N
8 octobre 1993
2034
Interpellation Bär
93.3113
Interpellation Bär Einsatz von Plutonium Utilisation de plutonium
Wortlaut der Interpellation vom 16. März 1993
Wiederaufarbeitung wurde ursprünglich zur Herstellung von Waffenplutonium entwickelt, dann stand der Plutoniumeinsatz in Schnellen Brutreaktoren im Vordergrund, und heute wird die Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente mit der Verwendung des hieraus gewonnenen Plutoniums in Misch- oxidelementen in Leichtwasserreaktoren gerechtfertigt. Die Schweizer AKW-Betreiber wollen das wiederaufgearbeitete Plutonium vollumfänglich in ihren Kraftwerken einsetzen. Ich stelle folgende Fragen:
1a. Wieviel Plutonium ist bereits in schweizerischen Kraftwer- ken in Form von Mischoxid- oder MOX-Brennelementen ein- gesetzt worden?
1b. Wird die Schweiz alles mit den heute bestehenden Wieder- aufarbeitungsverträgen entstehende Plutonium verwenden können? Wie?
3a. Mit welchen MOX-Fabriken haben welche Schweizer AKW-Betreiber Verträge? In welcher Höhe und für welche Dauer?
3b. Trifft es zu, dass die Nordostschweizerische Kraftwerke AG (NOK) die Kapazität der britischen 14-Tonnen-Demonstrati- ons-MOX-Fabrik in Sellafield für die ersten zwei Jahre gekauft hat?
Wie wurde und wird das wiederaufgearbeitete Plutonium der Schweizer AKW transportiert? (Per Flugzeug wie von Sella- field in die belgischen oder deutschen MOX-Fabriken? Last- wagen, Bahn, Schiff?)
Wie viele Kilogramm «schweizerisches>> Plutonium sind bis heute an welche Länder verkauft worden?
Wie viele Kilogramm Plutonium kauften die schweizeri- schen AKW von wem?
In der Bundesrepublik untersteht das Gesuch eines Betrei- bers um einen MOX-Einsatz einem Bewilligungsverfahren. Ist der Bundesrat gewillt, das bisher mittels Brief praktizierte ein- fache Freigabeverfahren der HSK zugunsten jenes demokrati- scheren Vorgehens aufzugeben?
Trifft es zu, dass gegenwärtig ein Plutonium-MOX-Brennele- ment über 7000 DM je Kilogramm Schwermetall, ein Uran- brennelement dagegen nur etwa 1500 DM kostet?
Stimmt der Befund der deutschen Gesellschaft für Reak- torsicherheit, dass Mischoxid-Brennelemente zu erhöhten An- forderungen für das sichere Abschalten des Reaktors führen, zum Beispiel zu einer verkürzten Eingriffszeit für störfallbeherr- schende Massnahmen? Wie begegnen die Betreiber diesen veränderten Bedingungen?
Trifft es zu, dass eine Rückkehr vom MOX-Betrieb zum Nicht-mehr-MOX-Betrieb schwierig und aufwendig ist?
Werden die seit 1978 in Beznau abgebrannten 100 Pluto- nium-Mischoxid-Brennelemente auch der Wiederaufarbei- tung zugeführt, oder sollen sie direkt «end»gelagert werden?
Texte de l'interpellation du 16 mars 1993
Le retraitement servait initialement à fabriquer des armes au plutonium, tandis que par la suite il a surtout eu pour but de produire du plutonium destiné aux surgénérateurs rapides. Actuellement, le retraitement des éléments combustibles usés sert surtout à l'utilisation du plutonium récupéré dans des élé- ments à base d'oxydes mixtes employés dans des réacteurs à eau légère. Les exploitants de centrales nucléaires suisses veulent utiliser intégralement le plutonium récupéré dans leurs installations.
Questions:
1a. Combien de plutonium a-t-on déjà utilisé sous forme d'oxydes mixtes (MOX) dans des centrales suisses?
1b. La Suisse pourra-t-elle utiliser tout le plutonium produit sur la base des contrats de retraitement existants? Comment?
