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12 décembre 1990
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Expositions internationales
Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
Für Annahme des Beschlussentwurfes 144 Stimmen (Einstimmigkeit)
An den Ständerat - Au Conseil des Etats
90.071
Internationale Ausstellungen Expositions internationales
Botschaft und Beschlussentwurf vom 24. Oktober 1990 (BBI III, 1025) Message et projet d'arrêté du 24 octobre 1990 (FF III, 981)
Beschluss des Ständerates vom 5. Dezember 1990 Décision du Conseil des Etats du 5 décembre 1990 Kategorie V, Art. 68 GRN - Catégorie V, art. 68 RCN
Antrag der Kommission Eintreten
Antrag Ruf Rückweisung an den Bundesrat
mit dem Auftrag, einen neuen Bundesbeschluss vorzulegen, dem für die Teilnahme der Schweiz an der Weltausstellung «Expo 92» in Sevilla ein ökologisch vertretbares Konzept - im Gegensatz zum Projekt «Ikarus» - zugrunde liegt.
Proposition de la commission Entrer en matière
Proposition Ruf Renvoi au Conseil fédéral
en l'invitant à présenter, pour la participation de la Suisse à l'exposition universelle «Expo 92» de Séville, un nouvel arrêté portant sur un projet respectueux de l'environnement - à la dif- férence du projet «Icare».
Bundi, Berichterstatter: Es geht bei dieser Vorlage darum, ei- nen Verpflichtungskredit von 28 Millionen Franken für die Teil- nahme der Schweiz an der Weltausstellung 1992 in Sevilla und einen Verpflichtungskredit von 2 Millionen Franken für die Spezial-Weltausstellung in Genua zu bewilligen. Die aussen- politische Kommission des Nationalrates beantragt Ihnen mit 12 zu 0 Stimmen bei vier Enthaltungen, dem Bundesbe- schluss zuzustimmen und den Kredit zu genehmigen.
Ein gewisses Missbehagen kam in unserer Kommission aller- dings bei der Beratung dieser Vorlage zum Ausdruck. Welt- ausstellungen hatten zweifellos im 19. Jahrhundert - zwi- schen der ersten und zweiten industriellen Revolution - eine andere Bedeutung als heute. Sie dienten damals unmittelbar der Anschauung, dem Vergleich, der Produktebesichtigung. Sie waren noch mit relativ einfachem Aufwand zu bewältigen. Heute hat sich der Rhythmus stark gesteigert, wie selbst die Botschaft des Bundesrates feststellt, und sie spricht auch von einer inflationären Entwicklung. Unsere heutige Mobilität erfor- dert aufwendige Infrastrukturanlagen vor allem für den Ver- kehr. Die Ansprüche betreffend Ausstellungsfläche wachsen. Die Wohnungsmieten und Bodenpreise steigen im Zusam- menhang mit solchen Ausstellungen, und auch der Energie- verbrauch und die Umweltbelastung nehmen zu. Somit fragt es sich tatsächlich, ob in einer Zeit mit so vielen Kommunika- tionsmöglichkeiten und mit so viel Mobilität wie heute solche Grossveranstaltungen noch nötig und sinnvoll sind.
Die Problematik ist sowohl von den Organisatoren der Welt- ausstellungen als auch vom Bundesrat erkannt worden. Das «Bureau international des expositions» in Paris versucht einzu- schränken, einmal punkto Zahl und Rhythmus der Ausstellun-
gen und auch punkto Begrenzung der Ausstellungsfläche. Al- lein, es will ihm nicht so recht gelingen. Trotz der guten Absicht sind zwischen 1992 und dem Jahre 2000 drei kleinere und drei grössere Weltausstellungen geplant.
Wenn die Schweiz an allen diesen sechs Ausstellungen teil- nehmen wollte, müsste sie einen Kostenrahmen von 100 Mil- lionen Franken zur Vefügung stellen.
Die aussenpolitische Kommission ist mehrheitlich der Auffas- sung, dass die Schweiz auf internationaler Ebene darauf hin- wirken solle, dass erstens weniger Ausstellungen durchzufüh- ren seien und dass zweitens Ausstellungen mit möglichst ge- ringen Umweltbelastungen anzustreben seien und nicht gi- gantische, monumentale Pavillons. Drittens soll sich der Bun- desrat für künftige Teilnahmen viel früher einschalten und die zuständigen parlamentarischen Organe in einer früheren Phase bereits über die Absichten betreffend Engagement und Projekt orientieren.
Der Bundesrat hat die Kommission auch dahingehend orien- tiert, dass er demnächst in den aussenpolitischen Kommissio- nen ein Konzept vorlegen und darin aufzeigen wolle, wie er diesen von der Kommission vorgetragenen Bedenken Rech- nung tragen könne.
Ein Abseitsstehen der Schweiz bei den bevorstehenden Aus- stellungen in Sevilla und in Genua schien aber der Kommis- sion aus mehreren Gründen nicht angebracht. Nach Beteili- gung an den letzten fünf Ausstellungen in Ueberseestädten wäre eine Absenz in einern befreundeten europäischen Land kaum verständlich. Spanien als EG-Land würde unsere Ab- senz nicht ohne Reaktionen zur Kenntnis nehmen. Gerade auf Goodwill von südeuropäischen EG-Staaten ist die Schweiz im Hinblick auf den abzuschliessenden Vertrag über den euro- päischen Wirtschaftsraum oder auch in bezug auf den Binnen- markt angewiesen. Eine Nichtteilnahme könnte auch als Indif- ferenz betreffend einen Beitrag an die Behebung des Nord- Süd-Gefälles in Europa interpretiert werden.
Ein Teil solcher Gründe kann bei jeder Teilnahme angeführt werden. Bei der herrschenden Tendenz zur «Universalisie- rung» der Weltausstellungen dürfte es schwierig werden, zum Beispiel die Teilnahme in einem Entwicklungsland zu verwei- gern, ohne der mangelnden Solidarisierung bezichtigt zu wer- den.
