N 5 octobre 1990
1876
Initiative parlementaire. Serment et promesse
87.231
Parlamentarische Initiative (Bäumlin Ursula) Eides- und Gelübdeformel. Abänderung
Initiative parlementaire (Bäumlin Ursula) Serment et promesse. Modification de la formule
Kategorie III, Art. 68 GRN - Catégorie III, art. 68 RCN
Wortlaut der Initiative vom 18. Dezember 1987
Gestützt auf Artikel 93 Absatz 1 BV und Artikel 21bis GVG rei- che ich folgende parlamentarische Initiative ein:
Bundesbeschluss über den Amtseid der obersten Bundesbe- hörden
Das Dekret der Bundesversammlung vom 15. November 1848 betreffend den von den obersten Bundesbehörden zu leistenden Amtseid (SR 170.31) wird aufgehoben.
In den Geschäftsreglementen des Nationalrates (Art. 5) und des Ständerates (Art. 2 und 3) wird die bestehende Eides- und Gelübdeformel durch die folgende Formel ersetzt:
«Ich schwöre vor Gott, dem Allmächtigen .... » bzw. «Ich ge- lobe, die Verfassung und die Gesetze des Bundes treu und wahr zu halten; die Einheit, Kraft und Ehre der schweizeri- schen Nation zu wahren; die Unabhängigkeit des Landes, die Freiheit und die Rechte aller Menschen zu schützen, mich für Frieden, Gerechtigkeit und die Erhaltung der Schöpfung ein- zusetzen und alle mir übertragenen Pflichten gewissenhaft zu erfüllen» bzw. «so wahr mir Gott helfe.»
Texte de l'initiative du 18 décembre 1987
Me fondant sur l'article 93, 1er alinéa de la constitution et sur l'article 21bis de la loi sur les rapports entre les conseils, je dé- pose l'initiative parlementaire suivante:
Arrêté fédéral sur le serment à prêter par les autorités supérieu- res de la Confédération
Le décret de l'Assemblée fédérale du 15 novembre 1848 concernant le serment à prêter par les autorités supérieures de la Confédération (RS 170.31) est abrogé.
Dans les règlements du Conseil national (art. 5) et du Con- seil des Etats (art. 2 et 3), la formule existante du serment et de la promesse solennelle est remplacée par la formule:
«En présence de Dieu tout-puissant, je jure .... » ou «je promets d'observer et de maintenir fidèlement la constitution et les lois fédérales, de sauvegarder l'unité, l'honneur et l'indépendance de la patrie suisse, de défendre la liberté et de protéger les droits de tous les hommes, de m'engager pour la paix, la jus- tice et la sauvegarde de la création, enfin de remplir scrupuleu- sement les fonctions qui m'ont été confiées» ou «aussi vrai que je désire que Dieu m'assiste.»
Herr Hess Peter unterbreitet im Namen der Petitions- und Ge- währleistungskommission den folgenden schriftlichen Be- richt:
Am 18. Dezember 1987 reichte Nationalrätin Ursula Bäumlin eine parlamentarische Initiative in der Form des ausgearbeite- ten Entwurfs ein. Sie beantragte die Abänderung der Eides- und Gelübdeformel.
Die Petitions- und Gewährleistungskommission befasste sich am 29. August 1988 mit der parlamentarischen Initiative. Sie gab der Initiantin, die nicht Mitglied der Kommission ist, Gele- genheit, sich zu ihrem Vorstoss zu äussern (Art. 21quinquies des Geschäftsverkehrsgesetzes).
Schriftliche Begründung der Initiantin (Zusammenfassung)
Ich greife nicht die Eides- und Gelübdeformel als solche an,
soweit sie interpretabel ist, also nicht bei der Formulierung «Einheit, Kraft und Ehre der schweizerischen Nation», und wende mich auch keineswegs gegen den schweizerischen Unabhängigkeitswillen oder die Wahrung der Verfassung und der Gesetze des Bundes, welche ja auf demokratischem Wege veränderbar sind. Die exklusive Verpflichtung, «die Rechte des Volkes und seiner Bürger zu schützen und zu schirmen», ist jedoch nicht mehr zeitgemäss und für mich als Frau unannehmbar. Auch AusländerInnen und Asylbewerbe- rinnen haben Rechte, welche wegen der für sie existenziellen Bedeutung besonders sorgfältig zu schützen sind.
Im Zusammenhang mit der Diskussion einer neuen Bundes- verfassung ist zudem die Einsicht aufgekommen, dass sich die alte christlich-abendländische Anthropozentrik im Recht, im Staat und in der Wirtschaft immer verheerender ausgewirkt hat, und dass deswegen auch Rechte von Tieren, Pflanzen und der Umwelt insgesamt zu postulieren wären.
Deshalb nehme ich die ökumenische Formulierung «Frieden, Gerechtigkeit und Erhaltung der Schöpfung» auf, für die es sich heute auch in der Gesetzgebung und bei Massnahmen des Bundes einzusetzen gilt.
Ich mache zudem auf die beiden Artikel 4 der Geschäftsregle- mente von Nationalrat und Ständerat aufmerksam, die eine Sanktion gegenüber denjenigen gewählten Parlamentariern enthalten, die den Eid (aus welchen Gründen auch immer, wird nicht gesagt) nicht ablegen resp. verweigern: sie werden von den Verhandlungen ausgeschlossen. Ich nehme an, dass deswegen eine ganze Anzahl gewählter Parlamentarier an der Vereidigung mit gewissen Vorbehalten teilnimmt, was diese je- doch in bedenklicher Weise abwertet. Die «Abschwächung» des Eides in ein Gelübde, das im ursprünglichen Dekret nicht vorgesehen war, ist ein Hinweis auf frühere Schwierigkeiten mit dem promissorischen Eid.
Erwägungen der Kommission Die Kommission hält dazu folgendes fest: 1. Ausgangslage
Der Eid der National- und Ständeräte ist im Reglement der Ver- sammlungen vorgeschrieben mit dem Zusatz, dass ein Mit- glied, welches Eid oder Gelöbnis nicht leistet, nicht an den Ver- handlungen teilnehmen darf.
Ferner regelt ein Dekret der Bundesversammlung von 1848 den von den obersten Bundesbehörden zu leistenden Amts- eid.
Welche soziale Funktion der politische Eid als «politische Ga- rantie» für die Erhaltung verfassungsmässiger Zustände und Sicherung untadelhafter Amtsführung heute noch entfaltet, kann nicht eindeutig definiert werden.
