Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale
Nationalrat - Conseil national
1988
Wintersession - 5. Tagung der 43. Amtsdauer Session d'hiver - 5e session de la 43º législature
Erste Sitzung - Première séance
Montag, 28. November 1988, Nachmittag Lundi 28 novembre 1988, après-midi
14.30 h
Vorsitz - Présidence: Herr Reichling/Herr Iten
Nachruf - Eloge funèbre
Präsident: Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, ich begrüsse Sie zur ersten Sitzung der Dezembersession. Lei- der haben wir als erstes Geschäft einen Nachruf.
Am 18. Oktober dieses Jahres hat uns die Nachricht vom Tod von Franz Josef Kurmann erreicht, der 1964/65 Präsi- dent unseres Rates war. Der Verstorbene war ein überzeug- ter Politiker, ein Vorausdenker und ein Mann der Tat.
Franz Josef Kurmann wurde 1917 in Alberswil geboren. Er besuchte das Benediktinerkollegium in Einsiedeln und stu- dierte anschliessend Rechts- und Wirtschaftswissenschaf ten an den Universitäten Freiburg, Lausanne und Genf. Nachdem er das Doktorat und das Anwaltspatent erworben hatte, eröffnete er eine eigene Praxis und leitete mit viel Geschick den «Willisauer Boten». Franz Josef Kurmann hat sich besonders stark für die Wahrung der bäuerlichen Inter- essen eingesetzt. 1955 wurde er in den Luzerner Grossen Rat gewählt, dem er während einer Legislatur angehörte. Im gleichen Jahr wählte ihn das Luzerner Volk in den National- rat. Während 16 Jahren hat er im eidgenössischen Parla- ment eine herausragende Rolle gespielt.
In seiner Antrittsrede als Nationalratspräsident, 1964, im Jahr der Mirage-Affäre, betonte er, wie wichtig es sei, unser Parlament mit den erforderlichen Mitteln auszustatten, damit es seine verfassungsmässige Rolle als oberste Instanz des Bundes voll und ganz erfüllen könne.
Von 1968 bis 1973 stand Franz Josef Kurmann der Christ- lichdemokratischen Volkspartei der Schweiz vor. Seine Gewandtheit und Ausdauer bewirkten Entscheidendes für die Reform seiner Partei und wurden viel bewundert. Eine führende Rolle spielte er auch bei der Erneuerung von Programm und Statuten der schweizerischen Christlichde- mokratie und bei der Schöpfung der Christlichdemokrati- schen Volkspartei, wie wir sie heute kennen. Franz Josef Kurmann war massgeblich an den Legislaturvereinbarun- gen zwischen den vier Regierungsparteien im Jahre 1972 beteiligt.
Seine politischen Freunde werden sich noch lange an sein politisches Gespür, seine Argumentationskraft, seine rheto-
`rische Brillianz und seinen Sinn für Toleranz erinnern. Im Namen unseres Rates nehme ich Abschied von Franz Josef Kurmann, diesem grossen Luzerner und grossen Schweizer. Ich versichere seine Gattin, seine Familie und seine Partei, der er so viel gegeben hat, unserer tiefen Anteilnahme.
Der Rat erhebt sich zu Ehren des Verstorbenen von den Sitzen
L'assistance se lève pour honorer la mémoire du défunt
Wahl des Büros für 1988/1989 Election du Bureau pour 1988/1989
Präsident: Wir kommen damit zum zweiten Geschäft, zu den Wahlen.
Sehr geehrte Kolleginnen, sehr geehrte Kollegen, wir kom- men nun zum letzten Geschäft meines Amtsjahres. Sie haben mich vor Jahresfrist zu Ihrem Präsidenten gewählt. Gestatten Sie mir einige Gedanken zum Abschied.
Wenn auch in den letzten Wahlen grosse politische Ver- schiebungen ausgeblieben sind, verzeichnet das eidgenös sische Parlament bei Neuwahlen doch regelmässig eine starke Erneuerung, so dass der Start für die Neugewählten wie für die Wiedergewählten von Ungewissheit, von Risiken, aber auch von hoffnungsvollen Erwartungen geprägt ist. Dies gilt besonders, wenn man zusätzliche Verantwortung übernehmen muss.
Ich habe Sie deshalb vor Jahresfrist aufgerufen, einander mit Achtung zu begegnen und die Debatten mehr auf die Ueberzeugung von der eigenen guten Sache auszurichten und weniger auf die Bekämpfung des politischen Gegners. Ich glaube, feststellen zu dürfen, dass ich damit auch Ihren Wünschen und Erwartungen entsprochen habe. Das unein- geschränkte Recht zur freimütigen Darstellung und Verfech- tung der eigenen politischen Anschauung gehört zu den Grundpfeilern unserer direkten Demokratie, welche sich nicht in Mehrheit und Opposition scheidet, sondern dank dem zumeist freiwilligen Kollegialsystem auf allen Stufen den verschiedenen politischen Richtungen, bis hin zu den Minderheiten, Gehör und Mitsprache gewährt. Gleichwohl ist es mir nicht entgangen, dass hie und da ein unbedachtes und zu laut gesprochenes Wort verletzend wirken konnte und das Ratsklima gestört hat. Wenn ich selbst jemanden verletzt habe, so ist es unabsichtlich geschehen, und ich bitte um Entschuldigung. Ich danke Ihnen, dass Sie mir geholfen haben, die Verhandlungen in Ruhe und Sachlich- keit zu führen.
1-N
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
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Frontispice Frontispizio
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Jahr
1988
Année
Anno
Band
IV
Volume
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Session
Wintersession
Session
Session d'hiver
Sessione
Sessione invernale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
00
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
28.11.1988
Date
Data
Seite
1553-1553
Page
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Ref. No
20 016 899
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