N 3 juin 1993
980
Motion Gysin
Bundesrat Koller: Aus der schriftlichen Begründung ist zu er- sehen, dass der Bundesrat Ihnen die Ablehnung dieser Mo- tion empfiehlt. Es sind im wesentlichen folgende Gründe: Ein- mal ein formeller: Die Motion greift eindeutig in den Kompe- tenzbereich des Bundesrates ein und kann daher - nach der bekannten Praxis des Bundesrates - nicht als Motion überwie- sen werden.
Viel gewichtiger sind natürlich die materiellen Gründe. Ihr Rat hat diese Beschlüsse im Dezember 1991 revidiert und sich da- mals nach einer sehr langen Diskussion mehrheitlich für Bei- behaltung dieses Beschlusses ausgesprochen.
Der Bundesrat sieht nicht ein, was sich seit diesen Beschlüs- sen von Ende 1991 an der Lage auf dem Bau- und Immobilien- markt geändert hätte. Im Gegenteil: Heute haben die Boden- preise auf tieferem Niveau wieder einigermassen Boden ge- fasst, und all unsere Gespräche, die wir mit der Nationalbank und anderen Experten führen, gehen eher dahin, dass gerade auf dem Immobilienmarkt ab nächstem Jahr ein Aufschwung nicht ausgeschlossen ist Wenn es zu einem solchen Auf- schwung kommt und das nötige Geld vorhanden ist, gibt es eben, wie uns die Erfahrung zeigt, immer wieder Hasardeure, die auf dem Bodenmarkt mit möglichst wenig Eigenkapital das schnelle Geld suchen, ohne Eigenleistungen erbringen zu müssen. Solche Marktteilnehmer sind auf dem Boden- markt nicht erwünscht.
Sie wissen auch, zu welchen katastrophalen Auswirkungen die Uebermarchungen Ende der achtziger Jahre geführt ha- ben. Damals, im Jahre 1989, als wir diese bodenrechtlichen Sofortmassnahmen erlassen haben, waren es im übrigen ge- rade Bankiers, die zu Recht gesagt haben, dass sie froh seien, dass der Gesetzgeber diesem Treiben der Kreditgewährung von hundert und mehr Prozent endlich ein Ende setze.
Der Bundesrat ist der Meinung, man solle im Leben nicht zwei- mal den gleichen Fehler machen. Oder wollen Sie, dass wir uns, noch bevor wir das Vernehmlassungsverfahren über das Anschlussprogramm durchgeführt haben, auf diesem Gebiet wieder komplett wehrlos machen, so dass beim nächsten Auf- schwung wieder jeder Missbrauch möglich ist? Eine solche Politik kann der Bundesrat nicht bejahen. Und wenn Sie an all jene denken - nicht nur an die Banken, sondern auch an die betroffenen Bürger -, die wegen dieser Missstände Ende der achtziger Jahre gelitten haben, können Sie unserem Volk schlicht nicht erklären, warum wir auf all diese Mittel verzichten wollen, die heute keinerlei kontraproduktive Wirkung haben. Sie ändern an der gegenwärtigen Lage auf dem Boden- und Immobilienmarkt überhaupt nichts, wenn Sie diesen Bundes- beschluss aufheben. Sie bewirken nur, dass wir bei einem nächsten Aufschwung überhaupt keine Mittel gegen neue Missbräuche in den Händen haben.
Aus diesem Grunde beantragt Ihnen der Bundesrat, die Mo- tion abzulehnen. Wir haben mit unserem Anschlussprogramm gezeigt - mit dem Recht auf Privaterschliessung -, dass wir adäquate Massnahmen im Anschlussprogramm vorsehen. Und wenn wir dann die Vernehmlassungsergebnisse zum An- schlussprogramm sehen, wird der Bundesrat eine neue Lage- beurteilung vornehmen.
Das sind die entscheidenden Gründe, weshalb wir Ihnen die Ablehnung der Motion empfehlen.
Abstimmung - Vote Für Ueberweisung der Motion Dagegen
55 Stimmen 43 Stimmen
92.3034
Motion Gysin Erschliessungsrecht für Baulandeigentümer Droit pour les propriétaires d'équiper les terrains à bâtir
Wortlaut der Motion vom 31. Januar 1992
Der Bundesrat wird beauftragt, unverzüglich den Vorschlag für ein Erschliessungsrecht der Baulandeigentümer in die Ver- nehmlassung zu geben und dem Parlament beförderlich eine Vorlage zu unterbreiten.
Texte de la motion du 31 janvier 1992
Le Conseil fédéral est chargé de soumettre sans délai à la pro- cédure de consultation une proposition visant à conférer aux propriétaires le droit d'équiper leurs terrains à bâtir, et de pré- senter sans retard un projet au Parlement.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Allenspach, Aregger, Bez- zola, Bonny, Bührer Gerold, Cincera, Dettling, Eymann Chri- stoph, Fischer-Seengen, Fritschi Oscar, Früh, Giger, Loeb François, Miesch, Scheidegger, Spoerry, Stamm Luzi, Stucky, Tschuppert Karl, Wyss Paul (20)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Bundesrat hat im September ein Bodenrechtsprogramm veröffentlicht. Es bedingt überwiegend die Aenderung von Ge- setzen.
