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Parlamentarische Initiative. Impfkampagne
und abschliessbar sein und mit einer Wasserschwelle verse- hen werden.
Nur in bezug auf die Haftung der chemischen Industrie geht diese parlamentarische Initiative wesentlich weiter als die heute gültige Gesetzgebung. Nach Meinung der Kommissi- onsmehrheit soll diese Haftungsfrage aber im Rahmen der Gesamtrevision des Haftpflichtrechts geprüft werden. Wenn schon eine neue Haftpflichtordnung geschaffen werden soll, dann sollte eine allgemeine Umwelthaftpflicht und nicht nur speziell eine Chemiehaftpflicht eingeführt werden.
Die Kommission beschloss mit elf zu sechs Stimmen, der par- lamentarischen Initiative keine Folge zu geben.
Aus Rationalisierungsgründen kann ich hier an dieser Stelle als Sprecher der SVP-Fraktion auch bekanntgeben, dass un- sere Fraktion einstimmig beschlossen hat, der Kommissions- mehrheit zu folgen und diese Initiative abzulehnen.
Tschuppert: Wenn inskünftig bei jedem Unfall oder Störfall nach dem gleichen Denkschema nach legislatorischen Son- dermassnahmen gerufen wird, dürften wir schon bald mit ei- ner ganzen Reihe von Branchengesetzen konfrontiert sein, womit die übergeordneten, umfassenden Regelungen nach und nach ausgehöhlt und überflüssig würden. Eine solche Tendenz trägt der Komplexität individueller Strukturen in kei- ner Weise Rechnung. Der Weg der branchenweisen Sonderre- gelungen scheint auch unter dem Aspekt der Rechtsgleichheit nicht unbedenklich. Die blosse Zugehörigkeit zu einer Bran- che sagt nichts über deren spezifisches Gefährdungspotential aus.
Die Artikel 1 bis 4 dieses ausformulierten Entwurfes enthalten zum grössten Teil Postulate, die entweder bereits in bestehen- den Gesetzen verwirklicht sind oder überarbeitet werden. Kernstück des Gesetzesentwurfes sind wohl die Artikel 5 und 6: Haftung und Haftpflichtversicherung. Ob es allerdings sinn- voll ist, jetzt isoliert besondere Haftungsnormen für eine ein- zelne Branche zu stipulieren, bezweifeln wir. Aus diesen Ueberlegungen ist es nicht gerechtfertigt, die chemische Indu- strie in wesentlichen legislatorischen Bereichen einer Spezial- gesetzgebung zu unterstellen. Ich beantrage namens der FDP-Fraktion, die parlamentarische Initiative Chemiegesetz abzulehnen.
Burckhardt: Namens der liberalen Fraktion teile ich mit, dass diese einstimmig für Nichteintreten votiert, aus den Gründen, welche bereits genannt worden sind: In erster Linie kann man nicht einen einzelnen Industriezweig mit einem Sondergesetz belasten. Ich möchte aber ganz kurz auf einige andere Aspekte eingehen und Herrn Doktor Albert Bodmer, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für chemische Industrie und Experte, zitieren: «Eigenverantwortung ist nicht alles, aber ohne Eigenverantwortung ist alles nichts.» Ich glaube, hier müssen wir einmal ganz deutlich unterstreichen, dass alle Menschen, welche beruflich mit gefährlichen oder gefährlich scheinenden Produktionen in irgendeiner Weise zu tun haben - sei es in Geschäftsleitungen, sei es in Labors, sei es im Pro- duktionslokal oder im Lagerhaus -, genau wissen müssen, was sie machen und welche Verantwortung sie auch der Oef- fentlichkeit gegenüber zu tragen haben. Hier möchte ich in al- ler Deutlichkeit sagen - deshalb habe ich eigentlich das Wort ergriffen -: Ich glaube, es gibt auf der Welt keinen Ort, wo ein dichteres Know-how in bezug auf Sicherheit und auf Oekolo- gie beisammen ist als in den vier chemischen Industrien der Nordwestschweiz und von Basel. Und die Gesetzgeber, wenn je weitere Gesetzgebungen nötig sind, wären wohl beraten, bei einer allfälligen Formulierung von Gesetzen mit einer sol- chen Gruppe von erstklassigen Kennern Kontakt aufzuneh- men. Aber der Staat hat andere Aufgaben, als nur Gesetze zu machen. Er hat unter anderem auf der Stufe der Mittel- und Hochschulen dafür zu sorgen, dass der Nachwuchs für dieses grossartige Know-how sichergestellt ist. Das ist eine Aufgabe, die der Staat sofort aufnehmen kann und auch aufnimmt.
Ich glaube, es ist ein guter Schritt in dieser Richtung, dass Herr Professor Nüesch, der in der Geschäftsleitung von Ciba-Geigy sitzt, jetzt Präsident der Eidgenössischen Technischen Hoch- schule wird. Er hat als erste Priorität seiner Tätigkeit an diesem
Ort die Oekologie festgeschrieben. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Tendenz in Richtung Harmonie zwischen Staat und Privatwirtschaft auf dem Gebiet der Sicherheit und der Oekolo- gie Fortschritte macht. Das ist der richtige Weg. Gesetzgebun- gen in der Art, wie sie die Initiative vorgeschlagen hat, kom- men Laufgittern gleich. Unter Umständen könnten wir feststel- len, dass solche Tendenzen - ganz unbewusst - den Arbeits- platz Schweiz langsam, aber sicher in Situationen der regle- mentierten Erstarrungen führen könnten, aus welchen heute unsere östlichen Miteuropäer mit aller Gewalt wieder ausbre- chen wollen.
Frau Segmüller: Die CVP nimmt die Aengste der Bevölkerung angesichts der Geschehnisse in Schweizerhalle sehr ernst, und wir begrüssen daher alles, was auf eidgenössischer und kantonaler Stufe unternommen worden ist, um dem Gefahren- potential entgegenzutreten und die Situation anlässlich des Brandes in Schweizerhalle zu meistern. Wir stehen aber dem Vorschlag der Initiative, ein Chemiegesetz zu schaffen, kritisch gegenüber. Der Vorschlag läuft auf ein Branchengesetz hin- aus, das wir der Problematik nicht angemessen finden. Es ent- hält Unklarheiten, Ungenauigkeiten, ich muss nicht näher dar- auf eingehen, der Bericht der Kommission orientiert genü- gend darüber. Festhalten möchte ich, dass wir mit allem Nach- druck einen bestmöglichen Schutz der Bevölkerung vor sol- chen Gefahren fordern, dass wir aber mit der Kommission die- sen ausgebauten Schutz im Umweltschutzgesetz und in einer allgemeinen Umwelthaftpflicht sehen, und nicht in einer spezi- ellen, nur die Chemie betreffenden Haftpflicht. Die vorgeschla- genen Obligatorien wären ein Unikum auf der Welt, und die Rolle, die dabei den Versicherungsgesellschaften zukäme, wäre eine unverhältnismässige.
Ich bitte Sie daher, in aller Anerkennung der schutzwürdigen Interessen von Bevölkerung und Wirtschaft in diesem Land, diese Initiative abzulehnen und den vom Bundesrat verspro- chenen Ausbau einer Umwelthaftpflicht abzuwarten.
Abstimmung - Vote
Für den Antrag der Mehrheit (keine Folge geben) Für den Antrag der Minderheit (Folge geben)
85 Stimmen
35 Stimmen
89.222
Parlamentarische Initiative (Hafner Rudolf) Verzicht auf die Impfkampagne gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR)
Initiative parlementaire (Hafner Rudolf) Arrêt de la campagne de vaccination contre la rougeole, la rubéole et les oreillons
Kategorie V, Art. 68 GRN - Catégorie V, art. 68 RCN
Präsident: Hier sind mehrere Anträge betreffend die vorgese- hene Kategorie eingegangen. Zusammen mit der Kommission beantrage ich Ihnen, dieses Geschäft in der Kategorie III zu behandeln.
Zustimmung - Adhésion
Initiative parlementaire. Campagne de vaccination
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N
27 septembre 1990
Wortlaut der Initiative vom 1. März 1989
Gestützt auf das Geschäftsverkehrsgesetz unterbreitet Ihnen der Unterzeichnete eine parlamentarische Initiative mit dem Antrag, folgenden Bundesbeschluss zu fassen:
Bundesbeschluss
Der Bundesrat wird angewiesen, auf eine amtliche Beteiligung oder Unterstützung der Impfkampagne gegen Masern, Mumps und Röteln zu verzichten und diese sofort einzustel- len.
Texte de l'initiative du 1er mars 1989
Se fondant sur la loi sur les rapports entre les conseils, le sous- signé dépose l'initiative parlementaire suivante, visant à l'adoption d'un arrêté fédéral ainsi conçu:
Arrêté fédéral
Le Conseil fédéral doit renoncer à participer ou à soutenir offi- ciellement la campagne de vaccination contre la rougeole, la rubéole et les oreillons et la stopper immédiatement.
Herr Hari unterbreitet im Namen der Kommission für Gesund- heit und Umwelt den folgenden schriftlichen Bericht:
Gestützt auf Artikel 21bis des Geschäftsverkehrsgesetzes vom 23. März 1962 hat Herr Nationalrat Rudolf Hafner am 1. März 1989 eine parlamentarische Initiative in Form der allge- meinen Anregung für einen Bundesbeschluss eingereicht. An ihrer Sitzung am 5. September 1989 hörte die Kommission den Initianten an und beschloss nach einer ausführlichen Dis- kussion, bei der Verwaltung einen Bericht einzuholen, der Auskunft über
die Rechtsgrundlage für die Impfaktionen und
die medizinischen Aspekte (pro und kontra)
geben soll.
Einige Mitglieder äusserten sich dahingehend, dass auch die Gegnerseite angehört werden sollte. An der Sitzung vom 22. November 1989 beschloss die Kommission, nachdem sie den Bericht des Bundesamtes für Gesundheitswesen erhalten hatte, auf zusätzliche Berichte zu verzichten.
Schriftliche Begründung des Initianten
Seit 1987 wird in der Schweiz durch das Bundesamt für Ge- sundheitswesen (Bag) eine breitangelegte Medien-Impfkam- pagne gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) durchge- führt. Vom Bag werden dazu folgende Hauptgrundlagen vor- gebracht:
Die Medien-Impfkampagne stütze sich auf Artikel 3 des Epide- miengesetzes ab.
Die Impfkampagne folge der weltweiten Strategie der WHO.
Die Ausrottung von Masern, Mumps und Röteln sei möglich und die MMR-Kombinationsimpfung schütze lebenslang. Ins- gesamt sei die MMR-Kampagne wissenschaftlich begründet und unbedenklich.
Die MMR-Kombinationsimpfung sei freiwillig.
Sämtliche vom Bag für die Medien-Impfkampagne vorge- brachten Grundlagen sind umstritten und werden in den nach- folgenden Abschnitten kurz beleuchtet. Aus Aerztekreisen wird besonders darauf hingewiesen, es handle sich bei der Ausrottungsstrategie der Behörden um ein grossangelegtes epidemiologisches Experiment an der Schweizer Bevölke- rung mit unabsehbaren Folgen.
Zu 1. Rechtsgrundlage
Gemäss Antwort des Bundesrates vom 1. Juni 1988 auf die In- terpellation 88.438 stützt sich die Medien-Impfkampagne auf Artikel 3 des Epidemiengesetzes. Dieser lautet wie folgt: Abs. 1
Das Eidgenössische Gesundheitsamt veröffentlicht wöchentli- che, monatliche und jährliche Zusammenstellungn auf Grund der gemäss Artikel 27 erstatteten Meldungen.
Abs. 2
Bei Bedarf unterrichtet es die Behörden, die Aerzteschaft und die Oeffentlichkeit durch weitere Mitteilungen.
Abs. 3
Es gibt zuhanden der Behörden und Aerzte technische Richtli- nien zur Bekämpfung übertragbarer Krankheiten heraus und passt sie laufend den wissenschaftlichen Erkenntnissen an. Artikel 3 Absatz 1 bezieht sich auf periodische Zusammenstel- lungen gemäss Artikel 27. Zweifellos sind hier unter «Zusam- menstellungen» Statistiken und ähnliches gemeint. Sinn und Zweck des Artikels ist die Information über das Auftreten an- steckender Krankheiten. Aufgrund der Beratungen des Ge- setzgebers gibt es keine Anhaltspunkte, wonach laut Artikel 3 Impfkampagnen Aufgabe des Bag sind.
Gemäss Artikel 11 treffen die Kantone Massnahmen zur Be- kämpfung übertragbarer Krankheiten. Ausserordentliche Um- stände (Katastrophensituationen) sind bei Masern, Mumps und Röteln nicht gegeben und wurden in der Antwort auf Inter- pellation 88.438 auch nicht geltend gemacht.
Zusammenfassend kann festgestellt werden:
Eine ausdrückliche Rechtsgrundlage für eine Medien-Impf- kampagne ist im Artikel 3 Epidemiengesetz nicht gegeben.
Solange keine gesetzliche Grundlage für eine Medien-Impf- kampagne besteht, haben die Behörden die Angelegenheit den Betroffenen, den Eltern sowie den Fachleuten (Aerzten) zu überlassen. Die Behörden hätten aus rechtlicher Sicht so- gar die Pflicht, das Grundrecht der persönlichen Freiheit zu schützen und eine freie Meinungsbildung (ohne staatliche Propaganda) zu gewährleisten.
Die Kantone sind ausdrücklich für die Massnahmen zur Be- kämpfung übertragbarer Krankheiten zuständig. Zwingende Gründe für einen Eingriff des Bundes in die kantonalen Hohei- ten sind nicht ersichtlich.
Zu 2. Strategie der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Die vom Bundesrat auf Interpellation 88.438 gegebene Ant- wort erweckt den Eindruck, die gesamte Impfkampagne er- folge im Rahmen einer weltweiten Strategie der WHO. ( .... Die vom Bag in Zusammenarbeit mit den Kantonen propagierte Impfkampagne .... erfolgt im Rahmen der weltweiten Strategie der Weltgesundheitsorganisation). Tatsache ist hingegen, dass die WHO nur eine weltweite Kampagne ausdrücklich ge- gen die Masern empfiehlt (für Röteln gebietsweise be- schränkt). Für die propagierte Impfkampagne erweckt das Bag fälschlicherweise den Anschein, auch die Ausrottung von Mumps und Röteln sei von der WHO weltweit empfohlen. - Aber auch zur Masernimpfstrategie der WHO, die vorwiegend auf die Entwicklungsländer ausgerichtet ist, werden von ver- schiedenen Aerzten schwerwiegende Bedenken und Ein- wände vorgebracht.
