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PTT. Geschäftsbericht 1986
Bundesbeschluss - Arrêté fédéral
Eintreten ist obligatorisch L'entrée en matière est acquise de plein droit
Detailberatung - Discussion par articles
Titel und Ingress, Art. 1 und 2 Antrag der Kommission Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Titre et préambule, art. 1 et 2 Proposition de la commission Adhérer au projet du Conseil fédéral
Angenommen - Adopté
Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
Für Annahme des Beschlussentwurfes 27 Stimmen (Einstimmigkeit)
An den Nationalrat - Au Conseil national
87.025
PTT. Geschäftsbericht 1986 PTT. Gestion 1986
Bericht des Bundesrates vom 15. April 1987 Rapport du Conseil fédéral du 15 avril 1987 Beschlussentwurf siehe Seite 60 des Berichtes Projet d'arrêté voir page 60 du rapport
Bezug bei der Generaldirektion PTT, Viktoriastrasse 21, Bern S'obtiennent auprès de la Direction générale des PTT, Viktoria- strasse 21, Berne
Moll, Berichterstatter: Die Geschäftsprüfungskommission Ihres Rates beantragt Ihnen, die Geschäftsführung des Bun- desrates im Bereich der PTT-Betriebe im Jahre 1986 zu genehmigen. Der Bundesbeschluss über die Geschäftsfüh- rung des Bundesrates befindet sich auf Seite 60 des Ge- schäftsberichtes.
Das Jahr 1986 war für die PTT sehr erfolgreich. Das zeigen vor allem drei finanzielle Indikatoren. Ich erwähne hier nur - um der Finanzkommission nicht vorzugreifen - einen Rein- gewinn von 554 Millionen Franken, es ist der grösste, der je erzielt wurde; dann der Cash-flow von 2,6 Milliarden Fran- ken mit der Möglichkeit, sämtliche getätigten Investitionen des Jahres zu finanzieren. Ebenso erfreulich ist die grösste je vorgenommene Tarifsenkung im Bereich des in- und ausländischen Telefonverkehrs. Also lauter Superlative! Trotzdem spricht die «NZZ> in ihrer Ausgabe vom 20. Februar 1987 von einem grossen Klecks im Reinheft der PTT, und zwar verweist sie da auf das Projekt Terco. Wir haben uns mit diesem Projekt in der Geschäftsprüfungs- kommission, weil es im Geschäftsbericht ausführlich behan- delt ist, ebenfalls befasst. Im Geschäftsbericht 1986 wird auf den Seiten 13 ff. sehr offen auf die EDV-Probleme der PTT hingewiesen. Die rasche Entwicklung im Bereich der Mikroelektronik und in der Kommunikationstechnik hat auch bei den PTT neue Automatisierungsmöglichkeiten erschlossen und eine eigentliche Informatikwelle ausgelöst. Allein für die Entwicklung der wichtigsten Grossprojekte sind in den letzten Jahren über eine halbe Milliarde Franken aufgewendet worden. Nebst den Grossprojekten - ich erwähne hier nur Terco, Apoco, Firico - sind rund 40 weitere Vorhaben in Bearbeitung beziehungsweise in Planung. Wenn die PTT beim nachfragegerechten Weiterausbau der Anlagen, Netze und Systeme an der Spitze des Fortschritts
bleiben wollen, dann nur mit der von der Generaldirektion und dem Verwaltungsrat verfolgten Vorwärtsstrategie, die selbstverständlich auch gewisse Risiken in sich birgt! Neben dem Grossvorhaben IFS, das ist das Integrierte Fernmelde- system, entstanden vor allem beim Grossprojekt Terco Schwierigkeiten. Das ist die Abkürzung für Telefon-Rationa- lisierung mit Computern. Ich möchte gleich hier sagen, dass Sie sich beruhigen können, ich werde mich hüten, allzu viele Abkürzungen zu gebrauchen. Ich werde solche nur noch in Notfällen verwenden.
