Postulat Schnider
856
N
29 avril 1993
Keine staatliche Unterstützung hebt die Moral derart auf, wie es der Tierversuch tut. Unsere Gesellschaft - ich schliesse Sie gerne ein - muss in diesem Punkt aufwachen. Tierversuche sind die grösste Kulturschande der Menschheit, sind der grösste Irrtum schlechthin. Auf Schande und Irrtum aber kann man kein Gesundheitswesen und auch keine Wissenschaft aufbauen. Wir dürfen den Hilferuf der gemarterten Kreaturen nicht länger überhören, Herr Bundesrat Delamuraz.
An der Universität Zürich ist für die Affen jeder Tag «Auschwitz». Es ist ein unglaublicher Irrtum zu glauben, das alles ginge uns nichts an. Wie erbärmlich und gefühllos be- nimmt man sich den Tieren gegenüber, vor allem diese Wis- senschafter, nur weil Grössenwahn und Ruhmsucht sie selbst verblenden! Tiere sind ein Teil der Schöpfung. Sie auszubeu- ten, sie zu quälen und dann umzubringen, ist - ich habe es schon gesagt - eine Kulturschande.
Herr Bundesrat Delamuraz, ich könnte noch zu weiteren Punk- ten Stellung nehmen. Die Zeit der Interpellationsbeantwor- tung ist zu kurz. Ich fordere Sie jedoch auf: Gehen wir an dieser Stelle über die Bücher. Ich bitte Sie sehr herzlich darum. Wir können an sehr vielen Orten Verbesserungen herbeiführen, aber lassen wir uns nicht mehr länger vertrösten. Die Zeit wird kurz, vor allem für mich wird die Zeit kurz, und in erster Linie für die Tiere.
Meier Hans: Diese Tierversuche müssten an Tieren durchge- führt werden, die den Menschen möglichst ähnlich seien, wird geschrieben.
Herr Weder Hansjürg hat Ihnen den Ablauf des Versuches ge- schildert. Gibt es etwas Gemeineres? Zuerst eine liebevolle Behandlung durch eine Trainingsperson, welche das Ver- trauen des Tierchens zu gewinnen sucht, damit das bewe- gungsfreudige Aeffchen stillsitzen lernt; dann werden Hand- bewegungen eingeübt, die immer wieder mit dem Futter be- lohnt werden. Wenn das Vertrauensverhältnis und all das ge- schaffen ist, beginnt der Versuch; die Elektrode kommt milli- meterweise ins Gehirn hinein, stundenlang. Jeden Tag wie- derholt sich die Prozedur, monatelang. Dann wird das Tier ge- tötet. Das Gehirn wird zerstückelt und untersucht
Was sind das für Menschen, die solches tun? Marie-Claude Hepp, die Leiterin des Zürcher Affenversuchs, sagt, ihr Ver- such funktioniere eben nur, wenn die Affen mitmachen wür- den. Schon deshalb müsse man möglichst schonend mit ih- nen umgehen. Grausam sei dieser Versuch sicher nicht. Sie gibt aber zu, dass bis jetzt keine Resultate herausgeschaut ha- ben, seit zwanzig Jahren!
Herr Bundesrat, wie lange noch unterstützt der Nationalfonds solche unnütze, gemeine Tierversuche? Ich schäme mich für die Menschen, die solches zulassen und fördern, Herr Bun- desrat!
M. Delamuraz, conseiller fédéral: La réponse à l'interpellation 91.3294 de M. Weder Hansjürg vous fait apparaître que rien, dans ce domaine et dans ce cas particulier de Zurich, n'a été laissé au hasard ni à la légèreté d'appréciation de gens et d'or- ganismes qui seraient irresponsables. Ce ne sont pas des ex- périences faites pour la seule joie ou le sadisme d'expérimen- ter. Il s'agit de recherches de fond, et chacun sait que ces re- cherches ne peuvent pas être immédiatement appréciées par des effets directs, comme elles le sont dans le domaine de la recherche appliquée et de la transformation en produits chi- mio-pharmaceutiques des résultats d'expériences faites sur les animaux. C'est la raison pour laquelle je ne suis pas à même de dire à M. Weder que ces expériences ayant apporté tel ou tel résultat immédiat sont utiles. Ces résultats sont plus diffus et à plus long terme.
