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dass es für die Umwelt viel bedeutet, wenn man den Schwe- felgehalt im Heizöl senkt. Aber hier steht die Leistungsfähig- keit der Anlage Cressier an, die die schweizerischen Normen nicht mehr erfüllen kann. Darauf versucht man doch Rück- sicht zu nehmen! Das ist aber eine falsche Rücksicht. Wir müssen schauen, dass diese Anlage die neuesten Normen erfüllen kann. Es wäre auch für das weite Umfeld der Anlage, in Neuenburg und Bern, eine Wohltat, wenn sie auf den allerneusten Standard gebracht werden könnte.
Bundesrat Cotti: Es kann sich tatsächlich in anderthalb Jahren - so alt ist Ihr Vorstoss, Herr Jaeger - einiges ereig- nen. Sie können Ihre Meinung über den Bundesrat wohlwol- lend verbessern, und der Bundesrat kann auch Fortschritte machen. So z. B. bei dieser Frage des Schwefelgehaltes bei Heizölen. Wir sind nach wie vor der Auffassung, dass eine Massnahme, die total verbindlich ist, vorderhand nicht in Frage kommen kann. Aber Ihnen ist wahrscheinlich entgan- gen, Herr Jaeger, dass der Bundesrat gemäss seinen Be- schlüssen vom Monat Februar dieses Jahres die Entwick- lung zum Heizöl «Extra leicht» dadurch beeinflussen will, dass Lenkungsabgaben eingeführt werden. Dieser Weg kann gemäss den Angaben von Elektrowatt zu einer wesent- lichen Reduktion führen, ohne dass man die Versorgung gefährdet.
Ich füge noch hinzu: Während wir bei den anderen Leitstof- fen, wo wir die Ziele nicht erreicht haben, wahrscheinlich anders gehandelt hätten, geht es hier - nachdem das Ziel schon erreicht ist - nur darum, etwas weiterzugehen. Wir können weitergehen über Lenkungsabgaben, und wir wer- den Ihnen Lenkungsabgaben unterbreiten. Ich hoffe, die Vernehmlassung zur Revision des Umweltschutzgesetzes noch bis Mitte dieses Jahres eröffnen zu können. Dadurch glauben wir, voll und ganz den Zielen zu entsprechen.
Wir bitten Sie also, dem Vorgehen des Bundesrates den Vorzug zu geben.
Präsident: Der Motionär erklärt sich nach diesen Ausführun- gen von Herrn Bundesrat Cotti mit der Umwandlung in ein Postulat einverstanden.
Ueberwiesen als Postulat - Transmis comme postulat
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Interpellation Sager Klimaveränderungen Transformations climatiques
Wortlaut der Interpellation vom 7. März 1988
Kompetente Wissenschafter warnen immer eindringlicher vor dem weltweit bedrohlich ansteigenden Gehalt der Luft an Kohlendioxid und weiteren Gasen wie Methan, Chlor- Fluor-Kohlenwasserstoffen und Distickstoffoxid. Diese Gase sind für Sonnenlicht durchlässig, hemmen jedoch die Wär- meabstrahlung der Erde. Es besteht daher der begründete Verdacht, dass im Verlaufe der nächsten 50 bis 100 Jahre die mittlere Temperatur der Erde wegen des Kohlendioxids um 1,5 bis 4,5 ° C ansteigen wird.
Daher frage ich den Bundesrat an, ob er, als Beitrag zur Vermeidung einer klimatischen Katastrophe, gewillt ist, fol- gende Massnahmen ins Auge zu fassen:
Reduzierung der Verbrennung von leichtem Heizöl durch Förderung der Fernheizung;
Reduzierung des Benzinverbrauchs durch Förderung der Elektromobile;
Sofortiges Verbot von Spraydosen, Ueberwachung von Kühl- und Klimaanlagen sowie der Kunststoffverschäumung zwecks Eindämmung der Abgabe von Chlor-Fluor-Kohlen- wasserstoffen;
Kontrolle der mikrobiellen Zersetzung von Kunstdünger und der Verbrennung organischer Substanzen zwecks Ein- dämmung der Distickstoffoxid-Abgabe;
Der Rodung von Wäldern durch Importbeschränkung tro- pischer Hölzer Einhalt zu gebieten;
Auf internationaler Ebene Initiativen zu ergreifen, damit diese Massnahmen weltweit durchgesetzt werden können.
