Interpellation Fetz
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89.471 Interpellation Fetz Staatsangehörigkeit der PalästinenserInnen Nationalité des Palestiniens
Wortlaut der Interpellation vom 8. Juni 1989
Die Universität Basel bzw. deren juristische Fakultät hat im Falle eines palästinensischen Studenten in den Urkunden zu den Vorexamen jeweils als Herkunft anstandslos Palästina ak- zeptiert. Auf Intervention von vermutlich privater, politisch in- teressierter Seite wurde in der Lizentiats-Urkunde als Heimat- staat nur noch Gazah zugelassen. Ein Gesuch des palästinen- sischen Lizentiaten, Palästina oder Palästinenser als Heimat bzw. Staatsangehörigkeit aufzunehmen, wurde nach Rück- sprache mit dem zuständigen eidgenössischen Departement abgelehnt. Die Autonomie der Universität Basel ist eine Sache, die Intervention des Politischen Departementes eine andere. Daraus ergeben sich folgende Fragen:
a. die PalästinenserInnen des Gazah-Streifens (Aegypten hat mit dem Camp David-Abkommen auf hoheitliche Rechte ver- zichtet);
b. die PalästinenserInnen der Westbank (Jordanien hat dieses Jahr sämtliche hoheitlichen Ansprüche definitiv aufgegeben); c. die eingebürtigen BewohnerInnen der (annektierten) Go- lanhöhen;
d. die im von Israel kontrollierten Sicherheitsstreifen im südli- chen Libanon lebenden PalästinenserInnen und LibanesIn- nen?
In welchen Fällen anerkennt die Schweiz eine palästinensi- sche Staatsangehörigkeit?
Anerkennt die Schweiz in diplomatischer und konsulari- scher Praxis die Existenz einer palästinensischen Volkszuge- hörigkeit? (Oder sind die BewohnerInnen der Westbank jetzt staatenlose ehemalige AegypterInnen? Die BewohnerInnen der (annektierten) Golanhöhen frischgebackene Israelis?)
Wie steht die diplomatische Schweiz zum Selbstbestim- mungsrecht des palästinensischen Volkes? Was leitet die Schweiz in ihrer diplomatischen und konsularischen Praxis daraus ab? Akzeptiert sie auf öffentlichen Urkunden die Volks- zugehörigkeit als Palästinenser bzw. Palästinenserin?
Die internationale Oeffentlichkeit ist mit Recht zutiefst er- schüttert über die tagtäglichen Menschenrechtsverletzungen im besetzten Palästina (Verwendung scharfer Munition gegen DemonstrantInnen, Verweigerung eines rechtsstaatlichen Ver- fahrens usw.). Ist der Bundesrat bei entsprechenden israeli- schen Behörden vorstellig geworden?
Ist der Bundesrat nicht der Meinung, dass in unserem Land das Recht auf Asyl auch den Bewohnern aus den palästinensi- schen Flüchtlingslagern, aus dem Gazah-Streifen und aus dem besetzten Westjordanland zusteht (Uebernahme eines festen Kontingents wie in Vietnam)?
Was hat der Bundesrat bzw. haben die Behörden des Bun- des an Schritten zur Verbesserung der humanitären Hilfe an die betroffene palästinensische Bevölkerung unternommen? 8. Gibt es Kontakte zum Palästinensischen Roten Halbmond; welcher Art sind diese?
Kann der Bundesrat nicht besonders darauf hinwirken, die seit langem geschlossenen Schulen wieder zu öffnen? Könnte die Schweiz nicht palästinensischen StudentInnen Lern- und Studiengänge offerieren an unseren Fach- und Hochschulen?
Texte de l'interpellation du 8 juin 1989
L'Université de Bâle, en l'occurence sa Faculté de droit, a ac- cueilli sans objection un étudiant indiquant sa nationalité comme palestinienne dans les documents relatifs aux exa- mens propedeutiques. Suite à une intervention vraisemblable-
ment motivée par des considérations politiques, le diplôme de licence n'indiquait plus comme pays d'origine que le territoire de Gaza. L'intéressé ayant demandé que l'on indique la Pales- tine comme pays d'origine, sa requête a été rejetée après con- sultation du département fédéral compétent. L'autonomie de l'université est une chose, l'intervention d'un département fédéral en est une autre.
D'où les questions suivantes:
c. des habitants de la zone annexée des hauteurs du Golan qui sont nés dans cette zone?
d. des Palestiniens et Libanais dans la zone de sécurité du Sud-Liban sous contrôle israélien?
Dans quels cas la Suisse reconnaît-elle une citoyenneté pa- lestinienne?
Notre pays reconnaît-il l'existence d'une appartenance au peuple palestinien dans sa pratique diplomatique et consu- laire? (Ou considère-t-on que les habitants de Cisjordanie et de Gaza sont apatrides, respectivement anciens citoyens jor- daniens et égyptiens, et que les résidents du Golan sont de «nouveaux» Israéliens?)
