen Behörden weder zwischen- noch «end»la- gerfähig sind. Hat auch die Schweiz diese Ueberbehälter ver- langt, und sind weitere Umkonditionierungen nötig, damit die schweizerischen Anforderungen erfüllt werden?
5e. Sind die Angaben nach Artikel 9 Absatz 2 AtG «unvollstän- dig», wenn es der Cogéma nicht gelingt, die von der schweize- rischen Aufsichtsbehörde und der Nagra geforderten zusätzli- chen Informationen über rückzuliefernde Wiederaufarbei- tungsabfälle beizubringen?
5f. Ist der Bundesrat auch der Meinung, dass die Schweizer Behörden und aussenstehende Experten die Konditionierung der Wiederaufarbeiter überwachen müssen?
5g. Werden die schweizerischen Betreiber bzw. der Bund bei Nichterfüllung dieser Forderung die Rücknahme der Abfälle verweigern?
5h. Für Sellafield wurde von Betreiberseite die Firma Lloyds Register of Quality eingesetzt. In La Hague soll das Büro Veri- tas diese Arbeit übernehmen. Ist diese Firma unabhängig von der Cogéma und den schweizerischen AKW-Betreibern?
5i. Ist sichergestellt, dass nur die spezifizierten und deklarier- ten Abfälle von der Schweiz zurückgenommen werden?
5k. Inwieweit hat das neue französische Gesetz über das Verbot der Lagerung ausländischer radioaktiver Abfälle (Nr. 91-13.1 vom 30. Dezember 1991) Einfluss auf die Rücklie- ferungstermine?
Hat dieses Gesetz weitere Auswirkungen auf die Wiederauf- arbeitungsverträge?
Reichen die in unserem Lande geschaffenen bzw. geplan- ten Zwischenlager aus, und werden sie fristgerecht bereitste- hen, auch wenn die Option Wiederaufarbeitung fallengelas- sen wird?
7a. Wie viele abgebrannte Brennelemente befinden sich in den Abklingbecken der einzelnen Atomkraftwerke in der Schweiz?
7b. Sind die Lagerkapazitäten ausreichend?
Texte de l'interpellation du 16 mars 1993
Combien d'éléments combustibles ont été envoyés à l'ins- tallation de retraitement de La Hague (F)?
Combien d'éléments combustibles ont été envoyés pour re- traitement à Sellafield ? Dans quelle installation?
Les exploitants suisses de centrales nucléaires ont passé avec les installations de retraitement des contrats portant sur 1036 tonnes de métaux lourds provenant d'éléments com- bustibles usés. Est-il exact que, sur ce chiffre, 200 tonnes ont déjà été retraitées? Quand et où s'est effectué le retraitement et pour quelles centrales nucléaires?
Quel est le calendrier pour la suite des opérations de retrai- tement des éléments combustibles restants selon les contrats?
5a. A partir de quel moment s'effectuera le retour des substan- ces radioactives de Sellafield et La Hague? En quelle quantité? (catégories: déchets faiblement et moyennement radioactifs de courte durée de vie, déchets moyennement radioactifs de longue durée de vie, déchets hautement radioactifs, uranium retraité, plutonium)
5b. Selon quels principes s'effectuera le retour (1 à 1, principe de l'équivalence, «Curie swap»)? Peut-il arriver qu'il y ait échange (par exemple un peu plus de déchets hautement ra- dioactifs, et en contrepartie, pas de déchets faiblement radio- actifs)?
5c. D'après l'expertise de la DSN concernant la spécification de déchets retraités hautement radioactifs vitrifiés provenant de la Cogéma (DSN 21/22 de juin 1988), il n'est pas prévu de prélever des échantillons sur les conteneurs de déchets conditionnés en provenance de La Hague. Comment et à quelle fréquence les autorités suisses s'assurent-elles effica- cement de la qualité?