Texte de l'interpellation du 7 mars 1988
Des scientifiques compétents insistent toujours davantage sur la teneur croissante de l'air en dioxyde de carbone et en autres gaz tels que le méthane, le chlorofluorocarbone et l'oxyde azoté, ce qui constitue une menace pour le monde entier. Ces gaz laissent passer la lumière du soleil, mais entravent la déperdition de chaleur de la terre. C'est pour- quoi on craint à juste titre qu'au cours des 50 à 100 pro- chaines années, la température moyenne du globe terrestre n'augmente de 1,5 à 4,5 ° C à cause du dioxyde de carbone et dans la même proportion à cause des autres gaz.
En conséquence, je prie le Conseil fédéral de dire s'il est prêt à prendre les mesures suivantes en vue d'empêcher une catastrophe de caractère climatique:
réduire la combustion de mazout en favorisant le chauf- fage à distance;
réduire la consommation d'essence en développant les automobiles électriques;
interdire immédiatement les boîtes aérosol et surveiller les installations frigorifiques et de climatisation ainsi que la transformation en mousse des matières plastiques aux fins de réduire le dégagement de chlorofluorocarbone;
contrôler la transformation par les microbes des engrais artificiels et la combustion de substances organiques en vue de réduire l'émission d'oxyde azoté;
mettre un terme au défrichement des forêts en limitant les importations de bois tropicaux;
prendre des initiatives sur le plan international pour que ces mesures soient exécutées dans le monde entier.
Mitunterzeichner - Cosignataire: Keine - Aucun
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Seit 1800 ist der Kohlendioxid-Gehalt der Luft von damals rund 280 ppm (ppm = Millionstel Volumenanteil) auf heute knapp 350 ppm angestiegen und nimmt gegenwärtig acht- mal schneller zu als anfangs des letzten Jahrhunderts. Der Grund liegt vornehmlich in der Verbrennung fossiler Stoffe und in der Gefährdung von Teilen der Biosphäre (Rodung von Wäldern und Bodenzerstörung). Bei einer künftigen Steigerung der Kohlendioxid-Freisetzung um nur 1 Prozent, wie sie allein von China produziert wird, soll der Kohlen- dioxid-Gehalt der Luft in 50 bis 100 Jahren auf 500 bis 600 ppm ansteigen, was die mittlere Temperatur um 1,5 bis 4,5 ° C zu erhöhen droht. Ein ähnlicher Temperaturanstieg wird durch die Abgabe der andern erwähnten Gase bewirkt. Als Folge einer solchen Klimaveränderung könnten sich die Trockenzonen um einige hundert Kilometer nordwärts ver- schieben und die heute dichtbesiedelten Zonen um das Mittelmeer, in den USA und in der südlichen UdSSR in Trockengebiete verwandeln.
Ferner würde wegen des Abschmelzens der Eiskappen der Meeresspiegel um weitere 30 bis 120 cm ansteigen, gegen- über der bereits erfolgten Zunahme von 10 bis 20 cm seit 1900. Das hätte die Ueberschwemmung grosser und eben- falls dichtbesiedelter Uferzonen aller Kontinente zur Folge. Da Klimamodell-Rechnungen zwar einen Unsicherheitsfak- tor aufweisen, deren Ergebnisse jedoch nicht von der Hand zu weisen sind, sollten so rasch als möglich Massnahmen getroffen werden, um der Luftverschmutzung wirksam Ein- halt zu gebieten. Selbst ein Ansteigen der mittleren Tempe- ratur um 1 º C könnte gefährliche Verschiebungen der Kli- mazonen nach sich ziehen.
Das bedeutet - immer nach Ansicht kompetenter Wissen- schafter -, dass sofort und weltweit die Emission von Gasen um jährlich mindestens 2 Prozent reduziert werden müsste. Dazu sind insbesondere die Industrieländer aufgerufen, die
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für den grössten Teil des Ausstosses von Kohlendioxid, Chlor-Fluor-Kohlenwasserstoffen und Distickstoffoxid ver- antwortlich sind.
