Interpellation Bundi
916
N
7 juin 1990
Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 16. Mai 1990 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 16 mai 1990 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
Ueberwiesen - Transmis
90.465 Interpellation Bundi Vorsorgliche Schutzmassnahmen Transferts à l'étranger en cas de conflit
Wortlaut der Interpellation vom 22. März 1990
Seit 1985 besteht zwischen der Schweiz und Kanada ein ver- trauliches Abkommen in Form eines «mémoire d'entente», das schweizerischen Unternehmen im Fall eines Notstandes die Möglichkeit bietet, kurzfristig ihren Rechtssitz nach Ka- nada zu verlegen. Dieses Abkommen stützt sich auf einen Bundesratsbeschluss betreffend vorsorgliche Schutzmass- nahmen für juristische Personen, Personengesellschaften und Einzelfirmen vom 12. April 1957. Dieser Bundesratsbe- schluss seinerseits stützt sich auf Artikel 16 des Bundesgeset- zes über die wirtschaftliche Kriegsvorsorge vom 30. Septem- ber 1955, das inzwischen durch das Landesversorgungsge- setz abgelöst worden ist.
In diesem Zusammenhang wird der Bundesrat gebeten, auf die folgenden Fragen Auskunft zu erteilen:
Gibt es neben dem erwähnten Geheimabkommen mit Ka- nada noch weitere ähnliche Abkommen, eventuell auch in ver- wandten Bereichen? Wenn ja, welche sind das, was haben sie zum Inhalt, welches sind die Partnerländer? Ist der Bundesrat bereit, darüber detailliert zu berichten?
Dem Vernehmen nach sollen derzeit einige hundert Firmen für den Fall internationaler Konflikte Sitzverlegungen ins Aus- land vorbereitet haben und im Eidgenössischen Handels- und Güterrechtsregister (Ehra) eingetragen sein. Stimmt diese Meldung?
Neben den interessierten Firmen sollen auch «gewisse Or- ganisationen» in die Sitzverlegung einbezogen sein. Welche sind das?
Mit den beabsichtigten Sitzverlegungen von Firmen und Banken soll auch ein Teil des Kaderpersonals mit ihren Fami- lien den Wohnsitz ins Ausland transferieren. Darunter sind Per- sonen mit hohen militärischen Dienstgraden. Wie steht es mit deren Befreiung von der Aktivdienstpflicht?
Ist der Bundesrat nicht auch der Auffassung, dass Geheim- abkommen wie jenes mit Kanada und ähnliche einem veralte- ten sicherheitspolitischen Bild entsprechen, nicht in unsere auf neues Vertrauen angewiesene Zeit passen und darum auf- gehoben werden sollten?
Welche bestehenden Bundesratsbeschlüsse betreffend vorsorgliche Schutzmassnahmen gedenkt der Bundesrat auf- zuheben, welche will er weiterhin beibehalten?
Texte de l'interpellation du 22 mars 1990
Depuis 1985, il existe entre la Suisse et le Canada un accord confidentiel, conclu sous la forme d'un «mémoire d'entente», qui donne aux entreprises suisses la possibilité, en cas de conflit, de transférer à court terme leur siège juridique au Ca- nada. Cet accord se fonde sur l'arrêté du Conseil fédéral du 12 avril 1957 protégeant par des mesures conservatoires les personnes morales, sociétés de personnes et raisons indivi- duelles, cet arrêté ayant lui - même pour base l'article 16 de la loi fédérale du 30 septembre 1955 sur la préparation de la défense nationale économique, remplacée entre temps par la loi sur l'approvisionnement du pays.
A ce sujet, le Conseil fédéral est prié de fournir des renseigne- ments sur les points suivants:
En dehors de l'accord secret mentionné, passé avec le Ca- nada, existe-t-il encore d'autres accords semblables, le cas échéant aussi dans des domaines voisins? Dans l'affirmative, lesquels, sur quoi portent-ils et quels sont les pays partenai- res? Le Conseil fédéral est-il disposé à fournir un rapport détaillé à ce sujet?
A ce que l'on entend dire, quelques centaines d'entreprises auraient préparé leur transfert à l'étranger au cas où un conflit international éclaterait et sont inscrites à cet effet auprès de l'Office fédéral du registre du commerce et des régimes matri- moniaux (OFRC). Cette information est-elle exacte?
En plus des entreprises intéressées, «certaines autres orga- nisations» seraient également prévues dans ces transferts. Quelles sont-elles?
Dans l'optique de ces transferts de sièges d'entreprises et de banques, une partie des cadres avec leurs familles dépla- ceraient leur domicile à l'étranger. Parmi ces personnes, il y a des officiers supérieurs de l'armée. Est-il prévu de les libérer de l'obligation d'accomplir du service actif?