Mais alors, les compétences scientifiques, les sensibilités hu- maines aussi, qui président aux travaux de ces différents orga- nismes chargés d'examiner les demandes, d'attribuer les au- torisations et, finalement, de contrôler ce que le législateur a voulu en matière de protection des animaux, tout cela est une réalité et une substance bien évidente derrière laquelle il a été possible d'éviter d'avoir à introduire des recours ou des contrôles supplémentaires. Je mesure que la consultation de la Commission cantonale de surveillance des expériences sur
animaux a fonctionné. Je constate que les nouvelles procédu- res d'autorisation en vigueur depuis 1991, à la suite de la révi- sion que vous avez apportée à la loi, ont fonctionné. Je cons- tate que les organes qui ont initié les demandes et qui, notam- ment, ont voulu continuer ces expériences ont pour eux une conscience et une légitimité scientifique que je ne peux pas, unilatéralement, mettre en doute. Bref, l'ensemble de l'enca- drement de ces mesures et de ces démarches est tel qu'il me paraît offrir les garanties techniques, mais surtout et bien plus, les garanties éthiques indispensables à la poursuite de telles expériences.
C'est au vu de ces propos, sans rien nier de ce que nous ont apporté MM. Weder Hansjürg et Meier Hans quant à la néces- saire sensibilité et à la nécessaire rigueur qui doivent être en- gagées dans de tels exercices, qu'à la lumière des faits, à la lu- mière des rapports précis que je connais, il m'a été possible de couvrir la décision de l'Office vétérinaire fédéral de ne pas formuler de recours en cette matière contre les décisions pri- ses d'une manière parfaitement régulière par les autorités de Zurich.
Que le peuple suisse sache que la loi la plus rigoureuse du monde sur la protection des animaux, que vous avez voulue à juste titre et que le Conseil fédéral voulait avec vous, est appli- quée strictement et complètement et qu'ainsi la volonté du lé- gislateur est une volonté qui n'est jamais bafouée. En cas de doute, nous trancherions pour le refus et non pas pour des au- torisations distribuées à la légère. Plus que jamais, la rigueur est au rendez-vous.
92.3287
Postulat Schnider Voranschlag 1993. Strukturverbesserungen in der Landwirtschaft und Investitionshilfe
Budget 1993. Restructurations dans l'agriculture et aide aux investissements
Wortlaut des Postulates vom 19. Juni 1992 Der Bundesrat wird aufgefordert, für den Voranschlag 1993 fol- gende Positionen aufzunehmen:
707.4600.001 Bodenverbesserungen und landwirtschaftli- che Hochbauten: 150 000 000 Franken;
707.4200.002 Investitionskredite an die Landwirtschaft: 65 000 000 Franken;
705.4600.301 Investitionshilfe für Berggebiete: 120 000 000 Franken.
Texte du postulat du 19 juin 1992
Le Conseil fédéral est chargé de faire figurer les postes sui- vants au budget 1993:
707.4600.001 Améliorations foncières et constructions: 150 000 000 francs;
707.4200.002 Crédits d'investissements à l'agriculture: 65 000 000 francs;
705.4600.301 Aide à l'investissement dans les régions de montagne: 120 000 000 francs.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Binder, Blatter, Bühler Si- meon, Bundi, Bürgi, Columberg, Daepp, Engler, Etique, Hari, Hess Otto, Hildbrand, Jaggi Paul, Keller Anton, Kühne, Leu Jo- sef, Philipona, Ruckstuhl, Rychen, Schwab, Seiler Hanspeter, Tschuppert Karl, Wanner, Wittenwiler, Zölch (25)
Mitteilungen des Präsidenten
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Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Die erwähnten drei Positionen betreffen in erster Linie die Rand- und Berggebiete. Der Kredit für Bodenverbesserungen und landwirtschaftliche Hochbauten wurde gegenüber 1991 um 30 Millionen Franken gekürzt, die Investitionskredite an die Landwirtschaft um 20 Millionen Franken. Diese Beiträge fliessen seit Jahren zu einem grossen Teil in die Berglandwirt- schaft und unterstützen die Anpassung der Betriebe an die An- forderungen des Tierschutzes und des Gewässerschutzes. Sie begleiten auch die Strukturanpassung der Berglandwirt- schaft.
