1913
Postulat Leutenegger Oberholzer
Schwinden der grossen, bipolaren Konfrontation der Super- mächte, die überall aufbrechenden bzw. manifest werdenden Nationalitätenkonflikte, ethnischen, kulturellen und sprachli- chen, auch religiösen Minderheitenkonflikte. Sie müssen auch in künftigen sicherheitspolitischen Szenarien als ernstzuneh- mende Bedrohungsfaktoren veranschlagt werden.
Es wäre darum in unserer Zeit, in Europa und über Europa hin- aus, eine wichtige Aufgabe, die Potentiale des Föderalismus in praktischer Absicht mit einem Blick auf die Konfliktsituationen in der heutigen Welt zu erforschen.
Die Schweiz könnte auf diesem Boden dem heutigen Eu- ropa und der heutigen Welt aus ihrer föderalistischen Ueberlie- ferung und Erfahrung heraus den wichtigsten Dienst leisten. So hat denn auch der Vorsteher des EDA in seiner kürzlich an der Kopenhagener KSZE-Konferenz über Menschenrechte gehaltenen Rede den schweizerischen Weg gewiesen, indem er die Rechte der Minderheiten herausstrich und die KSZE- Staaten zu einem speziell diesem Thema gewidmeten Treffen auf 1991 in die Schweiz einlud.
Eine praktische Erforschung des Nutzens des Föderalis- mus in der heutigen Welt müsste in breiter Zusammenarbeit zwischen schweizerischen und ausländischen wissenschaftli- chen und politischen Sachverständigen erfolgen. Eine ent- sprechende Stelle, wie sie hier angeregt wird, könnte in Form von gezielten Forschungsaufträgen, von Expertentagungen und internationalen Kongressen arbeiten und ihre Ergebnisse den internationalen politischen Gremien zugänglich machen. Sie wäre auch konzipierbar als ein Organ zugunsten der KSZE, oder - um über den europäisch-atlantischen Raum hin- auszugreifen - der Vereinten Nationen, deren Agentur für Frie- den und Abrüstung (Unidir) ja auf schweizerischem Boden an- gesiedelt ist.
Während kritische Stimmen in unserem Land die Befürch- tung äussern, das Jubiläumsjahr 1991 werde nicht mehr als ei- nen sterilen Rückblick bringen, könnte auf die beschriebene Weise ein weithin sichtbarer zukunftsweisender Schritt getan werden.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 5. September 1990 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 5 septembre 1990 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
Ueberwiesen - Transmis
90.569
Postulat Leutenegger Oberholzer Frauenforschung an den Eidgenössischen Technischen Hochschulen EPFZ et EPFL. Recherche sur la condition féminine
Wortlaut des Postulates vom 19. Juni 1990
Der Bundesrat wird eingeladen, an der ETH Zürich und an der EPF Lausanne je einen Lehrstuhl für Frauenforschung einzu- richten. Der Lehrstuhl soll insbesondere auch der Auseinan- dersetzung mit der Stellung der Frau im technisch-naturwis- senschaftlichen Komplex dienen.
Texte du postulat du 19 juin 1990 Le Conseil fédéral est invité à instituer deux chaires de recher- che sur la condition féminine dans les Ecoles polytechniques
fédérales de Lausanne et de Zurich afin notamment de pro- mouvoir l'étude de la situation des femmes dans le monde de la technique et des sciences.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Antille, Aubry, Baerlocher, Bär, Bäumlin Ursula, Bircher, Bodenmann, Danuser, David, Diener, Dormann, Gardiol, Grendelmeier, Haering Binder, Hafner Ursula, Haller, Herczog, Jaeger, Jeanprêtre, Loeb, Longet, Nabholz, Ott, Pitteloud, Scheidegger, Seiler Rolf, Stamm, Stocker, Uchtenhagen, Vollmer, Zbinden Hans (31)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
In der Schweiz sind wir von der Gleichstellung der Geschlech- ter in allen gesellschaftlichen Bereichen noch weit entfernt. Auch die akademisch-wissenschaftliche Welt wird von den Männern geprägt. Gerade die Vorgänge im Bereich der Wis- senschaft sind für die Entwicklung der Gesellschaft, für Politik und für die Verteilung von Macht von grosser Bedeutung. Heute sind die Frauen in der Wissenschaft kaum wahrnehm- bar. Ihre Marginalisierung ist die Folge davon, dass Frauen als Studentinnen, Forscherinnen, akademische Lehrerinnen jahr- hundertelang nicht präsent waren. Die Tore der Universitäten und Hochschulen wurden den Frauen erst vor rund 100 Jah- ren geöffnet. Noch heute sind die Frauen im akademischen Lehrkörper massiv untervertreten, obschon inzwischen der Anteil der Frauen bei den Studierenden erheblich angestiegen ist.
In internationalen Gremien hat die Schweiz, wie dem Bericht der eidgenössischen Frauenkommission zur Stellung der Frau in der Schweiz (Teil IV) zu entnehmen ist, die Forderung nach Frauenstudien verschiedentlich nachhaltig unterstützt. Doch an den eigenen Universitäten und Hochschulen im In- land tut sich diesbezüglich nur wenig.
Der Bund ist hier geradezu aufgefordert, voranzugehen. Zu dieser Schlussfolgerung kommt auch eine Arbeitsgruppe der eidgenössischen Frauenkommission in ihrer Analyse der «Zu- kunftsstrategien von Nairobi zur Förderung der Frau», Bern 1988. Im Zusammenhang mit dem Postulat der Förderung von Frauenforschung an den Hochschulen regt die Arbeitsgruppe die Schaffung je eines Lehrstuhls für Frauenforschung an der ETH Zürich und an der EPF Lausanne an. Der Bericht hält dazu fest:
«Aufgabe eines solchen Lehrstuhls wäre zum einen, interdiszi- plinär die gesellschaftlichen Bedingungen für Frauen zu erfor- schen, Hinweise für ihre faktische Benachteiligung zu suchen sowie Aenderungswege zu skizzieren. Zum andern müsste ebenso die Diskussion über die Gültigkeit der gängigen Wis- senschaftsmethoden geführt werden. Zu hinterfragen gilt es hier in erster Linie, die - in aller Regel von Männern definierte - 'Objektivität' der Wissenschaft und die oft gleichzeitig erfol- gende Disqualifizierung der frauenspezifischen Anschauun- gen und Standpunkte.»
Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 12. September 1990 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 12 septembre 1990
Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen, macht aber darauf aufmerksam, dass für die Errichtung von Lehrstühlen der Schweizerische Schulrat zuständig ist.
Le président: Le postulat est combattue par M. Dreher. La dis- cussion est renvoyée à une date ultérieure.
Verschoben - Renvoyé
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Postulat Leutenegger Oberholzer Frauenforschung an den Eidgenössischen Technischen Hochschulen Postulat Leutenegger Oberholzer EPFZ et EPFL. Recherche sur la condition féminine
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Jahr
1990
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Anno
Band
IV
Volume
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Session
Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
17
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 90.569
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 05.10.1990 - 08:00
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1913-1913
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