Motion Reimann Fritz
1897
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aguet, Ammann, Bäumlin Ursula, Béguelin, Bodenmann, Borel, Braunschweig, Bundi, Danuser, Eggenberg-Thun, Fankhauser, Haering Binder, Hal- ler, Hubacher, Jeanprêtre, Lanz, Leuenberger-Solothurn, Mauch Ursula, Ott, Pitteloud, Rechsteiner, Reimann Fritz, Stappung, Vollmer, Ziegler, Züger (26)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Die Chemieunfälle der letzten Zeit sowie das Unfallrisiko der wachsenden Mengen an transportierten, risikoreichen Chemi- kalien zeigen deutlich, dass Polizei, Feuerwehr, Gesundheits- und Umweltbehörden raschen Zugang zu möglichst vollstän- digen und zuverlässigen Informationen haben müssen. Nur so kann in konkreten Gefahrensituationen schnell und kompe- tent reagiert oder vorbeugend gehandelt werden.
Der Aufbau einer leistungsfähigen und möglichst vollständi- gen Chemiedatenbank ist zwar mit spürbaren Kosten verbun- den. Gelingt es jedoch, dank zuverlässigen und schnellen In- formationen die Auswirkungen von Chemie- und Transportun- fällen einzugrenzen, so dürften sich diese Aufwendungen bei weitem lohnen. Entsprechende Informationssysteme sind auf dem Markt vorhanden und können relativ rasch eingeführt werden.
Information allein genügt aber nicht. Es gilt auch vorsorgliche Massnahmen zu ergreifen, um die Risiken wieder zu verklei- nern. Anstatt wachsende Mengen an hochgefährlichen Stof- fen in der Weltgeschichte herumzutransportieren, sollen diese dezentraler hergestellt werden. Dies ist zwar in der Regel mit Mehrkosten verbunden, die aber zur Risikominderung bis zu einem bestimmten Punkt durchaus in Kauf zu nehmen sind. Es handelt sich hier um ein klassisches Optimierungspro- blem. Der Bundesrat soll darauf hinwirken, dass dabei der As- pekt der Risikominderung stärker gewichtet wird.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 12. September 1990 Rapport écrit du Conseil fédéral du 12 septembre 1990
Zur Wahrnehmung der Aufgaben der Nationalen Alarmzen- trale (NAZ) bei einer Gefährdung durch chemische Stoffe (VO NAZ, Art. 1, Abs. 4) hat der Bund die Beschaffung eines EDV-gestützten Informationssystems über gefährliche Stoffe vorgesehen. Das Eidgenössische Departement des Innern hat die Komac mit den Abklärungen zur Beschaffung einer sol- chen Chemiedatenbank beauftragt. Es wurde eine Arbeits- gruppe eingesetzt, die aus Vertretern der betroffenen Bundes- ämter, der Kantone, der Komac und der chemischen Industrie besteht. Die Arbeitsgruppe soll bestehende Chemiedatenban- ken evaluieren, allfällige Anpassungen an schweizerische Be- dürfnisse prüfen und Wege zur Fortschreibung auf dem Be- triebssystem der NAZ aufzeigen.
Nach dem Chemiebrand in «Schweizerhalle>> wurden vielerorts konkrete Massnahmen zum Schutze der Bevölke- rung und der Umwelt vor Katastrophen getroffen (USG, Art. 10). In verschiedenen Unternehmungen wurden risikorei- che Verfahren aufgegeben und Lagermengen reduziert. Di- verse Fachorganisationen haben neue Normen und Richtli- nien erlassen.
Auf Bundesebene hat eine breit angelegte Expertenkommis- sion den Entwurf zu einer Störfallverordnung erarbeitet. Dieser wurde in der Vernehmlassung positiv aufgenommen. Mit der Verordnung sind Betriebsinhaber aufgefordert, eigenverant- wortlich die zur Verminderung von Risiken geeigneten Mass- nahmen zu treffen. Dazu gehören Massnahmen zur Herabset- zung des Gefahrenpotentials, zur Verhinderung von Störfällen und zur Begrenzung von Störfallauswirkungen. Das gleiche soll auch für den in der Verordnung zu regelnden Transport gefährlicher Güter gelten. Mit Inkrafttreten der Störfallverord- nung - voraussichtlich anfangs 1991 - wird der Bundesrat den Vollzugsbehörden ein Instrumentarium zur Verfügung stellen, mit welchem die Anliegen der Motion erfüllt werden können. Als Vollzugshilfe erarbeitet das Buwal gemeinsam mit den Kantonen und den Fachorganisationen auch ein Handbuch zur Verordnung. Die in Teilgebieten bereits vorhandenen tech- nischen Normen von Verbänden und Fachorganisationen
werden darin berücksichtigt. Im übrigen dient ein regelmässi- ger Erfahrungsaustausch der Vollzugsbehörden einer wir- kungsvollen Umsetzung der Vorschriften.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwan- deln.