Le Conseil fédéral n'estime-t-il pas lui aussi que des ac- cords secrets comme celui conclu avec le Canada ou d'autres s'inscrivent dans le cadre d'une politique de sécurité dépassée, ne correspondent plus au nouveau climat de con- fiance qui s'est instauré aujourd'hui et devraient de ce fait être abrogés?
Lesquels de ses arrêtés instaurant des mesures conserva- toires de protection le Conseil fédéral pense-il abroger, les- quels veut-il laisser en vigueur?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aguet, Ammann, Bäumlin Ursula, Béguelin, Bircher, Bodenmann, Borel, Braunschweig, Carobbio, Danuser, David, Eggenberg-Thun, Euler, Fankhau- ser, Fehr, Haering Binder, Hafner Ursula, Haller, Herczog, Hu- bacher, Jaeger, Jeanprêtre, Keller, Lanz, Ledergerber, Leuen- berger-Solothurn, Maeder, Matthey, Mauch Ursula, Meizoz, Müller-Aargau, Neukomm, Ott, Rechsteiner, Seiler Rolf, Stap- pung, Thür, Uchtenhagen, Ulrich, Vollmer, Zbinden Hans, Zü- ger, Zwygart (43)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Interpellant verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 16. Mai 1990
Rapport écrit du Conseil fédéral du 16 mai 1990
Kanada ist bisher das einzige Land, mit dem die Schweiz eine gemeinsame Absichtserklärung (Memorandum of Under- standing) über die Rahmenbedingungen für Sitzverlegungen schweizerischer Unternehmen im Krisenfall vereinbart hat.
Die Meldung ist unzutreffend. Die Zahl der interessierten Unternehmen liegt in der Grössenordnung von 100. Sie sind nicht im Eidgenössischen Handels- und Güterrechtsregister eingetragen, sondern in einem besonderen, nicht öffentlichen Register.
Gemäss der schweizerisch-kanadischen Absichtserklärung können juristische Personen, Personengesellschaften und Einzelfirmen eine vorübergehende Verlegung ihres Sitzes ins Ausland vorbereiten. Die Unternehmen, welche solche vor- sorgliche Massnahmen ergreifen, haben Anspruch auf Ver- traulichkeit. Ihre Namen werden nicht bekanntgegeben.
Auch die nur temporäre Sitzverlegung eines Unternehmens verlangt den gleichzeitigen Transfer von ausgewählten Mitar- beitern, die für den Weiterbestand der Firma wesentliche Funktionen ausüben. Wer diese Funktionsträger konkret sind, entscheidet sich erst im Moment der internationalen Krisen- lage bzw. der dann beschlossenen Sitzverlegung. Ihre Befrei- ung von der Dienstpflicht ist keinesfalls vorgesehen. Den inter- essierten Firmen wird vielmehr empfohlen, in ihre vorsorgliche Transfer-Planung nichtdienstpflichtige Kader einzubeziehen. 5. Sicherheitspolitische Lagen sind seit je Veränderungen un- terworfen. Auch wenn das bis vor kurzem vorherrschende si- cherheitspolitische Bild sich derzeit rasch verändert, bedeutet
Juni 1990 N
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Interpellation Spielmann
dies noch keineswegs, dass internationale Krisenlagen ein für allemal ausbleiben werden. Vorsorgliche Massnahmen einzel- ner Firmen zur vorübergehenden Sitzverlegung behalten des- halb weiterhin ihren Sinn. Je nach Lageentwicklung könnten auch weitere Länder als Ziel vorsorglicher Sitzverlegungen in Frage kommen.
Leuenberger-Solothurn: Herr Bundi lässt sich entschuldigen; er hat heute an der Beerdigung des früheren Aussenministers Spühler teilgenommen.
Herr Bundi hat mich gebeten, hier zu erklären, dass er wünscht, über diese Interpellation diskutieren zu können; er wünscht, dass die Diskussion von Ihnen jetzt beschlossen, aber auf einen späteren Zeitpunkt verschoben würde, wie das üblich ist und in diesem Rat häufig angewendet wird. Er hat mich auch gebeten, in einigen Sätzen zu sagen, worum es ihm geht:
Herr Bundi hat herausgefunden, dass seit 1985 zwischen der Schweiz und Kanada ein vertrauliches Abkommen, ein soge- nanntes «mémoire d'entente» besteht, das schweizerischen Unternehmen im Falle eines Notstandes die Möglichkeit böte, kurzfristig ihren Rechtssitz nach Kanada zu verlegen. In die- sem Zusammenhang hat Herr Bundi eine Reihe von Fragen aufgeworfen, von deren Beantwortung er nicht unbedingt be- friedigt ist, und er möchte darüber diskutieren können, wenn er und andere auch anwesend wären.
In diesem Sinn stelle ich Ihnen Antrag, jetzt Diskussion zu be- schliessen, sie aber auf später zu verschieben.
