1503
Interpellation Rechsteiner
Nach Artikel 27 LRV sind die Kantone verpflichtet, den Stand und die Entwicklung der Immissionen zu ermitteln. Sie müssen mittels Messungen Erhebungen durchführen und aufgrund der Resultate nach Artikel 31 LRV einen Mass- nahmenplan gegen übermässige Immissionen erarbeiten. Der Vollzug der Massnahmen nach den Plänen hat in der Regel innert fünf Jahren zu erfolgen. Das heisst, die Kantone sind jetzt verpflichtet, innert weniger Jahre für Messkampa- gnen hohe Investitionen und ein grosses Mass an Abklärun- gen zu tätigen. Für diese Aufwendungen sollten die Kantone vom Bund aufgrund des Treibstoffzollgesetzes entschädigt werden, nachdem diese in direktem Zusammenhang stehen mit der Luftbelastung durch den motorisierten Strassenver- kehr.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 2.September 1987
Rapport écrit du Conseil fédéral du 2 septembre 1987
Nach Artikel 25 des Treibstoffzollgesetzes (TZG) beteiligt sich der Bund an den Kosten der durch den motorisierten Strassenverkehr bedingten allgemeinen Umweltschutz- massnahmen, insbesondere der Massnahmen zur Behe- bung von Waldschäden und zur Wiederherstellung von Wäl- dern. Aufgrund dieser Gesetzesbestimmung ist der Bund verpflichtet, sich an den Kosten konkreter, durch den moto- risierten Strassenverkehr bedingter allgemeiner Umwelt- schutzmassnahmen zu beteiligen, also an den Kosten von Projekten, die direkt und wirksam der Schadenverhinderung oder -behebung dienen, die durch den motorisierten Stras- senverkehr bedingt sind.
Wir sind denn auch bereit, gestützt auf Artikel 25 TZG durch den motorisierten Verkehr bedingte Massnahmen nach der Luftreinhalte-Verordnung, zum Beispiel Massnahmen gegen übermässige Immissionen aus dem Verkehr nach Artikel 19 LRV, mit Beiträgen zu unterstützen. In diese Pro- jekte wären auch die Kosten der notwendigen Voruntersu- chungen einzubeziehen. Weiter ist zu prüfen, ob bei der Berechnung der nicht werkgebundenen Beiträge aus Treib- stoffzollerträgen die Aufwendungen, die die Kantone für die motorfahrzeugbedingte Luftqualitäts-Ueberwachung (Erhe- bungen, Messungen, Ausbreitungsberechnungen nach Arti- kel 27 LRV) haben, als Strassenlasten der Kantone und Gemeinden angerechnet werden können. Kantone mit hohen Messaufwendungen würden damit bei der Verteilung der nicht werkgebundenen Anteile aus dem Treibstoffzoller- trag begünstigt.
Wir sind bereit, die nötige Verordnung zu erlassen.
Le président: L'interpellatrice est satisfaite de la réponse du Conseil fédéral.
87.468
Interpellation Rechsteiner Waffenembargo gegen Südafrika Embargo sur les exportations d'armes vers l'Afrique du Sud
Wortlaut der Interpellation vom 17. Juni 1987 Ich ersuche den Bundesrat um Beantwortung folgender Fragen:
Ist der Bundesrat bereit, sich bei den amerikanischen Behör- den über die Umgehungen des Waffenembargos zu erkundi- gen, die der Schweiz oder schweizerischen Firmen zur Last gelegt werden? Ist er bereit, das Parlament über das Ergeb- nis der Erkundigungen zu informieren?
Ist der Bundesrat nicht auch der Auffassung, dass gegen- über Südafrika nicht mindestens so wirksame Massnahmen getroffen werden müssen (mit Einbezug der Lizenzen, Brief- kastenfirmen usw.)?
Unter die Cocom-Liste fallen Güter, bei denen die militäri- sche Nutzung möglich ist, und zivile Technologien, die geeignet sein könnten, die strategische Kapazität des Emp- fängerlandes zu stärken. Beim Waffenembargo der Schweiz gegenüber Südafrika ist die Optik in der Praxis umgekehrt: Alles, was zivil genutzt werden kann, darf geliefert werden. Das führt zum Ergebnis, dass viele militärisch und strate- gisch relevante Güter nicht an die Länder des Warschau- Pakts, wohl aber nach Südafrika geliefert werden dürfen. Ist der Bundesrat nicht auch der Auffassung, dass die bei der Cocom verwendete Optik auch bei der Handhabung des Waffenembargos gegenüber Südafrika massgebend .sein muss?
