1073
Postulat Gros
Der Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge (UNHCR) betreut weltweit über 14 Millionen Flüchtlinge. Es ist nicht vorzustel- len, wieviel schlimmer das Flüchtlingselend auf unserer Welt heute wäre, als es ohnehin schon ist, wenn es diese internatio- nale Hilfs- und Koordinationsstelle nicht gäbe. Begreiflicher- weise hat sich durch diese ausgedehnte Tätigkeit beim Amt des UNHCR ein grosses Erfahrungswissen angesammelt. Und begreiflicherweise ist es die Mehrzahl der Nationen, die sich dieses Erfahrungswissen des Hochkommissars und seine neutrale Stellung zunutze machen, indem sie das Amt des UNHCR in der einen oder anderen Weise in ihre Asylver- fahren einbeziehen. Das geschieht in manchen Ländern so, dass der Vertreter des UNHCR direkt Einsitz nimmt in die Re- kurskommissionen, entweder mit Stimme oder mit beratender Stimme. Es geschieht in anderen Ländern so, dass er in flücht- lingspolitischen Angelegenheiten mehr konsultativ mitwirkt. Es gibt dafür keinen Standard.
Ich glaube, Herr Steffen hat die Sache etwas zu eng gesehen, indem er meint, das Postulat ziele darauf, den UNHCR in je- dem Fall in die Rekursverfahren einzubeziehen. Das bestimmt das betreffende Land.
Der Bundesrat wird durch das Postulat aufgefordert, auch in der Schweiz den UNHCR einzubeziehen, und er ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
Im Grunde ist das Postulat wenigstens teilweise schon erfüllt - Herr Steffen hat ja schon darauf hingewiesen -, indem nach Antrag des Bundesrates und der Kommission an zwei Punk- ten der Asylgesetzrevision festgelegt wird, dass der UNHCR beim Verfahren am Flughafen und bei der Bestimmung der- jenigen Länder, wo ein Refoulement nicht ratsam oder nicht möglich ist, zu konsultieren sei. Es sind zwei Paragraphen. Entsprechende Gegenanträge von Herrn Steffen, die das schon während der Debatte verhindern wollten, wurden von unserem Rate abgelehnt.
Für die Zukunft könnten noch andere Probleme auftauchen, wo eine internationale Koordination nötig ist und wo sich eine Zusammenarbeit mit dem UNHCR als nützlich erweisen könnte. Wir alle wissen ja im Grunde genau, dass das Asylpro- blem, das Flüchtlingsproblem, nur durch internationale Koor- dination überhaupt gelöst werden kann.
Darum bitte ich Sie, auch jetzt den Antrag Steffen abzulehnen und gemäss dem Antrag des Bundesrates mein Postulat zu überweisen.
Dass wir nicht Vollmitglieder der Uno sind, ändert nichts an der Sache. Wir arbeiten praktisch mit allen Spezialorganisationen der Uno zusammen. Die Schweiz hat schon immer mit dem Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge zusammengearbeitet, wie das der guten humanitären Tradition unseres Landes ent- spricht.
Bundespräsident Koller: Wie Sie wissen, ist die geltende Rechtslage so, dass der Uno-Hochkommissar im Anerken- nungsverfahren grundsätzlich keine Mitentscheidungsrechte hat. Wie es die Genfer Konvention selber vorsieht, obliegt es grundsätzlich den Unterzeichnerstaaten, diese Konvention anzuwenden. Trotzdem scheint es uns in gewissen Fällen doch vorteilhaft, wenn wir angesichts der weltweiten Migration und, Sie haben es gehört, der weltweiten Flüchtlingsprobleme - der Uno-Hochkommissar betreut etwa 14 Millionen Flücht- linge - eine möglichst intensive Zusammenarbeit mit ihm pfle- gen. Deshalb haben wir - Herr Steffen hat das selber auch fest- gehalten - im neuen Asylverfahren in zwei Artikeln solche se- lektiv ausgewählte Formen der Zusammenarbeit vorgesehen. Erstens im Falle der Asylgesuchstellung auf den Flughäfen, wo es wichtig ist, dass man die Asylgesuchsteller, wenn es klar ist, dass sie keine Flüchtlinge im Sinne der Konvention sind, sofort wieder in ihr Herkunftsland oder in ein Drittland weg- weisen kann.
