Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale 592 N 20 mars 1985 #ST# Dreizehnte Sitzung - Treizième séance Mittwoch, 20. März 1985, Vormittag Mercredi 20 mars 1985, matin 8.00h Vorsitz - Présidence: Herr Koller Arnold 81.084 Kernkraftwerk Kaiseraugst. Rahmenbewilligung Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale Fortsetzung - Suite Siehe Seite 430 hiervor - Voir page 430 ci-devant Nebiker: Voraussetzung für die Erteilung einer Rahmenbe- willigung ist bekanntlich der Nachweis des hinreichenden Bedarfes für die im Kernkraftwerk erzeugte Energie im Inland. Dieser Bedarfsnachweis ist problematisch. Von einem wirklich nachgewiesenen Bedarf, von einem Beweis kann keine Rede sein. Es handelt sich in jedem Fall um Prognosen mit allen Unsicherheiten, basierend auf den ver- schiedensten Annahmen. Besonders fragwürdig wird der Bedarfsnachweis angesichts der Werbung der Elektrizitäts- wirtschaft für den Stromverbrauch. Da wird ein Bedarf künstlich geschaffen, der dann gedeckt werden muss. Bewiesen ist also damit auch die Notwendigkeit für ein weiteres Kernkraftwerk nicht. Man muss allerdings zugeben, dass ein echter Beweis in guten Treuen gar nicht erbracht werden kann. Weder im Sinne der Kernkraftwerkbefürworter noch im Sinne der Kernkraftwerkgegner. Mit diesem frag- würdigen Bedarfsnachweis wird die Frage der Erteilung der Rahmenbewilligung für Kaiseraugst zu einer politischen und ideologischen Frage. Bedauerlicherweise verhärten sich dabei die Fronten. Ich möchte mich auf eine staatsbürgerliche Überlegung beschränken. Es ist eine Tatsche, dass der grösste Teil der Bevölkerung in der Nordwestschweiz verunsichert ist. Sie hat Angst vor einem weiteren Kernkraftwerk, Angst vor der Grosstechnologie, Angst vor dem Unbekannten. Es ist an sich unerheblich, ob diese Angst begründet ist. Sie existiert in allen Kreisen der Bevölkerung, unabhängig von Parteizu- gehörigkeit oder Herkommen. Es mag sein, dass diese Angst zum Teil geschürt worden ist. Angst, selbst unberech- tigte, lässt sich nun aber durch Argumentation nicht wegdis- kutieren. Der Angst gegenüber versagen die trockenen Stati- stiken, Prognosen und komplizierten Rechnungsmodelle. Das staatspolitische Problem besteht nun darin, dass einem vagen und umstrittenen Bedarfsnachweis für ein weiteres Kernkraftwerk eine offensichtlich verunsicherte und ver- ängstigte Bevölkerung gegenübersteht. Wenn ein wirklicher Energienotstand bestünde, könnte die Angst sicher teil- weise überwunden werden. Dieser Notstand existiert aber nicht, auch in zehn Jahren nicht. Voraussetzung ist, dass wir uns nur ein bisschen anstrengen in bezug auf Energiespa- ren. Deshalb sieht ein grosser Teil der Bevölkerung nicht ein, weshalb unbedingt ein Kernkraftwerk in Kaiseraugst - vielleicht nur aus Prestigegründen - durchgezwängt werden sollte. Diese Situation führt zu einer Missstimmung, zu Resi- gnation und zu Protest, zu Unverständnis der Auffassungen dies- und jenseits des Juras. Aus staatspolitischen Überlegungen ersuche ich Sie des- halb, den Antrag des Bundesrates um Erteilung der Rah- menbewilligung für das Kernkraftwerk Kaiseraugst abzuleh- nen. Vorläufig ist der Bedarf für ein weiteres Kernkraftwerk nicht hinreichend nachgewiesen. Ich ersuche Sie, für die Haltung der Bevölkerung der Nordwestschweiz Verständnis zu haben. Es geht nicht darum, dass eine Minderheit über die Mehrheit bestimmen sollte. Es geht vielmehr um Ver- ständnis der Mehrheit der ganzen Schweiz für die Minder- heit aus der Nordwestschweiz. Sollte das Parlament jedoch entgegen meinem Antrag der Rahmenbewilligung zustimmen, glaube ich, dass es unbe- dingt nötig ist, mit der Bauherrschaft ernsthaft Verzichtver- handlungen zu führen. Diese Verzichtverhandlungen müss- ten kompetent und in einer entspannteren Atmosphäre geführt werden. Die Suche nach besseren Lösungen ist dringend erforderlich. M. Thévoz: II n'est sans doute pas excessif d'affirmer que le sort que nous ferons au projet de construction d'une cen- trale nucléaire à Kaiseraugst constitue un test majeur pour nos institutions. Aussi n'est-il pas possible de participer à ce débat sans ressentir profondément toute la gravité des déci- sions que nous sommes appelés à prendre. Les positions de départ sont connues, elles ont du reste été excellemment rappelées, notamment par les deux rapporteurs, qui ont justifié avec pertinence l'existence de la clause du besoin; il n'y a donc pas lieu d'y revenir. Il me semble, en revanche, nécessaire de s'arrêter un instant sur l'aspect peu rationnel de l'opposition farouche qui se manifeste - notamment dans la région bâloise - contre la construction de cette centrale. Ce qui étonne surtout les observateurs disposant d'un peu de recul géographique, c'est le fait qu'une population qui vit dans une région hautement industrialisée, qui bénéficie de ce fait de tous les bienfaits incontestables de la prospérité et des retombées positives qui en découlent, qui ne craint pas le recours à l'utilisation des techniques de pointe les plus sophistiquées, soit à ce point méfiante à l'égard de l'énergie nucléaire. Le comble du paradoxe est atteint par le fait que la fameuse dioxine de Seveso, entreposée chez elle pour y être inciné- rée, la laisse apparemment indifférente. Ce contraste est d'autant plus surprenant que leurs voisins argoviens, qui comptent chez eux et de loin la plus forte concentration nucléaire du pays, s'en accommodent fort bien et ne sem- blent pas près de changer d'avis. Nous n'avons pourtant pas l'impression qu'ils soient moins bien informés que les Bâlois sur le fait nucléaire. Ils sont en tout cas plus directement concernés. Dès lors, que faut-il penser de cette contradic- tion flagrante? Les autorités de la région bâloise, qui font chorus avec les clameurs montant de la rue, n'ignorent pourtant pas que les industries implantées chez elles con- somment beaucoup de courant électrique, et que cette forme d'énergie est indispensable pour préserver le niveau de vie élevé de la population. Elles savent aussi fort bien que même les techniques visant à économiser l'énergie nécessi- tent l'emploi d'électricité. Il est par conséquent d'autant plus indiqué de produire ce courant à proximité que Kaiseraugst sera sans aucun doute une usine aussi sûr que les autres centrales helvétiques, et que la sécurité de la population bâloise ne posera pas plus de problèmes que dans les autres régions concernées par l'énergie nucléaire. Ajoutons à cela le fait qu'il faudra moins de lignes de transport à très haute tension, donc aussi moins de pylônes exposés aux exploits de lâches dynamiteurs et que, grâce au chauffage à distance, il sera possible d'économiser près de 280 000 tonnes de fuel par an. Qui peut dire mieux en matière de substitution de produits pétroliers par une éner- gie non polluante? Force est donc de chercher ailleurs les motifs de cette opposition, en grande partie irraisonnée et qui rappelle les grandes frayeurs du Moyen Age et de l'approche de l'an 1000. Cette attitude surprend d'autant plus que la population de Baie est connue pour son ouver- ture d'esprit et son légendaire sens de l'humour. Bien qu'il ne soit pas question de faire ici un procès d'inten- tion à la grande masse des opposants, il n'en demeure pas moins qu'on a le sentiment très net que des manipulateurs habiles ont réussi, et avec quel succès! à susciter et à exploiter cette crainte irraisonnée et ce réflexe de refus, à tel
Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale 594 N 20 mars 1985 verängstigt hat, dass jeder als Staatsfeind betrachtet wird, der den Wohlstand mit Kernenergie sichern möchte. Für mich sind die Voraussetzungen für die Bewilligung erfüllt. Nach Bundesverfassung habe ich ohne Instruktionen zu stimmen und damit meinem Gewissen zu folgen. Man hat ja schon einmal einen Kanton mit Sprengstoff gegründet. Ich hoffe fest, dass man nicht mit Sprengstoff das AKW Kaiseraugst zu verhindern sucht, und ich sage ganz offen: Auch ich habe Angst, Herr Nebiker. Loretan: Ich möchte einige Worte sagen über das Verhältnis Energiegewinnung aus Kernkraftwerken und Energiegewin- nung aus Wasserkraftwerken aus der Sicht des Landschafts- schutzes. Als echter Grüner ist man gegen Kernkraftwerke eingestellt, und selbstverständlich auch - da machen auch unechte Grüne mit - für die Erhaltung von Natur, Landschaft und Umwelt allgemein. Das «Für» findet meine Zustimmung, indessen habe ich mit dem «Gegen» etwelche Mühe; denn beim gleichzeitigen Für und Gegen beginnt es irgendwo mit der Folgerichtigkeit zu hapern. Geht man von Tatsachen und nicht von Wunschbildern aus, stellt man fest: 1. Der Verbrauch an Strom steigt Jahr für Jahr in grösserem Ausmass als gemäss der bundesrätlichen Botschaft zu die- ser Rahmenbewilligung. 2. Mit nahezu 70 Prozent Anteil am Energieendverbrauch befindet sich die Schweiz in einer nach wie vor viel zu grossen und energie- wie umweltschutzmässig ungemütli- chen Abhängigkeit vom Erdöl. Wir müssen alles daran setzen, diesen Anteil zu verkleinern. Als wirksamste und heute greifbare Möglichkeiten bieten sich die elektrische Energie sowie die Produktion von Fern- wärme in Kernkraftwerken an. Die sogenannten Alternativ- energien sind noch nicht so weit entwickelt, dass sie in nächster Zukunft eine genügende Substitutionswirkung bringen könnten. Darauf hat der Kommissionspräsident, Kollege Stucky, eindrücklich hingewiesen. Ich kann mich denen anschliessen, die verlangen, dass sich die Elektrizi- tätswirtschaft um eine haushälterische Nutzung ihres Pro- duktes mehr als bisher bemühen muss. Aber alle diese Anstrengungen von seilen der Produzenten wie der Konsu- menten bringen kein Sparpotential auf die Beine, das eine namhafte Substitution von Erdöl ermöglichen würde. Nebst der denkbaren landschaftschonenden Modernisie- rung und der Kapazitätserweiterung bei bestehenden Was- serkraftwerken brauchen wir- so sehen es Bundesrat und Kommission, und ich teile diese Meinung - ein weiteres Kernkraftwerk in den neunziger Jahren. Wenn wir heute diese letztere Möglichkeit verbarrikadieren, steigt der Druck auf die letzten freifliessenden Gewässer in schönen und schönsten Landschaften ins Unerträgliche. Wollen wir denn Landschaften wie Gletsch, Greina und andere auf dem Altar einer sachlich nicht begründbaren Gegnerschaft gegen eine umweltfreundliche Produktionsform elektrischer Energie opfern - das ist die Frage -, und dies dazu noch im Wissen, dass selbst ein forcierter Ausbau des Wasserpotentials nur knapp 10 Prozent der gegenwärtigen Stromerzeugung zusätzlich abdecken würde? Es mag eigenartig tönen von einem Aargauer Parlamentarier, wenn er seinem Kanton ein weiteres Kernkraftwerk zumutet und anderen Kantonen vor der vermeintlichen «Energiesonne», vor dem «Energie- glück» stehen will. Wäre es nicht gescheiter und vorsichti- ger, den Totalausbau unserer Wasserkräfte für die Energie- gewinnung ins Auge zu fassen und durch einen Verzicht auf ein weiteres Kernkraftwerk viele schwierige rechtliche und vor allem politische Probleme aus dem Wege zu räumen? Der Weg des geringsten Widerstandes war noch selten der beste; er löst echte Probleme nur scheinbar. Wo liegt der richtige Kurs zwischen der Scylla des Totalausbaus der Wasserkräfte und der Charybdis der erschwerten Durchsetz- barkeit eines Kernkraftwerkes wie Kaiseraugst? Wir sollten einerseits den berechtigten Begehren der Gebirgskantone, für ihren Anteil an der Stromproduktion besser abgegolten zu werden, bei der Revision des Wasserrechtsgesetzes Rechnung tragen; vielleicht geht dann der Appetit auf zusätzliche Einnahmen aus Neuanlagen zurück. Auf der anderen Seite sollte sich der Bundesrat energisch dafür verwenden, dass in Kaiseraugst eine Lösung ohne Kühl- türme möglich wird. Diesen Standpunkt vertritt die.Aargauer Regierung seit Jahren. Er fand im Postulat des Ständerates Eingang. Mit einer Änderung des Kühlsystems könnte in der Standortregion eine wesentliche politische Beruhigung erzielt werden. Der Verzicht auf Kühltürme drängt sich im übrigen gerade auch aus Gründen des Landschafts- und Ortsbildschutzes auf. Allermindestens muss ein schwaden- freies Kühlsystem realisiert werden. Die technischen Grund- lagen für Trockenkühltürme, nicht grösser als Nasskühl- türme, sollen nach meinen Erkundigungen vorhanden sein. Ich komme daher aus einer etwas spezifischen Sicht zur Meinung, wir sollten den Anträgen des Bundesrates und der Kommissionsmehrheit zustimmen, unter Einbezug des Postulates des Ständerates zum Kühlsystem. M. Meizoz: Qu'on le veuille ou non, nous ne sommes plus au temps des certitudes tranquilles des années 1950, époque où l'on croyait aux promesses d'un avenir sans nuages fondé sur l'utilisation pacifique de l'énergie atomique. Aujourd'hui, le doute s'est installé dans les esprits; la jeune génération le perçoit peut-être plus vivement encore que les aînés. Le sentiment d'inquiétude et d'insécurité que ressentent, face à l'atome, de plus en plus d'hommes et de femmes de ce pays, se nourrit de l'idée que le milieu vital risque d'être fondamentalement perturbé par la mise en œuvre des tech- niques nucléaires. Il se nourrit aussi du fait que la gestion des déchets irradiés n'a toujours pas trouvé de solution crédible. Enfin, tout le monde n'adhère pas encore au dogme de la parfaite fiabilité des installations atomiques. La population de la région bâloise est toute imprégnée de ce sentiment. On ne s'en étonnera pas. Toutes options politi- ques confondues, elle se cabre contre les prétentions de