N 22 mars 1985
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Interpellation Braunschweig
84.595 Interpellation Braunschweig Gesamtverteidigungsübung 84 Exercice de défense générale 84
Wortlaut der Interpellation vom 10. Dezember 1984
Gerade weil die Gesamtverteidigungsübung 1984 unter dem Siegel grosser Geheimhaltung durchgeführt worden ist, ergeben sich die folgenden Fragen:
Ist es richtig, dass der Bundesrat die «Verordnung über die Delegation von Bundesaufgaben im Notstand» erlassen hat, ohne das ordentliche Gesetzgebungsverfahren einzu- halten?
Widerspricht dies nicht der bundesrätlichen Sicherheitspoli- tik, wonach die Armee nicht einziges Instrument der Sicher- heitspolitik, sondern ein Bein neben Zivilschutz, Landesver- sorgung usw. sei?
Ist die Armee in der Praxis doch der Gesamtverteidigung übergeordnet?
Welche Gründe bewogen den Bundesrat dazu?
Welche Kosten entstanden für Bund und Kantone unter Berücksichtigung der Personalkosten, wobei davon ausge- gangen werden muss, dass viele hohe und höchste Beamte wegen der GVÜ 84 und der mehrjährigen Vorbereitungszeit ihre Arbeit liegen lassen mussten?
Ist es Zufall, dass vorwiegend jene Kantone mitgewirkt haben, welche für die NAGRA-Endlagerung vorgesehen sind?
Ist es richtig, dass das Szenarium der Übung das Abwei- chen der Westschweizer Presse in bezug auf Neutralitäts- und Sicherheitsdenken enthielt?
Hält der Bundesrat diese Annahme staatspolitisch für weise?
Muss die welsche Presse als nicht zuverlässig im Ernstfall eingestuft werden?
Welche Rolle spielten in den innenpolitischen Szenarien die Ausländer und Flüchtlinge, Gewerkschafter und Beamte, Angehörige sozialer Bewegungen (wie Umweltschützer, Frauen, Jugendliche, Friedensmacher usw.), alternative Intellektuelle, fremdenfeindliche Kreise, Kriegsgewinnler, NATO-Anhänger?
In welcher Weise wurden die letzten Aufrüstungsschritte im Bereich der Mittelstreckenwaffen (SS 20, Pershing 2 usw.) und in Verbindung damit die auf ein Minimum gesunkenen Vorwarnzeiten mitberücksichtigt, nachdem der Bundesrat nie über Konsequenzen Auskunft gegeben hat, die sich daraus für unser Land ergeben?
Ist es richtig, dass im Rahmen dieser Übung zwei Atom- bomben zum Einsatz kamen, mit denen Frankreich die Schweiz belegte, obwohl von offizieller Schweizer Seite in den letzten Jahren jeweils die Auffassung vertreten wurde, ein atomarer Krieg sei heute immer weniger wahrschein- lich ? Ist solche Widersprüchlichkeit der Ernsthaftigkeit einer Übung nicht abträglich?
Ist es richtig, dass das aussenpolitische Szenarium unter anderem davon ausging, ein Kriegsausbruch stehe mit einem sowjetischen Hilfeangebot in Verbindung, das die Regierung Griechenlands nach Bildung einer Linksregie- rung angenommen habe, und im Verlaufe kriegerischer Handlungen besetze Frankreich die Schweiz?
Ist es Zufall, dass diese beiden namentlich genannten Län- der sozialdemokratisch regiert werden?
Sind solche konkreten Annahmen neutralitätspolitisch un- bedenklich ?
Müsste solchen Kriegsspielen nicht endlich einmal ein Ende gesetzt werden?
Texte de l'interpellation du 10 décembre 1984
Le fait que l'exercice de défense générale 1984 s'est déroulé sous le sceau du plus grand secret, m'amène précisément à poser au Conseil fédéral les questions suivantes:
Est-il exact que le Conseil fédéral a édicté l'«ordonnance réglant la délégation d'attributions de la Confédération en l'état de nécessité» sans respecter la procédure législative ordinaire?
Dans la pratique, l'armée est-elle donc quand même placée au-dessus de la défense générale ?
Quelles ont été les raisons de cette décision?