Die Kommission hat ja gesagt zu «Sevilla», obwohl sie vom Projekt und vom Ausstellungskonzept nicht sonderlich ange- tan war. Weder der Papierturm, der bekanntlich den vom Bun- desrat verworfenen Eisturm ersetzen soll, noch das kulturelle Programm vermochten zu begeistern. Die Uebertragung der Durchführung von Projekt und Programm an die Mustermesse Basel lässt aber auf Zuverlässigkeit und klare konzeptionelle Arbeit hoffen. Nachdem eine Reihe von zuständigen Organen, so die Koordinationskonferenz für die Präsenz der Schweiz im Ausland (Koko), der Bundesrat, die Schweizerische Zentrale für Handelsförderung, die bekanntlich den Ideenwettbewerb durchgeführt hat, und auch eine elfköpfige Jury seit Dezember 1987 die Vorarbeiten vorangetrieben hatten, wollte die aussen- politische Kommission sich nicht in längere Diskussionen we- gen des Geschmackes einlassen. Es war dazu grundsätzlich auch zu spät. Das heisst aber nicht, dass ein Teil der Kritik nicht gewürdigt werden sollte. Berechtigte Anliegen und Be- anstandungen können und sollen durchaus in der Realisie- rungsphase noch berücksichtigt werden.
Nun haben wir soeben noch von Herrn Kollege Ruf einen Rückweisungsantrag zu dieser Vorlage erhalten. Er hat ihn mit ökologischen Motiven begründet. In dieser Beziehung kann ich sagen, dass uns von verschiedenen Seiten Broschüren zu- geschickt wurden, in denen Behauptungen gegen Behaup- tungen stehen. Es ist so, dass die Projektverfasser erklärt ha- ben, sie würden sich berrühen, bei der Bearbeitung des Kar- tons für diesen Turm möglichst umweltschonend vorzugehen und nicht chemisch schädliche Substanzen zu verwenden.
In der Kommission ist unter anderem auch der Gedanke erör- tert worden, ob ein Kredit im Rahmen des vorliegenden anstatt für die Teilnahme an einer Weltausstellung nicht gescheiter als Direktbeitrag an das europäische Nord-Süd-Gefälle, als Hilfe an ein osteuropäisches Land oder als Beitrag an einen Staat der Dritten Welt ausgerichtet werden sollte. Jedenfalls ist es
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ratsam, wenn der Bundesrat in Zukunft gut überlegt, vor allem im Hinblick auf eine Weltausstellung in einem Drittweltstaat, ob auf eine Teilnahme nicht zu verzichten sei, wenn dem be- treffenden Land mit einer gezielten Hilfe besser gedient wer- den könnte. Ich hoffe, dass der Bundesrat diese unsere Anre- gung im Sinne eines Postulates entgegenzunehmen gewillt ist und versuchen wird, auch danach zu handeln. Ich möchte Sie somit bitten, den Rückweisungsantrag von Herrn Kollege Ruf abzulehnen, einzutreten und die Vorlage gutzuheissen.
M. Cevey, rapporteur: La première convention concernant les expositions internationales a été signée le 22 novembre 1928. Elle régissait la fréquence de ces événements et définissait les droits et devoirs des exposants, comme des organisateurs. Le Bureau international des expositions, établi à Paris, fut chargé de veiller à l'application de cette convention. Pour faire face au nombre toujours croissant de telles initiatives, ce bureau a tenté de mettre en vigueur un moratoire - c'était en mai 1987 - qui limite à deux, pendant la période de 1992 à 2001, le nom- bre des grandes expositions dites universelles. Ainsi, après celle de Séville, qui aura lieu du 20 avril au 12 octobre 1992, Vienne et Budapest accueilleront ensemble celle de 1995, puis ce sera le tour de Hanovre en l'an 2000.
Le message soumis à notre examen propose l'ouverture d'un crédit d'engagement de 28 millions de francs pour permettre la participation de la Suisse à l'exposition universelle de Sé- ville. Le Conseil fédéral a jugé opportun de proposer, dans le même temps, d'ouvrir un crédit d'engagement de 2 millions de francs pour assurer la participation helvétique à l'exposition internationale spécialisée de Gênes.
En effet, en même temps que Séville qui a choisi d'évoquer par le thème de sa manifestation l'ère des grandes découvertes, Gênes entend célébrer, par une exposition spécialisée, le 500e anniversaire de la découverte du Nouveau monde, en rendant bien entendu hommage au Génois Christophe Co- lomb. Les pays participants y sont invités à présenter leurs contributions au développement de la navigation maritime, de la recherche scientifique et de l'exploitation industrielle en rap- port avec la mer.
Le pavillon suisse prévu dans la cité italienne illustrera sur une surface de 600 mètres carrés l'apport de l'industrie horlogère à l'instrumentation maritime classique, et présentera les tra- vaux de recherche océanographique des Piccard. Un specta- cle audiovisuel traitera du thème «la Suisse et la mer», tandis qu'un sous-marin battant pavillon helvétique, mais oui, emmè- nera des passagers en plongée touristique au large du port de Gênes.
Séville n'a pas oublié non plus l'anniversaire de l'étonnante aventure de Christophe Colomb. Ne fut-elle pas le point de dé- part des voyages du Génois? Mais son exposition, de carac- tère universel, embrassera toutes les découvertes qui, au cours des temps, ont permis d'élargir l'horizon des activités humaines dans les domaines les plus divers. L'Expo 92, dans une thématique aussi exaltante qu'ambitieuse, doit apporter la démonstration de la faculté d'évolution de notre monde dans une perspective de progrès. Les organisateurs prévoient la participation de 106 pays, de 32 organisations internationales et d'un nombre impressionnant d'entreprises privées. Ils at- tendent de 18 à 20 millions de visiteurs sur les 215 hectares consacrés à ce grand rassemblement.
Comme l'a relevé M. Felber, conseiller fédéral, à l'intention de notre commission, on peut avoir des avis divergents quant à la raison d'être des expositions universelles. Force est cepen- dant de constater que leur nombre a constamment augmenté ces dernières années et que leur succès s'est affirmé grandis- sant. Compte tenu du caractère réellement universel de la ma- nifestation de Séville et du risque que pourrait représenter pour notre pays une absence dont certains ne manqueraient pas de déduire notre manque de sens de la solidarité à l'échelle mondiale, voire européenne, le Conseil fédéral a ad- mis le principe de la participation suisse à cette exposition. De même, il ne lui est pas apparu opportun que la Suisse boude l'initiative génoise, du fait des relations d'excellent voisinage que notre pays entretient avec l'Etat transalpin.