Die Kommission kam dennoch zum Schluss, dass ein freiheit- licher Staat ohne den verantwortlichen Geist aller seiner Bür- gerinnen und Bürger nicht bestehen kann; diejenigen von ih- nen, die zu öffentlichen Funktionen berufen werden, sollen durch den politischen Eid besonders dazu aufgerufen wer- den: als Appell an das Gewissen, für das Gemeinwohl unserer und künftiger Generationen einzustehen. In diesem Sinne soll und muss der Eid oder das Gelübde durchaus eine Wirkung haben.
Auch in Zukunft sollen deshalb Legislative, Exekutive und Ju- dikative den Eid oder das Gelübde ablegen.
Die Kommission ist allerdings der Ansicht, dass die Vereidi- gung nicht, wie es heute geschieht, als einfache Routinesache so nebenbei erledigt, sondern mit einer gewissen Feierlichkeit umgeben werden sollte. Aus diesem Grunde sollten die Moda- litäten im Zusammenhang mit der Ablegung des Eides bzw. Gelübdes einer Prüfung unterzogen werden.
Mit den Forderungen nach Wahrung der Nation und der Volks- rechte war unsere Eides- und Gelübdeformel 1848, als der Text beschlossen wurde, der Zeit weit voraus.
Heute scheint allerdings eine Ueberprüfung und Anpassung dieses Textes angebracht. Die Mehrheit der Kommission ist der Auffassung, dass eine Ueberarbeitung des ganzen Textes erfolgen sollte mit dem Ziel, eine neue und zeitgerechte Kurz- formel zu schaffen.
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Parlamentarische Initiative. Eides- und Gelübdeformel
Die Kommission ist allerdings der Ansicht, dass zu einer sol- chen Ueberarbeitung des Textes eine Redaktionskommission unter Beizug von Experten und Vertretern der verschiedenen Landessprachen eingesetzt werden müsste. Diese sollte ei- nen vollständig neuen Text ausarbeiten, welcher in allen Lan- dessprachen identisch und zudem so beschaffen sein müsste, dass alle, unabhängig von ihrer ideologischen Aus- richtung, mit gutem Gewissen dazu stehen könnten. 4. Fazit
Die von Frau Bäumlin vorgeschlagene Aenderung genügt den erwähnten Anforderungen nicht. Sollte das Parlament eine - formelle oder materielle - Revision der Eides- und Gelübdefor- mel beschliessen, müsste ein neuer Text ausgearbeitet wer- den.
M. Hess Peter présente au nom de la Commission des péti- tions et de l'examen des constitutions cantonales le rapport écrit suivant:
Mme Ursula Bäumlin a déposé le 18 décembre 1987 au Con- seil national l'initiative parlementaire suivante, rédigée de tou- tes pièces, par laquelle elle demande que la formule du ser- ment et de la promesse solennelle soit modifiée.
La Commission des pétitions et de l'examen des constitutions cantonales a étudié l'affaire le 29 août 1988. Elle a entendu les arguments de l'auteur de l'initiative qui ne fait pas partie de ses membres (art. 21quinquies, loi sur les rapports entre les con- seils).
Développement par écrit de l'auteur de l'initiative (condensé)
Je ne conteste pas la formule du serment et de la promesse solennelle en tant que telle, pour autant qu'on puisse lui don- ner une interprétation valable; je ne remets donc pas en cause «l'unité, l'honneur et l'indépendance de la patrie suisse», ni notre volonté d'indépendance ou la nécessité de sauvegarder la constitution et les lois fédérales, qui peuvent être modifiées démocratiquement. Toutefois, l'obligation de défendre uni- quement «la liberté et les droits du peuple et des citoyens» n'est plus suffisante actuellement; en tant que femme, je ne saurais l'accepter. Les étrangers et étrangères, notamment les requérants et requérantes d'asile, ont aussi des droits et il im- porte de les sauvegarder de façon toute particulière en raison de leur importance existentielle.
En outre, il est apparu au cours du débat provoqué par le pro- jet de réviser la Constitution fédérale, que la conception tradi- tionnelle trop anthropocentrique du droit, de l'Etat et de l'éco- nomie, telle qu'elle a été élaborée dans la chrétienté occiden- tale, a des effets de plus en plus désastreux, de sorte qu'il con- vient d'éxiger le respect des droits des animaux, des plantes et de l'environnement en général.
C'est pourquoi, je reprends la formule oecuménique «paix, justice et sauvegarde de la création», qu'il y a lieu désormais d'appliquer dans la législation et dans les décisions concer- nant les mesures à prendre par la Confédération.
D'autre part, j'attire l'attention sur les articles 4 des règlements des deux conseils qui prévoient une sanction contre les dépu- tés élus qui ne prêtent pas serment ou ne font pas la promesse ou qui s'y refusent (pour quelque raison que ce soit); ces dé- putés ne peuvent prendre part aux délibérations. Je suppose qu'un certain nombre de députés élus participent à cette céré- monie en faisant mentalement des réserves, ce qui dévalorise fâcheusement le serment et la promesse. La possibilité de remplacer le serment par la promesse, qui n'était pas prévue dans le décret initial, indique qu'il y a eu des difficultés autre- fois avec la promesse du serment.
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Considérations de la commission La commission fait les constatations suivantes:
Les règlements des Chambres imposent aux députés sié- geant au Conseil national et au Conseil des Etats l'obligation de prêter serment; ils précisent qu'un député qui refuse de prêter serment ou de faire la promesse ne peut pas participer aux délibérations.
Un décret de l'Assemblée fédérale datant de 1848 règle égale- ment le serment à prêter par les autorités supérieures de la Confédération.
Il est difficile de déterminer avec certitude dans quelle mesure le serment a encore une fonction sociale et contribue à garan- tir, sur le plan politique, la sauvegarde de la constitution et une gestion irréprochable des affaires publiques.
La commission constate qu'un Etat fondé sur la liberté ne sau- rait exister si ses citoyens n'ont pas le sens des responsabili- tés; le serment exigé pour des raisons politiques le rappelle spécialement à ceux qui doivent exercer des fonctions publi- ques: ceux-ci sont de la sorte requis de s'engager en faveur de notre bien commun et des générations à venir. La commission est d'avis qu'en ce sens, le serment ou la promesse doivent absolument garder une certaine valeur.