ces messieurs de Kaiseraugst. Parce qu'elle a peur, comme ont peur les habitants d'Ollon dans le canton de Vaud, d'Uri ou des Grisons où les projets de la CEDRA rencontrent la même opposition déterminée, pour les mêmes raisons. Cette peur, qu'elle soit justifiée ou non, exagérée ou non, n'en est pas moins un fait indéniable, une réalité que le pouvoir politique, à l'heure du choix, ne saurait délibérément ignorer. Je doute que l'on puisse imposer une installation nucléaire à une région qui n'en veut pas. On peut le craindre, l'épreuve d.e force est au bout de la décision que nous pourrions prendre au terme de nos délibérations. Or, dans le contexte général où la décision va tomber, le critère du besoin, source de tous nos maux parce que mal défini paraît déri- soire. Il pèse bien peu dans la balance des intérêts en cause, beaucoup moins en tout cas que l'aspect politique du pro- blème. Car, ce qui est en jeu dans ce débat, c'est bien plus le maintien de la paix civile dans notre pays que la possibilité offerte aux milieux de l'électricité de réaliser leur projet. Dans cette situation, la recherche d'une solution de compro- mis nous ménageant le temps d'une réflexion supplémen- taire et nous offrant la possibilité de revoir les données de notre politique énergétique, me paraît vitale. Jusqu'ici, le Conseil fédéral, pas plus que les promoteurs de la centrale, ne s'y sont laissés tenter. Certes, les choses auraient été beaucoup plus simples si ces derniers avaient renoncé d'eux-mêmes à leur dessein. Ils ne l'ont pas fait, préférant sans doute obtenir, au préalable, l'autorisation générale pour pouvoir, si les événements devaient les y contraindre, négocier demain en position de force avec le Conseil fédé- ral, en vue d'obtenir de substantiels dédommagements. Je soupçonne fort le Conseil fédéral de ne pas écarter totale- ment une telle perspective. Quant aux solutions miracles, dites alternatives, dont on fait grand étalage depuis quel- ques jours, le fait même qu'elles fleurissent toutes à la veille d'un vote décisif les rend suspectes. Tout donne à penser que nous sommes en présence d'une opération qui trahit le profond désarroi dans lequel sont plongés les partisans de la centrale, qui indique aussi com-
Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale 596 N 20 mars 1985 de façon différente. Or, que s'est-il passé? On a tout simple- ment annexé ce dernier tiers aux partisans de la centrale de Kaiseraugst. Tant sur le plan juridique que déontologique, c'est là une façon curieuse de travailler. La clause du besoin postulerait a priori deux choses: pre- mièrement que l'on se décide tout simplement à développer d'autres solutions et non une seule. En effet, si l'on fait l'impossible pour ne satisfaire les besoins en énergie que d'une seule manière, il va de soi que l'on travestit passable- ment l'idée d'une clause du besoin. Dans ce domaine, aussi bien en matière d'économie d'énergie que de développe- ment des énergies renouvelables, nous n'avons jamais réel- lement passé du stade déclamatoire à la pratique. Deuxiè- mement, que les compagnies livrant de l'électricité fassent des efforts, non comme aujourd'hui pour encourager par tous les moyens la consommation d'énergie, mais pour la freiner, voire pour la décourager. Or, que constate-t-on? Tout d'abord, au niveau de la politique des tarifs, dans de très nombreuses régions de notre pays, les compagnies d'électricité utilisent encore le système dégressif, c'est-à -dire que plus l'on consomme d'énergie, moins on la paie. C'est un peu le comportement du marchand de tabac qui fait de la publicité sur sa vitrine pour arrêter de fumer et qui vend à son comptoir trois paquets pour deux. Ces compa- gnies qui poussent à la consommation par leur politique des tarifs, afin de chercher à satisfaire cette clause du besoin par des voies détournées, encouragent la promotion du chauf- fage électrique. Il y a un célèbre exemple du côté de Neu- châtel où une entreprise, qui avait effectué des efforts loua- bles pour économiser l'énergie, s'est retrouvée avec une facture d'électricité plus importante que l'année précédente. Nous avons des exemples caricaturaux et extrêmes de ce type qui vous démontrent où nous en sommes en matière de politique des tarifs en Suisse. Le chauffage électrique est peut-être très propre chez l'usa- ger, mais le rendement global du système, qui connaît les problèmes de la qualité de l'énergie, est à peu près le plus mauvais que l'on puisse imaginer. En effet, on peut satisfaire les besoins de chaleur qui sont de l'énergie dégradée par toutes les sources d'énergie, alors que les besoins d'éner- gie-force ne peuvent être remplis que par l'électricité. En fait, l'utilisation de l'énergie électrique pour la chaleur est comparable à l'octroi de nourriture fine à des animaux. On constate donc que le problème est assez grave et que, de plus, les compagnies d'électricité tentent d'éviter, par tous les moyens, une loi sur l'électricité. En fait, la manière dont la clause du besoin est satisfaite est assez proche de celle qui, pour un être humain, consisterait à absorber massive- ment des laxatifs. Je voudrais encore faire quelques brèves remarques sur les forêts. On utilise systématiquement l'argument du S0 2 et l'on prétend que pour sauver l'environnement il faut faire du nucléaire. Je souhaite que les députés étant de cet avis lisent le rapport de l'Office fédéral de la protection de l'environnement. Si l'on prenait les mesures de dépollution nécessaires pour le dioxyde de soufre, en quatre ou cinq ans nous pourrions parvenir à satisfaire l'objectif déterminé de 1950. Dans le meilleur des cas, il faudra dix ans pour construire votre centrale nucléaire. Par conséquent, l'objec- tif de 1950 étant atteignable par des mesures antipollution plus rapidement, je vous prie de cesser d'utiliser cet argu- ment, car la meilleure de vos techniques coûtera, d'une part, beaucoup plus cher et, d'autre part, ne résoudra le pro- blème que cinq à six ans plus tard. Bürer-Walenstadt: Mit dem heutigen Entscheid über die Rahmenbewilligung Kaiseraugst geht es nach meiner Ansicht nach wir vor um den Grundsatzentscheid, ob Kern- energie weiterhin verwendet werden soll oder nicht, bzw. um die Frage des Bedarfsnachweises für ein weiteres Atom- kraftwerk im nächsten Jahrzehnt. Grundsätzlich hat sich nach unserer Debatte im letzten Jahr, als wir über die beiden Atominitiativen diskutierten, im Energiesektor nichts Wesentliches verändert, höchstens, dass die bescheidenen Prognosen des Bundesrates über den künftigen Strombedarf nach den letzten Erfahrungen heute schon nach oben korrigiert werden müssten. Die Bedarfsfrage wurde nach meiner Meinung auch vom Schweizervolk bejaht, indem es die beiden Initiativen abge- lehnt hat. Der Schweizer will demnach die Versorgungssi- cherheit bei der Elektrizität nicht missen. Diese ist bei uns glücklicherweise hoch und im Gegensatz zu anderen Energieträgern, wie zum Beispiel dem Öl, grösstenteils aus- landunabhängig. Der Vorwurf der Überkapazität elektrischer Energieanlagen in der Schweiz ist nicht gerechtfertigt. Natürlich ist es möglich und auch richtig, in den Sommer- monaten Strom zu verkaufen, statt die Werke stillzulegen. Doch die Kapazität muss ja für den Winterbedarf ausgerich- tet sein. Die Konsequenzen, sollte diese fehlen, haben'einige Länder in Europa in diesen harten Wintermonaten schmerz- lich erfahren müssen. Das Werk Leibstadt, seit letzten Herbst in Betrieb, bringt uns leider nur eine kurze Verschnaufpause bei der Bedarfsdek- kung. Wir müssen heute sicher zum sechsten Atomkraft- werk in der Schweiz ja sagen. Als Standort ist Kaiseraugst sicherauch möglich. Die Gründe hiefür wurden schon genü- gend angeführt. Immerhin sei nochmals mit Herrn Wellauer daran erinnert, dass die nukleare Abwärme genutzt werden kann und damit einige tausend Tonnen Heizöl ersetzt wer- den könnten. Ein Wort noch zur immer wieder vorgebrachten Forderung, den notwendigen Strom aus dem Ausland zu beziehen und damit auf Kaiseraugst zu verzichten: Solche Verträge sind nicht neu, wir haben sie bereits mit Fessenheim, dies jedoch in quantitativ bescheidenem Rahmen. Ich glaube aber nicht, dass es richtig ist, solche Stromimporte im grossen Stil zu tätigen und damit die Auslandabhängigkeit zu fördern. Sind wir einmal vom Ausland abhängig, werden uns diese Strom- erzeuger über kurz oder lang den Strompreis diktieren. Bei einer Energieverknappung im Exportland könnten die Liefe- rungen in unser Land reduziert oder gar gestoppt werden, Das Risiko einer Unterversorgung besteht ebenfalls. Man wäre hier versucht, einen österreichischen Witz anzuführen. Zudem gilt es, zu bedenken, dass der für den Export bestimmte Strom, zum Beispiel aus Frankreich, in erster Linie doch auch aus Kernkraftwerken kommt. Es ist unfair, im eigenen Land keine Kernkraftwerke zu wollen, diesen Strom hingegen aus Werken im Ausland zu beziehen. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen von Stromimporten in grosser Quantität sind für unser Land nicht zu verantworten. Deshalb müssen wir auf ein weiteres Kraftwerk hinzielen. Das Kernkraftwerk Kaiseraugst ist nach meiner Meinung eine mögliche und taugliche Lösung. Dabei sollte es aber möglich sein, vor allem mit Bezug auf die Kühlung, bessere technische Lösungen anzubieten. Geissbühler: Persönlich vertrete ich die Auffassung, dass wir den Anträgen des Bundesrates und dem Beschluss des Ständerates zustimmen sollten, weil sich der Bedarfsnach- weis für ein weiteres Kernkraftwerk auf Mitte der neunziger Jahre bis zum heutigen Zeitpunkt als realistisch erwiesen hat. In der Walddebatte vom Februar ist in diesem Rate mit eindrücklichen Mehrheiten der Wille bekundet worden, die Verschmutzung unserer Atmosphäre zu vermindern. Mit der Erteilung der Rahmenbewilligung für Kaiseraugst tun wir heute einen wichtigen Schritt zur langfristigen Verbesse- rung der Situation und vor allem auch zur Verbesserung der Lage in bezug auf die Auslandsabhängigkeit auf dem Energiesektor. Mein Wohnsitz liegt im Bereich des geplanten Kernkraftwer- kes Graben. Wir stellen mit grosser Besorgnis fest, wie in bezug auf Kaiseraugst mit der Angst Politik getrieben wird. Wenn diese Angst wirklich einen realen Hintergrund hätte, dann bin ich der Auffassung, dass es keine Rolle spiele, ob wir mit einem Kernkraftwerk 100 000 oder bloss 50 000 Men- schenleben gefährden. Also müsste endgültig auf die Kern- energie verzichtet werden. Daraus folgere ich, dass bei einem Auftrag für Verzichtverhandlungen mit Kaiseraugst auch Verzichtverhandlungen mit Graben und Verbois geführt werden sollten, um nicht weitere Kosten sinnlos
Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale 598 N 20 mars 1985 nicht der Fall, und darum hat sich bis heute nichts geändert, auch nach Harrisburg nicht. Jeder weiss nämlich genau, dass dort gar kein Unglück passiert ist, sondern eine Panne, auf die man zunächst keine Antwort wusste. Tatsache ist, dass alle Leistungsreaktoren der Welt zusam- men bis heute rund 3500 Betriebsjahre erbracht haben und dass noch nie - ich wiederhole - ein Mensch durch den nuklearen Teil eines Kernkraftwerkes zu Schaden gekom- men ist. Wei.l das so ist und weil alle Schreckensmeldungen über Unfälle oder Strahlungsschäden bei Atomkraftwerken, und zwar ausnahmslos alle, als Zwecklügen entlarvt werden, sind die Atomgegner auf etwas anderes verfallen. Sie entwerfen schaurige Phantomunfälle, die nach menschli- chem Ermessen niemals eintreten können, und sie malen Katastrophenszenarien an die Wand, um der Menschheit das Fürchten beizubringen. Unentschuldbar ist dabei, dass die Angstpsychose gegen die Atomkraft weitgehend von Intelektuellen geschürt wird, die die Realitäten ganz genau kennen und die wider besseres Wissen das Gegenteil behaupten. Das ist in meinen Augen akademische Unred- lichkeit, und dieser Aspekt der Atomkontroverse wird vor der Öffentlichkeit viel zu wenig gebrandmarkt. Wenn bei den Atomgegnern Ärzte und Physiker mitmarschieren, und dies aus Zivilisationsüberdruss oder aus Technologiefeindlich- keit tun, dann mögen sie hinstehen und sich dazu beken- nen. Aber wenn Leute wissenschaftlich denken gelernt haben, wozu bekanntlich auch das kritische Quellenstudium gehört, und dennoch im genauen Wissen das Gegenteil, zum Beispiel niemals vorgekommene Atomunfälle, erzäh- len, verletzen sie grundlegende Gebote ihres Standes und stellen sich ins Abseits, selbst im Bereich der Nuklear- medizin. Es geht jetzt nicht nur darum, in bezug auf die Bewilligung für Kaiseraugst endlich aus der Verkrampfung herauszu- kommen und der unverantwortlichen und durch nichts gerechtfertigten Verschleppung des Entscheids ein Ende zu setzen, sondern es ist auch überfällig, endlich in breiter Front der Atomhysterie entgegenzutreten und die völlig ins Ireale abgeglittene Diskussion über die Nuklearkraft wieder auf den Boden der Wirklichkeit zu stellen. Dies allein ist eines Volkes würdig, das demokratisch so gut geschult ist und das über einen so hohen Bildungsstand verfügt wie das unsrige. Weder-Basel: Solange dem Energiesparen bzw. der ratio- nelleren Energienutzung nicht erste Priorität eingeräumt wird, so lange wird man Bedarfslücken konstruieren kön- nen. Sie sind und bleiben aber auf jeden Fall willkürlich. Dass ich über die politischen Auswirkungen eines Ja zur Rahmenbewilligung sehr besorgt bin, habe ich bereits in meinem Eintretensvotum erläutert. Ich möchte speziell beto- nen, dass es fahrlässig wäre zu