N
627
Interpellation Zwygart
Präsident: Die Interpellantin ist von der Antwort des Bun- desrates befriedigt.
88.879
Interpellation Zwygart Menschenrechte in der Tschechoslowakei. Fall Navratil Droits de l'homme en Tchécoslovaquie. Affaire Navratil
Wortlaut der Interpellation vom 15. Dezember 1988 Nach wie vor sind in der Tschechoslowakei Bürger aus politischen Gründen eingekerkert oder in psychiatrischen Kliniken zwangseingewiesen. Eines dieser Opfer des Miss- brauchs der Psychiatrie aus politischen Gründen ist Augustin Navratil.
Der Eisenbahnangestellte Navratil hatte zusammen mit andern politische und religiöse Schriften verfasst. Er gehörte mit zu den Initianten einer Petition für Religionsfrei- heit in der Tschechoslowakei, die von gegen 600 000 Perso- nen unterzeichnet wurde. Er wurde schon mehrfach verur- teilt und in Kliniken eingewiesen, so auch in diesem Jahr. Navratil hatte um eine Untersuchung einer internationalen Aerztedelegation über seinen Gesundheitszustand gebeten. In einem Gutachten vertraten zwei Schweizer Aerzte die Meinung, dass bei Augustin Navratil «keine Zeichen einer psychischen Krankheit» vorhanden seien.
Die Gutachter waren zum Prozess zugelassen und bezeich- neten diesen als Farce.
Ich bitte den Bundesrat um Auskunft über die folgenden Fragen:
Ist dem Bundesrat der Fall Augustin Navratil bekannt? Was wurde von den Schweizer Behörden in diesem Fall unternommen, und was gedenken sie weiter zu unter- nehmen?
Was kann der Bundesrat veranlassen, um die Menschen- rechtsverletzungen in der Tschechoslowakei zu vermin- dern?
Texte de l'interpellation du 15 décembre 1988
En Tchécoslovaquie, et pour des raisons politiques, des citoyens sont encore emprisonnés ou hospitalisés de force en clinique psychiatrique. Augustin Navratil est l'une des victimes de l'utilisation abusive de la psychiatrie à des fins politiques.
Cet employé de chemins de fer est coauteur d'écrits politi- ques et religieux, ainsi que d'une pétition demandant la liberté de religion signée par près de 600 000 personnes. Il a été jugé et enfermé en clinique à plusieurs reprises, dont la dernière fois cette année. Il avait demandé que son état de santé soit examiné par une délégation médicale internatio- nale et dans leur rapport d'expertise, deux médecins suisses ont conclu à «l'absence de symptômes d'une maladie psy- chique» chez Augustin Navratil.
Les experts ont été autorisés à assister au procès qu'ils ont qualifié de farce.
Le 29 octobre 1988, Navratil a été hospitalisé de force à la clinique psychiatrique de Kromeriz.
Je prie le Conseil fédéral de répondre aux questions sui- vantes:
A-t-il connaissance du cas d'Augustin Navratil? Qu'ont entrepris les autorités suisses à ce propos, et qu'envisagent- elles d'entreprendre encore ?
Que peut entreprendre le Conseil fédéral en vue d'obtenir. une réduction du nombre de violations des droits de l'homme en Tchécoslovaquie?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Bäumlin Ursula, Biel, Bir- cher, Bonny, Bürgi, Büttiker, David, Diener, Dietrich, Dor- mann, Dünki, Fankhauser, Fischer-Sursee, Früh, Grendel- meier, Günter, Hänggi, Hari, Hess Peter, Jaeger, Keller, Loeb, Longet, Maeder, Meier-Glattfelden, Müller-Aargau, Müller-Meilen, Nabholz, Neuenschwander, Oester, Ott, Pac- colat, Portmann, Sager, Schmid, Schnider, Seiler Hanspeter, Seiler Rolf, Steffen, Stucky, Thür, Ulrich, Wanner, Weder- Basel, Wellauer, Widmer, Wiederkehr, Wyss Paul, Zbinden Hans, Zölch, Züger, Zwingli (52)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 13. Februar 1989
Rapport écrit du Conseil fédéral du 13 février 1989
Die erste Demarche wurde am 4. November 1988 durch den Chef der schweizerischen Delegation am KSZE-Folgetreffen in Wien unternommen; im Aide-Mémoire, welches dem Chef der tschechoslowakischen Delegation übergeben wurde, haben die Schweizer Behörden ersucht, die ergriffene Mass- nahme ohne Verzug rückgängig zu machen, da sie die Internierung als ungerechtfertigt und gegen den Buchsta- ben und Geist der humanitären Bestimmungen der KSZE betrachteten. Im weiteren sei erwähnt, dass eine Petition zugunsten von Herrn Navratil, die von 42 Schweizer Parla- mentariern unterzeichnet worden war, am 5. Januar 1989 durch den Chef der obenerwähnten Delegation seinem tschechoslowakischen Kollegen übergeben wurde.
In einer zweiten Demarche beim Ministerium für auswärtige Angelegenheiten hat unser Botschafter in Prag am 12. Januar 1989 erneut die Missbilligung der Schweizer Behör- den zu diesem Fall geäussert. Die tschechoslowakischen Behörden gaben bekannt, dass sich der Fall in Revision befände und Herr Navratil durch weitere Aerzte erneut unter- sucht werde. Es sei auch erwähnt, dass aufgrund verschie- dener Demarchen, einschliesslich jener der Schweiz, Herr Navratil die Weihnachtstage bei seiner Familie verbringen konnte.
Der Bundesrat behält sich vor, erneut zugunsten von Herrn Navratil zu intervenieren, falls die Angelegenheit keinen befriedigenden Ausgang nimmt.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates befriedigt.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Zwygart Menschenrechte in der Tschechoslowakei. Fall Navratil Interpellation Zwygart Droits de l'homme en Tchécoslovaquie. Affaire Navratil
In
Dans
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1989
Année
Anno
Band
II
Volume
Volume
Session
Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
17
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 88.879
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 17.03.1989 - 08:00
Date
Data
Seite
627-627
Page
Pagina
Ref. No
20 017 309
Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.