Il convient donc de continuer à exiger que les autorités législa- tives, exécutives et judiciaires prêtent le serment ou fassent la promesse.
La commission estime cependant que ces prestations de ser- ment devraient, au lieu d'être traitées comme des affaires de routine, ce qui est le cas actuellement, se dérouler dans une certaine solennité. Il faudrait donc étudier les modalités de la prestation du serment et de la promesse.
La formule du serment telle qu'elle a été conçue en 1848 et qui a été reprise pour la promesse, était bien en avance sur son temps par l'obligation qu'elle impose de sauvegarder la patrie et de défendre les droits du peuple et des citoyens.
Il est néanmoins souhaitable de réexaminer le texte et de le re- modeler. La majorité de la commission estime qu'il faut trouver une formulation brève, adaptée à notre temps.
La commission est toutefois d'avis que pour remanier le texte il conviendrait d'instituer une commission de rédaction com- posée d'experts et de représentants des différentes langues du pays. Cet organe serait chargé d'élaborer un texte entière- ment nouveau, qui serait conçu dans toutes les langues natio- nales et rédigé de manière à ce que chacun puisse l'accepter sans restriction, quelle que soit son idéologie.
La modification proposée par Mme Baumlin ne remplit pas les conditions susmentionnées. Si le Parlement décidait de pro- céder à une revision de la formule du serment et de la pro- messe quant au fond ou à la forme, il faudrait élaborer un nou- veau texte.
Antrag der Kommission Die Kommission beantragt mit 10 zu 8 Stimmen:
Punkt 1 der parlamentarischen Initiative keine Folge zu ge- ben;
Punkt 2 der parlamentarischen Initiative Folge zu geben und zur Ausarbeitung eines Gegenvorschlags an die Kommission zurückzuweisen.
Antrag Wyss William Punkt 2 der Initiative keine Folge geben.
Proposition de la commission La commission propose, par 10 voix contre 8:
de ne pas donner suite au point 1 de l'initiative parlemen- taire;
de donner suite au point 2 de l'initiative parlementaire et de le renvoyer à la commission avec un mandat d'élaborer une contre-proposition.
Proposition Wyss William Ne pas donner suite au point 2 de l'initiative.
Hess Peter, Berichterstatter: Gestatten Sie mir eingangs ei- nige zusätzliche Bemerkungen zu unserem schriftlichen Be- richt zu machen, damit Sie die Bedeutung dieses Geschäftes erkennen. Frau Ursula Bäumlin beantragt mit ihrer Initiative unter anderem, dass wir unsere Eides- und Gelübdeformel überprüfen und an die heutige Situation angepasst neu formu- lieren. Die Kommission hat das Anliegen mit Frau Bäumlin ein-
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gehend diskutiert; wir waren aber der Meinung, dass es nicht Sache der Kommission sein kann, abschliessend Empfehlun- gen für dieses wichtige Anliegen zu machen, sondern dass im Parlament eine breitere Diskussion geführt werden sollte, weil es uns alle betrifft: Wir alle leisten zu Beginn der Legislaturperi- ode den Eid oder das Gelübde, auf unsere Verfassung. Wenn wir an diesem grundsätzlichen Anliegen etwas ändern, soll das Parlament das in voller Kenntnis und in vollem Bewusst- sein der Tragweite diskutieren können.
In diesem Sinne verstehen wir unter anderem den Entscheid der Kommission, die beantragt, der Initiative Folge zu geben und heute eine entsprechende Diskussion zu führen. Damit - sollte die Mehrheit des Parlaments dem Antrag der Kommis- sion Folge leisten - hätte die Kommission auch gewisse Leitli- nien und Eckpfeiler, nach denen sie die entsprechenden Ar- beiten in einem zweiten Umgang vornehmen müsste.
Mme Jeanprêtre, rapporteur: Sans entrer dans le détail, nous pouvons dire que l'initiative comporte deux volets: le premier demande l'abrogation d'un décret de l'Assemblée fédérale concernant le serment à traiter par les autorités; le deuxième volet demande le remplacement, dans nos règlements res- pectifs, de la formule existante du serment et de la promesse par une formule qui nous est proposée par l'auteur de l'initia- tive.
La commission, par 10 voix contre 8, a décidé de ne pas suivre la première proposition de l'initiative Bäumlin, soit de suppri- mer le décret. Toutefois, la commission estime que ces presta- tions de serment devraient perdre leur caractère de routine et avoir une certaine solennité. Il faudrait donc étudier les modali- tés de la prestation du serment et de la promesse.
Quant au deuxième volet relatif au contenu de la formule, nous n'entrerons pas précisément dans le détail de ce nouveau contenu. La commission a estimé que cette promesse pourrait être réactualisée, il est vrai, et qu'il pourrait être donné suite au point 2 de l'initiative grâce à une commission de rédaction composée d'experts et de représentants des différentes lan- gues du pays qui rédigeraient un texte nouveau visant à réunir le plus large consensus.
C'est dans cet esprit que la commission vous demande de sui- vre ses conclusions.
Frau Bäumlin: Dass wir jetzt kostbare Restzeit für meine parla- mentarische Initiative brauchen müssen, haben Sie zwei Kolle- gen zu verdanken. Der erste ist nicht mehr im Rat, es ist mein Schwager, der Staatsrechtler Richard Bäumlin. Vor meiner er- sten Session teilte ich ihm in einem Gespräch mit, dass ich als Frau Mühe hätte, ein Gelübde nach dieser Formel abzulegen. Er kannte mich gut und befürchtete, ich würde in diesem feier- lichen Moment der Zeremonie etwas Dummes unternehmen. Deshalb riet er mir, ich solle mein Malaise an der Formel in ei- nen Vorstoss sublimieren. Das habe ich gemacht und einen Vorstoss eingereicht.
Ich bin, wie schon Herr Hess sagte, in der Petitions- und Ge- währleistungskommission freundlich empfangen worden, und wir hatten eine ausserordentlich interessante Diskussion über dieses Thema. Deswegen konnte ich mich nachher ohne weiteres dem Beschluss der Petitions- und Gewährleistungs- kommission unterziehen und hätte hier kein Wort mehr verlo- ren, wenn nicht jetzt durch Herrn William Wyss von der SVP ein Antrag vorgelegt worden wäre, es sei meiner parlamentari- schen Initiative respektive dem Vorschlag der Petitions- und Gewährleistungskommission keine Folge zu geben. Das zwingt mich jetzt dazu, doch inhaltlich zu einigen Aspekten meines Vorschlages Stellung zu nehmen, um so mehr als vor- hin Herr Hess sagte, dass wir diese Initiative im Rat grundsätz- lich ausdiskutieren sollten.
