Verwaltungsbehörden 22.06.1984 84.391
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Motion Maitre-Genève
974
N
22 juin 1984
Menge von Russpartikeln nicht, wie bisher fälschlicherweise immer wieder angenommen, harmlos, sondern Russpartikel gelten als Träger krebserregender Substanzen.
Das Schweizervolk hat durch seine Wahlen vom 23. Oktober 1983 unmissverständlich gezeigt, dass es mit dem Umwelt- schutz unverzüglich ernst machen will. Unsere Bevölkerung ist offensichtlich nicht mehr bereit, auf die Ausmerzung derartiger Schadstoffquellen noch warten zu müssen, mit der Begründung, das Problem sei technisch schwierig zu lösen oder es seien sehr hohe Eliminierungskosten zu er- warten.
Mein Vorstoss möchte versuchen, den Bundesrat zu bewe- gen, unverzüglich auch für Dieselmotoren wirksame Abgas- vorschriften zu erlassen. Wer unsere Strassen und insbeson- dere auch unsere Tunnels regelmässig befährt, weiss, wie sehr unsere Luft sichtbar verschmutzt wird durch die schwe- ren Brummer, die in ihrer Vielzahl die Schweiz lediglich vom Norden in den Süden oder vom Westen in den Osten und umgekehrt durchqueren und Güter transportieren, die auf diesen Transversalen ohne weiteres per Bahn transportiert werden könnten.
Die Haltung unserer Landesregierung punkto Bleiabgase hatte europäisch erstaunliche Signalwirkung. Wir dürfen daher mit Zuversicht erwarten, dass der Bundesrat auch mit Bezug auf die Schadstoffe von Dieselmotoren ohne Zeitver- zug und hartnäckig Massnahmen vorschreibt, die gerade wegen unserer geographischen Lage auch die Nachbarlän- der zum entsprechenden Handeln veranlassen werden, oder dass ein grosser Teil des durch unser Land geführten inter- nationalen Gütertransportes auf die Schiene verlegt werden muss, welch letzteres in mancherlei Beziehung ins Gewicht fallende Vorteile brächte.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates Rapport écrit du Conseil fédéral
Seit 1970 bestehen in der Schweiz Vorschriften über die Rauchbegrenzung bei Fahrzeugen mit Dieselmotoren; diese wurden schrittweise verschärft (Anhang 3 der Verordnung vom 27. August 1969 über Bau und Ausrüstung der Stras- senfahrzeuge; SR 741.41). Die heutigen Vorschriften, die mit den internationalen Bestimmungen der Wirtschaftskommis- sion für Europa der UNO (ECE) übereinstimmen, bewirken - bei richtiger Einstellung des Motors - einen praktisch rauch- freien Betrieb. Wenn man trotzdem immer wieder «rau- chende» Fahrzeuge mit Dieselmotoren feststellt, so liegt das Problem nicht bei den Vorschriften, sondern bei ihrer Ein- haltung und der Kontrolle. Nach Artikel 34 Absatz 1 der Verkehrsregelnverordnung (SR 741.11) sind Motorfahr- zeuge so zu unterhalten und zu benützen, dass sie keinen vermeidbaren Rauch entwickeln. Die Missachtung dieser Vorschrift kann - bei Feststellung und Anzeige durch die Polizei - mit Haft oder Busse bestraft werden. Je nach den Umständen kann die Belästigung sogar mit einer Admini- strativmassnahme (Verwarnung oder Entzug des Führeraus- weises) geahndet werden (Art. 16 Abs. 2 des Strassenver- kehrsgesetzes; SR 741.01).