In erster Linie geht es um die Reduktion des Verbrauches fossiler Energieträger durch vermehrte Nutzung anderer Energiequellen und durch drastische Sparmassnahmen. Ebenso müssten die Chlor-Fluor-Kohlenwasserstoffe ersetzt und der Einsatz von Kunstdünger eingeschränkt werden. Klimaveränderungen, wie sie durch Spurengase verursacht werden, treten im Verlauf von Jahrzehnten langsam ein. Sind sie aber einmal offensichtlich, so wird es wohl für jede Einwirkung zu spät sein.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
vom 6. Juni 1988
Rapport écrit du Conseil fédéral du 6 juin 1988
Die anthropogen bedingten Emissionen von Kohlendioxid (CO2) und weiteren Spurengasen wie Fluorchlorkohlenwas- serstoffen, Methan oder Distickstoffoxid bilden ein globales Problem, zu dem die Schweiz nur marginal beiträgt. So macht der schweizerische CO2-Ausstoss, der zu rund einem Drittel vom Treibstoffverbrauch und zu zwei Dritteln vom Brennstoffverbrauch verursacht wird, nur höchstens 2 Pro- mille der gesamten anthropogenen CO2-Emission aus.
Der Bundesrat ist deshalb der Ansicht, dass Lösungen in erster Linie auf internationaler Ebene angestrebt werden müssen. Er unterstützt grundsätzlich alle internationalen Bemühungen zur Reduktion des Energieverbrauchs (insbe- sondere bei den grössten Energieverbrauchern der Erde) und der Waldzerstörung in den Tropen.
Neben diesen internationalen Bemühungen unternimmt der Bundesrat auch im nationalen Bereich Anstrengungen zur Bekämpfung der Ursachen des Treibhauseffektes. Dabei geht es vor allem um Massnahmen, die darauf abzielen, den Energieverbrauch - und damit auch den Verbrauch fossiler Brenn- und Treibstoffe - zu verringern.
Zu den einzelnen Fragen nimmt der Bundesrat wie folgt .. Stellung:
und 2. Aus der Erkenntnis heraus, dass jede Art der Energieerzeugung die Umwelt in der einen oder anderen Weise belastet, misst der Bundesrat allen Massnahmen, die auf die tatsächliche Einsparung von Energie abzielen, grös- sere Bedeutung zu als der Substitution zum Beispiel von Heizöl «Extra leicht» durch Fernheizung oder von Benzin durch Elektrizität. Die Erhöhung der Elektrizitätsproduktion zur Substitution fossiler Energieträger kann deshalb nicht die Lösung sein. Es gilt zu bedenken, dass einem weiteren Ausbau von nuklearen und nichtnuklearen Kraftwerken Grenzen gesetzt sind. Energiesparmassnahmen haben Prio- rität. So hat der Bundesrat im Bereich der Energiepolitik die Schaffung eines Energieartikels vorgesehen, mit dem namentlich das Energiesparen verstärkt und alternative Energien gefördert werden sollen. Dieser Energieartikel könnte durch eine Energieabgabe ergänzt werden. Im Bereich der Verkehrspolitik tritt der Bundesrat für eine ver- stärkte Förderung des öffentlichen Verkehrs ein, da dieser energiesparender ist als der private Individualverkehr. Mass- nahmen in dieser Richtung sind unter anderem die «Bahn 2000», Tarifmassnahmen und Fahrplanverdichtun- gen sowie der Verzicht auf den Weiterausbau des beschlos- senen Nationalstrassennetzes, wie sie im Luftreinhalte-Kon- zept des Bundesrates vom 10. September 1986 aufgeführt. sind.
Der Bundesrat sieht vor, die Verwendung von Fluorchlor- kohlenwasserstoffen (FKW) in Spraydosen unter Berück- sichtigung von Ausnahmen, insbesondere für spezielle medizinische Anwendungen, zu verbieten. Eine entspre- chende Revision der Stoffverordnung ist in Vorbereitung und soll in der ersten Hälfte dieses Jahres in die Vernehm- lassung gehen. Der freiwillige Beschluss der Assoziation der Schweizerischen Aerosolindustrie von Ende August 1987, bis Ende 1990 auf FKW weitgehend zu verzichten, erleichtert das Vorgehen wesentlich.