glauben, die Bevölkerung von Basel und der Region hätte nicht Kenntnis von der Tatsache, dass nirgendwo auf der Welt eine derartige Bal- lung von Atomreaktoren geplant ist wie in der Region Basel. Ich habe das auch schon gesagt und ich komme darauf nicht mehr zurück. Aber diese aufgezwungene Ballung ist ein Akt politischer Rücksichtslosigkeit. Wenn wir jetzt hinge- hen und Kaiseraugst bewilligen, Herr Bundesrat, dann wer- den wir uns nicht gegen Schwörstadt l und II und Fessen- heim III, IV, V und VI wehren können, dann hat nämlich die Schweiz die Werke vorweggenommen, und wir werden dann von unseren französischen und deutschen Nachbarn nicht einmal mehr an den Verhandlungstisch gebeten. Aber wenn wir auf eine Ballung von Reaktoren verzichten wollen, dann muss man doch dieser Region die Möglichkeit zu einem Staatsvertrag zugestehen. Basel will im übrigen nicht zum atomaren Ruhrgebiet werden, auch wenn noch so viele Leute hier der Auffassung sind, man könne das dieser Region zumuten. Die Bevölkerung von Basel hat aber auch Kenntnis davon, dass heute in Amerika jedes Atomkraftwerk 35 Kilometer vom nächstgrösseren Ballungszentrum entfernt erstellt wer- den muss. Nähere Standorte sind nicht mehr erlaubt. Wir wissen im übrigen auch, dass in Amerika seit 1978 kein neues Atomkraftwerk mehr in Bestellung ging. Insofern ist es vorteilhaft, dass dort die Betreiber der Reaktoren Private sind. In unserer Schweiz ist das so halbstaatlich, deshalb weiss man nie ganz genau, wie die Strukturen verlaufen. Heute wurde wieder vermehrt von der Unabhängigkeit vom Ausland geredet. Das Gegenteil trifft doch zu! Wenn wir A- Werke bauen, werden wir im doppelten Sinne abhängig: Wir beziehen das Uran im Ausland, und wir sind bei der Aufbe- reitung des Kernbrennstoffes ebenfalls vom Ausland abhän- gig. Zurzeit geschieht das nur in Frankreich. Auch in einem dritten Punkt werden wir abhängig, nämlich wenn wir den hochradioaktiven Müll in unsere Schweiz zurücknehmen müssen. Das wird ab 1990 der Fall sein. Wohin dieser hochradioaktive Müll geht, Herr Bundesrat, würde mich langsam interessieren, denn in fünf Jahren ist das soweit. Ich komme zum Atommüllproblem. Hier hätte ich erwartet, dass auch der Bundesrat und vor allem die beiden Kommis- sionspräsidenten noch etwas sagen. Denn seit Ausarbeitung der Botschaft, die der heutigen Diskussion zugrunde liegt, hat sich die Situation dramatisch verschlechtert. Ich will Ihnen das erläutern: 1. Wir dürfen - Gott sei Dank! - den Atommüll nicht mehr im Meer versenken. 2. Im Endlager Asse II wurde auch Schweizer Atommüll versteckt. Dieses Endlager ist geschlossen worden und wird nicht wieder eröffnet. Die Bundesrepublik Deutschland prüft gegenwärtig, wie man diesen Müll wieder entsorgen kann. 3. Ab 1990 müssen wir gar - wie bereits gesagt - den Atommüll in die Schweiz zurücknehmen. Wohin mit diesem Müll? Über die Kosten für die Beseitigung der Atomruinen und für die Beseitigung des Atommülls gibt es nur amerika- nische Schätzungen. Diese Schätzungen liegen zwischen 250 Millionen und 5 Milliarden Dollar. Man stelle sich eine solche Diskrepanz vor. Am Schluss werden dann die Strom- konsumenten oder die Steuerzahler die Zeche zu bezahlen haben. Das Atommüllproblem ist besonders brisant, wenn man bedenkt, wie lange die radioaktiven Stoffe von der Biosphäre ferngehalten werden müssen. Es ist in hohem Masse unverantwortlich, unseren Nachkommen Atommüll zu hinterlassen, von dem man nicht weiss, wie man ihn beseitigen kann. Es geschieht zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit, dass eine Hypothek auf die Gesundheit kommender Generationen aufgenommen wird, von der man nicht sicher weiss, ob diese Generationen je einmal diese Hypothek abtragen können. Beim Atommüll spielen deshalb ethische Momente eine wichtige Rolle. Das Atommüllproblem hat Dimensionen, denen wissenschaftli- che und politische Routine nicht gerecht wird. Die Besinnung auf ethische Grundlagen und letzte Werte der menschlichen Existenz ist unerlässlich. Was aber ethisch und moralisch falsch ist, das kann politisch und wirtschaftlich überhaupt nie richtig sein. M. Petitpierre: La loi nous oblige à nous prononcer exlusive- ment sur l'existence d'un besoin effectif dans le pays compte tenu des mesures d'économies possibles, du rem- placement du pétrole et du développement des autres formes d'énergie. Je ferai trois observations a cet égard. Premièrement: Comme la couverture des besoins actuels est plus que largement assurée, nous sommes renvoyés pour l'avenir à des prévisions. L'élaboration de celles-ci dure déjà depuis assez longtemps pour qu'apparaisse le caractère tout relatif de leur exactitude. Selon des spécia- listes reconnus de l'économie électrique qui s'exprimaient en 1978, nous devrions vivre aujourd'hui, déjà dans la pénu- rie: un manque de l'ordre de 10 pour cent. Or, nous vivons l'inverse, nous vivons un excédent notable de production d'électricité. Je ne rejette évidemment pas a priori toute prévision. Mais il faut savoir qu'elles sont peu fiables et que, jusqu'ici, elles ont été révisées à la baisse. On ne peut donc s'en contenter pour fonder une politique, ni pour imposer à des populations qui n'en veulent pas des installations nu- cléaires. Deuxièmement, il faut apporter aux prévisions les compiè-
Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale 600 N 20 mars 1985 Hess: Selten befassen wir uns mit Fragen, die so direkt und nachhaltig in das Leben und die Umwelt sowohl unserer wie auch nachfolgender Generationen eingreifen wie die Genehmigung der Rahmenbewilligung für Kaiseraugst. Ich erachte es daher für angebracht, zu dieser Vorlage einige Überlegungen staatspolitischer Natur anzubringen. 1. Genügt das Bewilligungsverfahren den Anforderungen demokratischer Rechtsstaatlichkeit? Ich meine: Ja. Der Bundesbeschluss zum Atomgesetz, welcher das Bewilli- gungsverfahren regelt, ist grossmehrheitlich angenommen worden und hat somit seine im breiten Volkswillen abge- stützte Legitimation. Andererseits gibt die im Bundesbe- schluss vorgesehene Aufteilung des Bewilligungsverfahrens in mehrere Teilschritte dem Volk, den betroffenen Regionen und dem einzelnen Mitbürger Gelegenheit, jeweils ihre eigene Auffassung zu einem Projekt für ein Kernkraftwerk darzutun. Diese Diskussion im Volk ist ein wertvoller, ja mitentscheidender Garant dafür, dass alle relevanten Aspekte eines Projektes kritisch geprüft und dass neue Erkenntnisse in jeder Verfahrensetappe in das Bewilligungs- verfahren eingebracht werden können. Ich verweise hierauf die neuerdings aufgeworfene Frage nach der Wahl des Kühlsystems. 2. Das Schweizervolk hat sich frei und offen zur Kernener- gie ausgesprochen. Die Tatsache, dass wir heute nicht pri- mär technische Aspekte, sondern vorab die Frage nach dem Bedarf für zusätzliche elektrische Energie zu diskutieren haben, verlangt, dass wir den Volkswillen in die Entschei- dungsfindung miteinbeziehen. Denn so zentrale Fragen wie Nachfragebefriedigung oder Nachfragehemmung, Energie- überschuss oder Energieengpass, Energieproduktion aus Wasserkraft, aus Kohle oder aus Kernkraft, treffen jeden einzelnen Mitbürger höchst persönlich. Blosse Hinweise auf Sachzwänge genügen da nicht mehr. Es ist also das Volk, das letztlich entscheiden muss, ob-es Wachstum oder Sta- gnation will. Es muss sich äussern, ob es bereit ist, Wohl- stand und Lebensstandard massgeblich zurückzubinden oder nicht. Das Volk hat entschieden. In der Abstimmung vom 23. September 1984 hat es, wiederum grossmehrheit- lich, die zweite Atominitiative abgelehnt. Diese Atom- initiative war nicht bloss ein Plebiszit für oder gegen Kaiser- augst. Mit der Ablehnung der gleichzeitig aufgelegten Energie-Initiative hat sich das Volk auch klar gegen ein- schneidende Energiesparmassnahmen ausgesprochen; ob zu Recht oder nicht, das muss hier dahingestellt bleiben. 3. Das Projekt Kaiseraugst hält aber auch unserer Grund- rechtsordnung stand. Wir müssen die Frage nach dem Bedarf für ein neues Kernkraftwerk abwägen mit den öffent- lichen und den privaten Interessen, die auf dem Spiel ste- hen. Dabei ist die Grundrechtsschwelle gerade hier hoch anzusetzen. Im Rahmen dieser Interessenabwägung wiegt die Bejahung der Rahmenbewilligung gegenüber den sicher berechtigten Anliegen der Region Basel obenauf. Denn ist das Schweizervolk nicht bereit, eine nachhaltige Einschrän- kung des Energiekonsums auf sich zu nehmen, so müssen wir auch in Zukunft einen steigenden Energiebedarf decken. Weil wir gleichzeitig die Umweltbelastung vermindern - Stichwort Fernwärmenutzung - und die durch einen weite- ren Ausbau der Wasserkraft hervorgerufene Beeinträchti- gung der Landschaft verhindern wollen, bleibt uns aus heu- tiger Sicht nur die Elektrizitätsgewinnung aus Kernenergie. Zum Schluss noch ein Wort zu Herrn Hubacher: Auch ich bin nicht der Meinung, dass die Realisierung von Kaiser- augst von der Armee erzwungen werden soll. Aufgrund der vorher zitierten staatspolitischen Grundsätze wird es aber Aufgabe der Behörden, auch jener aus der Region Basel, sein, mit den ihnen zur Verfügung stehenden zivilen Mitteln die Realisierung zu ermöglichen. Tragen Sie, Herr Huba- cher, das Ihre dazu bei, nicht mit an Aufwiegelung grenzen- der Verunsicherung, sondern mit verantwortungsbewusster Darlegung aller relevanten Entscheidungsgrundlagen. Sager: Ein Zitat zum Anfang: «Neben Atomkraftwerken zur Stromerzeugung werden wir auch Atomkraftwerke zur Wär- meversorgung errichten. Im ganzen bedeutet dies eine Umorientierung der Strategie der Energiewirtschaft. Der Vorrang wird hierbei den Atomkraftwerken eingeräumt.» Diese Worte stammen von Pjotr Neporoschnij, dem Erdölmi- nister der UdSSR, dem einzigen grösseren Industriestaat der Welt, der über hinreichende eigene Energie verfügt und mithin auf die Atomkraft verzichten könnte. Indes steht das grösste Energiekraftwerk der Welt im litauischen Ignalinsk. Und mitten in der Stadt Leningrad - einer Stadt mit 4,8 Millionen Einwohnern - steht ein Atomkraftwerk mit einer Nennleistung von 4000 Megawatt. Zum Vergleich: für Kaiseraugst sind 900 Megawatt vorgesehen und Sicherheits- vorschriften, die sehr weit über die sowjetischen hinausrei- chen. Warum baut die Sowjetunion mit höchster Priorität Atom- kraftwerke und neuerdings auch schnelle Brüter? Doch wohl, um mehr Energie in den Westen liefern zu können! Warum versucht sie, mit der Invasion in Afghanistan eine Stellung zu halten, um nach Khomeinys Tod in den Macht- kampf in Teheran einzugreifen? Doch wohl, weil die Golf- länder im Nahen Osten noch für zwei bis drei Jahrzehnte die Energiebasis Westeuropas darstellen. Wenn aber eine aggressive, politisch feindliche Macht mit genügend eigener Energie den Nahen Osten kontrolliert, ist Westeuropa erpressbar. Das ist ein strategisches Argument. Der Hinweis auf den Sozialdemokraten Mitterrand, der nach wie vor mit hoher Priorität Atomkraftwerke bauen lässt, ist ein ideologi- sches Argument. Über die Gegner der Atomenergie bei uns sagte der Präsi- dent der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Anatol Alexandrow: «Nicht die wirkliche Gefahr der radioaktiven Verseuchung durch Kernkraftwerke verursacht den Wider- stand der kapitalistischen Länder gegen diese Form der Energieerzeugung, sondern es sind Erwägungen konjunktu- rellen Charakters. Die Einrichtung von Kernkraftwerken schmälert die Profite der Erdölmonopole.» Soweit Alexan- drow, der damit zu verdecken sucht, dass die Errichtung von Kernkraftwerken im Westen unsere Abhängigkeit von der Sowjetunion schmälern würde. Hier liegt ein Problem, das auch Kollege Müller-Aargau überdenken müsste. Haben wir die Zeit zu warten, bis die vorletzte Minderheit von der Notwendigkeit von Kernkraftwerken überzeugt ist? Ich jedenfalls bin es. Müller-Bachs: Wenn ich in einer grossen Tages- oder Wochenzeitung die Stellenangebote durchblättere, dann springen mir besonders grosse und auffällige Inserate in die Augen. Es handelt sich um Angebote von Spitzenpositionen in der Wirtschaft. Die Anforderungen, die dort gestellt wer- den, sind weit überdurchschnittlich bezüglich Intelligenz, Arbeitskraft, Ausbildung. Es ist da die Rede von Dynamik, expandieren, maximieren, Führungsqualität und Durchset- zungsvermögen, ja sogar von Aggressivität. Je penetranter diese Eigenschaften bei den Kandidaten vorhanden sind, um so grösser sind die Erfolgsaussichten. Wir brauchen diese Persönlichkeiten, wir brauchen eine starke Wirtschaft. Sie sind Voraussetzung für Vollbeschäftigung, Wohlstand, Fürsorgeeinrichtungen, Forschung, Umweltschutz. Wir dürfen aber nicht in den Fehler verfallen, einen Teil, die Wirtschaft, für das Ganze zu setzen oder die Qualitäten, die einen Wirtschaftsführer ausmachen, als menschliche Quali- tät schlechthin zu taxieren. Die Tätigkeit an der Spitze einer wirtschaftlichen Kampfeinheit prägt den Charakter sehr nachhaltig und bewirkt eine massive «déformation profes- sionnelle». Wirtschaftsführer sind gewohnt, entweder ganz für oder ganz gegen etwas Stellung zu beziehen, etwas durchzuboxen oder etwas flachzuwalzen. Ich habe das selbst sehr eindrücklich erlebt, als ich noch in der Pharma- industrie in Südamerika tätig war. Wenn zum Beispiel unsere Konkurrenz ein Medikament auf den Markt brachte, das dem unserer Firma überlegen war, dann haben wir nicht unser Produkt zurückgezogen, sondern die Werbung für dieses intensiviert. Die Werbung darf nicht im Widerspruch zur Wahrheit stehen. Sie muss aber nicht unbedingt die ganze Wahrheit enthalten.
Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale 602 N 20 mars 1985 weniger Strom brauchten, etwa durch ein Verbot von Tief- kühltruhen, Elektroboilern, Geschirrspülern, Tumblern, Luft- befeuchtern usw. Können wir mit gutem Gewissen Kaiseraugst ablehnen, aber gleichzeitig den Bewohnern Berns Mühleberg zumuten, das nicht viel weiter entfernt von hier liegt als Kaiseraugst von Basel? Können wir mit gutem Gewissen Strom aus dem Kanton Aargau beziehen, wo die Einwohner von Aarau 7 Kilometer von Gösgen entfernt daheim sind, jene von Brugg 12 Kilometer von Leibstadt, 8 Kilometer von Beznau, 7 Kilometer von Würenlingen und 5 Kilometer von Villigen? Wir beziehen aber nicht nur Atomstrom, sondern auch Strom aus Werken, in deren Umgebung die Menschen im Schatten riesiger Staumauern leben. Diese sind potentiell gefährlicher als KKWs. Es gab in der Welt schon Dutzende von Stauseekatastrophen. Ich erinnere an jene im Piavetal und bei Fréjus, wo Tausende in den Fluten ertrunken sind. Wenn man schon Kernenergie als ein Pakt mit dem Teufel bezeichnet: Dieser Pakt ist schon zuvor geschlossen worden! Wenn bei gefülltem See die Lucendro-Staumauer am Gott- hard bricht, gerät Andermatt in eine Flutwelle von 14 Meter Höhe; in Flüelen sind das noch 6 Meter. Die Mauer der Grande Dixence hält 400 Millionen Kubikmeter Wasser in Schranken. Damit Sie sich eine Vorstellung machen kön- nen: das sind zehn Zisternen-Eisenbahnzüge um den Äqua- tor herum. Versagt die Mauer, ertrinken nicht nur die Bewohner unterhalb von Sitten. Es werden auch etwa 1,5 Meter Erdoberfläche der Rhoneebene weggeschwemmt. Es wird über 100 Jahre kein Kraut mehr wachsen, von Men- schenleben nicht die Rede. Die Fluten werden sich in den Léman ergiessen und entlang des Sees bis nach Genf Städte und Dörfer, Häuser und Menschen mit sich reissen. Das sind keine Horrorvisionen, sondern Risiken, die wir kennen, die wir anderen zumuten, die wir glauben, verant- worten zu können. Aber wir sollten uns ihrer bewusst sein, wenn wir Strom aus dem Wallis, aus Graubünden, aus dem Glarnerland oder aus dem Berner Oberland beziehen. Man darf im Hinblick auf die Verwendung von Kohle auch daran erinnern, dass bei deren Abbau allein in der Bundes- republik Deutschland seit dem Zweiten Weltkrieg über 30 000 Bergleute ihr Leben verloren haben. Bei einem Ja zu Kaiseraugst werde der Rechtsstaat einer Zerreissprobe ausgesetzt, wurde gesagt. Das gleiche gilt aber auch bei einem Nein, weil wir damit bloss den Schwar- zen Peter an eine andere Region weitergeben. Auch die beiden Basel haben der Revision des Atomgeset- zes zugestimmt und damit dem Weg, den wir heute beschreiten müssen. Das Ja zur Rahmenbewilligung ist für die Mehrheit unserer Bevölkerung schmerzlich. Aber - damit widerspreche ich anderen Rednern, ob «Sürmel» oder nicht (Heiterkeit) (Anm. Red.: Anspielung auf «Blick»- Schlagzeile)- dieser Entscheid wird akzeptiert werden, zwar murrend, aber im Wissen darum, dass auch wir auf Atom- strom angewiesen sind und nicht weiterhin nur anderen Kernkraftwerke zumuten können. Was unser Verhältnis zur Eidgenossenschaft betrifft, schliesse ich mit einem Zitat von Oskar Reck: «Die Basler Bundestreue steht, allen gegenteiligen Behaup- tungen zum Trotz, nicht zur Debatte. Nur professionelle Besetzungstouristen, hergelaufene politische Missionare und eine winzige Minderheit der ansässigen Bevölkerung können behaupten, im Falle missliebiger demokratischer Entscheide zu Energiefragen wende man sich von der Schweiz ab. Basel ist allein schon wirtschaftlich ohne Eidge- nossenschaft nicht denkbar, geschweige denn politisch.» («Weltwoche», 17. Mai 1984) M. Martin: J'aimerais réaffirmer en préambule que je ne suis pas un antinucléaire. J'espère très fermement que la techni- que actuelle de fission de l'atome, technique génératrice de déchets, ne sera qu'une parenthèse à fermer le plus rapide- ment possible. L'empoisonnement irréversible de certaines régions de notre planète et la survie de l'humanité en dépen- dent plus ou moins directement. Chacun admettant que cette parenthèse doit être fermée au plus vite, il importe, en outre, que le nombre de centrales en activité ou à construire soit restreint au maximum; d'où une application de la clause du besoin absolument dracon- nienne, fondée sur des hypothèses sérieuses, réalistes et vraisemblables. On l'a dit et répété à cette tribune, la Commission fédérale de l'énergie est partagée quant aux besoins de construire aujourd'hui une nouvelle centrale. Ayons donc la sagesse d'attendre une nécessité absolue, d'autant plus que le seuil permettant de déterminer le besoin (une pénurie tous les vingt ans), est fixé très haut, tellement haut qu'il permet d'exporter au minimum 19 années sur 20. Pourquoi vouloir à tout prix construire aujourd'hui cette centrale, et de surcroît, à Kaiseraugst? Le débat passionné que nous tenons avec tous les risques majeurs que cela comporte pourrait être évité. L'irrationnalité en matière nucléaire à toutes les phases du processus est devenue momentanément un fait. Nous devons dès lors l'introduire comme tel dans la réflexion et en tenir compte dans nos décisions. Cette remarque se justifie autant pour le site des centrales que pour celui du dépôt de déchets, problème non résolu à ce jour. Si notre conseil accorde aujourd'hui l'autorisation générale, cette décision sera interprétée par les électriciens comme un encouragement à la construction et à la promotion du tout électrique. Si, à moyenne échéance, la fusion de l'atome d'hydrogène peut résoudre nos problèmes d'appro- visionnement en énergie et, simultanément, la pollution par les déchets, la mise en œuvre de mesures d'économie nous permettra de passer essentiellement ce cap difficile. Par économie, j'entends aussi l'utilisation de pompes à chaleur ou d'installations couplées chaleur/force, même à base nucléaire, plus rationnelles que les centrales. Il est bon de rappeler que la double transformation de l'énergie primaire nucléaire gaspille les trois quarts de celle-ci. A maintes reprises à cette tribune, on a évoqué le fonction- nement de notre démocratie, de la soumission de la minorité à la majorité, de notre Etat de droit et de son respect de l'autorité. Mais notre démocratie est aussi fondée sur un consensus à tous les niveaux, décentralisée et attentive aux divers courants fondamentaux qui l'agitent; où la contrainte devrait y rester l'exception et ne pas devenir la règle. De notre vote dépend en fait beaucoup plus la stabilité politique de notre pays et des régions qui le composent durant ces prochaines années qu'un aléatoire manque d'énergie. En un mot, nous allons choisir entre deux ris- ques: celui de manquer une fois d'énergie pendant quel- ques heures et celui de subir à coup sûr un affrontement permanent pendant toute la durée de la construction de cette centrale. Très sincèrement, poser ainsi le problème, c'est y répondre implicitement. Certains, même dans ce Parlement, préconisent le oui à Kaiseraugst en étant, disent-ils, certains que la centrale ne se fera pas. Je dénonce cette hypocrisie rassurante, calcula- trice ert dangereuse. Si, dans cette Chambre, nous approu- vons la clause du besoin, le Conseil fédéral aura l'obligatoire mission d'accorder l'autorisation de construire Kaiseraugst, puis de maintenir l'ordre pendant les travaux ou sinon de perdre toute crédibilité. En disant non aujourd'hui à l'autorisation générale, nous évitons d'enfermer notre gouvernement, nous évitons aussi la mise en péril de notre stabilité politique et surtout la remise en question de notre démocratie. Keller: Ich möchte aus aargauischer Sicht einen Beitrag leisten. Ich wohne 6,4 Kilometer von Beznau l und II entfernt und 11,8 Kilometer von Leibstadt. Beznau l und II und Leibstadt sind für mich nicht irgendwelche erregende Punkte auf der Landkarte, sondern es sind vertraute Orte in der Landschaft, in der ich lebe. Sie haben das aargauische Ergebnis der Abstimmung über die Atominitiative zur Kennt- nis genommen. Es bestätigt sich, dass nicht jene sich am meisten vor Kernkraftwerken fürchten, die ihnen am näch- sten wohnen. Man muss sich doch die Frage stellen, wie es
Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale 604 N 20 mars 1985 Erneuerung alter Kraftwerke lösen lassen. Wer erneuert denn - so frage ich mich - 50 Jahre alte Werke, die noch einwandfrei funktionieren, nur wegen 10 bis 15 Prozent mehr Strom? Dabei wird vergessen - und ich spreche hier aus eigener Erfahrung -, dass mit einer Konzessionserneuerung Rest- wassermengen gefordert werden, welche die Rentabilität eines Werkes zum vorneherein in Frage stellen. Beispiele zeigen auch, dass ohne Veränderung des Wasserregimes eine Verbesserung des Wirkungsgrades bis zu 15 Prozent überhaupt nicht realisierbar ist. Aus diesen Überlegungen und im Hinblick auf eine gesi- cherte Energieversorgung scheint mir die einzig richtige Lösung, das Kernkraftwerk Kaiseraugst zu bauen, das heisst, die Standortbewilligung zu erteilen. Die Gegner- schaft von Kaiseraugst argumentiert mit den für beide Basel eindeutigen Abstimmungsergebnissen der Atominitiative. Diesem Argument muss ich entgegenhalten, dass die Stand- ortgemeinden von bestehenden Kernkraftwerken sich für die Energie ausgesprochen haben, und zwar ebenso ein- deutig. Es ist sicher auch wichtig, dass die Energie dort erzeugt werden sollte, wo sie verbraucht wird, und dies ist im industrialisierten Grossraum Basel sicher der Fall. Ebensogut wie beim projektierten Kohlekraftwerk in Pratteln Messe sich in Kaiseraugst die Wärmeabkoppelung realisie- ren und die Wärme dem dichtbesiedelten und produktions- starken Gebiet Basel zuführen. Der Wirkungsgrad des Wer- kes Kaiseraugst Messe sich dadurch erst noch verbessern. Ich bin mit vielen Rednern der Ansicht, dass die Frage der Kühltürme ernsthaft überprüft werden sollte. Den Baslern möchte ich schlussendlich auch noch zu bedenken geben - Herr Auer hat bereits darauf hingewiesen -, dass man nicht einerseits dank einer Vielzahl ertragskräf- tiger Unternehmen praktisch über das höchste Pro-Kopf- Einkommen der Schweiz verfügen kann und anderseits die sekundären und vielleicht weniger angenehmen Folgen die- ses «Platzes an der Sonne» in entfernte Randgebiete abschiebt. Herr Hubacher hat letzte Woche krampfhaft ver- sucht, uns von dem bereits überbelasteten Räume Basel zu überzeugen, was mich allerdings nicht zu überzeugen ver- mochte. Aus diesen Überlegungen darf die Errichtung des Werkes Kaiseraugst sicher verantwortet und die Standortbe- willigung erteilt werden. M. Pini: La decisione che questo parlamento sta per pren- dere, lo sentiamo, lo sappiamo, è soprattutto gravata dal- l'opposizione dei due cantoni di Basilea, riguardo alla scelta di Kaiseraugst come sede della prevista nuova centrale. Questo specifico aspetto del problema in discussione è forse quello che maggiormente tormenta e preoccupa. Non possiamo, oggi, evitare di decidere, approvando o rifiutando il decreto del Consiglio federale che ci è sottoposto senza pensare, valutare e considerare questo problema di opposi- zione dei due cantoni e della maggioranza del popolo basi- lese. La procedura democratica, così come le leggi volute del Paese oggi prevedono, è stata integralmente percorsa e, ritengo personalmente, integralmente rispettata. Lo stato di diritto, nel quale sono finora cresciute le certezze decisionali del Paese, rimane oggi l'elemento guiridico insostituibile delle garanzie democratiche legalmente costituite per volontà popolare e per mandato del potere sovrano a questo Parlamento. Norberto Bobbio, nel suo libro «II Futuro della democrazia» avverte che il potere legale e quello tradizio- nale rappresentano i tempi lunghi, «la preferenza», sog- giunge Bobbio, «va al governo delle leggi e non a quello degli uomini.» La democrazia è il governo delle leggi per eccellenza. Non penso che, fra gli oppositori e fautori della centrale di Kaiseraugst, si prospetti l'opportunità che questo nostro stato di diritto abdichi dalle sue prerogative costitu- zionali e legali. Daltronde, nemmeno i due cantoni di Basilea entrano in una tale pericolosa prospettiva. Anzi, la loro azione è sta'ta dichiarata entro i limiti del diritto federale e del diritto costituzionale cantonale. E ciò, a mio modo di vedere, onora l'impegno politico e civile di questa loro opposizione. La mia personale adesione al proposto decreto del Consiglio fede- rale in discussione non poteva, onorevoli colleghi, esimersi dal rilevare questo aspetto, che più o meno dichiaratamente preoccupa, se non tormenta, la coscienza di molti nostri colleghi nel decidere si o no riguardo a Kaiseraugst. lo mi auguro che la decisione che stiamo per prendere ritrovi il Paese non lacerato tra vinti e vincitori di una tesi contro l'altra sul nostro futuro energetico, ma ritrovi un Paese riconciliato nel diritto così voluto dalla volontà democratica di questo Parlamento. Reimann: Letzte Woche konnte man im Berner «Bund» lesen: «Kaiseraugst-Befürworter sind Kernkraftwerk-Befür- worter, Kaiseraugst-Gegnersind Kernkraft-Gegner.» So ein- fach ist das! Diejenigen, welche am Sonntag zur Kirche gehen, sind Gläubige, und diejenigen, die zu Hause bleiben, sind Gottlose. Ich