Interpellation Camponovo
1436
N
18 juin 1993
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 12. Mai 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral du 12 mai 1993
1.1 In der Zeitspanne von April 1992 bis Februar 1993 ist die Zahl der Rekurse im Verhältnis zu den erstinstanzlichen Ent- scheiden gegenüber der Vorperiode von April 1991 bis Fe- bruar 1992 um rund 6 Prozent angestiegen.
1.2 Bei Berücksichtigung aller formeller und materieller Erledi- gungen, d. h. aller Beschwerden, die seit dem 1. April 1992 eingegangen sind, ergibt sich eine durchschnittliche Verfah- rensdauer von siebzig Tagen. Diese Zahl ist allerdings wenig aussagekräftig, da ja die längstmögliche Hängigkeit elf Mo- nate (1. April 1992 bis 28. Februar 1993) betrug. Um ein aussa- gekräftiges Bild der durchschnittlichen Verfahrensdauer zu er- halten, müsste mindestens ein Zeitraum von drei Jahren be- rücksichtigt werden.
1.3 Ende Dezember 1992 betrugen die Pendenzen 9261 Be- schwerden und Revisionen betreffend 16 039 Personen. Die Zahl der hängigen Beschwerden und Revisionen nahm zwi- schen April und Dezember 1992 um rund 50 Prozent zu (vom EJPD übernommene Pendenzen: 6248 Verfahren = 100 Pro- zent). In den Monaten Januar und Februar 1993 konnte die Zahl der hängigen Beschwerde- und Revisionsverfahren ge- senkt werden (Januar: 8997; Februar 8847).
1.4 Mit ihrer Einsetzung auf den 1. April 1992 musste die ARK 6248 hängige Beschwerden und Revisionen vom Beschwer- dedienst EJPD übernehmen. Zudem war bis September 1992 eine hohe Zahl von Neueingängen zu verzeichnen. Wohl hat die ARK am 1. April 1992 offiziell die Arbeit aufgenommen, ist aber weitgehend erst im September 1992 operationell gewor- den. Dazu kommt, dass bei einer völlig neuen Organisations- einheit, an einem neuen Standort, mit völlig neuen Abläufen und mit neuen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, eine Einarbei- tungs- und Konsolidierungsphase eingerechnet werden muss. Da seit Januar 1993 die Ausgänge höher sind als die Eingänge, ist gegenwärtig kein Rückstau im Rekursverfahren festzustellen.
1.5 Soweit Grundsatzentscheide oder Aenderungen der Pra- xis der ARK anstehen, können solche nur über die Präsiden- tenkonferenz (bestehend aus dem Kommissionspräsidenten und den Kammerpräsidenten) beschlossen werden. Bis jetzt hat die ARK drei Grundsatzentscheide getroffen. Was die Ko- ordination der übrigen Praxis anbelangt, so wird diese ge- mäss Auskunft der ARK über die in der Verordnung vorgese- henen Entscheidgremien, d. h. innerhalb der Kammern und über jene hinweg in der Präsidentenkonferenz gewährleistet, wobei kleinere Abweichungen nie ganz ausgeschlossen wer- den können. Dabei ist anzufügen, dass die Richterinnen und Richter der ARK bei ihren Entscheiden unabhängig und nur dem Gesetz unterworfen sind, und die Aufhebung richterlicher Entscheide im Rahmen der administrativen Aufsicht über die ARK (Bundesrat/Bundesversammlung) unzulässig ist (Art. 2 und 17 Abs. 3 VOARK).
2.1 Als verwaltungsunabhängige Instanz muss die ARK be- züglich der Lage in den Herkunftsländern selbständige Beur- teilungen vornehmen. Dabei steht ihr unter anderem auch die Dokumentation der Vorinstanz zur Verfügung (vgl. Art. 21 Abs. 2 VOARK).
2.2 Neben der Benutzung der Dokumentation des BFF führt die ARK gemäss Artikel 21 Absatz 1 Voark eine eigene Doku- mentation und Bibliothek. Laut eigenen Angaben steht sie zu- dem im Kontakt mit weiteren Institutionen und kann diese an- fragen oder mit Gutachten beauftragen (z. B. EDA, UNHCR, ai, Max-Planck- oder Orient-Institut, SFH, Caritas, Heks, Centre Social Protestant, Helsinki Watch, IKRK, ZDWF, Ofpra). Zu- dem hat sie Zugriff auf das Informations- und Dokumentations- system Asyl (frühestens im Herbst 1993).
Nur in beschränktem Umfang steht ihr das Fachwissen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der BFF-Dokumentation zur Verfügung, da diese als Teil der Vorinstanz nicht an einem Be- schwerdeentscheid mitwirken dürfen.
