N 23 juin 1989
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Interpellation Rychen
versteift sich im Gespräch dann sogar zur Aussage, dass das «Nicaragua-Problem» gelöst wäre, wenn der Kongress nicht immer wieder die von Präsident Reagan geforderte Rüstungs- hilfe für die Contra-Söldner verweigert hätte. Ueberdies habe er den Amerikanern im Staatsdepartement zugestehen müs- sen, dass es sich bei den in Nicaragua von Contra-Söldnern ermordeten Schweizer Entwicklungshelfern «schon um links engagierte Leute» handle.
Diese Aeusserungen können nicht mehr toleriert werden, dies um so weniger, als sie vom Schweizer Botschafter in den USA und vom neuen Spitzenbeamten des EDA stammen.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 13. März 1989
Rapport écrit du Conseil fédéral du 13 mars 1989
Botschafter Jacobi war während fünf Jahren Chef der schwei- zerischen Vertretung in Washington. Als solcher hatte er ge- genüber der amerikanischen Regierung unter Präsident Rea- gan den Standpunkt des Bundesrates in allen bilateral und weltpolitisch relevanten Fragen zu vertreten; dies insbeson- dere auch in Fällen, in denen die schweizerische Haltung von jener der Reagan-Administration abwich. Diese Wahrung schweizerischer Interessen im weitesten Sinne hat Botschaf- ter Jacobi im Rahmen seiner Mission in Washington zur vollen Zufriedenheit des Bundesrates durchgeführt.
Bei den in der Interpellation angesprochenen Themenkreisen Ost-West-Problematik, Menschenrechte und Nicaragua hat Botschafter Jacobi bei den amerikanischen Behörden ver- schiedentlich Interventionen und erläuternde Demarchen vor- genommen.
Der Artikel, auf den sich die Interpellation bezieht, ist nicht das Ergebnis eines formellen Interviews, sondern eines längeren Gesprächs, das Botschafter Jacobi mit einer Gruppe von Kor- respondenten schweizerischer Tageszeitungen vor seiner Ab- reise in Washington führte. In diesem Gespräch zog Botschaf- ter Jacobi am Ende seiner mehrjährigen Tätigkeit in den USA Bilanz und äusserte sich dabei auch zu der ungefähr gleich- zeitig zu Ende gehenden Amtszeit von Präsident Reagan. Er gab dabei über die von der amerikanischen Regierung ver- folgte Politik Ansichten wieder, die nicht zuletzt in den USA weitverbreitet sind. Sollten diese «Aeusserungen» Botschafter Jacobis als offizielle Haltung des Bundesrates oder als per- sönliche Meinungsäusserung missverstanden worden sein, wäre dies zu bedauern.
Was die Ost-West-Problematik anbelangt, so ist der Bundesrat der Ansicht, dass die Politik Reagans - wie auch jene des so- wjetischen Staats- und Parteichefs Gorbatschow - wesentlich zum heutigen Entspannungsprozess im Ost-West-Verhältnis beigetragen hat.
Was die Zentralamerika-Politik anbelangt, hat der Bundesrat wiederholt und unmissverständlich jegliche Anwendung von Gewalt deutlich verurteilt und eine Respektierung der Men- schenrechte verlangt. Er hat seinerzeit auch vom Urteil des In- ternationalen Gerichtshofes in Sachen Nicaragua gegen Ver- einigte Staaten von Amerika Kenntnis genommen. Der Bun- desrat hat in diesem Zusammenhang stets die Beachtung völ- kerrechtlicher Regeln, wie die Respektierung der Souveränität und der territorialen Integrität der Staaten, die Nichteinmi- schung in die inneren Angelegenheiten eines Staates und das Selbstbestimmungsrecht der Völker gefordert und deshalb jegliche Anstrengungen zu einer friedlichen und gerechten Regelung in Zentralamerika vorbehaltslos unterstützt.
