Federal Council cannot review appropriateness under Art. 49 lit. c PA

150001343Verwaltungspraxis der Bundesbehörden (VPB)16.10.1990Dismissed

Von Omnilex extrahiert

Omnilex-Zusammenfassung

The appellants challenged a cantonal traffic-order measure and argued that the Federal Council should also assess its appropriateness, even though the cantonal appellate authorities had only limited cognition. The Federal Council held that Art. 49 lit. c PA excludes appropriateness review once a cantonal appellate authority has decided the matter. The criticism based on federal case law and doctrine was rejected as inapplicable, because it concerned different procedural settings. The appeal was therefore dismissed, and the Federal Council emphasized that any broader review power would require legislative intervention.

Omnilex-Regeste

Art. 49 lit. c PA; cognizance of the Federal Council on appeal against a cantonal appellate decision; appropriateness review excluded. Where a cantonal authority has decided as appeal instance, the Federal Council may examine only violations of federal law, including excess or abuse of discretion, and incorrect or incomplete ascertainment of the legally relevant facts; a review of expediency is inadmissible, even if cantonal law afforded the lower cantonal instance only limited cognition. Art. 62 Abs. 4 VwVG confirms that the deciding authority applies the law ex officio and is not bound by the parties' reasons. A broader cognition in a multi-instance appeal system cannot be inferred by analogy from rules governing exhaustion of cantonal remedies or from constitutional complaints; any extension would require legislative amendment.

Gesamter Gesetzestext

JAAC 55.25

Auszug aus einem Entscheid des Bundesrates vom 16. Oktober 1990

Procédure de recours.

Art. 49 let. c PA. Même lorsque le droit cantonal ne confère aux autorités cantonales de recours qu'un pouvoir de cognition restreint, le Conseil fédéral ne peut pas réexaminer l'opportunité d'une décision (en l'espèce, mesure de la circulation routière) sur laquelle elles se sont prononcées.

Beschwerdeverfahren.

Art. 49 Bst. c VwVG. Selbst wenn den kantonalen Beschwerdeinstanzen aufgrund des kantonalen Rechts nur eine beschränkte Kognition zusteht, kann der Bundesrat die Angemessenheit einer Verfügung (vorliegend Verkehrsanordnung), über welche sie entschieden haben, nicht überprüfen.

Procedura di ricorso.

Art. 49 lett. c PA. Anche se, sul fondamento del diritto cantonale, alle autorità cantonali di ricorso è conferita soltanto una cognizione limitata, il Consiglio federale non può riesaminare l'adeguatezza di una decisione (nel caso presente, provvedimento della circolazione stradale) sulla quale esse si sono pronunciate.

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  1. Die Beschwerdeführer machen geltend, der Bundesrat habe auch über die Angemessenheit der angefochtenen Verfügung zu befinden. Der Regierungsstatthalter und der Regierungsrat hätten die Verkehrsmassnahme aufgrund der kantonalen gesetzlichen Bestimmungen nur beschränkt überprüfen können. Nach bundesgerichtlicher Rechtsprechung könne ein Beschwerdeführer indessen im Rahmen der staatsrechtlichen Beschwerde einen Entscheid einer unteren kantonalen Instanz, der freie Kognition zustand, zusammen mit dem Entscheid der letzten kantonalen Behörde, der nur beschränkte Kognition zukam, anfechten. Wenn das BGer, das selber nur eine beschränkte Kognition habe, das Ermessen in diesen Fällen vollumfänglich überprüfen könne, so müsse dies ebenfalls für das Verwaltungsbeschwerdeverfahren gelten, da dem Grundsatz nach eine volle Überprüfung des Ermessens möglich sei. Unter Hinweis auf Gygi bringen die Rekurrenten ferner vor, im Beschwerdeverfahren vor dem Bundesrat mache die Praxis in dieser Beziehung Einschränkungen, die sonst im Verwaltungsbeschwerdeverfahren nicht angehen würden (Gygi Fritz, Bundesverwaltungsrechtspflege, Bern 1983, S. 238).

a. Nach Art. 49 VwVG kann mit der Beschwerde an den Bundesrat Verletzung von Bundesrecht, einschliesslich Überschreitung oder Missbrauch des Ermessens, sowie unrichtige oder unvollständige Feststellung des rechtserheblichen Sachverhalts gerügt werden. Wenn - wie hier - eine kantonale Behörde als Beschwerdeinstanz entschieden hat, ist die Rüge der Unangemessenheit unzulässig (Art. 49 Bst. c VwVG). Die urteilende Instanz wendet das Recht von Amtes wegen an. Sie ist an die Begründung der Parteibegehren nicht gebunden (Art. 62 Abs. 4 VwVG). Der Bundesrat kann daher die Beschwerde aus Erwägungen gutheissen oder abweisen, die in den Rechtsschriften der Parteien nicht enthalten sind.