Erstens: Wenn die SVP gegen den Vorschlag der PGK ist, weil die Weiterbearbeitung zuviel Zeit beansprucht, möchte ich sie bitten, zur Kenntnis zu nehmen, dass die von Männern domi- nierten Zeiten vorbei sind und dass die Frauen nicht mehr län- ger überall - auch sprachlich, in Dokumenten und Formulie- rungen, die wir gebrauchen - einfach inbegriffen sind. Zum Beispiel sind wir in der Eides- und Gelübdeformel einfach un-
ter den «Bürgern» verbucht. Ich musste also hier geloben, dass ich die Rechte der Bürger schützen würde. Dieses Inbe- griffen-Sein akzeptiere ich nicht länger. Ich weiss auch, dass Kolleginnen von mir das ähnlich empfinden. Wir Parlamenta- rierinnen verlangen, dass sich dieses Parlament auch Zeit nimmt, um eine Abänderung in diesem Sinne vorzunehmen. Der SVP und Herrn William Wyss möchte ich ein Zitat aus der Bibel in Erinnerung rufen: «Deine Sprache verrät dich.» Das sagte eine Frau zu Petrus, als er sich vom Nazaräer distanzie- ren wollte und sagte, er wisse nichts von Jesus. Die SVP verrät sich durch ihre patriarchale Sprache, wenn sie weiterhin eine 142 Jahre alte Formulierung brauchen will. Mein Anliegen geht weit über die feministische Frage hinaus. Es richtet sich gegen alle Privilegien der Starken und will die Rechte der Schwächeren und Schwächsten privilegieren. Genau das ver- lange ich mit meinem ausformulierten Vorstoss, den Sie alle vor sich haben und den Sie daraufhin überprüfen können. Ich will nicht nur, dass die Frauen aktiv mitreden können, sondern ich will, dass die Rechte der Schwächeren geschützt werden, dass also alle Rechte gleichermassen geschützt werden.
In diesem Sinne möchten Sie meine kühne Akzentverlage- rung von den Bürger- zu den Menschenrechten auffassen. Rechtssystematisch bin ich nicht kompetent genug, um zu ent- scheiden, ob man das tun kann, ob man die Menschenrechte über die politischen Rechte stellen kann. Das weiss ich nicht. Aber genau das ist ein Grund mehr dafür, dass eine kompetente Kommission oder auch Sachverständige aus dem Rechtsbe- reich diesen Vorschlag einmal überprüfen sollten.
Ich möchte nochmals anfügen: Es ist der Vorschlag einer Frau. Ich sage damit, dass ich eine Feministin bin, die nicht nur Kompetenzen und Macht in die Frauenreihen verlagern will, sondern dass es eben mein feministisches Anliegen ist, dass die Schwächeren zu ihrem Recht kommen. Das ist immer noch nötig. Ich bitte Sie, an unsere letzten Verhandlungen zu denken.
Zweitens habe ich beim Einreichen meiner Initiative das Lan- dessprachenproblem vollständig übersehen. Ich habe nicht gewusst, dass schon der Ausdruck «patrie» natürlich in der französischen Sprache einen völlig anderen Sinn hat und nicht so verletzend ist wie für uns deutschsprachige Frauen, das «Vaterland», das sich ja nur auf die Väter bezieht.
Es gibt noch andere solche Feinheiten, die ich übersehen habe, und die es auch wert wären, durch kompetente Sprach- wissenschafter untersucht zu werden, also durch Leute, die kompetent sind bezüglich Landessprachenfragen.
Ich muss dies erwähnen, weil die SVP überhaupt keine Aende- rung dieser Formel will. Es ist für mich unverständlich und ein bisschen kleinlich und der Diskussion, die wir in der PGK hat- ten, überhaupt nicht angemessen.
Ich möchte noch einmal darauf zurückkommen, dass das In- teressanteste an der Diskussion in der PGK für mich die Frage war, ob in einer Eides- und Gelübdeformel ein Programm fest- geschrieben werden dürfe oder eben nicht. Ich habe dort ar- gumentiert, dass bereits in der alten und jetzt noch gültigen Formel ein Programm vorhanden ist. Es ist das Programm der politischen oder Bürgerrechte. Dieses Programm - das wis- sen Sie - ist jetzt dann erfüllt. Im Moment werden in einer Kom- mission, in der ich auch dabei bin, die Gesetzesinitiativen be- arbeitet. Das ist auch ein Bürgerrecht, das wir noch nicht ha- ben. Darüber hat sich jetzt diese Kommission unterhalten und über die Einheitsinitiative versucht, in Richtung einer Geset- zesinitiative vorzugehen. Trotzdem: Dieses Programm ist jetzt einigermassen erfüllt.
Es hat mich einfach ein bisschen beelendet, dass in unserer jetzigen Formulierung nur noch programmatisch enthalten ist, dass ich versprechen muss, alle Pflichten gehorsam oder ge- treulich zu erfüllen, die mir übertragen werden. Das ist doch selbstverständlich - ich nehme an, nicht nur für mich, sondern für alle von uns!
Beide Momente haben mich veranlasst, ein eigenes Pro- gramm vorzulegen, damit Sie sich alle einmal überlegen kön- nen, zu welchem Auftrag Sie sich gerne verpflichten möchten. Das ist der Grund, warum ich am Schluss vorgeschlagen habe, die Eidesformel auszudehnen auf Rechte für die Um- welt, für Tiere und Pflanzen.
Parlamentarische Initiative. Eides- und Gelübdeformel
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Damit befinde ich mich übrigens in Uebereinstimmung mit dem Verfassungsvorschlag der Professoren Alfred Kölz und Jörg Paul Müller, den sie im Mai 1984 vorgelegt haben. Dieser Verfassungsvorschlag hat den Namen «Umweltverfassung» erhalten, und das bezieht sich vor allem auf seine Präambel, die sehr kongruent wäre mit meinem Vorschlag für die Neufor- mulierung der Eides- und Gelübdeformel.
