2257
Interpellation Rechsteiner
akademischen Kreise sowie die Presse der betroffenen Län- der zu einem möglichen Wiedereintritt in die Unesco zu bewe- gen, so vertritt sie die Meinung, dass es sich hier vor allem um eine interne Angelegenheit der besagten Länder handelt. Aus diesem Grunde muss die Unesco starke Zurückhaltung bei ih- ren Interventionen üben und den Eindruck vermeiden, dass sie sich in den Entscheidprozess der beiden souveränen Staa- ten einmischen will. Der Bundesrat ist der Ansicht, dass die Unesco am wirksamsten bei den Regierungen der USA, Grossbritanniens und Singapurs für ihre Sache plädiert, in- dem sie ihre eigene Funktionsweise verbessert, ihr Budget un- ter Kontrolle behält, ihre Tätigkeit vermehrt auf klar definierte, prioritäre Ziele ausrichtet und eine dementsprechende Perso- nalpolitik führt.
Wenn auch wichtige Fortschritte erzielt worden sind, wie das der Leiter der schweizerischen Delegation anlässlich der 25. Generalversammlung der Unesco, am 20. Oktober dieses Jahres, festgestellt hat, so befinden sich grosse Reformen noch immer im Gang, namentlich in den Bereichen der Füh- rung, der Entwicklung des menschlichen Potentials, der Kon- zentration der Programme und Koordination mit anderen spe- zialisierten Institutionen.
Der Bundesrat ist der Meinung, dass es für die zurückgetre- tenen Staaten leichter sein wird, eine volle Beteiligung in der Unesco ins Auge zu fassen, wenn der laufende Reformpro- zess innerhalb der Organisation ein fortgeschritteneres Sta- dium erreicht haben wird. Der Bundesrat verfolgt weiterhin die Entwicklung dieser wichtigen Angelegenheit, namentlich in- nerhalb des Exekutivrates der Unesco und mittels geeigneter diplomatischer Kontakte. Er hat nicht die Absicht, durch vor- zeitige Initiativen diese Ueberprüfung in Frage zu stellen. Im gegebenen Moment wird er dann, auf entsprechende Art und Weise, seine Dienste anbieten können, um die Modalitäten des Wiedereintritts der Nicht-Mitgliedstaaten bei der Unesco erleichtern zu können. In der Zwischenzeit ist der Bundesrat zuversichtlich, dass sich die Beziehungen zwischen diesen Staaten und der Unesco verbessern werden; er stützt sich da- bei insbesondere auch auf die Arbeiten der 25. Generalver- sammlung, welche ermutigende Zeichen setzen.
Eingedenk der Bedeutung in intellektueller, in entwick- lungspolitischer und allgemeiner politischer Hinsicht gibt der Bundesrat dem Wunsch Ausdruck, dass sich die USA und Grossbritannien bald wieder in die Reihen derjenigen einglie- dern werden, welche wie sie - innerhalb der Organe der Unes- co - die gleichen Grundsätze, Werte und Ziele verteidigen. Der Beitrag dieser Länder auf allen Tätigkeitsgebieten der Unesco ist unersetzlich und macht deren Wiedereintritt in die Organi- sation zur Vermeidung eines dauernden, schädlichen Un- gleichgewichtes innerhalb des gesamten Gebäudes der inter- nationalen Zusammenarbeit sehr wünschenswert.
Le président: L'interpellatrice n'est que partiellement satis- faite de la réponse du Conseil fédéral.
89.685
Interpellation Rechsteiner Südafrika-Politik Politique à l'égard de l'Afrique du Sud
Wortlaut der Interpellation vom 6. Oktober 1989 Ich ersuche den Bundesrat um Beantwortung folgender Fra- gen:
Grossbanken nicht mehr bereit waren, die Kredite zu erneu- ern. Das damals abgeschlossene Umschuldungsabkommen läuft auf Ende Juni 1990 aus, und erneut ist das finanzielle Schicksal des Apartheidregimes massgebend vom Verhalten der Schweiz abhängig.
Trifft es zu, dass die entscheidenden Verhandlungen des Technischen Komitees der Gläubigerbanken wieder in Zürich geführt werden (wo sich unlängst auch wieder der südafrikani- sche Zentralbankgouverneur Stals aufgehalten hat)? Trifft es zu, dass die Schweizer Grossbanken bereit sind, die ausste- henden Kredite vorbehaltlos zu erneuern? Ist der Bundesrat nicht auch der Ansicht, dass die Schweizer Grossbanken dem Ruf der Schweiz gegenüber der Weltöffentlichkeit und gegen- über der Mehrheit des südafrikanischen Volkes erneut gros- sen Schaden zufügen, wenn sie das finanzielle Ueberleben des Apartheidregimes ermöglichen?
Ist dem Bundesrat dieser Bericht bekannt? Wie beurteilt er die darin enthaltenen Feststellungen? Welche Konsequenzen zieht er aus den für die Schweiz unrühmlichen Schlussfolge- rungen dieser Institution der Vereinten Nationen?