Zu 3. Inhalt der MMR-Impfkampagne
Ziel der breitangelegten Impfkampagne des BAg ist die lan- desinterne Ausrottung von Masern, Mumps und Röteln in der Schweiz. Dieses Ziel wird mit Radio- und TV-Spots sowie Bro- schüren für Aerzte und Eltern angestrebt.
Eine Durchsicht der für die Kampagne verwendeten Texte zeigt, wie insbesondere die Radio- und TV-Spots sehr verein- fachend formuliert sind und die eigene Urteilsbildung der El- tern nicht ansprechen. Die Texte haben eindeutig einen Propa- gandaeffekt «Pro Impfung MMR», was ja vom Bag beabsichtigt wird. «Qui aime bien, vaccine bien» lautet die Schlagzeile des französischsprachigen Elternmerkblattes. Die Impfung MMR wird mit dieser Schlagzeile zur moralischen Verpflichtung von kinderliebenden Eltern hinaufstilisiert.
Eine seriöse, wissenschaftlich abgestützte Information der Be- völkerung über die Impfproblematik müsste folgende Sach- verhalte aufzeigen:
Vor- und Nachteile der Massen-MMR-Impfungen für das ein- zelne Kind wie auch für die gesamte Volksgesundheit
Vor- und Nachteile des natürlichen Erkrankens an Masern, Mumps und Röteln.
Auch aus der Sicht von medizinischen Laien ist erkennbar, wie das Bag bei der Medien-Impfkampagne angebliche Vorteile der Impfungen und Nachteile der natürlichen Erkrankung überhöht darstellt und die restlichen Aspekte verschweigt. Von gut beobachtenden Eltern und Aerzten hört man jedoch Aeus- serungen wie: «Die Kinder sind nach durchgemachter Krank- heit stärker als vorher; sie müssen doch ihren Körper 'trainie- ren' können.» Im Ausland sind ferner mehr Diskussionen über
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Impfschäden bekannt. In den USA wurden bereits Entschädi- gungssummen in Milliardenhöhe geltend gemacht. Die Be- hauptung des Bag, mit der Impfung MMR sei ein lebenslanger Schutz zu erwarten, musste korrigiert werden.
Gemäss Antwort des Bundesrates auf die Interpellation 88.438 wurde keine eidgenössische Impfkommission berufen. Hinge- gen wurde vom Bag eine Arbeitsgruppe eingesetzt, die weder politisch noch wissenschaftlich repäsentativ ist. So waren darin keine Vetreter der praktizierenden Pädiater und Allge- meinpraktiker, kein Vertreter der Erfahrungsmedizin oder der Verbindung der Schweizer Aerzte geschweige denn ein El- tern- oder Patientenvertreter. Zudem wurden die Arbeiten für Radio- und TV-Spots begonnen, bevor die Universität Bern eine vertiefte Literaturstudie über die MMR-Problematik vor- nahm.
Bereits vor der laufenden Massen-Impfkampagne konnte auf- grund der individuellen Gesundheitslage gegen die Krankhei- ten Masern, Mumps und Röteln geimpft werden. Impfungen gegen Röteln waren beispielsweise nur für Mädchen notwen- dig und nur dann, wenn bis zur Pubertät keine natürliche Rö- telnerkrankung eingetreten war. Die Dreifachkombinations- impfung MMR stellt schon von der Konzeption her kein diffe- renziertes Vorgehen dar und nimmt keine Rücksicht auf die in- dividuelle Gesundheitssituation. Das Auftreten von begründe- ter Impfmüdigkeit darf aber keinesfalls Discountmethoden (3 für 1) im Gesundheitswesen rechtfertigen.
Zusammenfassend kann festgestellt werden:
Die Medien-Impfkampagne und Elternmerkblätter des Bag stellen nur den Pro-Impfung-Standpunkt dar und erfüllen den Anspruch einer umfassenden Information nicht.
Das Bag versucht, mit moralischem Druck («Qui aime bien, vaccine bien») eine umstrittene Kampagne durchzuziehen.
Die vom Bag eingesetzte Arbeitsgruppe ist weder politisch noch wissenschaftlich repräsentativ.
In wissenschaftlicher Hinsicht lässt die Impfkampagne ge- wichtige Fragen offen (betreffend Impfschäden, Vorteile der natürlichen Erkrankung an MMR, langfristige Folgen für das Immunsystem des Kindes, Volksgesundheit usw.).
Dem Bag sind bei der Kampagne nicht nur in rechtlicher Hin- sicht Fehler und Irrtümer unterlaufen. So musste beispiels- weise die frühere Behauptung, die MMR-Impfung würde einen lebenslangen Schutz bewirken, korrigiert werden.
Die Kombinationsimpfung MMR (3 für 1) ist keine differen- zierte Massnahme und geht nicht auf die individuelle Gesund- heitslage ein.
Ein Beweis für die vom Bag behaupteten Vorteile der Impf- kampagne steht aus, bzw. hinsichtlich der langfristigen Fol- gen für die Volksgesundheit besteht ein unbekanntes Restri- siko.
Weil eine Beurteilung der Massenimpfkampagne medizini- sche Aspekte (Epidemiologie usw.) beinhaltet, stellen wir zu- handen der vorberatenden Kommission den Antrag: Zur Bera- tung über diese parlamentarische Initiative sind Vertreter der Aerzte-Arbeitsgruppe für differenzierte MMR-Impfungen anzu- hören.
Zu 4. Freiwilligkeit der MMR-Impfungen
Von der Aerzte-Arbeitsgruppe für differenzierte MMR-Impfun- gen wird begründet (Broschüre «Warum die Eltern mitent- scheiden sollen»), dass die MMR-Impfungen zwar von den Be- hörden als freiwillig deklariert werden, aber faktisch ein gros- ser Druck auf Aerzte, Lehrer und Eltern ausgeübt wird und die Impfungen mit zunehmendem Durchimpfungsgrad zu einem nicht umkehrbaren Sachzwang werden. Damit schlittert die Schweizer Bevölkerung in eine Situation, die einem Impfobli- gatorium wie beispielsweise in der DDR entspricht.
Aus dem traditionellen demokratischen Rechtsverständnis in der Schweiz dürfen behördliche Eingriffe in die persönliche Freiheit nur vorgenommen werden, wenn sie im öffentlichen Interesse notwendig sind und eine Rechtsgrundlage vorhan- den ist. Die persönliche Freiheit ist ein Grundrecht, das auch im Gesundheitswesen gilt. D. h. der einzelne Mensch ist für seine Gesundheit verantwortlich und entscheidet selber über die zu treffenden Massnahmen. Ob die Kinder geimpft werden sollen, müssen die Eltern entscheiden. Sie haben das An- recht, dies ohne einseitige Druckversuche eines Amtes zu tun.
Die Schweizer leben seit der Staatsgründung mit den Kinder- krankheiten Masern, Mumps und Röteln. Erst vor kurzer Zeit wurde aufgrund der umstrittenen Masernkampagne der WHO - die in erster Linie für die Entwicklungsländer konzipiert ist - die MMR-Kampagne in der Schweiz beschlossen. Zumindest von 145 Aerzten und einer unbekannten Anzahl Eltern wird die Impfkampagne abgelehnt. Ein öffentliches Interesse an der Kampagne kann nicht bejaht werden, da entscheidende wis- senschaftliche Erkenntnisse über die langfristigen Auswirkun- gen derartiger Massen-Impfungen auf die Volksgesundheit noch fehlen.
Abgesehen von der fehlenden gesetzlichen Grundlage muss die MMR-Impfkampagne als nicht verhältnismässig bezeich- net werden. Die Eltern konnten ihre Kinder bereits bisher nach Bedarf impfen lassen. Der vom Bag proklamierte Gesund- heitsgewinn der Gesamtbevölkerung gegenüber den mögli- chen Nachteilen der Massenimpfung (Impfschäden, Folgen für das Immunsystem usw.) ist noch zuwenig wissenschaftlich erforscht. Damit ist die MMR-Impfaktion der Behörden ein grossangelegtes Experiment an der Schweizer Bevölkerung. Es besteht jedoch keine Rechtfertigung dazu. - Bei der Beach- tung des Verhältnismässigkeitsprinzips würden sich zweifel- los behördliche Massnahmen im Bereiche der Verkehrsun- fälle, Umweltverschmutzung usw. eher aufdrängen.
Erwägungen der Kommission
Rechtliche Aspekte
Allgemeines
Die Verwaltung muss sich bei ihrer Tätigkeit an die verfas- sungsmässigen Schranken des Verwaltungshandelns halten. Jedes Verwaltungshandeln hat deshalb die Grundsätze der Gesetzmässigkeit, der Wahrung öffentlicher Interessen, der Verhältnismässigkeit sowie die aus Artikel 4 der Bundesver- fassung abgeleiteten Anforderungen (Rechtsgleichheit, Will- kürverbot) zu respektieren. Das gilt demnach auch für Informa- tion, Beratung und Empfehlungen durch die Verwaltung. 12. Gesetzliche Grundlage
Artikel 8 des Bundesgesetzes vom 19. September 1978 über die Oganisation und die Geschäftsführung des Bundesrates und der Bundesverwaltung (Verwaltungsorganisationsgesetz (VwOG), SR 172.010) verpflichtet den Bundesrat, dafür zu sor- gen, «dass die Oeffentlichkeit über seine Absichten, Entschei- dungen und Massnahmen, ferner über die Arbeit der Bundes- verwaltung durch einen Informationsdienst dauernd orientiert wird, soweit ein allgemeines Interesse daran besteht und da- durch keine wesentlichen schutzwürdigen öffentlichen oder privaten Interessen verletzt werden«.
Neben diser allgemeinen Grundlage enthalten verschiedene Spezialgesetze für ihren Bereich eine Regelung zur Frage der Information durch die Verwaltung, so auch das Bundesgesetz vom 18. Dezember 1970 über die Bekämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen (Epidemiengesetz, SR 818.101). Nach Artikel 1 des Epidemiengesetzes treffen Bund und Kan- tone die nötigen Massnahmen, um übertragbare Kankheiten des Menschen zu bekämpfen. Das Bundesamt für Gesund- heitswesen (Bag) veröffentlicht nach Artikel 3 Absatz 1 dieses Gesetzes wöchentliche, monatliche und jährliche Zusammen- stellungen auf Grund der gemäss Artikel 27 erstatteten Mel- dungen der Aerzte, Spitäler und Laboratorien. Gestützt auf Ar- tikel 3 Absatz 2 unterrichtet das Bag bei Bedarf die Behörden, die Aerzteschaft und die Oeffentlichkeit durch weitere Mittei- lungen. Das Bag kann sich demzufolge für Informationen im Bereich der Infektionskrankheiten-Bekämpfung auf eine ge- setzliche Grundlage stützen.
Im Gegensatz zu Artikel 6 des Umweltschutzgesetzes enthält Artikel 3 Absatz 2 des Epidemiengesetzes keine ausdrückliche Ermächtigung, auch Empfehlungen abzugeben. Wir sind in- dessen der Meinung, dass die Kompetenz, im Gesundheitsbe- reich zu informieren, für die Verwaltung auch die Kompetenz beinhaltet, über ihre Haltung sowie über das von ihr emp- fohlene Verhalten zu informieren. Ohne dies wäre die Informa- tion nämlich nicht vollständig. Der Bürger, der über die Gefah- ren einer Infektionskrankheit informiert wird, erwartet, dass die Verwaltung ihm auch sagt, wie er sich vor einer Ansteckung schützen kann. Falls für die betreffende Krankheit ein Impfstoff
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27 septembre 1990
existiert, muss man ihm deshalb auch sagen, dass mit einer Impfung ein wirksamer Schutz erreicht werden kann. Die in Ar- tikel 3 Absatz 2 des Epidemiengesetzes enthaltene Kompe- tenz des Bag zur Information beinhaltet deshalb auch die Kompetenz, Ratschläge und Empfehlungen abzugeben. 13. Oeffentliche Interessen
Masern, Mumps und Röteln sind übertragbare Krankheiten des Menschen. Masern können u. a. zu Komplikationen des zentralen Nervensystems führen (Enzephalitis). Auch bei Mumps zählt die Mumpsenzephalitis zu den schweren Kom- plikationen. Bei den Röteln können Schädigungen auftreten als Folge einer Infektion zu Beginn der Schwangerschaft. In- formation über die Gefahren dieser Krankheiten und die Emp- fehlung, sich dagegen impfen zu lassen, liegen u. E. klar im öffentlichen Interesse.
Bei der Prüfung der Verhältnismässigkeit der Information ist zu untersuchen, ob sie zur Erreichung des Ziels geeignet, er- forderlich und verhältnismässig im engeren Sinne ist,.d. h. nicht über das erforderliche Mass hinausgeht.
Informations-Kampagnen sind ein taugliches Mittel, um eine breite Oeffentlichkeit anzusprechen. Die Information ist des- halb geeignet. Die Information ist u. E. erforderlich, weil Infekti- onskrankheiten wie Masern, Mumps und Röteln bekämpft werden müssen (die Einzelheiten finden sich im medizini- schen Teil). Schliesslich ist die Information auch massvoll, denn sie berücksichtigt alle Aspekte des Problems, auch die Nachteile, und ermöglicht es so dem Bürger, sich eine eigene Meinung zu bilden. Dies trifft u. E. auch zu für die Information der Oeffentlichkeit, welche v. a. in Form von Werbespots, Slo- gans und kleinen Faltprospekten erfolgte. Es handelt sich da- bei durchwegs um Mittel, die infolge ihres Umfangs keine Be- rücksichtigung aller Aspekte des Problems ermöglichen. Ein Slogan beispielsweise muss notwendigerweise kurz und ein- prägsam sein. Dem wird aber dadurch Rechnung getragen, dass die Slogans durchwegs von erklärender Information be- gleitet sind. Das gilt auch für die Werbespots und Faltpro- spekte, die zur Vervollständigung der Information auf den Arzt verweisen. Weil diese Impfungen von einem Arzt durchgeführt werden, kann zudem immer auch eine spezifische individuelle Beratung stattfinden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dem Bag ein gewis- ses Ermessen zusteht, wie es die Oeffentlichkeit informieren will. Der Umstand, dass vereinzelte Aspekte des Problems besser hätten dargestellt werden können, genügt für sich al- lein nicht, um eine Unverhältnismässigkeit zu bejahen und auf einen Gesetzesverstoss zu schliessen.
Die Kompetenz, eine Impfung für obligatorisch zu erklären, steht nach Artikel 23 Absatz 2 des Epidemiengesetzes den Kantonen zu. Die Kantone haben bezüglich der Impfung ge- gen Masern, Mumps und Röteln keine derartige Regelung getroffen. Der Bund könnte eine Impfung höchstens gestützt auf Artikel 10 des Gesetzes für obligatorisch erklären, wenn ausserordentliche Umstände dies erfordern. Solche Um- stände sind in Bezug auf Masern, Mumps und Röteln nicht gegeben. Die MMR-Kampagne statuiert denn auch kein Imp- fobligatorium, sondern belässt den Eltern den Entscheid, ob sie ihre Kinder impfen lassen wollen.
