Asylpolitik. Initiativen und persönliche Vorstösse
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Hess Peter, Hollenstein, Hubacher, Iten Joseph, Jaeger, Jäggi Paul, Jeanprêtre, Jöri, Keller Anton, Kühne, Leemann, Leu Jo- sef, Leuba, Leuenberger Ernst, Loeb François, Mamie, Marti Werner, Matthey, Maurer, Meier Hans, Meier Samuel, Misteli, Mühlemann, Nabholz, Narbel, Nebiker, Oehler, Perey, Phili- pona, Raggenbass, Rebeaud, Rechsteiner, Robert, Rohrbas- ser, Ruckstuhl, Ruffy, Rutishauser, Rychen, Sandoz, Savary, Scheidegger, Scheurer Rémy, Schmid Peter, Schmied Walter, Schnider, Segmüller, Seiler Hanspeter, Spielmann, Spoerry, Steiger, Steinegger, Strahm Rudolf, Stucky, Theubet, Thür, Tschäppät Alexander, Tschopp, Tschuppert Karl, Vetterli, Voll- mer, Wanner, Weder Hansjürg, Wick, Wittenwiler, Wyss Paul, Wyss William, Zbinden, Ziegler Jean, Zisyadis, Zölch, Züger, Zwahlen, Zwygart (138)
Für den Antrag Moser/SD/Lega-Fraktion stimmen: Votent pour la proposition Moser/groupe DS/Ligue:
Allenspach, Bischof, Borer Roland, Bortoluzzi, Dreher, Etique, Giezendanner, Jenni Peter, Kern, Maspoli, Miesch, Moser, Neuenschwander, Reimann Maximilian, Scherrer Jürg, Stal- der, Stamm Luzi, Steffen, Steinemann (19)
Der Stimme enthalten sich - S'abstiennent: Fischer-Hägglingen, Frey Walter, Gysin, Mauch Rolf (4)
Abwesend sind - Sont absents:
Aubry, Bäumlin, Blatter, Blocher, Bodenmann, Borradori, Büh- rer Gerold, Caccia, Daepp, Deiss, Dormann, Ducret, Fasel, Fischer-Seengen, Frey Claude, Friderici Charles, Giger, Hild- brand, Keller Rudolf, Ledergerber, Leuenberger Moritz, Mae- der, Maitre, Mauch Ursula, Meyer Theo, Müller, Pidoux, Pini, Poncet, Ruf, Scherrer Werner, Schmidhalter, Schwab, Seiler Rolf, Sieber, Stamm Judith, Suter, Wiederkehr (38)
Frau Haller, Vizepräsidentin, stimmt nicht Mme Haller, vice-présidente, ne vote pas
Ziff./Ch. 5
Abstimmung - Vote Für den Antrag der Mehrheit Für den Antrag der Minderheit
108 Stimmen 34 Stimmen
92.303
Standesinitiative Thurgau Gegen den Missbrauch des Asylrechts Initiative du canton de Thurgovie Contre l'abus du droit d'asile
Beschluss des Ständerates vom 10. Dezember 1992 Décision du Conseil des Etats du 10 décembre 1992
Wortlaut der Initiative vom 3. Juli 1992 Der Bund wird aufgefordert:
die Grenzkontrollen zu verstärken, um die illegale Einreise von Asylbewerbern zu erschweren und die Tätigkeit von Schlepperorganisationen zu unterbinden;
eine Quotenregelung für Asylanten einzuführen.
Texte de l'initiative du 3 juillet 1992 La Confédération est invitée à:
intensifier les contrôles afin de rendre plus difficile l'entrée il- légale des requérants d'asile et d'enrayer l'activité des filières de passeurs;
établir un système de quotas pour les personnes cherchant asile.
Frau Zölch unterbreitet im Namen der Kommission den fol- genden schriftlichen Bericht:
Der Grosse Rat des Kantons Thurgau beschloss am 17. Juni 1992, der Bundesversammlung eine Standesinitiative gegen den Missbrauch des Asylrechts zu überweisen.
Initiiert wurde dieses Begehren durch eine Volksinitiative, die am 26. Juni 1991 bei der Staatskanzlei des Kantons Thurgau eingereicht wurde. Zusätzlich zu den oben genannten Punk- ten forderte die Volksinitiative die Ausschaffung aller illegal eingereisten Asylbewerber. Der Grosse Rat beschloss, die Standesinitiative ohne diesen Punkt zu überweisen, da diese Forderung gegen das Völkerrecht verstösst.