Terco ist das komplexeste Computersystem der Schweiz mit 36 Datenbanken, mit über 2000 Anwendungsprogrammen. Das System hat pro Jahr über 11 Millionen Geschäftsfälle zu erledigen. Bei diesem Projekt mussten wesentliche Termin- und Kostenüberschreitungen in Kauf genommen werden. Die Probleme waren vor allem organisatorischer, personel- ler und finanzieller Natur. Im Frühjahr 1986 wurden dann vom Verwaltungsrat und von der Generaldirektion PTT ein- schneidende Massnahmen ergriffen. Der Mehraufwand für dieses Projekt, verglichen mit einem optimalen Projektver- lauf, stellt sich noch etwa auf 50 Millionen Franken. Die Situation ist heute auch technisch gemeistert. Das provisori- sche Terco-Betriebszentrum in Bulle funktioniert und bedient sämtliche 17 Fernmeldekreisdirektionen.
Die Geschäftsprüfungs- und die Finanzkommissionen bei- der Räte haben sich an einer gemeinsamen Tagung in Bulle in diesem Frühjahr mit dem Thema «Führung von EDV- Grossprojekten bei den PTT-Betrieben» und den verschie- denen in diesem Zusammenhang aufgetauchten Aspekten befasst. Es darf aber festgestellt werden, (aufgrund dieser Tagung zusammen mit dem Verwaltungsratspräsidenten der PTT und der Generaldirektion der PTT), dass man die Probleme nicht nur beim Projekt Terco im Griff hat, sondern dass man in der Generaldirektion nun auch grundsätzlich über die Massnahmen und Mittel verfügt, dass auch grosse Projekte ordnungs- und fachgerecht realisiert werden können.
Ein weiteres Grossprojekt - es handelt sich um Apoco, das ist die Automation der Postcheckdienste mit Computern - ist jetzt am Anlaufen. Die Geschäftsprüfungs- und die Finanzkommissionen waren sich einig und haben einen entsprechenden Beschluss gefasst - mit einer kleinen Arbeitsgruppe bestückt aus beiden Kommissionen -, dieses Projekt direkt zu verfolgen. Sie überprüfen, soweit das den Kommissionen möglich ist, ob die Verfahrensabläufe nun aufgrund der neu durchdachten Strategien vorgenommen werden.
Wir wären dankbar, wenn sich Herr Bundesrat Schlumpf zu diesen Feststellungen äussern würde.
Bundesrat Schlumpf: Ich danke Ständerat Moll für seine vollständige Orientierung. Er hat ein wesentliches Problem erwähnt, mit dem sich Ihre Geschäftsprüfungs- und Finanz- kommission an der Tagung, der ich teilweise auch beiwoh- nen konnte, sehr einlässlich beschäftigt haben.
Zu den Technologien wie seinerzeit IFS oder Terco, Apoco usw., die gegenwärtig entwickelt werden: Es gehört zu den Aufgaben der Grossunternehmung PTT, dabei mitzuwirken, Sachverstand einzubringen und auch mitzuriskieren. Wir können es uns nicht leisten - angesichts des kleinen Mark- tes, den wir im Inland auf diesem und auch auf anderen Gebieten haben -, abseits zu stehen und zuzuschauen, wie rundum Technologiesprünge erfolgen - das geht zum Teil in einem unheimlichen Tempo vor sich und hat mit normaler Alterung nichts mehr zu tun; es kommen ganz neue Pro- dukte auf den Markt, die in Dienst genommen werden müs- sen, wenn man Schritt halten will. Wir müssen diesen Inno- vationsrhythmus mitmachen und mitgestalten! Ich bin froh, dass Ständerat Moll auch ein mögliches Risiko positiv beur- teilt: Es wird immer wieder - wie wir das bei IFS finanziell ausgiebig erlebten - Misserfolge geben. Aber ich möchte nicht eines Tages, wenn ich im Fauteuil in meinen Bündner Bergen sitze und die Bundespolitik von dort aus wohlwol- lend beurteile, feststellen müssen, dass unsere PTT, diese Grossunternehmung mit ihrer landesweiten Versorgungs-
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aufgabe, alle neuen Technologien vom Auslandmarkt bezie- hen muss, weil unsere Inlandindustrie von uns so stiefmüt- terlich behandelt worden ist, dass sie nicht mehr Schritt halten kann. Das wäre nun wahrhaftig nicht die Politik des bonus pater familias. Ich meine allerdings ein vernünftiges Risiko; wir müssen selbstverständlich nicht bei jeder am Horizont auftauchenden Technologie mitmachen. Es soll also nicht ein Blankocheck sein, sich blindlings in Aben- teuer einzulassen. Unsere Industrie, welche immerhin das Hauptrisiko trägt, bietet jedoch sicher Gewähr dafür, dass wir keine solchen «Bocksprünge» machen.