Ueberwiesen als Postulat - Transmis comme postulat
90.552
Motion Reimann Fritz Massnahmen gegen die Entsolidarisierung in der Krankenversicherung Assurance-maladie. Mesures contre la désolidarisation
Wortlaut der Motion vom 13. Juni 1990
Der Bundesrat wird ersucht, als Massnahme gegen die zuneh- mende Entsolidarisierung in der sozialen Krankenversiche rung, dem Parlament so rasch als möglich eine Vorlage zu ei- ner Partialrevision des KUVG vorzulegen, die folgende Punkte enthält:
Das Verbot der Kollektivversicherung im Krankenpflegebe- reich.
Einführung eines Lastenausgleiches zwischen den Kran- kenkassen. Dieser ist vom Bund durch die Einforderung eines Lastenausgleichsbeitrages bei den Krankenkassen und des- sen Rückverteilung nach dem Alter der Versicherten durchzu- führen.
Texte de la motion du 13 juin 1990
Le Conseil fédéral est chargé, en vue de remédier à la désoli- darisation croissante en matière d'assurance-maladie sociale, de soumettre le plus vite possible au Parlement un projet de révision partielle de la LAMA portant sur les points suivants:
Interdiction de l'assurance collective en matière de soins médico-pharmaceutiques.
Introduction d'un système de péréquation des charges entre les caisses-maladie. Pour ce faire, la Confédération exi- gerait une contribution des caisses-maladie et procéderait à une redistribution en fonction de l'âge des assurés.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aguet, Ammann, Bäumlin, Béguelin, Bodenmann, Borel, Braunschweig, Bundi, Danuser, Eggenberg-Thun, Eggenberger Georges, Fankhauser, Hae- ring Binder, Haller, Hubacher, Jeanprêtre, Lanz, Ledergerber, Leuenberger-Solothurn, Mauch Ursula, Ott, Pitteloud, Rech- steiner, Stappung, Vollmer, Ziegler, Züger (27)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Mit dem Bundesbeschluss vom 23. März 1990 hat das Parla- ment einen Beitrag zur Bekämpfung der Entsolidarisierung in der Krankenpflegeversicherung geleistet. Die Wirksamkeit dieser Massnahme ist zwangsläufig beschränkt. Der Bundes- rat hat denn auch die Vorarbeiten zu einer Totalrevision aufge- nommen. Bis eine solche in Kraft tritt, werden noch Jahre ver- gehen.
Wie der Presse zu entnehmen war, haben deshalb die Kran- kenkassen selbst das Eidgenössische Departement des In- nern ersucht, auf Verordnungsebene alle Massnahmen zu tref- fen, die die Entsolidarisierung zurückdämmen können. Die Krankenkassen haben selbst entsprechende Anträge einge- reicht.
Diese Massnahmen können jedoch nur von beschränkter Tragweite sein, weil das heutige KUVG die Entsolidarisierung
Motion Pitteloud
1898
N
5 octobre 1990
durch die Kollektivversicherung in der Krankenpflege und die Gründung neuer Kassen oder Kassensektionen zulässt.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 5. September 1990 Rapport écrit du Conseil fédéral du 5 septembre 1990
Die vom Motionär beantragten Massnahmen sind auch nach der Ansicht des Bundesrates geeignet, um gegen die in der sozialen Krankenversicherung zu beobachtende Entsolidari- sierung anzugehen. Die Grundsätze des Bundesrates für eine Revision der Krankenversicherung sehen denn auch vor, dass - die Trennung zwischen Kollektiv- und Einzelversicherung „aufgehoben wird (Ziff. 31),
Die vom Eidgenössischen Departement des Innern einge- setzte Expertenkommission «Revision der Krankenversiche rung» (Kommission Schoch) bereitet gegenwärtig einen Vor- entwurf auf der Grundlage dieser Grundsätze vor. Dieser Vor- entwurf wird für diesen Herbst erwartet. Dem Bundesrat ist sehr an einem speditiven Fortgang der Revisionsarbeiten ge- legen, damit die Krankenpflegeversicherung möglichst bald ein solideres, sozialadäquates und auch für die Zukunft tragfä- higes Fundament erhält. Die breite und sichere Abstützung der heute leider brüchig werdenden Solidarität hat dabei ganz besondere Priorität. Der Bundesrat ist indessen der Auffas- sung, dass der zu diesem Zweck nun eingeschlagene Weg (Erarbeitung eines Revisionsentwurfes durch die Experten- kommission Schoch) konsequent und zügig weiterverfolgt und dass nicht noch parallele Schritte dazu auf Gesetzesstufe in die Wege geleitet werden sollten. Aus diesen Erwägungen kann der Bundesrat die Motion nicht in dieser Form entgegen- nehmen, sondern beantragt ihre Umwandlung in ein Postulat. Dieses ist als weiterer Antrieb der laufenden Revisionsarbeit zu verstehen.