Hier ist möglicherweise die grösste Diskrepanz zur SVP - ich weiss es nicht, ich höre dann die Ausführungen von Herrn Wil- liam Wyss. Ihr Beharren auf der alten Formel ist für mich ein rückwärtsgewandtes «Postgramm» und nicht ein Programm, das in die Zukunft blicken möchte.
Wenn ich etwas nicht ausstehen kann - um zu einem weiteren Punkt zu kommen -, dann ist es Heuchelei. Ich weiss, es ist ein hartes Wort, aber drei Jahre in diesem Saal haben mich ge- lehrt, nicht mehr allzu naiv zu sein und hie und da Dinge wahr- zunehmen, die sich hart an der Grenze zur Heuchelei bewe- gen.
Stellen Sie sich vor, im Dezember 1991 schwören und geloben 246 Parlamentarier, die Unabhängigkeit des Vaterlandes zu schützen. Und das ungefähr gleichzeitig, wie dieselben Parla- mentarier auf irgendeine Weise dem Stimmvolk klarmachen müssen, dass es dem EWR beitreten soll, dass es vielleicht die EG ins Auge fassen soll, dass ein Beitritt unvermeidlich sein könnte. Beide Vorgänge, beide Volksabstimmungen werden etwas mit einem Souveränitätsverlust zu tun haben, das lässt sich nicht mehr länger abstreiten.
Solange nun der Unabhängigkeitsbegriff, der so umstritten ist, nicht wirklich ausdiskutiert ist, ist das Risiko der Heuchelei sehr gross, gerade weil zuviel Unausdiskutiertes mitschwingt. Und in diesem Sinne möchte ich Ihnen auch beliebt machen, dass eine Neuformulierung eine gute Gelegenheit für eine Grundsatzdiskussion über die schweizerische Identität auch in der gegenwärtigen Situation wäre. Das ist für das Jubeljahr 1991 sicher angemessen.
Ich bitte Sie, damit aufzuhören, dass irgendwelche Mehrhei- ten irgendwelche Minderheiten zu einem Eid oder Gelübde zwingen können, über dessen Formel nicht einmal diskutiert geschweige denn ein Konsens gefunden worden ist.
Sie wissen, dass die Totalrevision der Bundesverfassung seit Jahren dahinschlummert. Nun hat der Bundesrat auf eine Mo- tion der SP und der Grünen geantwortet, dass er Vorschläge und Anträge zur Totalrevision aus dem Parlament begrüssen würde wie das Dornröschen den Prinzen. Wer weiss, ob diese parlamentarische Initiative nicht ein Küsschen dieses Prinzen ist!
In diesem Sinne möchte ich Sie bitten, dem Antrag der PGK Folge zu geben.
Wyss William: Wenn Sie sich dahingehend äussern, Frau Bäumlin, die SVP-Mitglieder seien eventuell naiv oder frauen- feindlich, weise ich dies natürlich zurück. Darum geht es hier gar nicht, sondern es geht lediglich um den Text Ihrer Initiative, und über ihn haben wir uns in unserer Fraktion unterhalten. Den Inhalt der Eides- und Gelübdeformel erachten wir nach wie vor als zeitgemäss. Ob wir eventuell das Wörtlein «Bürger» mit «Bürger und Bürgerinnen» ersetzen sollen, ist höchstens eine redaktionelle Frage, die hier diskutiert werden soll. Wir ha- ben im gegenwärtigen Zeitpunkt viele dringende politische Anliegen zu erledigen und sollten uns eigentlich nicht mit An- gelegenheiten befassen, die einerseits nicht dringend sind und andererseits höchstens redaktionell kleine Aenderungen benötigen.
In Ihren Begründungen machen Sie folgendes geltend: «Die Rechte des Volkes und seiner Bürger zu schützen» sei als For- mulierung nicht mehr zeitgemäss und für Sie als Frau unan- nehmbar. Und Sie fahren dann weiter: «Auch AusländerInnen und AsylbewerberInnen haben Rechte, welche zu schützen sind.» Und Sie sagen dann noch, auch Tiere, Pflanzen und die Umwelt hätten Rechte, und diese sollten hier postuliert wer- den. Das alles in die Eides- und Gelübdeformel zu verpacken, ist doch gar nicht möglich.
Natürlich haben diese Anliegen und Wünsche, die Sie hier an- bringen, ihre Berechtigung, und wir tragen diesen in den ver-
schiedensten gesetzlichen Grundlagen Rechnung, auch den Anliegen der Schöpfung. Diesen Anliegen wollen wir dringend Rechnung tragen. Hier haben wir in letzter Zeit viele gesetzli- che Grundlagen geändert und angepasst.
Frau Bäumlin, im heutigen Geschäftsreglement steht doch in der Eides- und Gelübdeformel, dass wir Verfassung und Ge- setze treu und wahr zu halten bereit sind. Diese sind ständigen Aenderungen unterworfen, und in der Gelübdeformel müsste man alle fünf Jahre den Text ändern, wenn wir den neuesten Gegebenheiten in den Gesetzen und Verfassungstexten Rechnung tragen wollten. Das sind die Gründe, warum wir von der SVP-Fraktion der Meinung sind, hier müsse zum jetzigen Zeitpunkt nichts geändert werden.
Wir haben auch kein vereinigtes Europa, sondern wir haben nach wie vor die recht unabhängige Schweiz, deren Rechten und Pflichten wir im Sinne unserer Aufgaben Rechnung tragen wollen.
Im Namen der SVP-Fraktion sind wir der Meinung, inhaltlich müsse die Gelübde- und Eidesformel nicht abgeändert wer- den. Selbstverständlich sind wir bereit, das Wörtlein «Bürger» durch «Bürgerinnen und Bürger» zu ersetzen; diese redaktio- nelle Aenderung könnte man vornehmen.
M. Ducret: Le serment est un engagement solennel de fidélité à un certain nombre de valeurs, qui n'a pas, au même titre d'ailleurs que le préambule de notre constitution, de fonction normative dont on dégagerait des règles et des préceptes. Ainsi, par exemple, la Confédération suisse, même si elle n'ob- serve pas une neutralité religieuse absolue, est un Etat laïc qui reconnaît la liberté de conscience. Il n'est toutefois pas permis de tirer de l'invocation de Dieu dans la constitution et dans le serment des députés fédéraux, des conséquences qui se- raient inacceptables pour ceux qui ne croient pas en Dieu ou en un ordre divin.