Der Ständerat hat am 10. Dezember 1992 beschlossen, Zif- fer 1 der Standesinitiative Folge zu geben, ihn aber als erfüllt abzuschreiben und Ziffer 2 keine Folge zu geben.
Die Staatspolitische Kommission, welcher dieses Geschäft zur Vorberatung zugewiesen wurde, prüfte die Standesinitiative am 22. Januar 1993 in Anwesenheit von Vertretern des Bun- desamtes für Flüchtlinge. Grundsätzlich hielt die Kommission fest, dass sich die Lage im Asylbereich seit der Einreichung der Volksinitiative am 26. Juni 1991 entspannt hat. Die Zahl der Asylgesuche ist im Vergleich zum Vorjahr gesunken. Die Kom- mission ist sich bewusst, dass sich die Situation jederzeit wie- der verschärfen kann und die Forderung nach Verstärkung der Grenzkontrollen wieder an Aktualität gewinnen könnte. Die Kommission kam zu folgenden Schlüssen: Zu Ziffer 1:
Der Bundesrat setzte am 13. Februar 1991 eine interdeparte- mentale Arbeitsgruppe «für ausserordentliche Lagen im Flüchtlingsbereich» ein und gab ihr unter anderem den Auf- trag, die rechtlichen, personellen, organisatorischen und tech- nischen Voraussetzungen zu schaffen, um für den Fall ausser- ordentlicher Lagen im Flüchtlingsbereich so rasch als möglich das Grenzwachtkorps und die Grenzpolizeiorgane durch For- mationen der Armee verstärken oder Truppen für die Betreu- ung einsetzen zu können.
Der Bundesrat behandelte den Bericht der Arbeitsgruppe und liess die notwendigen rechtlichen Grundlagen ausarbeiten. So sollen unter anderem im Rahmen des neuen Militärorgani- sationsgesetzes die rechtlichen Grundlagen für einen subsi- diären Einsatz von Truppen zugunsten des Grenzwachtkorps oder zur Betreuung schutzsuchender Ausländer geschaffen werden. Für den Fall, dass sich die Lage im Asylbereich kurz- fristig verschärft, besteht bereits auf Verordnungsebene ein ausgearbeiteter Entwurf, der vom Bundesrat zur Kenntnis ge- nommen, aber noch nicht verabschiedet worden ist. Die aktu- elle Lage erfordert keine Verstärkung der Grenzkontrollen.
Die Kommissionsmehrheit beantragt, dieser Forderung Folge zu geben, sie aber als erfüllt abzuschreiben, da der Bundesrat die notwendigen Massnahmen bereits getroffen hat, um innert kürzester Frist auf einen Zustrom von Asylsuchenden reagie- ren zu können. Zudem weist sie darauf hin, dass der National- rat bereits am 2. Juni 1992 beschlossen hat, ein Postulat zu überweisen, das den Bundesrat auffordert, zur besseren Si- cherung unserer Grenzen folgende Möglichkeiten zu prüfen: 1. die Verstärkung des Grenzwachtkorps;
die Verstärkung der Grenzwacht durch Einsatz von Truppen als Notmassnahme;
technische Ueberwachungseinrichtungen gegen illegalen Grenzübertritt.
Die Minderheit der Kommission beantragt, der Forderung nach Verstärkung der Grenzkontrollen ebenfalls Folge zu ge- ben und gleichzeitig ein Postulat zu überweisen, denn mit den bereits getroffenen Massnahmen werde die Forderung des Kantons Thurgau noch nicht erfüllt Vor allem fordert die Min- derheit Massnahmen gegen die Tätigkeit der Schlepperorga- nisationen und zudem eine entsprechende Vorbereitung im Hinblick auf einen Zustrom von Asylsuchenden. Zu Ziffer 2:
Die Kommission beantragt, die Einführung einer Quotenrege- lung abzulehnen. Die Quotenregelung hätte zur Folge, dass die erste Person, die nach Erschöpfung der Quote um Asyl nachsucht, sofort und ohne Verfahren ausgeschafft werden müsste. Diese Person könnte ja tatsächlich politisch verfolgt und bei einer Rückschaffung an Leib und Leben gefährdet sein. Ihre Ausweisung würde gegen das völkerrechtliche Prin- zip des Non-refoulement verstossen, das sowohl in der Flücht-
. .
