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Nicht das Problem, das hier in erster Linie angesprochen wurde, sondern das Votum von Herrn Biel hat mich veran- lasst, mich zum Wort zu melden. Herr Biel vergleicht etwas, das nicht vergleichbar ist, nämlich zwei ganz unterschiedli- che Dinge. Herr Biel, Sie vergleichen das Gesamteinkom- men einer ganzen Familie mit mindestens zwei Arbeitskräf- ten - wenn Frau und Kinder mitarbeiten, sind es vielleicht sogar noch mehr - mit dem Einkommen des Arbeiters, dem Einkommen eines einzelnen. Wenn die Frau dieses Arbeiters beispielsweise in einem Gastwirtschaftsbetrieb im Service aushilft, dann kommen sie vielleicht auf ein viel höheres Einkommen. Das haben wir aber nicht zur Kenntnis zu nehmen, weil beim Arbeiter allein der Lohn des einzelnen zählt und nicht der Lohn der ganzen Familie. Deshalb ist dieser Vergleich ganz falsch. Ich möchte Sie bitten, Dinge, die man nicht vergleichen kann, auch nicht zu vergleichen. Ich möchte Sie bitten, dem Postulat zuzustimmen.
Bundespräsident Furgler: Es ist ja selten, dass die Landwirt- schaft unter sich nicht einig ist, wenn es darum geht, den Bundesrat zum Nachdenken zu ermutigen. Wir wollten hier ganz deutlich zum Ausdruck bringen, dass angesichts der bestehenden Milchproduktionssituation - Herr Biel hat zu Recht darauf hingewiesen -, angesichts auch des bevorste- henden neuen Milchwirtschaftsbeschlusses 87 eine sorgfäl- tige Lagebeurteilung unerlässlich ist. Ich habe in meinem ersten Votum gesagt, dass ich die 31 Millionen Doppelzent- ner nicht vergrössern kann, weil ganz einfach keine Nach- frage besteht, dass jedes Mehr zu Zusatzkosten, teuerem Käse-Export und anderem mehr führt. Das wollen Sie alle auch nicht. Ich weiss, dass die Landwirtschaft und deren Verbände die Lage geschlossen gleich beurteilen. Wir wis- sen auch, dass wir die Kontingentierung nicht ersetzen können. Ich habe in aller Offenheit das Plus der Kontingen- tierung, wie es jeder empfindet, geschildert, aber auch dar- auf hingewiesen, dass es zu einer gewissen Strukturverän- derung zwischen Berg und Tal geführt hat, vor allem bei der Aufzucht und im Fleischsektor. Angestammte Aufgaben des Berggebietes kommen jetzt etwas zu kurz, weil im Tal im Zusammenhang mit der Mast und Aufzucht verständlicher- weise etwas geschehen ist. Ob das reversibel ist? Ich mache ein Fragezeichen, bin eher zurückhaltend.
Nun haben Sie alle selbst erlebt, dass Gruppierungen von Bauern - kleinere, mittlere - sogar Partner ausserhalb der Landwirtschaft suchen, um ihre Begehren einzubringen. Ich möchte mich zu solch gelegentlich merkwürdigen Hochzei- ten hier nicht äussern. Es tanzt sich sicher nicht auf jeder Hochzeit gut; die Musik spielt auch eine Rolle. Selbst im Jahre der Musik wird es hier schwierig sein, zu tanzen. Wenn man die Milchprobleme analysiert, weiss man, dass die von Herrn Nef aufgeworfenen Fragen echte Fragen sind. Wie hoch soll die Freimenge sein? Ich weiss, dass die Milchverbände selbst mit diesem Problem ringen. Wo ist der gerechte Grenzwert? Sind es die 8000, die wir jetzt haben, ist es mehr?
Ich habe bewusst gesagt: Motion nie, Postulat ja, weil man dann auch auf der Seite des Bundesrates frei ist. Ich kann mir eine Differenzierung zwischen Berg und Tal im Bereich der Freimenge absolut denken.