Der zweite Fall betrifft Artikel 14 Absatz 5 Anag, wo bei der vor- läufigen Aufnahme von sogenannten Gruppen von Gewalt- flüchtlingen auch der Uno-Hochkommissar konsultiert wird. Das ist einfach sehr zweckmässig, weil der Uno-Hochkommis- sar natürlich die besten Kenntnisse über die Zustände in den Herkunftsländern dieser Flüchtlinge hat.
Ich habe mir noch überlegt, wir könnten das Postulat als be-
reits erfüllt abschreiben, wenn wir jetzt vom neuen AVB aus- gehen, aber wir möchten diesen Dialog mit dem Uno-Hoch- kommissar auch künftig pflegen, ohne in der Grundordnung irgendeinen Systemwechsel vorzunehmen; wir möchten uns diese Möglichkeit zu selektiverer, intensiverer Zusammenar- beit ausdrücklich vorbehalten.
Aus diesem Grunde bitte ich Sie, das Postulat zu überweisen.
Abstimmung - Vote
Für Ueberweisung des Postulates Dagegen
43 Stimmen 7 Stimmen
89.453
Motion Fischer-Seengen Beschäftigung von Asylbewerbern Occupation des demandeurs d'asile
Siehe Jahrgang 1989, Seite 1708 - Voir année 1989, page 1708
Diskussion - Discussion
Fischer-Seengen: Unser Rat hat im Zusammenhang mit dem Bundesbeschluss über das Asylverfahren auch eingehend über die Problematik der Beschäftigung von Asylbewerbern diskutiert und sich für eine Lösung entschieden. Diese Lösung entspricht teilweise meinen Vorstellungen. Es ist nicht sinnvoll, dass wir nochmals das gleiche Stroh dreschen. Deshalb ziehe ich meine Motion zurück.
Zurückgezogen - Retiré
90.305
Postulat Gros Asylpolitik. Massnahmen Politique d'asile. Mesures à prendre
Wortlaut des Postulates vom 5. Februar 1990
Der Zustrom von Asylbewerbern wächst weiterhin besorgnis- erregend an. Dies schafft besonders heikle Probleme für die Kantone, deren Aufnahmeeinrichtungen überlastet sind, ver- ursacht das Wiedererwachen xenophober Bewegungen und gefährdet schliesslich die traditionelle Aufnahmebereitschaft unseres Landes.
Aus diesen Gründen wird der Bundesrat eingeladen, schnell neue Lösungen in folgenden Richtungen zu untersuchen: Kurzfristig:
Die Möglichkeit zur Aufnahme von Flüchtlingen aus Erst- asylländern im Rahmen der Kontingente auszuweiten, ge- stützt auf Artikel 22 Absatz 2 des Asylgesetzes (vergleiche auch den Beschluss des Bundesrates vom 13. Februar 1989). 2. Einen grösseren Teil unserer Untersuchungskompetenzen dem HCR zu überlassen, das den Auftrag hat, in den Erstemp- fangsstaaten das Anerkennungsverfahren für den Flüchtlings- status nach den Kriterien der Konvention von Genf durchzu- führen.
Die Einwanderung von Asylsuchenden zu bremsen, ins- besondere durch eine noch aktivere Aussenpolitik der
Postulat Gros
1074
N
18 juin 1990
Schweiz mit dem Ziel, möglichen Auswanderern den Aufent- halt in ihrem Land zu ermöglichen.