Insgesamt kann die seit Jahren betriebene Politik bei den PTT weitergeführt werden, auch mit einer gewissen Risiko- bereitschaft, im Interesse einer langfristigen Erfüllung der grossen Versorgungsaufgaben. Es ist vor allem eine staats- politisch und sozial sehr wichtige Frage.
Weber: Es ist sonst nicht üblich, dass man nach dem Bun- desrat noch spricht. Aber nachdem auch die PTT-Sektion der Finanzkommission an diesem Seminar teilgenommen hat und das alles auch mit den Finanzen zu tun hat, möchte ich lediglich betonen, dass nicht nur Fehler gemacht wur- den, sondern dass man auch Einsichten gewonnen und Wege gefunden hat, vielleicht gerade durch diese Fehler, die gewährleisten, dass es in Zukunft besser gehen wird. Gestat- ten Sie mir deshalb, dass ich zum Projekt Terco auch noch ein paar Worte sage. Ich habe damit zugewartet, weil ich nicht wusste, wie weit Herr Bundesrat Schlumpf ausholen würde.
Das Automationsprojekt der Fernmeldedienste Terco hat viel zu reden gegeben; am Seminar war es ein dominieren- des Thema. Die Entwicklung der Terco Stufe I - es handelt sich um den Auskunftsdienst und die Buchredaktion - erfolgt durch die Firma IBM, unter einem Gesamtunterneh- mensvertrag. Dieser Vertrag hatte in der damals noch jun- gen Terco-Organisation zur Folge, dass sich der Auftragge- ber PTT vorwiegend mit den funktionellen und benützero- rientierten Aspekten des Systems befasste, während die IBM im Verlaufe der Realisierung detaillierte Anwendungser- kenntnisse erwarb. Nach der Inbetriebnahme der Stufe I und Ablauf des Gesamtunternehmensvertrages mussten in der Abteilung Terco die für den Unterhalt und die Weiterent- wicklung erforderlichen Kenntnisse in mühsamer Anstren- gung aufgebaut werden, um einer totalen Abhängigkeit aus- weichen zu können. Das war das erste Handicap. Gleichzei- tig wurden die Vorarbeiten der Folgestufe 2.1 in Angriff genommen. Die von Terco-Mitarbeitern mit relativ geringer Erfahrung in der Realisierung komplexer EDV-Systeme erar- beiteten Grundlagen waren 'unvollständig und zu wenig detailliert. Das war das zweite Handicap.
Gleichzeitig mit diesen Aufgaben musste eine den beiden Stufen gerecht werdende EDV-Infrastruktur geschaffen wer- den. Rückblickend - das wurde auch von der Generaldirek- tion so betont - musste festgestellt werden, dass die junge Abteilung mit ihren 50 PTT-Mitarbeitern, unterstützt von durchschnittlich 5 externen Mitarbeitern, dieser enormen Aufgabe nicht gewachsen war. Die Vielfalt der anspruchs- vollen Aufgaben überstieg ihre Möglichkeiten. Die Abteilung Terco wollte quasi über Nacht erreichen, was in anderen Unternehmungen in einem mehrjährigen, kontinuierlichen Prozess geschaffen wird. In dieser geschilderten Situation steckt die Hauptursache der Schwierigkeiten, mit denen die Folgestufe noch heute zu kämpfen hat. Man ist aber in der PTT-Leitung zuversichtlich; die Realisierung befindet sich heute in der Endphase. Wie Herr Moll berichtete, sind bereits 14 der 17 Fernmeldekreisdirektionen angeschlossen. Man glaubt also, dass die Sache nun wirklich überblickt werden kann und dass Fehler in Zukunft in diesem Ausmass nicht mehr vorkommen können. Ich wollte das aufzeigen. Wenn man von diesen Rekordergebnissen in Superlativen spricht, könnte man glauben, die Leitung der PTT würde sorgenfrei leben. Dahinter steckt jedoch viel Arbeit. Ich möchte von meiner Seite aus für die unternommenen Anstrengungen danken.