Das federführende Bundesamt für Umweltschutz hat im Auftrag des Bundesrates im Laufe des Jahres 1987 mit den
anderen Industriezweigen, die FKW verwenden, Gespräche geführt, um auch hier den FKW-Verbrauch so weit wie möglich zu vermindern. Betroffen sind im wesentlichen die Branchen Kältetechnik (Kühlschränke, Klimaanlagen, Wär- mepumpen usw.), Schaumstoffe (v. a. Wärmedämmstoffe im Bauwesen) und Reinigungstechnik (Elektronikindustrie, Metallindustrie, Textilpflege). Weitere Abklärungen sind vor- gesehen bei denjenigen Wirtschaftszweigen, die bromhal- tige Fluorkohlenwasserstoffe (Halone) verwenden (v. a. Feu- erlöschanlagen). Bevor konkrete gesetzliche Massnahmen ins Auge gefasst werden können, müssen in diesen Berei- chen noch eine Reihe technischer und ökonomischer Fra- gen geklärt werden. An Lösungen zu diesen Fragen wird auch in andern Ländern sowie in internationalen Organisa- tionen gearbeitet. Unser Land beteiligt sich am diesbezügli- chen internationalen Informationsaustausch. Es muss ver- mieden werden, dass durch die Lösung eines Umweltpro- blems andere Umweltprobleme geschaffen werden.
Ein wissenschaftlicher Bericht der Forschungsanstalt für Agrikulturchemie und Umwelthygiene Liebefeld zeigt, dass aus der schweizerischen Landwirtschaft - grösstenteils durch den Hofdüngereinsatz - jährlich über 100 000 Tonnen Stickstoff in die Atmosphäre verloren gehen. Etwa 20 000 Tonnen davon entweichen als Distickstoffoxid (N2O); der Beitrag der Stickstoff-Handelsdünger ist dabei gering. Der dem N2O zuzuordnende gesamte klimawirksame Effekt macht heute etwa 4 Prozent jenes von CO2 aus; er dürfte aber in den kommenden fünfzig Jahren auf gegen 15 Pro- zent ansteigen. Eine direkte Kontrolle der N2O-Abgabe aus Düngern in die Luft ist nicht durchführbar, weil dieser Ver- lust durch die schwer beeinflussbare Denitrifikation von Stickstoffverbindungen aus Hofdüngern, Handelsdüngern und anderen Quellen im Boden entsteht. Die Denitrifika- tionsverluste sind besonders hoch bei hohen Gaben stick- stoffhaltiger Dünger im Wiesland und auf durchnässten Böden. So darf Wiesland nicht überdüngt werden, und durchnässte Böden dürften überhaupt nicht gedüngt wer- den. Es geht letztlich darum, den Stickstoffumsatz in der Landwirtschaft zu reduzieren, d. h. weniger stickstoffhaltige Dünger in der Landwirtschaft einzusetzen. In diesem Bereich wirken die Düngungsvorschriften der Stoffverord- nung vom 9. Juni 1986, welche einen gezielten, an die Pflan- zenbedürfnisse angepassten Düngereinsatz verlangen, die Massnahmen des Bundesrates zur Beschränkung der Höchsttierbestände und die im revidierten Gewässerschutz- gesetz vorgeschlagene strenge Begrenzung des Hofdünger- einsatzes (3-Düngergrossvieheinheiten-Regelung). Im übri- gen verursachen leider auch Bodenverdichtungen durch schwere Landmaschinen zusätzliche Stickstoffverluste in Form von N2O.
Zu dieser Frage verweist der Bundesrat auf seine ausführ- liche Stellungnahme zur Interpellation grüne Fraktion vom 9. März 1988, Tropenholzimport und einheimische Waldwirt- schaft.
Der Bundesrat ist überzeugt, dass es angesichts des grenzüberschreitenden und globalen Charakters des CO2- Problems einer Intensivierung der internationalen Zusam- menarbeit bedarf. Er wird deshalb auch künftig internatio- nale Initiativen zur Reduktion des weltweiten Energiever- brauchs sowie zur Verminderung der Zerstörung tropischer Wälder unterstützen. In Anbetracht der Bedeutung, die insbesondere der Sensibilisierung der Bevölkerung für Ener- giesparanstrengungen zukommt, wird der Bundesrat auch weiterhin die Aufklärungsarbeit internationaler Organe, wie zum Beispiel des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (PNUE) oder des Internationalen Naturschutzbundes (UICN), fördern, in deren Arbeitsprogrammen Forschung, Ausbil- dung, Erziehung und Information besonders breiten Raum einnehmen.