5d. Pour certains déchets conditionnés, le gouvernement alle- mand exige en plus un deuxième conteneur de protection parce que, de l'avis des autorités allemandes, ces déchets ne peuvent faire l'objet d'un stockage ni intermédiaire ni final. La Suisse a-t-elle également exigé des seconds conteneurs et ces déchets doivent-ils faire l'objet de conditionnements sup- plémentaires afin de répondre aux exigences suisses?
5e. Les indications mentionnées à l'article 9 alinéa 2 LEA, sont-elles considérées comme «incomplètes> si la Cogema ne parvient pas à fournir les informations supplémentaires, exi-
Interpellation Bär
2036
N
8 octobre 1993
gées par les autorités suisses de surveillance et par la Cedra, sur les déchets retraités retournés?
5f. Le Conseil fédéral estime-t-il lui aussi que les autorités suis- ses et les experts extérieurs doivent surveiller le conditionne- ment effectué par l'installation de retraitement?
5g. Les exploitants suisses ou la Confédération refuseront-ils de reprendre les déchets si cette condition n'est pas remplie? 5h. Concernant Sellafield, les exploitants ont engagé la mai- son «Lloyds Register of Quality». Pour La Hague, le Bureau Ve- ritas doit se charger de cette tâche. Cette entreprise est-elle in- dépendante de la Cogéma et des exploitants suisses de cen- trales nucléaires?
5i. A-t-on la garantie que seulement des déchets spécifiés et déclarés sont repris par la Suisse?
5k. Dans quelle mesure la nouvelle loi française sur l'interdic- tion d'entreposer des déchets radioactifs étrangers (No 91-13.1 du 30 décembre 1991) a-t-elle des effets sur les délais de renvoi?
Cette loi a-t-elle d'autres conséquences sur les contrats de retraitement?
Les installations de stockage intermédiaire créées ou pré- vues dans notre pays sont-elles suffisantes et seront-elles prê- tes à temps même si l'option du retraitement est abandonnée? 7a. Combien d'éléments combustibles usés se trouvent dans les installations de désactivation de chaque centrale nucléaire de Suisse?
7b. Les capacités de stockage sont-elles suffisantes?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Keine - Aucun
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Wie den Medien zu entnehmen war, hat die Betreiberin der französischen Wiederaufarbeitungsanlage von La Hague, die Cogéma, die japanischen AKW-Betreiber aufgefordert, ihren in La Hague gelagerten Atommüll ab 1994 zurückzunehmen. Bei der Durchsicht der schweizerischen behördlichen Gutach- ten zur Spezifikation der Wiederaufarbeitungsabfälle (für eine Rücksendung) fallen sehr viele Unklarheiten und Bedenken auf. Trotzdem stimmt die Aufsichtsbehörde, die HSK, den Spe- zifikationen zu.
Auch wenn die Wiederaufarbeitungsverträge auf privatrechtli- cher Basis abgeschlossen wurden, sind die aufgeworfenem Fragen von eminentem öffentlichem Interesse, da jegliche Be- handlung abgebrannter Brennelemente, also auch die Wie- deraufarbeitung, Art und Weise von Transport, Zwischen- und «End»lagerung bestimmt.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
vom 1. September 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral
du 1er septembre 1993
Es sind 1835 Brennelemente in die Wiederaufarbeitungsan- lage in La Hague geliefert worden.
Es sind 633 Brennelemente in die Wiederaufarbeitungsan- lage in Sellafield geliefert worden. Sie befinden sich in der Thorp-Anlage.
In zeitlich gestaffelten Kampagnen wurden bis heute in La Hague etwa 50 Tonnen für das Kernkraftwerk Beznau (KKB), etwa 75 Tonnen für das Kernkraftwerk Gösgen (KKG) und etwa 80 Tonnen für das Kernkraftwerk Mühleberg (KKM) so- wie in Sellafield etwa 10 Tonnen für das KKB aufgearbeitet.
Der Rest der in den Verträgen vorgesehenen Menge wird in La Hague bis etwa im Jahr 1999 und in Sellafield bis etwa im Jahr 2003 aufgearbeitet sein. Ein genauer Zeitplan liegt noch nicht vor.