Gemäss Lehre und herrschender Praxis muss sich jede Ver- waltungstätigkeit an die Grundrechte halten. Betroffen sein könnte vorliegend allenfalls das ungeschriebene Grundrecht der persönlichen Freiheit. Die persönliche Freiheit schützt den Menschen in seiner körperlichen Integrität. Diese wird durch die MMR-Kampagne nicht tangiert. Die persönliche Freiheit kann zudem verletzt werden durch staatliche Massnahmen, die den freien Willen oder andere elementare Erscheinungen der Persönlichkeitsentfaltung des Menschen oder die Men- schenwürde beeinträchtigen. Dieser Teil des Schutzbereichs der persönlichen Freiheit könnte dann verletzt sein, wenn die Verwaltung bewusst falsche Angaben macht oder auf die Be- troffenen Druck auszuüben versucht, ihre Empfehlungen zu befolgen. Beides trifft nach unserem Dafürhalten für die MMR- Kampagne nicht zu. Auch die Verwendung von Slogans wie
«Qui aime bien, vaccine bien» stellt u. E. keine Druckaus- übung dar. Zwar ist nicht zu bestreiten, dass der betreffende Slogan das Problem nicht umfassend wiedergeben kann und unglücklich formuliert war (er wurde in der Zwischenzeit denn auch abgeändert). Er wird aber in aller Regel von erklärender Information begleitet, von einer Information, die es dem Ange- sprochenen ermöglichen soll, seinen Entscheid nach Abwä- gung des Für und Wider zu treffen. Von einem Eingriff in die persönliche Freiheit kann deshalb nicht gesprochen werden. 17. Zusammenfassung
Das Bag hat nach Artikel 3 Absatz 2 des Epidemiengesetzes die Kompetenz, eine Informationskampagne über die Ma- sern-, Mumps- und Rötelnimpfung durchzuführen. Diese Kompetenz beinhaltet auch das Recht, Empfehlungen abzu- geben und die Eltern zu beraten. Dem Bag steht dabei ein ge- wisses Ermessen zu, wie es die Kampagne gestalten will. Der Umstand, dass vereinzelte Aspekte besser hätten dargestellt werden können, lässt für sich allein nicht auf einen Gesetzes- verstoss schliessen. Auch das Grundrecht der persönlichen Freiheit wird durch die Kampagne nicht verletzt.
Medizinische Aspekte der Masern-Mumps-Röteln-(MMR)- Impfkampagne
Voraussetzungen
Diese Kampagne erfolgt im Rahmen einer weltweiten (Ma- sern), resp. europaweiten (Röteln, Mumps) Impfstrategie der Weltgesundheitsorganisation (WHO), welche sich auf ein Teil- ziel des Programms «Gesundheit für alle im Jahr 2000» ab- stützt. Alle europäischen Länder haben diesem Programm zu- gestimmt.
Das spezifische Ziel beinhaltet, neben der Diphtherie, dem Neugeborenen-Starrkrampf und der Kinderlähmung, die Ma- sern-, Mumps- und Röteln-Erkrankungen in der Schweiz zum Verschwinden zu bringen. Dazu ist es notwendig, die Viruszir- kulation möglichst vollständig zu unterbrechen (=Elimina- tion). Durch Einschleppung aus dem Ausland können aber weiterhin noch vereinzelte Fälle auftreten, welche sich nur durch eine weltweite Ausrottung (=Elimination in allen Län- dern = Eradikation) endgültig vermeiden lassen. Das Ziel der Elimination ist, speziell bezüglich der Masern, sicher hoch an- gesetzt. Der letzte Schritt dazu kann möglicherweise nur durch eine zweite Impfdosis während der Schulzeit gemacht wer- den, damit auch die als Kleinkinder nicht Geimpften und mög- liche primäre Impfversager geschützt werden können. Aber auch schon bei tieferen Durchimpfungsraten (über 80 Pro- zent) wirken sich die Impfungen positiv aus, und es kann eine wesentliche Reduktion der Erkrankungen und damit auch de- ren Komplikationen in allen Altersgruppen, auch bei den über 15jährigen, erreicht werden. Das Beispiel der USA zeigt dies sehr deutlich, obwohl die Durchimpfung der Kleinkinder teil- weise noch nicht optimal ist.
Eine weltweite Eradikation der Masern ist im Vergleich zur Pockeneradikation, aufgrund epidemiologischer Unter- schiede der beiden Krankheiten, sicher schwieriger zu errei- chen. Die grundsätzlichen Voraussetzungen sind aber auch bei den Masern gegeben und das Beispiel der Pocken zeigt, dass eine Eradikation auch praktisch erreichbar ist. In wel- chem zeitlichen Rahmen eine weltweite Maserneradikation möglich sein wird, ist heute noch nicht abschätzbar und als Ziel auch noch nicht ausdrücklich formuliert worden.
Der kombinierte MMR-Impfstoff ist in der Schweiz seit 1971 er- hältlich. Auf individueller Basis wurden in der Schweiz die ein- zelnen Impfungen bereits seit vielen Jahren empfohlen: die Rötelnimpfung für Mädchen seit 1973, die Masernimpfung seit 1976 und die Mumpsimpfung seit 1981. Das Vorgehen vor der nach den WHO-Empfehlungen propagierten Impfkampagne hat sich aber nur als beschränkt wirksam erwiesen. So sind immer noch zu viele Frauen bei Eintritt einer Schwangerschaft nicht gegen Röteln geschützt, da sie entweder nicht geimpft wurden oder die Krankheit nicht durchgemacht hatten. Immer noch müssen Kinder wegen diesen drei Krankheiten hospitali- siert werden; auch vereinzelte Todesfälle kommen noch vor. Bei den Masern war zudem eine gewisse Verschiebung der Er- krankungen auf höhere Altersgruppen bereits festzustellen, bedingt durch die ungenügende Durchimpfung von schät- zungsweise 50 Prozent vor der Kampagne. Die Durchimpfung
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war regional sehr unterschiedlich; genauere Angaben fehlen auf gesamtschweizerischer Ebene. Mit der Impfkampagne sollen diese Impfungen intensiviert und gesamtschweizerisch koordiniert durchgeführt werden, um für die ganze Bevölke- rung einen bestmöglichen Schutz vor diesen Krankheiten zu erreichen.
Für die Impfung gegen jede der drei Krankheiten besteht ein- zeln eine klare Indikation.
Die Masern verlaufen im allgemeinen mit hohem Fieber und beeinträchtigen den Allgemeinzustand oft erheblich. Kompli- kationen sind nicht selten: bei 7 bis 9 Prozent der Erkrankun- gen kann eine Mittelohrentzündung und bei 1 bis 6 Prozent eine Lungenentzündung, die oft zu einer Hospitalisierung führt, beobachtet werden. Eine Hirnentzündung (Enzephalitis) trifft in einem Verhältnis von etwa 1 zu 1000 bis 2000 Erkran- kungen auf. In bis zu einem Drittel dieser Fälle muss mit blei- benden Störungen (geistige Behinderung, Krämpfe, Lähmun- gen) gerechnet werden; die Sterblichkeit bei Enzephalitis liegt zwischen 10 und 30 Prozent.
Die Röteln sind im allgemeinen eine harmlose Krankheit. Bei einer Infektion in den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft können jedoch bei den ungeborenen Kindern in bis zur Hälfte der Fälle schwere Komplikationen auftreten: Fehlgeburt, Ab- sterben der Frucht oder Missbildungen (v. a. Taubheit, Blind- heit, geistige Behinderung, Herzmissbildungen).
Beim Mumps sind relativ häufig, aber meist vorübergehend, Gehörstörungen zu beobachten. In ca. 5 Prozent der Fälle kommt es zu einer - eher leichten - Mitbeteiligung des zentra- len Nervensystems; diese Mumps-Hirnhautentzündung führt häufig zu einer Spitaleinweisung. Eine Enzephalitis tritt bei ca. 0,25 Promille der Erkrankungen auf und kann bei einem Drittel der betroffenen Patienten zu einem bedeutenden geistigen Entwicklungsrückstand führen. Bei einer Infektion nach der Pubertät kann bei 20 Prozent der Männer eine Hodenentzün- dung und bei 5 Prozent der Frauen eine Entzündung der Eier- stöcke beobachtet werden.
Die MMR-Impfung wird mit abgeschwächten, lebenden Ma- sern-, Mumps- und Rötelnviren durchgeführt und führt ent- sprechend der natürlichen Infektion zu einer Stimulation des Immunsystems. Die Impfung bewirkt nach heutigen Kenntnis- sen (über 20 Jahre Beobachtungszeit) eine dauerhafte Immu- nität bei ca. 95 Prozent der Geimpften. Es sind keine Studien bekannt, welche auf negative Auswirkungen auf das Immun- system hinweisen. Da die MMR-Impfung mit abgeschwäch- ten, aber lebenden Viren durchgeführt wird, können in deren Folge theoretisch alle klinischen Symptome der Masern-, Mumps- und Röteln-Erkrankungen auftreten. Die Impfkompli- kationen sind aber viel seltener (10 bis 1000fach) als die Kom- plikationen nach natürlichen Erkrankungen und treten mei- stens nur in stark abgeschwächter Form auf .- Es dürfen auch nicht alle im Anschluss an eine Impfung beobachteten Sym- ptome kausal auf diese zurückgeführt werden. Diese Angaben werden auch durch die vom Institut für Sozial- und Präventiv- medizin der Universität Bern durchgeführte Literaturstudie be- stätigt («Die Impfstrategien gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfung) im Lichte der epidemiologischen Literatur». Bericht zu Handen der Gesundheitsdirektion des Kantons Bern. Bern, 5. Dezember 1988). Auch diese Studie kommt zum Schluss, dass diese Impfung eindeutig zu bejahen ist. 24. Vorgebrachte Einwände
Im folgenden wird nur auf einzelne Einwände, soweit diese noch nicht in den vorangehenden Abschnitten besprohen sind, eingegangen. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit den Argumenten, welche wiederholt gegen die Impfung angeführt wurden, findet sich auch im Bag-Bulletin Nr. 42 vom 30. Oktober 1989.
Vorgebracht wird beispielsweise, die drei Krankheiten würden sich positiv auf die Entwicklung der Kinder auswirken.
Es kann möglich sin, dass nach einer dieser Kinderkrankhei- ten ein Entwicklungsschritt beobachtet wird. Dies kann aber auch nach anderen Krankheiten, welche nicht mit dem Risiko schwerwiegender Komplikationen verbunden sind, beobach- tet werden. Wissenschaftliche Arbeiten, welche eine positive
Auswirkung der Masern-, Mumps- oder Röteln-Erkrankungen auf die Gesamtentwicklung der Kinder nachweisen, sind dem Bag nicht bekannt und. werden von den Impfgegnern auch nicht vorgelegt. Umgekehrt gibt es auch keine Anhaltspunkte, dass Kinder, welche diese Krankheiten nicht durchgemacht haben, in ihrer Entwicklung zurückgeblieben sind. Es er- scheint auch äusserst fragwürdig, ob allfällige positive Auswir- kungen auf die Eltern-Kind-Beziehung aufgrund von Krankhei- ten erzielt werden sollen, welche, wenn auch selten, schwer- wiegende Komplikationen zur Folge haben können.
Es wird angeführt, durch die Massenimpfungen (insbeson- dere die Masernimpfung) komme es zum Auftreten von ge- fährlichen Epidemien bei Erwachsenen, wie in den USA beob- achtet werden kann.
Seit der Einführung der Masernimpfung in den USA haben die Masernfälle um 99 Prozent abgenommen. Dieser Rückgang konnte in allen Altersgruppen, auch bei den über 15jährigen, beobachtet werden. Mit steigender Durchimpfung nimmt die Zahl der Erkrankungen und damit die Zahl der Kontaktmög- lichkeiten mit dem Masernvirus laufend ab. Ungeimpfte Kinder haben daher immer weniger die Gelegenheit, sich anzu- stecken. Diese Situation ist an sich unerwünscht, da gewisse Komplikationen mit dem Alter häufiger auftreten und die Krankheit schwerer verlaufen kann. Mit einer hohen Durchimp- fung kann aber dieser Altersverschiebung weitgehend begeg- net werden, so dass durch das wesentlich verminderte Exposi- tionsrisiko die Erkrankungshäufigkeit auch in den höheren Al- tersgruppen deutlich abnimmt.
Verschiedentlich wurden in den USA, auch 1989, in Schulen Krankheitsausbrüche beobachtet, obwohl teilweise über 98 Prozent der Schüler geimpft waren. Folgende Gründe wa- ren unter anderem für diese Ausbrüche verantwortlich: Im- pfung vor dem 15. Lebensmonat, verminderte Wirksamkeit und Stabilität der älteren Impfstoffe und fragliche Validität der Impfzeugnisse. Es handelte sich dabei um lokal begrenzte Ausbrüche, die auf den insgesamt sehr deutlichen Rückgang der Masernerkrankungen nur einen minimalen Einfluss hat- ten.
Die Erfahrungen mit anderen Impfungen (Diphtherie, Starr- krampf, Kinderlähmung) zeigen, dass ohne jegliche Zwangs- massnahmen hohe Durchimpfungsraten erreicht werden kön- nen und grundsätzlich Impfunwillige sehr selten sind. Die Al- ternative, ganz auf diese Impfungen zu verzichten, ist wohl kaum als realistisch respektive sinnvoll anzusehen, und würde jährlich Tausende von Erkrankungen nach sich ziehen mit al- len oben beschriebenen Komplikationen. Ein differenziertes Vorgehen (am Ende der Schulzeit Masern-Mumps-Impfung für Knaben und Masern-Röteln-Impfung für Mädchen nach vorangehender Antikörperbestimmung), wie es auch vorge- schlagen wird, wäre aus logistischen Gründen äusserst auf- wendig und mit sehr hohen Kosten verbunden. Zudem wurde bereits vor der Kampagne in ähnlicher, aber eingeschränkter Weise vorgegangen (keine Testung, Rötelnimpfung für Mäd- chen, Masern- (und Mumps-)Impfung für Kleinkinder), was sich aber nur als begrenzt wirksam erwiesen hatte (vgl. 21). 25. Wer soll geimpft werden?
Grundsätzlich sollen alle Kinder (nach dem 15. Lebensmonat) anlässlich eines Arztbesuches geimpft werden (allg. gültige Impfempfehlung).
Kontraindikationen sind sehr selten und zahlenmässig nicht von Bedeutung.
Im Rahmen der Kampagne werden spezifisch folgende Alters- gruppen angesprochen, um möglichst bald eine hohe Durch- impfung zu erreichen:
alle Kleinkinder im Alter von 15 bis 24 Monaten,
alle noch nicht geimpften Kinder bei Schulbeginn,
alle noch nicht geimpften Kinder am Ende der obligatori- schen Schulzeit.