Rückbehalt: Auch das ist ein echtes Problem. Ich lasse mich aber nicht festlegen. Aber dass das Problem gleichsam in der Luft ist, kann nicht bestritten werden. Die von Herrn Reichling befürchteten und von anderen wiederaufgenom- menen Effekte einer falschen Politik des «arroser le terrain» kann man ohne weiteres beseitigen, indem man sorgfältig prüft, wer berechtigt sein soll und wer nicht, damit nicht die Falschen mehr erhalten, ohne dass man die bürokratischen und administrativen Probleme unterschätzt. Ich weiss, dass Herr Reichling - und da hat er recht - immer wieder darauf hinweist, dass wir eine effiziente Bauernpolitik nur durch- halten können, wenn sie nicht zu viele Vorschriften nach sich zieht.
Auch der dritte Punkt, dass man nach der eingelieferten Menge staffeln soll, liegt in der Luft. Wie man das löst,
studieren wir bei der Schaffung des neuen Milchwirtschafts- beschlusses; das scheint mir durchaus sinnvoll.
Herr Rüttimann hat zu Recht auf Seite 299 unseres sechsten Landwirtschaftsberichtes verwiesen, wo wir den Rückbehalt und dessen Staffelung als eine der möglichen Massnahmen dargestellt haben. Ich bitte alle, die es jetzt betrifft: Wenn Sie die Einkommenssituationen zitieren, die wir im Bericht sorg- fältig beschrieben haben, und neue Begehren daraus ablei- ten, daran zu denken, dass doch echte Fortschritte erzielt werden konnten. Wir haben in den letzten Jahren bereits viel erreicht.
Der Unterschied zwischen Berg- und Taleinkommen besteht, aber auch die Bergbauern haben mir - ich bedanke mich da bei ihnen und weiss, dass die Anwesenden es auch tun - sagen müssen, dass sie ihre Positionen wesentlich verbessert hätten. Mit anderen Worten: In dieser offenen Form, wie ich das Postulat interpretiere, spricht sicher nichts dagegen, dass man es überweist.
Präsident: Der Motionär ist mit der Umwandlung seiner Motion in ein Postulat einverstanden. Herr Reichling bekämpft das Postulat.
Abstimmung - Vote Für die Überweisung als Postulat Dagegen
86 Stimmen 14 Stimmen
84.365 Motion Berger Milchproduzenten. Austausch von Kontingenten Producteurs de lait. Echange de contingents
Wortlaut der Motion vom 14. März 1984
Der Bundesrat wird eingeladen, auf der Grundlage von Artikel 5 Absatz 3 und unter Berücksichtigung von Artikel 5a des Milchwirtschaftsbeschlusses 1977 so rasch wie möglich eine Regelung zu treffen, die es den Milchverbänden er- laubt, ein Verfahren für den Austausch von Kontingenten unter ihren Produzenten einzuführen.
Texte de la motion du 14 mars 1984
Sur la base de l'article 5, 3º alinéa, et compte tenu des dispositions de l'article 5a de l'arrêté sur l'économie laitière 1977, le Conseil fédéral est invité à édicter dans le plus bref délai la réglementation permettant aux fédérations laitières d'instituer une procédure d'échange de contingents entre leurs producteurs respectifs.
Mitunterzeichner - Cosignataires: Blocher, Bonnard, Can- daux, Coutau, Dubois, Etique, Fischer-Hägglingen, Geiss- bühler, Graf, Hari, Houmard, Martin, Massy, Müller-Schar- nachtal, Nef, Oehen, Perey, Reichling, Revaclier, Rutishau- ser, Savary-Vaud, Schnyder-Berne, Thévoz, Uhlmann (24)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Le contingentement de la production laitière est en vigueur depuis le 1er mai 1977. Le contingent dont dispose actuelle- ment chaque producteur a été déterminé en tenant compte, en premier lieu, de la quantité de lait livrée au cours des années 1974/1975 et 1975/1976. Malgré certaines adapta- tions individuelles ou générales intervenues dans l'inter- valle, la production d'aujourd'hui est donc, en grande partie, limitée par des données qui sont vieilles d'une dizaine d'années.
En empêchant les exploitations d'évoluer comme il convien- drait au gré de la succession des générations et des circons-
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tances de l'existence, le contingentement est une mesure extrêmement coercitive et sclérosante. Certes, elle a rendu possible de substantielles augmentations du prix du lait. Mais, en chargeant le Conseil fédéral de fixer au kilo près le volume des livraisons de dizaines de milliers de producteurs répartis dans tout le pays, le régime en vigueur comporte un degré de dirigisme jamais atteint auparavant et qui n'a pas son pareil dans d'autres branches de l'agriculture suisse ou à l'étranger.
