Verwaltungsbehörden 22.06.1984 84.320
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Interpellation Ott
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84.320 Interpellation Ott Militärdienstverweigerer aus Gewissensgründen Objecteurs de conscience
Text der Interpellation vom 5. März 1984
Sprecher des Bundesrates, der Armee und fast aller Parteien haben betont, das Problem der Militärdienstverweigerer aus Gewissensgründen müsse nun endlich auf würdige Weise gelöst werden. Ich frage den Bundesrat an:
Ist er nach der Verwerfung der Zivildienstinitiative nach wie vor willens, zu einer raschen und konsensfähigen Lösung Schritte zu unternehmen?
Ist der Bundesrat nach wie vor der Auffassung, die sein Sprecher anlässlich der Zivildienstdebatte im Nationalrat zum Ausdruck gebracht hat: dass die Lösung in der Einrich- tung eines zivilen Ersatzdienstes bestehen muss? Ist er demzufolge ebenfalls der Meinung, dass die Verwirklichung der vom Nationalrat überwiesenen Motion Segmüller («Entkriminalisierung» der Dienstverweigerer aus echten Gewissensgründen beim Vollzug der Strafe) höchstens eine provisorische Lösung darstellen kann?
Glaubt der Bundesrat nicht auch, dass der heute auf- grund des geltenden Militärstrafrechtes immer noch herr- schende Begriff der «schweren Gewissensnot» veraltet ist, indem er den Eindruck erweckt, als sei der Imperativ des Gewissens eine Anomalie, eine Art seelischer Krankheit? Müsste man sich nicht in Gesetz und Praxis um eine sachge- mässere Diktion bemühen?
Die Motion Segmüller, die der Bundesrat ausdrücklich begrüsst hat, spricht von «echten Militärdienstverweigerern aus Gewissensgründen». Der Wortlaut enthält keinen Hin- weis auf «religiöse und ethische Gewissensgründe». Aner- kennt der Bundesrat, dass sich sogenannte religiöse, soge- nannte (individual-)ethische und andere, zum Beispiel gesellschaftliche (und in diesem Sinne: politische) Gewis- senmotive oft zum Verwechseln ähnlich sehen bzw. ineinan- der übergehen können und dass es darum tunlich ist, auf solche Unterscheidungen in der Gesetzgebung überhaupt zu verzichten.
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Zwar lässt sich die Art der Motivation des Gewissens durch Gespräche einigermassen erkunden, weniger jedoch die Stärke dieser Motivation, auf die es aber letztlich entscheidend ankommt. Muss darum nicht doch der Tatbe- weis durch Leistung eines verlängerten Ersatzdienstes als der relativ sicherste Beweis in diesem entscheidenden Punkt angesehen werden? Nachdem nun aber Volk und Stände entschieden haben, dass das Antreten des Tatbewei- ses nicht in die alleinige Entscheidung des einzelnen gelegt werden soll, ohne die Mitsprache eines Organs der staatli- chen Gemeinschaft, stellt sich die Frage: In welcher Weise kann nach Meinung des Bundesrates der Gedanke des Tatbeweises in würdiger Form mit der Wirkung einer vom Staat bestellten Kommission kombiniert werden?
Es muss als unbestritten vorausgesetzt werden, dass ein ziviler Ersatzdienst nur dann sinnvoll ist, wenn er dem Mili- tärdienst äquivalente Anforderungen stellt. Wie könnte, in Grundzügen, ein Zivildienst nach Meinung des Bundesrates ausgestaltet sein, damit er in allen wichtigen Hinsichten im Durchschnitt keine geringere Belastung mit sich bringt als der Militärdienst?
Texte de l'interpellation du 5 mars 1984
Des porte-parole du Conseil fédéral, de l'armée et de pres- que tous les partis ont souligné que le problème des objec- teurs de conscience devait enfin être résolu de manière correcte. Je pose à ce sujet les questions suivantes au Conseil fédéral:
Après le rejet de l'initiative pour un service civil, le gou- vernement est-il toujours disposé à entreprendre quelque chose pour arriver rapidement à une solution acceptable pour tous?
