Verwaltungsbehörden 21.06.1985 85.352
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Interpellation Rohrer
den sollten, um allen an einer Teilnahme an diesem Versuch interessierten Informationslieferanten. den Zugang zu ermöglichen. Die PTT beabsichtigten im übrigen jedoch auch beim Videotex nicht, die RSAG bevorzugt zu behan- deln.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates teilweise befriedigt.
84.558 Interpellation Humbel Kernenergiefreundliche Regionen. Vorzugsbehandlung Régions favorables à l'énergie nucléaire. Traitement préférentiel
Wortlaut der Interpellation vom 4. Oktober 1984
Wir stellen in unserem Land ein Phänomen fest: Auf der einen Seite haben wir Regionen, in denen Kernanlagen verschiedener Art ohne Widerstände geduldet werden und die Bevölkerung vollstes Vertrauen in diese Anlagen hat. Auf der anderen Seite gibt es Regionen, die Kernanlagen (selbst wenn es nur um Versuchsbohrungen der NAGRA geht) mit aller Vehemenz (zum Teil mit illegalen Mitteln) bekämpfen. Seit einiger Zeit stellt sich das Problem, ob kernenergie- freundliche Regionen in irgendeiner Form begünstigt wer- den sollten. In diesem Zusammenhang stelle ich an den Bundesrat folgende Fragen:
Ist der Bundesrat bereit, Vorkehren (bezüglich Recht, Verwaltung usw.) in die Wege zu leiten und Massnahmen zu treffen, damit die positiven Regionen bzw. die betreffende Bevölkerung irgendwelche Vorteile erhalten könnten (z. B. Steuererleichterungen usw.)?
Ist der Bundesrat bereit, einen Bericht auszuarbeiten und Untersuchungen anzustellen, weshalb wir in unserem Land solch divergierende Regionen haben? In diesem Bericht sollten auch die Gründe, das Warum und Wie, deutlich aufgezeigt werden!
Ist der Bundesrat auch bereit, die schweizerische Elektri- zitätswirtschaft anzuweisen, zum mindesten Empfehlungen abzugeben, um kernenergiefreundlichen Regionen bzw. der Bevölkerung in irgendeiner Form irgendwelche Begünsti- gungen zukommen zu lassen (billigeren Strom, Besitz- standsgarantie für Strombezüger)?
Texte de l'interpellation du 4 octobre 1984
Nous constatons que, dans notre pays, il y a d'une part des régions où les installations nucléaires les plus diverses sont parfaitement acceptées et où la population a une pleine confiance dans la sécurité de ces dispositifs, alors que d'autres régions combattent avec la plus grande véhémence - et parfois avec des moyens illégaux - les moindres travaux en rapport avec l'énergie nucléaire, même lorsqu'il s'agit de simples forages envisagés par la CEDRA.
Pourquoi dans ces conditions ne pas accorder certaines faveurs aux régions qui accueillent l'activité nucléaire sous une forme ou une autre? Je prie le Conseil fédéral de répondre à ce sujet aux questions suivantes:
Entend-il prendre des mesures juridiques, administra- tives ou autres pour que les régions accueillantes à l'égard de l'énergie nucléaire bénéficient de certains avantages, par exemple des allégements fiscaux?
Est-il disposé à organiser des enquêtes et à établir un rapport analysant les causes pour lesquelles notre pays présente des différences si marquées dans l'attitude de la
population à l'égard de l'atome? Ce rapport devrait exposer clairement les motifs des différentes attitudes et la manière dont elles se manifestent.
Schriftliche Begründung - Développement par écrit Der Urheber verzichtet auf eine Begründung und wünscht eine schriftliche Antwort.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 3. Dezember 1984
Rapport écrit du Conseil fédéral du 3 décembre 1984
Es trifft zu, dass Kernanlagen in regional unterschiedlicher Weise akzeptiert werden. Diese Erscheinung ist jedoch nicht auf das Gebiet der Kernenergie beschränkt, sondern zeigt sich auch im Zusammenhang mit anderen grossen Vorha- ben. Periodisch wird denn auch die Frage aufgeworfen, ob nicht die regionale Bereitschaft gefördert werden sollte, im nationalen Interesse liegende Aufgaben auch dann zu über- nehmen, wenn sie nicht mit Annehmlichkeiten verbunden sind. Auch im Nationalrat wurden Überlegungen dieser oder ähnlicher Art schon verschiedentlich angestellt. Zur Beant- wortung der Fragen 1 und 3 verweisen wir deshalb auf unsere Antwort auf die Interpellation 83.533 (Keller) betref- fend nationale und lokale Interessen. Ergänzend dazu und auch als Antwort auf Frage 2 verweisen wir auf bereits vorhandene Untersuchungen, insbesondere auf die Studie des Soziologischen Institutes der Universität Zürich und des Département de science politique der Universität Genf, wel- che in Zusammenarbeit mit den Bundesämtern für Umwelt- schutz und Energiewirtschaft in den Jahren 1981 bis 1983 entstanden ist («Lebensqualität im Wandel»).