3a. Quels exploitants suisses ont conclu des contrats avec des producteurs d'oxydes mixtes? Lesquels? Pour quel mon- tant et quelle durée?
3b. Est-il exact que les Forces motrices de la Suisse du Nord- Est (NOK) ont acheté pour les deux premières années la capa- cité (14 tonnes) de l'usine pilote d'oxydes mixtes de Sella- field?
Comment est transporté le plutonium des centrales suisses qui a été retraité (par avion, comme c'est le cas pour le trans- port de Sellafield aux usines belges ou allemandes d'oxydes mixtes, ou par camion, train ou bateau)?
Combien de kilogrammes de plutonium «suisse» ont-ils été exportés? Vers quels pays?
Combien les centrales suisses ont-elles acheté de pluto- nium, et à qui?
En Allemagne, la demande d'utilisation d'oxydes mixtes par un exploitant est sujette à une procédure d'autorisation. Le Conseil fédéral est-il prêt à remplacer la procédure simplifiée d'autorisation par échange de lettres, telle qu'elle est prati- quée actuellement par la DSN, par une procédure plus démo- cratique, à l'instar de celles mentionnées plus haut?
Est-il exact qu'un élément à base d'oxydes mixtes de pluto- nium coûte plus de 7000 DM par kilogramme de métal lourd, tandis qu'un élément à base d'uranium n'en coûte que 1500? 9. Le résultat annoncé par la société allemande pour la sécu- rité des réacteurs, selon lequel des éléments à base d'oxydes mixtes entraînent des conditions plus sévères pour une désaf- fectation sûre du réacteur - par exemple une réduction du temps d'intervention en cas de panne -, est-il exact? Dans quelle mesure les exploitants en tiennent-ils compte?
Est-il vrai que le retour de l'exploitation à base d'oxydes mixtes à une autre forme d'exploitation est difficile et coûteux? 11. Les cent éléments d'oxydes mixtes de plutonium brûlés depuis 1978 à Beznau sont-ils retraités ou directement enfouis au dépôt «définitif»?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Keine - Aucun
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die Urheberin verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 1. September 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral
du 1er septembre 1993
In schweizerischen Kernkraftwerken ist bis jetzt rund eine Tonne spaltbaren Plutoniums in Form von Mischoxid-Brenn- stoff (MOX) eingesetzt worden. Auch das aufgrund der heuti- gen Wiederaufarbeitungsverträge gewonnene Plutonium wird auf gleiche Weise verwendet werden.
Gösgen plant, MOX-Elemente ab 1996/97 einzusetzen, Leibstadt gegen die Jahrhundertwende. In Mühleberg ist noch kein Einsatz geplant.
Verträge bestehen mit den meisten MOX-Fabrikationsunter- nehmen. Sie sind privatrechtlicher Art, weshalb die verlangten Angaben nicht gemacht werden können. Es trifft aber nicht zu, dass die NOK AG die Kapazität der britischen MOX-Demon- strationsanlage für die ersten zwei Jahre gekauft hat.
Die Informationen, welche die Schweiz über die Transporte von Plutonium im Ausland erhalten hat, sind aus Sicherungs- gründen (Sabotage, Entwendung) vertraulich und können deshalb nicht mitgeteilt werden.
Es wurden bis heute 151 Kilogramm Plutonium für den Ein- satz im französischen Superphénix, 231 Kilogramm für den Einsatz in deutschen Werken und 12 Kilogramm den briti- schen AECL verkauft.
Oktober 1993 N
2035
Interpellation Bär
Die schweizerischen Kernkraftwerke haben kein Plutonium gekauft.
Der Einsatz von MOX-Elementen in unseren Kernkraftwer ken benötigt keine Modifikation der Anlagen. Es besteht des- halb kein Anlass, für MOX-Elemente ein Verfahren anzuwen- den, das von jenem für die gewöhnlichen Brennelemente ab- weicht (vgl. MOX-Beschwerdeentscheid des Bundesrates zu Beznau I vom 12. September 1979, VPB 44 [1980] Nr. 59, S. 244).
