1993
Interpellation Keller Rudolf
Mitunterzeichner - Cosignataires: Borer Roland, Dreher, Kern, Moser, Steinemann (5)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 1. September 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral du 1er septembre 1993
Die Luftschutztruppen der Armee sind für ihre realistische Ausbildung auch in Zukunft auf zivile Uebungsobjekte ange- wiesen. Das Bundesamt für Luftschutztruppen (Balst) wird deshalb weiterhin Abbruchobjekte, die ihm von Kantonen, Ge- meinden und Privaten angeboten werden, für die Aus- und Weiterbildung seiner Formationen benützen.
Bei der Uebernahme von Abbruchobjekten durch das Balst werden die Rechte und Auflagen vertraglich geregelt. Die Par- teien haben dabei im Rahmen der gesetzlichen Bestimmun- gen weitgehend freie Hand für die Ausgestaltung des Ver- tragsverhältnisses. Dem Bund dürfen einzig keine Kosten er- wachsen.
Bei der Bewertung der Leistungen und Gegenleistungen gilt es zu berücksichtigen, dass die Uebungsobjekte der Truppe für längere Zeit, mindestens für die Dauer eines ganzen Wie- derholungskurses, zur Verfügung stehen müssen.
Die Spreng- und Abbrucharbeiten stellen aus Truppensicht keine eigenständige Leistung dar, für die Preise ausgehandelt werden; sie sind Teil der militärischen Fachausbildung. Das Wegräumen des Schuttes erfolgt mit truppeneigenen Bauma- schinen und Fahrzeugen. Der Gebäudeeigentümer über- nimmt die Kosten für den Treibstoff und stellt zusätzliche Ma- schinen, Lastwagen und Mulden für Sonderabfälle zur Verfü- gung; er bezahlt auch die Deponiegebühren. Bei Sprengun- gen gehen die Kosten für Schutz- und Absperrmassnahmen zu seinen Lasten. Die Auswahl der Privatfirmen, die diese Mit- tel und Dienstleistungen zur Verfügung stellen, ist ebenfalls Sache des Eigentümers.
Erklärung des Interpellanten: befriedigt Déclaration de l'interpellateur: satisfait
93.3229
Interpellation Keller Rudolf Offenere Grenzen und Kriminalität Ouverture des frontières et criminalité
Wortlaut der Interpellation vom 29. April 1993 Ich stelle folgende Fragen an den Bundesrat:
Wie stellt er sich zur Problematik des «kleinen wirtschaftli- chen Grenzverkehrs»?
Tritt er dafür ein, dass dieser wie bisher locker gehandhabt werden kann?
Warum hat er den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern über die sicherheitspolitische Problematik der offenen Gren- zen vor der EWR-Abstimmung nichts gesagt?
Was gedenkt er zur besseren Grenzsicherung gegen das Eindringen solcher Diebesbanden zu tun?
Texte de l'interpellation du 29 avril 1993
Voici les questions que j'adresse au Conseil fédéral:
Quelle est sa position face aux problèmes posés par le «pe- tit trafic économique frontalier»?
Pense-t-il que ce trafic peut continuer à être aussi souple que par le passé?
Pourquoi, au cours de la campagne sur l'EEE, a-t-il caché aux électeurs les problèmes de sécurité posés par l'ouverture des frontières?
Qu'entend-il faire pour renforcer la sécurité aux frontières afin d'empêcher des bandes de voleurs de pénétrer dans no- tre pays?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Keine - Aucun
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Seit dem 1. Januar 1993 werden zwischen den EG-Staaten keine oder nur noch wenige Zollkontrollen an den zwischen- staatlichen Grenzen durchgeführt. Die Schlagbäume bleiben oben. Ersatzweise werden dafür die wirtschaftlichen Zollkon- trollen flächendeckend auf die ganzen Länder ausgedehnt, insbesondere in Deutschland, welches bisher den 15-Kilome- ter-Zollkreis kannte. Die vermeintliche «freie Fahrt» wird nun durch einen noch grösseren Bürokratismus gebremst.
