N
1787
Interpellation der Fraktion der SVP
Abstimmung - Vote
Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
41 Stimmen 76 Stimmen
89.444
Interpellation der Fraktion der Schweizerischen Volkspartei Asylgewährung bei ausserordentlich grossem Zustrom von Asylbewerbern Interpellation du Groupe de l'Union démocratique du centre Afflux massif de réfugiés. Régime de l'asile
Wortlaut der Interpellation vom 5. Juni 1989
Gemäss Delegiertem für das Flüchtlingswesen sind 1989 in den ersten vier Monaten 6191 neue Asylgesuche gestellt wor- den, was im Vergleich zu 1988 dreimal mehr ist. Der Delegierte für das Flüchtlingswesen rechnet für dieses Jahr mit 20 000 bis 25 000 neuen Asylgesuchen. Schon heute aber warten mehr als 30 000 Personen in unserem Land auf den Asylent- scheid. Die Schweiz hat nach Schweden den höchsten Pro- Kopf-Anteil an Asylbewerbern. Die Unterbringung dieser Per- sonen stellt die Kantone und Gemeinden vor unlösbare Pro- bleme und kreiert für alle Betroffenen unhaltbare Zustände. Der Fremdenhass wird geschürt.
1986 hat das Parlament Artikel 9 des Asylgesetzes dahinge- hend erweitert, dass er dem Bundesrat nicht nur in Zeiten des bewaffneten Konflikts, sondern auch in Friedenszeiten beson- dere Kompetenzen erteilt, wenn ein ausserordentlich grosser Zustrom von Gesuchstellern die Schweiz erreicht. Der Bun- desrat kann die erforderlichen Massnahmen treffen, die Vor- aussetzungen für die Asylgewährung und die Rechtsstellung der Flüchtlinge einschränkend regeln und besondere Verfah- rensbestimmungen aufstellen. Bei der Debatte dieser neuen Bestimmung wurde in den Räten darauf hingewiesen, dass die Zahl von 15 000 bis 20 000 Asylbewerbern zur Anwendung von Artikel 9 in Friedenszeiten nicht genügt. Heute gibt es aber, wie erwähnt, bedeutend mehr Asylbewerber in der Schweiz.
Wir fragen den Bundesrat deshalb an:
Ist es angesichts des herrschenden Zustroms an Asylbe- werbern nicht notwendig und an der Zeit, Artikel 9 des Asylge- setzes anzuwenden?
Wie begründet der Bundesrat eine allfällig ablehnende Hal- tung gegenüber der Anwendung von Artikel 9 des Asylgeset- zes zum jetzigen Zeitpunkt?
Wie gedenkt der Bundesrat die laufend steigende Zahl von Asylgesuchen kurzfristig in den Griff zu bekommen ohne An- wendung von Artikel 9 des Asylgesetzes?
Texte de l'interpellation du 5 juin 1989
Le délégué aux réfugiés a fait savoir que 6'191 demandes d'asile ont été présentées durant les quatre premiers mois de 1989, soit trois fois plus que durant la même période de 1988; il s'attend, pour cette année, à un nombre de nouvelles de- mandes d'asile compris entre 20 000 et 25 000. Or, plus de 30 000 personnes attendent déjà dans notre pays qu'il soit statué sur leur demande. Après la Suède, la Suisse compte le plus grand nombre de requérants d'asile par habitant. L'hébergement de ces personnes pose des problèmes insolu- bles aux cantons et communes et crée pour tous les in- téressés des conditions intenables. La xénophobie en est at- tisée.
En 1986, le Parlement a élargi le champ d'application de l'arti- cle 9 de la loi sur l'asile en conférant au Conseil fédéral des
compétences particulières en cas d'affluence extraordinaire de requérants d'asile, et ce non plus seulement en cas de con- flit armé mais également en temps de paix. Le Conseil fédéral peut arrêter les mesures nécessaires, régler d'une manière restrictive les conditions de l'octroi de l'asile et le statut des réfugiés et édicter des dispositions de procédure particulières. Lors des débats des Chambres relatifs à cette nouvelle dispo- sition, on a fait observer qu'un nombre de 15 000 à 20 000 requérants d'asile ne justifiait pas, en temps de paix, le recours à l'article 9. Mais comme indiqué, la Suisse abrite aujourd'hui un nombre sensiblement plus élevé de requérants d'asile.
Nous prions dès lors le Conseil fédéral de répondre aux ques- tions suivantes:
N'est-il pas nécessaire et opportun de recourir à l'article 9 sur l'asile, eu égard à l'affluence actuelle de requérants d'asile?
Comment le Conseil fédéral justifie-t-il un refus éventuel de recourir à l'article 9 de la loi sur l'asile?
Comment entend-il maîtriser la croissance persistante du nombre de demandes d'asile sans recourir à l'article 9 de la loi sur l'asile?