A combien peut-on estimer les dépenses qui ont été occasionnées à la Confédération et aux cantons, compte tenu des frais de personnel et partant du fait que de nom- breux hauts fonctionnaires, dont certains occupent même des fonctions dirigeantes, ont dû laisser leur travail de côté pendant l'ex DG 84 et la période de préparation qui s'est étalée sur plusieurs années?
Est-ce un effet du hasard si la plupart des cantons ayant participé à l'exercice sont ceux qui ont été retenus par la CEDRA pour l'entreposage définitif des déchets radioactifs ?
Est-il exact que, selon le scénario de l'exercice, la presse de Suisse romande avait adopté des positions divergentes en ce qui concerne le principe de la neutralité et la concep- tion de la sécurité?
Le Conseil fédéral estime-t-il que le choix de cette hypo- thèse était politiquement judicieux ?
Faut-il en déduire que, si la situation devenait critique, on ne pourrait plus guère faire confiance à la presse romande?
Dans les scénarios de politique intérieure, quel rôle jouaient les étrangers et les réfugiés, les syndicalistes et les fonctionnaires, les membres de mouvements sociaux tels que les écologistes, les femmes, les jeunes, les pacifistes, les intellectuels, défendant d'autres formes de société, les milieux xénophobes, les profiteurs de guerre, les partisans de l'OTAN, etc .?
De quelle façon a-t-on tenu compte de l'évolution la plus récente dans le domaine des armes de moyenne portée (SS 20, Pershing 2, etc.) ainsi que de la réduction de la marge d'alerte à un minimum, alors que le Conseil fédéral
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Interpellation Landolt
n'a jamais fourni de renseignements sur les conséquences prévisibles pour notre pays?
Est-il exact que le scénario de l'exercice prévoyait le lancement par la France de deux bombes atomiques sur la Suisse, alors qu'officiellement, les autorités suisses ont tou- jours estimé, au cours des dernières années, qu'une guerre nucléaire était de moins en moins vraisemblable? Un telle contradiction n'est-elle pas préjudiciable au sérieux d'un tel exercice?
Est-il exact que le scénario de politique étrangère repo- sait notamment sur l'hypothèse que la guerre avait éclaté en raison de l'intervention soviétique en Grèce après que la gauche avait pris le pouvoir dans ce pays? Est-il vrai qu'il était prévu également qu'au cours des opérations, la France avait occupé la Suisse?
Est-ce pure coïncidence si les deux pays ainsi impliqués selon le scénario ont des gouvernements socialistes? Notre politique de neutralité ne risque-t-elle pas de souffrir du choix de telles hypothèses ?
Ne convient-il pas une bonne fois pour toutes de renoncer à de tels exercices ?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Bäumlin, Christinat, Euler, Fankhauser, Friedli, Hubacher, Jaggi, Lanz, Longet, Mauch, Neukomm, Pitteloud, Robbiani, Ruffy, Vannay (15)
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 11. März 1985
Rapport écrit du Conseil fédéral du 11 mars 1985
Es wäre nicht zu verantworten, den Stand unserer Vorberei- tungen bis in alle Einzelheiten offen darzulegen. Die aus didaktischen Gründen laufend wechselnden Szenarien könnten überdies in der Öffentlichkeit missverstanden wer- den. Aus diesen Gründen sind die Übungsanlagen solcher Übungen klassifiziert. Die Medien und damit auch die Öffentlichkeit wurden aber im Verlauf der Gesamtverteidi- gungsübung 84 (GVÜ 84) so weit als möglich orientiert. Den Mitgliedern der eidgenössischen Räte wurden auf Wunsch weitergehende vertrauliche Informationen erteilt; unter anderen hat auch der Interpellant solche erhalten.
Ein weiterer Grund dafür, die Leitung der GVÜ 84 dem Stabschef Operative Schulung zu übertragen, liegt in der Tatsache, dass die operativen Übungen der Armee, die ebenfalls von ihm angelegt werden, seit einiger Zeit mit den Gesamtverteidigungsübungen zusammengelegt worden sind. Die Armee ist auf das enge Zusammenwirken mit den zivilen Behörden angewiesen.
