N 20 mars 1987
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SIDA. Interventions personnelles
Siebzehnte Sitzung - Dix-septième séance
Freitag, 20. März 1987, Vormittag Vendredi 20 mars 1987, matin
8.00 h
Vorsitz - Présidence: M. Cevey
87.306
Dringliche Interpellation Ruckstuhl Ungenügende Präventions-Kampagne gegen Aids Interpellation urgente Ruckstuhl Lutte contre le SIDA. Campagne de prévention
Wortlaut der Interpellation vom 2. März 1987
Die Infektionskrankheit Aids verbreitet sich mit erschrecken- der Geschwindigkeit. Die Zahl der durch den Aids-Virus infizierten oder akut erkrankten Personen nimmt erheblich zu. Medikamente gegen Aids oder auch Impfstoffe konnten trotz intensiver Forschung bis heute keine entwickelt wer- den. Unsere Möglichkeiten beschränken sich momentan auf Prävention und Hilfeleistung für die Betroffenen. Die Aids- Hilfe Schweiz und das Bundesamt für Gesundheitswesen starteten daher eine breit angelegte Präventions-Kampagne. Die Kampagne versucht, Aids mittels Aufklärung und techni- schen Präventivmassnahmen (namentlich Präservative, sau- bere Spritzen für Drogenabhängige) zu bekämpfen. Diese vorgeschlagenen Massnahmen sind zur Verhinderung einer weiteren, unkontrollierbaren Verbreitung von Aids geeignet und zu unterstützen. In gleichem Masse wäre es aber auch Sache des Staates - ohne in die Rolle eines Moralapostels zu treten -, auf ein verantwortbares, monogames Sexualver- halten aufmerksam zu machen. Dies umso mehr, als jede Gesellschaft auf einem Minimum an Werten aufbaut. Ich bitte daher den Bundesrat um die Beantwortung folgen- der Fragen:
Teilt der Bundesrat die Ansicht, dass eine derart grossan- gelegte und informierende Kampagne zusätzlich' auch die Aufgabe hätte, neben technischen Vorbeugemassnahmen ebenso auf die präventive Wirkung eines monogamen Sexu- alverhaltens hinzuweisen?
Nach neuesten Studien besteht auch bei der Verwendung von Kondomen noch ein erhebliches Restrisiko.
Ist der Bundesrat gewillt, die angelaufene Kampagne in diesem Sinne zu ergänzen und über die Kondomempfeh- lung hinaus auf eine langfristig notwendige Aenderung im allgemeinen Sexualverhalten hinzuweisen?
Texte de l'interpellation du 2 mars 1987
Le SIDA se propage avec une rapidité alarmante et le nom- bre des personnes porteuses du virus, séropositives ou atteintes de la maladie, est en augmentation constante. Malgré des recherches intensives, ni médicament ni vaccin n'ont pu être mis au point à ce jour et nos possibilités se limitent actuellement à la prévention et à l'assistance des malades. C'est pourquoi l'Aide suisse contre le SIDA et l'Office fédéral de la santé publique ont lance une vaste campagne de prévention dans le but de lutter contre le SIDA
par le moyen de l'information et de mesures techniques de prophylaxie (notamment l'utilisation de préservatifs et l'em- ploi de seringues stériles par les drogués). Ces dispositions destinées à mettre un frein à la propagation débridée du SIDA sont efficaces et doivent être soutenues. Cependant, il incomberait également à l'Etat de souligner l'importance de la sexualité monogamique, sans pour autant tomber dans le moralisme. En effet, toute société ne repose-t-elle pas sur un minimum de valeurs?
Je prie donc le Conseil fédéral de répondre aux questions suivantes:
Le Conseil fédéral est-il d'avis qu'une campagne d'infor- mation aussi vaste devrait non seulement encourager l'ap- plication de mesures techniques de prévention, mais égale- ment souligner l'effet prophylactique de la sexualité mono- gamique?