Mme Bäumlin ne nous propose pas la suppression de la réfé- rence à Dieu Tout-puissant dans le serment, mais elle souhai- terait une formule qui permettrait d'invoquer d'autres valeurs, plus actuelles à ses yeux, telles la paix, la justice et la sauve- garde de la création. En d'autres termes, elle voudrait que le serment constitue une sorte de référence oecuménique, peut-être en des termes plus larges que la formule actuelle, pour que chaque député puisse lui donner le sens qu'il veut et qu'ainsi il ne soit pas placé dans l'obligation d'assortir son en- gagement de réserves mentales. Si son argumentation n'est pas des plus séduisantes, c'est essentiellement parce qu'il sera difficile d'élaborer un texte de remplacement dans lequel chacun des parlementaires, des conseillers fédéraux, des ju- ges fédéraux appelés à prononcer le serment, pourra retrou- ver les principes et valeurs en lesquels il croit et pour la dé- fense desquels il se déclare prêt à exercer son mandat.
Dès lors, et même si le vocabulaire du serment peut paraître manquer de modernité, la tentation est grande de ne rien changer au texte actuel parce qu'il sera difficile, pour ne pas dire impossible, d'adopter une formule qui donne satisfaction à tout le monde et que, dans cette hypothèse, il vaudrait peut- être mieux conserver un serment qui ne semble pas avoir posé de graves problèmes de conscience à ceux qui l'ont prêté pen- dant 150 ans plutôt que de se disputer pour trouver une solu- tion qui, quelle qu'en soit la teneur, ne pourra rencontrer l'ap- probation unanime.
A ce sujet, l'exemple du préambule de notre constitution, dont la rédaction avait été confiée au professeur Muschg dans le cadre du projet de révision totale, devrait nous faire réfléchir. Tous les avis avaient été exprimés à son sujet. Il était admis qu'il devait exprimer un consensus minimum. Le moins qu'on puisse dire, c'est que cet exercice s'est soldé par un échec, faute d'avoir permis de trouver un texte sur lequel un tel con- sensus puisse se réaliser.
Fort de cette expérience, convaincu qu'il n'est pas possible ni souhaitable de modifier une telle formule au gré de l'évolution des modes, des moeurs et des préoccupations philosophi- ques et éthiques du moment, le groupe démocrate-chrétien, dans sa majorité, juge préférable de conserver le serment ac- tuel car, s'il est quelque peu désuet, il a au moins le mérite de constituer une référence historique et morale qui, au même ti-
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Initiative parlementaire. Serment et promesse
tre que le préambule de la constitution, n'a pas de fonction normative ou sociale, mais marque par sa solennité les de- voirs et responsabilités de ceux qui le prêtent. En conclusion, le groupe démocrate-chrétien vous propose de rejeter l'initia- tive de Mme Bäumlin.
Cela étant, et comme le relève très justement le rapport de la commission, pour que ce serment conserve son caractère de solennité, il est nécessaire qu'il ne s'agisse pas d'une simple formalité. Dès lors, il convient impérativement, Monsieur le Président, de réétudier les modalités de sa prestation et d'évi- ter à l'avenir le serment collectif auquel nous nous prêtons dans cette salle au début de chaque législature. J'observe d'ailleurs que l'article 4 de notre règlement prévoit que cha- que député prête serment ou fait la promesse requise une fois le conseil constitué. Ceci devrait nous amener à introduire ou à réintroduire la prestation individuelle. Avouons en effet que si nous voulons entourer cette cérémonie du sérieux qui devrait la caractériser, elle mériterait un appel nominal autant que le vote sur le 1er août férié!
Schmid: Die grüne Fraktion unterstützt den Kommissionsan- trag, dem sich auch die Initiantin, Frau Bäumlin, anschliessen kann.
Die Ablegung des Eids oder des Gelübdes ist ein Zeremoniell, mit dem man Parlamentarierinnen und Parlamentarier, die eine besondere Verantwortung gegenüber der Oeffentlichkeit und für das Allgemeinwohl tragen, auch in einem öffentlichen Akt in Pflicht nimmt.
Der Eid oder das Gelübde ist abzulegen für einen umfassen- den politischen Auftrag von existenzieller Bedeutung. Zur Zeit der Gründung unseres Bundesstaates war es naheliegend, sich vordringlich um das Wohl und die Erhaltung dieses Staa- tes und seiner Bürgerinnen und Bürger einzusetzen, obwohl da nur von Bürgern die Rede ist; dies kann redaktionell geän- dert werden.
Heute wissen wir aber zudem, dass die gegenwärtigen Pro- bleme unseres Staates nur gelöst werden können, wenn wir uns auch über die Grenzen hinaus engagieren. Das eine be- dingt das andere.
Es scheint uns deshalb angebracht, die bisherige Eides- und Gelübdeformel zu überprüfen und dem heutigen zentralen An- liegen anzupassen. Denn wenn sie nicht zu einer inhaltsleeren Floskel werden soll, muss sie auch enthalten, was not tut. Darum ersuchen wir Sie, sich dem Antrag der Kommission an- zuschliessen und den Empfehlungen zu Punkt 2 der parla- mentarischen Initiative zu folgen, damit ein Textvorschlag aus- gearbeitet werden kann.
Le président: Le groupe radical-démocratique donne son ap- pui au rapport de la commission.
Zwygart: Die Feststellung der Initiantin, die Eides- und Gelüb- deformel als solche sei nicht in Frage zu stellen, ist die wesent- liche Aussage. Damit ist wohl gemeint, dass für einen gleichen Inhalt eine neue Hülse zu finden sei.
Frau Bäumlin hat aber auch andere Aussagen gemacht, die gewisse Aspekte relativieren. Denn es besteht die Gefahr, dass man das Kind letztlich mit dem Bade ausschüttet, und das sollte verhindert werden.
In dem Sinne scheint es mir richtig, dass man den Punkt 1 der Initiative ablehnt. Unsere Fraktion ist aber der Meinung, dass wir, neben der Ablehnung vom Punkt 1, dem Punkt 2 durch- aus zustimmen können.