Die Effizienz verschiedener Massnahmen ist fraglich. Die wir- kungsvollste Neuerung, die das Programm nennt, ist das Recht des Eigentümers, im Rahmen der Raumplanung Bau- land selber zu erschliessen. Dies überwindet die Blockierung von Erschliessungen. Mehr Wohnungen entstehen, und dank mehr baureifem Land wird der Bodenmarkt entlastet.
Der Bundesrat erklärt aber, diesen Vorschlag vielleicht erst Mitte 1993 in die Vernehmlassung geben zu wollen. Das Ge- setzgebungsverfahren würde in einem wichtigen Punkt um Jahre verzögert. Dabei liegt in der Verwaltung ein Gesetzent- wurf schon vor.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 13. Mai 1992 Rapport écrit du Conseil fédéral
du 13 mai 1992
Mit den Entscheiden vom 19. September 1991 zum An- schlussprogramm Bodenrecht beauftragte der Bundesrat das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement, bis im Som- mer 1993 einen vernehmlassungsreifen Entwurf mit Begleit- bericht, unter anderem zum Erschliessungsrecht, vorzulegen. Es sollen dabei die Voraussetzungen zur Erschliessung durch den Grundeigentümer auf eigene Kosten geprüft und geregelt werden. Der Bundesrat vertrat dabei die Ansicht, das Er- schliessungsrecht stehe in enger Beziehung zu weiteren raumplanerischen Massnahmen (Förderung der Siedlungs- entwicklung nach innen, Erschliessungsbeiträge, Wohnanteil- pläne), und die Notwendigkeit der Regelung hänge eng vom Ergebnis der laufenden Erhebungen über den Stand der Er- schliessung ab, so dass diese Massnahme nicht aus dem An- schlussprogramm herausgetrennt und vorgezogen werden könne.
Die Erstellung der Erschliessungsübersichten ist in allen Kan- tonen im Gang. Sie konnten in den meisten Kantonen nicht in- nert der von der Raumplanungsverordnung festgesetzten Frist durchgeführt werden. Solange aber die Grundlagen über den Stand der Erschliessung nicht genügend und vollständig bekannt sind, kann keine sachbezogene Gesetzgebung er- stellt werden.
981
Motion Hess Peter
Die Raumplanung allgemein und die Erschliessung im beson- deren kann nur durch die oder mit Hilfe der Kantone durchge- führt werden. Ein Vernehmlassungsverfahren muss somit auf jeden Fall durchgeführt werden. Wird das Anhörungsrecht ernst genommen, ist den Kantonen ein auf Grundlagen abge- stützter Entwurf zukommen zu lassen.
Im übrigen erlaubt das eidgenössische Raumplanungsgesetz den Kantonen bereits heute vorzusehen, dass Grundeigentü- mer ihr Land nach den vom Gemeinwesen genehmigten Plä- nen selber erschliessen können (Art. 19 Abs. 3 Raumpla- nungsgesetz).
Der Bundesrat ist daher weiterhin der Ansicht, die Erschlies- sungsproblematik solle im Rahmen des Anschlusspro- gramms Bodenrecht und nicht davon losgetrennt gesondert behandelt werden.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzu- wandeln.
Ueberwiesen als Postulat - Transmis comme postulat
92.3117
Motion der sozialdemokratischen Fraktion Lex-Friedrich-Liberalisierung. Ersatzgesetzgebung
Motion du groupe socialiste Lex Friedrich. Législation de substitution
Diskussion - Discussion
Siehe Jahrgang 1992, Seite 2158 - Voir année 1992, page 2158
M. Leuba: A vrai dire, je m'attendais à ce que le groupe socia- liste retire sa motion. Je crois qu'il est important de relire cette motion et de voir combien elle est absolument dépassée: «Le Conseil fédéral est chargé d'édicter des dispositions légales dans le domaine de l'aménagement du territoire ou du droit foncier, dispositions assurant que la lex Friedrich, qui devra être supprimée dans la perspective de l'EEE, sera remplacée, au moment de l'entrée en vigueur de l'Accord sur l'EEE, par des dispositions tout aussi efficaces. Le droit fédéral devra no- tamment permettre de restreindre la parahôtellerie ainsi que la construction de résidences secondaires et d'appartements de vacances. Les adaptations des lois devront avoir lieu assez ra- pidement pour pouvoir être traitées par le Parlement en même temps qu'Eurolex. »
Alors véritablement, si les mots ont encore un sens, je ne sais pas ce que demande cette motion, très franchement. Elle est dépassée, elle n'a plus aucun sens puisque l'Accord sur l'EEE a été refusé. Nous avons sans doute l'espoir de nous rappro- cher de l'Europe et de peut-être une fois rejoindre l'EEE ou au- tre chose, mais en tout cas, dans ces termes, cette motion, même sous forme de postulat, est inacceptable.