Selon des études récentes, l'utilisation du préservatif est loin de supprimer tout risque de contagion. Le Conseil fédéral est-il disposé à mentionner ce risque dans le cadre de sa campagne et, au delà de l'exhortation à l'emploi de préservatifs, à mettre l'accent sur la nécessité, à long terme, de modifier les comportements en matière de sexualité ? 3. Quelles sont les mesures prises par le Conseil fédéral pour conseiller et assister les personnes porteuses du virus du SIDA, séropositives ou atteintes de la maladie ?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Blunschy, Bürer-Walen- stadt, Camenzind, Cantieni, de Chastonay, Cotti, Darbellay, Dirren, Geissbühler, Hess, Hofmann, Humbel, Kühne, Lan- dolt, Müller-Scharnachtal, Nussbaumer, Oester, Ogi, Reich- ling, Risi-Schwyz, Rutishauser, Rüttimann, Schärli, Schmid- halter, Schnider-Luzern, Seiler, Stamm Judith, Uhlmann, Weber Leo, Wick, Ziegler, Zwygart (32)
85.552
Postulat Meyer-Bern Bekämpfung von Aids Postulat Meyer-Berne Lutte contre le SIDA
Wortlaut des Postulates vom 18. September 1985 Der Bundesrat wird beauftragt, in Ergänzung der bereits getroffenen Massnahmen zur Bekämpfung von Aids fol- gende weitere Massnahmen zu prüfen:
Texte du postulat du 18 septembre 1985
Le Conseil fédéral est prié d'examiner les mesures sui- vantes, destinées à compléter celles qui ont déjà été prises en matière de lutte contre le SIDA.
En effet, il conviendrait:
d'encourager les projets de recherche sur la lutte contre le SIDA et ses conséquences et de coordonner, à l'échelle nationale, les projets en cours d'exécution dans les univer- sités et dans l'industrie.
de lancer un programme national de recherche.
d'inclure le SIDA dans le groupe C des maladies transmis- sibles de l'homme soumises à une déclaration obligatoire, conformément à la loi sur les épidémies.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-St. Gallen, Bäumlin, Bratschi, Chopard, Clivaz, Eggli-Winterthur, Fank- hauser, Hubacher, Lanz, Leuenberger-Solothurn, Leuenber-
Aids. Persönliche Vorstösse
477
N
ger Moritz, Mauch, Renschler, Robert, Rohrer, Rubi, Ruch- Zuchwil, Stamm Walter, Wagner, Weber-Arbon (20)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Unser Land verfügt über ein beachtliches Forschungs- potential, das in Anbetracht der weiteren Verbreitung von Aids und der damit verbundenen Beeinträchtigung der Volksgesundheit möglichst koordiniert eingesetzt werden sollte. Die Förderung und Koordination der laufenden For- schungsprojekte müsste nötigenfalls in Ergänzung der bereits vorhandenen Instrumente der Forschungsförderung erfolgen.
Wie Zeitungsmeldungen entnommen werden kann, ist zweifelhaft, ob die chemische Industrie die Marktaussichten als genügend beurteilt, um grössere spezielle Forschungs- projekte zur Bekämpfung von Aids betriebswirtschaftlich zu rechtfertigen.
In Anbetracht der möglichen erheblichen Gefährdung der Volksgesundheit durch Aids und der damit verbundenen sozialen Probleme rechtfertigt sich deshalb die Auslösung eines besonderen nationalen Forschungsprogramms. Hier- für wären mindestens 10 Millionen Franken aus öffentlichen Mitteln einzusetzen.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 19. Februar 1986
Rapport écrit du Conseil fédéral du 19 février 1986
Der Bundesrat hat in seinem Beschluss vom 11. September 1985 für Aufklärung und Förderung der Prävention der Immunschwächekrankheit Aids aufgrund des Epidemienge- setzes finanzielle Mittel zur Verfügung gestellt. Dies aus der Kenntnis heraus, dass, solange Impfstoffe oder Medika- mente zur Behandlung der Krankheit fehlen, der Prävention erste Priorität zukommt. Die seit mehr als zwei Jahren beste- hende Fachkommission für Aids-Fragen im Bundesamt für Gesundheitswesen vermittelt die Information zu laufenden klinischen Forschungsprojekten der Universitäten und unterhält wissenschaftliche Kontakte zu ausländischen For- schungszentren, insbesondere auch durch das nationale Referenzlabor am Institut für Virologie und Immunologie der Universität Zürich. Ferner sind mehrere Forschungsprojekte beim Nationalfonds eingegangen.