a. Wie der Motionär in seiner Begründung selber ausführt, emittieren Dieselmotoren die von den Benzinmotoren her bekannten Schadstoffe Kohlenmonoxid (CO), unverbrannte Kohlenwasserstoffe (HC) und Stickoxide (NO)) in wesentlich geringeren Mengen als Benzinmotoren mit vergleichbarer Leistung. Deshalb hat sich bei den leichten Motorwagen eine diesbezügliche Regelung bis heute nicht aufgedrängt. Die ab 1. Oktober 1986 geltenden strengeren Vorschriften für Fahrzeuge mit Benzinmotoren veranlassen nun der Bun- desrat, auch für Fahrzeuge mit Dieselmotoren eine Begren- zung dieser Schadstoffemissionen in Aussicht zu nehmen. Hinsichtlich der schweren Motorwagen haben neueste Berechnungen des Bundesamtes für Umweltschutz gezeigt, dass diese Fahrzeuge an den vom Verkehr stammenden Stickoxidemissionen verglichen mit der tatsächlichen Fahr- leistung überproportional beteiligt sind. Eine diesbezügliche
Begrenzung scheint erfoderlich, weshalb der Bundesrat eine entsprechende Regelung ebenfalls in Aussicht nimmt.
b. Dieselmotoren emittieren auch Kohlenstoffteilchen (Russ); neben den sichtbaren Russteilchen - diese sind begrenzt (vgl. Ziff. 1) - werden auch kleinste unsichtbare Russteilchen (Partikel) ausgestossen. Über das Ausmass der Schädlichkeit dieser Russteilchen bestehen unterschiedli- che Auffassungen. Die in den USA geltenden diesbezügli- chen Vorschriften haben gezeigt, dass deren Erfassung heute noch Schwierigkeiten bietet (umstrittene Messtech- nik). An der Beseitigung dieser Schwierigkeiten wird inter- national gearbeitet. Sobald auch international anerkannte Messkriterien vorliegen, wird der Bundesrat Vorschriften zur Begrenzung dieser Russteilchen erlassen.
c. Die vom Dieselmotor ebenfalls emittierten Schwefeldio- xide (SO2) stehen in direktem Zusammenhang mit dem Schwefelgehalt im Dieseltreibstoff. Die Reduzierung des SO2-Ausstosses kann deshalb nur mit einer Reduzierung des Schwefelgehaltes im Treibstoff erreicht werden. Der Bundesrat hat deshalb am 12. März 1984 beschlossen, den maximalen Schwefelgehalt im Dieseltreibstoff auf den 1. Januar 1985 von 0,5 auf 0,3 Prozent Masse herabzusetzen. Eine weitere Reduktion wird angestrebt.
Obwohl der Bundesrat mit der Grundidee des Motionärs, Abgasvorschriften für Fahrzeuge mit Dieselmotoren zu erlassen, einig geht, kann die Motion aus rechtlichen Gründen nicht als solche entgegengenommen werden. Eine Motion kann den Bundesrat nur beauftragen, «in bestimm- ter Richtung einen Gesetz- oder Beschlussentwurf vorzule- gen». Der Erlass von Bau- und Ausrüstungsvorschriften für Motorwagen fällt indessen nach Artikel 8 des Strassenver- kehrsgesetzes in die Zuständigkeit des Bundesrates; dies gilt nach Artikel 12 des Bundesgesetzes vom 17. Oktober 1983 über den Umweltschutz (BBI 1983 III 1040) ebenfalls für Vorschriften über Brenn- und Treibstoffe. Wo der Gesetzge- ber den Bundesrat zur Rechtsetzung ermächtigt, also im sogenannten delegierten Rechtsetzungsbereich, können dem Bundesrat auf dem Wege einer Motion nicht verbindli- che Gesetzgebungsaufträge erteilt werden.
Der Bundesrat ist bereit, die Motion als Postulat entgegen- zunehmen und die angeregten Massnahmen zur Verbesse- rung der Luftqualität soweit als möglich zu verwirklichen.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral Der Bundesrat beantragt, die Motion in ein Postulat umzu- wandeln.
Überwiesen als Postulat - Transmis comme postulat
84.391 Motion Maitre-Genève Bedingter Führerausweisentzug Retrait du permis de conduire. Sursis
Wortlaut der Motion vom 22. März 1984
Der Bundesrat wird gebeten, dem Parlament einen Entwurf zu einer Änderung des Strassenverkehrsgesetzes zu unter- breiten, die den bedingten Führerausweisentzug zulässt.
Texte de la motion du 22 mars 1984
Le Conseil fédéral est prié de soumettre aux Chambres fédérales un projet complétant la loi sur la circulation rou- tière de manière à permettre le sursis à une mesure de retrait du permis de conduire.