Partage-t-il toujours l'opinion, exprimée par son porte- parole lors des débats sur le service civil au Conseil national, à savoir que la solution doit consister à créer un service civil de remplacement? Estime-t-il en conséquence également que la suite à donner à la motion Segmüller, acceptée par le Conseil national (demandant que les objecteurs de cons- cience ne soient plus assimilés aux criminels de droit com- mun quant aux peines encourues et à l'exécution de celles- ci), ne peut tout au plus constituer qu'une solution provi- soire?
Ne pense-t-il pas également que la notion de «grave conflit de conscience», introduite en vertu de l'actuel droit pénal militaire et qui est encore communément admise aujourd'hui, est dépassée du fait qu'elle donne l'impression que l'impératif de la conscience est une anomalie, une sorte de maladie psychique? Ne faudrait-il pas s'efforcer d'adop- ter, dans la loi et dans la jurisprudence, une formation plus objective?
La motion Segmüller accueillie favorablement par le Conseil fédéral parle d'«objecteurs de conscience authenti- ques». Elle ne contient aucune indication quant aux motifs de nature religieuse ou morale. Le gouvernement admet-il que ce que l'on nomme des motifs de conscience, qu'ils soient de nature religieuse, (individuelle-)éthique ou autre, par ex. sociale (et en ce sens politique) peuvent souvent s'entremêler au point de se révéler indissociables et que, pour cette raison, il faut renoncer totalement à établir de telles distinctions dans la législation ?
Des entretiens permettent certes de déterminer plus ou moins la nature des motifs de conscience, mais il paraît difficile d'en déceler la force qui, finalement pourtant, est déterminante en l'occurrence. Ne faut-il pas, pour cette raison, considérer quand même la preuve par l'acte, soit l'accomplissement d'un service de remplacement plus long, comme l'élément relativement le plus convaincant, sur ce point décisif? Mais à présent que le peuple et les cantons ont décidé qu'il ne fallait pas s'en remettre au seul jugement de chacun pour ce qui est de la preuve, mais qu'un organe représentant les pouvoirs publics devait avoir son mot à dire, il faut se poser la question suivante: Comment sera-t-il possible, de l'avis du Conseil fédéral, de combiner l'idée de la preuve par l'acte sous une forme crédible avec l'interven- tion d'une commission constituée par l'Etat?
6 .. Il est incontestable qu'un service civil de remplacement ne peut être considéré comme valable que s'il pose des exigences équivalant à celles du service militaire. Comment, dans ses Grandes lignes, le service civil pourrait-il être conçu afin que, dans tous les aspects principaux, il ne pose pas en moyenne d'exigences moindres que le service mili- taire?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Ammann-St. Gallen, Bäumlin, Bircher, Bratschi, Braunschweig, Bundi, Chopard, Deneys, Dünki, Eggenberg-Thun, Eggli-Winterthur, Euler, Fankhauser, Fehr, Günter, Hubacher, Jaeger, Jaggi, Lanz, Leuenberger Ernst, Leuenberger Moritz, Maeder-Appenzell, Mauch, Meyer-Bern, Meizoz, Morf, Müller-Zürich, Nauer, Neukomm, Pitteloud, Reimann, Riesen-Freiburg, Robbiani, Robert, Rubi, Ruch-Zuchwil, Ruffy, Schmid, Stamm Walter, Stappung, Uchtenhagen, Vannay, Wagner, Weber Monika, Weber-Arbon (45)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Zu Frage 2: Das Anliegen der echten Militärdienstverweige- rer aus Gewissensgründen erschöpft sich nicht darin, nicht wie Kriminelle bestraft zu werden, wie dies die Motion Seg- müller vorsieht. Es geht ihnen vielmehr darum, überhaupt nicht schuldig gesprochen zu werden, da sie ja zur Leistung eines gleichwertigen Dienstes für die Gemeinschaft bereit sind.