Le moment est venu de rendre un peu de flexibilité aux exploitations et de confier davantage d'initiatives aux orga- nisations professionnelles prêtes à les assumer. Un système d'échange de contingents entre producteurs d'une même fédération laitière, dans le sens des études déjà effectuées, permettrait d'atteindre ces objectifs.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates vom 16. Mai 1984
Rapport du Conseil fédéral du 16 mai 1984
Jusqu'à maintenant nous avons modifié, adapté et amélioré chaque année les deux ordonnances sur le contingente- ment, dans le but de rendre autant que possible supportable aux producteurs le contingentement laitier, qui est une mesure très contraignante, nous en convenons. Une large procédure de requêtes, dans le cadre de laquelle les fédéra- tions laitières ont dû traiter en sept ans quelque 65000 demandes, a aidé à l'adaptation des contingents aux nou- velles conditions, en partie tout au moins. De plus, l'évolu- tion des structures de l'agriculture a eu pour effet de faire passer le contingent moyen de 48890 kg le 1er mai 1979 à 56434 kilos en 1982/1983. L'affirmation selon laquelle des données vieilles de dix ans déjà limiteraient en grande partie la production ne correspond donc pas à la réalité.
Compte non tenu de cela, un échange de contingents entre producteurs pourrait contrebalancer la rigidité relative des contingents. Des études ont montré les avantages d'un tel système; toutefois, un échange de contingents pose aussi un grand nombre de problèmes et présente de nombreux inconvénients. De toute façon, dans un tel système aussi, la Confédération devrait établir les règles du jeu. Au sein de l'agriculture, les opinions divergent encore au sujet de l'échange de contingents. Si la fédération laitière vaudoise soutient cette nouvelle idée, la fédération laitière bernoise - la plus grande du pays - s'y est opposée à l'unanimité! Du point de vue juridique, l'échange de contingents ne peut se fonder sur l'arrêté sur l'économie laitière 1977.
L'étude de la question sera poursuivie dans le cadre des travaux préliminaires concernant l'arrêté sur l'économie lai- tière 1987, et la procédure de consultation fournira des indications supplémentaires.
Nous prévoyons de nous prononcer sur l'échange de contin- gents en relation avec l'arrêté sur l'économie laitière 1987; les Chambres devront alors prendre une décision à ce sujet.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral
Le Conseil fédéral propose de transformer la motion en postulat.
Präsident: Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzuwandeln.
Antrag Nussbaumer Ablehnung
Proposition Nussbaumer Rejeter
M. Berger: J'essaie de ne pas vous noyer dans le lait. Excusez-moi, très brièvement, d'apporter quelques préci- sions encore au sujet de la motion que j'ai déposée. Je tiens à préciser toutefois qu'elle ne vise pa à créer une entrave à l'adaptation de l'offre de lait aux besoins du marché. Elle ne vise pas non plus à pénaliser les zones à vocation herbagère et par là même les zones à vocation laitière, zones de
montagne, zones de collines. Elle vise avant tout, en accor- dant un contingent laitier à chaque fédération, de leur laisser à l'intérieur de leur rayon d'activité, une certaine souplesse d'adaptation en fonction de l'évolution et de l'orientation des productions agricoles, sans que son con- tingent global soit remis en cause.
De par l'évolution de la conjoncture, de par l'évolution de la recherche, du développement de la technique mais surtout de par la situation de sa propre famille, les besoins de l'entreprise agricole familiale diffèrent dans le temps. La grande quantité de contingents gelés actuellement, en est la plus évidente démonstration. L'échange de contingents, à l'intérieur même d'une fédération, sans que son contingent global ne soit remis en cause, devrait permettre cette sou- plesse d'adaptation. En outre, nous partageons et défen- dons aussi le principe que les fédérations sont mieux à même de remplir cette mission qu'un organisme centralisé. Dans sa réponse, le Conseil fédéral précise que l'échange de contingents entre producteurs pourrait contre-balancer la rigidité relative des contingents, qu'il présente des avan- tages, certes, mais qu'il pose aussi de nombreux problèmes. Je partage ce point de vue et demeure convaincu qu'une étude doit être entreprise dans ce sens. Il y va du respect de l'agriculteur, chef d'entreprise; il y va aussi à moyen et à long terme du maintien du dynamisme et de l'efficacité de notre agriculture.