Si la conception du pavillon suisse à Gênes n'a pas posé de
réels problèmes, celle de notre présence dans la métropole andalouse n'est pas allée sans difficulté, comme vous le sa- vez. Il y avait de bonnes raisons d'ouvrir un concours d'idées entre architectes et autres créateurs suisses. Mais, comme on devait s'y attendre, le débat, devenu dès lors public, révéla d'importantes divergences d'opinion. Le premier prix fut attri- bué au projet «Swice». Cette tour de glace conçue par l'archi- tecte Vincent Mangeat fut accueillie avec enthousiasme par certains, notamment à Séville, où l'on comprit la démarche pa- radoxale et dès lors provocante du projet. Mais la consomma- tion de l'énergie nécessaire à l'édification et au maintien de cet édifice appelé, rappelons-le, à durer plus de six mois, ne pou- vait manquer de révéler des implications écologiques et, dès lors, d'alimenter une âpre polémique.
Devant cette situation, comme nous l'a expliqué le représen- tant du Conseil fédéral, celui-ci chargea M. Mangeat, dont il re- connaissait la qualité du travail, de modifier le projet primé par la Commission de coordination pour la présence de la Suisse à l'étranger, la fameuse COCO, en renonçant à la tour de glace. Cette dernière est remplacée par une tour de papier- carton qui, selon les spécialistes, présente un intérêt indiscu- table du point de vue architectural.
Si la tour de glace subissait le danger de fondre par manque de moyens réfrigérants sous le soleil quasi proverbial de la belle Andalousie, il convient d'éviter le risque que la tour de papier-carton ne subisse d'éventuelles atteintes du feu, voire de la pluie qui peut même tomber parfois dans un pays où, à dire vrai, parapluie rime rarement avec mantille. La construc- tion précaire, au sens juridique du terme, sera donc traitée de manière adéquate, mais avec les produits les moins nocifs pour l'environnement, puisque c'est le souci de M. Ruf, envi- ronnement dont on tiendra aussi compte pour la destruction de la tour et le recyclage du matériau utilisé.
La décision du Conseil fédéral relative à la nouvelle tour Man- geat date de juin 1990, alors qu'à cette époque déjà certains pays entreprenaient la construction de leur pavillon à Séville. C'est dire que pour nous le temps presse. Comme ce fut le cas pour le pavillon suisse à Brisbane, la direction de la Muster- messe, à Bâle, serait chargée de la réalisation intégrale du pro- jet qui a rencontré un écho favorable de la part des organisa- teurs de l'Expo 92.
La Commission des affaires étrangères, qui s'est penchée lon- guement sur les divers aspects de ce projet, est d'avis que le Parlement peut accepter les conclusions du message du Con- seil fédéral. Elle a pris sa décision par 12 voix contre zéro, avec 4 abstentions. Nous avons acquis la conviction que la pré- sence de la Suisse à Séville, comme à Gênes, s'impose en la circonstance. On comprendrait mal, en Espagne, en Italie, et sans doute dans le monde, que l'un des pays les plus prospè- res s'abstienne de prendre part à ce grand rassemblement au- tour de quelques idéaux que les implications commerciales de telles manifestations ne doivent pas occulter. Et, en l'occur- rence, les rapports entre l'Espagne ou l'Italie et la Confédéra- tion helvétique, compte tenu de la nombreuse main-d'oeuvre de ces pays employée en Suisse et de toute la problématique européenne actuelle, sont tels qu'une attitude négative de no- tre part constituerait à n'en pas douter une grave maladresse, au-delà même de l'égoïsme qu'elle risquerait de traduire. N'oublions pas, de plus, les liens culturels évidents établis entre notre pays et les nations espagnole et italienne au cours des siècles.
La Suisse, dans sa diversité de races, de cultures, de langues, de religions, de fondements historiques, a quelque chose à présenter au monde en une telle circonstance. Ne sommes- nous pas à l'heure des efforts tendant, notamment en Europe, à harmoniser dans des mécanismes institutionnels très déli- cats à mettre au point les avantages à attendre de regroupe- ments et de concentrations ainsi que les besoins tout aussi évidents pour les peuples d'affirmer et d'affermir leur identité? Enfin, peut-on imaginer dans quelle situation d'isolement fâ- cheux se placerait la Suisse en refusant de participer aux expo- sitions de Séville et de Gênes, dans la perspective d'événe- ments comparables, d'ores et déjà annoncés et programmés à Vienne et Budapest, puis à Hanovre, au cours de la pro- chaine décennie?
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Nous vous recommandons donc d'accepter le projet d'arrêté fédéral et de repousser la proposition de renvoi de M. Ruf. A ce propos, celui-ci souhaite un projet respectueux de l'environ- nement. Le seul imaginable, me semble-t-il, en l'occurrence, si l'on veut vraiment viser au parfait respect de l'environne- ment, serait la plantation d'un arbre; mais ne serait-ce pas alors, pour une exposition organisée dans le troisième millé- naire de notre ère?
Ruf: Ich beantrage Ihnen Rückweisung des Geschäfts an den Bundesrat mit dem Auftrag, einen neuen Bundesbeschluss vorzulegen, dem für die Teilnahme der Schweiz an der Welt- ausstellung «Expo 92» in Sevilla ein ökologisch vertretbares Konzept zugrunde liegt, im Gegensatz zum Projekt «Ikarus». Sie kennen die Leidensgeschichte der Auswahl eines vernünf- tigen Projektes für die Vertretung unseres Landes an der Welt- ausstellung in Spanien. Die «Neue Zürcher Zeitung» schrieb sehr zu Recht vom «Leidensweg des Sevilla-Pavillons». Aus ökologischen Gründen wurde bekanntlich der zuerst ausge- wählte 30 m hohe Eisturm mit dem Namen «Swice» des Archi- tekten Vincent Mangeat fallengelassen. Der Energieverbrauch für die dauernde Kühlung des Turmes wäre tatsächlich in kei- nem vernünftigen Verhältnis zur Bedeutung des Schweizer Pa- villons gestanden; er wäre vor allem ein Schlag ins Gesicht al- ler Bemühungen nach einer umweltschonenden Energiepoli- tik gewesen - ein schlechtes Beispiel also dafür, wie man mit Energie eben nicht umgehen soll, gegeben durch den Staat selbst.