Aussagen zur Einstellung der Bevölkerung zur Kernenergie enthalten auch:
Explora AG: Repräsentativbefragung der Schweizer Bevölkerung über Energiekonsum, Energieversorgung und Energiepolitik, Schriftreihe der Kommission für die Gesamt- energiekonzeption, Nr. 9, 1976;
Schweizerische Gesellschaft für praktische Sozialfor- schung, Universität Bern, Forschungszentrum für schweize- rische Politik: Analyse der eidgenössischen Abstimmungen vom 18. Februar 1979 und 27. Februar 1983 (VOX-Analysen); - H.P. Kriesi, AKW-Gegner in der Schweiz, 1982 (untersucht wird vor allem die Region Graben).
Weitere Untersuchungen drängen sich heute nicht auf.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates nicht befriedigt.
85.352 Interpellation Rohrer Rheinkraftwerke Schweiz/Liechtenstein Centrales électriques du Rhin Suisse/Liechtenstein
Wortlaut der Interpellation vom 4. März 1985 Ich ersuche den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:
161-N
Interpellation Rohrer
1282
N
21 juin 1985
Behörden, Institutionen und Bevölkerung der betroffenen Region Werdenberg und Sarganserland angemessen zu be- rücksichtigen?
Ist er bereit, vom Regierungsrat des Kantons St. Gallen eine gründliche Untersuchung aller offenen Fragen und Probleme durch kompetente Fachstellen und neutrale Experten zu verlangen?
Ist er bereit, eine Umweltverträglichkeitsprüfung nach Artikel 9 des Bundesgesetzes über den Umweltschutz zu veranlassen?
Ist er bereit zu untersuchen, ob die geplante Wasserkraft- nutzung das schweizerisch-österreichische Regulierwerk berührt oder nicht, und billigt er Österreich ein Mitsprache- recht zu?
Wie gedenkt er im Falle einer Konzessionserteilung das Verhältnis mit dem Fürstentum Liechtenstein zu regeln? Ist ein Staatsvertrag vorgesehen, der der Zustimmung der Bun- desversammlung unter Vorbehalt des fakultativen Referen- dums bedürfte?
Texte de l'interpellation du 4 mars 1985
Je prie le Conseil fédéral de répondre aux questions sui- vantes:
Le gouvernement est-il prêt, lorsqu'il examinera la réponse donnée par le Conseil d'Etat du canton de Saint- Gall dans le cadre de la procédure de consultation, à tenir équitablement compte de l'avis des autorités, des institu- tions et de la population de la région touchée de Werden- berg et du Sarganserland?
Est-il disposé à exiger du canton de Saint-Gall qu'il fasse examiner de manière approfondie, par des services spécia- lisés compétents et des experts neutres, tous les problèmes et questions qui n'ont pas encore trouvé de réponse?
Est-il prêt à ordonner une étude de l'impact sur l'environ- nement, du sens de l'article 9 de la loi sur la protection de l'environnement?
Est-il disposé à examiner si l'utilisation projetée de la force hydraulique porte ou non atteinte à l'œuvre de régula- risation commune de la Suisse et de l'Autriche, et accorde-t- il à l'Autriche le droit d'être consultée?
Comment le Conseil fédéral se propose-t-il, dans le cas où il accorderait la concession, de régler la situation avec la Principauté de Liechtenstein? Est-il prévu de conclure un traité international, qui devrait être soumis à l'approbation de l'Assemblée fédérale, sous réserve du référendum facul- tatif?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Braunschweig, Bundi, Friedli, Leuenberger Moritz, Longet, Mauch, Meyer-Bern, Morf, Nauer, Stappung, Weber-Arbon (11)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Das Studienkonsortium Rheinkraftwerke Schweiz/Liechten- stein ersucht den Bundesrat und die Regierung des Fürsten- tums Liechtenstein um die Erteilung der Konzession für die Ausnutzung der Wasserkraft des Rheins auf der Strecke Sargans/Balzers-Sennwald/Ruggell.