Quelle est la doctrine diplomatique suisse quant au droit d'autodétermination du peuple palestinien? Quelles déduc- tions en tire la Suisse pour sa pratique diplomatique et consu- laire? Accepte-t-elle l'indication, sur les documents officiels, de l'appartenance au peuple palestinien?
L'opinion mondiale est à juste titre profondément choquée par les violations quotidiennes des droits fondamentaux en Palestine occupée: emploi de munitions de guerre contre des manifestants, détention de milliers d'internés administratifs dans des baraquements rappelant les camps de concentra- tion, démolition des habitations de manifestants pour la plu- part mineurs, absence de procédure légale, etc. Le Conseil fédéral est-il intervenu à ce sujet auprès des autorités israélien- nes?
Le Conseil fédéral n'est-il pas d'avis que notre pays devrait accorder le droit d'asile aux habitants des camps de réfugiés palestiniens provenant des territoires occupés (sous forme d'accueil d'un contingent déterminé, comme pour le Viet- nam)?
Qu'ont fait le gouvernement ou les autorités fédérales pour intensifier l'aide humanitaire aux populations palestiniennes touchées?
A-t-on engagé des contacts avec le Croissant Rouge pales- tinien et si oui sous quelle forme?
Le Conseil fédéral ne peut-il oeuvrer pour faire rouvrir les écoles palestiniennes fermées depuis longtemps? Notre pays ne pourrait-il pas accueillir des étudiants palestiniens dans nos écoles professionnelles et nos universités?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Herczog, Leutenegger Oberholzer (2)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Die Interpellantin verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 6. September 1989
Rapport écrit du Conseil fédéral du 6 septembre 1989
Einleitend gilt es zum Ausgangspunkt der Interpellation festzu- halten, dass eine Lizentiats-Urkunde ein Dokument ist, das bloss verwaltungstechnischen Charakter hat und die Anga- ben darin keine Aussagekraft betreffend Anerkennung oder Nichtanerkennung eines Staates haben. Wenn der Heimatort des Lizentiaten in den von Israel besetzten Gebieten liegt, so ist die Angabe des Ortes mit dem Vermerk «von Israel besetz- tes Gebiet» völkerrechtlich korrekt. Da es sich aber um eine Ur- kunde handelt, die lediglich verwaltungstechnische Bedeu- tung hat, ist auch die Angabe des Ortes ohne weiteren Hinweis
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Interpellation Fäh
möglich. Es erscheint verständlich, dass die Universität Basel von einem Vermerk «Palästina» abgesehen hat: bekanntlich anerkennt die Schweiz Palästina als Staat nicht, und die Frage, ob das Gebilde «Palästina» die Elemente eines Staates auf- weist, bleibt in der Völkergemeinschaft weiterhin umstritten. Das Departement für auswärtige Angelegenheiten «interve- nierte» anlässlich der Bereitstellung der Urkunde durch die Universität Basel nicht, sondern beantwortete lediglich im Rahmen seiner Tätigkeit eine diesbezügliche Anfrage der Uni- versität.
Es ist das jeweilige nationale Recht, welches grundsätzlich die Staatsangehörigkeit bestimmt. Die Staaten kennen ver- schiedene Arten des Erwerbs oder des Verlusts des Bürger- rechts. In den meisten Fällen wird die Staatsangehörigkeit durch Abstammung (wobei der Geburtsort massgeblich sein kann) oder Einbürgerung erworben. Aus diesen allgemeinen Ueberlegungen ergibt sich, dass eine pauschale Zuteilung zu einer bestimmten Staatsangehörigkeit vorwiegend nach Massgabe des Wohnsitzes, wie es die Interpellantin in ihrer Fragestellung tut, kaum den heute in den besetzten Gebieten herrschenden Verhältnissen entsprechen dürfte. Jedenfalls gilt es festzuhalten, dass die Schweiz die Annektierung der Golanhöhen und von Ost-Jerusalem durch Israel nicht aner- kennt und folglich ein Erwerb der israelischen Staatsangehö- rigkeit einzig aufgrund dieser Annektierung nach schweizeri- scher Auffassung nicht rechtmässig ist.
Da die Schweiz das Gebilde «Palästina» nicht als Staat aner- kennt, wird eine «palästinensische Staatsangehörigkeit» von ihr ebenfalls nicht anerkannt.
Gemäss ihrer Praxis anerkennt die Schweiz nur Staaten. Die Anerkennung einer Volkszugehörigkeit gibt es in der interna- tionalen Praxis kaum.
Der Bundesrat hat schon mehrmals betont, dass eine Lö- sung der Mittelostfrage notwendigerweise auf zwei zentrale Elemente Rücksicht nehmen muss, einerseits das Recht Is- raels auf Existenz und Sicherheit innerhalb international aner- kannter Grenzen, andererseits das Selbstbestimmungsrecht des palästinensischen Volkes.
Falls die Angabe einer «Volkszugehörigkeit» in einer öffentli- chen Urkunde verlangt wird, so wäre die Angabe «Palästinen- ser» ohne weiteres möglich. Dieser Fall dürfte indessen sehr selten vorkommen, stellen doch die meisten öffentlichen Ur- kunden auf den Heimatstaat ab.