meine, wir sollten uns endlich von dieser Schwarzweisspolitik, die nur in eine Sackgasse führen kann, lösen. Ich persönlich bin nicht grundsätzlich Gegner der Kernener- gie. Wir brauchen diese Energie; wir benützen sie heute schon, und das in einem nicht unwesentlichen Ausmass. Meines Erachtens ist Kernenergie eine Energiequelle, die vorübergehend eine wichtige Lücke in der Energieversor- gung auszufüllen hat, bis andere Energiequellen und -mög- lichkeiten erforscht und erschlossen sind. Ich übersehe dabei die Problematik der Kernenergie nicht, vor allem bezüglich Nuklearabfall-Beseitigung bzw. Lagerung, und vertrete deshalb die Auffassung, dass nur so viele AKWs, wie dringend notwendig sind, gebaut werden sollen. Im Vorfeld der Volksabstimmung vom 23. September 1984 habe ich klar zur Grundfrage der schweizerischen Energie- politik Stellung bezogen. Ich habe damals mein Ja zur Energieinitiative und mein Nein zur Atominitiative begründet und habe erklärt, dass mein Nein zur Atominitiative kein Ja zu Kaiseraugst ist. Ich bleibe auch jetzt bei meinem Nein bezüglich Erteilung der Rahmenbewilligung für Kaiseraugst. Für diese Stellungnahme sind für mich in gleicher Weise sowohl energie- wie auch staatspolitische Gründe aus- schlaggebend. Als Gewerkschafter, als Präsident des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes, hat für mich alles Vorrang, was mit Arbeitsplätzen und Beschäftigung zusammenhängt. Der Bedeutung einer gesicherten Energieversorgung bin ich mir dabei voll bewusst. Ich bin jedoch überzeugt, dass die künftige Elektrizitätsversorgung auch ohne das umstrittene Kernkraftwerk Kaiseraugst gewährleistet ist. Schliesslich wurde erst kürzlich das AKW Leibstadt in Betrieb genom- men. Trotz des kalten Winters hat die Schweiz viel Strom exportieren können. Mit der Erneuerung bestehender Was- serkraftwerke wird eine zusätzliche Elektrizitätserzeugung möglich sein. Zudem bestehen bekanntlich Lieferverträge mit ausländischen Stromproduzenten. Selbstverständlich sind auch Energiesparmassnahmen vor- anzutreiben. Das bedeutet, dass wir ein Elektrizitätswirt- schaftsgesetz brauchen mit Vorschriften für eine haushälte- rische und rationelle Stromverwendung in Industrie, Gewerbe und Haushalten. Nach menschlichem Ermessen ist all das ausreichend, um für lange Zeit über die Runden zu kommen. Ein Engpass in der Stromversorgung ist meines Erachtens nicht voraussehbar. Man kann sich allerdings fragen, ob die Durchsetzung der Energieversorgung als nationaler Aufgabe durch regionale Widerstände verhindert werden darf. Im Falle von Kaiser- augst glaube ich, dieses Vorhaben lasse sich politisch nicht erzwingen, sei nicht realisierbar gegen den Widerstand einer ganzen Region, es sei denn um den Preis einer staats- politischen Krise. Dieser Preis ist zu hoch. Aus tiefer Besorg- nis über eine mögliche, verhängnisvolle Entwicklung und eine Konfrontation, die unser Staatswesen wie kaum zuvor erschüttern könnte, appelliere ich deshalb an den Bundesrat und an die Kernkraftwerkbetreiber: es muss nochmals der Versuch zugunsten eines Verzichts auf Kaiseraugst unter- nommen werden. Eine Versöhnung und Verständigung ist notwendig und sollte in unserem Land, das der sprichwörtli-
Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale 606 N 20 mars 1985 ten, um so nein zu Kaiseraugst sagen zu können. Selbstver- ständlich gibt es aber auch Basler, die nichts gegen den Standort Kaiseraugst einzuwenden haben. Ich sage indes- sen nicht vorbehaltlos ja und ebensowenig vorbehaltlos nein; ich sage: ja- aber, indem ich ein Postulat einreichen werde, das den Bundesrat einlädt, ohne Verzug auch die Prüfung anderer Standorte für das nächste Kernkraftwerk, unter Einbezug kleinerer Einheiten, einzuleiten. Warum? Kaiseraugst weist ungünstigere Standortfaktoren auf als andere in der Schweiz evaluierte Standorte. Das können Sie auch in früheren Berichten des Bundesrates nachlesen. Die bisherigen technischen Vorbereitungen und Planungen für Kaiseraugst sind teilweise veraltet. Ausserdem hat es sich im Ausland bewährt, nach Möglichkeit zwei und mehr Kraft- werkblöcke am gleichen Standort zu konzentrieren. In der Schweiz wurde dies in Beznau ebenfalls bereits so gemacht. Warum soll nicht beispielsweise ein Werk Beznau III oder Leibstadt II das umstrittene und wahrhaftig nicht optimal gelegene, mit Kühltürmen vorgesehene Projekt Kaiseraugst mindestens vorläufig ersetzen? Ausserdem gebietet es die Bedarfsentwicklung des gesamt- schweizerischen Elektrizitätsverbrauchs ohnehin, das Pro- blem der Kernenergienutzung nicht allein auf Kaiseraugst fixiert zu betrachten, sondern frühzeitig über andere Mög- lichkeiten ernsthaft nachzudenken. Nur so kann ein kon- struktiver Beitrag zur Entkrampfung und schliesslich zur Lösung eines Problems geleistet werden, das die gesamte Energiepolitik seit Jahren blockiert und Geld kostet. Prestigedenken führt nicht weiter. Es geht vielmehr darum, der Kernenergienutzung in der Schweiz mit Blick auf den künftigen Bedarf auf eine Weise zum Durchbruch zu verhel- fen, die den Landesfrieden nicht gefährdet. Ich akzeptiere, dass es keine Regionaldemokratie geben darf. Ich meine aber, dass der Schutz und die Rücksicht auf Minderheiten eine alte und bewährte Tradition in diesem Lande sind. Zu starr richtet man den Elektrizitätsbedarf nur auf Kaiseraugst aus, obwohl noch weitere Möglichkeiten - Sie haben das in verschiedenen Voten gehört-.offenstehen. Mein Ja und die Stossrichtung meines Postulates sollen einen Beitrag leisten zur Lösung, zur Entkrampfung eines Problems, das nicht nur die Bevölkerung im Räume Basel, sondern auch grosse Bevölkerungsteile in anderen Gegen- den unseres Landes beschäftigt und belastet. In Kaiseraugst muss sowieso neu geplant werden. Ein Heizkraftwerk Kohle/ Gas kommt derzeit auch nicht in Frage. Warum also nicht an bestehenden Standorten rascher vorwärtsmachen? Ich betone: Die Bedarfsfrage ist ernst, wir verbrauchen trotz Sparanstrengungen und Substitution mehr Strom. Warum also vor lauter Prestigedenken auf allen Seiten nicht andere, rascher realisierbare Möglichkeiten suchen? Künzi: Zuerst eine Feststellung aus meiner Zürcher Sicht. Denke ich an unseren Industrie- und Wirtschaftskanton Zürich, so muss festgehalten werden, dass auch dieser in hohem Masse von der elektrischen Energie bzw. der Kern- energie abhängig ist. Die elektrische Energie beziehen wir vorwiegend aus dem uns nahegelegenen Kernkraftwerk Beznau. Unser Stromkonsum wird gegenwärtig zu fast 60 Prozent aus Atomstrom gedeckt. Gesamtschweizerisch nahm der Verbrauch an elektrischer Energie in den letzten fünf Jahren - wir haben das gehört - jährlich um durch- schnittlich 3,1 Prozent zu. Bei diesem Zuwachs wird die Zusatzproduktion von Leibstadt in weniger als fünf Jahren absorbiert sein. Eine zu grosse Auslandabhängigkeit ist unerwünscht, deshalb wäre eine vermehrte Substitution von Erdöl mehr als erwünscht. Dies und weitere Überlegungen bestärken mich in der Annahme, dass der Bedarf für ein weiteres AKW erbracht ist. Kaiseraugst stellt für uns auch ein staatspolitisches Problem dar; denn mit dem Entscheid über die Rahmenbewilligung von Kaiseraugst geht es meines Erachtens nicht nur um eine Stromerzeugungsanlage oder um irgendein Projekt, son- dern es geht um viel mehr. Befürworter und Gegner dürften sich darüber einig sein: Mit dem Nein zu Kaiseraugst oder mit dem Verzicht auf Kaiseraugst würde jedes weitere Pro- jekt vereitelt sein, und die Kernenergie wäre aus unserem Land verbannt. Was die Region Basel nicht will, kann man im nachhinein auch einer anderen Region nicht mehr zumu- ten. Können wir uns eine solche Politik aus volkswirtschaftli- cher Sicht leisten? Eine derartige Ausmerzung der Kern- energie in der Schweiz würde nicht nur langfristig die Stromversorgung aufs Spiel setzen. Der Verzicht auf die Kernenergie würde auch einen unmittelbaren Verlust von nuklearem Know-how und Fertigungskapazität in unserer einheimischen Elektro-, Maschinen- und Bauindustrie nach sich ziehen und damit eine gefährliche Abwanderung von hochqualifizierten Ingenieuren, Physikern und Chemikern bewirken, für welche die Schweiz ein nuklearer Holzboden würde. Weiter würde ganz allgemein eine Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit unserer Exportindustrie entstehen, welche auf erfahrenes Personal in hohem Masse angewie- sen ist. Eine Absage an eine Spitzentechnologie, die auch zur Innovation in der Medizin und in weiteren Forschungs- zweigen benötigt wird, wäre unverantwortlich. Kann sich unser Land das leisten? Wollen wir gegen Ende des 20. Jahr- hunderts mit dem 19. Jahrhundert fortfahren? Noch einige Gedanken, die ich als Forstdirektor im Zusam- menhang mit den heutigen Umweltschutzproblemen äus- sern möchte. Wer sich heute für den Umweltschutz einsetzt, sollte sich meines Erachtens zwangsläufig auch für die Kernenergie einsetzen. Sie verschmutzt die Luft nicht, sie verschmutzt die Gewässer nicht, sie ist nicht mit Lärm verbunden, sie verursacht keine Geruchimmissionen, sie braucht wenig Land. Strom trägt seit jeher zur Umweltver- besserung und zur Erhöhung der Lebensqualität bei. Dank Strom wurden die Fabriken sauber, die Arbeitszeiten kürzer, die Möglichkeiten zur Freizeit- und Feriengestaltung grösser usw. Es ist meines Erachtens unfair, die Elektrizitätswirt- schaft und die Kernenergie immer zum Prügelknaben der Nation zu machen. Niemand von uns will auf die Annehm- lichkeiten des Stroms verzichten. Aus all diesen Gründen stimme ich der Rahmenbewilligung für Kaiseraugst zu. Meyer-Bern: Mit Prognosen ist es immer so eine Sache. Sie sind zwar unerlässlich, müssen aber als das genommen werden, was sie sind, nämlich Hypothesen, denen man mehr oder weniger willkürliche Annahmen zugrunde legen muss. Derlei Annahmen dürfen jedoch keinen Ersatz für eine drin- gend nötige griffige Energiesparpolitik darstellen. Progno- sen dürfen nicht zu Glaubenssätzen werden und an die Stelle von politischer Vernunft treten. Gerade bei der Energie und beim Stromverbrauch handelt es sich nicht um eine gottgegebene, sondern um eine durch uns Menschen beeinflussbare Grosse. Zu einer Energiepolitik gehört es, dass wir einmal sagen, wie gross der Energieverbrauch pro Kopf unserer Bevölkerung sein darf und sein soll. Darnach haben wir unser Angebot auszurichten. Bekanntlich können Nachfrageverhalten und Verbrauch am wirksamsten über eine Angebotssteuerung reguliert werden. Solange Energie und insbesondere auch Strom im Überfluss zur Verfügung stehen, solange besteht kein Interesse, die zum Teil masslose Verschwendung unse- rer Energie einzuschränken. Für die Beurteilung des künfti- gen Strombedarfs fehlt uns eine Projektion über die Entwicklung der schweizerischen Wohnbevölkerung für die Länge einer Generation, also ungefähr bis ins Jahr 2015. Wir würden Erstaunliches feststellen: In der Botschaft des Bundesrates ist man von einem konstanten Wachstum der Bevölkerung von 0,3 Prozent ausgegangen (Seite 39 der Botschaft). Das ist falsch. Das Zeitalter der Zunahme unserer Bevölkerung ist vorbei. Das Wachstum der Schweizer Wohnbevölkerung lag 1980 noch bei 0,15 Prozent. Seit 1971 - und das ist wichtig - ist der Index der Gesamtfruchtbarkeit (durchschnittliche Anzahl Kinder pro Frau) unter den Wert von 2,1 gesunken. Unter dieser Grenze jedoch kann sich eine Bevölkerung bei der heutigen Fruchtbarkeitsverteilung pro Alterskategorie langfristig nicht mehr erneuern. In den neunziger Jahren werden die Todesfälle die Geburten Inder Schweiz aller Wahrscheinlichkeit nach zum ersten Male
Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale 608 N 20 mars 1985 die Rahmenbewilligung Kaiseraugst, dass aber mittlerweile der Glaube daran, dass Kaiseraugst gebaut wird, auch bei den Befürwortern der Rahmenbewilligung praktisch nicht mehr vorhanden ist. In diesem Saal wird mehrheitlich - nicht von mir, aber von Ihnen-ja gesagt werden zum Bedarf, aber ebenso klar ist, dass Kaiseraugst nicht gebaut werden wird, weil es nicht gegen den Willen einer geschlossenen Region gebaut werden kann. Nun sind neue Standorte im Gespräch. Es wird von Zusatz- kraftwerken gesprochen bei Beznau, Leibstadt, Gösgen oder an irgend einem bestehenden Standort, und auch ein relativ alter Standort, Graben, steht nach wie vor im Vorder- grund. Als Bernerin muss ich Ihnen nun das Gleiche sagen, was schon Herr Geissbühler und sehr deutlich auch Herr Meyer gesagt haben: Es wird absolut nicht in Frage kommen, dass Graben jemals gebaut wird. Die Haltung der Berner Bevölke- rung und die Haltung des Berner Parlamentes sind absolut klar in dieser Frage, und sie wurden während Jahren immer wieder bekräftigt. Der Berner Bär wird sich auf keinen Kuh- handel einlassen, auf keinen Abtausch Kaiseraugst/Graben; der Berner Bär wird,nicht zulassen, das ein AKW Graben jemals durchgestiert wird. Das heisst nun aber, dass die Suche nach anderen Standor- ten weitergehen wird; denn Kaiseraugst kommt nicht, darin sind wir uns einig. Die Suche nach anderen Standorten darf aber nicht auf die bisherige Art und Weise weitergehen. Die Sankt-Florians-Politik in dieser Frage muss ein Ende haben. Es darf nicht mehr sein, dass eine unwillige Region ein Atomkraftwerk auf eine andere unwillige Region abschieben will. Ich glaube aber auch nicht an die neu ins Gespräch . gekommene Lösung der Käuflichkeit, dass man Regionen in Zukunft für teures Geld kaufen kann, damit sie ungeliebte Atomkraftwerke aufstellen. Wir müssen uns etwas Neues einfallen lassen. Dieses Neue kann nichts anderes sein, als dass in Gottes Namen in Zukunft die betroffene Bevölkerung in die Entscheidung miteinbezogen werden muss. Wir stehen mit den Atomkraftwerken vor neuen Problemen und Bewährungsproben, und wir müssen neue Formen der demokratischen Entscheidung dafür finden. Wir werden einen entsprechenden Vorstoss in dieser Richtung heute einreichen. Wenn dann alle Regionen nicht wollen, dann ist der Fall auch wieder klar. Das ist dann eben auch der Volkswille, und dann haben wir einen kollektiven Verzicht, aber ohne die unwürdige Sankt-Florians-Politik, die wir heute noch betreiben. Ich wage zu sagen, dass - wenn es soweit kommen wird, wenn wir kollektiv verzichten werden, weil keine dieser Regionen in einer demokratischen Entscheidung zustim- men wird - wir mit diesem Verzicht mindestens so gut werden leben und überleben können, wie wenn wir im bisherigen Stil weitermachen. Martignoni: Nachdem die Berner Bärin gesprochen hat, äussert sich nun noch der Berner Bär. Ich möchte einleitend festhalten, dass die Feststellung des Bedarfs an Energie aus Kernkraftwerken Bundessache ist. Wir aber diskutieren hier praktisch dauernd über die Regionsf rage, d. h. also über die Standortfrage. Wenn wir über die Standortfrage diskutieren - ich möchte anknüpfen an das, was Frau Robert gesagt hat -, diskutieren wir nicht nur über die Region Basels, sondern wir diskutieren praktisch über alle Regionen, die mit der Ver- und Entsorgung mit Kernbrennstoffen zu tun haben. Es hat gewisse Konsequenzen, wie wir hier entscheiden. Damit ist auch Bern betroffen, und zwar Graben. Nachdem Sie nun von verschiedenen Berner Kolleginnen und Kollegen die Auffassung gehört haben, möchte ich mir gestatten, Ihnen auch noch die offizielle Stimme Berns zur Kenntnis zu bringen. Diese Stimme ist unmissverständlich. Am 31. August 1982 wurde im kantonalen Parlament mit grosser Mehrheit eine Motion von SVP-Seite angenommen, welche den Regierungsrat verpflichtet, «unter allen Umstän- den dafür zu sorgen, dass das geplante Werk Graben nicht als Ersatz für Kaiseraugst dienen darf». Gleichzeitig äus- serteein Diskussionsvotant etwas ebenso Wichtiges: «Wenn im Bundeshaus der Entscheid gegen Kaiseraugst gefällt werden sollte, dann gibt es auf dem Boden unseres Landes nirgends mehr ein Kernkraftwerk.» Er hat das etwas poin- tiert dargestellt, was wir alle wissen. Gleichzeitig aber möchte ich in Erinnerung rufen, dass das kantonale Parlament bisher alle Vorstösse abgelehnt hat, die auf einen endgültigen Verzicht auf Kernenergie hinzie- len. Mit anderen Worten: Das Parlament hat im Prinzip die Versorgung mit Kernenergie unterstützt, gleichzeitig auch das Volk, das die beiden Energie-Initiativen abgelehnt hat. Der Standpunkt der Regierung geht in gleicher Richtung: 1. sagt sie ja zur Kernenergie, soweit ein Bedarf vorhanden ist, 2. äussert sie in der Vernehmlassung Zustimmung zur Rah- menbewilligung Kaiseraugst, und 3. will sie keinen Abtausch der Standorte Kaiseraugst und Graben aus politischen Gründen. Ich möchte meinen leider verstorbenen Kollegen Henri Som- mer in der damaligen Debatte zitieren. Er hat gesagt: «II serait inadmissible que le projet de Graben soit réalisé en échange de Kaiseraugst pour des raisons politiques.» Das ist der Standpunkt der Regierung. Gleichzeitig behielt sich der Regierungsrat, im Rahmen seiner Kompetenzen, die Möglichkeit und die Handlungsfreiheit vor, um die Energie- versorgung auf kantonalem Gebiet sicherzustellen. Aus dieser offiziellen Situation Berns gibt es natürlich für mich nur eine einzige Schlussfolgerung, nämlich Zustim- mung zur Rahmenbewilligung Kaiseraugst, um die Türen für eine landeseigene Energieversorgung offenzuhalten. Humbel: Ich bin für die Erteilung der Rahmenbewilligung, aber auch der festen Überzeugung, dass heute die direkte Flusswasserkühlung in jedem Fall realisiert werden kann und muss. Ich werde mich nun mit dieser Flusswasserküh- lung kurz auseinandersetzen. Es geht um drei Punkte: 1. ökologische Aspekte; 2. völkerrechtliche Aspekte; 3. Landschaftsbild. 1. Direkte Flusswasserkühlung, mit Schwergewicht ökolo- gische Aspekte. Ein grosser Teil des Widerstandes gegen das KKW Kaiseraugst ist erst entstanden, als der Bundesrat am 5. März 1971 beschloss, dass dieses KKW mit Kühltür- men ausgerüstet werden müsse. Insbesondere in der Stadt Rheinfelden formierte sich eine spürbare Opposition erst nach diesem - ich möchte sagen - verhängnisvollen Entscheid. Dass die Kühltürme den hauptsächlichen Stein des Anstosses bilden, wird auch dadurch belegt, dass die Kernenergiegegner stets einen Kühlturm als Symbol für die von ihnen bekämpften KKWs wählen. Ohne Zweifel -Äusse- rungen aus der Bevölkerung der Region Rheinfelden und Kaiseraugst bestätigen dies - wäre der Widerstand gegen das KKW wesentlich kleiner, wenn dieses ohne Kühltürme errichtet werden könnte. Die Gefahr offener Konfrontation bei Realisierungsbeginn wäre bedeutend geringer. Zum gleichen Schluss sind auch meine Aargauer Kollegen Loretan und Theo Fischer gekommen. Im März 1968 wurde der Bericht Baidinger publiziert, der Empfehlungen hinsichtlich der Temperaturgrenzwerte for- mulierte, die noch heute gültig sind und von den Gewässer- schutzfachkreisen anerkannt werden. Unter anderem soll der Vorfluter um nicht mehr als 3 Grad Celsius aufgewärmt werden, wobei ausnahmsweise eine Aufwärmung von maxi- mal 5 Grad zugelassen werden darf. Gestützt darauf, und weil die Wasserqualität noch sehr schlecht war, untersagte der Bundesrat im Jahre 1971 den Bau weiterer Kernkraft- werke mit direkter Flusswasserkühlung. Den Grenzwerten wurde in einer Verordnung rechtliche Verbindlichkeit ge- geben. Heute stehen wir vor einer ganz anderen Situation. Die Wasserqualität hat sich wesentlich gebessert, und neue Untersuchungsmethoden haben vorteilhaftere Resultate ergeben, ohne dass die Grenzwerte des Berichts Baidinger in Frage gestellt werden mussten. Aus diesen Gründen zog das Bundesamt für Umweltschutz in einem besonderen Bericht die Schlussfolgerung, dass die Kühlkapazität des
Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale 610 N 20 mars 1985 Von den Herren Aregger, Columberg, Loretan, Fischer, Humbel wird immer wieder die Kühlturmfrage als Stein des Anstosses geortet. Das war einmal so, vor zehn Jahren. Viel zu viele Leute in der Region haben aber inzwischen gelernt, dass die Kühltürme vergleichsweise harmlos sind. Darum geht es nicht mehr. Es ist eine Illusion, wenn Herr Aregger glaubt, durch das Weglassen der Kühltürme liesse sich eine Staatskrise verhindern. Im Gegensatz zu den Herren Loretan und Humbel bin ich der Meinung, dass der Gewässerschutz im übrigen nach wie vor dagegen spricht. Immer wieder wird so getan, als sei die Nuklearenergie einheimisch. Das ist unehrlich. Nicht nur der Brennstoff stammt aus dem Ausland, sondern auch die Konditionie- rung des hochaktiven Abfalles kann nur im Ausland gesche- hen. Und schliesslich war auch schon zu lesen, unser Land habe bezüglich Endlagerstandorten in China sondiert. Die nukleare Stromversorgung beginnt nicht erst dort, wo der Strom ins inländische Netz geht, und endet nicht an der inländischen Steckdose, wie das Herr Rutishauser anzuneh- men scheint. Herr Bonny spricht von Panikmache und Massenpsychose, Herr Thévoz von einer «campagne d'indoxication», Herr Hess von Aufwiegeln. Wer macht denn da in Panik, wenn uns immer wieder gepredigt wird, wenn Kaiseraugst nicht gebaut werden könne, breche nicht nur die Stromversor- gung, sondern auch die Wirtschaft zusammen, und die Arbeitsplätze seien im Eimer? Fragen Sie einmal nach, wie es tönt in den Hauszeitungen der einschlägigen Industrie und der Elektrizitätswirtschaft, und lesen Sie die aargauische Presse. Jawohl, Herr Keller, Angst, auch Arbeitsplatzangst ist durchaus machbar. Ich muss es Ihrem Urteil überlassen, ob man annehmen will, die Regierungen der Kantone Basel-Stadt und Basel-Land- schaft unterlägen auch der prognostizierten Massenpsy- chose, da diese Regierungen ja das AKW Kaiseraugst ebenso ablehnen. Wenn Herr Auer seinem Kanton die Leviten lesen will, so ist das seine Sache. Aber die Massenpsychose scheint über- handzunehmen: Das Simmental will den Rawiltunnel nicht, Rothenthurm wehrt sich gegen den Waffenplatz, das Kno- nauer Amt gegen die N4, und das Misox und die Urner Regierung lehnen Endlager für schwach-und mittelradioak- tive Abfälle strikte ab. Wie Sie sehen, gibt es eine ganze Menge von Massenpsychosen. Herr Couchepin meint, Lie- ferverträge mit Frankreich seien ein Pokerspiel. Mag sein; aber in diesem Spiel stehen wir schon lange knietief. In bezug auf die Wiederaufbereitung sind wir ziemlich vollstän- dig auf Frankreich angewiesen und in dieser Hinsicht durch- aus erpressbar. Wenn wir also am guten Willen und der Anständigkeit unseres Nachbarlandes zweifeln wollen, dann bitte auch in bezug auf die Wiederaufbereitung in La Hague. Dort pokern wir mindestens so hoch wie im Stromverbund, wenn nicht noch viel höher. Herr Landoli, 99 Prozent der Radioaktivität - nicht der Menge der radioakti- ven Abfälle - stammen aus Kernkraftwerken. Ich möchte Herrn Bundesrat Schlumpf bitten, diese Aussage zu bestä- tigen. Als Nichtjuristin behaupte ich, es gebe verschiedene Rechts- güter, die gegeneinander abzuwägen sind. Dem Rechtsan- spruch der Bauherrschaft stehen Volksabstimmungen in der Region gegenüber. Gilt es denn nicht, auf die Volksmeinung juristisch Rücksicht zu nehmen? Das Schweizervolk hat im letzten Herbst zur nuklearen Option ja gesagt. Ich behaupte, dass das eine weitgehend theoretische Abstimmung war. Man ist für AKWs, wenn sie weit weg gebaut werden, man ist für AKWs ohne Standort; das haben wir nun auch von den Berner Vertretern gehört. Herr Ziegler hat vor einer Verknappung des Stromangebotes gewarnt. Viel knapper, als die elektrische Energie in den nächsten Jahren bei uns je sein wird, ist die energiepolitische Phanta- sie! Aber nichts, wirklich nichts, kommt uns teurer zu ste- hen, als weiter zu bauen, sei es in Kaiseraugst oder anderswo. Das sollte auch Herr Künzi zur Kenntnis nehmen. Herr Cotti, in Kaiseraugst zu bauen, wäre eine Fehlplanung, die wir nicht nur aus staatspolitischen, sondern auch aus volkswirtschaftlichen Gründen nicht verantworten können. Ich glaube, wir haben es hier mit einem Phantom zu tun, mit einem Luftschloss namens Atomkraftwerk Kaiseraugst, das niemand mehr bauen will und kann; aber wir tun so, als wäre alles ganz anders, als sei diese Debatte eine Entscheidfin- dung. Vielleicht sehen wir in nächster Zeit einmal ein, dass solche Luftschlösser keine Energiepolitik abgeben. Herr Cavadini hat gesagt, wir hätten es mit einer Glaubens- sache zu tun. Dies wird auch von der Eidgenössischen Energiekommission indirekt bestätigt, indem sie feststellt, dass der Bedarfsnachweis wissenschaftlich nicht möglich, objektiv nicht lösbar, ordnungspolitisch umstritten, vom politischen Standpunkt aus jedoch erforderlich sei. Nicht nur mit dem Erfordernis des Bedarfsnachweises, son- dern auch mit der Forderung nach Gewähr für die sichere Endlagerung hat sich das Parlament auf politisches Glatteis begeben. Was als Trost für die Atomkraftgegner gedacht war, entpuppt sich bei näherem Zusehen als nicht machbar. Herr Wellauer, wenn wir die Schadstoffbelastung nicht sehr rasch, vor allem im Verkehr, vermindern, wird der Wald gestorben sein, lange bevor Kaiseraugst je Strom produzie- ren könnte. Mit Strom können Sie in den nächsten 20 Jahren nicht Auto fahren, hingegen lässt sich mit den vom Parla- ment beschlossenen Massnahmen gegen das Waldsterben die Schwefeldioxidbelastung rasch und gründlich senken. Das Stickoxidproblem werden wir auch mit mehr als einem zusätzlichen AKW nicht in den Griff bekommen, und Atom- spaltung ist nun doch schlicht und einfach nicht umwelt- freundlich. Kaiseraugst ist nicht in energetischer, nicht in wirtschaftlicher und schon gar nicht in staatspolitischer Hinsicht im Interesse unseres Landes. Die Genehmigung der Rahmenbewilligung ist daher abzulehnen. Hunziker: In der bisherigen Debatte ist viel Richtiges und Bedenkenswertes gesagt worden. Es haben auch verschie- dene selbsternannte Fachleute gesprochen und mehr Unsi- cherheit als klärende Information geboten. Das Schwierige in unseren Diskussionen ist nicht, dass wir über die Kern- energie zu wenig wissen, sondern dass einige Redner zu vieles wissen, was nicht stimmt. Gestatten Sie mir ein Wort zum Bedarf: Dass wir im Januar dieses Jahres trotz kalter Wintertage Strom exportieren konnten, ist eine selbstverständliche Folge der Inbetrieb- nahme des Kernkraftwerkes Leibstadt. Jedesmal, wenn ein so grosser Block neu in Betrieb kommt, ist diese Erschei- nung zu verzeichnen. Wenn wir nun davon ausgehen, dass ein solches Werk 16 Prozent des schweizerischen Strom- bedarfs deckt, heisst das beim derzeitigen Wachstum, trotz Wirtschaftsstagnation, dass wir vor Ende dieses Jahrzehnts auch bei Einleitung von griffigen Sparmassnahmen die Pro- duktion der Leibstadter Energie voll konsumiert haben wer- den. Es ist von einer Trendwende gesprochen worden. Ich glaube nicht, dass eine solche vorliegt, und wenn schon, dann doch eher in der umgekehrten Richtung, indem näm- lich der Strombedarf in den letzten vier Jahren fast doppelt so stark zugenommen hat, als das der Bundesrat 1981 in seiner Botschaft zugrunde gelegt hatte. Ich erinnere auch daran, dass gerade Energiesparmassnah- men, beispielsweise Wärmepumpen oder Umweltschutz- massnahmen, nicht weniger, sondern mehr Strom brau- chen. Oder ich erinnere daran, dass beispielsweise die Elek- tra Basel-Land im Januar und Februar dieses Jahres sage und schreibe 7 Prozent mehr Strom in ihrem Versorgungs- gebiet abgesetzt hat als vor einem Jahr. Wenn man also von einer Trendwende sprechen will, dann eher in der umge- kehrten Richtung, so dass uns der Bundesrat sogar zwei Werke vorschlagen müsste. Zur Kernenergie in den Vereinigten Staaten ist einiges auf- geführt worden, was doch klargestellt werden sollte. Es stimmt, dass Kraftwerke dort storniert worden sind, ölbefeu- erte und nuklearbefeuerte. Man muss aber wissen, dass beispielsweise die Kohle in den Vereinigten Staaten wesent- lich billiger zu stehen kommt als etwa in Deutschland, dass
Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale 612 N 20 mars 1985 qu'il fallait pour soumettre un projet qui convienne à la population genevoise. A l'occasion de la dernière crise un peu dangereuse que nous avons connue, celle du Jura, c'est finalement en cédant à la revendication profonde des Juras- siens que nous avons résolu le problème et que nous continuons d'exister. Une fois de plus, il faudrait que les fédéralistes soient plus cohérents dans l'utilisation du con- cept. Cette région qui dit non est pour moi semblable à la population jurassienne qui a voté en faveur de la Transjli- rane. Soyons cohérents! Personnellement j'étais opposé à la Transjurane, car je trouvais que c'était une erreur. Je me suis abstenu de voter contre, parce que le peuple jurassien, dans un vote clair (70 pour cent), a confirmé qu'il la désirait. Pour la même raison aujourd'hui, je demande que les fédé- ralistes prennent en compte la volonté exprimée à plus de 70 pour cent de s'opposer à la construction de la centrale. Tout à l'heure, M. Thévoz nous a parlé de contradictions en affirmant que les Argoviens admettaient le nucléaire et que les Bâlois, ou ceux du nord-ouest, ne le voulaient pas. Il y a une diversité de sensibilité et d'appréhension du problème, qui est conforme à ce que nous appelons la tradition politi- que suisse. Il n'y a là aucune contradiction, puisque dans l'une ou l'autre région la volonté est cohérente, bien qu'op- posée. On tente de nous faire croire que les écologistes, les antinu- cléaires ou les anti-Kaiseraugst sont des rêveurs et que la rationalité appartient à ceux qui veulent construire la cen- trale. La part du rationnel ou de l'irrationnel n'est pas plus importante dans un camp que dans l'autre. D'un certain point de vue, il est profondément irrationnel de vouloir fonctionner selon un modèle de croissance partant de l'idée fausse que les réserves de la nature sont inépuisables. En définitive, je préfère me demander s'il est raisonnable de continuer à encourager l'augmentation de la consommation d'électricité ou d'énergie en général - plus 3 pour cent par année, a-t-on dit - jusqu'à ce que l'on ait besoin de dix ou vingt centrales nucléaires et probablement jusqu'à l'épuise- ment des ressources. Ou bien serait-il plus adéquat de mener dès aujourd'hui une politique qui permette au moins de stabiliser la consommation? Je me demande s'il est plus raisonnable de se rendre dépendant de l'uranium étranger ou de mener, dès aujourd'hui, une politique qui nous rende, à terme, capables de suffire à nos propres besoins. Finale- ment, je me demande s'il est plus raisonnable d'imposer cette construction à une population qui a manifesté massi- vement son refus et de risquer des affrontements durs, sinon une guerre civile, ou de respecter, selon nos tradi- tions, la volonté exprimée. En conclusion, je vous demanderai de faire un effort de raison, de réfléchir une dernière fois, ou peut-être une première fois, et de refuser l'autorisation de construire Kaiseraugst. Rüttimann: Ich verzichte darauf, bisherige Voten zu kom- mentieren, beschränke mich einzig auf den Einzelantrag Weder, zu dem ich einige Ausführungen machen möchte. Herr Weder möchte auf das Geschäft erst eintreten, wenn der Streit über die Feldwege beigelegt ist. Ich plädiere für die Ablehnung dieses Antrages d. h. es soll auf das längst fällige Geschäft jetzt eingetreten werden. Den hängigen Streit um die zwei Feldwege für eine erneute Verzögerung der Rahmenbewilligung zu benutzen, betrachte ich als in höchstem Grade unverhältnismässig. Sie erinnert mich etwa an den Tatbestand einer Zeitungsmeldung der letzten Woche, wonach im Elefantenstall eines Zoos eine Katze angewöhnt werden musste, um die Mäuse zu vertilgen, die dem Elefanten das Futter wegfrassen. Nun aber zur Sache. Worum geht es bei diesen Feldwegen? Am 5. Dezember 1973 erteilte der Gemeinderat von Kaiser- augst die Baubewilligung für das Kernkraftwerk. In der Bau- bewilligung wurde detailliert geregelt, wie das Baugelände strassenmässig zu erschliessen sei. Insbesondere wurde die Kernkraftwerk Kaiseraugst AG verpflichtet, voll ausgebaute Fahrstrassen zu erstellen und diese an die Gemeinde abzu- treten. Als Gegenleistung verpflichtete sich die Gemeinde, zwei Feldwege, welche durch das Kraftwerkareal führen und durch die neuerstellten Strassen überflüssig werden, unent- geltlich an die Kernkraftwerk AG abzutreten. Diese Rege- lung wurde in der Baubewilligung textlich und im Plan detailliert festgehalten. Über den Inhalt der Abmachung kann kein Zweifel bestehen. Am 17. Januar 1975 beschloss auch noch die Einwohnerge- meindeversammlung die Erstellung der fraglichen Erschliessungsstrassen zu Lasten der Kernkraftwerk AG, gemäss Baubewilligungsbedingungen. In der Folge wurden die erforderlichen Erschliessungsstrassen erstellt und dem Verkehr übergeben. Als dann im Jahre 1981 die gegenseiti- gen Abtretungen hätten grundbuchamtlich vollzogen wer- den sollen, stellte sich die Gemeinde auf den Standpunkt, die Abtretung der Feldwege müsse noch von der Einwoh- nergemeindeversammlung genehmigt werden. Daraufhin wurde das Geschäft der Gemeindeversammlung zum Beschluss vorgelegt. Erwartungsgemäss lehnte die Ver- sammlung die Abtretung der Feldwege an die Kernkraftwerk AG ab. Daraufhin reichte die Kernkraftwerk AG beim Verwal- tungsgericht des Kantons Aargau Klage ein. Die Kernkraft- werk AG verlangt von der Gemeinde die Abtretung des Areals der ehemaligen Feldwege. Die Gemeinde widersetzt sich der Abtretung. Der Schriftenwechsel ist abgeschlossen, der Entscheid steht aber noch aus. Der Rechtsstreit geht im wesentlichen um die Frage, ob das Abtretungsversprechen in der Baubewilligung vom 5. Dezember 1973 verbindlich sei. Die Gemeinde macht geltend, die Abtretung der Feld- wege hätte von der Einwohnergemeindeversammlung genehmigt werden müssen. Der Gemeinderat sei dazu nicht kompetent gewesen. Auch wenn grundsätzlich Gerichtsentscheiden nicht vorge- griffen werden soll, besteht doch meines Erachtens kein Zweifel, dass das Verwaltungsgericht und gegebenenfalls auch das Bundesgericht die Verbindlichkeit des Abtretungs- versprechens bejahen werden. Dafür sprechen insbeson- dere folgende drei Tatsachen: 1. Vorgängig zur Erteilung der Baubewilligung stellte die Kernkraftwerk AG beim Departement des Innern des Kan- tons Aargau, der Aufsichtsbehörde über die Gemeinden, schriftlich die Frage, ob die vorgesehene Regelung in die Baubewilligung aufgenommen werden könne oder ob die Strassenverlegung der Gemeindeversammlung zur Geneh- migung zu unterbreiten sei. Mit Schreiben vom 6. November 1973 erteilte das Departement die Auskunft, die vorgese- hene Verlegung der Wege falle in die Kompetenz des Gemeinderates und müsse nicht von der Gemeindever- sammlung genehmigt werden. Aufgrund dieser von einer kompetenten Stelle gegebenen Auskunft bestand und besteht für die Kernkraftwerk AG kein Zweifel, dass das Abtretungsversprechen gültig zustande gekommen und rechtsverbindlich ist. 2. Die aufgrund der Erschliessungsvereinbarung in der Baubewilligung durch die Kernkraftwerk AG zu erstellenden Erschliessungsstrassen sind der Einwohnergemeindever- sammlung zur Genehmigung vorgelegt worden, und diese hat dem Strassenbau am 17. Januar 1975 zugestimmt. In der Vorlage und im Protokoll heisst es ausdrücklich, die Erstel- lung der Strassen erfolge zu Lasten der Kernkraftwerk AG gemäss Baubewilligungsbedingungen. Da der fragliche Abtausch der Wegareale Bestandteil der genannten Baube- willigungsbedingungen ist, hat die Einwohnergemeindever- sammlung am 17. Januar 1975 auch den Abtausch geneh- migt. Somit liegt die Genehmigung der Einwohnergemein- deversammlung ebenfalls vor. 3. Der Rechtsgutachter der Gemeinde Kaiseraugst, Prof. Rhinow, ist in einem Gutachten zum Schluss gekom- men, dass die Gemeinde die Feldwegparzellen an die Kern- kraftwerk AG abtreten muss. Prof. Rhinow führt wörtlich aus: «Die Einwohnergemeindeversammlung Kaiseraugst ist gemäss öffentlichem Recht verpflichtet, die beiden Wegpar- zellen in der Form des Zivilrechts an die Kernkraftwerk AG abzutreten.»
Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale 614 20 mars 1985 anderen Seite des Juras; darum habe ich von zehn Reakto- ren gesprochen. Herr Hunziker hat mir aber noch ein zweites unter- schoben ... Präsident: Sie haben das Wort für eine persönliche Erklä- rung, aber nicht für ein langes, sachliches Votum. Weder-Basel: Einen Satz: Ich möchte hier nicht als Lügner dastehen. Ich habe nicht gesagt, in Amerika würden keine Atomreaktoren und Atomkraftwerke mehr gebaut. Ich habe vielmehr gesagt, seit 1978 sei keine neue Bestellung mehr aufgegeben worden, Herr Hunziker. Ich habe die Wahrheit gesagt. Das wissen Sie so genau wie ich. Ich bitte Sie, dies zur Kenntnis zu nehmen. Präsident: Ich habe zwei weitere Wortmeldungen für per- sönliche Erklärungen. Damit dieses Pingpong nicht ewig weiterdauert, beantrage ich Ihnen, die Rednerliste auch hiefür zu schliessen. (Zustimmung) Wyss: Ich war bis vor einigen Minuten der Auffassung, dass wir eine sehr sachliche und gute Diskussion gehabt haben, wobei die Differenzen, Herr Jaeger, auch klar herausgekom- men sind. Persönlich möchte ich folgendes erklären: Es haben verschiedene Redner aus unserer Region immer für das ganze Volk gesprochen. Es gibt bei uns aber eben, Herr Weder, eine Minderheit und eine Mehrheit. Einige von uns haben auch für die Minderheit gesprochen. Deshalb darf man nicht, wie das jetzt wieder verallgemeinert wurde, sagen, die ganze Region sei gegen das Kernkraftwerk Kaiseraugst. Hunziker: Gestatten Sie mir drei Bemerkungen: 1. Herr Weder, Sie zählen Projekte auf, von denen man seit zehn Jahren spricht und von denen niemand weiss, ob sie je verwirklicht werden. Das sind Standorte wie Inwil, Verbois, Rüthi, Fessenheim IM, IV, V, VI und anders mehr. 2. Es gibt keine Geschlossenheit in dieser Region. In der engeren Region sind bei der letzten Abstimmung, wo es um die Wurst ging, 50 Prozent nicht an die Urnen gegangen, und von denen, die gegangen sind, waren noch ein Drittel für Kaiseraugst. 