Die hängigen Fälle schnellstens zu behandeln, indem das Verfahren beschleunigt wird und die Möglichkeiten für miss- bräuchliche Rekurse eingeschränkt werden.
Den Begriff «Gewaltflüchtlinge» zu den Kriterien des Asyl- verfahrens hinzuzunehmen.
Langfristig:
Das Hochkommissariat der Vereinten Nationen für Flücht- linge bestimmt die Länder, deren Staatsangehörige als poten- tielle Flüchtlinge anerkannt werden können.
Der Bundesrat entscheidet jedes Jahr über Anzahl und Her- kunft der Flüchtlinge, die die Schweiz aufzunehmen bereit ist, wobei er sich vorbehält, dieses Kontingent im Falle besonde- rer Ereignisse in diesen Ländern zu vergrössern.
Die Dossiers der Asylbewerber werden vom Hochkommis- sariat (eventuell in Zusammenarbeit mit einer Schweizer Dele- gation) in den Ländern behandelt, wo die Asylsuchenden le- ben, und nicht in der Schweiz, und zwar nach den von der Kon- vention von Genf definierten Kriterien.
Den Flüchtlingsstatus all jenen zu gewähren, die den oben definierten Bedingungen genügen.
Allen andern, ausser in Ausnahmefällen, die Einreise in un- ser Land zu verweigern.
Der Bundesrat wird eingeladen zu untersuchen, mit welchen gesetzlichen und reglementarischen Aenderungen diese Massnahmen verwirklicht werden können.
Texte du postulat du 5 février 1990
L'augmentation constante de l'afflux de demandeurs d'asile ne cesse de nous inquiéter. Elle crée des problèmes par- ticulièrement épineux aux cantons qui voient leurs structures d'accueil dépassées, elle suscite la renaissance de mouve- ments xénophobes et finalement, elle met en péril la tradition d'accueil de notre pays.
Pour ces raisons, le Conseil fédéral est invité à étudier rapide- ment de nouvelles solutions allant dans le sens suivant:
A brève échéance
Elargir la possibilité d'accueillir des réfugiés de pays de pre- mier asile dans le cadre de contingents, en se fondant sur l'ar- ticle 22, 2e alinéa, de la loi sur l'asile (voir aussi la décision du Conseil fédéral du 13 février 1989).
Céder une plus large part de nos compétences d'enquête au HCR, chargé de conduire, dans le pays de premier accueil, la procédure de reconnaissance de statut de réfugié selon les critères de la Convention de Genève.
Freiner l'immigration des requérants, notamment en pour- suivant d'une manière encore plus active la politique étran- gère de la Suisse visant à permettre aux éventuels candidats à l'émigration de rester dans leur pays.
Traiter au plus vite les cas en suspens par une accélération de la procédure et en rendant plus difficiles les possibilités de recours abusives.
Introduire dans les critères de la procédure d'asile la notion de «victimes d'actes de violence ou de guerre».
A plus long terme
Le Haut-Commissariat aux réfugiés détermine quels sont les pays dont les ressortissants sont susceptibles d'être reconnus comme des réfugiés potentiels.
Le Conseil fédéral décide chaque année du nombre et de la provenance des réfugiés que la Suisse est prête à accueillir, en se gardant la possibilité d'augmenter ce contingent en cas de bouleversements dans certains pays.
Les dossiers des requérants sont traités par le HCR (éven- tuellement en collaboration avec une délégation suisse) dans les pays où vivent les requérants et non plus en Suisse, selon des critères définis par la Convention de Genève.
Accorder le statut de réfugié à tous ceux qui répondent aux conditions définies ci-dessus.
Refuser à tous les autres, sauf cas exceptionnel, l'entrée de notre pays.