Die Ermordung schweizerischer Entwicklungshelfer in Nicara- gua im Jahre 1986 gab Anlass zu Stellungnahmen des Bun- desrates insbesondere auf diverse parlamentarische Vor- stösse. Bei der Beantwortung der Einfachen Anfragen Pitte- loud und Günter am 9. Juni 1986 hatte der Bundesrat ange- kündigt, dass er aufgrund der engen Bande zwischen Contras und der amerikanischen Regierung die Botschaft in Washing- ton beauftragt habe, bei den amerikanischen Behörden zu in- tervenieren. Diese Demarche wurde von Botschafter Jacobi vorgenommen. Politische Ueberzeugungen von Schweizer Entwicklungshelfern in Nicaragua waren in keinem Zeitpunkt massgegend für den schweizerischen Standpunkt. Bekannt- lich unterstützt die Schweiz Nicaragua direkt mit eigenen Pro-
jekten sowie indirekt durch eine finanzielle Beteiligung an Pro- jekten privater schweizerischer Hilfswerke (1988 betrug der gesamte Aufwand rund 5 Millionen Franken).
Der Bundesrat ist überzeugt, dass Staatssekretär Jacobi in seiner neuen Funktion die Aussenpolitik des Bundesrates wei- terhin mit Kompetenz, Sachkenntnis und Engagement vertre- ten wird.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates nicht befriedigt.
89.339
Interpellation Rychen Mordbefehl des Irans gegen Salman Rushdie Affaire Salman Rushdie. Appel au meurtre des autorités iraniennes
Wortlaut der Interpellation vom 1. März 1989
Auf den Mordbefehl Khomeinys gegenüber dem britischen Staatsangehörigen und Autoren des Buches «The Satanic Ver- ses», Salman Rushdie, reagierten die 12 Regierungen der Eu- ropäischen Gemeinschaft unter anderem mit der Abberufung ihrer Botschafter und Geschäftsführer aus Teheran. Der Bun- desrat und das EDA brachten gegenüber Iran das Bedauern der Schweiz zum Ausdruck. Es wurde jedoch auf den Rückruf des schweizerischen Botschafters in Teheran mit der Begrün- dung verzichtet, dies wäre eine wenig geeignete diplomati- sche Massnahme. Zudem wurde darauf hingewiesen, dass die Schweiz in Iran nicht nur ihre nationalen Interessen, son- dern als Mandatsmacht auch jene der USA und Südafrikas vertrete.
Der Bundesrat wird in diesem Zusammenhang gebeten, fol- gende Fragen zu beantworten:
Teilt der Bundesrat die Meinung, dass es sich beim Appell zur Ermordung Rushdies um eine absolut untragbare Veriet- zung gegen die Grundregeln, die zwischen souveränen Staa- ten herrschen, handelt? Betrachtet der Bundesrat den Mord- aufruf ebenfalls als gravierenden Anschlag auf die Meinungs- und Pressefreiheit?
Ist der Bundesrat bereit, auch in nächster Zukunft alle bilate- ralen und multilateralen Beziehungen zu nutzen, um die irani- sche Führung zum Widerruf ihres Mordbefehls gegen Rushdie zu bewegen?
Welche Auswirkungen soll und kann der iranische Verstoss gegen die Menschenrechte auf die Beziehungen Schweiz-Iran haben?
Wird die schweizerische Politik der Guten Dienste durch die aktuelle Situation beeinflusst?
Texte de l'interpellation du 1er mars 1989
Après l'appel au meurtre lance par Khomeiny contre Salman Rushdie, citoyen britannique et auteur du livre «Les Versets sa- taniques», les 12 gouvernements de la Communauté euro- péenne ont réagi notamment en rappelant leurs ambassa- deurs et chargés d'affaires à Téhéran. Le Conseil fédéral et le DFAE ont, quant à eux, exprimé la désapprobation de la Suisse à l'égard de l'attitude de l'Iran. Le gouvernement a tou- tefois renoncé à rappeler l'ambassadeur de Suisse à Téhéran en arguant que ce serait une mesure diplomatique peu appro- priée. Il a en outre rappelé que la Suisse ne représentait pas seulement ses propres intérêts en Iran, mais qu'elle s'était vu confier aussi ceux des Etats-Unis et de l'Afrique du Sud.