Am 16. September 1987 hat die Schweiz in Montreal gemeinsam mit 23 andern Staaten und den Europäischen Gemeinschaften ein Protokoll über ozonschichtabbauende Substanzen unterzeichnet. Es wird frühestens am 1. Januar 1989 in Kraft treten; die Ratifikation durch die Schweiz ist noch in diesem Jahr vorgesehen. Dieser nach zähen Ver-
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handlungen zustande gekommene internationale Vertrag dürfte innerhalb von gut zehn Jahren zu einer Reduktion des globalen FKW-Verbrauchs von rund 50 Prozent führen. Das Protokoll von Montreal - ein erstes Zusatzprotokoll im Rah- men des Wiener Uebereinkommens zum Schutze der Ozon- schicht - sieht unter anderem auch eine periodische Ueber- prüfung der international getroffenen Massnahmen vor. Der Bundesrat wird sich für eine rasche und möglichst weitge- hende Reduktion des FKW-Verbrauchs einsetzen.
Sager: Ich benütze die Gelegenheit, dem Bundesrat unein- geschränkt zu danken für seinen Einsatz gegen die Zerstö- rung der Ozonschicht und für die damit dringend nötig gewordene Reduzierung der für das Ozonloch verantwortli- chen Fluorchlorkohlenwasserstoffe.
Indes möchte ich - ohne diesen Dank einzuschränken - meinem Bedauern Ausdruck geben, dass, wegen der Wer- bewirksamkeit des Ozonloches, eine andere Folge von Gas- abgabe - nicht nur der Fluorchlorkohlenwasserstoffe - jetzt in den Hintergrund und in Vergessenheit zu geraten droht. Eine klassische Verdrängung; denn ebenso bedrohlich wie das Ozonloch ist der sogenannte Treibhauseffekt als Folge gesteigerter Gasabgabe. Dafür ist nicht nur der Fluorchlor- kohlenwasserstoff verantwortlich, sondern auch das Methan und das Stickstoffoxid sowie das Kohlendioxid. Letzteres ist ganz besonders an dieser gefährlichen Gasabgabe beteiligt. Es werden heute immerhin 90 Prozent des Weltenergiebe- darfes durch das Verbrennen fossiler Stoffe, vor allem Kohle und Oel, gedeckt.
Angesichts dieses Umstandes bin ich enttäuscht von der Antwort des Bundesrates, wenn ich darin die Feststellung lese: «Die Erhöhung der Elektrizitätsproduktion zur Substi- tution fossiler Energieträger kann deshalb nicht die Lösung sein.» Das ist eine Behauptung. Sie verweist auf den voran- gehenden Satz; dort ist ein Werturteil enthalten, das lautet: «Der Bundesrat misst allen Massnahmen, die auf die tat- sächliche Einsparung von Energie abzielen, grössere Bedeutung zu als der Substitution.»
Ich verkenne - Herr Bundesrat - die Bedeutung der Einspa- rung von Energie nicht. Ich praktiziere das seit Jahrzehnten. Id'en weiss deshalb um die Schwierigkeit, in meinem Umkreis für das Verständnis zu werben, Energie einzusparen, etwa wenn man von meiner Wohnung aus sieht, wie das Bundes- haus Nacht für Nacht in hellster Beleuchtung erscheint, und ich dann meine Tochter davon zu überzeugen versuche, dass man Elektrizität sparen sollte.
Auch wenn wir mit allen möglichen Methoden Energie im höchsten Ausmasse sparen, können wir nicht das leisten, was geleistet werden muss. Der Kohlendioxidgehalt der Luft ist seit dem Jahre 1800 um einen Viertel angestiegen und wächst heute achtmal rascher als zu Beginn des letzten Jahrhunderts. Bei einer künftigen Steigerung von nur einem Prozent - das leistet China allein - wird sich der CO2-Gehalt der Luft voraussichtlich in 50 bis 100 Jahren verdoppeln. Das könnte die mittlere Temperatur auf der Erde um 1,5 bis 4,5 Grad anheben. Dann könnte es sein, dass der Meeres- spiegel durch die Abschmelzung der Eiskappen in der Arktis und Antarktis um 30 bis 120 cm ansteigt. Das könnte bedeu- ten, dass mehr als die Hälfte von Ländern mit grossen Küstengebieten verloren geht: die Niederlande, Indonesien, Bangladesh, Thailand. Wenn diese Klimakatastrophe vor der Türe steht, ist sie nicht mehr aufzuhalten.