5a. Die ersten Rücklieferungen von radioaktiven Stoffen aus La Hague sind für das Jahr 1996 vorgesehen, aus Sellafield nicht vor Ende 1997. Der genaue Zeitplan, die Mengen und die Kategorien sind noch nicht bekannt.
5b. Der Abtausch von Abfällen gemäss einem anerkannten Aequivalenzprinzip wäre sinnvoll und wird deshalb ange- strebt.
5c./5f. Die Qualitätssicherung der erzeugten Abfallgebinde wird vom Betreiber der Wiederaufbereitungsanlage, der Co- géma, durchgeführt. Die Kunden der Cogéma haben die Mög-
lichkeit, das Qualitätssicherungssystem (Organisation, Ver- antwortlichkeiten, Prozesskontrolle) durch eine unabhängige Kontrollorganisation überprüfen und während des Betriebes inspizieren zu lassen. Die schweizerischen Kunden werden das Bureau Veritas mit solchen Kontrollen beauftragen. Die Schlussfolgerungen dieser Kontrollen sind den zuständigen Behörden, der HSK, bekanntzugeben. Diese haben aber nicht die Absicht, eigene Kontrollen durchzuführen oder in Auftrag zu geben.
5d. Im Hinblick auf die spätere Rücknahme der Wiederaufar- beitungsabfälle der Cogéma sind von den schweizerischen Kernkraftwerkbetreibern Vorabklärungsgesuche eingereicht worden. Die Beurteilung der Spezifikation, der Transport-, Zwi- schenlager- und Endlagerfähigkeit dieser Abfälle durch die HSK ist noch im Gang.
5e./5g. Die Entscheide des BEW zu den Vorabklärungsgesu- chen werden die Voraussetzungen für die spätere Rücknahme der Wiederaufarbeitungsabfälle enthalten. Zur Erteilung einer Bewilligung für die effektive Rückfuhr müssen diese Voraus- setzungen erfüllt sein.
5h. Veritas und Lloyds Register sind unabhängige Firmen, die in unterschiedlichen technischen Bereichen als Gutachter für die Qualitätssicherung eingesetzt werden.
5i. Ja. Jedes Abfallgebinde ist mit einem individuellen Doku- mentationsblatt versehen, auf welchem die Werte relevanter Parameter zum jeweiligen Gebinde angegeben sind.
5k./51. Nach unseren Informationen hat das erwähnte französi- sche Gesetz keinen Einfluss auf die Rücklieferungstermine oder auf die Wiederaufarbeitungsverträge.
7a. Folgende Mengen bestrahlter Brennelemente befinden sich in den Abklingbecken der schweizerischen Kernkraft- werke: 447 im KKB, 260 im KKG, 1122 im Kernkraftwerk Leib- stadt (KKL) und 166 im KKM.
7b. Die Lagerkapazitäten sind für die kommenden Jahre aus- reichend. Die längerfristige Planung wird in nächster Zeit vor- genommen werden.
Präsident: Die Interpellantin ist von der Antwort des Bundes- rates teilweise befriedigt und verlangt Diskussion.
Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
40 Stimmen 54 Stimmen
93.3137
Interpellation Bär Aareerwärmung durch das AKW Mühleberg Réchauffement de l'Aar par la centrale nucléaire de Mühleberg
Wortlaut der Interpellation vom 17. März 1993
War das Buwal mit der Erteilung der erleichterten Einlei- tungsbewilligung einverstanden, wie Artikel 11 Absatz 2 Buch- stabe a der Einleitungsverordnung dies verlangt?
Wurde der Kanton Bern vor Erlass dieser Verfügung ge- mäss Artikel 48 Absatz 1 des GSchG angehört? Wie hat er Stellung genommen?
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Bär Rücknahme von radioaktivem Abfall aus Wiederaufarbeitung Interpellation Bär Reprise de déchets radioactifs retraités
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In
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Jahr
1993
Année
Anno
Band
IV
Volume
Volume
Session
Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
15
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 93.3114
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 08.10.1993 - 08:00
Date
Data
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2035-2036
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Pagina
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