Alle Kantone haben diese Empfehlungen in die schon beste- henden Infrastrukturen der schulärztlichen Dienste eingebaut. 26. Durchführung und Verlauf der Impfkampagne
Die MMR-Impfkampagne wurde vom Bundesamt für Gesund- heitswesen vorbereitet und eingehend mit den Kantonen dis- kutiert. Die Kantone haben dem Konzept zugestimmt; sie sind es auch, die die Kampagne durchführen. Die Kampagne
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Initiative parlementaire. Campagne de vaccination
wurde durch die Fachgruppe für Impffragen und die Arbeits- gruppe MMR-Impfkampagne im Detail ausgearbeitet. Neben Epidemiologen und Kantonsärzten arbeiteten verschiedene Kinderärzte, auch praktizierende, in diesen Gruppen mit. Für spezifische Fragestellungen wurden weitere Experten zugezo- gen. Die Impfkampagne wird seit dem Beginn von der Schwei- zerischen Gesellschaft für Pädiatrie unterstützt. Das Informati- onsmaterial wird gesamtschweizerisch koordiniert bereitge- stellt. Die Verteilung erfolgt über kantonale beziehungsweise lokale Stellen.
Der bisherige Verlauf der Kampagne zeigt, dass die Impfung von der Bevölkerung im allgemeinen gut aufgenommen wurde. Aufgrund der vefügbaren Angaben aus den Kantonen wurden in den Schulen bisher durchschnittlich ca. 70 Prozent der Schüler geimpft, wobei zusätzlich ein unterschiedlich grosser Teil bereits früher geimpft worden war. So sind in ein- zelnen Kantonen bis zu 98 Prozent der Schüler im Rahmen der Kampagne oder früher gegen diese Krankheiten geimpft worden. In anderen Kantonen liegt dieser Prozentsatz deutlich tiefer, unter anderem bedingt durch die von den Impfgegnern ausgelöste Verunsicherung in der Bevölkerung.
Die in der Schweiz durchgeführte MMR-Impfkampagne wird auch laufend evaluiert. In den meisten anderen europäischen Ländern wurde ein ähnliches Vorgehen gewählt. Regelmässig finden auch Zusammenkünfte aller nationalen verantwortli- chen Stellen statt, um die gemachten Fortschritte und Pro- bleme zu diskutieren. An deren letzten Treffen, 1989 in Istan- bul, wurden die Ziele erneut bestätigt, wobei sich keine we- sentlichen neuen Aspekte ergaben.
M. Hari présente au nom de la commission le rapport écrit sui- vant:
Se fondant sur l'article 21bis de la loi du 23 mars 1962 sur les rapports entre les conseils, M. Rudolf Hafner, conseiller natio- nal, déposait le 1er mars 1989 une initiative parlementaire sous forme d'une demande conçue en termes généraux, vi- sant l'adoption d'un arrêté fédéral.
La commission a entendu l'auteur de l'initiative lors de sa séance du 5 septembre 1989 et a décidé, à l'issue d'une dis- cussion approfondie, de charger l'administration d'établir un rapport précisant:
les bases juridiques sur lesquelles reposent les campagnes de vaccination, et
les aspects médicaux de telles campagnes (indications et contre-indications).
Quelques membres ont demandé que la commission entende également la partie adverse. Lors de sa réunion du 22 novem- bre 1989, la commission a renoncé à des rapports complé- mentaires après avoir pris connaissance du rapport de l'Office fédéral de la santé publique.
Développement par écrit de l'auteur de l'initiative
Depuis 1987, l'Office fédéral de la santé publique (OFSP) mène en Suisse, dans les médias, une vaste campagne de vaccination contre la rougeole, les oreillons et la rubéole (ROR). Pour justifier son action, l'OFSP fait valoir essentielle- ment les raisons suivantes:
La campagne médiatique de vaccination est fondée sur l'article 3 de la loi fédérale sur les épidémies.
La campagne entre dans le cadre de la stratégie mondiale de l'OMS.
L'éradication de la rougeole, des oreillons et de la rubéole est possible. La vaccination combinée ROR «confère une immu- nité à vie». La campagne ROR est scientifiquement fondée et ne doit pas susciter de réserves.
La vaccination ROR est facultative.
Or, les arguments que fait valoir l'OFSP en faveur de la campa- gne de vaccination menée grâce aux médias sont tous contes-
tables, comme il est indiqué brièvement ci-après. Les milieux médicaux font notamment remarquer que la stratégie d'éradi- cation poursuivie par les autorités constitue une vaste expé- rience épidémiologique, faite sur la population suisse, sans qu'on puisse en prévoir les conséquences.
Premier argument: fondement juridique
Selon la réponse du 1er juin 1988 du Conseil fédéral à l'inter- pellation 88.438, la campagne médiatique de vaccination est fondée sur l'article 3 de la loi fédérale sur les épidémies, lequel dispose: Al. 1
L'Office fédéral de la santé publique, se fondant sur les décla- rations prévues à l'article 27, publie des relevés hebdomadai res, mensuels et annuels.
Al. 2
Il informe, s'il est nécessaire, les autorités, le corps médical et le public par d'autres communications.
Al. 3
Il fait paraître, à l'intention des autorités et des médecins, des directives techniques sur la lutte contre les maladies transmis- sibles et les adapte régulièrement à l'état des connaissances scientifiques.
L'article 3, premier alinéa, se rapporte à des informations pé- riodiques selon l'article 27. Il n'y a pas de doute que, par le terme de «relevés», il faut entendre des statistiques et autres documents semblables, le sens et le but de l'article étant l'in- formation sur l'apparition de maladies contagieuses. Il n'y a pas lieu de croire que le législateur ait voulu confier à l'OFSP, par l'article 3, la tâche de mener des campagnes de vaccina- tion.
Selon l'article 11 de la même loi, les cantons prennent les me- sures propres à lutter contre les maladies transmissibles. Quant à l'hypothèse de circonstances extraordinaires, catas- trophiques, elle ne saurait être retenue en ce qui concerne la rougeole, les oreillons et la rubéole. Aussi le Conseil fédéral, dans sa réponse à l'interpellation 88.438, n'en a-t-il pas fait état.
Les choses peuvent donc se résumer ainsi:
L'article 3 de la loi sur les épidémies ne donne pas de fonde- ment juridique exprès à une campagne médiatique de vacci- nation.
Tant qu'il n'existe pas de base légale pour une campagne médiatique de vaccination, les autorités doivent s'en remettre de ce problème aux personnes concernées, c'est-à-dire aux parents et aux spécialistes (médecins). D'un point de vue juri- dique, il serait même du devoir des autorités d'assurer la pro- tection du droit fondamental de liberté des personnes, et de garantir la libre formation des opinions, sans propagande éta- tique.
Compétence est expressément donnée aux cantons de prendre des mesures pour combattre les maladies transmissi- bles. On ne voit pas quelles raisons impératives aurait la Con- fédération d'intervenir dans un domaine où les cantons sont souverains.
Deuxième argument: stratégie de l'Organisation mondiale de la santé (OMS)
La réponse du Conseil fédéral à l'interpellation 88.438 éveille l'impression que toute la campagne de vaccination se ferait dans le cadre d'une stratégie universelle de l'OMS (« .... La campagne menée par l'OFSP d'entente avec les cantons .... a lieu dans le cadre de la stratégie universelle de l'Organisation mondiale de la santé .... ). En réalité, l'OMS ne recommande de campagne universelle que contre la rougeole expressément, et contre la rubéole dans des secteurs limités. Par les vaccina- tions qu'il vise à promouvoir, l'OFSP donne faussement à croire que l'OMS recommanderait aussi, et sur le plan mon- dial, l'éradication des oreillons et de la rubéole. Mais pour ce qui est de la stratégie de vaccination de l'OMS contre la rou- geole également, stratégie qui vise principalement les pays en voie de développement, certains médecins émettent de sé- rieux doutes et objections.
Troisième argument: objectifs de la campagne de vaccination ROR
Le but de la vaste campagne de vaccination de l'OFSP est d'éradiquer dans tout le pays la rougeole, les oreillons et la ru-
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béole. D'où les spots à la radio et à la télévision, la brochure adressée aux médecins, la lettre aux parents.
A parcourir les textes servant à la campagne, on s'aperçoit qu'à la radio et à la télévision, en particulier, ils sont très simpli- ficateurs et peu faits pour susciter chez les parents la formation d'une opinion personnelle. Il est clair que ces textes ont un ef- fet de propagande «Pro vaccin ROR», ce qui est le but de l'OFSP. «Qui aime bien vaccine bien», tel est le slogan de la let- tre aux parents de langue française. La vaccination ROR de- vient ainsi une obligation morale pour qui aime ses enfants. Une information sérieuse, scientifiquement fondée de la popu- lation sur les problèmes qui se posent devrait comporter les éléments suivants:
avantages et inconvénients des vaccinations ROR massives pour l'enfant lui-même ainsi que pour la santé publique en gé- néral;
avantages et inconvénients liés à la rougeole, aux oreillons et à la rubéole naturellement contractés.
Même le profane en médecine s'aperçoit que l'OFSP, dans sa campagne médiatique, grossit les prétendus avantages des vaccinations et les inconvénients de la maladie, et passe sous silence d'autres aspects des choses. Pourtant, certains pa- rents et médecins bons observateurs disent qu'«après la mala- die les enfants sont devenus plus robustes; il faut qu'ils puis- sent »entraîner« leur corps .... ». A l'étranger par ailleurs, on pa- rle plus fréquemment des dommages causés par la vaccina- tion. Aux Etats-unis, les demandes d'indemnités ont déjà porté sur des milliards. Aussi l'affirmation de l'OFSP comme quoi la vaccination ROR donnerait une protection à vie a dû être corrigée.
Dans sa réponse à l'interpellation 88.438, le Conseil fédéral déclare ne pas avoir institué de «commission des vaccina- tions». En revanche, l'OFSP a constitué un groupe de travail qui n'est représentatif ni politiquement ni scientifiquement. Au- cun pédiatre n'en fait partie, aucun généraliste ou représen- tant de la médecine expérimentale, de la Fédération des mé- decins suisses, sans parler d'un représentant des parents ou des malades. De plus, la préparation des spots radio et TV a commencé avant que l'Université de Berne n'ait achevé une étude approfondie de la littérature sur la problématique ROR. Dès avant la campagne actuelle de vaccination massive, et suivant le cas individuel, on pouvait vacciner contre la rou- geole, les oreillons et la rubéole. Contre cette dernière par exemple, la vaccination n'était nécessaire que chez les filles, si elles atteignaient l'âge de la puberté sans que la maladie se soit déclarée. Dans sa conception, le vaccin trivalent ROR ex- clut d'emblée une approche différenciée et n'a pas égard à l'état de santé individuel. Quant à la lassitude qui pourrait naî- tre des trop nombreuses vaccinations, elle ne doit en aucun cas justifier le recours à des méthodes de discount («3 pour 1»).
En résumé:
La campagne médiatique de vaccination de l'OFSP et les let- tres aux parents ne représentent que le point de vue «pro vac- cin». Elles ne répondent pas au droit à une information com- plète.
En exerçant une pression morale («Qui aime bien vaccine bien»), l'OFSP tente de faire aboutir une campagne discutée.
Le groupe de travail institué par l'OFSP n'est représentatif ni politiquement ni scientifiquement.
D'un point de vue scientifique, la campagne de vaccination laisse ouvertes des questions importantes (dommages dus à la vaccination; avantages à laisser faire la nature; effets à long terme sur le système immunitaire de l'enfant et la santé publi- que, etc.).
Dans la campagne de l'OFSP, on relève des fautes et des er- reurs qui ne sont pas seulement d'ordre juridique. Ainsi a dû être corrigée l'affirmation selon laquelle la vaccination ROR conférait une immunité à vie.
La vaccination combinée ROR («3 pour 1») exclut le traite- ment différencié et ne tient pas compte de l'état de santé indivi- duel.
Les avantages que l'OFSP affirme être ceux de la campagne de vaccination ne sont pas démontrés; en ce qui concerne no-
tamment les effets à long terme sur la santé publique, il sub- siste une marge inconnue de risque.
Comme l'appréciation de la campagne de vaccination mas- sive implique des aspects médicaux (épidémiologie, etc.), nous soumettons à la commission qui traitera le sujet la propo- sition suivante:
Lors du débat sur la présente initiative parlementaire seront entendus des représentants du groupe de travail médical pour la vaccination ROR différenciee.
Quatrième argument: caractère facultatif des vaccinations ROR
Dans sa brochure «Pourquoi les parents doivent participer à la décision», le groupe de travail médical pour la vaccination ROR différenciée expose que si les autorités déclarent faculta- tives les vaccinations ROR, une forte pression ne s'en exerce pas moins en fait sur les médecins, les enseignants, les pa- rents, et que les vaccinations en deviennent pratiquement in- contournables. Ainsi la population suisse est en passe de se voir obligatoirement vacciner, comme cela se pratique en RDA par exemple.
Dans la tradition démocratique du droit suisse, les autorités ne doivent interférer dans la liberté des personnes que si l'intérêt public l'exige et que l'intervention soit fondée en droit. La li- berté des personnes est un droit fondamental qui s'applique aussi à la santé. Une personne est responsable de sa santé, elle décide elle-même des mesures à prendre. C'est aux pa- rents qu'il appartient de dire s'il faut vacciner leurs enfants. Ils ont le droit d'en décider sans subir de pressions de la part d'un office.
Depuis que leur Etat existe, les Suisses ont connu ces mala- dies infantiles, la rougeole, les oreillons, la rubéole. Ce n'est que récemment qu'a été déclenchée dans le pays la campa- gne ROR, à partir de la campagne anti-rougeole de l'OMS, campagne contestée et conçue essentiellement à l'intention des pays en voie de développement. Des médecins au nom- bre de 145 au moins et un nombre inconnu de parents rejet- tent la campagne ROR. On ne saurait affirmer qu'elle soit d'intérêt public, car on ne possède pas de données scientifi- ques décisives sur les effets à long terme de telles vaccina- tions massives sur la santé publique.
Indépendamment de l'absence de base légale, la campagne ROR est disproportionnée. Jusqu'à ce jour, les parents pou- vaient faire vacciner leurs enfants en cas de besoin. L'avan- tage sanitaire dont, selon l'OFSP, devrait profiter l'ensemble de la population, n'a pas encore fait l'objet d'une recherche scientifique assez poussée par rapport aux inconvénients pos- sibles de la vaccination massive, notamment les effets sur le système immunitaire, etc. Ainsi, la campagne ROR des autori- tés présente le caractère d'une vaste opération expérimentale sur la population suisse. Il n'y a pas de justification à cela. Si · l'on se réfère au principe de proportionnalité, il y aurait sans aucun doute des mesures prioritaires à prendre par les autori- tés, entre autres dans le domaine des accidents de la circula- tion et celui de la pollution de l'environnement.