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lingskonvention als auch in der Europäischen Menschen- rechtskonvention geregelt ist.
Die Kommission ist der Ansicht, dass die Einführung einer Quotenregelung im Rahmen einer alle Ausländerkategorien einschliessenden Migrationspolitik überprüft werden müsste.
Mme Zölch présente au nom de la commission le rapport écrit suivant:
Le Grand Conseil de Thurgovie a décidé, le 17 juin 1992, de transmettre à l'Assemblée fédérale une initiative cantonale contre les abus du droit d'asile.
Cette requête a été suscitée par une initiative populaire dépo- sée le 26 juin 1991 à la Chancellerie d'Etat du canton de Thur- govie. En plus des points mentionnés ci-dessus, l'initiative po- pulaire demandait l'expulsion de tous les requérants d'asile entrés illégalement en Suisse. Le Grand Conseil a décidé de transmettre l'initiative sauf en ce qui concerne ce dernier point, qui est contraire au droit international.
Le Conseil des Etats a décidé, le 10 décembre 1992, de don- ner suite au chiffre 1 de l'initiative, mais de le classer et de ne pas donner suite au chiffre 2. La Commission des institutions politiques, saisie de cet objet, a examiné l'initiative le 22 janvier 1993 en présence de représentants de l'Office fédéral des réfu- giés. La commission a constaté que, fondamentalement, la si- tuation dans le domaine de l'asile s'était détendue depuis le dépôt de l'initiative, le 26 juin 1991. Le nombre des demandes d'asile a baissé par rapport à l'année précédente. La commis- sion est consciente que la situation peut s'aggraver à tout mo- ment et que les besoins d'un contrôle accru aux frontières peut redevenir d'actualité.
La commission est parvenue aux conclusions suivantes: Ad chiffre 1:
Le 13 février 1991, le Conseil fédéral a institué un groupe de travail interdépartemental, «Situations extraordinaires dans le domaine des réfugiés», qu'il a entre autres choses chargé de créer les conditions nécessaires d'ordre juridique, personnel, organisationnel et technique aux fins de renforcer aussi rapi- dement que possible, par des formations militaires, le corps des gardes-frontière et les organes de la police des frontières en cas de situation extraordinaire dans le domaine des réfu- giés. Le Conseil fédéral a traité le rapport du groupe de travail et fait élaborer les bases juridiques nécessaires. C'est ainsi que, notamment dans le cadre de la nouvelle loi sur l'organisa- tion militaire, les bases juridiques nécessaires à l'engagement subsidiaire de troupes pour renforcer le corps des gardes- frontière ou la prise en charge d'étrangers cherchant protec- tion seront créées. Au cas où la situation dans le domaine de l'asile devrait s'aggraver à court terme, un projet d'ordon- nance existe déjà, projet dont le Conseil fédéral a pris acte, mais qu'il n'a pas encore adopté. La situation actuelle ne re- quiert pas un renforcement des contrôles à la frontière.
La majorité de la commission propose de donner suite à cette requête, mais de la classer du moment que le Conseil fédéral a déjà pris les mesures nécessaires de manière à réagir dans de brefs délais en cas d'afflux de réfugiés. La commission signale en outre que le Conseil national a déjà décidé, le 2 juin 1992, de transmettre au Conseil fédéral un postulat l'invitant à exami- ner les possibilités suivantes pour une meilleure surveillance de nos frontières:
le renforcement du corps des gardes-frontière;
le renforcement de la surveillance à la frontière par l'enga- gement de troupes à titre de mesure d'urgence;
des dispositifs techniques de surveillance contre un pas- sage illégal de la frontière.
La minorité de la commission propose également de donner suite à la demande relative à l'intensification des contrôles à la frontière et de transmettre un postulat, les mesures déjà adop- tées ne satisfaisant pas encore aux exigences du canton de Thurgovie. La minorité de la commission souhaite avant tout que des mesures soient prises pour enrayer les activités des fi- lières de passeurs et pour faire face de manière adéquate à un éventuel afflux de requérants d'asile.