Dieser Preisvergleich stimmt nicht. Siehe Einleitung.
Für den Betrieb eines Kernkraftwerks wird aufgrund der Er- gebnisse von Störfallberechnungen die Minimalanforderung an die Abschaltsicherheit eines Reaktors behördlich festge- legt. Die Einhaltung dieser Anforderungen muss in jedem Be- triebszyklus nachgewiesen werden, unabhängig davon, ob der Reaktor MOX-Elemente enthält oder nicht.
Es trifft nicht zu, dass eine Rückkehr vom MOX-Betrieb zum Betrieb ohne MOX schwierig und aufwendig ist.
Für die 116 bis jetzt in Beznau eingesetzten MOX-Ele- mente ist noch kein Entsorgungsweg festgelegt worden.
Präsident: Die Interpellantin ist von der Antwort des Bundes- rates nicht befriedigt und verlangt Diskussion.
Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
39 Stimmen 53 Stimmen
93.3114
Interpellation Bär Rücknahme von radioaktivem Abfall aus Wiederaufarbeitung Reprise de déchets radioactifs retraités
Wortlaut der Interpellation vom 16. März 1993
Wie viele Brennelemente sind in die Wiederaufarbeitungs- anlage von La Hague (F) geliefert worden?
Wie viele Brennelemente sind zur Wiederaufarbeitung nach Sellafield geliefert worden? In welche Anlage?
Die Schweizer AKW-Betreiber haben mit den Wiederaufar- beitungsanlagen Verträge über 1036 Tonnen Schwermetalle aus abgebrannten Brennelementen abgeschlossen. Trifft es zu, dass davon 200 Tonnen bereits aufgearbeitet worden sind? Wann und wo erfolgte diese Behandlung für welches Atomkraftwerk?
Wie sieht der weitere zeitliche Fahrplan für die nach Verträ- gen verbleibenden Brennelemente aus?
5a. Ab welchem Zeitpunkt erfolgt die Rücklieferung von radio- aktiven Stoffen aus Sellafield bzw. La Hague? In welchen Men- gen? (Kategorien: kurzlebige schwach- und mittelaktive Ab- fälle, langlebige mittelaktive Abfälle, hochaktive Abfälle, wie- deraufgearbeitetes Uran, Plutonium)
5b. Nach welchem Prinzip wird zurückgeliefert (1 zu 1, Aequi- valenzprinzip, «curie swap»)? Kommt es also zu einem Tausch «etwas mehr hochaktive, dafür keine schwachaktiven Abfälle»? 5c. Nach dem Gutachten der HSK zur Spezifikation vergla- ster hochaktiver Wiederaufarbeitungsabfälle der Cogéma (HSK 21/22 vom Juni 1988) sind für La Hague keine Probenah- men am fertigen (konditionierten) Abfallbehälter vorgesehen. Wie und wie oft erfolgt eine wirkungsvolle Qualitätssicherung durch die Schweizer Behörden?
5d. Die deutsche Bundesregierung verlangt für gewisse kon- ditionierte Abfälle zusätzliche Ueberbehälter, weil sie nach An- sicht der deutschen Behörden weder zwischen- noch «end»la- gerfähig sind. Hat auch die Schweiz diese Ueberbehälter ver- langt, und sind weitere Umkonditionierungen nötig, damit die schweizerischen Anforderungen erfüllt werden?
5e. Sind die Angaben nach Artikel 9 Absatz 2 AtG «unvollstän- dig», wenn es der Cogéma nicht gelingt, die von der schweize- rischen Aufsichtsbehörde und der Nagra geforderten zusätzli- chen Informationen über rückzuliefernde Wiederaufarbei- tungsabfälle beizubringen?
5f. Ist der Bundesrat auch der Meinung, dass die Schweizer Behörden und aussenstehende Experten die Konditionierung der Wiederaufarbeiter überwachen müssen?