Considérations de la commission
Aspects juridiques
Généralités
Dans son activité, l'administration doit respecter les limites constitutionnelles. Par conséquent, tout acte de l'administra- tion doit être conforme aux principes de la légalité, de la sauve- garde des intérêts publics, de la proportionnalité ainsi qu'aux règles découlant de l'article 4 de la constitution (égalité devant la loi, absence d'arbitraire). Ces principes s'appliquent aussi à l'information, aux conseils et aux recommandations qu'elle émet.
L'article 8 de la loi fédérale du 19 septembre 1978 sur l'organi- sation et la gestion du Conseil fédéral et de l'administration fé- dérale (loi sur l'organisation de l'administration (LOA), RS 172.010) charge le Conseil fédéral de «veiller à ce qu'un ser- vice d'information renseigne constamment le public sur ses in- tentions, sur les décisions et les mesures qu'il prend, ainsi que sur les travaux de l'administration fédérale, lorsqu'il y a un inté- rêt général à donner de tels renseignements et que cette infor-
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mation ne peut pas porter atteinte à des intérêts publics ou pri- vés importants et dignes d'être protégés».
Parallèlement à cette base générale, plusieurs lois spécifiques règlent dans leurs domaines d'application respectifs la ques- tion de l'information par l'administration. Il en est ainsi de la loi du 18 décembre 1970 sur la lutte contre les maladies transmis- sibles de l'homme (loi sur les épidémies, RS 818.101). Selon l'article premier de la loi sur les épidémies, la Confédération et les cantons prennent les mesures nécessaires pour lutter contre les maladies transmissibles de l'homme. En vertu de l'article 3, premier alinéa, de ladite loi, l'Office fédéral de la santé publique (OFSP) publie des relevés hebdomadaires, mensuels et annuels, en se fondant sur les déclarations faites par les médecins, les hôpitaux et les laboratoires conformé- ment à l'article 27. De surcroît et en vertu du 2e alinéa, l'OFSP informe si nécessaire les autorités, le corps médical et le pu- blic par d'autres communications. Une base légale est par conséquent donnée à l'OFSP pour l'information dans le do- maine des maladies infectieuses.
Contrairement à l'article 6 de la loi sur la protection de l'envi- ronnement, l'article 3, 2e alinéa, de la loi sur les épidémies n'habilite pas expressément l'administration à faire des re- commandations. Nous sommes cependant de l'avis que la compétence d'informer dans le domaine de la santé publique comprend aussi celle d'informer sur la position de l'adminis- tration face au problème et sur l'attitude qu'elle conseille d'adopter, sans quoi l'information serait incomplète. Le ci- toyen informé des dangers que présente une maladie infec- tieuse attend de l'administration qu'elle lui indique les moyens de s'en protéger. S'il existe un vaccin contre la maladie en cause, on doit aussi dire que la vaccination peut procurer une protection efficace. Par conséquent, la compétence d'infor- mer donnée par l'article 3, 2e alinéa, de la loi sur les épidémies à l'OFSP, comprend aussi celle de donner des conseils et d'émettre des recommandations.
La rougeole, les oreillons et la rubéole sont des maladies transmissibles de l'homme. La rougeole peut provoquer des complications notamment au niveau du système nerveux cen- tral (encéphalite). L'encéphalite peut aussi être une complica- tion grave des oreillons. Chez la femme enceinte, la rubéole peut occasionner des lésions à l'enfant si la mère a été infectée au début de la grossesse. Par conséquent, l'information sur les dangers que présentent ces maladies et la recommanda- tion de se vacciner contre elles sont, à notre avis, incontesta- blement dans l'intérêt public.
Lorsqu'on examine l'aspect de la proportionnalité de l'infor- mation, il y a lieu de se demander si elle est propre à atteindre le but visé, nécessaire et proportionnelle au sens étroit, c'est- à-dire si elle ne va pas au-delà de ce qui est nécessaire.
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Les campagnes d'information sont des moyens propres à at- teindre un large public. L'information est donc appropriée. De surcroît, elle est à notre avis nécessaire parce qu'il faut lutter contre des maladies infectieuses telles que la rougeole, les oreillons et la rubéole (pour les détails, voir la partie médicale). Dans la lutte contre les maladies infectieuses, l'objectif idéal est leur élimination totale (voir l'exemple de la variole). Selon la stratégie mondiale de l'Organisation mondiale de la santé (OMS) «La santé pour tous en l'an 2000» et la stratégie pour l'Europe, ce but doit être atteint d'ici 1995 à 2000 pour la rou- geole, les oreillons et la rubéole. Une campagne d'information était donc nécessaire sur la vaccination contre ces trois mala- dies. Enfin, l'information est bien dosée car elle présente tous les aspects du problème, y compris les inconvénients de la vaccination, et permet au citoyen de se faire sa propre opinion. Cela est également valable, à notre avis, pour l'information destinée au public, diffusée sous forme de spots publicitaires, de slogans et de dépliants. Du fait de leur brièveté, ces infor- mations ne permettent pas d'aborder tous les aspects du pro- blème. Un slogan, par exemple, doit obligatoirement être bref et percutant; on ne saurait exiger qu'il décrive le problème de façon complète. Il a été tenu compte de cet aspect, puisque les slogans sont accompagnés d'une information explicative. Cette remarque est valable pour les spots publicitaires et les
dépliants, qui renvoient au médecin pour des informations complémentaires. De surcroît, ces vaccinations étant effec- tuées par un médecin, celui-ci peut toujours donner des con- seils individuels.
En résumé, on peut dire que l'OFSP a une certaine latitude quant au choix de la manière dont il veut informer le public. Le fait que certains aspects du problème auraient pu être présen- tés d'une meilleure manière ne suffit pas à lui seul à conclure que l'information est disproportionnée et qu'elle viole la loi. 15. Vaccination obligatoire
En vertu de l'article 23, 2e alinéa, de la loi sur les épidémies, la compétence de déclarer une vaccination obligatoire appar- tient aux cantons. Aucun de ceux-ci ne l'a fait pour la rougeole, les oreillons et la rubéole. Tout au plus, la Confédération pour- rait-elle rendre une vaccination obligatoire en vertu de l'article 10 de la loi, si des circonstances exceptionnelles l'exi- geaient. Ces circonstances ne sont pas données en ce qui concerne la rougeole, les oreillons et la rubéole. Aussi, la cam- pagne ROR n'impose-t-elle aucune obligation de se vacciner. Elle laisse aux parents le soin de décider s'ils veulent vacciner leurs enfants ou non.
Selon la doctrine et la pratique dominante, toute activité de l'administration doit respecter les droits fondamentaux. En l'occurrence, le droit non écrit de la liberté individuelle pourrait éventuellement être lésé. Le principe de la liberté individuelle protège l'homme dans son intégrité physique. Or, la campa- gne ROR ne porte aucune atteinte à l'intégrité physique des personnes. La liberté individuelle peut encore être restreinte par des mesures étatiques qui entravent le libre choix ou d'au- tres expressions élémentaires de la personnalité, ou qui por- tent atteinte à la dignité humaine. Ce serait le cas si l'adminis- tration diffusait sciemment de fausses informations ou si elle tentait de faire pression sur les personnes concernées pour qu'elles suivent ses recommandations. A notre avis, ces deux conditions ne sont pas remplies par la campagne ROR, et même le slogan «Qui aime bien vaccine bien» ne constitue pas une pression. Que ce slogan ne fasse pas le tour du problème et qu'il soit formulé d'une façon malheureuse n'est pas contes- table (il a d'ailleurs été modifié dans l'intervalle). Toutefois, il est accompagné d'informations explicatives qui doivent per- mettre aux intéressés de prendre leur décision après avoir pesé le pour et le contre. On ne saurait donc parler d'une at- teinte à la liberté individuelle.
En vertu de l'article 3, 2e alinéa, de la loi sur les épidémies, l'OFSP a la compétence d'organiser une campagne d'infor- mation sur la vaccination contre la rougeole, les oreillons et la rubéole. Cette compétence comprend le droit d'émettre des recommandations et de conseiller les parents. En l'occur- rence, l'OFSP jouit d'une certaine latitude quant à la manière de conduire la campagne. Le fait que certains aspects au- raient pu être mieux présentés ne permet pas de conclure qu'il y a eu violation de la loi. La campagne ne lèse pas non plus le droit fondamental de la liberté individuelle.
Aspects médicaux de la campagne de vaccination contre la rougeole, les oreillons et la rubéole (ROR)
Situation initiale
Cette campagne de vaccination se déroule dans le cadre d'une stratégie mondiale (rougeole) et européenne (rubéole, oreillons) mise en oeuvre par l'Organisation mondiale de la santé (OMS) qui vise à réaliser l'un des objectifs du pro- gramme «La santé pour tous en l'an 2000». Tous les pays eu- ropéens ont adhéré à ce programme.
Le but spécifique consiste à faire disparaître ces trois maladies en Suisse, comme la diphtérie, le tétanos du nouveau-né et la paralysie infantile. Pour y parvenir, il est nécessaire d'enrayer autant que possible la circulation du virus et de l'éliminer. Cela n'empêcherait cependant pas des cas isolés de survenir, dus à des virus introduits de l'étranger, ce que l'on ne peut empê- cher de façon définitive que si les trois maladies sont éradi- quées (= élimination dans tous les pays). Sans doute l'élimi- nation est-elle un objectif ambitieux, pour la rougeole surtout. Il est possible que, pour l'atteindre, une deuxième vaccination s'avère nécessaire durant la scolarité, afin que les écoliers qui
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n'ont pas été vaccinés dans leur petite enfance et ceux qui · n'ont pas réagi à la première vaccination soient aussi proté- gés. Toutefois, même lorsque les taux d'immunisation sont in- férieurs (au-dessus de 80 pour cent environ), les vaccinations ont un effet positif: elles permettent de réduire considérable- ment les cas de maladie et, par conséquent, leurs complica- tions dans toutes les classes d'âge, même au-dessus de 15 ans. L'exemple des Etats-Unis illustre cela de manière évi- dente, lors même que l'immunisation des petits enfants n'est pas encore partout optimale.
En raison des différences épidémiologiques entre les deux maladies, il sera sans aucun doute plus difficile d'éradiquer la rougeole dans le monde entier, contrairement à la variole. Pourtant, les conditions de base existent pour la rougeole et, comme l'exemple de la variole l'illustre, l'éradication d'une maladie est réalisable. Il n'est pas possible aujourd'hui de pré- voir le temps qu'il faudra à l'éradication complète de la rou- geole dans le monde. Cet objectif n'a d'ailleurs pas non plus été expressément formulé.
Le vaccin combiné ROR existe en Suisse depuis 1971. La vac- cination contre ces trois maladies est recommandée indivi- duellement depuis de nombreuses années: contre la rubéole chez les filles depuis 1973, contre la rougeole depuis 1976 et contre les oreillons depuis 1981. La manière de procéder avant la campagne de vaccination recommandée par l'OMS n'a eu toutefois qu'une efficacité limitée. Ainsi, trop de femmes encore ne sont pas protégées contre la rubéole au début d'une grossesse, soit parce qu'elles n'ont pas été vaccinées, soit parce qu'elles n'ont pas contracté la maladie. Des enfants doivent encore être hospitalisés à cause de ces trois maladies et on enregistre même quelques décès. De surcroît, en ce qui concerne la rougeole, on observe déjà un certain déplace- ment des cas de maladie vers les classes d'âge plus élevées, consécutif à l'immunisation insuffisante (estimée à 50 pour cent avant la campagne). Le taux d'immunisation variait forte- ment d'une région à l'autre; on manque de données exactes sur le plan national. La campagne doit permettre d'intensifier ces vaccinations et de les coordonner sur l'ensemble du terri- toire, afin que toute la population bénéficie de la meilleure pro- tection possible contre ces maladies.
Pour la vaccination contre chacune de ces trois maladies, il existe une indication claire.
La rougeole se manifeste généralement par une forte fièvre élevée et affecte souvent considérablement l'état général. Les complications ne sont pas rares: dans 7 à 9 pour cent des cas, on observe une otite moyenne, et dans 1 à 6 pour cent une pneumonie qui nécessite souvent une hospitalisation. Une en- céphalite apparaît dans un cas sur 1000-2000. Dans un tiers des cas, il faut s'attendre à des séquelles durables (retard mental, convulsions, paralysie); la létalité de l'encéphalite se situe entre 10 et 30 pour cent.
La rubéole est généralement une maladie bénigne. En cas d'infection au cours des trois premiers mois de la grossesse, des complications graves peuvent survenir chez l'enfant à naî- tre, dans une proportion allant jusqu'à 50 pour cent: fausse couche, mort du foetus ou malformations (notamment surdité, cécité, retard mental, malformations cardiaques).
Dans le cas des oreillons, on observe assez fréquemment des troubles auditifs, le plus souvent passagers. Dans 5 pour cent environ des cas, le système nerveux central est légèrement at- teint; cette méningite ourlienne nécessite souvent une hospi- talisation. Une encéphalite apparaît dans quelque 0,25 pour mille des cas et entraîne pour un tiers des patients un impor- tant retard du développement mental. En cas d'infection après la puberté, on observe une orchite chez 20 pour cent des hom- mes et une ovarite chez 5 pour des femmes.
La vaccination ROR est effectuée par un vaccin à virus vivants atténués de la rougeole, des oreillons et de la rubéole. Par conséquent, à l'instar de l'infection naturelle, elle provoque une stimulation du système immunitaire. D'après les connais- sances actuelles (plus de 20 années d'observation), la vacci- nation procure une immunité durable chez 95 pour cent des vaccinés. On ne connaît aucune étude faisant état d'effets né-
gatifs sur le système immunitaire. Comme la vaccination ROR est effectuée par des virus atténués, mais vivants, tous les symptômes cliniques de la rougeole, des oreillons et de la ru- béole peuvent théoriquement se manifester. Les complica- tions postvaccinales sont toutefois beaucoup plus rares (10 à 1000 fois) que les complications liées aux maladies naturelles et apparaissent sous une forme fortement atténuée. Il ne faut pas non plus imputer à la vaccination tous les symptômes ob- servés après celle-ci. Ces données sont aussi confirmées par l'étude des publications scientifiques entreprise par l'institut de médecine sociale et préventive de l'Université de Berne («Die Impfstrategien gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR-Impfung) im Lichte der epidemiologischen Literatur». Rapport à l'intention de la Direction de l'hygiène publique et des affaires sociales du canton de Berne. Berne, 5 décembre 1988). Les conclusions de cette étude ne laissent aucun doute sur l'utilité de cette vaccination.