Ad chiffre 2:
A l'unanimité, la commission propose de rejeter le système
des quotas. Ce système aurait pour conséquence que la pre- mière personne à dépasser les quotas et qui demande asile doit être expulsée immédiatement et sans procédure. Or, il est effectivement possible que cette personne fasse l'objet de poursuites politiques et que sa vie et son intégrité corporelle soient menacées en cas de refoulement. Une telle mesure d'expulsion violerait le principe de non-refoulement, principe de droit international, réglé aussi bien dans la convention sur les réfugiés que dans la Convention européenne des droits de l'homme. La commission est d'avis qu'il y a lieu d'examiner la question de savoir si, dans le cadre d'une politique de migra- tion incluant toutes les catégories d'étrangers, il est opportun d'introduire un système de quotas.
Antrag der Kommission Ziff. 1
Die Kommission beantragt mit 16 zu 6 Stimmen: Mehrheit
Der Initiative Folge geben, sie aber als erfüllt abschreiben. Minderheit
(Seiler Hanspeter, Aubry, Borer Roland, Fischer-Seengen, Schmied Walter, Steffen)
Der Initiative Folge geben und ein gleichlautendes Postulat überweisen.
Ziff. 2
Die Kommission beantragt mit 17 zu 5 Stimmen, der Initiative keine Folge zu geben.
Antrag Steinemann Der Initiative Folge geben
Schriftliche Begründung
Auch die Standesinitiative Thurgau befasst sich mit den Miss- ständen im Asylwesen, die heute keineswegs durch einzelne eingeleitete Massnahmen als erfüllt zu betrachten sind.
Die Lage im Asylbereich hat sich keineswegs längerfristig ent- spannt, wie es die Mehrheit der Staatspolitischen Kommission und der Bundesrat glauben machen wollen. Gerade durch die neueste Entwicklung in Deutschland werden wir uns wieder mit vermehrter illegaler Einwanderung befassen müssen.
Ich beantrage, der Standesinitiative Thurgau in vollem Wort- laut Folge zu geben, auch wenn der Bundesrat im Februar 1991 mit dem Einsatz der interdepartementalen Arbeits- gruppe für ausserordentliche Lagen im Flüchtlingsbereich ei- nen Schritt in die richtige Richtung getan hat. Konkrete Resul- tate mit Handlungsauftrag sind vom Bundesrat noch nicht ver- abschiedet worden. Mit den bis heute getroffenen Massnah- men werden die Forderungen des Kantons Thurgau jedenfalls nicht vollständig erfüllt.
Schlepperorganisationen sind nach wie vor sehr aktiv und Vor- bereitungen im Hinblick auf einen erneut zu erwartenden Zu- strom von Asylsuchenden müssen konkretisiert werden.
Auch die in Ziffer 2 verlangte Einführung einer Quotenrege- lung ist gutzuheissen, da unsere Schweiz - trotz bundesrätli- chen Versprechen - schon heute einen zu hohen Ausländer- anteil aufweist. In Anbetracht der Entwicklung der ausländi- schen Wohnbevölkerung ist es legitim und höchste Zeit, sich mit dieser Frage konkret zu befassen.
Die Schweiz ist eines der dichtest bevölkerten Länder der westlichen Welt und schon deshalb kein Einwanderungsland. Ein Ausländeranteil von 18 Prozent, wie wir ihn heute bereits haben, ist nun wirklich genug. Im Kanton Genf beispielsweise sind mehr als ein Drittel Ausländer! Und zu den Ausländeran- teilen der Wohnbevölkerung kommen noch Zehntausende, die sich in der Schweiz aufhalten, aber in der offiziellen Stati- stik nicht erwähnt sind.
Die Zukunft lässt keine Aenderung erwarten, erhöhen sich doch die Ausländerzahlen in zunehmendem Tempo auch durch Geburtenüberschuss. So vergrössert sich die ausländi- sche Wohnbevölkerung durch Nettoeinwanderung und Ge- burtenüberschuss jedes Jahr um eine Stadt der Grösse von Luzern, oder innert der letzten fünf Jahre also um eine Erhö- hung von über 280 000 Personen, was etwa der Bevölkerung des Kantons Tessin entspricht
Immer grösser wird auch der Anteil von Personen aus Ländern
Asylpolitik. Initiativen und persönliche Vorstösse
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anderer Kulturkreise, deren Integration äusserst problema- tisch ist und früher oder später zu sozialen Spannungen füh- ren muss. Insbesondere auch die Belastung der Bevölkerung durch zu viele kriminelle Asylbewerber muss endlich reduziert werden!