Nach weiteren Irrwegen hiess der Bundesrat schliesslich ein neues Mangeat-Projekt gut, den uns vorliegenden, 33 m ho- hen Papierturm mit dem Namen «Ikarus». Bei näherer Betrach- tung ist diese Variante jedoch ökologisch genauso problema- tisch wie der Eisturm, nur unter anderen Gesichtspunkten! Zahlreiche Fachleute haben gegenüber der Verwendung von Karton als Baumaterial grosse Bedenken.
In einer Stellungnahme vom 3. Dezember 1990 gelangt das In- stitut für Bautechnik der ETH Lausanne zu folgendem Schluss:
«En résumé, ce matériau semble inapproprié pour la construc- tion d'une tour.» Und etwas ausführlicher: «L'utilisation du car- ton ne semble pas représenter un intérêt technologique par rapport aux préoccupations sociales, techniques, environne- mentales ou économiques actuelles, soit: utilisation de dé- chets dans la construction, protection de l'environnement lors de la production et de la destruction des matériaux, protection de la sécurité et de la santé de la population, recyclabilité des matériaux de construction, recherche de matériaux alternatifs pour le tiers monde, utilisation accrue des ressources indigè- nes et locales, abaissement des coûts de construction.» Am 1. Oktober 1990 hielt das Schweizerische Institut für Baubiolo- gie fest: «Sollte das Projekt 'Ikarus' zur Ausführung kommen, lässt es sich dem Augenschein nach nur unter Verwendung to- xischer Mittel zur Festigung des Papiers realisieren. Die Ver- wendung dieser Stoffe ist bedenklich und sollte wenn möglich vermieden werden. Da das Papier in einem späteren Zeit- punkt, eventuell als Sondermüll, entsorgt werden muss, er- scheint uns dieses Projekt ökologisch gesehen als sinnlos.» Der Papierturm soll bekanntlich aus wasser- und feuerfestem Karton, hergestellt aus Recycling-Papier, gebaut werden. Der Bundesrat legt Gewicht auf die umweltfreundliche Kompo- nente. Auf Seite 17 der Botschaft heisst es: «Was die Baumate- rialien und die Bauweise betrifft, soll .... auf das Vergängliche, aber auch auf das umweltbewusst Wiederverwertete oder -ver- wertbare gesetzt werden.»
Genau dieses Ziel wird mit dem Projekt «Ikarus», wie die zitier- ten Stellungnahmen kompetenter Fachstellen aufzeigen, eben gerade nicht erreicht, weil es ökologisch sehr bedenklich ist! Um Papier feuerfest zu machen - Fachleute bestätigen dies -, werden grössere Mengen chemischer Verbindungen, unter anderem Phosphate, benötigt, die mit dem Begriff «Um- weltschutz» unvereinbar sind. Nassfestigkeit von Papier wird erreicht durch Zugabe unter anderem von Formaldehyd und anderen Produkten, die als toxisch und krebserregend einge- stuft sind.
Im Ständerat sind diese Bedenken letzte Woche ebenfalls laut
geworden. Ich zitiere Ständerätin Josi Meier, die erklärte: «Ich möchte meinem Unbehagen darüber Ausdruck geben, dass wir für einen Karton 30 Millionen Franken ausgeben sollen. Ich halte das unter Umweltgesichtspunkten nicht für tunlich.»
Sie sehen also: Mein Rückweisungsantrag ist sachlich mehr als nur begründet und gerechtfertigt. Bundesrat Felber wird nun erklären, die Ausarbeitung eines neuen Projekts sei zeit- lich nicht mehr möglich. Sie ist aber auch nicht nötig, denn die einfachste Lösung wäre wohl, den Turm nach der gleichen ar- chitektonischen Konzeption aus einem ökologisch vertretba- ren Material zu bauen. Ich denke an eine einfache Holzkon- struktion, zum Beispiel aus der grossen Menge von Abfallholz, das nach den verschiedenen Unwetterschäden in unserem Land angefallen ist. Die Bestandteile dieser Konstruktion könnten nach der Ausstellung für andere Zwecke sinnvoll wei- terverwendet werden. Mehrere andere, durchaus brauchbare Konzepte liegen überdies aus der Zeit des Ideenwettbewerbs bereits ausführungsreif vor, unter anderem auch das in der Presse vorgestellte Projekt «Acquatop» des Zürcher Architek- ten Werner Müller.
Die zeitliche Komponente stellt also kein Problem dar. Späte- stens in der Märzsession 1991, also noch mehr als ein Jahr vor der Ausstellung, könnte irn Parlament über einen neuen Bun- desbeschluss entschieden werden. Wenn Sie sich wegen trotzdem vorhandener zeitlicher Bedenken nicht für die Rück- weisung entscheiden kör nen, die Vorbehalte inhaltlicher Art aber dennoch teilen, so gibt Ihnen mein Eventualantrag zu Ar- tikel 1 Litera a die Möglichkeit, den Bundesrat zu verpflichten, den beantragten Kredit von 28 Millionen Franken für ein ver- bessertes, ökologisch vertretbares Projekt zu verwenden.
Die Schweiz gilt international im Bereiche des Umweltschut- zes zu Recht als fortschrittlich und in vielen Fragen als bahn- brechend. Dazu würde ein ökologisch bedenklicher Schwei- zer Pavillon an der Weltausstellung 1992 denkbar schlecht passen!
Ich bitte Sie deshalb um Zustimmung zum Rückweisungsan- trag oder allenfalls zum Antrag bezüglich Artikel 1.
Frey Walter: Die Fraktion der SVP sagt grundsätzlich ja zur Be- schickung der beiden zur Diskussion stehenden Projekte. Wir sind der Ueberzeugung, dass sich die Schweiz international zeigen muss, kann und darf.
Die zur Frage stehenden Frojekte haben in unserer Fraktion zu Diskussionen Anlass gegeben: Das eine wurde positiv beur- teilt (Genua); es war rasch erledigt. Hier sind wir vollumfäng- lich mit der Botschaft einverstanden.