Bundesrat Schlumpf: Ich kann nur bestätigen: Die Entste- hungsgeschichte dieser leidigen Angelegenheit war so, wie sie Ständerat Weber darlegte. Das zeigt, dass wir vor allem anfänglich nicht für eine derartige neue Aufgabe ausgestat- tet waren. Die Unternehmensorgane, aber auch ich sind davon überzeugt, dass man die Entwicklung im Griff hat. Es werden jedoch wieder neue Technologien auf uns zukommen. Wir werden wieder «Lehrgeld» bezahlen müs- sen; das müssen wir in Kauf nehmen. Es soll aber keine Beschönigung für die bereits erfolgten Fehler sein.
Präsident: Darf ich davon ausgehen, dass die Diskussion beendet ist?
Bundesbeschluss - Arrêté fédéral
Eintreten ist obligatorisch L'entrée en matière est acquise de plein droit
Gesamtberatung - Traitement global du projet
Titel und Ingress, Art. 1 und 2 Antrag der Kommission Zustimmung zum Entwurf des Bundesrates
Titre et préambule, art. 1 et 2 Proposition de la commission Adhérer au projet du Conseil fédéral
Gesamtabstimmung - Vote sur l'ensemble
Für Annahme des Beschlussentwurfes 31 Stimmen (Einstimmigkeit)
An den Nationalrat - Au Conseil national
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PTT. Rechnung 1986 PTT. Compte 1986
Botschaft und Rechnung vom 15. April 1987 Message et compte du 15 avril 1987
Beschlussentwurf siehe Seite 31 der Rechnung Projet d'arrêté voir page 31 du compte
Bezug bei der Generaldirektion PTT, Viktoriastrasse 21, Bern S'obtiennent auprès de la Direction générale des PTT, Viktoria- strasse 21, Berne
Weber, Berichterstatter: Die Rechnung der PTT-Betriebe für 1986 schliesst mit einem Rekordergebnis ab, was seinen Niederschlag im Rekordunternehmungsgewinn von 554 Mil- lionen Franken findet. Das sind immerhin 238 Millionen Franken mehr als im Vorjahr.
Der erste Grund, der wiederum zu diesem guten Ergebnis führte, war erstens ein höheres Wachstum der Nachfrage nach PTT-Dienstleistungen von durchschnittlich 4,1 Pro- zent, nämlich 2,7 Prozent bei der Post und 5,4 Prozent bei den Fernmeldediensten. Das sind durchwegs bei allen Dien- sten 0,7 Prozent mehr als im Voranschlag einkalkuliert. Ein höheres Wachstum führt ja auch zu höheren Erträgen als budgetiert. Sie lagen gesamthaft um 170 Millionen Franken über dem Budgetwert.
Der zweite Grund: Die Teuerung war 1986 um 0,8 Prozent tiefer als erwartet.
Der dritte Grund: Eine gute Ausgabenkontrolle bewirkte, dass der Gesamtaufwand nur ein halbes Prozent vom Voran- schlag abweicht.
Der Personal- und der Fremdaufwand liegen sogar unter den Budgetsummen. Ueber dem Budget liegen nur die
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
PTT. Geschäftsbericht 1986
PTT. Gestion 1986
In
Dans
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
In
Jahr
1987
Année
Anno
Band
II
Volume
Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Ständerat
Conseil
Conseil des Etats
Consiglio
Consiglio degli Stati
Sitzung
05
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 87.025
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
09.06.1987 - 17:00
Date
Data
Seite
255-256
Page
Pagina
Ref. No
20 015 625
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