2.3 Die eigenständige Lagebeurteilung gehört zur Ueberprü- fungspflicht der ARK Als Bestandteil des Verfahrens kann sie deshalb nicht als Verzögerung bezeichnet werden. Eine um-
fangreiche Lagebeurteilung (mit Gutachtensaufträgen an ex- terne Fachleute) hat bis jetzt laut Auskunft der ARK nicht statt- gefunden.
Im übrigen verweist der Bundesrat auch auf den Geschäftsbe- richt der ARK, den er der Bundesversammlung zugestellt hat.
Präsident: Die Interpellantin ist von der Antwort des Bundes- rates teilweise befriedigt und verlangt Diskussion.
Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
offensichtliche Mehrheit Minderheit
93.3032
Interpellation Camponovo Ladenschlusszeiten Interpellanza Camponovo Orario di apertura dei negozi Interpellation Camponovo Heures de fermeture des magasins
Wortlaut der Interpellation vom 1. März 1993
Die Kartellkommission und der Preisüberwacher haben eine Untersuchung über die Ladenöffnungszeiten vorgelegt (Veröf- fentlichungen der Schweizerischen Kartellkommission und des Preisüberwachers, Heft 1992/2), die in folgende Empfeh- lungen mündet:
Weder Arbeitnehmerinteressen noch externe Effekte noch die wünschenswerte Versorgungsdichte vermögen eine Be- schränkung der Ladenöffnungszeiten zu begründen. Die Kar- tellkommission empfiehlt deshalb gemäss Artikel 25 Kartellge- setz:
die bestehenden Ladenschlussvorschriften sind aufzu- heben;
die gerechtfertigten Interessen, welche heute mittels Laden- schlussvorschriften geschützt werden, sind in speziellen Ge- setzen zu regeln;
Arbeitsgesetz und Gesetze, welche die Bereiche Verkehr, Lärm und Ruhestörungen betreffen, sind wettbewerbsneutral auszugestalten.
Die Kartellkommission fordert Bund, Kantone und Gemeinden auf, ihre Vorschriften entsprechend zu ändern.
Ich frage den Bundesrat, ob er diesen Empfehlungen Folge leisten will und, wenn ja, welche Oeffnungszeiten und welche praktische Ausgestaltung er befürwortet?
Testo dell'interpellanza del 1º marzo 1993
La Commissione dei cartelli e il preposto alla sorveglianza dei prezzi hanno formulato un rapporto (fascicolo no. 2 del 1992) sugli orari di apertura dei negozi che conclude con le seguenti raccomandazioni:
Né gli interessi dei lavoratori né gli effetti esterni e nemmeno la densità auspicabile di approvvigionamento possono motivare una limitazione degli orari di apertura dei negozi. Giusta l'arti- colo 25 della legge sui cartelli, la Commissione dei cartelli rac- comanda pertanto:
le prescrizioni esistenti in merito alla chiusura dei negozi de- vono essere abrogate;
gli interessi giustificati, che devono attualmente essere pro- tetti mediante prescrizioni sulla chiusura dei negozi, devono essere disciplinati in leggi speciali;
la legge sul lavoro e le leggi che riguardano il traffico, il ru- more e la perturbazione della quiete pubblica devono essere
Verschoben - Renvoyé
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Interpellation Pinr
elaborate in modo che i loro effetti siano neutrali dal profilo della concorrenza.
La Commissione dei cartelli invita la Confederazione, i Cantoni e i Comuni a modificare in modo conforme le loro prescrizioni. Chiedo al Consiglio federale se intende dar seguito a queste raccomandazioni e in caso affermativo con quali tempi e con quali modalità.
Texte de l'interpellation du 1er mars 1993
La Commission des cartels et le préposé à la surveillance des prix ont rédigé un rapport (fascicule no 2 de 1992) sur les ho- raires d'ouverture des magasins, qui conclut par les recom- mandations suivantes:
Ni les intérêts des travailleurs, ni les effets externes ou encore la densité désirée de l'approvisionnement ne peuvent servir à justifier une limitation des heures d'ouverture des magasins. Au sens de l'article 25 Loi des cartels, la Commission des car- tels formule donc les recommandations suivantes:
il faut supprimer les prescriptions en matière d'heures de fer- meture des magasins;
la protection d'intérêts justifiés, actuellement contenue dans les normes relatives à l'ouverture des commerces, doit être ré- glée par des lois spéciales;
la loi sur le travail, ainsi que toute loi concernant le trafic, le bruit et le tapage nocturne, doivent être aménagées de ma- nière à ce que leurs effets soient neutres du point de vue de la concurrence.
La Commission des cartels demande à la Confédération, aux cantons et aux communes de modifier leurs prescriptions en conséquence.
Je prie le Conseil fédéral de dire s'il entend donner suite à ces recommandations et dans l'affirmative d'indiquer le calendrier et les modalités qu'il compte adopter.