Ein weiterer negativer Aspekt macht sich seit den Lockerun- gen an den Grenzen besonders im süddeutschen Raum be- merkbar. Ganze Diebesbanden ziehen nun quer durch Eu- ropa ungehindert über die offenen Grenzen und «klauen», was nicht niet- und nagelfest ist. Erste Anzeichen machen sich in der Nordwestschweiz im grenznahen Raum bemerkbar. Un- sere Polizei kann oft mangels Kapazität nicht einmal mehr Rapporte aufnehmen.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 1. September 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral
du 1er septembre 1993
1./2. Der Grenzverkehr zwischen der Schweiz und unseren Nachbarstaaten wird durch zahlreiche Abkommen geregelt. Als Beispiel sei hier das Schweizerisch-deutsche Abkommen vom 5. Februar 1958 über den Grenz- und Durchgangsver- kehr (SR 0.631.256.913.61) erwähnt. Der grenzüberschrei- tende Personen-, Waren- und Dienstleistungsverkehr zwi- schen den jeweiligen Zollgrenzzonen ist für diese Regionen oft gleichbedeutend wie die gemeinde- und kantonsüber- schreitenden Beziehungen im Landesinnern. Diese Abkom- men sind daher für beide Seiten von politischer, wirtschaftli- cher und kultureller Tragweite. Der Bundesrat tritt deshalb auch künftig dafür ein, dass der traditionelle und in seinem Ganzen unproblematische Grenzverkehr nicht durch ein- schränkende Massnahmen gehemmt wird, sondern weiterhin im freiheitlichen Sinne der abgeschlossenen Regelungen ge- handhabt wird.
In der Botschaft vom 18. Mai 1992 zur Genehmigung des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum legte der Bundesrat die Auswirkungen des freien Personenverkehrs für unser Land dar. Zentral war seine Aussage, wonach es der freie Personenverkehr den EWR-Angehörigen ermöglicht, sich in allen Staaten der Europäischen Freihandelszone zu gleichen Bedingungen wirtschaftlich zu betätigen oder sich niederzulassen. Der Bundesrat hält jedoch fest, dass der ge- samte Bereich der inneren Sicherheit zu keiner Zeit in den An- wendungsbereich des EWR-Vertragswerkes gefallen ist und dass von einer Aufhebung grenz- oder sicherheitspolizeilicher Massnahmen deshalb nie die Rede war. Ein Ja des Souveräns zum EWR-Vertrag hätte daher auf die Grenzkontrollen grund- sätzlich keinen Einfluss gehabt.
Die zunehmenden Meldungen des eidgenössischen Grenzwachtkorps über Diebesgut, Einbrecherwerkzeug, fal-
Interpellation Camponovo
1994
N
8 octobre 1993
sche Ausweise usw. können auf eine zunehmende Tendenz von verbrecherischen Handlungen unter missbräuchlicher Ausnutzung der Landesgrenze schliessen lassen. Gesicherte Angaben, die auf eine bedeutende qualitative und quantitative Steigerung besonders an der Grenze zu Deutschland hinwei- sen würden, liegen den Fachstellen des Bundes jedoch zur- zeit nicht vor.
Grenzkontrollen gehören in den grossen Bereich der inneren Sicherheit. Sie stellen dabei nur eine - wenn auch eine wich- tige - Massnahme unter zahlreichen anderen dar. Einen per- sonellen Ausbau des ausschliesslich an der Landesgrenze einsetzbaren Grenzwachtkorps zieht der Bundesrat mit Rück- sicht auf die heutigen Rahmenbedingungen nicht in Erwä- gung. Sollten zur Verbesserung der inneren Sicherheit weitere Vorkehrungen nötig sein, so wären sie bei den anderen Instru- menten, beispielsweise aus dem Zuständigkeitsbereich der Kantone, zu treffen. Nur ein gutes Zusammenwirken von auf- einander abgestimmten Massnahmen auf internationaler Ebene, im Inland und an der Grenze vermag die innere Sicher- heit unseres Landes in genügender Weise zu gewährleisten. Die vom Chef des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepar- tementes eingesetzte Expertenkommission «Grenzpolizeili- che Personenkontrollen» (EGPK) schlägt in ihrem kürzlich ver- öffentlichten Bericht denn auch verschiedene Massnahmen vor, damit unser Land nicht zu einer «Insel der Unsicherheit» in Europa wird. Viele der von der EGPK aufgelisteten Massnah- men stehen zurzeit in Prüfung oder sind bereits verwirklicht Der Bundesrat hat zu diesem Bericht in seiner Antwort auf die Interpellation der christlichdemokratischen Fraktion vom 18. Juni 1993 gegen eine Schweiz als «Insel der Unsicherheit» Stellung bezogen.
Schliesslich befindet sich zurzeit bei der Eidgenössischen Zollverwaltung ein Projekt zur Steigerung der Einsatzwirksam- keit des Grenzwachtkorps mitten in der Realisierung. Es sieht unter anderem vor, kleine Dienststellen mit wenig Verkehr auf- zuheben beziehungsweise feste Besetzungszeiten einzu- schränken, um das dadurch gewonnene Personal vollum- fänglich im beweglichen Einsatz dort wirken zu lassen, wo be- sondere Risiken erkannt oder vermutet werden. Die bereits vorliegenden Resultate zeigen ermutigende Ergebnisse.
