Postulat Braunschweig
702
N
23 mars 1990
In den Parlamenten der BRD, Kanadas, der USA und der Tschechoslowakei können schriftliche Texte anstelle von mündlichen abgegeben werden. In anderen Parlamenten wer- den im Protokoll der Debatten auch nicht mündlich vorgetra- gene ministerielle Antworten, Tabellen, Statistiken, Dokumen- tationselemente usw. aufgeführt (Angaben aus «Parlements dans le monde», Bruxelles 1986, S. 627ff.).
Man könnte sich kurze Texte vorstellen; ein zu langer Text würde nicht gelesen und im Amtlichen Bulletin zu viel Platz be- anspruchen. Der Text müsste so rechtzeitig eingereicht wer- den, dass die Berichterstatter und der Bundesrat noch von ihm Kenntnis nehmen können. Die Parlamentsdienste könn- ten die Vervielfältigungsarbeiten übernehmen. Eine spezielle Kennzeichnung im Amtlichen Bulletin würde darauf hinwei- sen, dass es sich um einen schriftlichen Beitrag handelt.
Falls diese Neuerung nur im Nationalrat, in welchem die Ar- beitsüberlastung besonders krass ist, eingeführt werden soll, ist die Ueberweisung einer Motion nicht nötig, und ein Postulat würde genügen.
Nach der Ueberweisung würde das Büro eine Aenderung des Reglementes des Nationalrates vorlegen.
Schriftliche Erklärung des Büros Déclaration écrite du Bureau Das Büro beantragt dem Nationalrat, die Motion in der Form eines Postulates anzunehmen.
Ueberwiesen als Postulat - Transmis comme postulat
89.699
Postulat der Kommission für auswärtige Angelegenheiten Institutionelle Aspekte der Beziehungen der Schweiz mit den EG Postulat de la Commission des affaires étrangères Aspects institutionnels des relations de la Suisse avec les CE
Wortlaut des Postulates vom 7. November 1989
Bei der Ueberweisung des Postulates der Wirtschaftskommis- sion vom 25. Oktober 1988 hat der Nationalrat den Bundesrat gebeten, einige Fragen zu vertiefen, namentlich Fragen insti- tutioneller Art, die er in seinem Bericht vom 24. August 1988 über die Stellung der Schweiz im europäischen Integrations- prozess behandelt hat.
Im Januar 1988 hat das EDA eine «Groupe de réflexion sur la Suisse et l'Europe» gebildet, deren Arbeiten der Kommission für auswärtige Angelegenheiten unterbreitet worden sind.
Der Bundesrat wird eingeladen, dem Parlament sobald als möglich einen neuen umfassenden Europabericht zu unter- breiten, der namentlich die «Neutralitätspolitik und die institu- tionellen Aspekte der Beziehungen der Schweiz mit den Euro- päischen Gemeinschaften» untersucht und dazu Stellung nimmt.
Texte du postulat du 7 novembre 1989
En adoptant le postulat de la Commission des affaires écono- miques du 25 octobre 1988, le Conseil national a prié le Con- seil fédéral d'approfondir certaines questions, notamment d'ordre institutionnel, traitées dans son rapport sur la position de la Suisse dans le processus d'intégration européenne du 24 août 1988.
En janvier 1988, le département des affaires étrangères a constitué un «Groupe de réflexion sur la Suisse et l'Europe» dont les travaux ont été présentés à la Commission des affai- res étrangères.
Le Conseil fédéral est invité à présenter dès que possible au Parlement un nouveau rapport d'ensemble sur l'Europe qui analyse en particulier la «politique de neutralité et les aspects institutionnels des relations de la Suisse avec les Commu- nautés européennes» et sur lesquels il prendra position.
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die Urheber verzichten auf eine Begründung und wünschen eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 14. Februar 1990 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 14 février 1990 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
Ueberwiesen - Transmis
89.801
Postulat Braunschweig Konfliktbewältigung durch internationale kulturelle Zusammenarbeit Coopération culturelle et règlement des conflits
Wortlaut des Postulates vom 14. Dezember 1989 Die Schweiz ist nur gerade in einigen westlichen Kulturzentren und in Tokio durch Kulturattachés vertreten, die zudem als er- stes die Aufgabe haben, die Schweiz im Ausland zur Darstel- lung zu bringen.