Mitunterzeichner - Cofirmatari - Cosignataires: Keine - Nes- suno - Aucun
Schriftliche Begründung - Motivazione scritta - Développement par écrit
L'autore rinuncia alla motivazione e desidera una risposta scritta.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 12. Mai 1993 Risposta scritta del Consiglio federale del 12 maggio 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral
du 12 mai 1993
L'orario di chiusura è disciplinato dai Cantoni che, secondo l'articolo 31 capoverso 2 della Costituzione federale, possono emanare disposizioni sull'esercizio del commercio e dell'in- dustria che non derogano al principio della libertà di commer- cio e d'industria, nella misura in cui la Costituzione e la legisla- zione fondata sulla stessa non dispongano altrimenti.
Nel suo rapporto sul programma di legislatura 1991-1995, il Consiglio federale ha indicato che occorre creare e mantenere una situazione concorrenziale (FF 1992 III 162). A tale propo- sito anche la liberalizzazione delle prescrizioni relative alla chiusura dei negozi può essere un contributo, dato che gli orari di apertura rappresentano un fattore importante della concorrenza.
Il Consiglio federale rammenta, d'altronde, che la Commis- sione dei cartelli ha emanato raccomandazioni concernenti gli orari d'apertura dei negozi.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundesra- tes nicht befriedigt und verlangt Diskussion.
Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
Verschoben - Renvoyé
offensichtliche Mehrheit Minderheit
93.3045
Interpellation Pini Arbeitsmöglichkeit für politische Flüchtlinge Interpellanza Pini Possibilità lavorativa per i rifugiati politici Interpellation Pini Réfugiés politiques. Possibilités de travail
Wortlaut der Interpellation vom 1. März 1993
Angesichts der Voraussetzungen, die der Bundesrat für die Aufnahme der politischen Flüchtlinge in der Schweiz aufrecht- zuerhalten gedenkt, ersuche ich die Landesregierung, politi- schen Flüchtlingen eine Erwerbstätigkeit in den ersten sechs Monaten ihres Aufenthaltes zu gestatten.
Damit würde das für die ersten sechs Monate geltende Arbeits- verbot aufgehoben. Die einheimische Bevölkerung kann für dieses Verbot sicher kein Verständnis aufbringen.
Testo dell'interpellanza del 1º marzo 1993
Facendo riferimento alle condizioni che il Consiglio federale intende ribadire per l'accoglimento in Svizzera di rifugiati poli- tici, l'interpellante chiede al Governo federale di permettere al rifugiato politico, che può esercitare un'attività lavorativa, di poterla applicare entro i sei mesi attualmente fissati per il suo permesso di residenza in Svizzera.
Ciò significherebbe derogare all'attuale condizione che vieta al rifugiato politico per sei mesi di svolgere un'attività lavora- tiva. Questa norma psicologicamente non può certo incon- trare il favore della nostra popolazione residente.
Texte de l'interpellation du 1er mars 1993
Se référant aux dispositions sur l'accueil des réfugiés politi- ques, que le Conseil fédéral a l'intention de reconduire, l'inter- pellateur demande au Gouvernement fédéral de faire en sorte que les réfugiés politiques susceptibles d'exercer une activité puissent le faire pendant les six mois actuellement fixés pour leur autorisation de séjour en Suisse.
Il s'agirait, en d'autres termes, de déroger à la règle actuelle qui interdit au réfugié politique bénéficiant d'un permis de six mois d'exercer une activité. Cette règle n'est guère comprise par notre population résidente.
Mitunterzeichner - Cofirmatari - Cosignataires: Keine - Nes- suno - Aucun
Schriftliche Begründung - Motivazione scritta - Développement par écrit L'autore rinuncia alla motivazione e desidera una risposta scritta.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 12. Mai 1993 Risposta scritta del Consiglio federale del 12 maggio 1993 Rapport écrit du Conseil fédéral
du 12 mai 1993
Il divieto di lavorare ai sensi dell'articolo 21 capoverso 1 della legge sull'asilo è applicabile unicamente ai richiedenti l'asilo. A partire dal momento in cui questi sono riconosciuti quali rifu- giati, questo divieto di lavorare decade. In alcuni casi eccezio- nali, i richiedenti entrano in Svizzera già con lo statuto di rifu- giati - sono per esempio i prigionieri di guerra bosniaci presi a carico e sistemati dall'Alto Commissariato delle Nazioni Unite per i rifugiati - ed esulano quindi dall'ambito di questo divieto. Lo stesso vale per le ammissioni provvisorie che non sotto- stanno alla procedura d'asilo.
La situazione in Svizzera sul piano dell'asilo è tale che una gran parte dei richiedenti l'asilo è di fatto costituita da richie- denti spinti in primo luogo da motivi economici o che tentano
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
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Jahr
1993
Année
Anno
Band
III
Volume
Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
16
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 93.3032
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 18.06.1993 - 08:00
Date
Data
Seite
1436-1437
Page
Pagina
Ref. No
20 022 934
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