En ce temps où les contraintes imposées aux cultivateurs et aux éleveurs se multiplient, l'échange de contingents, au sein d'une fédération, serait un des moyens d'éviter que l'entreprise agricole ne se sclérose définitivement.
Je remercie le Conseil fédéral de se pencher sur cette proposition et de se prononcer dans le cadre de la révision de l'arrêté sur l'économie laitière de 1987. J'accepte dans ces conditions que ma motion soit transformée en postulat.
Nussbaumer: Ich weiss, dass die Agrarpolitik der letzten Jahre immer mit Dynamismus begründet wurde und jene, die diesen dynamischen Bestrebungen nicht folgten, wur- den als «Retardataires» bezeichnet, sogar in der Festschrift «100 Jahre Bundesamt für Landwirtschaft».
Herr Berger möchte hier ebenfalls dynamisch werden. Er möchte den Milchproduzenten mehr Spielraum zurückge- ben. Diese Idee, Monsieur Berger, ist an und für sich begrüs- senswert. Er möchte den Milchverbänden die Kompetenz geben, innerhalb ihrer Gebiete Kontingente auszutauschen. Der Bundesrat ist bereit, diese Motion als Postulat entge- genzunehmen. Ich beantrage Ihnen, auch das Postulat abzulehnen und begründe dies wie folgt:
Schon heute können die Bauern der gleichen Milchge- nossenschaft durch einstimmigen Beschluss die Kontin- gente umverteilen. Leider haben nur ein paar wenige Genos- senschaften von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Warum? Weil die Bauern sich nicht getrauen, das heisse Eisen einer Umverteilung anzurühren, und weil alle nur mehr wollen und niemand etwas freiwillig abgeben will.
Der Kontingentshandel bringt nicht voraussehbare Aus- wirkungen auf unserem Bodenmarkt. Wenn wir hier die Schleuse öffnen, dann werden die letzten Dinge ärger sein als die ersten. Unsere Agrarpolitik ist weiss Gott komplex genug, als dass wir noch neue Hindernisse einbauen müss- ten. Heute schon kaufen Bauern zur Vergrösserung der Milchkontingente Land zu Phantasiepreisen, wobei die Kon- tingente höchstens auf die viel zu hoch angesetze Limite von 150 000 Kilogramm pro Betrieb anwachsen können. Schon diese Möglichkeit begünstigt jene, die sich rück- sichtslos über ein gutes nachbarliches Einvernehmen hin- wegsetzen, indem sie anderen Bauern und Berufskollegen Land und Kontingente abjagen.
Ich habe Vertrauen in die Funktionäre unserer Milchver- bände. Aber auch sie sind nur Menschen. Es könnte hier zu Ungleichheiten kommen, weil die Milchverbände zwar die milchpolitischen Gesichtspunkte berücksichtigen, die aber nicht immer und nicht unbedingt mit den allgemeinen agrar -. politischen Zielsetzungen übereinstimmen müssen. Unter
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dem Gesichtspunkt, den Bauern mehr Spielraum zu geben, könnte man sich im Rahmen des Milchwirtschaftsbe- schlusses 87 vorstellen, dass der Bund Kontingente zurück- kaufte und sie unentgeltlich an Familienbetriebe mit zu kleinen Kontingenten abgeben würde. Eine solche Umver- teilung bliebe ohne unerwünschte Auswirkungen auf unsere Bodenpreise und auf das komplizierte Problem des Boden- rechts.
Die hier vorgeschlagene Kontingentsverschiebung ist sehr gefährlich und würde sofort zu einer Verteuerung jener Böden führen, die mit hohen Milchkontingenten belegt sind. Die Idee des Herrn Berger ist sehr gefährlich. Sie macht die Bodenfrage unlösbar und kompliziert unsere Agrarpolitik. Ich bitte Sie eindringlich, diesen Vorstoss auch als Postulat abzulehnen.
Bäumlin: Ich bitte Sie, den Vorstoss auch in der Form des Postulats abzulehnen. Von mir aus wäre ich nicht so weit gegangen und hätte mich auf einige kritische Bemerkungen zum Postulat beschränkt. Nachdem nun aber die Ablehnung auch als Postulat aus bäuerlichen Kreisen gestellt worden ist, unterstütze ich diesen Antrag. Ich halte die Idee, Kontin- gente sollten austauschbar sein, für sehr gefährlich. Ein Handel mit Kontingenten muss unbedingt verhindert wer- den. Wir dürfen nicht eine Analogie zur Käsemarktordnung schaffen. Der Handel mit Kontingenten begünstigt die Grossen.