Das andere Projekt, das wesentlich grössere für 28 Millionen Schweizerfranken, Projek: «Ikarus», wie es genannt wird, war auch in unserer Fraktion heftigst umstritten. Wir haben aber in der Diskussion gemerkt, cass wir nicht auch noch einen sepa- raten Vorschlag präsentieren können, dass wir das Projekt jetzt halt laufenlassen müssen, wie es ist. Hingegen empfeh- len wir den Projektleitern, den Betriebsleitern, vor allem den betrieblichen Teil, der auch in der Botschaft aufgelistet ist, noch einmal einer kritischen Ueberprüfung zu unterziehen. Es ist dort von «frechem» Kulturtheater die Rede. Ich weiss nicht, ob das unbedingt die beste Art und Weise ist, die Schweiz zu repräsentieren.
Leider ist es dem Parlament aus zeitlichen Gründen nicht möglich, eine Rückweisur g zu beantragen, sonst würde wahr- scheinlich die ganze Angelegenheit ins Wasser fallen.
Darum stimmen wir von der SVP-Fraktion für Eintreten zu die- sen beiden Ausstellungen und müssen Ihnen empfehlen, den Antrag Ruf abzulehnen.
Mühlemann: Im Namen der freisinnig-demokratischen Frak- tion darf ich Sie bitten, auf die Vorschläge einzutreten, damit sich die Schweiz an den beiden Ausstellungen in Sevilla und in Genua beteiligen kann. Ich weiss nicht, Herr Ruf, ob Sie tat- sächlich wissen, was in Sevilla 1992 geschehen wird. Ich weiss auch nicht, ob die unzähligen, kritischen Geister dieses Landes wissen, dass diese Weltausstellung nicht eine ge- wöhnliche Weltausstellung sein wird. Sie entsteht in einem Land, das - im Gegensatz zu unserem Staat - Probleme löst und nicht Probleme vor sich herschiebt. Spanien, aus der
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Franco-Zeit erwacht, hat in sieben Jahren unter dem bürgerli- chen Ministerpräsidenten Suarez den Weg von Glasnost und Perestroika eingeschlagen. Es hat sieben Jahre lang unter dem sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Gonzales den Weg zur Marktwirtschaft gefunden und ist seit dem Beitritt zur EG ein Land, das aufstrebt, ein Land, das Chancen wittert, das Chancen wahrnimmt und diese ummünzt in Unterneh- mungen, die eindrücklich sind. Wer das Weltausstellungsge- lände in Sevilla besichtigt, ist nicht nur beeindruckt durch die Anlage, sondern vor allem gefesselt durch den Geist des schöpferischen, kreativen Handelns, das alles bestimmt. Na- türlich geht man von der Vorstellung aus, ein neuer Christoph Kolumbus werde ausfahren. Er kann nichts mehr entdecken, denn Kolumbus I hat schon alles entdeckt; aber es gibt immer noch - wie Max Frisch sagt - die Kontinente des menschlichen Geistes, die vorhanden sind. Solche Kontinente werden bei dieser Exposition angesteuert. Die Schweiz hat einen sehr vor- teilhaften Platz. Ich kann mir nicht vorstellen, was geschieht, wenn wir auch dort noch fehlen, wenn auch dort noch ein lee- rer Fleck vorhanden ist.
Diese Exposition ist nicht eine Warenmesse, ist nicht eine Zu- sammenkunft von irgendwelchen Händlern und Marktfahrern, sondern diese Ausstellung dient dem geistigen Austausch in einer Zeit, die die Zukunft bewältigen will. In diesem Jahr 1992 wird nicht nur die Weltausstellung in Sevilla eröffnet, Madrid wird auch zur Kulturstadt Nummer eins der Welt erklärt wer- den. In Barcelona werden die Olympischen Spiele durchge- führt. Es ist also ein von Synergieeffekten geprägter Auf- schwung, der in Spanien herrschen wird. In zwei bis drei Jah- ren will man die Transrapid-Bahn von Madrid nach Sevilla bauen, quer durch die Sierra Morena, die ebenso hartes Ge- stein hat wie die schweizerischen Alpen; wenn ich das verglei- che mit dem, was wir in unserer Neat-Planung tun, befällt mich schon ein leichtes Erstaunen über die kleinkarierte Kritik an unserem Projekt. Man kann immer darüber diskutieren, ob ein Turm schön oder hässlich sei, ob es gescheit sei, den mit dem Material Eis zu erstellen oder mit Karton. Es gibt natürlich eine konstruktive Architektur, die für die Ewigkeit bestimmt ist. Aber dieser welsche Architekt, der zweifellos ein origineller Geist ist, hat die destruktive Architektur gewählt mit einem Turm, der aus Papier besteht und der am Ende der Ausstellung eben nicht mehr existiert. Dazu kann man ja oder nein sagen, aber man kann nicht ja oder nein sagen zu unserer Partizipation in der Welt draussen. Es ist höchste Zeit, dass dieses Land ein- mal erwacht und die Türen und die Fenster auftut und sich be- teiligt an dem, was die Völker Europas und die Völker der übri- gen Welt tun.
In dieser Beziehung bin ich etwas beschämt über die kleinka- rierte Art und Weise, wie wir dieses Weltausstellungsprojekt von Sevilla behandeln. Der Turm ist nicht das Zentrale, Herr Ruf. Sie können immer etwas ökologisch Defektes finden, an jedem Gegenstand, jeder Rohstoff hat irgend etwas, was man mit Negativem versehen kann. Aber Sie haben einen Pavillon, mit der Chance, im Herzen der Ausstellung die Schweiz darzu- stellen, ihre Botschaft zu verkünden, wenn wir überhaupt eine zu verkünden haben. Aber dazu gehört etwas mehr optimisti- scher Geist als was Sie hier predigen. Ich bin etwas erzürnt über die Tatsache, dass wir nicht bereit sind, hier ohne Wenn und Aber ja zu sagen zu einem Projekt, bei dem wir dabeisein müssen. Ueber das Wie kann man immer diskutieren. Dass je- der Schweizer das besser könnte und besser gewusst hätte als das Eidgenössische Departement für auswärtige Angele- genheiten, wissen wir nachgerade. Aber ich bitte Sie, von die- sen kleinmütigen und kleinkarierten Verhaltensweisen wegzu- kommen und daran zu denken, dass Kolumbus, wenn er 1492 von schweizerischen Beratern begleitet gewesen wäre, Ame- rika heute noch nicht entdeckt hätte!