Nous n'abordons ci-après que quelques-unes des critiques formulées à l'encontre de la campagne, pour autant qu'il n'y ait pas été répondu plus haut. L'OFSP a répondu de manière exhaustive à ces critiques dans un article publié dans son Bul- letin no 42 du 30 octobre 1989.
On prétend, par exemple, que les trois maladies auraient un effet bénéfique sur le développement de l'enfant.
Il se peut qu'après l'une de ces maladies on observe une pro- gression du développement chez l'enfant. Mais ce phéno- mène s'observe également après d'autres maladies qui ne présentent pas de risques de complications graves. L'OFSP n'a pas connaissance de travaux scientifiques faisant état d'un effet positif de la rougeole, des oreillons et de la rubéole sur le développement général des enfants; les opposants ne sont d'ailleurs pas en mesure non plus d'en citer. A l'inverse, il n'y a pas d'indices selon lesquels les enfants qui n'auraient pas subi ces maladies auraient été retardés dans leur développe- ment. Il est également fort douteux qu'il faille des maladies ac- compagnées de graves - quoique rares - complications pour améliorer les relations parents-enfants.
On prétend que les vaccinations de masse (notamment contre la rougeole) provoqueraient des épidémies dangereuses chez les adultes, comme cela a été observé aux USA.
Depuis l'introduction de la vaccination contre la rougeole aux USA, les cas de cette maladie ont diminué de 99 pour cent. Cette baisse a été observée dans toutes les classes d'âge, même au-dessus de 15 ans. L'amélioration de la couverture vaccinale diminue le nombre des cas de maladie, et par con- séquent les possibilités d'être en contact avec le virus. Les en- fants non vaccinés ont ainsi de moins en moins l'occasion de s'infecter et contractent donc la maladie à un âge plus avancé. Cette situation n'est d'ailleurs pas souhaitable car, avec l'âge, certaines complications deviennent plus fréquentes et le cours de la maladie peut s'aggraver. Une bonne couverture vaccinale permet de contrer dans une large mesure cette évo- lution. Etant donné le moindre risque d'exposition, la fré- quence de la maladie diminue aussi dans les classes d'âge supérieures.
Des poussées de rougeole ont été aussi observées en 1989 dans des écoles en différents endroits des USA, bien que plus de 98 pour cent des écoliers fussent vaccinés. Ces poussées s'expliquent notamment par les raisons suivantes: vaccina- tions effectuées avant le 15e mois, immunogénéité et stabilité amoindries des vaccins anciens, validité douteuse des certifi- cats de vaccination. Il s'agit en l'occurrence de poussées bien circonscrites et qui n'ont eu qu'une influence minime sur le re- cul globalement très marqué des cas de rougeole.
Les expériences faites avec d'autres vaccinations (diphtérie, tétanos, poliomyélite) montrent qu'il est possible d'atteindre des taux de couverture vaccinale élevés sans recourir à des mesures coercitives et que les personnes opposées par prin- cipe à toute vaccination sont très peu nombreuses. L'idée de renoncer complètement à ces vaccinations n'est guère réa- liste, ni raisonnable. Elle aurait pour conséquence des milliers de cas de maladie par année, s'accompagnant de toutes les complications décrites plus haut.
Procéder de manière différenciée (à la fin de la scolarité, vacci-
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nation contre la rougeole et les oreillons pour les garçons, et vaccination contre la rougeole et la rubéole pour les filles après détermination des anticorps), ce qui est également pro- posé, poserait des problèmes logistiques importants et occa- sionnerait des frais très élevés. On a d'ailleurs déjà procédé de manière analogue, mais simplifiée (pas de test, vaccination contre la rubéole pour les filles, vaccination contre la rougeole (et les oreillons) pour les petits enfants) avant la campagne, mais le succès fut limité (voir chiffre 21.)
En principe tous les enfants devraient être vaccinés (après le 15e mois) à l'occasion d'une visite chez le médecin (recom- mandation générale de vaccination).
Les contre-indications sont très rares et quantitativement insi- gnifiantes.
Pour atteindre aussi rapidement que possible une bonne cou- verture vaccinale, la campagne vise spécifiquement les clas- ses d'âge suivantes:
tous les petits enfants de 15 à 24 mois,
tous les enfants non vaccinés au début de la scolarité,
tous les enfants non vaccinés à la fin de la scolarité obliga- toire.
Tous les cantons ont intégré ces recommandations aux infra- structures des services médico-scolaires.
La campagne de vaccination ROR a été préparée par l'Office fédéral de la santé publique et discutée de manière approfon- die avec les cantons. Ceux-ci en ont accepté la conception et assurent son déroulement. Les modalités de la campagne ont été établies par le groupe d'experts pour les questions liées aux vaccinations et le groupe de travail Campagne de vaccina- tion ROR. Ces groupes de travail étaient composés d'épidé- miologues, de médecins cantonaux, de pédiatres ainsi que de praticiens. Des experts furent appelés en renfort pour certai- nes questions spécifiques. Depuis le début, la campagne a été soutenue par la Société suisse de pédiatrie. La coordination du matériel d'information est assurée sur le plan national et il est distribué par les services cantonaux et locaux.
Jusqu'ici, la campagne s'est déroulée dans de bonnes condi- tions et la vaccination a été généralement bien accueillie par la population. Selon les indications fournies par les cantons, en moyenne 70 pour cent des écoliers ont été vaccinés jusqu'ici, auxquels il faut ajouter un nombre, variable d'un canton à l'au- tre, d'écoliers déjà vaccinés antérieurement: ainsi, dans cer- tains cantons, jusqu'à 90 pour cent des écoliers sont vaccinés contre ces maladies. Dans d'autres, le pourcentage est nette- ment plus faible, en raison notamment de l'insécurité suscitée au sein de la population par les opposants à la vaccination. La campagne de vaccination fait l'objet d'une évaluation conti- nue. La plupart des pays européens procèdent de façon ana- logue. Les responsables nationaux se réunissent régulière- ment pour discuter des progrès réalisés et des problèmes qui se posent. Lors de leur dernière réunion à Istanboul en 1989, ils ont à nouveau confirmé les objectifs, sans qu'aucun aspect nouveau essentiel ne soit apparu.
Antrag der Kommission
Die Kommission für Gesundheit und Umwelt beantragt dem Nationalrat mit 11 zu 5 Stimmen, der Initiative keine Folge zu geben.
Antrag Schmid Der Initiative Folge geben
Antrag der sozialdemokratischen Fraktion Rückweisung an die Kommission mit dem Auftrag, es seien unabhängige Experten anzuhören.
Proposition de la commission
La Commission de la santé publique et de l'environnement, se fondant sur le rapport de l'administration, propose par 11 voix contre 5 au Conseil national de ne pas donner suite à l'initia- tive.
Proposition Schmid Donner suite à l'initiative
Proposition du groupe socialiste Renvoi à la commission en l'invitant à consulter des experts neutres.
Hari, Berichterstatter: Am 1. März 1989 hat Kollege Hafner eine parlamentarische Initiative in der Form der allgemeinen Anregung eingereicht. Der Text lautet: «Der Bundesrat wird an- gewiesen, auf eine amtliche Beteiligung oder Unterstützung der Impfkampagne gegen Masern, Mumps und Röteln zu ver- zichten und sofort einzustellen.»
Diese parlamentarische Initiative wurde der Kommission für Gesundheit und Umwelt zur Vorprüfung überwiesen. Sie hat an zwei Sitzungen das vom Initianten aufgeworfene Problem ausgiebig diskutiert.
Gemäss Bundesgesetz vom 18. Oktober 1970 über die Be- kämpfung übertragbarer Krankheiten des Menschen treffen Bund und Kantone die nötigen Massnahmen, um übertrag- bare Krankheiten des Menschen zu bekämpfen. Masern, Mumps und Röteln sind übertragbare Krankheiten im Sinne des zitierten Gesetzes.
Die Masern verlaufen im allgemeinen mit hohem Fieber, und Komplikationen wie Mittelohr- und Lungenentzündungen sind nicht selten die Folge.
Die Röteln gelten im allgemeinen als eher harmlose Krankheit. Bei einer Infektion in den ersten drei Monaten der Schwanger- schaft können jedoch bei den ungeborenen Kindern in bis zur Hälfte der Fälle schwere Komplikationen auftreten, wie zum Beispiel Fehlgeburt, Absterben der Frucht oder schwere Miss- bildungen wie Taubheit, Blindheit, geistige Behinderung oder Herzmissbildung.
Beim Mumps können Hirnhautentzündungen oder bei Män- nern und Frauen massive Entzündungen der Geschlechtsor- gane mit Dauerschäden festgestellt werden.
Noch einige Ausführungen zur Impfung: Bei der Vorbereitung der Impfkampagne wurde nebst den Kantonsärzten der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein eine grosse Zahl namhafter Experten beigezogen. Aufgrund der Meinung die- ser grossen Zahl von Fachärzten wurde in der Folge die Impf- kampagne durchgeführt.
Wenn nun gemäss der parlamentarischen Initiative auf diese Impfung verzichtet würde, könnte dies jährlich Tausende von Erkrankungen nach sich ziehen mit den bereits erwähnten, zum Teil doch recht schweren Folgen.
Unsere Kommission beantragt Ihnen mit 11 zu 5 Stimmen, der Initiative keine Folge zu geben.
M. Martin, rapporteur: Le rapport établi par la Commission de la santé publique et de l'environnement est suffisamment étoffé pour que je renonce à une longue explication complé- mentaire.
L'auteur de l'initiative s'en prend tout d'abord aux bases juridi- ques sur lesquelles se fonde l'Office fédéral de la santé publi- que pour agir. Il faut dire ici que l'on peut jouer sur les mots et notamment savoir si le terme d'information comprend celui de recommandation, cela en application de l'article 8 de la Cons- titution fédérale. La Commission de la santé publique et de l'environnement admet que la recommandation fait partie de l'information et que la liberté individuelle n'est pas entamée par les recommandations faites par les services fédéraux.
Quant au fond, une fois de plus, on assiste à une querelle d'ex- perts que les autorités politiques doivent arbitrer. Alors que la majorité des médecins estiment que le danger présenté par la rougeole, les oreillons et la rubéole justifie une vaccination et les risques de quelques séquelles fâcheuses qu'elle peut comporter, certains affirment que les dangers potentiels de la vaccination sont excessifs. La commission a pensé que les médecins, qui recommandent à l'échelle mondiale la vaccina- tion, n'ont pas entamé cette campagne sans raisons, et elle leur fait confiance en admettant que les informations attirent suffisamment l'attention des intéressés sur le caractère non obligatoire de la vaccination pour que nous puissions les sui- vre.
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De nouvelles auditions ne changeront rien à l'affaire et il y aura toujours deux camps. Votre commission, en définitive, vous re- commande de rejeter l'initiative parlementaire. Je le fais égale- ment au nom du groupe radical-démocratique.
Hafner Rudolf: Kinderkrankheiten galten früher als etwas rela- tiv Harmloses. Sie wissen das vom eigenen Sprachgebrauch. Man spricht zum Beispiel von Kinderkrankheiten einer Ma- schine oder sonst einer Einrichtung. Sie galten immer als et- was Vorübergehendes, und wenn sie vorbei waren, war es gut. Mit dieser Staatsdoktrin, die vor drei Jahren eingeführt wurde, ist das Ganze komplett anders eingefädelt worden: Kinder- krankheiten gelten jetzt als etwas ausserordentlich Schlim- mes. Die Auswirkungen wurden in den Broschüren für Aerzte und Patienten dramatisiert. Aber es wurde die Erfahrung ne- giert, die sehr viele Eltern machen. Sie können fragen, wen Sie wollen: Alle Eltern oder auch Aerzte, die gut beobachten, schil- dern Ihnen, dass Kinder nach einer durchgemachten Kinder- krankheit konstitutionell stärker dran sind und nicht etwa schwächer. Ich glaube, man sollte auf diese Volksweisheit oder die genaue Beobachtungsgabe auch noch einen gewis- sen Wert legen.
Sie haben vom Kommissionspräsidenten gehört, dass das im Vorfeld dieser staatlichen Massnahme angeblich breit abge- stützt und abgeklärt worden sei. In Tat und Wahrheit ist es so, dass es nur eine inoffizielle Impfgruppe gab, die nicht einmal offiziell ernannt wurde. Es war keine staatliche Kommission, und das Ganze ist überhaupt nicht aufgrund eines demokrati- schen Prozederes zustande gekommen. Nicht einmal die Pä- diater wurden konsultiert, geschweige denn kritische Aerzte- kreise und schon gar nicht die Elternkreise, die in der Lage sein sollten, nach gängigem Gesetz für die Gesundheit ihrer Kinder zu sorgen.
Von daher muss man feststellen: In der Frage dieser Impfkam- pagne gibt es grosso modo zwei verschiedene Gruppen: die- jenigen, die wollen, dass man diese Kinderkrankheiten elimi- niert und strategisch ausrottet - man beachte den Wortge- brauch, dass man in einem militärischen Sinn die Sache mit ei- ner Strategie wegwischen will -, und diejenigen, die den Standpunkt - der auch wissenschaftlich fundiert ist - vertreten, dass diese Kinderkrankheiten nicht etwas völlig Sinnloses seien, sondern das Kind konstitutionell sogar stärken.
Wenn eine Frage derart wissenschaftlich umstritten ist - es sind nicht nur gerade die 180 Aerzte, die Ihnen geschrieben haben, sondern weit mehr, die eine kritische Haltung haben, aber nicht irgendwo organisiert sind - und wenn es zwei so komplett verschiedene Anschauungsweisen gibt, sollte sich doch der Staat neutral verhalten. Es galt bisher in der Schweiz als Maxime, dass man nicht eine Staatsmedizin haben wollte. Indem nun das Bag einseitig Partei ergriffen hat, wurde das Ganze zu einer politischen Angelegenheit. Das BAG zwingt uns heute, dass wir auch als Parlament dazu Stellung neh- men. Es wurde mir von keiner Seite gesagt, wie man vorgehen könnte; das einzige Mittel, sagte mir ein Jurist, sei eine parla- mentarische Initiative. Das Ganze kommt auch von daher, dass das Epidemiengesetz, das als Grundlage zitiert wird, überhaupt keine Rechtsmittel vorsieht, wenn der Staat so et- was ergreift. Namhafte Juristen haben mir das bestätigt. Es ist eine ausserordentliche Lücke. Es ist so, dass bestritten wird, dass das Epidemiengesetz, das rein nur Informationen der Be- hörden vorsieht, eine genügende Rechtsgrundlage sei, und zudem sind die Rechte der Eltern und Kinder sowie der kriti- schen Kreise überhaupt nirgendswo konstituiert. Hier sollte man Abhilfe schaffen.