Der Deutsche Bundestag hat am 26. Mai 1993 das neue Asyl- recht gebilligt und sein Einverständnis zu einer Begrenzung der Zuwanderung gegeben. Die restriktiven Neuregelungen treten auf den 1. Juli in Kraft. Deutschland hat demonstriert, dass eine weitere ungebremste Masseneinwanderung von Wirtschaftsflüchtlingen in Zentraleuropa nicht mehr zu verkraf- ten ist, und wird seine Grenzen für die wachsenden weltweiten Wanderungsbewegungen möglichst undurchlässig machen. Bis zu 80 Prozent der Ankömmlinge können nach neuem Recht keinen Asylantrag mehr stellen. Wer durch einen Nach- barstaat einreist, wird dahin zurückgeschickt.
Wegen der Restriktionen in Deutschland werden nun vermehrt wieder viele Asylbewerber bei uns auftreten. Allein in den er- sten vier Monaten dieses Jahres sind über 160 000 Asylbewer- ber in Deutschland eingereist .... Der Druck auf die Schweiz wird enorm zunehmen.
Diese Asylfragen sind wichtige Aspekte der Bevölkerungs- politik! Ich bitte Sie, dieser Initiative Folge zu geben.
Proposition de la commission
Ch. 1
La commission propose, par 16 voix contre 6:
Majorité
Donner suite à l'initiative, mais la classer.
Minorité
(Seiler Hanspeter, Aubry, Borer Roland, Fischer-Seengen, Schmied Walter, Steffen)
Donner suite à l'initiative et transmettre un postulat de même teneur.
Ch. 2
La commission propose, par 17 voix contre 5, de ne pas don- ner suite à l'initiative.
Proposition Steinemann Donner suite à l'initiative
Frau Heberlein, Berichterstatterin: Mit seiner Initiative ver- langte der Grosse Rat des Kantons Thurgau zwei inhaltlich völ- lig verschiedene Massnahmen. Ziffer 1 verlangt eine Verstär- kung der Grenzkontrollen, um die illegale Einreise zu erschwe- ren und die Tätigkeit von Schlepperorganisationen zu unter- binden.
Der Ständerat beschloss auf Antrag des Bundesrates, diesem Antrag Folge zu geben und ihn als erfüllt abzuschreiben. Die Staatspolitische Kommission des Nationalrates schliesst sich diesem Antrag mit 16 zu 6 Stimmen an. Bezüglich Ziffer 1 wäre der Antrag Steinemann also überflüssig, weil wir der Standes- initiative Folge geben, sie dann aber abschreiben. Damit brin- gen wir zum Ausdruck, dass das Anliegen berechtigt ist. Es wurde in verschiedenen parlamentarischen Vorstössen aufge- griffen. Eine interdepartementale Arbeitsgruppe des Bundes- rates hat sich damit beschäftigt und u. a. festgestellt, dass rechtliche Grundlagen für einen subsidiären Einsatz von Trup- pen - zur Unterstützung des Grenzwachtkorps -, die im Rah- men des neuen Militärorganisationsgesetzes zur Betreuung von Asylbewerbern eingesetzt würden, zuerst geschaffen wer- den müssten.
In einer vorbereiteten Verordnung schuf der Bundesrat nun die Grundlagen, damit notfalls kurzfristig eingeschritten wer- den könne. Zusammen mit den bereits überwiesenen Postula- ten ist dieser Forderung also vollumfänglich Genüge getan.
Aus diesen Gründen beantragt Ihnen die Mehrheit der Staats- politischen Kommission, Ziffer 1 der Initiative Folge zu geben, sie aber als erfüllt abzuschreiben und das Postulat der Minder- heit abzulehnen.
In Ziffer 2 wird auf andere Weise - nicht wie in der Standesin- itiative Aargau - nochmals eine Quotenregelung festgelegt. Auch hier sind wir aus rechtlichen Gründen zum Schluss ge- kommen, dass eine starre, zahlenmässige Begrenzung nicht
zulässig ist. Es bestehen auch entsprechende Rechtsgut- achten.
Bei Asylgesuchen, welche dann ausserhalb der Quote einge- reicht werden - ich habe dies bereits mehrmals erwähnt -, müssen die völkerrechtlichen Grundlagen trotzdem geprüft werden. Die Frage der Quotenregelung muss vertieft diskutiert werden - dies gilt auch im Hinblick auf den Vorstoss für ein Mi- grationsgesetz - und im Zusammenhang mit einer umfassen- den Einwanderungspolitik geprüft werden und nicht isoliert im Rahmen der Asylpolitik.