Da allerdings auch der Bundesrat der Auffassung ist, dass bis zu einem Inkrafttreten des revidierten Krankenversicherungs- gesetzes wenigstens auf Verordnungsstufe die möglichen Massnahmen zu einer Verstärkung der Solidarität auf der Grundlage des heutigen Gesetzes zu treffen sind, hat das Eid- genössische Departement des Innern Anfang Juli 1990 Ver- ordnungsänderungen mit Vorschlägen für Sofortmassnah- men zur Verhinderung einer weiteren Entsolidarisierung in der sozialen Krankenversicherung in die Vernehmlassung gege- ben. Die beantragten Massnahmen sollen auf Anfang 1991 in Kraft treten. Zu diesen Massnahmen gehörten im Bereich der Kollektivversicherungen insbesondere
die Vorgabe eines Minimaltarifes, der bei den Prämien der Kollektivversicherungen auf keinen Fall unterschritten werden darf;
die Bestimmung, dass die Mitglieder der Krankenpflegever- sicherung, die infolge Alter, Invalidität oder Arbeitslosigkeit aus dem Erwerbsleben ausscheiden, mitsamt ihren Familien- angehörigen weiterhin im Kollektivvertrag versichert bleiben. Damit soll der Risikoselektion entgegengewirkt werden.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral
Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwan- deln.
Ueberwiesen als Postulat - Transmis comme postulat
90.615
Motion Pitteloud Hilflosenentschädigung für Para- und Tetraplegiker
Allocation d'impotence pour les personnes atteintes de para- ou de tétraplégi
Wortlaut der Motion vom 21. Juni 1990
Der Bundesrat wird eingeladen, einen Entwurf zur Aenderung des Bundesgesetzes über die Invalidenversicherung (im be- sonderen Artikel 42 Absatz 3) vorzulegen, damit allen Tetra- oder Paraplegikern eine Hilflosenentschädigung gewährt wer- den kann. Diese Entschädigung würde aufgrund eines Arzt- zeugnisses gewährt. Uebrigens muss die für anspruchsbe- rechtigte Personen abwertende Bezeichnung geändert wer- den; es sollte eher von einer Entschädigung zur Förderung der Selbständigkeit gesprochen werden. Die «Wegleitung über Invalidität und Hilflosigkeit» müsste entsprechend ange- passt werden.
Texte de la motion du 21 juin 1990
Le Conseil fédéral est invité à présenter un projet de modifica- tion de la loi sur l'assurance-invalidité (en particulier l'article 42, alinéa 3) permettant d'octroyer une allocation d'impotence à tous les paralysés médullaires tétra- ou para- plégiques. Cette allocation (dont il faudra par ailleurs transfor- mer l'appellation dévalorisante pour ceux qui y ont droit en parlant plutôt d'allocation favorisant l'autonomie) serait oc- troyée sur la base d'un certificat médical. Il faudrait aussi modi- fier en conséquence les «instructions sur l'évaluation de l'inva- lidité et de l'impotence».
Mitunterzeichner - Cosignataires: Bäumlin Ursula, Borel, Brüg- ger, Carobbio, Danuser, Darbellay, Fankhauser, Fischer-Sur- see, Gardiol, Haering Binder, Hafner Ursula, Haller, Hubacher, Jeanprêtre, Lanz, Leuenberger Moritz, Longet, Matthey, Mauch Ursula, Meizoz, Uchtenhagen, Ulrich, Vollmer, Zbin- den Hans, Ziegler (25)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
En 1988 déjà, la CNA a pris la décision d'octroyer une alloca- tion d'impotence à tous les paralysés médullaires. Elle recon- naît une impotence légère pour les paraplégiques, et une im- potence moyenne au moins pour les tétraplégiques. La CNA renonce aux examens d'usage et se contente d'un certificat médical.
Les principes juridiques de l'Al sont les mêmes que ceux de l'assurance-accidents et il conviendrait donc d'aligner la prati- que de l'Al sur celle de la CNA, et d'allouer une telle rente lorsqu'il n'existe pas déjà une telle prétention en vertu de l'as- surance-accidents et de l'assurance-maladie. Cela peut se faire en fixant la nouvelle pratique dans les «Instructions sur l'évaluation de l'invaliité et de l'impotence» et en modifiant la LAI en conséquence.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 5. September 1990 Rapport écrit du Conseil fédéral du 5 septembre 1990
Le Conseil fédéral est d'avis que la requête qui fait l'objet de la motion pourrait aussi être concrétisée sans qu'il soit néces- saire de modifier la loi, soit par le truchement des directives administratives, ce qui, en partie, est déjà le cas. En effet, une allocation pour impotence de faible degré est généralement allouée aux assurés atteints de paraplégie complète dans la mesure où ils ont droit à une rente. Les organes d'exécution de l'Al doivent obligatoirement appliquer cette consigne qui sera, à la prochaine occasion, introduite dans les «Directives con-
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Jahr
1990
Année
Anno
Band
IV
Volume
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Session
Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
17
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 90.552
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 05.10.1990 - 08:00
Date
Data
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