Was hat die Bundesanwaltschaft zur Vermeidung von Umgehungen des Waffenembargos gegenüber Südafrika in den letzten Jahren konkret unternommen?
Das Apartheid-Regime bezweckt mit dem vor wenigen Jahren erlassenen «Citizenship-Amendment-Act», mög- lichst viele jüngere Weisse mit ausländischer Staatsangehö- rigkeit zum Militärdienst zwingen zu können.
Wieviele Schweizerinnen und Schweizer sind von den Bestimmungen betroffen? Wie stellt sich der Bundesrat dazu, dass Schweizer Staatsangehörige auf diese Weise (über die Doppelbürgerschaft) in zunehmender Zahl aktiven Militärdienst zur Aufrechterhaltung des rassistischen Regi- mes und zur Unterdrückung der farbigen Bevölkerungs- mehrheit leisten sollen?
Ist der Bundesrat nicht auch der Auffassung, dass dieser militärisch-diplomatische Austausch mit dem Apartheid- Regime unverzüglich abzubrechen ist?
Texte de l'interpellation du 17 juin 1987
Je prie le Conseil fédéral de bien vouloir répondre aux questions suivantes:
Le Conseil fédéral est-il prêt à intervenir auprès des autori- tés américaines pour demander des précisions sur ces viola- tions de l'embargo dont est accusée la Suisse ou dont se seraient rendues coupables certaines entreprises de notre pays? Est-il d'accord de communiquer au Parlement le résultat de son enquête ?
N
9 octobre 1987
1504
Interpellation Rechsteiner
donné toute une panoplie d'instruments (cf. récemment la réponse donnée à l'interpellation 85.591).
Le Conseil fédéral n'est-il pas lui aussi d'avis que la situation en Afrique du Sud appelle la mise en oeuvre de mesures au moins aussi efficaces (permettant de contrôler aussi la fabri- cation sous licence, les entreprises boîtes aux lettres, etc.)? 3. La liste dressée par le COCOM comprend l'équipement qui pourrait être utilisé à des fins militaires et le matériel technologique destiné à l'usage civil, mais pouvant servir à renforcer la puissance stratégique du pays destinataire. La Suisse, elle, applique l'embargo qu'elle a décrété sur les livraisons d'armes à l'Afrique du Sud en se plaçant dans une optique différente: tout ce qui peut avoir un usage civil peut être exporté librement. Résultat: bon nombre d'équipe- ments militaires et de biens ayant une importance stratégi- que peuvent être livrés à l'Afrique du Sud, mais non aux pays du Pacte de Varsovie.
Le Conseil fédéral n'est-il pas lui aussi d'avis que l'embargo sur les livraisons d'armes à l'Afrique du Sud devrait être appliqué selon les mêmes critères que les restrictions du COCOM?
Quelles ont été les mesures concrètes que le Ministère public de la Confédération a prises ces dernières années pour éviter toute violation de l'embargo sur les livraisons d'armes à l'Afrique du Sud?
Le régime d'apartheid en place en Afrique du Sud a édicté il y a quelques années le «Citizenship Amendment Act» afin de pouvoir contraindre au service militaire le plus grand nombre possible de jeunes blancs de nationalité étrangère. Combien de Suissesses et de Suisses tombent-ils sous le coup de ces dispositions? Que pense le Conseil fédéral du fait que de plus en plus de ressortissants suisses se voient ainsi, du fait de leur double nationalité, contraints à faire du service militaire et à contribuer ainsi à soutenir le régime raciste et à opprimer la majorité noire?
La Suisse est l'un des derniers Etats (avec Taiwan et le Paraguay) à pratiquer l'échange d'attachés militaires avec l'Afrique du Sud (attaché militaire sud-africain en poste dans notre pays). Le Conseil fédéral n'est-il pas lui aussi d'avis qu'il convient de mettre fin immédiatement à cet échange diplomatico-militaire?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-St. Gallen, Bir- cher, Borel, Braunschweig, Bundi, Deneys, Fehr, Friedti, Hubacher, Lanz, Leuenberger-Solothurn, Leuenberger Moritz, Mauch, Morf, Nauer, Neukomm, Ott, Pitteloud, Rei- mann, Renschler, Robbiani, Ruffy, Stamm Walter, Stap- pung, Uchtenhagen, Weber-Arbon (26)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Interpellant verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 21. September 1987
Rapport écrit du Conseil fédéral du 21 septembre 1987
Es entspricht einer Selbstverständlichkeit, dass sich die zuständigen Bundesstellen bei den amerikanischen Behör- den erkundigt haben, welche von der Schweiz aus erfolgen- den Umgehungen des Waffenembargos sie unserem Land konkret vorwerfen. EDA-Staatssekretär E. Brunner hat letzt- mals Mitte Mai dieses Jahres in Washington die amerikani- sche Regierung aufgefordert, entweder Beweise auf den Tisch zu legen für ihre Anschuldigungen oder in Zukunft auf sie zu verzichten. Nach dieser an Deutlichkeit nichts zu wünschen übriglassenden Demarche hat uns die amerikani- sche Seite wissen lassen, dass sie sich nicht in der Lage sieht, der Schweiz konkrete Angaben zu machen zu den angeblichen Embargoverletzungen.