A ce sujet, je prie le Conseil fédéral de bien vouloir répondre aux questions suivantes:
Interpellation Aubry
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Juni 1989 N
N'estime-t-il pas lui aussi que l'appel au meurtre lancé par Khomeiny constitue une violation absolument inadmissible des règles fondamentales qui régissent les relations entre des Etats souverains? Considère-t-il également que cet appel au meurtre est une atteinte des plus graves à la liberté de presse et d'opinion?
Le Conseil fédéral est-il prêt, dans l'immédiat, à employer toutes ses relations bilatérales et multilatérales, pour amener les autorités iraniennes à retirer leur appel au meurtre?
Quels effets la violation des droits de l'homme par l'Iran doit-elle et peut-elle avoir sur les relations entre la Suisse et l'Iran?
La situation actuelle influencera-t-elle la politique suisse des bons offices?
Mitunterzeichner - Cosignataire: Keine - Aucun
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 24. Mai 1989
Rapport écrit du Conseil fédéral du 24 mai 1989
Der Aufruf zur Tötung, wie ihn im letzten Februar der iranische Führer Ayatollah Khomeiny gegen den Schriftsteller Salman Rushdie erlassen hat, stellt eine schwere Verletzung von Re- geln des Völkerrechts und der Souveränität eines anderen Staates dar. Dieser Aufruf ist zudem als ein Angriff auf die Mei- nungsfreiheit anzusehen. Der Bundesrat hat, wie er im Natio- nalrat am 13. März ausführte, mit aller Schärfe und mehrere Male bei den iranischen Behörden gegen diese schwere Ver- letzung elementarer Regeln protestiert. Gleichzeitig sah er aber - im Gegensatz zu anderen westlichen Staaten - davon ab, seinen Botschafter aus Teheran zurückzurufen. Die mei- sten der damals zurückgerufenen Botschafter befinden sich im übrigen wieder in Teheran.
In der Tat, ohne einen Rückruf gänzlich ausgeschlossen zu haben, hielt es der Bundesrat nicht für angezeigt, in diesem Fall von seiner langjährigen Praxis abzuweichen. Die bundes- rätliche Praxis beruht auf der Ueberzeugung, dass in einem Konflikt alle zu Gebote stehenden diplomatischen Instru- mente eingesetzt werden müssen, um den fraglichen Konflikt aus der Welt zu schaffen. Um dies tun zu können, ist auch der Einsatz unseres Botschafters am Ort von grosser Wichtigkeit. Der Bundesrat war in der vorliegenden Angelegenheit der Ueberzeugung, ein Abbruch des Dialogs müsse vermieden werden.
Abgesehen von unserer grundsätzlichen Ueberlegung zur An- wesenheit unseres Botschafters bestimmten andere aussen- politische Interessen den Entscheid des Bundesrates. Dazu gehören u. a. auch die Guten Dienste, welche die Schweiz im Rahmen der Interessenvertretung für die USA und Südafrika in Teheran erfüllt.
Der Bundesrat wird die Entwicklung dieser Angelegenheit be- obachten. Ganz allgemein schenkt er weiterhin Fragen in Zu- sammenhang mit Menschenrechtsverletzungen seine volle Aufmerksamkeit, und er appelliert auch in Zukunft, falls erfor- derlich, jeweils an die betreffenden Staaten, die Prinzipien der Menschenrechte zu achten. Für den Bundesrat stellt dieser Einsatz für die Respektierung der Menschenrechte einen wichtigen Bestandteil der schweizerischen Aussenpolitik dar.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates befriedigt.