Herr Bundesrat, ich entbinde Sie von einer Antwort. Aber ich wäre dankbar, wenn Sie der Substitutionsnotwendigkeit von fossilen Brennstoffen etwas grössere Aufmerksamkeit schenken könnten.
Bundesrat Cotti: Bei dieser interessanten Auslegeordnung, die der Nationalrat heute abend über die Fragen der Luft- reinhaltung vornimmt, geraten wir mit der Interpellation von Herrn Sager in einen Bereich, der gegenüber den vorher besprochenen mindestens vorderhand wohl weniger die Gemüter erregt, der aber mit Bestimmtheit - Sie haben recht, Herr Sager - mittel- und langfristig noch grössere Gefahrenpotentiale enthält. Es geht um die Frage der soge-
nannten Klimaveränderungen, der chemischen Prozesse, die, durch eine Reihe von Stoffen hervorgerufen - Sie haben einige davon erwähnt -, auf mittlere Sicht ganze Erdteile in Gefahr bringen und zu unhaltbaren Veränderungen des Klimas führen könnten.
Wir haben gehört, dass wir uns bei einer Reihe sogenannter Leitstoffe den Zielen nähern. Die Uebung ist zwar mühsam, es gelingt uns jedoch, gewisse Erfolge zu zeitigen. Wenn man aber vom Treibhauseffekt spricht - dort kann sogar ein Laie oder ein Jurist mitkommen -, bei dem die CO2-Produk- tion wesentlich beteiligt ist, wissen wir seit dem Gymnasium, dass CO2 bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern produziert wird. Es gibt technisch überhaupt keine Möglich- keit, Herr Sager, die Produktion von CO2 bei der Verbren- nung fossiler Energie zu unterbinden. Bei Stickoxiden kön- nen wir über Katalysatoren zu wesentlichen Reduktionen gelangen und die Emissionen auf diese Weise bremsen, bei CO2 aber gibt es nur einen Weg; dieser Weg heisst: Vermin- derung des Verbrauches von fossilen Energien. Deshalb möchte ich Sie bitten, bei Ihren Parlamentsdebatten immer wieder die Auswirkungen im Bereich des Umweltschutzes zu bedenken.
Betrachten wir diese Fragen weltweit - sie werden sich wohl erst in einigen Jahren in aller Deutlichkeit präsentieren -, so stellen wir heute bereits eine erstaunliche und auch betrübli- che Einheit der Meinungen unter den Wissenschaftern fest. Wir müssen uns immer wieder bewusst sein: Bei diesen Fragen verfügen wir kaum über technische Mittel, es gibt einzig die Reduktion des Konsums fossiler Energien.
Zuerst sei das Sparen genannt. Sie werden in nächster Zeit darüber debattieren können: Energieartikel, Energiesparbe- schluss, wenn Sie wollen: künftiges Energiegesetz. Sie wer- den reichlich Zeit zur Verfügung haben, um über das Sparen zu diskutieren. Ich sage meine Ueberzeugung offen: Die Beschlüsse sind nunmehr gefasst; von Nuklearenergie wird in diesem Lande wohl eine Zeitlang nicht mehr gesprochen werden können, aber meiner Meinung nach sind die Gefah- ren, welche dort verborgen sind, langfristig viel weniger gross als die Gefahren, welche der Treibhauseffekt für die ganze Menschheit rein theoretisch in sich birgt.
Wir sind in diesen Fragen weltweit engagiert. Noch dieses Jahr finden in Holland die Vorbereitungen einer weltweiten Konferenz über die Klimaveränderungen statt; die Konfe- renz selbst wird nächstes Jahr in Genf abgehalten. Wir werden sie beherbergen können und sind froh, auch hier unsere Dienstleistungen und unsere Ideen anbieten zu kön- nen. Ich verschweige Ihnen aber nicht, dass ich vor diesem Problem viel mehr Angst habe als vor dem vorangegange- nen. Wir sind sicher noch sehr weit von einer Lösung entfernt, mehr kann ich in diesem Zusammenhang nicht sagen. Verzeihen Sie, wenn ich hier etwas weniger optimi- stisch gewesen bin als bei den vorangegangenen Pro- blemen.
Schluss der Sitzung um 19.25 Uhr La séance est levée à 19 h 25
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Anno
Band
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Volume
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Frühjahrssession
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Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
11
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 88.341
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 13.03.1989 - 14:30
Date
Data
Seite
430-432
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Pagina
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20 017 232
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