Dann noch etwas anderes: Wenn wir das zulassen, geraten wir in eine Situation, in der die Landwirtschaftspolitik mehr und mehr blockiert wird. Die Bauern würden nämlich gel- tend machen, sie hätten nun etwas wie «wohlerworbene Rechte», die man ihnen nicht entschädigungslos entziehen könne. Damit würde der Übergang zu einer anderen Lösung als derjenigen über die Milchkontingentierung zum voraus erschwert. Vielleicht gibt es einmal andere Lösungen, die auch vernünftig sind. Ich lasse das offen. Ich will nur sagen, man verbaut sich jede Beweglichkeit in der Landwirtschafts- politik, wenn man sich auf den Weg des Austausches von Kontingenten begibt. Darum halte ich das für problematisch und gefährlich. Ich bitte Sie, auch das Postulat abzulehnen. Zum Milchwirtschaftsbeschluss 87 möchte ich mir auch noch eine kleine Äusserung erlauben. Hier leuchtet mir die Idee von Herrn Nussbaumer, es seien gewisse Kontingente vom Bund zurückzukaufen, um sie dann gratis abzugeben an Leute, die sie nötig haben, nicht ein. Ich will mich nicht auf solche Entschädigungen einlassen. Ich bin nicht damit einverstanden, dass ein Kontingent jetzt schon etwas sein soll wie ein um Geldwert erworbenes Recht, das nur gegen Entschädigung entzogen werden kann. Die Landwirt- schaftspolitik muss ihre Möglichkeiten offenhalten.
Ich hätte aber einen anderen Wunsch an die Adresse des Bundesrates, was den Milchwirtschaftsbeschluss 1987 betrifft: Man sollte ernsthaft Mittel und Wege suchen, die es erlauben, bei der Zuweisung der Kontingente viel konse- quenter auf die betriebseigene Futtergrundlage abzustellen. Im Berggebiet sollte es vor allem auf die betriebseigene Rauhfuttergrundlage ankommen. Wenn man diesen Weg beschreiten würde, liesse sich die Milchschwemme wirksam einschränken. Denn die Milchschwemme ist ja weithin eine Folge der Überproduktion, die sich aus zugekauftem Kraft- futter ergibt.
Hofmann: Die Milchkontingentierung führt zu gewissen Strukturerstarrungen. Deshalb hat eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Vertretern des Bundesamtes für Landwirt- schaft und der Milchwirtschaft die Frage geprüft, ob man nicht einen begrenzten Kontingenthandel oder - wie man auch sagt - Kontingentaustausch zulassen sollte. Das wäre so zu verstehen, dass Landwirte, die bereit wären, ihren Betrieb umzustellen (eine Umstellung kostet Geld), ihr Kon- tingent veräussern könnten, wenn sie dafür bezahlt würden, und und zwar an einen Produzenten, der bereit wäre, dieses Kontingent zu kaufen.
Bei einem Austausch wäre es nicht so, dass die Reichen reicher und die Armen ärmer würden, denn von der Arbeits-
gruppe wurde vorgesehen, dass primär vorerst nur kleine Landwirte mit kleinen Kontingenten in einem begrenzten Umfang solche Kontingente sollten erwerben können. Obwohl dieses Projekt in der Landwirtschaft umstritten ist, soll man das Ganze nicht bereits abblocken, indem man den Vorstoss von Herrn Berger auch als Postulat ablehnt. Der Bundesrat hat vorgesehen, im Zusammenhang mit dem neuen Milchwirtschaftsbeschluss ein Projekt für einen sol- chen begrenzten Kontingentaustausch in die Vernehmlas- sung zu geben. Im Rahmen der Vernehmlassung haben dann die landwirtschaftlichen Organisationen und die Par- teien und übrigen Organisationen Gelegenheit, zu diesem Projekt Stellung zu beziehen. Je nachdem kann dann der Bundesrat nach der Vernehmlassung den Kontingent- austausch im Zusammenhang mit dem Milchwirtschaftsbe- schluss 87 zur Diskussion stellen. Es ist die Diskussion wert, dass man diese Flexibilitätsmöglichkeit prüft.