Leider ist es so, dass ich als Initiant nur gerade 5 Minuten Zeit habe. Ich habe mich wochenlang mit dieser Sache befasst, und es ist bedauerlich, dass ich dazu nicht ausführlicher Stel- lung beziehen kann. Ich weise Sie nur noch darauf hin, dass es sich um eine Dreifachkombinationsimpfung handelt. Norma- lerweise ist das System «Drei für eins» in Discountläden zu fin- den; in einem so wichtigen Bereich wie der Medizin ist dies je- doch ein derart undifferenziertes Vorgehen, dass man es nicht bei einer Kombinationsimpfung anwenden sollte. Mit dieser Massnahme erhalten z. B. die Knaben, die von den Folgen der Röteln überhaupt nicht betroffen sind, eine Impfung gegen
Röteln, und die Mädchen, die von den Folgen des Mumps praktisch nicht betroffen sind, erhalten eine Impfung gegen Mumps. Sie sehen, dass man da zum Teil völlig Unnötiges vor- nimmt, und es wurde selbst vom eifrigsten Impfbefürworter, von Prof. Just, gesagt, dass die Mumpsimpfung eine Luxus- impfung sei.
Ich bitte Sie, den Werdegang dieser Geschichte zu beachten: dass es eine patriarchalische Strategie ist, die hinter dem Gan- zen steckt, und dass die Eltern, die betroffenen Kreise und die Aerzte überhaupt nicht einbezogen wurden.
Ich bitte Sie im Sinne des Antrags der sozialdemokratischen Fraktion, die Sache an die Kommission zurückzuweisen, da- mit sie endlich auf beiden Seiten Gehör findet und gründlich angeschaut wird und damit nicht das gleiche passiert wie in den USA, wo jetzt festgestellt wurde, dass die Sterblichkeit bei Masern das Zehnfache beträgt wie vor dieser Kampagne. Ich hoffe, dass wir in der Schweiz nicht ähnlich dramatische Ver- hältnisse haben werden, wie sie sich dort zurzeit in der Praxis abspielen.
Schmid: Ich möchte Ihnen beliebt machen, der parlamentari- schen Initiative Hafner Rudolf Folge zu geben. Ich werde gleichzeitig auch die Haltung der Fraktion bekanntgeben.
Auf der anderen Seite wird festgestellt, wenn hohe Durchimp- fungsraten erreicht werden wollen, könne man nicht auf jegli- che Zwangsmassnahmen verzichten - Freiheit und Zwang sind für mich Gegensätze.
Die Unsicherheit gegenüber den Ausführungen des Bundes- amtes für Gesundheitswesen, auf das sich der Bericht der Kommission stützt, nimmt erheblich zu, wenn man den ergän- żenden Bericht einer Aerztearbeitsgruppe liest, die sich für dif- ferenzierte Impfungen gegen Masern, Mumps und Röteln ein- setzt. Diese Arbeitsgruppe befürwortet eine zurückhaltende, individuell abgestimmte Impfpraxis, welche der unterschiedli- chen Problematik der drei Kinderkrankheiten einzeln Rech- nung trägt. Sie weist insbesondere darauf hin, dass in unse- rem Land auch in keiner Weise von einer Notsituation gespro- chen werden könne, führt dann aber eine ganze Reihe beden- kenswerter medizinischer Argumente an, die gegen eine sol- che Kampagne sprechen.
Es wäre der Kommission gut angestanden, sich auch dieser Stellungnahme anzunehmen und Fachleute anzuhören, die sich kritisch und detailliert mit den Argumenten der Vertreter des Bundesamtes für Gesundheitswesen befasst haben. Da- mit dies allenfalls noch nachgeholt werden kann, befürworte ich den Rückweisungsantrag der sozialdemokratischen Frak- tion.
Doch schon jetzt liegen genügend Gründe vor, die es ange- zeigt erscheinen lassen, der parlamentarischen Initiative Folge zu geben. Der Initiant beabsichtigt keineswegs, unser herkömmliches Gesundheitswesen auf den Kopf zu stellen und eine alternative Medizin einzuführen. Er möchte eigentlich nur die wirklich nicht über alle Zweifel erhabene MMR-Kampa- gne stoppen und den früheren Zustand wiederherstellen. Der Staat sollte nicht vorschnell auf eine bestimmte Meinung ein- schwenken. Dass dies hier ohne ausreichende Gründe ge- schehen ist, erstaunt zwar nicht, passt doch die vorgesehene medizinische Massnahme in ihrer Art und Weise sehr gut in die allgemein verbreitete Art, mit dem Leben und der Natur umzu- gehen. Dieses Verhalten ist von der Mentalität geprägt, das Le- ben als Mechanismus zu betrachten, in den man beliebig ein- greifen und den man verfügbar machen kann. Was dabei ne- gativ und störend ist, muss ausgerottet werden, und als nega- tiv wird all das angesehen, was unangenehm ist, die Lei-
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stungsfähigkeit vorübergehend beeinträchtigt, den Lebens- ablauf stört und mit Krisen und Risiken verbunden ist. Das hier begrenzbare Restrisiko will man ausschalten und weiss noch nicht, was man sich dafür einhandelt.
Die Aktion erinnert mich verflixt stark an die allmählich über- wundene Art der Schädlings- und Unkrautbekämpfungsaktio- nen in der Landwirtschaft. Auch da ging man aufs Ganze, bis sich die unbeabsichtigten Nebenwirkungen einstellten und man sich eines besseren besann.
Heute ist die integrierte Produktion eine Selbstverständlich- keit, d. h. es wird nur noch soviel Chemie wie absolut nötig ein- gesetzt. In der biologischen Landwirtschaft ist längst erkannt worden, dass die Natur selber regulierend und schützend ein- gesetzt werden kann, wenn man ihre Eigengesetzlichkeiten studiert und sich die vielfältigen Erfahrungen aus langer Beob- achtung zunutze macht.
Ich sehe nun nicht ein, weshalb man ausgerechnet in der Me- dizin noch mit grobem Geschütz einfährt, bezeichnender- weise von Ausrottungsaktionen und Strategien spricht, als handle es sich um einen Kriegsschauplatz. Müssen wir in der Missachtung der Natur nun auch noch im Gesundheitswesen die selben Fehler machen, um klüger zu werden? Offen ge- standen ist mir diese geballte Impfladung nicht geheuer, und ich befürchte nach dem Studium der Ausführungen der Aerz- tearbeitsgruppe, sie verfehle ihr Ziel und richte an einem Ort Schaden an, wo wir es gar nicht vermuten.
Deshalb empfehle ich Ihnen, zu diesem Zeitpunkt die Kampa- gne zu stoppen und der parlamentarischen Initiative Hafner Rudolf Folge zu geben.
Gestatten Sie mir noch kurz, die Haltung unserer Fraktion be- kanntzugeben: Wir sind mehrheitlich der Auffassung, der par- lamentarischen Initiative soll Folge gegeben werden. Die Ar- gumente habe ich Ihnen vorher ausführlich dargelegt. Nun ha- ben wir aber in unserer Fraktion eine gewichtige Minderheit, z. B. in der Person des Arztes Lukas Fierz, und ich möchte seine Gründe für nicht Folge geben kurz erwähnen.
Er meint, freiwillige Impfkampagnen führten zu einer Ge- fährdung der Ungeimpften, weil sie die Krankheit später be- kommen, wo sie ernsthaftere Folgen haben kann - übrigens ein Argument, das auch von den Gegnern der Impfkampagne angeführt wird. Sie sehen gerade in einem solchen Punkt, dass es dann sehr stark auch zu einer Glaubensfrage wird.
Lukas Fierz sieht in den Impfungen eine der wirksamsten medizinischen Massnahmen, mit welcher auch sichtbare Er- folge seit Jahren zu verzeichnen gewesen sind.
Er weiss aus Erfahrung, dass in der schulärztlichen Praxis die unbegründete Impflücke einer der häufigsten Befunde ist. Die Erfahrungshintergründe, die zu einer Ablehnung oder ei- ner Befürwortung der MMR-Kampagne führen, sind - so meine ich - gerade mangels umfassender Erkenntnisse und Erfahrungen jeweils sehr individuell. Man kann darum durch- aus in guten Treuen im gegenwärtigen Zeitpunkt auch ver- schiedener Meinung sein .
Ich wiederhole aber noch einmal: Eine Mehrheit unserer Frak- tion ist für Folge geben, eine Minderheit steht dem Verzicht skeptisch bis ablehnend gegenüber.
Frau Bäumlin: Der «Nebelspalter»-Karikaturist Bö - das ist sein Markenzeichen, er hiess Böckli - hat schon vor bald 50 Jahren eine Antwort in Versform auf die Frage gegeben, wer eigentlich in Bern regiert. Er hat gesagt: «Zweitens ist's der Bundesrat und erstens die Verwaltung». Ich bitte Sie zu beach- ten, dass von uns, den Parlamentariern, in diesem Vers keine Rede ist und vom eigentlichen Souverän in der Schweiz - dem Volk - noch weniger.
Ich finde, das ist ein Hinweis für uns, dass wir aufpassen müs- sen, wie wir mit Anfragen, die von unten in dieser Hierarchie kommen, umgehen. In diesem vorliegenden Fall scheint es uns nicht angebracht, dass die Verwaltung - in diesem Fall das Bundesamt für Gesundheitswesen - in einer Kommission allein angehört wird, ohne dass unabhängige Experten, die auch die Meinung des Volkes durch den Initianten vertreten, angehört worden wären.
Ich möchte mich nicht inhaltlich auf die Materie einlassen, son- dern nur noch etwas zum Parlamentsbetrieb sagen, nämlich
zur vielbesprochenen Frage des Umgangs mit der knappen Zeit, die wir haben: Wenn die Guk uns einen Bericht mit den von ihr diskutierten, behandelten und beschlossenen Aussa- gen von unabhängigen Experten abgegeben hätte, hätten wir bei der heutigen Beschlussfassung über diese parlamentari- sche Initiative von Herrn Rudolf Hafner Zeit sparen können. Ich muss Ihnen schon sagen: Wenn Sie unseren Rückweisungs- antrag jetzt auch noch abschmettern, bin ich noch misstraui- scher geworden und würde mich, was ich vorher nicht getan hätte, der Minderheit anschliessen. Ich würde sagen: Wir müs- sen dieser parlamentarischen Initiative Folge geben, weil sie durch die Kommission nicht seriös vorbereitet worden ist. Ich bitte Sie, unseren Rückweisungsantrag in diesem Sinn zu bejahen.
Frau Danuser: Es scheint sich hier eine Diskussion derer an- zubahnen, die in der ganzen Materie nicht so sehr sicher sind. In der Kommission wurde - wie gesagt - über die Impfkampa- gne entschieden, ohne die kritischen Aerzte anzuhören. Jetzt müssen Sie zuerst entscheiden, ob Sie unserem Rückwei- sungsantrag zustimmen wollen oder nicht. Ich äussere mich im Sinne der Fraktionserklärung erst bei der materiellen Bera- tung.
Blatter: Im Namen der CVP-Fraktion bitte ich Sie, diese parla- mentarische Initiative abzulehnen. Der Initiant will, dass man dem Bund verbietet, für die Impfung für Masern, Mumps und Röteln Propaganda zu machen. Nach Artikel 1 des Epidemie- gesetzes sind Bund und Kantone zuständig, Massnahmen ge- gen die Uebertragung von ansteckenden Krankheiten zu un- ternehmen.
Herr Kollege Hafner: Masern, Mumps und Röteln sind über- tragbare Krankheiten. Die Gefahren dieser Krankheiten wer- den wohl von keinem Mediziner bestritten. Eine Information über die Gefahren dieser Krankheiten liegt seit Jahren klar im öffentlichen Interesse und entspricht Artikel 1 des Epidemie- gesetzes.
Wenn der Bund eine Impfkampagne empfiehlt, können die El- tern ihre Kinder impfen lassen oder nicht. Es besteht nicht der geringste Zwang. Man bietet lediglich eine Dienstleistung an, damit man sich dieser Dienste bedienen kann, wenn man will. Dass die Aktion nicht sinnlos ist, beweist doch die Tatsache, dass die Kampagne einem weltweiten Programm der Weltge- sundheitsorganisation WHO entspricht. Alle europäischen Länder haben diesem Programm zugestimmt. Es ist einseitig, wenn der Initiant nur auf allfällige negative Impfreaktionen hin- weist - nichts ist vollkommen auf dieser Welt -- und mit keinem Wort erwähnt, wieviele Leben in den letzten Jahrzehnten durch die Impfungen gerettet werden konnten. Warum sagt er uns nicht, wieviele missgebildete Kinder nicht auf die Welt ge- kommen sind, weil sich die Mütter gegen Röteln impfen lies- sen? Herr Schmid, ich danke Ihnen, dass Sie einen Mediziner, Herrn Fierz, zitiert haben, der festhält, dass seit Jahren durch das Impfen schwere Krankheitsfälle verhindert werden konn- ten.
Wir haben es weit gebracht, sehr weit. Auf der einen Seite malt man in schrillen Farben die Gefahr einer angeblichen Vergif- tungsgefahr durch Camembert an die Wand, und auf der an- deren Seite müssen wir heute über eine parlamentarische In- itiative entscheiden, die das Impfen gegen tatsächlich über- tragbare Krankheiten verhindern will. Das ist ein Verhältnis- blödsinn, dem ich beim besten Willen nicht zustimmen kann. Ich bitte Sie aus diesem Grunde, den Rückweisungsantrag ab- zulehnen. Er verlangt bekanntlich das Anhören von weiteren Experten. Mir genügt die WHO als Experte. Im Namen der CVP-Fraktion bitte ich Sie, wie die Kommissionsmehrheit die parlamentarische Initiative abzulehnen.
Wiederkehr: Die Mehrheit der Kommission hat die Meinun- gen von Fachleuten, die sich gegen diese Impfkampagne stel- len, nicht anhören wollen. Ich hatte den Eindruck, das Ge- schäft sollte so schnell wie möglich vom Tisch. «Drei für eins», also drei Impfungen in einer, das ist doch gut, ist rationell, ent- spricht dem Zeitgeist. Was soll man sich da noch mit Nörglern auseinandersetzen, die diese Attacke auf unser Immunsystem
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eben nicht so gut finden. Wir haben heute leider nicht die Zeit, alle diese Begründungen, die durchaus ehrenwerten Begrün- dungen dieser 180 Aerzte, die sich mit Kindern und Kinder- krankheiten auseinandersetzen, hier vorzubringen; das hätte in der Kommission geschehen müssen. Aber zusammenfas- send lässt sich sagen: Das Ziel dieser Massenimpfkampagne, nämlich die Kinderkrankheiten Röteln, Mumps und Masern auszurotten, kann nicht erreicht werden.