N 22 juin 1984
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Interpellation Herczog
Zu Frage 3: Der kategorische Imperativ des Gewissens kann auf sehr verschiedene Art erlebt werden, nicht nur als «schwere Not». Ein Mensch, der genau weiss, welchen Weg er aufgrund seiner ethischen Maximen zu gehen hat, kann diese innere Klarheit auch als Erhebung seines Selbst- gefühls, seiner persönlichen Identität, erfahren. Deswegen ist sein Gewissensentscheid nicht etwa weniger wert! Ein Abrücken von dem alten Begriff der «schweren Gewissens- not» könnte auch dazu verhelfen, dass zum Beispiel einem religiösen Dienstverweigerer nicht mehr Fragen vorgelegt werden wie: «Haben Sie Angst, in die Hölle zu kommen?» Fragen, die von vielen modernen Christen als unwürdig und verletzend empfunden werden müssen. Denn ein Christ gründet sein ethisches Verhalten nicht auf Angst vor Höllen- strafen, sondern auf Liebe zu Gott und Respekt vor dem göttlichen Willen.
Zu Frage 4: Ein religiöser Mensch könnte zum Beispiel sagen: «Ich glaube, dass Gott Frieden unter den Menschen und eine gewaltfreie Menschheit will. Ich will dem Willen Gottes gehorchen, denn einige Menschen müssen in aller Konsequenz den Anfang machen.» Ein Agnostiker dagegen könnte sagen: «Wenn ich überzeugt bin, dass nur eine gewaltfreie, friedliche Gesellschaft wahrhaft human ist und dass ein solcher Zustand erreicht werden kann, wenn nur alle wollten, dann ist es an mir, an meinem Ort die Konse- quenzen zu ziehen und einen Anfang zu machen.» Der eine Entscheid könnte als «religiös», der andere als «politisch» qualifiziert werden. Dennoch haben beide Menschen in glei- cher Weise nach dem Prinzip des kategorischen Imperativs gehandelt. Obschon der eine den Namen Gottes erwähnt, der andere nicht, ist ihr Entscheid in seiner sittlichen Sub- Stanz derselbe oder mindestens analog zu nennen.
Zu Frage 5: Der Unterscheidung zwischen Art und Stärke der Gewissensmotivation ist in der ganzen Dienstverweige- rerdebatte bisher wohl noch zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden, obschon sie eigentlich durch die alte Lehre vom «irrenden Gewissen» längst vorbereitet war. Aus diesem Grund hat man wohl auch die Idee des «Tatbewei- ses» nicht differenziert genug gewürdigt. Es liesse sich aber wohl ein Konzept vorstellen, welches die Entscheidung zum Tatbeweis dialogisch denkt, d.h. sie im Kontext eines Gespräches mit Vertretern der Gemeinschaft situiert.
Zu Frage 6: Die Motivation des Gewissens im Sinne von Friede, Gewaltlosigkeit und Ehrfurcht vor dem Leben sollte nicht durch andersartige Motivationen wie blosse Abnei- gung gegen Disziplin und Subordination unterwandert wer- den können. Dem ist bei der Konkretisierung des Zivildien- stes Rechnung zu tragen.