Der Bundesrat brachte bei verschiedenen Gelegenheiten gegenüber der israelischen Regierung seine Missbilligung der Politik der Gewalt in den besetzten Gebieten zum Aus- druck. Er verurteilt die Administrativhaft und die Deportationen als grobe Verletzungen des humanitären Völkerrechts. Der Bundesrat ist der Auffassung, dass die Genfer Konventionen - und insbesondere die Vierte - in vollem Umfang anwendbar sind. Die israelische Politik der selektiven Anwendung von de- ren Bestimmungen ohne Anerkennung einer Rechtspflicht wird daher von der Schweiz zusammen mit praktisch allen Si- gnatarstaaten abgelehnt.
Die Frage einer Uebernahme eines Flüchtlingskontingen- tes aus den palästinensischen Flüchtlingslagern stellt sich im gegenwärtigen Zeitpunkt nicht, weil für deren Betreuung durch die UNRWA gesorgt wird. Ganz generell ist festzuhalten, dass eine Aufnahmeaktion nur in den Fällen erwogen wird, wo es keine besseren Alternativen gibt. Einer Lösung im regiona- len Rahmen, wie es sie im Falle der Palästinaflüchtlinge gibt, ist immer der Vorzug zu geben.
Die DEH unterstützt die UNRWA sowie eine Reihe von ande- ren Organisationen seit langem mit namhaften Beiträgen, die in den letzten Jahren noch erhöht worden sind. 1987 erreichte die humanitäre und Nahrungsmittelhilfe der Schweiz zugun- sten der Palästina-Flüchtlinge 8,96 Millionen, 1988 10,39 Mil- lionen Franken, und sie wird sich 1989 auf 11,04 Millionen Franken belaufen. Eine zusätzliche Unterstützung der durch die Intifada besonders stark betroffenen Palästinenser wird zur Zeit geprüft.
Kontakte zum palästinensischen Roten Halbmond sind Sa- che des SRK bzw. IKRK. Das SRK ist gegenwärtig mit dem pa- lästinensischen Roten Halbmond im Gespräch wegen eines Projektes, das von der DEH mitfinanziert werden kann.
Die Schweiz unterstützte im vergangenen Juni die Resolu- tion des Exekutivrates der Unesco, worin Israel eindringlich zur Wiedereröffnung sämtlicher Lehranstalten in den besetz- ten Gebieten aufgefordert wurde. Ab Ende Juli sind die Grund- und Sekundarschulen in der Westbank kontinuierlich geöffnet worden.
Das allgemeine Stipendienprogramm des Bundes steht theo- retisch auch palästinensischen Studenten offen, stösst aber an Grenzen der praktischen Durchführbarkeit (Sprachbar- riere, hohe Kosten). Aus diesem Grunde wurde ein Teil des 1989 auf 3,5 Millionen Franken erhöhten Barbeitrags, nämlich 300 000 Franken, für das Stipendienprogramm der UNRWA zweckbestimmt. Dies erlaubt einen wesentlich wirkungsvolle- ren Einsatz unserer Mittel, als wenn wir die Studenten in der Schweiz ausbilden lassen würden.
Präsident: Die Interpellantin ist von der Antwort des Bundes- rates teilweise befriedigt.
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Interpellation Fäh Schutz der Regenwälder Protection de la forêt tropicale
Wortlaut der Interpellation vom 21. Juni 1989
Riesige Brandrodungen bedrohen die Regenwälder. Beson- ders besorgniserregend ist die Lage im Amazonasgebiet. Wenn nichts zum Schutz der Regenwälder unternommen wird, nehmen wir eine ökologische Katastrophe in Kauf. Ich frage daher den Bundesrat;
Wie beurteilt der Bundesrat die Lage bezüglich Regenwäl- der im allgemeinen und in Brasilien im speziellen?
Welche schweizerischen Massnahmen zum Schutz des brasilianischen Regenwaldes bestehen grundsätzlich? Wel- che davon sind bereits eingeleitet oder geplant?
Texte de l'interpellation du 21 juin 1989
La forêt tropicale est menacée par de gigantesques défriche- ments par le feu; la situation en Amazonie est donc particuliè- rement préoccupante. En effet, il faut s'attendre à une catastro- phe écologique si rien n'est fait pour protéger les forêts tropi- cales.
C'est pourquoi je pose au Conseil fédéral les questions sui- vantes:
Quel est le jugement du Conseil fédéral au sujet des forêts tropicales en général, et du Brésil en particulier?
La Suisse a-t-elle mis au point des mesures pour protéger la forêt tropicale brésilienne? Lesquelles d'entre elles sont- elles prévues, ou en voie de réalisation?
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 13. September 1989
Rapport écrit du Conseil fédéral du 13 septembre 1989
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Fetz Staatsangehörigkeit der Palästinenserinnen Interpellation Fetz Nationalité des Palestiniens
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In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1989
Année
Anno
Band
IV
Volume
Volume
Session
Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
16
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 89.471
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
06.10.1989 - 08:00
Date
Data
Seite
1741-1742
Page
Pagina
Ref. No
20 017 824
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