Erklärung des Interpellanten: befriedigt Déclaration de l'interpellateur: satisfait
93.3251
Interpellation Camponovo Transferzahlungen zwischen Bund und Kantonen
Interpellanza Camponovo Rapporti finanziari fra Confederazione e Cantoni Interpellation Camponovo Transferts financiers entre la Confédération et les cantons
Wortlaut der Interpellation vom 1. Juni 1993
Am Jahreskongress der Schweizerischen Gesellschaft für Ver- waltungswissenschaften, der am 13. und 14. Mai dieses Jah- res in Lugano stattfand, hat Regierungsrat Dick Marty, Präsi- dent der Finanzdirektorenkonferenz, u. a. folgendes erklärt: «Das System der Transferzahlungen des Bundes an die Kan- tone und das geltende System des Finanzausgleichs unter den Kantonen haben sich als kompliziert, kostspielig und ver- hältnismässig unwirksam erwiesen. Die Finanzdirektorenkon- ferenz hat vorgeschlagen, ein Modell zu prüfen, das eine neue Kompetenzverteilung zwischen Bund und Kantonen sowie ein Finanzausgleichssystem vorsieht, das auf pauschalen Trans-
ferzahlungen beruht. Ein solches System wäre einfacher und transparenter. Man würde sich dadurch wieder mehr dem Grundsatz 'Wer entscheidet, zahlt' nähern und damit dem Sinn für Verantwortung wieder einen höheren Stellenwert bei- messen.»
Der Bundesrat wird ersucht, die folgenden Fragen zu beant- worten:
Gedenkt er, die von der Finanzdirektorenkonferenz formu- lierten Vorschläge so bald als möglich zu prüfen?
Gedenkt er, wie die Konferenz es vorschlägt, bald eine Ex- pertenkommission mit der näheren Erörterung der Frage zu betrauen?
Wenn ja, welchen Zeitplan sieht er vor?
Testo dell'interpellanza del 1º giugno 1993
In occasione del Congresso annuale della Società svizzera delle scienze amministrative tenutosi a Lugano il 13 e 14 mag- gio ultimo scorso, il Presidente della Conferenza dei direttori cantonali delle finanze, on. Dick Marty, ha detto, tra altro: «Le système de transferts financiers de la Confédération aux can- tons et le modèle actuellement en vigueur de péréquation fi- nancière entre les cantons se sont révélés compliqués, coû- teux et relativement inefficaces. La Conférence des directeurs cantonaux des finances a proposé l'étude d'un modèle qui prévoit une nouvelle répartition des compétences entre Confé- dération et cantons, ainsi qu'un système de péréquation basé sur des transferts forfaitaires. Ce système aurait l'avantage de la simplicité et de la transparence. En s'approchant un peu plus du sain principe de 'qui décide paie', on revalorise ainsi le sens de la responsabilité.»
Chiedo al Consiglio federale:
se intende esaminare sollecitamente le proposte formulate dalla Conferenza;
se intende accogliere la proposta della Conferenza di isti- tuire presto una commissione di esperti per l'approfondi- mento del tema;
in caso affermativo, con quali tempi intende procedere.
Texte de l'interpellation du 1er juin 1993
A l'occasion du congrès annuel de la Société suisse des scien- ces administratives, qui s'est tenu à Lugano les 13 et 14 mai derniers, le président de la Conférence des directeurs canto- naux des finances, M. Dick Marty, le conseiller d'Etat a notam- ment déclaré ce qui suit: «Le système de transferts financiers de la Confédération aux cantons et le modèle actuellement en vigueur de péréquation financière entre les cantons se sont ré- vélés compliqués, coûteux et relativement inefficaces. La Conférence des directeurs cantonaux des finances a proposé l'étude d'un modèle qui prévoit une nouvelle répartition des compétences entre Confédération et cantons, ainsi qu'un sys- tème de péréquation basé sur des transferts forfaitaires. Ce système aurait l'avantage de la simplicité et de la transpa- rence. En s'approchant un peu plus du sain principe de 'qui décide paie', on revalorise ainsi le sens de la responsabilité.» Le Conseil fédéral est prié de répondre aux questions sui- vantes:
A-t-il l'intention d'examiner avec attention les propositions formulées par la Conférence?
Entend-il accueillir favorablement la proposition de la Conférence d'instituer prochainement une commission d'ex- perts chargée d'approfondir cette question?
Dans l'affirmative, quel calendrier compte-t-il suivre?
Mitunterzeichner - Cofirmatari - Cosignataires: Keine - Nes- suno - Aucun
Schriftliche Begründung - Motivazione scritta - Développement par écrit
L'autore rinuncia alla motivazione e desidera una risposta scritta.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Keller Rudolf Offenere Grenzen und Kriminalität Interpellation Keller Rudolf Ouverture des frontières et criminalité
In
Dans
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1993
Année
Anno
Band
IV
Volume
Volume
Session
Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
15
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 93.3229
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 08.10.1993 - 08:00
Date
Data
Seite
1993-1994
Page
Pagina
Ref. No
20 023 270
Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.