In den ausgesprochenen Bergkantonen ist es seit Jahren nicht mehr möglich, mit den knappen Bundesmitteln den Be- darf zu decken. Wartelisten (über mehrere Jahre) von Bauern, welche ihre Betriebe den Erfordernissen anpassen müssen, sind in verschiedenen Bergkantonen die Regel geworden. Mit den Investitionskrediten an die Landwirtschaft werden den Bauern - zu einem grossen Teil auch im Berggebiet - zinsgün- stige oder zinsfreie Darlehen gewährt. Sie ergänzen in idealer Weise die Beiträge für Bodenverbesserungen und landwirt- schaftliche Hochbauten. Investitionskredite werden in erster Linie aus dem seit 1962 geaufneten Fonds de roulement (1,45 Milliarden Franken) gespiesen. Die jährliche Einlage des Bundes dient der Werterhaltung des Fonds - was in den letz- ten Jahren (1992: 20 Millionen Franken) nicht mehr möglich war. Damit verliert der Fonds beständig an Wert.
Die Landwirtschaft allgemein befindet sich gegenwärtig in ei- ner sehr kritischen Situation. Stark fallende Preise für die Pro- dukte (Schlachtvieh, Nutzvieh etwa minus 30 Prozent), be- trächtliche Teuerung bei Investitionsgütern (Bauten) sowie der zunehmende internationale Druck durch das Gatt schränken die Möglichkeiten der Eigenfinanzierung ein. Die Selbsthilfe- möglichkeiten (Eigenleistungen, Genossenschaften für land- wirtschaftliches Bauen) sind ausgeschöpft. Wenn die Grund- lagenverbesserung in der Berglandwirtschaft nicht vermehrt unterstützt wird, werden in den kommenden Jahren Betriebs- aufgaben und Abwanderung zum Alltag gehören. Damit wird unsere Berglandwirtschaft auch eine sehr schlechte Aus- gangslage in der europäischen Integration haben.
Die Investitionshilfen für Rand- und Berggebiete sollen zu ei- ner Verbesserung der Infrastrukturen im Berggebiet beitra- gen. Seit 1974 werden über diese Hilfen zinsfreie oder zins- günstige Kredite - seit 1992 auch Zinskostenbeiträge (statt Kredite) - ausgerichtet mit dem Ziel, durch eine Verbesserung der Infrastrukturen die Lebensqualität im Berggebiet zu erhal- ten. Diese Massnahme kann als erfolgreich bezeichnet wer- den, obschon es nicht gelungen ist, die Disparitäten auszu- gleichen.
1991 hat das Parlament beschlossen, den Fonds für Investi- tionshilfen für Berggebiete um 800 Millionen Franken aufzu- stocken. Dieser Beitrag wird nötig sein, wenn weiterhin eine wirksame Politik zugunsten der Berggebiete betrieben wer- den soll und das Gefälle zwischen Berg und Tal nicht weiter anwachsen soll. Auch im Hinblick auf die europäische Integra- tion ist es wichtig, dass die Berggebiete gestärkt werden. Auch diese Massnahme ist - wie die beiden anderen landwirtschaft- lichen Massnahmen - nach dem Vertrag über den Europäi- schen Wirtschaftsraum erlaubt, und sie wäre es auch nach ei- nem Beitritt zur EG.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 25. November 1992 Rapport écrit du Conseil fédéral du 25 novembre 1992
Der Bundesrat hat das Begehren des Postulanten geprüft. Er hat dafür in Anbetracht der notwendigen Strukturanpassun- gen in der Landwirtschaft und der Wirtschaftslage insbeson- dere in den Berg- und Randregionen zwar grundsätzlich Ver- ständnis. Bei seinen Beschlüssen zum Budget 1993 musste er jedoch auf die prekäre Finanzlage des Bundes Rücksicht neh- men. Es ist zudem zu beachten, dass die drei genannten Ru- briken in den Jahren 1993-1995 der linearen Beitragskürzung im Rahmen der Sanierungsmassnahmen 1992 unterliegen werden.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
Schnider: Nachdem mir die Antwort auf mein Postulat erst während der Budgetberatung gegeben wurde und zudem meinem Anliegen in der Frühjahrssession weitgehend ent- sprochen wurde, verzichte ich auf eine Diskussion und ziehe mein Postulat zurück.