Herr Steinemann hat in der Begründung seines Antrages, der Initiative auch in diesem Punkte Folge zu geben, auf die neue deutsche Gesetzgebung verwiesen. Dazu ist nochmals festzu- halten - wie Herr Bundesrat Koller dies am Freitag bereits ge- tan hat -: Das neue deutsche Recht nähert sich mit der Aufhe- bung des subjektiven Rechtsanspruchs auf eine materielle Prüfung jedes einzelnen Asylgesuches nur den übrigen euro- päischen Gesetzgebungen an. Auch das schweizerische Recht ermöglicht seit vielen Jahren die Rückschaffung in ein «Safe country», und dazu gehören alle EG-Staaten. Wichtig sind in diesem Zusammenhang aber die Rückführungsab- kommen, insbesondere dasjenige mit Italien. Hier ist Druck aufzusetzen.
Die Staatspolitische Kommission beantragt Ihnen daher mit 17 zu 5 Stimmen, Ziffer 2 der Initiative keine Folge zu geben und damit auch den Antrag Steinemann abzulehnen.
M. Borel François, rapporteur: Deux points sont soulevés par cette initiative: la question du contrôle aux frontières et la ques- tion des quotas.
Je commencerai par la seconde. Les quotas étaient déjà un argument avancé pour repousser l'initiative 91.310 du canton d'Argovie. Si nous admettions ce principe des quotas, nous devrions dénoncer entre autres la Convention de Genève sur les réfugiés et nous ne voulons pas demander au Conseil fé- déral de dénoncer cet accord international ainsi que d'autres dont la teneur serait semblable. Nous vous invitons donc fer- mement à repousser cette proposition, décision qui a été prise en commission par 17 voix contre 5.
En ce qui concerne le chiffre 1, après audition de divers repré- sentants de l'administration, la commission est arrivée à la conclusion que le Conseil fédéral était prêt à prendre si néces- saire des mesures en cas d'afflux de réfugiés, mais il n'estime pas devoir prendre, pour l'instant, des mesures concrètes, au-delà de celles qui ont déjà été décidées. La commission partage ce point de vue, par 16 voix contre 6, et estime donc, comme M. Steinemann, qu'il faut donner suite à ce point de l'initiative, mais que l'on peut le classer étant donné qu'il est réalisé.
La minorité Seiler Hanspeter de la commission veut reprendre la même idée sous forme d'un postulat, ce que la majorité juge inutile étant donné que le Conseil national a déjà transmis un postulat ayant une teneur fort similaire. Nous avons voté le 2 juin 1992, ici en plénum, un postulat prévoyant: 1. le renfor- cement du corps des gardes-frontière; 2. le renforcement de la surveillance à la frontière par l'engagement de troupes à titre de mesure d'urgence; 3. des dispositions techniques de sur- veillance contre un passage illégal de la frontière.
Un postulat a déjà été voté le 2 juin 1992, pourquoi dès lors en voter un second qui va dans le même sens, une année après? Ce ne serait guère utile et c'est pourquoi nous vous proposons de considérer le chiffre 1 de l'initiative de Thurgovie comme pouvant être accepté, puis classé, de ne pas donner suite au chiffre 2 et de refuser le postulat de la minorité Seiler Hans- peter.
Seiler Hanspeter, Sprecher der Minderheit: Zuerst eine gene- relle Vorbemerkung: Standesinitiativen haben im eidgenössi- schen Parlament, so sagt man, immer einen schweren Stand, und im Volk, wenn man mit Grossräten der Kantone diskutiert, heisst es etwa, sie würden im Bundeshaus sowieso unter den Tisch gewischt. Dieses Image besteht tatsächlich nicht ganz zu Unrecht; wir sind sehr selten bereit, etwas aus einer Stan- desinitiative zu übernehmen.
Darf ich darauf hinweisen, dass sich Kommissionsmehrheit
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und Kommissionsminderheit in einem einig sind. Beide wollen nämlich in Ziffer 1 - es geht um die Verstärkung der Grenzkon- trolle - Folge geben. Die Mehrheit würde Ziffer 1 als erfüllt ab- schreiben, die Minderheit vertritt hier einen differenzierteren Standpunkt. Wenn man Ziffer 1 als erfüllt abschreiben würde, hiesse das bestätigen, dass in Sachen Grenzkontrollen, dass in Sachen illegaler Einreise von Asylbewerbern, dass in Sa- chen Erschwerung der Tätigkeit von Schlepperorganisationen bereits alles zum besten bestellt sei. Wir wissen alle genau, dass dem nicht so ist.