Abstimmung - Vote
Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
offensichtliche Mehrheit Minderheit
90.474
Postulat Fischer-Hägglingen Selbstbestimmungsrecht der baltischen Staaten Droit d'autodétermination des pays baltes
Wortlaut des Postulates vom 22.März 1990
Der Bundesrat wird eingeladen, sich mit allen ihm zur Verfü- gung stehenden diplomatischen Mitteln, insbesondere im Rahmen der KSZE, einzusetzen, dass der Wille der baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland auf nationale Unab- hängigkeit durchgesetzt werden kann und diese Länder auf friedlichem Weg in die europäische Staatengemeinschaft auf- genommen werden können.
Texte du postulat du 22 mars 1990
Le Conseil fédéral est invité à utiliser tous les moyens diploma- tiques à sa disposition, notamment ceux qui s'inscrivent dans le cadre de la CSCE, afin que la volonté d'indépendance natio- nale des pays baltes - Lituanie, Lettonie et Estonie - puisse s'imposer et que ces pays s'intègrent pacifiquement au con- cert des nations européennes.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Basler, Berger, Biel, Bühler, Daepp, Fischer-Sursee, Fischer-Seengen, Frey Walter, Graf,
Gysin, Hänggi, Hess Otto, Hösli, Luder, Massy, Mauch Rolf, Müller-Meilen, Müller-Wiliberg, Nabholz, Nebiker, Neuen- schwander, Reichling, Reimann Maximilian, Rohrbasser, Ru- tishauser, Rychen, Schwab, Seiler Hanspeter, Tschuppert, Wanner, Wyss William, Zölch, Zwingli (33)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Die Schweiz hat nach dem Ersten Weltkrieg die Unabhängig- keit der baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland aner- kannt und mit diesen Staaten auch diplomatische Beziehun- gen bis zur Annexion im Jahre 1940 durch die UdSSR unter- halten. Die Schweiz hat die Einverleibung dieser drei Republi- ken in die Sowjetunion aufgrund des Zusatzprotokolls zum Molotow-Ribbentrop-Pakt nie anerkannt. Die drei Länder, die zum europäischen Kulturkreis gehören, haben in den letzten Monaten zu verschiedenen Malen ihrem Willen nach nationa- ler Unabhängigkeit Ausdruck gegeben, insbesondere bei den ersten freien Parlamentswahlen. Zudem hat das vom Volk ge- wählte Parlament von Litauen die Unabhängigkeit des Landes erklärt. Die Schweiz hat sich in der Vergangenheit immer wie- der für das Selbstbestimmungsrecht der Völker eingesetzt und die Unabhängigkeitsbestrebungen der Völker Afrikas, Asiens und Amerikas unterstützt. Es gilt nun auch das Selbst- bestimmungsrecht derjenigen Völker Europas nachhaltig zu unterstützen, die nach nationaler Unabhängigkeit trachten. Die Schweiz ist mit den übrigen europäischen Staaten auf- gerufen, den baltischen Staaten zu helfen, damit sie auf friedli- chem Weg und unter Einbezug der nationalen Interessen der Sowjetunion die Unabhängigkeit erhalten. Als besonders ge- eignetes Forum betrachte ich die Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE).
Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 16. Mai 1990 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 16 mai 1990 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
Ueberwiesen - Transmis
90.494
Interpellation Spielmann Internationale Konvention betreffend Telekommunikation Respect de la Convention internationale des télécommunications
Wortlaut der Interpellation vom 23. März 1990
Die zunehmende Bedeutung der Telekommunikation zur Wahrung des Friedens sowie zur sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung führte am 6. November 1982 zur Unterzeichnung der Konvention von Nairobi, welche die Schweiz 1985 ratifi- zierte.
Die Konvention hat zum Ziel, friedliche Beziehungen und die Zusammenarbeit zwischen den Völkern zu fördern. Seit meh- reren Jahren prüfen die Vereinigten Staaten die Möglichkeit ei- nes gegen Kuba gerichteten Fernsehprogramms. Im Februar und Mai 1989 bewilligten das Repräsentantenhaus und der Senat einen Kredit von 32 Millionen Dollar, um 1990 und 1991 ein antikubanisches Fernsehprogramm zu finanzieren. Dieser Beschluss stellt einen schweren Verstoss gegen zahlreiche Bestimmungen der Konvention von Nairobi dar, der beide Staaten zugestimmt haben; ausserdem bedeutet er einen ver- hängnisvollen Schritt auf einen Aetherkrieg hin.
Ich bitte den Bundesrat, bei den Vereinigten Staaten zu inter- venieren und von ihnen die Einhaltung der internationalen Uebereinkommen und des Völkerrechts zu fordern.
17-N
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Bundi Vorsorgliche Schutzmassnahmen Interpellation Bundi Transferts à l'étranger en cas de conflit
In
Dans
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
Année
1990
Anno
Band
III
Volume
Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
04
Séance Seduta
Geschäftsnummer 90.465
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
07.06.1990 - 15:00
Date
Data
Seite
916-917
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Pagina
Ref. No
20 018 648
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