Auf schweizerischer Seite ist für die Behandlung des Gesu- ches und gegebenenfalls für die Erteilung der Konzession für die Nutzung der Wasserkraft des Rheins als internationa- lem Gewässer der Bundesrat zuständig; er hat dabei den Kanton St. Gallen anzuhören.
Bedingung für eine Konzessionserteilung ist die Zustim- mung der beiden beteiligten Staaten Schweiz und Fürsten- tum Liechtenstein.
Der Einbau von Wehren in den Rhein auf der schweizerisch- liechtensteinischen Grenzstrecke wirkt sich möglicherweise auch auf den Rhein unterhalb des Konzessionsbereiches aus. Zwischen der Schweiz und Österreich bestehen bekanntlich staatsvertragliche Bindungen, über die Regulie- rung des Rheins von der Illmündung bis zum Bodensee. Während des durch die sanktgallische Regierung durchge- führten Auflageverfahrens vom 15. Januar bis 13. Februar
1985 gingen 310 Einsprachen ein, worunter auch von sämtli- chen betroffenen schweizerischen Gemeinden.
Die Einsprecher befürchten vor allem eine Beeinträchtigung der Grundwasservorkommen, die zu den bedeutendsten der Schweiz gehören und eine Trinkwasserreserve von über- regionaler Bedeutung bilden.
Die offiziellen Stellen des Fürstentums Liechtenstein stehen dem Projekt grundsätzlich positiv gegenüber. Der Produk- tionsanteil von 50 Prozent würde zu einer weitgehenden Unabhängigkeit des Fürstentums in der elektrischen Energieversorgung führen. Man befürchtet, dass das Land Liechtenstein als autonomer Staat im weiteren Verfahren eine bedeutend stärkere Stellung einnehmen wird, als die gegenüberliegende Region Werdenberg, obschon diese an Fläche und Bevölkerung etwa gleich gross ist.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 15. Mai 1985
Rapport écrit du Conseil fédéral du 15 mai 1985
Zu 1. Behörden, Institutionen und Bevölkerung der betrof- fenen Region haben Gelegenheit, sich im Rahmen der gesetzlich vorgesehenen Verfahren zu äussern. Dazu gehört namentlich die vor kurzer Zeit abgeschlossene öffentliche Auflage mit anschliessender Einsprachenbehandlung. Die Ergebnisse dieses Verfahrens bilden Bestandteil der Mei- nungsbildung und werden entsprechend berücksichtigt.
Zu 2. Die Federführung für die Behandlung des Konzes- sionsgesuches liegt beim Bund. Zusätzliche Untersuchun- gen werden nach Anhören der Regierung des Kantons St. Gallen und in Zusammenarbeit mit dem Fürstentum Liechtenstein angeordnet. Der Bundesrat wird über das Gesuch erst entscheiden, wenn die nötigen Entscheidungs- grundlagen vorliegen.
Zu 3. Ja.
Zu 4. Der Einfluss der geplanten Staustufen auf die schwei- zerisch-österreichische Rheinstrecke wird Gegenstand der Untersuchungen sein. Die österreichischen Behörden sind über den diplomatischen Weg vom Projekt unterrichtet wor- den. Das weitere Vorgehen ist noch offen. Auf jeden Fall wird Österreich auf dem laufenden gehalten. Im übrigen haben wir Expertengespräche über den Fragenkomplex Rheinkraftwerke Schweiz/Liechtenstein und Illwerke ange- regt.
Zu 5. Wir sind der Auffassung, dass sich das Projekt nicht ohne staatsvertragliche Grundlage realisieren lässt. Eine solche erscheint im Hinblick auf die Verankerung der gegenseitigen Rechte und Pflichten im Zusammenhang mit der Errichtung der Grenzkraftwerke als notwendig. Verträge über die Nutzung der Wasserkraft sind der Natur der Sache nach unbefristet und enthalten keine Kündigungsklausel. Sie unterstehen der Genehmigung der Bundesversammlung und dem fakultativen Staatsvertragsreferendum nach Artikel 89 Absatz 3 Buchstabe der Bundesverfassung.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates befriedigt.
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Interpellation Rohrer Rheinkraftwerke Schweiz/Liechtenstein Interpellation Rohrer Centrales électriques du Rhin Suisse/Liechtenstein
In
Dans
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Jahr
1985
Année
Anno
Band
III
Volume
Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
17
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 85.352
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 21.06.1985 - 08:00
Date
Data
Seite
1281-1282
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Pagina
Ref. No
20 013 536
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