5g. Werden die schweizerischen Betreiber bzw. der Bund bei Nichterfüllung dieser Forderung die Rücknahme der Abfälle verweigern?
5h. Für Sellafield wurde von Betreiberseite die Firma Lloyds Register of Quality eingesetzt. In La Hague soll das Büro Veri- tas diese Arbeit übernehmen. Ist diese Firma unabhängig von der Cogéma und den schweizerischen AKW-Betreibern?
5i. Ist sichergestellt, dass nur die spezifizierten und deklarier- ten Abfälle von der Schweiz zurückgenommen werden?
5k. Inwieweit hat das neue französische Gesetz über das Verbot der Lagerung ausländischer radioaktiver Abfälle (Nr. 91-13.1 vom 30. Dezember 1991) Einfluss auf die Rücklie- ferungstermine?
Hat dieses Gesetz weitere Auswirkungen auf die Wiederauf- arbeitungsverträge?
Reichen die in unserem Lande geschaffenen bzw. geplan- ten Zwischenlager aus, und werden sie fristgerecht bereitste- hen, auch wenn die Option Wiederaufarbeitung fallengelas- sen wird?
7a. Wie viele abgebrannte Brennelemente befinden sich in den Abklingbecken der einzelnen Atomkraftwerke in der Schweiz?
7b. Sind die Lagerkapazitäten ausreichend?
Texte de l'interpellation du 16 mars 1993
Combien d'éléments combustibles ont été envoyés à l'ins- tallation de retraitement de La Hague (F)?
Combien d'éléments combustibles ont été envoyés pour re- traitement à Sellafield ? Dans quelle installation?
Les exploitants suisses de centrales nucléaires ont passé avec les installations de retraitement des contrats portant sur 1036 tonnes de métaux lourds provenant d'éléments com- bustibles usés. Est-il exact que, sur ce chiffre, 200 tonnes ont déjà été retraitées? Quand et où s'est effectué le retraitement et pour quelles centrales nucléaires?
Quel est le calendrier pour la suite des opérations de retrai- tement des éléments combustibles restants selon les contrats?
5a. A partir de quel moment s'effectuera le retour des substan- ces radioactives de Sellafield et La Hague? En quelle quantité? (catégories: déchets faiblement et moyennement radioactifs de courte durée de vie, déchets moyennement radioactifs de longue durée de vie, déchets hautement radioactifs, uranium retraité, plutonium)
5b. Selon quels principes s'effectuera le retour (1 à 1, principe de l'équivalence, «Curie swap»)? Peut-il arriver qu'il y ait échange (par exemple un peu plus de déchets hautement ra- dioactifs, et en contrepartie, pas de déchets faiblement radio- actifs)?
5c. D'après l'expertise de la DSN concernant la spécification de déchets retraités hautement radioactifs vitrifiés provenant de la Cogéma (DSN 21/22 de juin 1988), il n'est pas prévu de prélever des échantillons sur les conteneurs de déchets conditionnés en provenance de La Hague. Comment et à quelle fréquence les autorités suisses s'assurent-elles effica- cement de la qualité?
5d. Pour certains déchets conditionnés, le gouvernement alle- mand exige en plus un deuxième conteneur de protection parce que, de l'avis des autorités allemandes, ces déchets ne peuvent faire l'objet d'un stockage ni intermédiaire ni final. La Suisse a-t-elle également exigé des seconds conteneurs et ces déchets doivent-ils faire l'objet de conditionnements sup- plémentaires afin de répondre aux exigences suisses?
5e. Les indications mentionnées à l'article 9 alinéa 2 LEA, sont-elles considérées comme «incomplètes> si la Cogema ne parvient pas à fournir les informations supplémentaires, exi-
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Bär Einsatz von Plutonium Interpellation Bär Utilisation de plutonium
In
Dans
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1993
Année
Anno
Band
IV
Volume
Volume
Session
Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
15
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 93.3113
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 08.10.1993 - 08:00
Date
Data
Seite
2034-2035
Page
Pagina
Ref. No
20 023 303
Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.