Motion der LdU/EVP-Fraktion
975
Mitunterzeichner - Cosignataires: Berger, Bonny, Butty, Candaux, Cevey, de Chastonay, Cottet, Cotti Flavio, Cotti Gianfranco, Couchepin, Darbellay, Dubois, Eggly-Genève, Etique, Fischer-Sursee, Gehler, Giudici, Gloor, Grassi, Iten, Jeanneret, Massy, Perey, Pini, Revaclier, Riesen-Fribourg, Rime, Salvioni, Savary-Fribourg, Savary-Vaud, Schmidhal- ter, Segmüller (32)
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Le sursis à une mesure de retrait du permis de conduire n'est pas admis par la jurisprudence dans la teneur actuelle de la LCR (cf. notamment JT 1967 | p. 394).
De manière bien indirecte, la LCR connaît, il est vrai, une sorte de substitut au sursis, à savoir l'avertissement. Un avertissement n'est cependant possible que pour les cas de peu de gravité au sens de l'article 16, alinéa 2 LCR. Dans la pratique on peut cependant douter sérieusement que l'aver- tissement joue le rôle que le législateur a voulu lui donner à l'époque. Dans de très nombreux cas, son caractère quasi automatique le fait passer presque inaperçu; son effet dis- suasif est ainsi pour le moins réduit.
Cette situation est critiquable à plus d'un titre:
L'argument juridique, selon lequel le retrait du permis n'est pas une peine proprement dite mais uniquement une mesure administrative, n'est guère convaincant. Il n'y a en effet aucun doute que le retrait du permis de conduire est ressenti comme une véritable peine, qui dans certains cas revêt même un caractère prépondérant par rapport à d'au- tres sanctions pénales qui l'accompagnent en particulier l'amende (cf. Bussy-Rusconi «Code suisse de la circulation routière» p. 58).
Certains automobilistes ont un besoin professionnel de leur véhicule à moteur. Le retrait du permis les frappant peut avoir pour eux des conséquences totalement disproportion- nées, notamment la perte de leur emploi, à la faute commise ou aux conséquences de cette faute.
L'institution du sursis au retrait du permis, loin d'être une mesure de clémence inappropriée, offrirait un double avan- tage:
à l'égard du conducteur ayant à se reprocher un manque- ment tout à fait occasionnel et isolé, ce système offrirait plus de souplesse et permettrait mieux de tenir compte des circonstances propres à chaque situation. Il aurait d'autre part pour effet d'offrir un avertissement dont le poids se ferait sentir durablement (soit pendant un délai d'épreuve) et engagerait ainsi le conducteur à redoubler de prudence à l'avenir. Il n'y a à cet égard aucune raison de penser que les motifs de prévention ayant conduit le législateur à adopter l'article 41 CPS ne soient pas tout autant pertinents en matière de permis de conduire.
à l'égard du conducteur récidiviste, le système présente- rait dans les faits une sévérité accrue puisque les durées de retrait (celle du retrait avec sursis et celle du retrait décou- lant de la nouvelle infraction) seraient immédiatement cu- mulées.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates
Rapport écrit du Conseil fédéral
Le Conseil fédéral reconnaît le bien-fondé de la motion qui vise à rendre le retrait du permis de conduire plus flexible et mieux adapté dans des cas particuliers au principe de la proportionnalité. Le Département fédéral de justice et police a déjà tenu compte de la requête de l'auteur de la motion, en ce sens qu'il évoque expressément ce problème dans la procédure de consultation qu'il prépare actuellement pour réviser certaines dispositions de la loi fédérale sur la circula- tion routière (LCR).
Étant donné qu'il faut d'abord attendre les résultats de cette procédure de consultation, le Conseil fédéral est prêt à accepter l'intervention sous forme de postulat. Il n'hésitera pas à proposer une modification de la LCR dans le sens proposé par l'auteur de la motion si cette proposition ren- contre une large approbation dans la procédure de consul- tation.
Schriftliche Erklärung des Bundesrates Déclaration écrite du Conseil fédéral
Le Conseil fédéral propose de transformer la motion en postulat.