b. Diese gesetzliche Regelung ist klar. Die erwähnte Kritik Gygis bezieht sich nur auf Fälle, wo dem Bundesrat volle Kognition zukommt, also dort, wo er selber als erste und zugleich letzte Rechtsmittelinstanz entscheidet. Das trifft hier gerade nicht zu. Bei der zitierten bundesgerichtlichen Praxis geht es lediglich um die Frage der Ausschöpfung des kantonalen Instanzenzuges. Abgesehen davon änderte das BGer seine Rechtsprechung in BGE 111 Ia 354 (bestätigt in BGE 114 Ia 311). Danach kann auf das Begehren, auch das Urteil der unteren Instanz aufzuheben, nicht eingetreten werden, wenn die Überprüfungsmöglichkeit der oberen kantonalen Behörde nicht enger ist als diejenige des BGer im Verfahren der staatsrechtlichen Beschwerde. Keinesfalls erweiterte das BGer seine ihm zustehende Kognition in der Weise, dass es selber einen Entscheid vollumfänglich überprüfen würde, wenn der kantonalen Instanz nur eine eingeschränkte Überprüfungsbefugnis zukommt, wie die Beschwerdeführer anzunehmen scheinen.

Auch wenn es im vorliegenden Fall unbefriedigend erscheinen mag, dass keine der kantonalen Behörden die Angemessenheit der Parkierungsbeschränkung überprüfen konnte, so ändert das an der Prüfungszuständigkeit des Bundesrates nichts. Es würde in der Tat dem Gedanken eines mehrinstanzlichen Beschwerdeverfahrens zuwiderlaufen, wenn einer obersten Behörde eine weitere Kognition zustehen würde als den Vorinstanzen, wie der Regierungsrat in seiner Vernehmlassung zutreffend ausführt. Im übrigen zwingt das Verwaltungsverfahrensgesetz eine kantonale Rechtsmittelinstanz nicht, in einem Streit, der Bundesverwaltungsrecht

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beschlägt, die Angemessenheit zu überprüfen. Es geht nicht an, eine solche Frage im Rahmen der Rechtsanwendung zu entscheiden. Vielmehr müsste in dieser Hinsicht der Gesetzgeber tätig werden. Dazu ist festzuhalten, dass Art. 49 VwVG im Zusammenhang mit der vom Volk abgelehnten Revision des BG über die Organisation der Bundesrechtspflege nicht geändert wurde (vgl. auch den in dieser Revision neu eingefügten Art. 98a Abs. 3 OG, der bloss vorsah, dass die Kantone Beschwerderecht und Beschwerdegründe mindestens im gleichen Umfang wie für die Verwaltungsgerichtsbeschwerde gewährleisten müssen, BBl 1989 II 880).

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JAAC 55.25 - Auszug aus einem Entscheid des Bundesrates vom 16. Oktober 1990

In

Verwaltungspraxis der Bundesbehörden

Dans

Jurisprudence des autorités administratives de la Confédération Giurisprudenza delle autorità amministrative della Confederazione

Jahr

Année

1991

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55

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Ref. No

150 001 343

Das Dokument wurde durch das Schweizerische Bundesarchiv und die Bundeskanzlei konvertiert. Le document a été digitalisé par les Archives Fédérales Suisses et la Chancellerie fédérale. Il documento è stato convertito dall'Archivio federale svizzero e della Cancelleria federale.

In

Schlagwörter

administrative appealappropriateness reviewcantonal appellate reviewtraffic ordercognitionfederal council

Von Omnilex extrahiert

Kernrechtsfrage

Whether the Federal Council may review the appropriateness of a decision already decided by cantonal appellate authorities with limited cognition.

Extrahierter Entscheid

No. Under Art. 49 lit. c PA, the Federal Council cannot reexamine appropriateness once a cantonal appellate authority has ruled on the matter, even if cantonal law gave that authority only limited cognition.

Extrahierte Begründung

Art. 49 PA allows review for breach of federal law, including abuse of discretion, and for incorrect fact-finding, but excludes appropriateness review where a cantonal authority acted as appellate instance. The cited criticism and federal case law concern different procedural settings and do not expand the Federal Council's cognition. In a multilevel appeal system, the upper authority cannot have broader review powers than the lower instances; if broader appropriateness review is desired, legislative action is required.

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