Obschon die Schweiz über hochqualifizierte Molekularbio- logen verfügt, kann nicht in kurzer Zeit ein nationales For- schungsprogramm in diesem Bereich operationell werden. Viel wichtiger ist der internationale Erfahrungsaustausch, um Doppelspurigkeiten in der Forschung und Entwicklung zu vermeiden. Sowohl Frankreich als auch die Vereinigten Staaten von Amerika haben in der Grundlagenforschung über Aids einen mehrjährigen Vorsprung, der auch bei grösster finanzieller Unterstützung von der Schweiz nicht mehr aufgeholt werden kann.
Es ist wenig sinnvoll. Aids unter die Meldepflicht, Gruppe C, gemäss der Epidemiengesetzgebung zu stellen, denn die Gruppe C entspricht einer Sammelmeldung, anhand derer es nicht möglich ist, Zusatzinformationen zu den einzelnen Fällen zu erhalten. Heute schon werden Aids-Patienten auf freiwilliger Basis durch die behandelnden Aerzte dem BAG auf speziellen Formularen und absolut anonym gemeldet. Vorgesehen ist in der neuen Verordnung über das Meldewe- sen auch Aids ab 1986 in die Liste der meldepflichtigen Krankheiten einzureihen unter Beachtung der Anonymität des Erkrankten.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, das Postulat abzulehnen.
86.321
Interpellation Stamm Judith Aids. Intensivierung der Präventivmassnahmen SIDA. Renforcement des mesures prophylactiques
Siehe Jahrgang 1986, Seite 1507 - Voir année 1986, page 1507
Diskussion - Discussion
86.195
Motion Günter Bekämpfung von Aids. Dringlicher Bundesbeschluss Lutte contre le SIDA. Arrêté fédéral urgent
Wortlaut der Motion vom 18. Dezember 1986
Der Bundesrat wird ersucht, dem Parlament einen dringli- chen Bundesbeschluss über die Bekämpfung von Aids zu unterbreiten.
Dieser Beschluss soll folgende Punkte sinngemäss enthalten:
Die Schaffung eines Fonds (oder Stiftung), aus dem die Bekämpfung von Aids und damit zusammenhängender Erkrankungen und Folgen finanziert werden kann. Der Fonds soll jährlich aus der Bundeskasse geaufnet werden. Er kann durch private Spenden ergänzt werden. Der Fonds soll dem Bundesrat ermöglichen, rasch und unkompliziert alle Massnahmen treffen zu können, welche Erfolg verspre- chen.
Die Möglichkeit zur Anordnung bzw. Unterstützung allge- meiner Vorbeugungsmassnahmen, um die Verbreitung der Krankheit zu bekämpfen durch:
Informationskampagnen über möglichst sicheres Sexual- verhalten und über die möglichen Infektionswege;
Schaffen von Informationsblättern für spezielle Bevölke- rungsgruppen (z. B. Heime, Anstalten);
Sicherstellen, dass Präservative jedermann zugänglich sind;
Förderung und Unterstützung von Selbsthilfegruppen;
weitere Massnahmen, welche Erfolg versprechen.
Obligatorische Abgabe von sterilem Spritzmaterial an Dro- gensüchtige;
Abgabe von Drogen (oder Ersatzdrogen) an infizierte dro- gensüchtige Prostituierte.
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Postulat Meyer-Bern Bekämpfung von Aids Postulat Meyer-Berne Lutte contre le SIDA
In
Dans
In
Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale
Jahr
1987
Année
Anno
Band
I
Volume
Volume
Session
Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
17
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 85.552
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum
20.03.1987 - 08:00
Date
Data
Seite
476-477
Page
Pagina
Ref. No
20 015 221
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