Zurückgezogen - Retiré
Präsident: Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir haben heute von unserem Kollegen Silvio Bircher Abschied zu nehmen, der unserem Rat seit 1979 angehört hat. Nach seiner Wahl zum Regierungsrat des Kantons Aargau am 6. Dezember 1992 hat er auf Ende Mai dieses Jahres seinen Rücktritt aus dem Natio- nalrat bekanntgegeben.
Herr Bircher interessiert sich besonders für Fragen der Wirt- schafts-, Umwelt- und Verkehrspolitik und ist zu diesen The- men oft und mit grosser Fachkunde aufgetreten. Als Präsident der Efta-Parlamentarierdelegation und Mitglied der Aussenpo- litischen Kommission hat er sich auch intensiv mit Fragen der europäischen Integration befasst. Er ist Urheber einer parla- mentarischen Initiative für die Abschaffung der Kantonsklau- sel bei Bundesratswahlen, die auch heute wieder zur Diskus- sion steht.
Silvio Bircher war stets ein loyaler Parlamentarier, dessen In- terventionen von der Sorge um das Gemeinwohl geprägt wa- ren. Persönlich habe ich die kollegiale Zusammenarbeit mit Silvio Bircher in der Verkehrskommission schätzengelernt, und wir sind oft gleicher Meinung gewesen.
In Ihrem Namen wünsche ich ihm eine erfolgreiche Tätigkeit in der Regierung seines Kantons und alles Gute für die Zukunft. (Beifall)
Wir verabschieden uns auch von Herrn Theo Zlot, oberster Bundeshausführer im Parlamentsgebäude, der in den Ruhe- stand tritt. Während 13 Jahren hat Herr Zlot 400 000 Besucher durch das Bundeshaus und durch unseren Ratssaal geführt. Dank seiner guten Sprachkenntnisse und aufgrund seiner Re- dekunst hat er es verstanden, einem sehr unterschiedlichen Publikum die Besonderheiten unseres politischen Systems darzulegen sowie die architektonischen Schönheiten des Parlamentsgebäudes hervorzuheben. Für die erwiesenen Dienste möchten wir Herrn Zlot recht herzlich danken. Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute. (Beifall)
Damit sind wir am Ende unserer Sondersession angelangt. Wir haben in 28 Sitzungsstunden das Hauptgeschäft «Wie weiter nach dem EWR-Nein?» und viele «Ladenhüter» berei- nigt. Ich danke Ihnen für die disziplinierte Zusammenarbeit mit der «Rennleitung». Ich wünsche Ihnen einen geruhsamen Wonnemonat Mai und freue mich, Sie Anfang Juni wiederzu- sehen.
Schluss der Sitzung und Session um 10.35 Uhr La séance et la session sont levées à 10 h 35
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Postulat Schnider Voranschlag 1993. Strukturverbesserungen in der Landwirtschaft und Investitionshilfe
Postulat Schnider Budget 1993. Restructurations dans l'agriculture et aide aux investissements
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Volume
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Session
Aprilsession
Session
Session d'avril
Sessione
Sessione di aprile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
06
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 92.3287
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 29.04.1993 - 08:00
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856-858
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