Für den einzelnen aber ist es durchaus angebracht, die eine oder andere Impfung vorzunehmen - aber eben, die eine oder die andere Impfung. Es ist z. B. nicht sinnvoll und nicht ein- leuchtend, die Knaben gegen Röteln zu impfen oder die Mäd- chen gegen Mumps. Im Gegenteil, es gibt Studien aus den USA, die aufzeigen, dass Mädchen, die nicht gegen den Mumps geimpft worden sind, später weniger an Krebs der Ei- erstöcke erkranken als solche, bei denen man dem Immunsy- stem schon frühzeitig hat nachhelfen wollen, aber nicht be- wirkt hat, dass sich der Körper selber wehren konnte.
Das Immunsystem des Menschen ist doch viel zu komplex, als dass wir schon alles darüber wüssten, über dieses jahrtausen- dealte Zusammenspiel von Angriff von Viren und Abwehr des Körpers. Da ist es doch möglich, dass mit allzu einseitigen Ein- griffen des Menschen ähnliches passieren kann wie zum Bei- spiel in der Landwirtschaft. Auch da war man der Ueberzeu- gung, Schädlinge ausrotten zu können. Aber die Spritzereien rotteten nicht aus, sie bewirkten sogar das Gegenteil, sie machten sogenannte Schädlinge stärker, sie machten sie resi- stenter. Also musste man noch einmal spritzen, mehr spritzen und mit stärkeren Mitteln. Und es wurde ein Kreislauf eingelei- tet, den man heute z. B. mit der integrierten Produktion zu durchbrechen hofft. Dieser Kreislauf gleicht doch nun verblüf- fend stark der derzeitigen Situation in den USA, wo nun ganz plötzlich regionale Masernepidemien ausbrechen, mit - wie Herr Hafner gesagt hat - einer 10fach so hohen Todesrate wie früher. Jetzt werden Zweitimpfungen nötig und wahrschein- lich bald einmal Drittimpfungen. Unerklärlicherweise treten diese Epidemien gerade dort auf, wo man geglaubt hat, mit ei- nem sehr hohen Impfungsgrad der Bevölkerung die Masern ausrotten zu können.
Nun ist die Masern-Mumps-Röteln-Impfkampagne hier in der Schweiz ja noch keine Zwangs-Impfkampagne. Aber der psy- chische Druck, der in den Merkblättern ausgeübt wird, ist gross. Ich zeige Ihnen das hier auf französisch: «Qui aime bien, vaccine bien», das heisst auf deutsch: «Wer liebt, der impft», oder anders gesagt: Wer seine Kinder nicht liebt, der impft seine Kinder nicht. Das ist ein unerhörter psychischer Zwang, und der ist an der Grenze des Erlaubten. So kann es nicht gehen, und ich bitte Sie deshalb: Helfen Sie mit, diese Uebung abzubrechen, helfen Sie mit, dass diese Impfungen wirklich freiwillig sind und der Staat nicht Zwangsmassnah- men ausübt. Damit das geschehen kann, gibt es nur eins, nämlich dieser parlamentarischen Initiative Folge zu geben.
Rutishauser: Die Diskussion hat gezeigt, dass wir uns hier mit einer Glaubensfrage befassen. Ich bin auch der Meinung, dass wir nicht alle Gefahren abwenden können. Aber ich bin überzeugt, dass die Vorteile solcher Impfungen grösser sind als die Nachteile. Das Bundesamt für Gesundheitswesen hat in Verantwortung für die Volksgesundheit gehandelt, und diese Impfaktion im Rahmen einer Aktion der Weltgesund- heitsorganisation empfohlen. Wenn hier gesagt wird, dass 180 Aerzte demgegenüber kritisch eingestellt sind, so darf man doch vermuten, dass Tausende von Aerzten diese Aktion unterstützen. Hier müssen wir auf Fachleute hören. Wir haben gehört, dass sogar die grüne Fraktion in ihrer Meinung geteilt ist; da glaube ich dem Fachmann, unserem Kollegen Dr. Lu- kas Fierz.
Die SVP-Fraktion hat einstimmig beschlossen, dieser Initiative keine Folge zu geben. Und ich möchte Ihnen auch empfehlen, den Rückweisungsantrag von Frau Bäumlin abzulehnen.
Hari, Berichterstatter: Herr Hafner hat sich eingangs beklagt, dass er nur fünf Minuten Zeit habe, um seine Initiative zu be- gründen. Ich bin einverstanden mit ihm: Das ist eine etwas kurze Zeit. Aber ich glaube auch nicht, dass in diesem Fall die
Initiative ungefähr gleich lang hätte begründet werden sollen, wie die Inkubationszeit aller drei Krankheiten zusammen dau- ert.
Herr Hafner wirft den Aerzten vor, die ganze Angelegenheit werde dramatisiert. Da muss ich Ihnen leider sagen: Ich habe in meiner allernächsten Nachbarschaft ein Kind, ein Fräulein, das heute 33 Jahre alt ist, das gerade wegen dieser Röteln eben in seinem Leben noch nie stehen konnte, das auf dem Boden hin- und herkriechen muss. Ich könnte Ihnen lange er- zählen, wie dieses arme Kind dahinvegetieren muss. Ich glaube, wenn man so etwas verhindern kann - in einem einzi- gen Fall in unserem Land oder anders gesagt: vielleicht in Tau- senden von Fällen -, wollen wir doch glücklich sein und diese Massnahme weiterhin unterstützen.
Herr Hafner wirft uns vor, die Angelegenheit sei zu wenig se- riös behandelt worden. Als damaliger Präsident der Kommis- sion für Gesundheit und Umwelt muss ich diesen Vorwurf ge- genüber dem Bundesamt für Gesundheitswesen wie auch ge- genüber der Kommission scharf zurückweisen.
Herr Schmid hat beantragt, der Initiative sei Folge zu geben und bemängelt gleichzeitig auch wiederum den Bericht der Kommission. Die Kommission und die Verwaltung versuch- ten, auf fast acht Seiten das Problem darzulegen, und das ist uns offenbar - nach Kollege Schmid - doch nur teilweise ge- lungen.
Herr Schmid schlägt weiter vor, die Angelegenheit an die Kom- mission zurückzuweisen und erneut Experten beizuziehen. Ohne etwa die Fähigkeiten unseres Kollegen Lukas Fierz in Zweifel ziehen zu wollen, bin ich jetzt doch gezwungen, ein Li- ste der Experten bekanntzugeben, die vom Bundesamt für Ge- sundheitswesen beigezogen wurden. Es sind dies u. a .: Dr. Barazzoni, Adjunkt des Kantonsarztes Tessin, Dr. Bourquin, Adjunkt des Kantonsarztes Genf, Frau Dr. Haber, Kantonsärz- tin Aargau, Dr. Häfliger, praktizierender Arzt für Kinderkrank- heiten in Luzern, Dr. Herzog, Innere Medizin in Basel, Prof. Dr. Hitzig, Kinderspital Zürich, Prof. Dr. Just, Kinderspital Basel, Dr. König, praktizierender Arzt für Kinderkrankheiten Bern, Dr. van der Linde, Präventivmediziner im Kanton St.Gallen, Dr. Méan, Adjunkt des Kantonsarztes Waadt, Dr. Steffen, Institut für Sozial- und Präventivmedizin Schaffhausen, Frau Dr. Su- ter, Kinderklinik Kantonsspital Genf. Das ein Auszug aus der Liste der beigezogenen Experten.
Nun zu Frau Bäumlin: Frau Bäumlin hat namens der sozialde- mokratischen Fraktion einen Antrag eingereicht. Zuerst hat sie natürlich auch wieder ihrem Misstrauen der Kommission ge- genüber Ausdruck gegeben. Ich muss Ihnen hier sagen, dass die Kommission vom Büro gewählt wurde im Auftrag unseres Parlamentes. Es gäbe da einen Spruch, den wir etwa in der Landwirtschaft brauchen, den ich nur andeutungsweise sa- gen möchte: «Nur die allerdümmsten .... wählen ihren Metzger selber!»
Aufgrund der grossen Zahl von Experten, die diese Impfkam- pagne befürworten, und im Hinblick auf den ausführlichen Be- richt des Bundesamtes für Gesundheitswesen wie auch we- gen des doch recht guten Schutzerfolges durch die Impfung beschloss die Kommission mit elf zu fünf Stimmen, keine zu- sätzlichen Experten beizuziehen und keine zusätzlichen Be- richte żu erstellen.
Persönlich glaube ich, dass diese Zwängerei, die hier in die- sem Saal nun im Gange ist, ausser Kosten nichts bringt. Es liegt nach wie vor im Entscheid der Eltern und der gesetzlichen Vertreter, ob sie ihre Kinder gemäss den Empfehlungen des Bundesamtes für Gesundheitswesen impfen lassen wollen oder eben nicht und dadurch ihre Kinder diesen eingangs er- wähnten, oft schwerwiegenden Folgen aussetzen wollen. Ich empfehle Ihnen im Namen der Kommission, den Antrag der SP-Fraktion abzulehnen.
M. Martin, rapporteur: L'amélioration de la santé après une maladie d'enfance est un des arguments qui a été évoqué tout à l'heure. Je crois qu'aucune preuve n'a été apportée sérieu- sement à cette affirmation. Même si c'est vrai, vaut-il vraiment la peine de prendre le risque que comporte certaines de ces maladies - celles dont on parle ce matin - pour que les en-
Sauvegarde de nos eaux
1668
N
27 septembre 1990
fants, heureusement l'immense majorité qui ont passé à tra- vers, deviennent de charmants lurons.
Deux arguments me convainquent une fois encore de ne pas suivre les conclusions de cette initiative parlementaire. Tout d'abord, la grande majorité des médecins admet que le bilan de ces campagnes de vaccinations est favorable. Autrement dit, que les risques encourus par les vaccinations sont moin- dres que ceux que pourraient causer les maladies en ques- tion. Ensuite, il n'y a, à l'issue de cette campagne en faveur de la vaccination, aucune obligation, aucune contrainte, donc les parents et les personnes intéressées, de façon générale, res- tent libres de faire vacciner leurs enfants ou elles-mêmes si elles le souhaitent. D'autre part l'expression: «Qui aime bien, vaccine bien», relevée tout à l'heure, est certes une erreur psy- chologique. On a malheureusement oublié de dire que ce slo- gan a été retiré en cours de campagne, il aurait été plus hon- nête de le dire clairement.
En conclusion, au nom de la majorité de la commission, je vous propose de repousser cette initiative parlementaire.
Persönliche Erklärung - Déclaration personnelle
Frau Bär: Ich möchte den Kommissionspräsidenten darauf aufmerksam machen, dass es sich, wenn eine Parlamentarie- rin oder ein Parlamentarier eine Initiative einreicht, auch wenn er bzw. sie zur Minderheit gehört, nicht um eine Zwängerei handelt, sondern um ein parlamentarisches Recht, das alle hier ergreifen können.
Hafner Rudolf: Weil der Initiant nur fünf Minuten zur Verfügung hat, erlaube ich mir noch kurz, etwas zu sagen.
Höchst interessant ist doch die Argumentation des SVP-Spre- chers. Er hat gesagt, es gehe um eine Glaubensfrage. Sehen Sie: Wenn uns der Staat im 20. Jahrhundert sagen würde, wel- che Religion die richtige sei, ob katholisch, protestantisch usw., würden wir sagen, das sei eine verrückte Haltung der Behörden. Wenn aber die Behörden uns in dieser sogenann- ten Glaubensfrage «Impfkampagne» sagen, welche Haltung die einzig richtige sei, dann finden Sie das nicht abnormal. Der CVP-Sprecher hat gesagt, mit dieser Initiative solle das Impfen verhindert werden. Da haben Sie die Unterlagen nicht gelesen. Es ist so, dass diese kritischen Aerzte nur wollen, dass das gute Impfkonzept, das vor 1987 gegolten und das sich wirklich in der Praxis bewährt hat, wieder aufgenommen wird und dass man eben nicht zu Massenimpfungen über- geht, die in den USA verheerende Resultate gezeigt haben.
Abstimmung - Vote
Eventuell - A titre préliminaire Für den Rückweisungsantrag der SP-Fraktion Dagegen
Definitiv - Définitivement Für den Antrag der Kommission (keine Folge geben) Für den Antrag Schmid (Folge geben)
44 Stimmen 80 Stimmen
84 Stimmen
25 Stimmen
87.036
Rettung unserer Gewässer. Volksinitiative und Gewässerschutzgesetz. Revision
Sauvegarde de nos eaux. Initiative populaire et loi sur la protection des eaux. Révision
Siehe Seite 576 hiervor - Voir page 576 ci-devant Beschluss des Ständerates vom 19. Juni 1990 Décision du Conseil des Etats du 19 juin 1990 Kategorie I, Art. 68 GRN ·· Catégorie I, art. 68 RCN
Differenzen - Divergences
B. Bundesgesetz über den Schutz der Gewässer (Gewässerschutzgesetz, GSchG) B. Loi fédérale sur la protection des eaux (LEaux)
Art. 29 Abs. 1 Antrag der Kommission Mehrheit
Zustimmung zum Beschluss des Ständerates Minderheit
(Loretan, Ammann, Danuser, Leuenberger-Solothurn, Longet, Rebeaud, Rechsteiner, Schüle, Zwygart) Festhalten
Art. 29 al. 1 Proposition de la commission Majorité
Adhérer à la décision du Conseil des Etats Minorité
(Loretan, Ammann, Danuser, Leuenberger-Solothurn, Longet, Rebeaud, Rechsteiner, Schule, Zwygart) Maintenir
Art. 31 Abs. 1, 2 Bst. d Antrag der Kommission Abs. 1 Mehrheit Zustimmung zum Beschluss des Ständerates Minderheit
(Loretan, Ammann, Danuser, Leuenberger-Solothurn, Longet, Rebeaud, Rechsteiner, Schüle, Zwygart) Festhalten
Abs. 2 Bst. d Festhalten
Art. 31 al. 1, 2 let. d Proposition de la commission
Al. 1 Majorité Adhérer à la décision du Conseil des Etats Minorité
(Loretan, Ammann, Danuser, Leuenberger-Solothurn, Longet, Rebeaud, Rechsteiner, Schüle, Zwygart) Maintenir
Al. 2 let. d Maintenir
Rüttimann, Berichterstatter: Ich möchte nur zur Auslegeord- nung ein paar Worte verlieren. Sie wissen alle, dass wir uns in der dritten Runde des Differenz- bereinigungsverfahrens befinden und dass wir noch zehn Dif-
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Parlamentarische Initiative (Hafner Rudolf) Verzicht auf die Impfkampagne gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) Initiative parlementaire (Hafner Rudolf) Arrêt de la campagne de vaccination contre la rougeole, la rubéole et les oreillons
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1990
Année
Anno
Band
IV
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Herbstsession
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Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
10
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 89.222
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
27.09.1990 - 08:00
Date
Data
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1655-1668
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Pagina
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20 018 998
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