Ich habe mich auch vor Ort erkundigt, ich habe Bekannte, die im Grenzwachtkorps arbeiten und mir bestätigt haben, dass sie manchmal tatenlos zuschauen müssen und nicht handeln können. Die entsprechenden Mittel stehen ihnen zumindest im Moment nicht zur Verfügung. Es besteht also in diesem Punkt Handlungsbedarf.
Es kommt etwas dazu, Frau Heberlein hat es schon angespro- chen: In Deutschland hat man die Asylpolitik bedeutend ver- schärft oder will sie verschärfen, und das wird bestimmt nicht ohne Auswirkungen auf unser Land bleiben. Herr Bundesrat Koller hat uns am letzten Freitag ein paar Zahlen genannt Auch sie wurden hier wiederholt. Unserer Meinung nach sind präventive Massnahmen zu treffen. Ich verweise auf die Argu- mentation von Kollege Mühlemann vom letzten Freitag - dieje- nigen, die noch anwesend waren, haben es gehört. Er hat sehr treffend gesagt, wie die Sorgen der Bürger in einem Grenzkan- ton aussehen, wie es der Thurgau und Schaffhausen sind. Es bietet sich hier Gelegenheit, einen Teil, einen Punkt aus ei- ner Standesinitiative herauszunehmen, ihm Folge zu geben und ihn - übrigens in Postulatsform - zu überweisen. Wir könnten damit ein Zeichen setzen, dass wir nicht einfach alles, was in Standesinitiativen verlangt wird, gleich wieder ab- wehren.
Ich bitte Sie in diesem Sinne und im Auftrage der Minderheit, Ziffer 1 Folge zu geben wie die Kommissionsmehrheit; über- weisen Sie den Inhalt dieser Ziffer gleichzeitig als Postulat an den Bundesrat, um zum Ausdruck zu geben, dass wir gewillt sind, die Grenzkontrollen zu verstärken, um illegales Einreisen von Asylbewerbern zu erschweren und vor allem die Tätigkeit von Schlepperorganisationen nach Möglichkeit zu unter- binden.
Bundesrat Koller: Zur Quotenregelung muss ich keine Worte mehr verlieren. Es geht um das genau gleiche Problem wie bei der Standesinitiative Aargau. Die Kommission hatte in ihren Akten das Rechtsgutachten von Professor Kälin, woraus ganz klar hervorgeht, dass Quotenregelungen sowohl mit der Flüchtlingskonvention wie mit der Europäischen Menschen- rechtskonvention nicht vereinbar sind, weil wir auf jeden Fall das Non-refoulement überprüfen müssen. Es gibt auch kei- nen anderen Staat in Westeuropa, der diese Verpflichtung zur Ueberprüfung des Non-refoulement nicht einhalten würde.
Zu Ziffer 1, die fordert, die Grenzkontrollen seien zu verstär- ken, die illegale Einreise von Asylbewerbern zu erschweren und die Tätigkeit von Schlepperorganisationen zu unterbin- den: Hier müssen wir auf zwei Ebenen handeln. Ich kann Sie versichern, dass der Bundesrat das auch macht
Zunächst auf der internationalen Ebene: hier vor allem beste- hen Handlungsmöglichkeiten. Ich habe Ihnen am letzten Frei- tag gesagt, dass wir bei der Europäischen Gemeinschaft im- mer wieder vorstellig werden, damit wir, sobald die Dubliner Konvention von allen EG-Staaten ratifiziert ist, möglichst rasch die Parallelkonvention unterschreiben können. Es besteht die Chance, dass wir dies nächstes Jahr tun können. Gegenüber der EG sind wir ferner vorstellig geworden, um dem Schen- gen/Polen-Uebereinkommen beitreten zu können. Wir haben glücklicherweise auch zu diesem multilateralen Vertrag posi- tive Signale von seiten der EG bekommen.
Sodann haben wir an vielen internationalen Konferenzen aktiv mitgewirkt, damit wirklich europaweit effizient gegen das Schlepperunwesen vorgegangen wird. Wir haben diesbezüg- lich in unserem eigenen Recht bereits die nötigen Strafvor- schriften aufgenommen. Es ist Sache der Kantone, diese Straf- vorschriften gegen die Schlepper in die Tat umzusetzen. Ich habe mit Genugtuung festgestellt, dass die Gerichte nach an-
fänglichem Zögern heute viel konsequenter Strafen gegen- über ertappten Schleppern fällen.