Im schriftlichen Bericht ist auf Seite 2 oben festgehalten: «Die exklusive Verpflichtung, 'die Rechte des Volkes und seiner Bürger zu schützen und zu schirmen', ist jedoch nicht mehr zeitgemäss und für mich als Frau unannehmbar.» Frau Bäum- lin hat also Mühe mit dem Ausdruck «Bürger». Das ist aber meines Erachtens eine Unterschiebung an die Urheber der Ei- des- und Gelübdeformel. Es ist widersinnig zu meinen, dass die Leute, die vor 150 Jahren diese Fassung gefunden haben - ich sage hier übrigens bewusst nicht: die Männer; wer weiss, vielleicht waren auch Frauen dabei -, bei der Wahl des Aus- drucks «Bürger» an nicht mehr als nur an Männer gedacht ha- ben. Sie meinten auch Kinder, Buben und Mädchen, die ja
Frau Bäumlin in ihrer Aufzählung auch vergessen hat.
Die Eides- und Gelübdeformel scheint mir ein untaugliches Mittel zu sein, um einen Kampf der Geschlechter zu entfachen. Die Unterschiebung, dass vom Ausdruck «Bürger» Frauen ausgeschlossen sein könnten, wird durch die Begründung von Frau Bäumlin selber relativiert, wenn sie Ausländerinnen und Ausländer und Asylanten und Asylantinnen nennt; denn was ist mit der Formulierung «die Rechte des Volkes» ge- meint? Wir haben vorhin auch solche Hinweise gehört.
Der Mensch stellt sich immer wieder ins Zentrum. Der Egois- mus ist eine Gefahr. Die Eides- und Gelübdeformel sollte Hin- weis sein, dass man aus dem Egoismus ausbrechen soll zum Anderen, zum Du. Christliche Grundwerte, wie die Einhaltung der zehn Gebote oder das Gebot der Nächstenliebe, müssen immer wieder zum Ausdruck kommen. Deshalb verstehe ich in einem gewissen Grade auch sehr gut, was Frau Bäumlin meint, wenn sie eine neue Formulierung sucht. Die Umset- zung sollte aber ebenso von der Gesellschaft erfasst werden können. Der Prozess, der sich da abspielt, kann auch für uns heilsam sein.
Wenn aber diese Eides- und Gelübdeformel zum Modeartikel würde, ohne dass wirklich etwas geschieht, ist mir die alte Form lieber, die man als solche kennt. Wie ist das mit alten Gewändern, mit der Tracht oder mit dem Halbleinen? Sie sind alt, kleidsam, aber man erkennt sie als alt und als kleidsam.
Frau Bäumlin macht aus der Frage auch eine Gewissensfrage, zu Recht. Es gilt mit aller Ernsthaftigkeit darüber nachzuden- ken, ob wir die Eides- und Gelübdeformel ernst nehmen wol- len und können. Deshalb scheint es mir eine Chance zu sein, vertieft darüber nachzudenken.
Unsere Fraktion unterstützt es, dass man hier etwas unter- nimmt und sich in unserem Saal überlegt, was es in der heuti- gen Zeit, im christlichen Abendland bedeutet, eine Eides- und Gelübdeformel zu finden, die für alle tragbar ist.
Hess Peter, Berichterstatter: Ich möchte kurz noch einmal zum Anliegen von Frau Bäumlin Stellung nehmen. Sie bean- tragt in einem ersten Punkt ihrer Initiative, das Dekret über die Ablegung der Eides- und Gelübdeformel sei aufzuheben.
Worum geht es hier? Es ist das Dekret, das einerseits den heu- tigen Text der Eides- und Gelübdeformel beinhaltet und ande- rerseits festlegt, wer diesen Eid oder das Gelübde abzulegen hat, nämlich der Nationalrat, der Ständerat, der Bundesrat, das Bundesgericht und der Bundeskanzler. Im Moment -· es ist vorhin gesagt worden - sind wir der Meinung, dass dieses Dekret nicht aufzuheben sei. Aber man könnte sich natürlich überlegen, ob sich entsprechende Konsequenzen ergeben oder nicht, wenn man eine neue Formel prägt.
Frau Bäumlin hat nach einhelliger Meinung der Kommission zu Recht dargelegt, dass die Zeremonie der Eidesablegung .. einerseits zu Beginn der Legislaturperiode, aber auch wenn wir neue Ratskolleginnen und -kollegen bei uns willkommen heissen - wenig von der Bedeutung wiedergibt, die der Eides- und Gelübdeablegung zukommen sollte. Die Kommission hat deshalb dem Büro in einem Brief geschrieben, dass man prü- fen sollte, wie die Zeremonie der Eides- und Gelübdeable- gung würdevoller gestaltet werden könnte.
Wir haben unter anderem daran gedacht, dass es nicht mehr eine gemeinsame Eidesablegung sein sollte · · wo auch solche sich verstecken können, die vielleicht dieser Eides- oder Ge- lübdeablegung innerlich nicht zustimmen können · , sondern dass jeder einzelne diesen Eid oder dieses Gelübde ablegen sollte und dass man generell den Rahmen überprüft und viel- leicht eine Pause einschaltet nach der Eides- und Gelübdeab- legung. Es wirkt jeweils stossend, wenn wir nach diesem Zere- moniell unmittelbar wieder zur Tagesordnung übergehen. Das Büro wird sich dieser Frage entsprechend anzunehmen ha- ben.
Ich komme zum wichtigsten Punkt, zur Frage der Revision der Eides- und Gelübdeformel. In der Kommission haben wir ein- gehend darüber diskutiert und festgestellt, dass ein Querbo- zug zum Zweckartikel der Bundesverfassung besteht. Es wurde in der Diskussion auch dargelegt, dass wir cine Formel, die sich während rund 150 Jahren erhalten hat und dadurch eine gewisse Tradition zum Ausdruck bringt, einen geschicht-
Parlamentarische Initiative. Grossbauvorhaben
1881
lichen Aspekt hat, an den laufenden Zeitgeist anpassen sollen. Es wurde darauf hingewiesen, wie schwierig und schlussend- lich unmöglich es war, im Rahmen der Suche nach einer neuen, zeitgemässen Landeshymne erfolgreich zu wirken. Das Projekt musste nach vielen Jahren abgebrochen werden. Es liegt nicht an mir, Ihnen hier eine Empfehlung abzugeben. Hier ist es nun wirklich am Parlament zu entscheiden, ob es mit der heutigen Formel leben kann oder ob der Formel ein neuer Inhalt gegeben werden soll. Die Kommission war aber einhel- lig der Meinung, dass, wenn Sie dem Anliegen von Frau Bäumlin Folge leisten, die Bemühungen parallel zur Revision der Bundesverfassung laufen müssen. Es wird also nicht so sein, dass wir unmittelbar in den nächsten Monaten in der Peti- tionskommission eine neue Formel ausarbeiten würden, son- dern man würde es zusammenschalten mit den Bemühungen der Verwaltung, uns einen zeitgemässen Zweckartikel für die Bundesverfassung vorzuschlagen, so dass hier keine Diskre- panzen entstehen können.