Antwort des Bundesrates siehe Seite 990 hiervor (Interpellation 84.313 Humbel)
Réponse du Conseil fédéral voir page 990 ci-devant (Interpellation 84.313 Humbel)
Abstimmung - Vote Für den Antrag auf Diskussion Dagegen
58 Stimmen 38 Stimmen
84.309 Interpellation Herczog Militärtechnologie-Export nach Südafrika Exportation de technologie militaire vers l'Afrique du Sud
Wortlaut der Interpellation vom 5. März 1984
Gemäss Ausführungen der Zeitschrift «tell» (Nr. 4/5 1984) hat die Oerlikon-Bührle AG in den Jahren 1980 bis 1983 durch den Export von Militärtechnologie nach Südafrika sowohl die UNO-Embargo-Bestimmungen als auch das Kriegsmaterialgesetz verletzt. Ich bitte in diesem Zusam- menhang den Bundesrat um die Beantwortung folgender Fragen:
Ist dem Bundesrat bekannt, dass gemäss südafrikani- schem Patentjournal die Oerlikon-Bührle AG in den Jahren 1980 bis 1983 eine ganze Anzahl von Patenten für Militär- technologie (unter anderem Zeitzünder, Dumdum- geschosse, ballistische Zusätze für Projektile) in Südafrika angemeldet hat? Wieweit ist die Schweizer Firma des gesamten Konzerns an diesen Patentanmeldungen betei- ligt? Ist der Bundesrat auch der Ansicht, dass derartige Patentanmeldungen den Technologie-Exporten gleichzu- setzen sind?
Ist der Bundesrat auch der Ansicht, dass durch diese Tatsachen sowohl die UNO-Resolution Nr. 418 vom 4. November 1977 als auch das Bundesgesetz über das Kriegsmaterial verletzt wurden?
Welche Massnahmen wird der Bundesrat ergreifen, um die weltweiten Exporte von Militärtechnologie durch Schweizer Firmen nach Südafrika zu verhindern?
Texte de l'interpellation du 5 mars 1984
Si l'on ajoute foi à des déclarations publiées par tell (nº 4/5 1984), la SA Oerlikon-Bührle a violé en 1980 à 1983, tant les injonctions d'embargo de l'ONU que la loi fédérale sur le matériel de guerre, en exportant de la technologie militaire vers l'Afrique du Sud. A ce sujet, j'invite le Conseil fédéral à répondre aux questions suivantes:
Sait-il que, selon le journal sud-africain des brevets, la SA Oerlikon-Bührle a, de 1980 à 1983, annoncé eu Afrique du Sud quantité de brevets se rapportant à la technologie militaire (notamment aux fusées à temps, aux projectiles dum-dum, aux compléments balistiques pour projectiles)? Jusqu'à quel point l'entreprise suisse englobée dans l'en- semble du consortium international est-elle intéressée à ces demandes de brevets? Le gouvernement estime-t-il aussi que de tels dépôts de brevets équivalent à des exportations de technologie?
Est-il de l'avis qu'en raison de ces actes, tant la résolution nº 418 de l'ONU, du 4 novembre 1977, que la loi fédérale sur le matériel de guerre ont été violées ?
Quelles mesures le Conseil fédéral compte-t-il prendre aux fins d'empêcher que des entreprises suisses ne se livrent à de nouvelles exportations de technologie militaire à destination de l'Afrique du Sud?
Mitunterzeichner - Cosignataires: Carobbio, Gurtner, Mas- carin (3)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Die UNO hat in ihrer Resolution Nr. 418 vom 4. November 1977 ausdrücklich die Vergabe von Produktionslizenzen in die Waffenembargo-Bestimmungen aufgenommen. Auch die Schweiz verbot unabhängig und noch vor der UNO alle Waffenausfuhren nach Südafrika. Zudem wird im Kriegsma- terialgesetz jegliche Ausfuhr untersagt, die «zwischenstaat- lichen Vereinbarungen widerspricht» (Art. 10).
Die Zeitschrift «tell» (Nr. 4/5 1984) liefert nun Beweise dafür,
Schweizerisches Bundesarchiv, Digitale Amtsdruckschriften Archives fédérales suisses, Publications officielles numérisées Archivio federale svizzero, Pubblicazioni ufficiali digitali
Interpellation Ott Militärdienstverweigerer aus Gewissensgründen Interpellation Ott Objecteurs de conscience
In
Dans
In
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Jahr
1984
Année
Anno
Band
III
Volume
Volume
Session
Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
15
Séance
Seduta
Geschäftsnummer
84.320
Numéro d'objet
Numero dell'oggetto
Datum 22.06.1984 - 08:00
Date
Data
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1005-1006
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20 012 580
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