Texte de l'interpellation du 6 octobre 1989
Je prie le Conseil fédéral de répondre aux questions suivan- tes:
En 1985, le régime de l'apartheid n'a pu échapper à l'effon- drement financier que grâce à une intervention décisive des grandes banques suisses et de M. Fritz Leutwiler (ancien président de la Banque nationale): en effet, de grandes ban- ques américaines s'étaient refusées à renouveler leurs crédits. L'accord de rééchelonnement des dettes conclu en cette cir- constance échéant à fin juin 1990, l'avenir financier du régime de l'apartheid dépendra à nouveau de façon prépondérante de l'attitude de la Suisse. Est-il exact que les négociations décisives du comité technique des banques créancières se dérouleront à nouveau à Zurich (ville où a récemment séjourné, une nouvelle fois, le gouverneur de la Banque cen- trale sud-africaine, M. Stals)? Est-il exact que les grandes ban- ques suisses sont prêtes à renouveler sans réserves les crédits échus? Le Conseil fédéral n'est-il pas d'avis que les grandes banques causeraient un tort considérable au renom de la Suisse auprès de l'opinion publique mondiale et de la majorité du peuple sud-africain en permettant la survie finan- cière du régime de l'apartheid?
Un rapport récent du Conseil économique et social des Na- tions Unies confirme le rôle prépondérant joué par les grandes banques suisses dans la survie financière du régime de l'apar- theid. Les crédits suisses ont notamment servi de ballon d'oxy- gène dans des situations critiques. Les crédits non pris en compte par les statistiques (prêts en or, etc.) ont revêtu une importance particulière. Le rapport fait état de crédits de l'or- dre de plus de deux milliards de dollars depuis mi - 1985, ce qui dément catégoriquement le caractère plutôt retenu de la politique financière, attesté par la statistique des crédits.
Le Conseil fédéral a-t-il connaissance de ce rapport? Com- ment apprécie-t-il les constatations qu'il renferme? Quelles conséquences tire-t-il des conclusions peu favorables à la Suisse auxquelles parvient cette institution des Nations Unies?
N
15 décembre 1989
2258
Interpellation Salvioni
Mitunterzeichner - Cosignataires: Aguet, Ammann, Bäumlin Richard, Bäumlin Ursula, Béguelin, Bircher, Braunschweig, Brügger, Bundi, Carobbio, Danuser, Eggenberg-Thun, Euler, Fankhauser, Hafner Ursula, Hubacher, Jeanprêtre, Lederger- ber, Leuenberger-Solothurn, Leuenberger Moritz, Mauch Ur- sula, Morf, Neukomm, Ott, Pitteloud, Reimann Fritz, Stappung, Ulrich
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Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 27. November 1989 Rapport écrit du Conseil fédéral du 27 novembre 1989
Der Bundesrat hat von den Verhandlungen Kenntnis genom- men, die vor kurzem bezüglich eines Teils der nach dem 30. Juni 1990 zum Verfall gelangenden südafrikanischen Bank- schuld stattgefunden haben. Nachdem mehrere Zusammen- künfte an verschiedenen Orten, u. a. in Zürich, stattgefunden haben, ist diesbezüglich im vergangenen Monat zwischen der Republik Südafrika und den 330 Gläubigerbanken eine Ueber- einkunft in Kraft getreten. Die letztgenannten waren durch ein technisches Komitee vertreten, das 14 Banken umfasste, wo- von drei schweizerische Institute. Der Bundesrat erinnert in diesem Zusammenhang daran, dass die Regierungen der Gläubigerländer an den Verhandlungen, die allein in die Zu- ständigkeit der privaten Geldgeber fallen, nicht teilgenommen haben. Immerhin darf der Bundesrat annehmen, dass die Schweizer Banken, wenngleich sie sich für ihre rechtmässigen Interessen einsetzten, das allgemeine politische Umfeld bei diesen Verhandlungen berücksichtigt haben. Jedenfalls sind sie namentlich auf die Bedenken aufmerksam gemacht wor- den, die gewisse ausländische Regierungen gegenüber dem eidgenössichen Departement für auswärtige Angelegenhei- ten geäussert haben.
Der Bundesrat ist über den Bericht des Uno-Zentrums für mul- tinationale Gesellschaften über die Rolle der international täti- gen Banken in Südafrika informiert worden. Dieser Bericht ent- hält zahlreiche Aussagen, zu denen der Bundesrat nicht Stel- lung zu nehmen vermag, einerseits wegen des offiziösen Cha- rakters einiger darin zitierter Informationsquellen, und ande- rerseits weil keine anerkannte statistische Grundlage vorliegt. Im Anschluss an seine Erklärung vom 22. September 1986 hat der Bundesrat ein Organ zur Ueberwachung unserer Wirt- schaftsbeziehungen zur Republik Südafrika eingesetzt, um zu verhindern, dass das Gebiet der Schweiz dazu missbraucht wird, die Sanktionen von Drittstaaten zu umgehen. Das Ueber- wachungsorgan hat bisher keine Verletzung der Nicht- Umgehungsregel durch unsere Banken feststellen können. Zudem ist das Engagement der Schweizer Banken in Süd- afrika seit 1985 deutlich rückläufig, und zwar sowohl bezüglich der Gewährung neuer Kredite wie des absoluten Betrages der ausstehenden Guthaben. Der seit dem Jahre 1974 für den be- willigungspflichtigen Kapitalexport nach Südafrika geltende Plafond, der zurzeit 300 Millionen Franken pro Jahr beträgt, ist seit 1985 bei weitem nicht mehr ausgeschöpft worden.