Wir bitten den Bundesrat, die internationale kulturelle Zusam- menarbeit unter anderem durch die Ernennung von Kulturat- tachés in zahlreichen Staaten, die uns geographisch, poli- tisch, kulturell weniger nahe sind, ganz wesentlich auszu- bauen.
Durch die Ernennung von Frauen kann ihr Anteil unter den Di- plomaten in gewünschter Weise endlich erhöht werden.
Dies drängt sich um so mehr auf, als Frauen häufig in Konflikt- situationen die zusätzlich Benachteiligten sind.
Bei dieser Ausgestaltung soll es nicht in erster Linie um Wer- bung für unser Land und unsere Kultur gehen, sondern lang- fristig um Konfliktbewältigung.
Möglicherweise können Kultur- und Geistesschaffende selber diese Aufgabe mit mehr Aussicht auf Erfolg lösen. Im Ausland besteht eine vorbildliche Tradition, während der letzte Schwei- zer Diplomat dieses Formats Carl J. Burckhardt war - vor 50 Jahren in Danzig!
Texte du postulat du 14 décembre 1989
La Suisse n'est représentée que dans quelques centres cultu- rels occidentaux et à Tokyo par des attachés culturels, dont la tâche principale est par ailleurs de présenter la Suisse à l'étranger.
Nous invitons le Conseil fédéral à renforcer substantiellement la coopération culturelle internationale, plus particulièrement en nommant des attachés culturels dans de nombreux pays qui nous sont moins proches sur les plans géographique, poli- tique et culturel.
La désignation de femmes pourrait répondre au souhait de voir augmenter leur représentation au sein du corps des diplo- mates. Cela s'avère d'autant plus nécessaire que les femmes sont souvent les victimes les plus touchées dans des situa- tions conflictuelles.
Cette manière de voir signifie qu'il ne s'agit pas en premier lieu de publicité en faveur de notre pays et de notre culture, mais bien, à long terme, de règlement des conflits.
Des personnes appartenant aux milieux culturel et intellectuel
Postulat Weder-Basel
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pourraient vraisemblablement assumer elles-mêmes de telles tâches avec succès. L'on trouve une telle tradition à l'étranger, alors que l'exemple suisse le plus récent remonte à 50 ans, lorsque le dernier diplomate suisse répondant à ce profil - Carl J. Burckhardt - était en poste à Dantzig.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aguet, Ammann, Bär, Bäum- lin Ursula, Bodenmann, Brügger, Bundi, Carobbio, Danuser, Diener, Eggenberg-Thun, Fetz, Hafner Ursula, Haller, Herc- zog, Hubacher, Jeanprêtre, Lanz, Ledergerber, Leuenberger- Solothurn, Leuenberger Moritz, Leutenegger Oberholzer, Lon- get, Mauch Ursula, Meier-Glattfelden, Morf, Neukomm, Ott, Rechsteiner, Reimann Fritz, Stappung; Stocker, Thür, Uchten- hagen, Vollmer (35) .
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Zur Begründung vier Beispiele:
Wäre der Bundesrat nicht bereit, als Sofortmassnahme je ei- nen Kulturattaché nach Bukarest und nach Tirana zu entsen- den?
Es versteht sich von selbst, dass die Aufgabe der Konfliktlö- sung durch Kulturvermittlung besser erfüllt werden kann, wenn der Sprachenfrage grösste Wichtigkeit zugemessen wird.
Der Fundamentalismus des Islam bereitet vielen Menschen grosse Sorgen (obwohl diese Geisteshaltung sich auch bei uns auf dem Vormarsch befindet). Schweizerische Kulturat- tachés in den arabischen Städten müssten uns diesen Funda- mentalismus aus Geschichte, Kultur und Religion erklären, müssten uns auf Auseinandersetzungen und zukünftige Ent- wicklungen aufmerksam machen und als wichtigstes den Dia- log zwischen Menschenrechten und Fundamentalismus füh- ren.
In Jugoslawien, in der Sowjetunion und in vielen anderen Staaten müssten Schweizer Kulturattachés vertiefte Kennt- nisse über Föderalismus oder Sprachenvielfalt besitzen.
Zahlreiche Konflikte in Afrika und in anderen Teilen der Drit- ten Welt ergaben sich aus der Spannung zwischen eigener kultureller Vergangenheit und der Verarbeitung der Kolonial- zeit.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates vom 21. Februar 1990 Déclaration écrite du Conseil fédéral du 21 février 1990 Der Bundesrat ist bereit, das Postulat entgegenzunehmen.