89.346
Interpellation Aubry Massnahmen zur Eindämmung der Asylantenflut Mesures propres à endiguer le flux des demandeurs d'asile
Wortlaut der Interpellation vom 1. März 1989
Jeden Monat ist festzustellen, dass die Zahl der Personen, die in der Schweiz um Asyl nachsuchen, zunimmt. Wie zu erfahren war, hat der Bundesrat mit den Regierungen Italiens und Oesterreichs Kontakt aufgenommen, damit für türkische Staatsangehörige und Tamilen, die in diese beiden Länder einreisen, jedoch die Schweiz als Reiseziel haben, die Visums- pflicht eingeführt wird. Eine solche Visumspflicht könnte den gegenwärtigen Asylantenstrom eindämmen, der unsere tradi- tionelle Asylpolitik ernsthaft in Frage stellt. Gleichzeitig führt die steigende Zahl der Asylbewerber dazu, dass den echten Flüchtlingen nicht mehr Asyl gewährt werden kann und bei der Bevölkerung Verwirrung hervorgerufen wird.
Wie weit sind die Verhandlungen des Bundesrates mit Italien und Oesterreich gediehen, und ab wann werden diese beiden Länder voraussichtlich ein Einreisevisum für Türken und Tami- len verlangen?
Texte de l'interpellation du 1er mars 1989
Chaque mois, on constate que le nombre de requérants aug- mente en Suisse. On sait que le Conseil fédéral a pris contact avec le Gouvernement italien ainsi qu'avec le Gouvernement autrichien afin que des visas soient exigés pour les ressortis- sants Turcs ou Tamouls arrivant dans ces deux pays, mais ayant comme destination finale la Suisse. Un tel visa empê- cherait le flux actuel des demandeurs d'asile qui créent vérita- blement un problème à notre politique traditionnelle d'asile. En même temps, le nombre qui va en augmentant ne permet plus de donner asile aux véritables réfugiés et il sème la confu- sion dans la population.
Où en sont les pourparlers du Conseil fédéral avec l'Italie et l'Autriche et quand peut-on envisager que ces deux pays exi- geront un visa d'entrée pour les Turcs et les Tamouls?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Berger, Cavadini, Couche- pin, Dubois, Frey Claude, Loeb, Martin, Perey, Petitpierre, Phili- pona, Rohrbasser, Savary-Vaud (12)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit L'auteur renonce au développement et demande une réponse écrite.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 31. Mai 1989
Rapport écrit du Conseil fédéral du 31 mai 1989
La Suisse s'est adressée plusieurs fois au gouvernement ita- lien pour l'inciter à introduire le visa pour les ressortissants turcs. L'Italie s'est déclarée en principe prête à le faire. Elle est en négociation avec les Etats du «Groupe de Schengen» (France, République fédérale d'Allemagne, Benelux) qui har- monisent, entre autres, leur politique de visas. Ce groupe exige l'obligation du visa pour les ressortissants turcs. Ces négociations n'ayant pas encore abouti, la date de l'introduc- tion du visa n'est toujours pas déterminée.
L'Autriche, également en pourparlers avec le Groupe de Schengen, renonce cependant à l'introduction du visa pour les ressortissants turcs, mais a l'intention d'intensifier ses contrôles à la frontière. Lors des contacts bilatéraux, la Suisse a mentionné plusieurs fois qu'elle souhaitait l'introduction du visa par l'Autriche vu l'afflux énorme de Turcs entrant illégale- ment en Suisse par la frontière autrichienne.
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Interpellation Rychen Mordbefehl des Irans gegen Salman Rushdie Interpellation Rychen Affaire Salman Rushdie. Appel au meurtre des autorités iraniennes
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Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
16
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 89.339
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Numero dell'oggetto
Datum
23.06.1989 - 08:00
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