Sprecher - Porte-parole: Seiler Hanspeter
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die Urheber verzichten auf eine Begründung und wünschen eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 25. September 1989
Rapport écrit du Conseil fédéral du 25 septembre 1989
2./3. Die vom Gesetzgeber geschaffenen Möglichkeiten der ·Einschränkung der Rechtsstellung der Flüchtlinge und der Asylgewährung in Friedenszeiten dürfen internationale Ver- pflichtungen, wie sie die Schweiz mit der Unterzeichnung der Flüchtlingskonvention und der Europäischen Menschen- rechtskonvention eingegangen ist, nicht tangieren. Auch müs- sen sie sich im Rahmen unserer Bundesverfassung und ins- besondere von Artikel 4 BV bewegen (vgl. dazu Antwort des Bundesrates zur Interpellation Blocher vom 15. März 1989). Sie können damit nicht gleichgesetzt werden mit aufenthalts- beendenden Massnahmen. Um solche zu treffen, wäre in je- dem Einzelfall in einem Verfahren zu prüfen, ob die Wegwei- sung eines Ausländers mit dem Grundsatz der Nichtrück- schiebung und dem Verbot der unmenschlichen oder ernied- rigenden Behandlung vereinbar wäre. Damit ist aber ein Ver- fahren vorgezeichnet, in dem Anspruch auf rechtliches Gehör, auf Akteneinsicht und auf Begründung in einer individualisie- renden Begründung gewahrt bleiben. Auch muss ein Rechts- mittel zur Verfügung gestellt werden, das der Ueberprüfungs- instanz die volle Kognition zuerkennt und in dem der Asylsu-
N 6 octobre 1989
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Interpellation Hubacher
chende sich gegen die Verletzung des verfassungsmässigen Gebotes eines rechtsstaatlichen und gesetzesmässigen Ver- waltungshandelns zur Wehr setzen kann. Diese unvollstän- dige Liste der Rahmenbedingungen macht deutlich, dass in der heutigen Situation der Rückgriff allein auf Artikel 9 Asylge- setz es nicht erlaubt, die Vielzahl der eingereichten Gesuche innerhalb nützlicher Frist rechtskräftig abzuschliessen und die Entscheide zu vollziehen. Diese Zielsetzung muss mit perso- nellen Massnahmen im Verbund mit gesetzlichen Vorkehren, die gegebenenfalls auf dem Dringlichkeitsweg einzuführen sind, erreicht werden.
Der Bundesrat hat zu diesem Zweck am 13. September 1989 das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) beauftragt, eine Expertenkommission einzusetzen. Sie soll bis Ende Januar 1990 ein spezielles Asylverfahren entwickeln. Der Erlass soll mit dem Ziel einer wesentlichen Beschleuni- gung des Asylverfahrens nicht nur das Verfahren der ersten, sondern auch der zweiten Instanz neu regeln. Gleichzeitig be- schloss der Bundesrat, zur Bewältigung der neueingehenden Asylgesuche in zwei Etappen 175 neue Etatstellen im Asylbe- reich zu schaffen.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates teilweise befriedigt. Er beantragt Diskussion.
Abstimmung - Vote
Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
47 Stimmen 48 Stimmen
89.477
Interpellation Hubacher Beschwerdeentscheid gegen Basel (Gundeldinger-Quartier) Recours administratif. Décision à l'encontre du Gouvernement balois (quartier de Gundeldingen)
Wortlaut der Interpellation vom 12. Juni 1989
Am 26. April 1989 hat der Bundesrat über eine Verwaltungs- beschwerde entschieden, in der verkehrspolitische Massnah- men der Basler Regierung in der Dornacher- und der Gundel- dingerstrasse angefochten wurden.
Der Bundesrat musste seinen Entscheid über die Würdigung örtlicher Verhältnisse treffen, ohne dass ein einziges seiner Mitglieder persönlich an Ort und Stelle einen Augenschein vorgenommen hätte. Der Entscheid ist deshalb bei der an- wohnenden Bevölkerung auch sehr negativ, ja mit Entrüstung aufgenommen worden.
Ich frage deshalb den Bundesrat an:
Ist er nicht auch der Meinung, der zitierte Verordnungsent- scheid sei ein Musterbeispiel für eine Kompetenzordnung, die nicht mehr stimmt?
Hält es der Bundesrat für sinnvoll, die Fiktion eines Be- schwerdeverfahrens aufrecht zu erhalten, wenn am Ende eine Behörde den letzten Entscheid zu fällen hat, welche die zum Entscheid anstehenden örtlichen Verhältnisse weder kennen noch in Augenschein nehmen kann?
Ist der Bundesrat bereit, wenn ihm ein entsprechender An- trag gestellt wird, seinen Entscheid vom 26. April 1989 in Wie- dererwägung zu ziehen?