M. Longet: Notre problème n'est ni le montant de 30 millions ni le projet Mangeat. M. Mangeat a fait preuve de créativité, il a mis en musique une partition qui n'était pas la sienne. Ce n'est pas du tout à lui qu'il faut jeter la pierre, au contraire. Ce que nous aimerions, c'est débattre d'abord du principe même de ces expositions et de ce que l'on veut y montrer.
Lors de ce débat, on a constamment confondu la forme et le
fond. Discuter d'argent ou d'architecture, c'est tomber dans le piège, et nous n'aimerions pas le faire. Ce que nous regrettons - je peux le dire pour avoir quelque peu cherché à suivre le processus, j'ai d'ailleurs posé une question écrite à laquelle il a été répondu que tout figurerait dans le message, ce qui n'a pas été le cas - c'est que le processus n'a pas été caractérisé par une grande clarté et par une réflexion sérieuse en matière de conception.
En effet, on a perdu trois ans entre la désignation, par les ins- tances internationales en 1983, de Séville comme siège de l'exposition et notre réponse affirmative, en 1986, quant à no- tre participation. Ensuite il a fallu faire très vite, on a mis les bouchées doubles et on s'est battu sur des projets. On n'avait plus qu'à entériner la tour de glace, devenue tour de papier. Nous en sommes maintenant là et, je le répète, le problème n'est pas la tour, s'exprimer seulement sur ce point est tomber dans un piège. Néanmoins, on peut constater que cette tour exprime sans doute symboliquement un certain désarroi, re- flète probablement de l'état actuel de la Confédération.
La question de fond, pour nous, est celle-ci. On prévoit 20 à 25 millions de visiteurs dans cette partie du monde qui, je suis d'accord avec M. Mühlemann, se révèle extraordinairement dynamique. Que leur dira-t-on sur notre pays? Que vont-ils ap- prendre sur ce pays un peu mystérieux au coeur de l'Europe? Qu'on y trait des vaches, qu'on y vit heureux et qu'il y a beau- coup de banques et beaucoup d'argent? Ou bien leur dira- t-on qu'on y débat sur le rôle que nous pourrions jouer dans le monde, y présentera-t-on nos réussites et nos difficultés, y ex- primera-t-on ce qui s'y déroule, ce qui s'y passe en termes de créativité et de débats? Autrement dit, nous ne pouvons pas répondre à une exposition de ce type, à ce défi, sans nous li- vrer à une réflexion sur notre identité et sur l'état actuel de la Suisse. Et c'est là que l'on a en permanence mélangé la forme et le fond. Et c'est dans ce sens que débattre de l'architecture ou du crédit est un piège. C'est pourquoi il nous intéresse de poser le problème de principe.
Finalement 1991, une année avant Séville, c'est le 700e anni- versaire. 1992, c'est l'ouverture sur l'Atlantique, le monde eu- ropéen qui redécouvre de nouveaux rivages; c'est aussi une date-clé pour l'Europe. Nul n'est besoin de rappeler de quoi ces dates sont les symboles. Ce sont là des dates assez extra- ordinaires, non pour faire non pas du nombrilisme, mais pour nous interroger sur notre destinée et pour savoir où nous al- lons dans la perspective de notre entrée dans le XXle siècle et des problèmes réels qui se posent. Ce n'est pas une réflexion unanimiste qu'il faut avoir, mais un état de la situation.
J'insiste sur le fait que notre pavillon n'est pas un pavillon tou- ristique. Notre participation est un élément de notre politique étrangère. Là est le fond du problème. Nous souhaitons que l'on soit conscient à tous les échelons que participer à ce type d'exposition est véritablement un élément de politique étran- gère. Cette exposition sera l'ambassadeur de la Suisse auprès de 20 millions de visiteurs.
Il est maintenant trop tard pour changer quelque chose et pour discuter d'un renvoi éventuel. J'aimerais donc, en guise de conclusion, donner quelques éléments quant à la suite.
Nous sommes heureux que le Conseil fédéral ait indiqué sa volonté de sortir d'un traitement quelque peu routinier de ses dossiers, comptant répondre de façon plus sélective et plus prévoyante aux sollicitations concernant les expositions uni- verselles. A l'avenir, M. Felber le confirmera certainement, on examinera de plus près la question de notre participation. Dans l'affirmative, on y va pour de bon, et on entame dans ce cas un processus qui est traité de manière plus large, donnant ainsi davantage satisfaction.
Nous aimerions, pour ce faire, que l'on réfléchisse à trois points. Le premier serait d'entrer dans le processus le plus tôt possible. On a perdu un temps précieux. Faisons la réflexion sur le concept et la philosophie que nous voulons présenter le plus tôt possible. Deuxièmement, réunissons les forces vives du pays pour avoir une assise large quant à ce qu'il y a à dire et à la façon de le dire. Enfin, last but not least, intégrons en temps utile le Parlement, car il n'est jamais agréable pour notre Chambre d'être une Chambre d'enregistrement.
Nous n'avons pas d'autre choix. Dire non serait faire preuve de
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12 décembre 1990
pusillanimité, je suis absolument d'accord avec l'esprit du dis- cours de M. Mühlemann. Renvoyer le projet n'a plus de sens, il faut y aller. Tirons le meilleur parti du projet existant, mais soyons conscients des lacunes du processus, analysons-les de près et faisons mieux la prochaine fois afin que la forme n'escamote pas le fond.
Portmann: Die CVP-Fraktion will, dass die Schweiz 1992 an der Weltausstellung in Sevilla und an der Spezial-Weltausstel- lung in Genua Präsenz markiert. Die Schweiz hat jetzt, nach Jahrzehnten des latenten Hochmuts gegenüber Südeuropa, Solidarität zu demonstrieren. Der EG-Staat Spanien misstraut uns ohnehin, auch wenn wir rege mit ihm Handel treiben. Ita- lien ist uns wohlgesinnt. Wir haben die Stimmen der EG-Parla- mentarier nötig; denn das EG-Parlament entscheidet letzlich über unseren Eintritt in den Wirtschaftsraum. Es wäre unüber- legt und taktlos, mitten im Europaprozess einem Staat auf die- sem Kontinent die kalte Schulter zu zeigen, dann aber an einer späteren Weltausstellung in Wien oder Budapest teilzuneh men. Wir haben Anlass, in Sevilla die komplexen Strukturen unseres Landes verständlich zu machen und unser Land als europawillig zu präsentieren. Wir schulden Europa die Erklä- rung, warum wir mit unserem erprobten staatlichen Föderativ- modell beim föderativen Aufbau des Kontinents nicht vorne in der Lokomotive, sondern hinten im Bremserhaus sind.