Ueberwiesen - Transmis
89.638
Postulat Weder-Basel Aenderung der Giftverordnung Postulat Weder-Bâle Toxiques. Révision de l'ordonnance
Wortlaut des Postulates vom 2. Oktober 1989
Der Bundesrat wird eingeladen, Artikel 4 der Giftverordnung vom 19. September 1983 (Giftklasseneinteilung) unverzüglich zu revidieren und den europäischen Normen (3 Giftklassen anstatt 5) anzupassen.
Texte du postulat du 2 octobre 1989
Le Conseil fédéral est invité à réviser sans tarder l'article 4 de l'ordonnance du 19 septembre 1983 sur les toxiques (classes de toxicité) pour l'adapter aux normes européennes (3 classes au lieu de 5).
Mitunterzeichner - Cosignataires: Bär, Diener, Dünki, Grendel- meier, Hafner Rudolf, Jaeger, Maeder, Meier-Glattfelden, Schmid, Stocker, Thür, Wiederkehr, Zwygart (13)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Als praktisch einziges Land kennt die Schweiz für toxische Substanzen eine Einteilung in fünf Giftklassen. Die Giftklas- seneinteilung beruht auf einem Routineversuch, dem LD50-Test an Labortieren. Gemäss Definition ist bei diesem Test eine Substanz dann hochtoxisch, wenn innerhalb von 14 Tagen mindestens die Hälfte der Gruppe weisser Ratten von 200 bis 500 g Körpergewicht an einer einzigen Dosis von 50 mg pro kg Körpergewicht stirbt. Die Substanzen müssen oral verabreicht werden. Um eine Einteilung in fünf Giftklassen vor- zunehmen, ist eine wiederholte Verabreichung in steigenden Dosen nötig.
Aus ethischen und wissenschaftlichen Gründen wird der LD50-Test schon seit Jahren heftig kritisiert. Er ruft bei den be- troffenen Tieren unter Umständen starke Schmerzen hervor und liefert sie einem qualvollen Tod aus.
Aus wissenschaftlicher Sicht besitzt der Test wenig Aussage- wert und sollte so rasch als möglich durch genauere und wis- senschaftlich relevantere Abklärung zur akuten Toxizität er- setzt werden. Nach G. Zbinden «Acute Toxicity Testing, Public Responsibility and Scientific Challenges» / Benchmarcks «Al- ternative Methods in Toxicology» (Princeton, N.J., 1989), weist der LD50-Test u. a. folgende Mängel auf:
Er ist keine biologische Konstante, sondern wird durch eine Reihe innerer und äusserer Faktoren beeinflusst.
LD50-Werte von Tieren besitzen zur Abschätzung tödlicher Giftdosen für den Menschen kaum Aussagewert.
LD50-Werte stellen für weitergehende Toxizitätsstudien keine ausreichende Basis dar.
LD50-Werte als Basis für die Einteilung gefährlicher Substan- zen in Giftklassen sind unspezifisch und lassen wesentliche Eigenschaften einer Substanz ausser acht.
Es ist somit offensichtlich, dass der LD50-Test unzureichend ist und sobald als möglich durch ein relevanteres Testsystem er- setzt werden sollte (inkl. Alternativmethoden). Die wissen- schaftlichen und administrativen Absprachen sind gegenwär- tig im Gang. Als Sofortmassnahme sollte die Schweiz unver- züglich wenigstens eine Anpassung an die internationalen Normen vornehmen (3 Giftklassen). Die Beibehaltung von fünf Giftklassen auf der Basis eines veralteten Tests ist unsinnig und unverantwortlich, denn er führt nur zu einem sinnlosen Verschleiss von Labortieren. Damit verstösst die Giftverord- nung gegen Artikel 14 Absatz 1 des Tierschutzgesetzes: «Tier- versuche sind auf das unerlässliche Mass zu beschränken.»
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Postulat Braunschweig Konfliktbewältigung durch internationale kulturelle Zusammenarbeit Postulat Braunschweig Coopération culturelle et règlement des conflits
In
Dans
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
In
Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1990
Année
Anno
Band
II
Volume
Volume
Session
Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
16
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 89.801
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 23.03.1990 - 08:00
Date
Data
Seite
702-703
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Pagina
Ref. No
20 018 435
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