Die GVÜ 80 stand als bisher einzige Gesamtverteidi- gungsübung sowohl unter einem zivilen wie auch unter einem militärischen Übungsleiter. Eine solche Übungsspitze hat Vor- und Nachteile; sie verursacht nicht zuletzt höhere Kosten. Dennoch ist es durchaus möglich, dass zukünftige Gesamtverteidigungsübungen auch wieder nach dieser For- mel durchgeführt werden.
Die Kosten für die GVÜ 84 - soweit sie nicht durch die militärdienstpflichtigen Teilnehmer verursacht wurden, die ohnehin hätten besoldet werden müssen - belaufen sich
bundesseitig auf knapp 1,4 Millionen Franken. Dieser Betrag steht in einem guten Verhältnis zu den erzielten Verbesse- rungen im Bereich der Selbstbehauptung in ausserordent- lichen Lagen und den gewonnenen Erkenntnissen. Bei den Kantonen dürften die Verhältnisse ähnlich liegen.
Die Kantone, die an der GVÜ 84 mitgewirkt haben, wur- den mit Rücksicht auf das Szenarium nach regionalen, sprachlichen und organisatorischen Kriterien ausgewählt. Mit den Projekten der NAGRA hatte diese Auswahl nichts zu tun.
Die das Szenarium der GVÜ 84 betreffenden Fragen (6 bis 10) beantworten wir gesamthaft wie folgt: In der Übungsan- lage wurden weder Landesteile noch Parteien, politische oder andere Gruppierungen in irgendeiner Weise diskrimi- niert. Es wurden aber kritische Meinungen zur offiziellen Selbstbehauptungsdoktrin dargestellt, um den Übungsteil- nehmern die sachgerechte Auseinandersetzung damit zu ermöglichen. Darüber hinaus wurden Elemente der indirek- ten Konfliktführung simuliert, wie sie heute zum allgemei- nen Bedrohungsbild gehören.
Über Einzelheiten des Szenariums kann keine öffentliche Auskunft gegeben werden. Ganz allgemein diente die Übungsanlage dazu, das Verhalten der mitwirkenden Instan- zen in allen strategischen Fällen - also auch im Katastro- phenfall unter atomaren Bedingungen - zu überprüfen und die mutmassliche Effizienz unseres strategischen Instru- mentariums abzuschätzen. Hierfür wurden Annahmen ge- troffen, wie sie alle Staaten, die ihre Verteidigung ernst nehmen, zur Überprüfung ihrer Vorbereitungen treffen müs- sen. Die gedankliche Konstruktion von Krisen-, Kriegs- und Katastrophenlagen und deren Ursachen ist dabei unerläss- lich; mit überflüssigen «Kriegsspielen» haben solche Szena- rien nichts zu tun.
Im Verlaufe der letzten Jahrzehnte sind zahlreiche Übungen dieser Art organisiert worden. In ihren Szenarien sind immer wieder fremden Staaten Rollen zugedacht worden, die als Übungsgrundlage dienten. Die supponierte Ausgangslage der GVÜ 84 entsprach in keiner Weise der offiziellen Analyse der tatsächlichen Situation in den betroffenen Ländern.
Präsident: Der Interpellant ist von der Antwort des Bundes- rates teilweise befriedigt und verlangt Diskussion.
Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
42 Stimmen 54 Stimmen
84.917 Interpellation Landolt Instruktionsoffiziere der Sanitätstruppen Officiers instructeurs des troupes sanitaires
Wortlaut der Interpellation vom 13. Dezember 1984 Seit Jahren hat die Zahl der diplomierten Medizinalpersonen unter den Instruktionsoffizieren der Sanität abgenommen. Schon seit einiger Zeit befinden sich unter diesen Instrukto- ren weder Ärzte, Zahnärzte noch Apotheker. Es kommt daher vor, dass in Rekrutenschulen der Sanitätstruppen nur gerade einige abverdienende Leutnants oder Oberleutnants beruflich zu den Medizinalpersonen gehören.
Ich bitte den Bundesrat um Beantwortung folgender Fragen:
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Braunschweig Gesamtverteidigungsübung 84 Interpellation Braunschweig Exercice de défense générale 84
In
Dans
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Jahr
1985
Année
Anno
Band
II
Volume
Volume
Session
Frühjahrssession
Session
Session de printemps
Sessione
Sessione primaverile
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
17
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 84.595
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 22.03.1985 - 08:00
Date
Data
Seite
756-757
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Pagina
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