Die Weltausstellung in Sevilla wird kritisiert, sie sei zu aufgebla- sen. Die CVP-Fraktion hält dafür, dass nicht alles monströs, megaloman ist, was gross und europäisch ist, das Gegenteil von klein und schweizerisch. Es kann nicht Sache unseres Landes sein, einen Nachbarstaat zu belehren, wie eine Welt- ausstellung massvoll und ökologisch richtig zu organisieren sei. Allerdings hält die CVP-Fraktion dafür, dass wir uns in Zu- kunft besser auf solche Weltausstellungen vorbereiten, dass wir Zeit haben, uns innerstaatlich zu einigen, wie wir unser Land draussen präsentieren und plakatieren wollen. Die Welt- ausstellung in Sevilla will nämlich die Denkmodelle und die technischen Mittel zeigen, mit denen die Völker das neue Jahr- tausend angehen. Spanien ist als Gastland dafür prädesti- niert. Im Mittelalter trafen sich die Pilger Europas am Grab des Apostels Jakobus im nordspanischen Santiago de Compo- stela. Dort entstanden die tragenden Ideen der Renaissance und damit der Neuzeit. Die Weltausstellung im spanischen Se- villa hat den gleichen Sinn, Ideen für die Neuordnung unseres Kontinents vorzustellen. Dass wir dabei sind, hält die CVP- Fraktion für entscheidend. Mit welchem Gebäude, mit wel- chem Turm, mit welchem Architekturstil und auf welchem Lei- densweg auch immer, hält die CVP-Fraktion in der herrschen- den Situation und zu diesem späten Zeitpunkt für zweitrangig. Sie will auf die Vorlage eintreten und ihr zustimmen; damit ist gesagt, dass sie sowohl den Antrag als auch den Eventualan- trag von Herrn Ruf ablehnt.
Burckhardt: Namens der liberalen Fraktion empfehle ich Ih- nen, den vom Bundesrat angeforderten Kredit von 28 Millio- nen Franken für den Schweizer Pavillon in Sevilla zu sprechen, und begründe diese Empfehlung wie folgt:
das haben wir in dieser einen Kommissionssitzung nicht tun können. Aber vielleicht ist es das Glück, denn wir sind von der Beantwortung der Frage befreit, ob das vorgelegte Projekt nun gut oder schlecht, ob es vormodern, modern oder postmo- dern, ob es konstruktive oder destruktive Architektur sei - wo- bei ich von der letzteren nicht recht weiss, was sie ist -, ob es klassische, progressive oder aggressive Kunst sei oder ob es als ein mahnender genialer Gag aufgefasst werden dürfe. Viel- mehr können wir uns erwartungsvoll zurücklehnen und abwar- ten, ob uns im Jahr 1992 in Sevilla das dannzumal fertige Werk durch geistreiche Wohlgestalt und überraschend neue Aussa- gen über unser Schweize wesen auf das angenehmste über- raschen wird.
Vielleicht ist es gestattet, an dieser Stelle kurz darauf hinzuwei- sen - ohne Klage -, dass der Weg, der zum Resultat geführt hat, ein doch dornenvoller und komplizierter Weg gewesen ist. Es wurde gesagt, das sei typisch schweizerisch - ich wider- spreche dem. Ich glaube, dass es fast ein Zufall gewesen ist, dass mit diesem Projekt aufgedeckt worden ist, dass gewisse Wege in der Verwaltung zu kompliziert geworden sind. Ich hoffe, dass der Bundesrat straffende Massnahmen ergreifen wird, um solche Erarbeitungen zu vereinfachen. Ich glaube, es ist wohl gut gemeint, aber kaum effizient, wenn man zu viele und zu diversifizierte Fachleute für solche Aufgaben einlädt, und mache darauf aufmerksam, dass das Wesentliche für hohe Qualität in solchen Fällen nicht nur bei den Projektverfas- sern, sondern vor allem auch beim Schiedsgericht und beim Auslober steht.
Vielleicht wäre es gut gewesen, wenn man den Wettbewerbs- teilnehmern eine Richtlinie dazu hätte geben können, wie man in Sevilla unser Land zeigen möchte - dass es neue Wege sein müssen, ist selbstverständlich. Es wäre sicher gut gewesen, wenn der Bauherr - der Bund - selber gesagt hätte, was er sich vorstellt. Denn wohl kann es einem originell und neuartig, positiv und schöpferisch vorkommen, wenn man Türme aus Wasser oder Karton vorstellt, aber das ist eben doch nur die zweite Ebene der Gestaltung. Die erste Ebene, die Thematisie- rung, die hat hier gefehlt. Ich glaube, das nächste Mal wird si- cher ein kreativerer Weg eingeschlagen, ohne dass man des- wegen unser Volk als «immernörglerisch» usw. darstellen muss.
Dem Vorstoss von Herrn Ruf können wir aus mehreren Grün- den nicht mehr folgen; der hauptsächliche ist jener des Man- gels an Zeit. Für Genua ist die 2-Millionen-Frage auch keine Frage, ich glaube, dass diesem Vorschlag auch entsprochen werden müsste, und ich sage aus ganzem Herzen, Herr Bun- desrat, dass ich Ihnen jetzt: alles Gute wünsche für die Ausfüh- rung. Zum subtropischen Eisturme habe ich mich vor Zeiten ein wenig kritisch geäussert, vielleicht hat das auch nichts ge- schadet.