Natürlich müssen wir auch auf nationaler Ebene das Nötige unternehmen. Das zuständige Finanzdepartement hat in die- ser Sache einiges unternommen. Der Einsatz des Grenz- wachtkorps ist heute viel flexibler. Man bildet vermehrt Einhei- ten, die mobil dort eingesetzt werden können, wo tatsächlich illegale Einreisen getätigt werden. Die Zahl der aufgegriffenen illegal Eingereisten ist daher in den letzten Jahren ständig ge- stiegen. Im übrigen haben wir das Grenzwachtkorps besser ausgerüstet, damit es diese wichtige Aufgabe erfüllen kann.
Wenn Ihnen nun Ständerat, Bundesrat und Kommissions- mehrheit beantragen, diese Ziffer als erfüllt abzuschreiben, dann in dem Sinn, dass uns klar ist, dass eine effiziente Grenz- überwachung eine Daueraufgabe ist. Wenn Sie aber daüber hinausgehen wollen, müssen Sie sagen, was Sie tun wollen: Wollen Sie die Armee aufbieten? Oder wollen Sie das Grenz- wachtkorps zahlenmässig verdoppeln oder verdreifachen? Wenn das nicht der Sinn des Antrages der Minderheit ist, dann bin ich überzeugt, dass Sie mit gutem Grund auch diesen Teil der Standesinitiative abschreiben können. Dabei ist es ganz klar, dass wirksame Grenzkontrollen eine Daueraufgabe des Bundes sind und dass der Bundesrat alles unternehmen wird, um diese Aufgabe situationsgerecht und möglichst gut erfül- len zu können.
Mühlemann: Ich glaube, eine persönliche Erklärung ist hier notwendig, weil Herr Bundesrat Koller heute die Stellung- nahme zum Antrag der Minderheit Seiler Hanspeter etwas an- ders formuliert hat als am Freitag; da waren sehr viele von Ih- nen nicht da.
Herr Bundesrat, Sie haben am Freitag für den Antrag der Min- derheit Seiler Hanspeter sehr viel Verständnis gezeigt, indem Sie klar darauf hingewiesen haben, dass zwar theoretisch, auf dem Papier, Verstärkungen des Grenzwachtkorps vorgese- hen seien, dass aber die Zusammenarbeit zwischen den De- partementen - zwischen Ihrem Departement, dem Finanzde- partement und dem Militärdepartement - schwierig sei und dass man hier praktische Uebungen machen müsste.
Ich bitte Sie deshalb, dem Antrag der Minderheit Seiler Hans- peter mit gutem Gewissen zuzustimmen.
Bundesrat Koller: Herr Mühlemann, Sie haben jetzt meine Er- klärungen etwas missinterpretiert. Natürlich habe ich im Sinne dieser Aufgabe letzte Woche klar gesagt, dass wir hier immer nach Verbesserungen suchen müssen, sowohl beim Einsatz des Grenzwachtkorps als auch bei seiner Ausrüstung.
Wenn Sie das überweisen, obwohl der Bundesrat ausdrück- lich anerkennt, dass das eine Daueraufgabe im Sinne der Opti- mierung ist, dann müssten Sie uns auch wirklich sagen, was Sie konkret mehr wollen: Wollen Sie tatsächlich, dass wir in der heutigen Lage die Armee aufbieten, oder wollen Sie ein verdoppeltes Grenzwachtkorps? Sonst sprechen wir aneinan- der vorbei. Um diese Klarstellung ging es mir heute.
Ziff. 1 - Ch. 1
Abstimmung - Vote
Eventuell - A titre préliminaire Für den Antrag der Minderheit Für den Antrag Steinemann
64 Stimmen 13 Stimmen
Definitiv - Définitivement Für den Antrag der Mehrheit Für den Antrag der Minderheit
91 Stimmen 43 Stimmen
Ziff. 2 - Ch. 2
Abstimmung - Vote Für den Antrag der Kommission (keine Folge geben) Für den Antrag Steinemann (Folge geben)
offensichtliche Mehrheit
Minderheit
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Jahr
1993
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Anno
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III
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Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
06
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 92.303
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Datum 07.06.1993 - 14:30
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