In der Fragestunde vom 6. Oktober 1986 hat der Vorsteher des EVD auf eine Frage des Interpellanten bezüglich den konkreten Vorkehren des Bundesrates nach den Sanktions- beschlüssen der EG, der USA und Japans geantwortet, dass sich Vorkehren dann aufdrängen würden, wenn der Bundes- rat feststellen sollte, dass gegen Südafrika gerichtete Mass- nahmen, die von einer grossen Anzahl westlicher Industrie-
staaten eingeführt worden sind, über die Schweiz umgan- gen werden.
Damit entsprechende Umgehungsgeschäfte nicht über die Schweiz abgewickelt werden können, verlangt die Abteilung für Ein- und Ausfuhr des BAWI für alle Ausfuhren von Computerausrüstungen ausländischen Ursprungs nach Südafrika eine Reexportzustimmung des Lieferlandes. Das Exportvolumen von Computerausrüstungen schweizeri- schen Ursprungs nach Südafrika ist nicht der Rede wert und hat sich nicht vergrössert.
Sämtliche in den letzten Jahren aufgrund diverser eingegan- gener Meldungen getätigten polizeilichen Ermittlungen haben bis heute keine Hinweise erbracht, wonach Waren, welche Kriegsmaterial nach dem Bundesgesetz über das Kriegsmaterial vom 30. Juni 1972 darstellen, nach oder von Südafrika ein-, aus- und durchgeführt wurden.
Hingegen trifft es zu, dass schweizerisch-südafrikanische Doppelbürger grundsätzlich Militärdienst leisten müssen, weil die südafrikanischen Behörden diese als Südafrikaner betrachten. Gegen diese Praxis ist vom Standpunkt des Völkergewohnheitsrechts nichts einzuwenden. Die schwei- zerische Praxis gegenüber in unserem Land niedergelasse nen schweizerisch-ausländischen Doppelbürgern ist grund- sätzlich nicht anders.
Es trifft weiter zu, dass das südafrikanische Bürgerrechtsge- setz bestimmt, dass gewisse Altersklassen von Immigranten nach einer bestimmten Aufenthaltsdauer in Südafrika auto- matisch die südafrikanische Staatsbürgerschaft erhalten. Damit unterstehen sie auch der obligatorischen Militär- dienstpflicht. Das südafrikanische Bürgerrechtsgesetz steht mit dem Völkergewohnheitsrecht im Einklang, da es eine genügend lange Aufenthaltsdauer vorsieht, um eine auto- matische Einbürgerung zu rechtfertigen.
Zwischen der Schweiz und Südafrika bestehen im übrigen keine Verträge, welche der südafrikanischen Praxis in bezug auf die militärischen Pflichten sowie der Bürgerrechtsge- setzgebung entgegenstehen würden.
Ende 1986 lebten insgesamt 8029 Schweizer und Schweize- rinnen, davon 4224 Doppelbürger, in Südafrika. Wieviele der Doppelbürger in Südafrika effektiv Militärdienst leisten bzw. geleistet haben, entzieht sich unserer Kenntnis, da dies den schweizerischen Behörden in der Regel nicht gemeldet wird.
Abstimmung - Vote
Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
58 Stimmen 68 Stimmen
Le président: L'interpellateur n'est pas satisfait de la réponse du Conseil fédéral.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Rechsteiner Waffenembargo gegen Südafrika Interpellation Rechsteiner Embargo sur les exportations d'armes vers l'Afrique du Sud
In
Dans
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1987
Année
Anno
Band
III
Volume
Volume
Session
Herbstsession
Session
Session d'automne
Sessione
Sessione autunnale
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
14
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
87.468
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 09.10.1987 - 08:00
Date
Data
Seite
1503-1504
Page
Pagina
Ref. No
20 015 825
Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.