Ein Kontingentaustausch oder Kontingenthandel wird aber erst durch eine Gesetzesänderung, durch eine Änderung des Milchwirtschaftsbeschlusses möglich. Wenn Sie also heute Herrn Berger im Sinne eines Postulates zustimmen, dann legen Sie nichts fest, ähnlich wie beim Postulat Nef. Deshalb möchte ich Sie bitten, dass Sie der Motion von Herrn Berger im Sinne eines Postulates zustimmen und nicht generell alles ablehnen und die Diskussion über dieses Kapitel abschliessen.
M. Thévoz: Il est incontestable que le contingentement laitier a apporté une certaine rigidité dans la profession et qu'il importe de l'assouplir, en fonction des possibilités régionales. Je pense avoir suffisamment souligné précé- demment combien il était important que les décisions soient prises dans toute la mesure du possible par les autorités, qu'elles soient politiques ou économiques, les plus proches des producteurs. Le postulat de M. Berger qui demande que cette possibilité d'assouplissement soit donnée aux fédéra- tions laitières va exactement dans le sens préconisé; je pense qu'il s'agit là d'une bonne initiative et je vous prie d'accepter ce postulat.
Chopard: Eines habe ich in diesen 15 Jahren, in denen ich jetzt in diesem Rate das Vergnügen habe, mitzuarbeiten, gelernt: Die Landwirtschaft braucht unsere Hilfe. Das ver- stehe ich. Und ich bin auch nicht dagegen, dass man der Landwirtschaft hilft, wo dies nötig ist. Aber heute nachmit- tag glaubte ich mich eigentlich in den grössten Staatsbe- trieb versetzt, der da offenbar in der Schweiz besteht.
Wenn ich dem allem zuhöre, habe ich den Eindruck, dass hier Staatswirtschaft und staatliche Lenkung aus bäuerli- chen Kreisen verlangt wird, die eigentlich weit über das hinausgeht, was wir Sozialdemokraten jeweils von diesem Staat an Lenkung verlangen. Aber uns sagt man jedesmal, es wäre nicht von Gutem, wenn der Staat so stark eingreife in unsere Wirtschaft. Ich habe weiter den Eindruck, dass in der Landwirtschaft schon sehr weitgehend praktiziert wird, was eben nahe an einer totalen staatlichen Lenkung ist. Ich muss Ihnen schon gestehen, dass ich das eigentlich nicht verstehe.
Ich möchte damit die Frage an den Herrn Bundespräsiden- ten richten: Wollen Sie tatsächlich die totale Verstaatlichung der Landwirtschaft propagieren? Ich habe hier gedanklich etwas Mühe - ich verhehle Ihnen das nicht -, weil ich der Meinung bin, das können auch die Bauern nicht wollen. Wenn ich in der Antwort des Bundesrates lese, dass im Rahmen der Vorbereitungsarbeiten für den Milchwirt- schaftsbeschluss 1987 das Problem, das da aufgeworfen wird, abgeklärt wird, dann meine ich - auch an die Adresse von Kollege Hofmann gerichtet -: das reicht! Die Motion ist ohnehin abzulehnen, aber aus diesen Gründen bin ich der Meinung, dass man auch ein Postulat ablehnen muss. Sie werden doch dem Bundesrat noch glauben, was er uns da schriftlich vorgelegt hat.
Bundespräsident Furgler: Vorerst danke ich Herrn Chopard für sein Vertrauen. Als alter Liberaler hat er begreiflicher-
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weise gewisse Hemmungen, wenn die Massnahmen je län- ger, je enger werden, und ich vermag diese Bedenken sehr wohl zu teilen.
In allen Besprechungen mit meinen Leuten und mit den Spezialisten im Milchbereich habe ich gesagt: Wenn wir das prüfen, ist es wirklich nicht mehr als eine Prüfung. Es ist in keiner Art und Weise eine Art vorgefasste Meinung oder schon ein in Aussicht gestellter Entschluss. Ich bin über- zeugt, dass Pro und Kontra wirklich einer vertieften Untersu- chung bedürfen. Weshalb? Die Kontingentierung ist an und für sich eine unerhört einschneidende Massnahme. Ich habe im Parlament als Nationalrat die Phase erlebt, als man zum erstenmal kontingentieren wollte-die sogenannte Lex Piot-, und wie dann vorerst nicht zur Kontingentierung geschritten wurde. Man kam später, weil die Probleme je länger, je schwieriger wurden, doch zur Einführung der Kontingentie- rung. Es mag bezeichnend sein für uns alle, dass die EG sieben Jahre nach uns für das ganze EG-Gebiet die Kontin- gentierung nun auch eingeführt hat. Folge der Kontingentie- rung ist Einschränkung, das weiss jeder einzelne, der mit Kontingenten zu tun hat.