Überwiesen als Postulat - Transmis comme postulat
84.403 Motion der LdU/EVP-Fraktion Abgase der Motorfahrzeuge. Jährliche Kontrolle Motion du groupe Adl/PEP Gaz d'échappement des véhicules automobiles. Contrôle annuel
Wortlaut der Motion vom 23. März 1984
Der Bundesrat wird ersucht, im Sinne einer Sofortmass- nahme zur Abgasreduktion Vorschriften zur generellen Durchführung von jährlichen Kontrollen der Motor- (d. h. der Zünd- und Vergaser-)einstellung zu erlassen.
Texte de la motion du 23 mars 1984
Le Conseil fédéral est chargé d'édicter, à titre de mesure d'urgence visant à réduire les émissions de gaz d'échappe- ment, des prescriptions concernant le contrôle annuel du réglage du moteur (à savoir de l'allumage et du carburateur). Sprecher - Porte parole: Biel
Schriftliche Begründung - Développement par écrit
Im Rahmen der Sofortmassnahmen, welche zu einer Schad- stoffreduktion in der Luft beitragen können, erscheint es angebracht, die Einstellung der 2,5 Millionen in Verkehr stehenden Fahrzeuge periodisch zu überprüfen und notfalls einregulieren zu lassen. Mangelhaft eingestellte Motoren ziehen nämlich unweigerlich einen gesteigerten Treibstoff- konsum und damit auch einen höheren Ausstoss an schädli- chen Abgasen nach sich. Leider halten sich die meisten Fahrzeugbesitzer kaum oder nur ungenügend an die vom Fahrzeughersteller erlassenen Servicevorschriften. Auch scheinen es zahlreiche Markenvertretungen mit der War- tung bzw. mit der Reglage der Gemischaufbereitungs- und Zündanlagen bei den ihnen anvertrauten Wagen nicht besonders genau zu nehmen.
Gemäss der von zwei Expertengruppen geleisteten Vorar- beiten wären derartige Abgaskontrollen, für deren Durch- führung die Kantone zuständig wären, im kommenden Jahr realisierbar. Nach absolvierter Überprüfung bzw. Einstellar- beit würde das betreffende Fahrzeug alsdann mit einer gut sichtbaren «Abgasvignette» versehen.
Schriftliche Stellungnahme des Bundesrates Rapport écrit du Conseil fédéral
Anlässlich der vorgeschriebenen periodischen Fahrzeug- nachprüfungen (in der Regel alle drei Jahre; gewisse Fahr- zeugarten alle Jahre) wird bei Motorwagen mit Benzinmoto- ren auch eine Überprüfung des zulässigen Kohlenmonoxid- Gehaltes im Leerlauf vorgenommen (Art. 83 Abs. 1 und Anhang 3 der Verordnung vom 27. August 1969 über Bau und Ausrüstung der Strassenfahrzeuge; SR 741.41). Dies hat sich als ungenügend erwiesen. Der Bundesrat hat deshalb das Eidgenössische Justiz- und Polizeidepartement schon · vor einiger Zeit beauftragt, zusammen mit den Kantonen und den Organisationen des Autogewerbes ein wirksameres Programm zur Abgasnachkontrolle der im Verkehr stehen- den Fahrzeuge in die Wege zu leiten. Die Arbeiten dazu sind im Gange, und es wird noch dieses Jahr ein umfassendes Vernehmlassungsverfahren durchgeführt.
Obwohl der Bundesrat mit der Grundidee der Motion, ein wirksameres Abgasnachkontrollprogramm einzuführen, einig geht, kann die Motion aus rechtlichen Gründen nicht
124-N
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Motion Maitre-Genève Bedingter Führerausweisentzug Motion Maitre-Genève Retrait du permis de conduire. Sursis
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Jahr
1984
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Anno
Band
III
Volume
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Sommersession
Session
Session d'été
Sessione
Sessione estiva
Rat
Nationalrat
Conseil
Conseil national
Consiglio
Consiglio nazionale
Sitzung
15
Séance
Seduta
Geschäftsnummer 84.391
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Numero dell'oggetto
Datum 22.06.1984 - 08:00
Date
Data
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