Texte de l'interpellation du 12 juin 1989
Le Conseil fédéral a tranché, le 26 avril 1989, sur un recours administratif par lequel des mesures prises par le gouverne- ment de Bâle-ville au sujet de la circulation dans les rues Dor- nacherstrasse et Gundeldingerstrasse avaient été attaquées.
Le Conseil fédéral a, en l'occurence, statué sur des questions de caractère purement local sans qu'aucun de ses membres ait inspecté les lieux. Aussi ne faut-il pas s'étonner si la déci- sion prise a provoqué le mécontentement, pour ne pas dire la colère, de la population.
Dans ces conditions, je demande au Conseil fédéral de répon- dre aux questions suivantes:
N'est-il pas également d'avis que la décision susmen- tionnée est le résultat d'une réglementation de compétence qui n'est plus guère valable?
Le Conseil fédéral estime-t-il judicieux de maintenir la fiction d'une procédure de recours dans laquelle la décision finale est prise par une autorité qui ne peut connaître la situation, ni inspecter les lieux?
Le Conseil fédéral est-il prêt à reconsidérer sa décision si on le lui demande?
Mitunterzeichner - Cosignataire: Keine - Aucun
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 18. September 1989 Rapport écrit du Conseil fédéral du 18 septembre 1989
Gegen Totalfahrverbote steht die staatsrechtliche Be- schwerde an das Bundesgericht zur Verfügung (Abs. 3). Der Grund liegt darin, dass die kantonale Behörde als Ausfluss ih- rer ursprünglichen Strassenhoheit den Verkehr auf Nicht- durchgangsstrassen vollständig untersagen oder zeitlich be- schränken kann. Es kommt also kantonales Recht zur An- wendung. Als einziges eidgenössisches Rechtsmittel ist daher richtigerweise die staatsrechtliche Beschwerde wegen Verlet- zung verfassungsmässiger Rechte der Bürger gegeben.
Lässt demgegenüber der Kanton auf Nichtdurchgangsstras- sen den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr grundsätzlich zu, so sind nur noch andere Beschränkungen und Anordnungen nach Artikel 3 Absatz 4 SVG erlaubt; denn es greift dann die dem Bund übertragene polizeiliche Verkehrsordnung Platz. Die Beschwerde an den Bundesrat stellt in diesem Fall die richtige und einheitliche Durchsetzung von Bundesverwal- tungsrecht sicher.
Mit der Beschwerde an den Bundesrat kann nicht bloss eine Verletzung von Bundesverkehrsrecht, namentlich Artikel 3 Ab- satz 4 SVG, sondern auch von Verfassungsbestimmungen geltend gemacht werden, und insoweit übernimmt dieses Rechtsmittel die Funktion der staatsrechtlichen Beschwerde. Würde der Bundesrat als ordentliche Beschwerdeinstanz aus- geschaltet, so bliebe den Betroffenen gegen Verkehrsmass- nahmen laut Artikel 3 Absatz 4 SVG die staatsrechtliche Be- schwerde offen, soweit sie Verfassungsrügen erheben (Will- kür, Missachtung des Gleichbehandlungsgebotes, des Ver- hältnismässigkeitsgrundsatzes, der Handels- und Gewerbe- freiheit usw.).
Die Interessenabwägung über örtliche Verkehrsregelungen haben in erster Linie die am Geschehen näher stehenden Be- hörden vorzunehmen. Der Bundesrat trägt diesem Gedanken denn auch Rechnung, indem er in seiner Praxis den zuständi- gen kantonalen Instanzen einen weiten Beurteilungsspiel- raum zugesteht und nur eingreift, wo eine Ueberschreitung oder ein Missbrauch des Ermessens vorliegt. Es ist indessen nicht zu verkennen, dass Artikel 3 Absatz 4 SVG eine Norm des Bundesverwaltungsrechts darstellt. Verkehrsbeschränkun- gen sind nur unter bestimmten sachlichen Voraussetzungen zulässig, namentlich aus Gründen des Umweltschutzes oder der Verkehrssicherheit. Es geht also nicht bloss um das Er- messen, sondern um die Auslegung unbestimmter Rechts- begriffe, mithin um eigentliche Rechtsfragen. Für die richtige Durchsetzung und einheitliche Anwendung von Bundesrecht hat eine eidgenössische Instanz zu sorgen, was nur auf einem ordentlichen bundesrechtlichen Rechtsmittelweg erfolgen kann. Das Aufsichtsrecht des Bundes vermag hier keinen gleichwertigen Ersatz zu bieten.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation der Fraktion der Schweizerischen Volkspartei Asylgewährung bei ausserordentlich grossem Zustrom von Asylbewerbern Interpellation du Groupe de l'Union démocratique du centre Afflux massif de réfugiés. Régime de l'asile
In
Dans
In
Jahr
1989
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Anno
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IV
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Volume
Session
Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
16
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 89.444
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Datum 06.10.1989 - 08:00
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1787-1788
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20 017 862
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