Die schweizerischen Behörden haben in der Vergangenheit oftmals bei der Regierung Südafrikas für die Beachtung der Menschenrechte und zugunsten von zum Tode Verurteilten in- terveniert; so beispielsweise, als es darum ging, die Begnadi- gung der «Sharpeville Six» zu erwirken, deren Urteil schliess- lich in lebenslängliche Haft umgewandelt wurde.
Die letzte derartige Intervention erfolgte am 4. Oktober 1989, als die schweizerischen Behörden die Regierung Südafrikas dazu aufriefen, alle vorhandenen gesetzlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die Todesstrafe nicht anwenden zu müs- sen; dies insbesondere für Personengruppen, welche man- gels präziser Beweise angeklagt werden, gemeinsam eine
strafbare Handlung ausgeführt zu haben. Die schweizeri- schen Behörden haben ebenfalls ihrer Ueberzeugung Aus- druck verliehen, dass die Hinrichtung politischer Gefangener die sozialen Spannungen - verursacht durch die Apartheid- politik - nur verschärfen und zusätzliche Hindernisse für einen Dialog schaffen würde.
Ausserdem bezweckt das in der Folge der «Erklärung des Bundesrates vom 22. September 1986 über die Beziehungen der Schweiz mit Südafrika» in die Wege geleitete «Programm der positiven Massnahmen», unter anderem Aktionen zugun- sten der Menschenrechte in Südafrika zu fördern. Auf diese Art wurden von Juni 1988 bis Juli 1989 sieben private Menschen- rechtsorganisationen mit einem Betrag von insgesamt 542 000 Franken unterstützt. Gerade eine der angebotenen Hilfsformen hat zum Ziel, in erster Instanz zum Tode Verurteil- ten zu gestatten, alle Rekursmöglichkeiten auszuschöpfen.
Le président: L'interpellateur n'est que partiellement satisfait de la réponse du Conseil fédéral.
88.469
Interpellation Salvioni Nationales Rechenzentrum im Tessin
Interpellanza Salvioni Centro nazionale di calcolo in Ticino Interpellation Salvioni Centre national de calcul au Tessin
Wortlaut der Interpellation vom 13. Juni 1988
Die Eidgenössischen Technischen Hochschulen von Lau- sanne und Zürich verfügen zur Zeit über sehr leistungsfähige Elektronenrechner des Typs Cray. Der Bundesrat hat die Ab- sicht, ein nationales Zentrum für superschnelle Hochleistung zu schaffen. Sowohl in Zürich als auch in Lausanne ist es schwierig, angesichts der sehr grossen Konkurrenz der Privat- industrie entsprechend ausgebildetes Personal zu finden.
Ich frage den Bundesrat, ob er das erwähnte nationale Re- chenzentrum nicht im Tessin einrichten will. Die Hochlei- stungscomputer müssen sich nicht unbedingt in der unmittel- baren Umgebung der Universitätszentren befinden: Eine An- siedlung des Zentrums im Tessin hätte übrigens den Vorteil, dass man - falls sich auf dem schweizerischen Markt nicht ge- nügend Spezialisten finden liessen - auch zum italienischen Markt Zuflucht nehmen könnte. Ein solches Zentrum könnte eine erste konkrete Verbindung des Kantons Tessin mit der schweizerischen Universitätswelt, insbesondere den Eidge- nössischen Technischen Hochschulen, darstellen.
Testo dell'interpellanza del 13 giugno 1988
I politecnici di Losanna e di Zurigo sono dotati attualmente di elaboratori elettronici di alta prestazione del modello Cray. E' intenzione del Consiglio federale di creare un centro nazio- nale di elaboratori e calcolatori di altissime prestazioni super- veloci. Tanto a Zurigo come a Losanna è difficile reclutare per- sonale con la dovuta formazione, vista la concorrenza enorme dell'industria privata.
Chiedo se il Consiglio federale non intenda situare il centro na- zionale per calcolatori ed elaboratori ad alte prestazioni nel Cantone Ticino. I vantaggi sono evidenti. Questi apparecchi non debbono essere situati necessariamente nelle immediate vicinanze dei centri universitari: d'altro canto ubicando il cen- tro in Ticino, qualora non si trovassero sufficienti specialisti sul mercato svizzero, si potrebbe far capo anche al mercato ita- liano. Un centro di tale genere potrebbe rappresentare un primo concreto aggancio del Cantone Ticino con il mondo uni- versitario svizzero e specie con i politecnici federali.
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Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
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1989
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Band
V
Volume
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Wintersession
Session
Session d'hiver
Sessione
Sessione invernale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
15
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 89.685
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 15.12.1989 - 08:00
Date
Data
Seite
2257-2258
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Pagina
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20 018 128
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