Au surplus, on trouve dans le développement par écrit quel- que chose qui est tout à fait remarquable. Je lis simplement ce petit passage: «Pour ces motifs, il y a lieu de craindre à juste titre que, dès la première phase d'assouplissement de la lex Friedrich (entrée en vigueur de l'Accord sur l'EEE), la Suisse doive faire face à une ruée sur la propriété foncière, notam- ment pour ce qui est des résidences secondaires et de la para- hôtellerie. Il faudra d'abord s'attendre à une augmentation du nombre d'étrangers venant s'établir en Suisse; ensuite, une partie des personnes exerçant une activité professionnelle en
Suisse en profitera pour acquérir des biens-fonds; .... » Cette motion n'est pas signée par les démocrates suisses comme on pourrait le croire à la lecture de ce texte, elle est signée par les socialistes qui nous expliquent qu'on doit être ouvert à l'Eu- rope, et que, évidemment, être ouvert à l'Europe, c'est aussi accepter les autres Européens. Eh bien, ces motifs justifient à eux seuls que nous n'acceptions ni la motion ni le postulat.
Nous avons des dispositions sur l'aménagement du territoire. Nous avons des dispositions sur la revente des immeubles non agricoles. Nous avons des dispositions actuelles qui per- mettent de faire face à une pression qui pourrait s'exercer, mais cette pression doit être combattue là où elle s'exerce, c'est-à-dire par les lois qui sont actuellement en vigueur, loi fé- dérale sur l'aménagement du territoire, dispositions cantona- les, dispositions communales. Enfin, au moment où chacun parle de revitalisation de l'économie suisse, c'est vraiment le moment de venir encore avec des règles supplémentaires pour limiter toutes les possibilités de développement de notre économie!
Compte tenu du caractère complètement dépassé de la mo- tion, et comme le postulat ne peut pas rattraper le caractère dépassé de la motion, compte tenu aussi du caractère nocif de ses intentions quant au programme de revitalisation de notre économie, je vous prie de ne pas transmettre cette motion, même sous la forme d'un postulat.
Bundi: Die sozialdemokratische Fraktion hatte diese Motion zu einem Zeitpunkt eingereicht, als das Anliegen im Zusam- menhang mit dem EWR unmittelbar aktuell war. Natürlich ist ein Teil des Anliegens dieser Motion nach wie vor aktuell, vor allem im Hinblick auf das Swisslex-Paket, d. h. auf die auto- nome Anpassung unserer Gesetze an die europäische Ge- setzgebung respektive im Hinblick auf das Bestreben, unsere Gesetzgebung möglichst europakompatibel zu gestalten. In diesem Zusammenhang hat der Bundesrat bereits erklärt, dass er mit der Zeit eine teilweise Liberalisierung der Lex Fried- rich beantragen wolle.
Nachdem dieser Rat vor einer Viertelstunde einen praktisch gleichlautenden Vorstoss von Kollege Vollmer als Postulat überwiesen hat, erübrigt sich eine weitere Diskussion darüber. Damit ist unser Anliegen eigentlich erfüllt, und ich kann diese Motion zurückziehen.
Zurückgezogen - Retiré
91.3303
Motion Hess Peter Einführung des Oeffentlichkeitsprinzips mit Geheimhaltungsvorbehalt Régime de la transparence et réserve du secret au sein de l'administration
Wortlaut der Motion vom 19. September 1991
Der Bundesrat wird beauftragt, dem Parlament einen Entwurf eines Bundesgesetzes vorzulegen, welches die Einführung des Oeffentlichkeitsprinzips mit Geheimhaltungsvorbehalt in der Bundesverwaltung vorsieht. Die Information über öffentli- che Belange ist eine wichtige Voraussetzung für die Wahrneh- mung des Stimm- und Wahlrechts, für die parlamentarische Arbeit wie für die freie Meinungsbildung schlechthin.
Texte de la motion du 19 septembre 1991
Le Conseil fédéral est chargé de soumettre au Parlement un projet de loi prévoyant l'application du principe de la publicité des actes de l'administration sous réserve du maintien du se- cret. Il est important, pour assurer l'exercice des droits politi- ques des citoyens, le fonctionnement du Parlement et la li-
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Motion Gysin Erschliessungsrecht für Baulandeigentümer Motion Gysin Droit pour les propriétaires d'équiper les terrains à bâtir
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Dans
In
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Jahr
1993
Année
Anno
Band
III
Volume
Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
04
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 92.3034
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 03.06.1993 - 15:00
Date
Data
Seite
980-981
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20 022 776
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