Le Conseil fédéral est invité à étudier toutes les modifications légales et réglementaires propres à assurer la mise en oeuvre de ces mesures.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aubry, Berger, Blocher, Burckhardt, Coutau, Dubois, Ducret, Eggly, Frey Claude, Frey Walter, Friderici, Graf, Guinand, Houmard, Iten, Jeanneret, Leuba, Massy, Perey, Philipona, Pidoux, Savary-Vaud, Schüle, Spoerry, Stucky (25)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Les demandes d'asile en Suisse ne cessent d'augmenter (46 pour cent en 1989). Bien que la capacité de traiter les de- mandes ait été accrue, notamment grâce à une accélération des procédures, les requérants en attente d'une décision sont aujourd'hui environ 40 000. Il est sans doute inutile de s'éten- dre sur les conséquences fâcheuses qu'entraînent cet afflux massif de demandeurs et ce nombre important de cas en souf- france. Les centres de tri installés dans quelques cantons- frontière sont surchargés, des abris de fortune doivent être trouvés (grâce à la bonne volonté des organismes de protec- tion civile, des associations d'entraide et d'une partie de la po- pulation). Mais, situation plus dramatique, des nouveaux arri- vants doivent dormir à la belle étoile en attendant un «statut» de pré-requérant. On assiste d'autre part à une recrudescence d'actes de violence souvent commis par des adhérents de mouvements xénophobes, voire racistes.
Il est temps à nos yeux d'envisager une politique d'asile dif- férente, plus proche de celle qui se pratiquait avant l'entrée en vigueur de la loi sur l'asile.
Revenons à une notion de l'asile politique plus humaine et moins juridique. Face au phénomène migratoire mondial, no- tre tradition d'accueil est en danger. Le fait d'accueillir un réfugié doit redevenir un acte de générosité et non plus le terme d'une longue procédure juridique. Aujourd'hui, notre loi éveille de faux espoirs chez les candidats à l'asile qui doivent attendre plusieurs mois (quelquefois des années) qu'une décision soit prise à leur sujet (la plupart du temps négative). Ils sont ensuite en principe expulsés alors qu'ils commencent à s'intégrer à notre mode de vie et que leurs enfants ont déjà l'accent du pays. C'est si vrai que, et bien heureusement, l'at- tribution de permis humanitaires va en augmentant.
Certes, nous n'ignorons pas qu'un nouvel arrêté fédéral est en préparation concernant une nouvelle procédure d'asile ac- célérée. Nous nous interrogeons tout de même sur l'efficacité de celle-ci, au vu des précédentes, particulièrement de celle dite «procédure 88». Sans vouloir toutefois nous opposer à toute amélioration possible dans le cadre légal actuel, nous considérons qu'à terme seul un système des contingents, que nous souhaitons d'ailleurs généreux, permettra de sortir de l'impasse actuelle.
Notons que nos propositions se rapprochent sensiblement de la situation en vigueur à l'époque des événements de Hongrie, de Tchécoslovaquie, du Vietnam et du Chili. Le gouvernement avait alors fixé le nombre de réfugiés que la Suisse était prête à accueillir. La méthode permettait une adaptation plus souple à la capacité d'accueil de notre pays, «l'ambiance politique» et à l'évolution de la situation internationale. La procédure était également plus rapide, évitant les méandres d'une longue en- quête visant à déterminer qui était «réfugié politique» et qui était «réfugié économique». Il s'agissait réellement d'un geste de solidarité vis-à-vis de citoyens en difficulté, compatible avec notre tradition humanitaire.
Il faut à notre avis en revenir, en respectant bien sûr les con- ventions internationales, à un système de ce type, sous peine de voir cette tradition d'accueil s'écrouler sous de trop prévisi- bles réactions populaires.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 2. Mai 1990 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 2 mai 1990 Le Conseil fédéral est prêt à accepter le postulat.
Ueberwiesen - Transmis
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Postulat Gros Asylpolitik. Massnahmen Postulat Gros Politique d'asile. Mesures à prendre
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Dans
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Année
1990
Anno
Band
III
Volume
Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
10
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 90.305
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 18.06.1990 - 14:30
Date
Data
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