Aber es scheint zurzeit - ich drücke mich vorsichtig aus - keine echte Alternative zu geben. Ich höre mit allen, die mit mir Landwirtschaftspolitik machen, in dieser Richtung; aber noch kein Ruf ist an mich zurückgekommen. Wir haben nun die Kontingentierungsordnung so flexibel als möglich aus- zugestalten versucht. Wenn in sieben Jahren - wie wir Ihnen geschrieben haben - rund 65 000 Gesuche durch die Milch- verbände behandelt worden sind, dann spricht das für den Willen, so flexibel wie möglich zu sein. Aber es zeigt Ihnen natürlich auch, dass jede derartige Massnahme mit unerhört viel administrativem Aufwand verbunden ist. Weil man die durchschnittliche Kontingentgrosse von 48 000 auf rund 56 000 Kilo erhöhen konnte, hat der einzelne Bauer einen grösseren Freiraum erhalten. Und da hinein müssen Sie nun die Idee eines möglichen Kontingentaustausches stellen. Monsieur Berger, im Ständerat liegt ein analoger Vorstoss. Die Waadtländer Bauern wollen es. Die Berner Bauern in ihrem Verband wollen es - zum mindesten im Moment, wie ich benachrichtigt bin - nicht.
Sie haben also zwei Verbände mit unterschiedlicher Auffas- sung, und das ist eben auch wieder typisch schweizerische Politik. Nicht jeder Stand und nicht jede Region will die Probleme gleichermassen und gleichartig lösen. Wenn wir uns einen solchen Versuch denken können - hier muss ich Herrn Hofmann sagen, dass der Bundesrat noch nichts beschlossen hat; das sind alles Denkprozesse, die zurzeit noch hausintern geschehen -, dann bedeutet dies nicht, dass man nach Abschluss des Vernehmlassungsverfahrens nur noch Ja und Amen zu sagen hätte, sondern das Problem wäre wirklich - ich wiederhole es - nach Strich und Faden auf Pro und Kontra zu untersuchen.
Ich begreife Herrn Nussbaumer, wenn er sagt, der Handel könnte zu einer Bodenverteuerung führen. All diese Dinge müssen ausgegoren sein. Wenn man sich das konkret vor- stellt, kann das heissen, dass man unterschiedliche Lösun- gen trifft, je nach Höhe der Einzelkontingente, dass man die Bewirtschaftungsmöglichkeiten mit in Betracht zieht und Limiten festlegt, beispielsweise also Höchstmengen, die ein Produzent zukaufen kann, damit man nicht am Schluss Riesen und Zwerge hat, unerwünscht beim Leitbild des bäuerlichen Familienbetriebes, wie er im sechsten Landwirt- schaftsbericht wieder aufleuchtet.
Man hat sogar daran gedacht, dass, wenn man eine solche Operation einführen würde, der Bundesrat eine Abschöp- fungsmöglichkeit haben müsste, dass er beispielsweise einen zu bestimmenden Prozentsatz zurücknehmen würde - gratis und franko oder wie immer man das zu fixieren hätte -, um Neuverteilungen in Richtung einer grösseren Flexibilität vorzunehmen. Das nur als eine Möglichkeit. Ich möchte mich hier nicht festlegen. Aber Sie spüren, dass das der Grund war, weshalb wir Ihnen in der schriftlichen Antwort auf die Motion sagten, wir wären bereit, den Vorstoss als Postulat entgegenzunehmen. Und nun mögen Sie entschei- den, wie Sie es für gut halten.
Abstimmung - Vote Für die Überweisung als Postulat Dagegen
57 Stimmen 31 Stimmen
Schluss der Sitzung um 19.00 Uhr La séance est levée à 19 h
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Motion Berger Milchproduzenten. Austausch von Kontingenten Motion Berger Producteurs de lait. Echange de contingents
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1985
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II
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Frühjahrssession
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Rat
Nationalrat
Conseil
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Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
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Séance
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Datum
13.03.1985 - 15:00
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