Schmid: Monsterveranstaltungen sind nicht mehr unbedingt Ausdruck und Notwendigkeit unserer Zeit. Weltausstellungen haben zwar ihre Geschichte, aber sie mögen hoffentlich ange- sichts des Materialverschleisses, der Massenansammlungen von Menschen auf engem Raum, des Energiebedarfs und der entsprechenden Verkehrsinfrastrukturen bald der Geschichte angehören. Der Elan für richtungsweisende Zukunftsprojekte ist ohnehin erstorben und im Grunde auch gar nicht gefragt. Entsprechend ist der Pavillon der Schweiz, trotz etlichen neuen Anläufen, im Ergebnis nicht über ein wenig originelles technisches Kuriosum hinausgekommen. Und was darin an- geboten wird, ist eine Variante von längst bekannten und kli- schierten Schweizer Spezialitäten mit einem Aufwisch von mo- derner Technologie, Medienspektakel und «son et lumières». Was nun hier, 500 Jahre nach der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus, von der Aufbruchstimmung dieses kühnen Seefahrers noch übriggeblieben ist, macht einen eher dürfti- gen Eindruck. Im Gefolge der Eroberung neuer Kontinente hat sich zwar fast mehr Bedenkliches als Denkwürdiges ereignet; nichtsdestotrotz bleibt der Mut des Kolumbus, sich die Welt anders zu denken, als es damals üblich war, bedenkenswert. Die Tat ist durchaus jubiläumswürdig - und zwar im Sinne des Ansporns für uns, nach neuen geistigen Horizonten aufzubre- chen, das vorläufig noch Unübliche zu denken und durch die
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Internationale Ausstellungen
Tat zu beweisen, dass manches möglich ist, wenn man es nur will. Von diesem geistigen Neuaufschwung, den Kolumbus vollbracht hat, und nicht von dem, was daraus geworden ist, sollte eine Weltausstellung zeugen, wenn sie schon die 500- jährige Geschichte der Seefahrt würdigen will. Aber dann müsste eine solche Ausstellung gar nicht derart gigantische Ausmasse annehmen. Der Mangel an Ideen und Utopien wurde schon von jeher mit materialaufwendigem Spektakel kompensiert, der seinerseits die wirklichen Anliegen verdeckt. Die Zeiten solcher Grossanlässe sind vorbei, und wir werden nach 1992 entschieden von der Teilnahme an solchen Gross- veranstaltungen abraten. Was wir jetzt noch tun können, ist, wenigstens ein ökologisch verantwortbares Projekt zu realisie- ren.
Das vorliegende Projekt befriedigt in ökologischer Hinsicht aber nicht, weshalb wir den Rückweisungsantrag Ruf unter- stützen. Grundsätzlich widersetzen möchte sich die grüne Fraktion der Teilnahme an der Ausstellung nicht mehr, und sie wird sich in der Gesamtabstimmung der Stimme enthalten.
Frau Grendelmeier: Ob 700 Jahre Schweiz oder 500 Jahre Kolumbus, Kulturdebatten haben ihre liebe Not im Land der Eidgenossen, und ich bitte Sie doch, dafür einmal genau hin- zusehen, worüber wir jetzt erst einmal abstimmen müssen. Es geht um einen Kredit von 28 Millionen Franken und darum, ob wir uns an der Weltausstellung in Sevilla beteiligen wollen oder nicht.
Wir haben es gehört. Ein langer Leidensweg liegt hinter uns, und vor uns liegt nur noch sehr wenig Zeit. Der Eisturm ist ge- schmolzen, bevor er stand. Zur Diskussion steht ein Papier- turm, also destruktive und insofern originelle Architektur, die, sollte sie nicht gelungen sein, uns nicht ewig erhalten bleibt, sondern wieder verschwindet. Auch das eine Chance.
Ich möchte Sie doch sehr bitten, die ökologischen Probleme im Zusammenhang mit diesem Projekt nicht überzubewerten. Selbstverständlich wäre vermutlich das Oekologischste, wir würden einen Baum pflanzen - nur wächst der nicht so schnell. Aber wir können auch - die Bedenken kamen tatsäch- lich auch in unserer Fraktion zur Sprache -, gestützt auf die heutige Debatte, dem Architekten, dem Schöpfer dieses Tur- mes, noch einen Wink geben, weniger schädliche Materialien zu verwenden und vielleicht - unter Beibehaltung der Karton- konstruktion - auf allzu scharfe Lösungsmittel und ähnliche schädliche Stoffe zu verzichten.
Der Landesring und die EVP sind der Meinung, dass es hier vor allem darum geht, ob wir einmal mehr und - wer weiss - zum letzten Mal abseits stehen möchten, ob wir es auch hier fertigbringen, noch einmal einen «Sonderfall Schweiz» zu kre- ieren, der sich ins Abseits stellt und sagt: Wir sind so fein, wir nehmen nicht teil. Das würde nicht nur von allen anderen Län- dern nicht verstanden, mit denen wir jetzt sehr eifrig Kontakt pflegen, es würde vor allem - und davon bin ich überzeugt - von Spanien selber als Affront aufgefasst. Das können wir uns nicht leisten.
Wenn wir also wieder ein bisschen etwas von der Pionierzeit die- ser Schweiz, die eben dann 700 Jahre alt gewesen sein wird, hervorholen wollen - von dieser Schweiz, wie sie sich 1848 und in den folgenden Jahren, in den Gründerjahren, präsentiert hat: eine offene Schweiz, die auch etwas Durchzug verträgt, eine Schweiz, die Kontakt pflegt mit ihren umliegenden Nachbarn-, dann müssen wir hier zustimmen und dürfen nicht vergessen, dass über Aesthetik nicht demokratisch abgestimmt werden kann. Würden wir jetzt ein neues Modell diskutieren: jede Wette, auch da gäbe es nicht nur ein Haar in der Suppe zu finden, son- dern möglicherweise eine ganze Perücke!
Ich bitte Sie, im Sinne einer offenen Schweiz, im Hinblick auf die Verhandlungen, die vor uns stehen, und im Sinne einer Manifestation, dass wir zu dieser Welt gehören, die Teilnahme an dieser Weltausstellung zu bejahen und der Vorlage, so wie sie ist, zuzustimmen, auch wenn vieles hätte besser gemacht werden können - Herr Burckhardt hat es erwähnt. Die Ver- handlungen innerhalb der Verwaltung könnten etwas zügiger, etwas straffer und vielleicht auch etwas kompetenter geführt werden.
Stimmen Sie dieser Vorlage zu, ich bitte Sie.
Hier wird die Beratung dieses Geschäftes unterbrochen Le débat sur cet objet est interrompu
Schluss der Sitzung um 13.00 Uhr La séance est levée à 13 h 00
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11
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90.071
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Datum 12.12.1990 - 09:30
Date
Data
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2290-2295
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20 019 305
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