3. Herr Hubacher, persönliche Erklärungen ja, aber nicht zur Verlängerung der Diskussion. Sie haben schon reichlich Zeit beansprucht mit dem Ordnungsantrag, und indem Sie Ihr Votum letzte Woche um dreieinhalb Minuten überzogen haben. Irgendwo ist indessen das Fass voll. Es war vor allem dort voll und überlaufen, als Sie indiskret waren und den ganzen Verlauf der letzten Kommissionssitzung in der «Bas- ler AZ» dargelegt haben, wofür Sie das Büro mit Recht gerügt hat. Stucky, Berichterstatter: Wenn man die Argumente vor allem der Gegner zusammenfasst, dann sind es drei Berei- che, die zur Ablehnung führen: 1. die Bestreitung des Bedarfs; 2. die Frage der Atommüllagerung und 3. die Sicherheit von Kernkraftanlagen. Zum ersten, nämlich dem Sparpotential bzw. der Berech- nung des Bedarfs. Hier haben verschiedene Redner, vor allem die Herren Jaeger und Meyer-Bern, die Grundlagen der Berechnung in Frage gestellt. Herr Jaeger hat darauf hingewiesen, dass der Bundesrat von einer falschen Annahme beim Zuwachs des Bruttosozialproduktes ausge- gangen sei, weil er mit 2 Prozent Steigerung pro Jahr rech- net. Auch die reale Preissteigerung der Energie, die mit 3 Prozent angegeben wird, sei falsch. Ich mache aber aus- drücklich darauf aufmerksam, dass der Bundesrat nicht von Hypothesen ausgegangen ist, die er mit 2 bzw. 3 Prozenten ein für allemal festgelegt hat, sondern dass er durch die Energiekommission Varianten errechnen liess. So sieht die Energiekommission eine Steigerung des Bruttosozialpro- duktes von 1,5 bis 2,8 Prozent in den achtziger Jahren und von 1 bis 1,5 Prozent in den neunziger Jahren vor. Zudem hat der Bundesrat die Studie nachrechnen lassen, und zwar an einem ganz anderen Modell, das von der Internationalen Energieagentur stammt. Auch hier kommt er wiederum zu Ergebnissen, die er in einem Zusatzbericht dargelegt hat und die nicht abweichen von seinen Darlegungen, wie sie in der Botschaft zur Rahmenbewilligung enthalten sind. Herr Meyer hat auch das Bevölkerungswachstum von 0,3 Prozent in Frage gestellt. Ich mache Sie darauf aufmerksam, dass diese Hypothese nur in einem Modell auftaucht, näm- lich im Modell der EEK. Sie wurde vom St.Galler Zukunfts- institut errechnet. Trotzdem gelangten beide Modelle zum Ergebnis, ein Bedarf sei vorhanden. Es wurde wiederholt gesagt - von Herrn Nebiker, Herrn Meizoz, Herrn Brélaz -, dass die Einsparungen zu tief gerechnet worden seien. Herr Seiler hat darauf aufmerksam gemacht, dass wir uns in einer Zeit der Umstellung der Produktionsgesellschaft auf die Dienstleistungsgesellschaft befinden. Ich muss Herrn Seiler aber sagen: diese ver- einfachte Sicht wird den komplexen Tatsachen nicht gerecht. Erstens haben wir immer eine Produktion gehabt, die relativ wenig Energie brauchte, weil wir praktisch keine Schwerindustrie haben. Zweitens braucht eine Dienstlei- stungsgesellschaft oft mehr Strom - ich sage jetzt Elektrizi- tät und nicht Energie -, als das vorher der Fall war im Bereiche der Produktion. Die Produktion hat viel mehr fos- sile Energie gebraucht. Die Dienstleistungsgesellschaft - denken Sie nur einmal an die Automatisierung oder an die Informatik - braucht fast ausschliesslich Elektrizität. Man darf hier auf keinen Fall Energie und Elektrizität gleichset- zen. Herr Auer hat ja ein paar schlagende Daten für die Basler Chemie geliefert. Wenn wir das Sparpotential ansehen, muss ich eigentlich sagen, dass trotz Kritik erstaunlicherweise keine Gründe angegeben wurden, dass die bundesrätliche Annahme eines Sparpotentials von 6,5 bis 7 Prozent in den neunziger Jah- ren auf dem Gebiete der Elektrizität falsch sei. Gerade diesem Nachweis ist man ausgewichen. Ich habe schon bei meiner Einführung gesagt, dass im Grunde genommen der Bundesrat sehr optimistisch mit hohen Sparpotentialen rechne, die sich nur dadurch rechtfertigen lassen, dass die effektive Einsparung bisher vor allem beim Heizöl - nehmen Sie Heizöl «Schwer» mit 70 Prozent, Heizöl «Extra leicht» mit 30 Prozent - erreicht worden ist, und daher seine Annah- men von 18 Prozent gesamte Einsparungen im Energiebe- reich bis zur Jahrtausendwende doch noch - wenn auch optimistisch - ihre Berechtigung hat. Diese hohe Einspa- rungsquote ist in die Bedarfsberechnung einbezogen worden. Es wurde gesagt, wir hätten in der Kommission auf den Bericht des Verbands Schweizerischer Elektrizitätswerke, den sogenannten 10-Werke-Bericht, abgestellt. Das ist ein Irrtum, den ich berichtigen möchte. Wir haben diesen Bericht erhalten, aber wir haben ihn weder diskutiert noch darauf abgestellt, sondern wir haben als Grundlage die beiden Berichte, die uns der Bundesrat vorgelegt hat, ver- wendet. Nun noch ein Wort zur Energiekommission, die oft zitiert wurde, sehr oft falsch. Die Eidgenössische Energiekommis- sion kommt in ihrem Bericht dazu, ein Bedarf sei gegeben, d. h. das sagen zwei Drittel der Kommissionsmitglieder. Für einen Drittel dagegen ist der Bedarf nicht gegeben. Von den zwei Dritteln sagt die Hälfte, also ein Drittel, die Lücke sei mit einem zusätzlichen Kernkraftwerk zu decken. Der andere Drittel schliesst ein Kernkraftwerk nicht aus, möchte aber zuerst einen anderen Versuch der Deckung, vor allem mit Wärme-Kraft-Koppelung, in Angriff nehmen. Zusammengefasst: Die EEK kommt mehrheitlich ebenfalls zum Resultat, dass der Bedarf gegeben sei. In der Frage, wie er zu decken sei, gehen die Ansichten auseinander. Ich brauche nicht mehr darauf einzugehen, wie der Elektrizi- tätskonsum in unserem Land zugenommen hat. Verschie- dene Redner haben darauf hingewiesen. Ich muss aber vor allem auf das Votum von Frau Mauch eingehen, dass die
Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale 616 N 20 mars 1985 Bericht, in dem die Kosten der elektrischen Energie aus Kernkraftwerken im Vergleich zu anderen Energieerzeu- gungsanlagen dargelegt werden. Ich würde Herrn Bäumlin gerne empfehlen, seine Akten einmal in Ordnung zu brin- gen. Dann würde er nämlich auf einen solchen Bericht stossen. Er hat schon in der Kommission-er war Mitglied - einen solchen Bericht gefordert und auch erhalten, mit Datum vom 8. November 1983, betitelt: «Stromgestehungs- kosten verschiedener Kraftwerktypen». Darin ist auch von Energieerzeugungsanlagen aus Gas, Kohle und Schweröl die Rede. Er hat also bekommen, was er gefordert hat. Wir brauchen seinem Antrag deshalb nicht stattzugeben. Er wurde auch mit 19 zu 9 Stimmen abgelehnt. Zur Minderheit V, vertreten durch Frau Mauch: Im Grunde genommen ist der Antrag von Frau Mauch von allen Minder- heitsanträgen der interessanteste, weil er eine echte Variante aufzeigt. Das muss ich Frau Mauch zugestehen. Sie macht nicht nur einfach in Verzögerung, sondern sie schlägt praktisch eine andere Lösung der Bedarfsdeckung vor. Ver- einfacht gesagt: Wir wollen das Risiko in Kauf nehmen, in einem Winterhalbjahr nicht genügend Strom zu produzie- ren, und werden notfalls diesen Strom vom Ausland - vor allem von Frankreich - beziehen. Immerhin, Frau Mauch, muss ich Sie auf einiges aufmerk- sam machen. Ich habe bereits gesagt, in wie vielen Winter- halbjahren zwischen 1950 und 1981 wir an die 95-Prozent- Klausel herangekommen sind. Das letzte Mal im Jahre 1983/ 1984, bevor Leibstadt in Betrieb ging. Auch 1980 waren wir an dieser Grenze. Sie gehen also nicht nur ein kalkuliertes, sondern ein sicheres Risiko ein, dass die 95-Prozent-Limite unterschritten wird. Selbstverständlich könnten wir mit Frankreich Strombe- zugsverträge abschliessen. Nur hat die Sache einen Haken, auf den Herr Couchepin hingewiesen hat. Die Franzosen schliessen zwar Verträge ab, verpflichten uns einerseits zum Bezug dieses Stroms (wir müssten also unsere eigene Pro- duktion zum Teil verdrängen zugunsten französischer Pro- duktion), sind andernfalls aber nicht bereit, in Notlagen Spitzen zu liefern. Vor allem aber können wir mit Frankreich einen bestimmten Vertragstyp nicht abschliessen, der Ihnen offenbar vor- schwebt, nämlich dass Frankreich für uns Reserven bereit- hält; dass wir also nur dann von Frankreich Strom beziehen, wenn wir über keine eigene Deckung mehr verfügen. Frank- reich ist nicht bereit, blosse Spitzen- oder Reservehaltungs- verträge abzuschliessen. Es hat keinen solchen getätigt und war auch nie bereit dazu. Abgesehen davon, dass diese Variante das politische Risiko in sich birgt, dass Frankreich aus Streik- oder anderen Gründen nicht liefern kann, was uns in die Klemme brächte, muss ich mit Bezug auf das Votum von Herrn Reimann noch auf folgendes aufmerksam machen: Es gibt eine Studie der GEK darüber, was eine Stromreduzierung auf unser Brutto- sozialprodukt bzw. auf unsere Arbeitsplätze für Auswirkun- gen hätte. Vorausgesetzt wird darin, wir könnten unseren Bedarf decken, er falle aber plötzlich zusammen. Sie besagt, wenn der Stromausfall 15 Prozent betrüge, bedeute das einen Einbruch von 5 Prozent des Bruttoinlandproduktes; bei 20 Prozent wären es bereits 10 Prozent. Das würde sofort zur Einstellung einer Reihe von Produk- tionssystemen führen, weil wir dann nicht mehr genügend Elektrizität hätten, diese zu betreiben. Solche Ausfälle wür- den sehr schwierige Probleme bei der dadurch provozierten Kurzarbeit oder sogar Arbeitseinstellung auslösen. Soviel zur Risikovariante Mauch. Wir möchten uns mit der Mehrheit der Kommission nicht auf diesen Ast hinauslassen. Die Kommission hat deshalb den Antrag mit 19 zu 10 Stimmen abgelehnt. Damit komme ich noch zu den drei Anträgen Weder, Wick, Ruf, die der Kommission nicht vorgelegen haben. Zum Antrag Weder betreffend die Feldwege hat Herr Rütti- mann schon eingehend Stellung genommen. Ich habe auch den Kopf etwas geschüttelt und gedacht, Herr Weder habe wirklich alle Argumente verbraucht, alle Pfeile aus seinem Köcher verschossen, dass er mit einem Antrag kommt, der so offensichtlich die Unverhältnismässigkeit darlegt. Daste- hen wir vor einem nationalen Problem und sollten dieses Problem nicht lösen wegen zweier Feldwege. Es erinnert mich etwas an die Rekrutenschule, wo wir auch Nachtübun- gen wiederholten, weil einer den Kragenknopf offenhatte. Ganz abgesehen davon, Herr Weder, wir kennen die Gewal- tenteilung. Das Parlament als Legislative hat über die Rah- menbewilligung zu urteilen. Dem ordentlichen Gericht bleibt es überlassen, über diese zwei Feldwege Recht zu sprechen. Es geht nicht an, dass einer seinen Entscheid vom anderen abhängig macht. Ganz abgesehen davon: Die beiden Entscheide können parallel ohne weiteres weiterlaufen. Zeit- lich ist keine stringente Abfolge gegeben, sondern die Justiz hat alle Zeit, bis die nukleare Baubewilligung fällig wird. Zum Antrag Wick, der im Grunde genommen eine neue technische Überarbeitung des Projekts Kaiseraugst möchte: Er hat mit einem neuen Reaktortyp, der in der Forschung ist, argumentiert. Nun können wir aber nicht jeden neuen Typ, der irgendwo in die Forschung geht, gleich als Produktions- typ für Kaiseraugst fordern. Das ist schon zeitlich nicht möglich, ganz abgesehen davon, dass wir ja nicht wissen, was bei dieser Forschung herauskommt. Im übrigen hat schon die Kommission gehört, dass der Bundesrat der Kai- seraugst AG mitteilte, das Containment solle geändert wer- den, und zwar vom sogenannten Mark M auf Mark IM. Dieser Punkt muss endgültig in der nuklearen Baubewilligung fest- gelegt werden. Aber die Voranzeige ist schon an die Träger- schaft ergangen. Es hat sich zugunsten einer vermehrten Sicherheit also bereits etwas getan. Schliesslich noch zu Herrn Ruf: Er schlägt vor, dass man die Entschädigungsverhandlungen zu einem positiven oder negativen Abschluss führen soll, bevor wir Kaiseraugst behandeln. Das ist eine Umdrehung der Reihenfolge. Wir sind aufgerufen, hier und jetzt Stellung zu nehmen, und wir können uns dieser Verpflichtung doch nicht einfach entschlagen, indem wir anderen einen Auftrag geben, zuerst einmal festzustellen, ob und welche Entschädigung bezahlt werden müsste. Wenn wir schon unserem Entscheid aus- weichen wollten, also den Bundesrat zu einer Entschädi- gungsverhandlung auffordern wollten, würde das vorausset- zen, dass wir dem Bundesrat einen Rahmen mitgeben. Herr Ruf will einen solchen aber nicht, sondern er lässt das Resultat absolut offen. Der Bundesrat müsste also völlig im Nebel, ohne jeden Auftrag des Parlamentes, nur in Kenntnis, dass das Parlament seiner Entscheidungsbefugnis und sei- ner Entscheidungspflicht nicht nachkommen will, Verhand- lungen aufnehmen. Das ist zweifellos eine Zumutung, die wir ablehnen. M. Zbinden, rapporteur: Je me bornerai à tirer quelques conclusions, sans faire de commentaires, afin que le seuil des dix heures de débat pour Kaiseraugst ne soit pas dé- passé. Trois conclusions générales s'imposent: 1. Il semble que les adversaires de Kaiseraugst considèrent le nucléaire en tant que tel comme un mal. Il n'y a donc pas lieu de tergiverser longtemps. On ne pourra pas convaincre ces adversaires farouches du nucléaire. C'est une question de conviction. 2. Il est illogique d'affirmer à haute voix ou en privé que l'on accepte le nucléaire sur le principe tout en refusant le projet de Kaiseraugst. 3. A la suite du débat, j'ai la conviction profonde qu'il n'y aura plus d'énergie nucléaire supplémentaire dans notre pays si Kaiseraugst est refusé. Graben ne se fera pas, mais selon M. Weder il y aura Fessenheim 3, 4 et 5 ainsi que Schwörstadt. Les Bâlois auront donc une centrale nucléaire à leur porte. On a critiqué à plusieurs reprises la politique énergétique ou l'absence de politique énergétique. Je vous rappelle que nous sommes en train d'assumer une des responsabilités du pays et des autorités de la Confédération en matière de politique énergétique, en ce qui concerne la production suffisante d'électricité. Le choix que nous allons faire est
Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale 618 N 20 mars 1985 cette centrale et que cette réalisation puisse se faire dans la paix. Präsident: Ich beantrage Ihnen, die Verhandlungen hier abzubrechen. Hier wird die Beratung dieses Geschäftes unterbrochen Le débat sur cet objet est interrompu Schluss der Sitzung um 12.55 Uhr La séance est levée à 12 h 55
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali Kernkraftwerk Kaiseraugst. Rahmenbewilligung Centrale nucléaire de Kaiseraugst. Autorisation générale In Amtliches Bulletin der Bundesversammlung Dans Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale In Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale Jahr 1985 Année Anno Band II Volume Volume Session Frühjahrssession Session Session de printemps Sessione Sessione primaverile Rat Nationalrat Conseil Conseil national Consiglio Consiglio nazionale Sitzung 13 Séance Seduta Geschäftsnummer 81.084 Numéro d'objet Numero dell'oggetto Datum 20.03.1985 - 08:00 Date Data Seite 592-618 Page Pagina Ref. No 20 013 228 Dieses Dokument wurde digitalisiert durch den Dienst für das Amtliche Bulletin der Bundesversammlung. Ce document a été numérisé par le Service du Bulletin officiel de l'Assemblée fédérale. Questo documento è stato digitalizzato dal Servizio del Bollettino ufficiale dell'Assemblea federale.