Die Kommission empfiehlt Ihnen - wie gesagt - mit 10 zu 8 Stimmen, dem Anliegen von Frau Bäumlin Rechnung zu tra- gen.
Mme Jeanprêtre, rapporteur: Comme cela a été rappelé tout à l'heure, l'initiative comportait deux volets. En premier lieu, celui de supprimer le décret de l'Assemblée fédérale concer- nant le serment à prêter par les autorités supérieures de la Confédération. Dans un deuxième temps, elle demandait le remplacement, dans nos règlements respectifs, de la formule existante du serment et de la promesse par une formule qui nous est proposée par l'auteur de l'initiative.
L'auteur du nouveau texte, Mme Baumlin, ne conteste pas la formule du serment et de la promesse solennelle en temps que telle, pour autant qu'on puisse lui donner une interpréa- tion valable. Elle ne remet donc pas en cause l'unité, l'honneur et l'indépendance de la patrie Suisse, ni notre volonté d'indé- pendance ou la nécessité de sauvegarder la constitution et les lois fédérales qui peuvent être modifiées démocratique- ment. Toutefois, l'obligation de défendre uniquement la liberté et les droits du peuple et des citoyens n'est plus actuellement suffisante. L'auteur ajoute un caractère écologique, en de- mandant d'ajouter le respect de l'environnement en général. Elle reprend enfin la formule oecuménique: «Paix, justice et sauvegarde de la création».
La formule du serment, telle qu'elle a été conçue en 1848 et qui a été reprise pour la promesse, était à l'époque bien en avance sur son temps, par l'obligation qu'elle imposait de sauvegar- der la patrie et de défendre les droits du peuple et des ci- toyens. Il est néanmoins souhaitable - c'est la majorité de la commissions qui l'a aussi constaté - de réexaminer le texte, de l'actualiser et de le remodeler. C'est pourquoi la majorité de la commission, par 10 voix contre 8, estime qu'il faut trouver une formulation brève et adaptée à notre temps. La commission estime toutefois qu'elle n'est pas compétente pour ce faire et elle aurait souhaité qu'une commission de rédaction compo- sée d'experts lui fasse des propositions et ce dans les trois lan- gues.
C'est dans ce sens-là que je vous invite à suivre les conclu- sions de la commission.
Punkt 1 - Point 1
Le président: La commission vous propose de ne pas donner suite au point 1 de l'initiative.
Zustimmung - Adhésion
Punkt 2 - Point 2
Le président: Quant au point 2, la commission vous propose de le lui renvoyer pour qu'elle élabore un contre-projet. M. Wyss William recommande de ne pas donner suite au point 2 de l'initiative non plus.
Abstimmung - Vote
Für den Antrag Wyss William Für den Antrag der Kommission
78 Stimmen 60 Stimmen
88.226
Parlamentarische Initiative (Meier-Glattfelden) Verwaltungsreferendum für Grossbauvorhaben
Initiative parlementaire (Meier-Glattfelden) Travaux de grande envergure. Institution de référendum
Kategorie V, Art. 68 GRN - Catégorie V, art. 68 RCN
Wortlaut der Initiative vom 15. Juni 1988
Dem Volke ist die Möglichkeit zu eröffnen, mittels des fakultati- ven Referendums Einfluss auf den Bau von technischen Grossvorhaben, welche Umwelt und Landschaft stark bela- sten, nehmen zu können.
Insbesondere sind dem fakultativen Referendum Vorhaben des Hoch- und Tiefbaues des Bundes von einer bestimmten Grössenordnung an (Kreditlimite beispielsweise 100 Millio- nen Franken) zu unterstellen. Damit würden grössere Erweite- rungsbauten und Ausbauten des Nationalstrassennetzes (zum Beispiel Bau einer zweiten Röhre durch den Gotthard), grosse Verwaltungsbauten des Bundes, Waffenplatzbauten, Eisenbahnbauten und andere erfasst.
Weiter wären dem fakultativen Referendum besonders wich- tige Konzessionen und Bewilligungen des Bundes zu unter- stellen, so namentlich Kernkraftwerke, thermische Kraftwerke und Wasserkraftwerke (soweit der Bund zuständig), Luftseil- bahnen, Schiffbarmachung von Flüssen und allfällige weitere Konzessionen und Bewilligungen.
Texte de l'initiative du 15 juin 1988
Il convient de donner au peuple la possibilité d'influer au moyen du référendum facultatif sur la réalisation d'importants projets techniques affectant fortement le paysage et l'environ- nement.
Seront en particulier sujets au référendum facultatif les projets de construction et de travaux publics de la Confédération dont le coût atteint un ordre de grandeur déterminé (par exemple à partir d'un seuil de 100 millions de francs). Les grands travaux d'élargissement et d'extension du réseau des routes nationa- les (notamment la construction d'une seconde galerie au tun- nel routier du Gothard), la construction de grands bâtiments administratifs, les places d'armes, les voies ferrées, seraient en particulier touchés par cette disposition.
Devraient en outre être sujettes au référendum les conces- sions et autorisations importantes octroyées par la Confédéra- tion, notamment pour des centrales nucléaires, thermiques ou hydrauliques relevant de la compétence de l'Etat fédéral pour des téléphériques, pour l'aménagement des cours d'eau aux fins de navigation, et pour d'autres travaux importants.
Herr Widmer unterbreitet im Namen der Kommission den fol- genden schriftlichen Bericht:
Gestützt auf Artikel 21bis des Bundesgesetzes über den Ge- schäftsverkehr der Bundesversammlung vom 23. März 1962 hat Nationalrat Meier-Glattfelden am 15. Juni 1988 eine parla- mentarische Initiative in der Form der allgemeinen Anregung eingereicht.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Parlamentarische Initiative (Bäumlin Ursula) Eides- und Gelübdeformel. Abänderung Initiative parlementaire (Bäumlin Ursula) Serment et promesse. Modification de la formule
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Jahr
Année
1990
Anno
Band
IV
Volume
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Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
17
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
87.231
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 05.10.1990 - 08:00
Date
Data
Seite
1876-1881
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Pagina
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